Parker legt die "Sanitäter" flach - Günter Dönges - E-Book

Parker legt die "Sanitäter" flach E-Book

Günter Dönges

0,0

Beschreibung

Exzellent – das ist er im wahrsten Sinne des Wortes: einzigartig, schlagfertig und natürlich auch unangenehm schlagfähig. Wer ihn unterschätzt, hat schon verloren. Sein Regenschirm ist nicht nur sein Markenzeichen, sondern auch die beste Waffe der Welt. Seinem Charisma, Witz und Charme kann keiner widerstehen. Der exzellente Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! »Sehen Sie sich das nur an, Mister Parker«, sagte Lady Agatha zu ihrem Butler und deutete auf ein Perlenkollier, das rund zehntausend Pfund kostete. »Können Sie sich vorstellen, daß es Leute gibt, die für diesen Schnickschnack soviel Geld ausgeben?« Bevor Parker antworten konnte, jaulte plötzlich eine Sirene. Wenige Augenblicke später schoß ein Krankenwagen mit zuckendem Blaulicht heran. Die Türen des Führerhauses wurden aufgestoßen, zwei junge Männer sprangen heraus. Dann öffnete sich eine Seitentür des Wagens, und zwei weitere Weißgekleidete erschienen. Sie trugen eine Bahre und eilten in das Juweliergeschäft. Neugierige Passanten wurden aufgefordert, weiterzugehen. "Was ist hier los, junger Mann?« wandte sich Lady Agatha an einen der beiden sehr tüchtig wirkenden Rettungsspezialisten. "Ein Routineeinsatz«, nuschelte er. »Da hat 'ne Kundin wohl 'n Herzanfall erlitten.« Josuah Parker überblickte gemessen und würdevoll die Szene. Eine Kleinigkeit an diesem Bild störte ihn: Die beiden Krankenpfleger waren ohne jeden Zweifel bewaffnet! Obwohl ihre Kittel großzügig geschnitten waren, entgingen Parkers geübtem Auge keinesfalls die kaum merklichen Ausbuchtungen unter den Achseln. Die Glastür des Ladens flog auf, und die beiden Pfleger mit der Tragbahre stürmten heraus. Sofort kam auch Leben in die beiden Weißkittel, die Parkers Argwohn erregt hatten. Der eine von ihnen spurtete nach vorn und schob sich hinters Steuer.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 129

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Der exzellente Butler Parker – 52 –

Parker legt die "Sanitäter" flach

Günter Dönges

»Sehen Sie sich das nur an, Mister Parker«, sagte Lady Agatha zu ihrem Butler und deutete auf ein Perlenkollier, das rund zehntausend Pfund kostete. »Können Sie sich vorstellen, daß es Leute gibt, die für diesen Schnickschnack soviel Geld ausgeben?«

Bevor Parker antworten konnte, jaulte plötzlich eine Sirene. Wenige Augenblicke später schoß ein Krankenwagen mit zuckendem Blaulicht heran.

Die Türen des Führerhauses wurden aufgestoßen, zwei junge Männer sprangen heraus. Dann öffnete sich eine Seitentür des Wagens, und zwei weitere Weißgekleidete erschienen. Sie trugen eine Bahre und eilten in das Juweliergeschäft. Neugierige Passanten wurden aufgefordert, weiterzugehen.

„Was ist hier los, junger Mann?« wandte sich Lady Agatha an einen der beiden sehr tüchtig wirkenden Rettungsspezialisten.

„Ein Routineeinsatz«, nuschelte er. »Da hat ’ne Kundin wohl ’n Herzanfall erlitten.« Josuah Parker überblickte gemessen und würdevoll die Szene. Eine Kleinigkeit an diesem Bild störte ihn: Die beiden Krankenpfleger waren ohne jeden Zweifel bewaffnet!

Obwohl ihre Kittel großzügig geschnitten waren, entgingen Parkers geübtem Auge keinesfalls die kaum merklichen Ausbuchtungen unter den Achseln.

Die Glastür des Ladens flog auf, und die beiden Pfleger mit der Tragbahre stürmten heraus. Sofort kam auch Leben in die beiden Weißkittel, die Parkers Argwohn erregt hatten. Der eine von ihnen spurtete nach vorn und schob sich hinters Steuer. Einen Moment später heulte der Motor des Krankenwagens auf.

Sein Kollege riß die Hecktür auf und half den beiden Trägern die Bahre in den Wagen zu schieben. Es sah alles nach einem normalen Einsatz aus, der äußerst routiniert und zügig durchgeführt wurde. Auch Lady Agatha empfand dies so und nickte anerkennend.

»Tüchtige junge Leute«, bemerkte Agatha Simpson zu Parker, während die Bahre im Wagen verschwand.

In diesem Augenblick flog die Tür des Ladens erneut auf. Eine junge Frau erschien. Sie stand kurz vor dem Zusammenbruch und stolperte Lady Agatha förmlich in die Arme.

»Hilfe, Überfall!« kreischte sie, während sie in die Arme der älteren Dame fiel. Sie ließ den Kopf an Myladys Schulter sinken und schluchzte hysterisch.

Die beiden Krankenpfleger katapultierten die Trage mit dem unförmigen Bündel in den Wagen und wollten die Tür zuknallen.

Durch die Wucht, mit der die Liege auf ihren Schienen bewegt wurde, rastete sie nicht am Kopfende in der Verankerung ein, sondern schoß zurück. Ein Pfleger hielt sie im letzten Moment auf, indem er den Fuß hob.

Beim Aufprall geschah Erstaunliches. Die Decke verrutschte, und ein glitzernder Regen ergoß sich auf das Pflaster.

Die beiden jungen Männer bückten sich hastig und schaufelten die Schmuckstücke, um die es sich handelte, hastig in den Wagen.

Dann stiegen sie hinterher und zogen die Tür an. Der eine von ihnen beugte sich heraus und betrachtete die umstehenden Passanten der Reihe nach.

»Wir haben auch den Ladeninhaber mitgenommen«, teilte er mit spöttischer Stimme mit. »Sagen Sie der Polizei, daß der Mann stirbt, wenn sie uns in der nächsten Stunde zu nahe kommt oder uns aufzuhalten versucht.«

Die Tür knallte zu, und der Wagen ruckte an. Mit heulender Sirene und zuckendem Blaulicht verschwand er um die nächste Ecke.

»Das ist ja ein starkes Stück, Mister Parker«, stellte Lady Agatha fest, die einen animierten Eindruck machte. »Ich muß sagen, die Masche der Lümmel ist höchst originell.«

»Dem dürfte kaum zu widersprechen sein, Mylady«, gab Parker zurück. »Man sollte davon ausgehen, daß die Herren mit ihrer Beute entkommen.«

»Natürlich, Mister Parker, bei unseren Ordnungshütern!« Lady Agatha lachte geringschätzig. Sie versäumte keine Gelegenheit, ihre mißliebige Meinung kundzutun.

Erneut waren in der Ferne Sirenen zu hören. »Das dürfte bereits die von Mylady erwähnte Polizei sein«, mutmaßte Parker.

Ein schwarzer Jaguar tauchte aus einer Querstraße auf und raste auf sie zu. Der schwere Wagen rumpelte über den Bürgersteig und kam einen Meter vor dem Eingang des Geschäfts zum Stehen.

Die Fondtür wurde aufgestoßen, und eine untersetzte Gestalt schob sich ins Freie.

»Sieh an, Mister McWarden!« freute sich Lady Agatha und musterte den näher tretenden Mann. Der Chief-Superintendent war ja ein guter Freund des Hauses Simpson.

McWarden leitete im Yard ein Sonderdezernat zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens und unterstand in dieser Eigenschaft dem Innenminister direkt. Er war häufiger und gerngesehener Gast in Shepherd’s Market, um sich Rat und Hilfe bei Lady Agatha und Josuah Parker zu holen. Er schätzte deren unkonventionelle Methoden bei der Verbrechensbekämpfung, ganz besonders den Trickreichtum des Butlers.

»Sie hier, Mylady?« staunte er und musterte sie mißtrauisch aus den leicht hervorstehenden Basedowaugen, die ihm das Aussehen einer stets gereizten Bulldogge verliehen.

»Sie kommen mal wieder zu spät, mein Lieber«, gab Lady Agatha genüßlich zurück. »Aber das ist ja nichts Neues.«

»Was haben Sie hier zu suchen, Mylady?« wollte McWarden gereizt wissen, während er seine Leute mit einem Wink an die Arbeit delegierte.

»Instinkt, mein lieber McWarden«, behauptete die ältere Dame ungeniert und strahlte. »Ich rieche das Verbrechen eben, schon bevor es passiert.«

»Und warum haben Sie es dann nicht verhindert?« knurrte der Yard-Beamte.

»Ich wollte Sie nicht arbeitslos machen«, entgegnete sie schelmisch und wandte sich an den Butler.

»Wir werden Mister McWarden bei seinem Versuch, den Fall aufzuklären, nicht stören, Mister Parker. Kommen Sie!«

*

»Donnerwetter, das ist ja wirklich mal ein ganz neuer Dreh«, staunte Mike Rander. Der Anwalt, der einem bekannten James-Bond-Darsteller erstaunlich ähnelte, war aus seiner Kanzlei in der nahen Curzon Street herübergekommen, um sich von Lady Agatha ihr neuestes Abenteuer schildern zu lassen.

In seiner Begleitung befand sich Kathy Porter, die offiziell als Gesellschafterin und Sekretärin Myladys fungierte, sich aber schon seit geraumer Zeit in der Kanzlei des Anwalts aufhielt.

Es war übrigens Lady Agathas sehnlichster Wunsch, die beiden Kinder, wie sie die aparte junge Frau und den Anwalt nannte, miteinander zu verheiraten.

»Ich wußte gleich, als der Krankenwagen ankam, daß da was nicht stimmte«, berichtete die Hausherrin. »Für so was habe ich eben ein Gespür, nicht wahr, Mister Parker?«

»Mylady unterliegen, was die verbrecherische Szene betrifft, kaum einer Irritation«, stimmte der Butler zu, ohne daß sich ein Muskel in seinem glatten, ausdruckslosen Gesicht rührte.

»Das ist mit Sicherheit ein ganz raffinierter Überfall, sagte ich schon zu Mister Parker«, fuhr sie ungeniert fort. »Natürlich wollte mir Mister Parker wieder mal nicht glauben.«

»Meine bescheidene Wenigkeit wurde umgehend eines Besseren belehrt«, reagierte Parker gemessen. Er wunderte sich keineswegs über die Darstellung seiner Herrin, die ein wenig vom tatsächlichen Geschehen abwich. Aus langjähriger Erfahrung kannte er Myladys Neigung, die Dinge eigenwillig auszuschmücken und nach Belieben zu interpretieren.

»Und Sie konnten nicht eingreifen?« erkundigte sich Mike Rander anzüglich.

»Das war leider nicht möglich, mein lieber Junge«, bedauerte sie. »Sie können sich bestimmt die Neugierigen vorstellen, die sich in solchen Fällen einstellen und alles und jeden behindern. Ich konnte nichts unternehmen, ohne Unbeteiligte zu gefährden, und das wollte ich natürlich nicht. Aber das macht nichts, das gewährt den Strolchen nur eine kurze Verschnaufpause. Ihr Pech, daß ich bei diesem dreisten Überfall Augenzeugin war.«

»Ihnen fiel möglicherweise etwas auf, das zur Aufklärung des Falles beitragen könnte, Mylady?« erkundigte sich Kathy Porter lächelnd.

»Natürlich, Kindchen, was denken Sie denn?« Agatha Simpson legte eine Kunstpause ein und nahm einen Schluck aus ihrem Cognacschwenker. »Ich denke übrigens daran, die kleine Episode in meinem neuen Drehbuch zu verwenden«, bemerkte sie und wandte sich einem anderen Thema zu.

Sie hatte bereits vor geraumer Zeit beschlossen, Drehbücher zu schreiben, um die Qualität der Fernsehprogramme zu verbessern. Sie hatte sich noch nicht für ein bestimmtes Thema entschieden, studierte aber an vielen Videofilmen, die Parker Woche für Woche auslieh, die Technik moderner Unterhaltung.

»Um noch mal auf Ihre Beobachtungen zurückzukommen«, meldete sich Mike Rander grinsend zu Wort, der natürlich nur zu genau wußte, warum die ältere Dame so geschickt ausgewichen war.

»Kann man da Näheres hören?«

»Lassen Sie sich von Mister Parker berichten, ich spüre gerade eben ganz deutlich eine gewisse Inspiration in mir«, behauptete sie und erhob sich. »Ich ziehe mich zurück, um in meinem Studio zu meditieren. Man muß sich dem inneren Drang hingeben, so ist das nun mal bei Künstlern.«

»Sie fangen jetzt mit der Niederschrift an, Mylady?« wollte Kathy Porter wissen, während die Hausherrin hoheitsvoll wie eine regierende Monarchin zur Freitreppe hinüberschritt, die in ihre Privaträume führte.

»Vielleicht, mein Kind«, schränkte sie ein und lächelte entrückt. »Zunächst werde ich meine Gedanken und Eingebungen ordnen.«

»Welche Wünsche haben Mylady bezüglich des Tees?« erkundigte sich Parker höflich. »Darf sich meine bescheidene Wenigkeit bemerkbar machen?«

Kathy Porter und Mike Rander sahen sich an und unterdrückten mit Mühe einen Heiterkeitsausbruch. Sie wußten natürlich, daß Lady Agatha in wenigen Minuten eingeschlafen war. Der Butler hatte dies allerdings sehr diskret umschrieben.

»Nun ja, Mister Parker«, überlegte die Dame des Hauses, und sah in imaginäre Ferne. »Eine gewissen Ordnung sollte man in seinem Tagesablauf einhalten. Sie dürfen mich deshalb in meiner Meditation stören und mich an den Tee erinnern.«

»Wie Mylady wünschen«, gab Parker zurück und deutete eine Verbeugung an.

»Und denken Sie daran, daß geistige Arbeit ganz besonders an der Substanz zehrt«, erinnerte sie, während sie sich noch mal umdrehte. »Berücksichtigen Sie das bitte bei der Auswahl der Kleinigkeiten, die Sie üblicherweise zum Tee reichen.«

*

Josuah Parker und Mike Rander waren auf dem Weg nach Soho, wo der Butler den Inhaber einer Autowerkstatt aufsuchen wollte.

Es war früher Abend. Die ersten Touristen, die das angeblich so sündige Viertel besichtigen wollten, schoben sich langsam über die Gehwege und hielten Ausschau nach frivolen und aufregenden Erlebnissen.

»Woher kennen Sie den Knaben, den wir besuchen?« erkundigte sich Mike Rander. Er hatte es sich auf dem Beifahrersitz bequem gemacht und beobachtete amüsiert die Passanten, die vor rot angestrahlten Bars stehenblieben und die Schaukästen beschnüffelten.

Vor acht Jahren, als der Anwalt die Interessen britischer Unternehmen in den USA vertrat, hatte Parker ihm als Butler gedient und ihn dabei in eine Reihe brisanter Kriminalfälle verwickelt, die sie schließlich gemeinsam gelöst hatten. Rander genoß diesen Abend und freute sich, mit Parker unterwegs zu sein.

»Mister Terry Winters ist meiner bescheidenen Wenigkeit von einem früheren Fall her bekannt, Sir«, erinnerte sich Parker. »Man konnte Mister Winters von dem häßlichen Verdacht befreien, ein Fluchtauto gesteuert und dabei einen unschuldigen Passanten überfahren und getötet zu haben.«

»Und seitdem ist er Ihnen einen Gefallen schuldig, nicht wahr?« tippte Mike Rander an, der immer wieder über Parkers riesigen Bekanntenkreis staunte. Vor allem jedoch kannte der Butler eine Vielzahl von Leuten, die ihm aus den verschiedensten Gründen eine Gefälligkeit schuldeten und nur zu gern bereit waren, diese Schuld auch einzulösen.

»In der Tat ist es so, Sir. Mister Winters dürfte sich nach wie vor damit beschäftigen, gewissen Fahrzeugen eine neue Identität zu verleihen, um sie einer anderen Verwendung zuzuführen.«

»Das haben Sie sehr hübsch gesagt, Parker.« Mike Rander lachte leise. »Mit anderen Worten, Ihr Bekannter frisiert gestohlene Wagen um, damit sie anschließend gefahrlos weiterverkauft werden können.«

»Möglicherweise könnte man es auch so formulieren, Sir.« Parkers Gesicht blieb unbewegt und ausdruckslos wie stets.

»Und Sie meinen, er könnte uns einen Tip geben, der uns weiterhilft? Wäre zu schön, um wahr zu sein.«

»Mister Winters kennt selbstverständlich auch die übrigen Mitbewerber in diesem Geschäft, Sir. Es wäre durchaus möglich, daß er ahnt, wer die Pseudosanitäter mit ihrem Krankenwagen versorgt hat.«

»Vielleicht ist er schlicht und ergreifend von den Sanitätern selbst gestohlen worden, Parker.«

»Eine durchaus mögliche Version, Sir. Aber auch in einem solchen Fall könnte Mister Winters Näheres wissen. Er ist, was abhanden gekommene Fahrzeuge betrifft, eine anerkannte Kapazität und verfügt stets über die aktuellsten Informationen.«

»Na ja, irgendwo müssen wir schließlich anfangen.« Mike Rander zuckte gleichmütig die Achseln.

»Man ist bereits am Ziel, Sir.« Josuah Parker trat auf die Bremse und lenkte seinen Privatwagen in eine schmale Toreinfahrt, die alles andere als einladend aussah.

Die Wände waren fast schwarz von den Auspuffgasen und dem Ruß, der Putz brökelte in großen Fladen ab. Ein verwittertes, kaum noch lesbares Schild verkündete, daß man auf dem Hinterhof die Werkstatt Terry Winters’ finden könne, die alle Fabrikate schnell, preiswert und zuverlässig wieder instand setze und im übrigen auf Importfabrikate vom Kontinent spezialisiert sei.

»Also, wer seinen Wagen zur Reparatur bringt, ist selber schuld«, mokierte sich der junge Anwalt, während er die trostlose Umgebung musterte. Dann riß er erstaunt die Augen auf und schüttelte ungläubig den Kopf.

Das hochbeinige Monstrum, wie Parkers Privatwagen respektvoll von Freund und Feind genannt wurde, hatte die Durchfahrt passiert und rollte auf den Hinterhof. Der Blick fiel auf mehrere große, offenstehende Metalltore, die in die Werkstatt führten.

Dort herrschte anscheinend Hochbetrieb. Gestalten huschten zwischen diversen Fahrzeugen herum und vermittelten den Eindruck hektischer Betriebsamkeit. Dies war schon Grund genug, sich zu wundem, denn immerhin war die reguläre Arbeitszeit vorbei.

Mike Randers Staunen galt allerdings einer anderen Beobachtung. Vor den Toren zur Werkstatt standen Autos, die niemand beim Anblick der schäbigen Durchfahrt hier vermutet hätte. Rander erkannte zwei BMW, einen Porsche, einen Mercedes sowie mehrere Jaguar und Audi. Terry Winters schien sich einer bemerkenswerten Auftragslage zu erfreuen und tatsächlich auf hochklassige Importe spezialisiert zu sein.

»Du meine Güte«, sagte Rander verblüfft. »Hier steht ja ein Vermögen an Autos herum. Sind die etwa alle ... abhanden gekommen, Parker?«

»Keinesfalls und mitnichten, Sir.« Der Butler lenkte seinen Privatwagen vor ein Tor an der linken Seite des Hofes und hielt. »Mister Winters erfreut sich unter Fahrern ausländischer Marken eines ausgezeichneten Rufes«, erklärte er, während er dem Anwalt die Tür aufhielt. »Im übrigen wäre es sehr leichtsinnig, gestohlene Fahrzeuge derart auf dem sogenannten Präsentierteller auszustellen.«

»Gerade das könnte doch seine Masche sein«, gab Mike Rander zurück und sah sich aufmerksam um. »Manchmal ist die beste Tarnung die, illegale Geschäfte ganz offen abzuwickeln. Und neu wäre diese Masche sicher nicht.«

»Die angesprochenen Fahrzeuge pflegt Mister Winters dem Kenntnisstand meiner bescheidenen Person zufolge in einem Filialbetrieb seines kleinen Imperiums zu behandeln«, informierte Parker den Anwalt. »Dies hier ist sozusagen Mister Winters’ offizielles Gesicht.«

»Auf das auch ich durchaus hereinfallen würde«, äußerte Mike Rander sehr beeindruckt.

*

»Ob wir da noch was machen können?« Ein junger Mechaniker war aus der Werkstatt gekommen und blieb grinsend vor Parkers hochbeinigem Monstrum stehen. Kopfschüttelnd musterte er das ehemalige Londoner Taxi.

Parkers Wagen sah rein äußerlich so aus, als wenn es ihn nach der Schrottpresse verlangte. Nur Eingeweihte wußten, daß es sich dabei in Wirklichkeit um eine Trickkiste auf Rädern handelte, die nach den sehr speziellen Plänen des Butlers hergerichtet worden war.

Neben einer Vielzahl von Überraschungen, auf die selbst ein gewisser James Bond neidisch gewesen wäre, verfügte der Wagen unter der eckigen Motorhaube über eine Rennmaschine, die ihm eine raketenhafte Beschleunigung und traumhafte Endgeschwindigkeit verlieh. Das alles aber war vom äußeren Anschein her nicht zu erkennen, so daß den Butler die geringschätzige Beurteilung des jungen Mannes nicht verwunderte.

»Man ist keineswegs gekommen, um Ihre Werkstattleistungen in Anspruch zu nehmen«, erläuterte Parker dem Mechaniker.

»Sie wollen sich nach ’nem anständigen Gebrauchten umsehen?« Der junge Mann nickte beifällig. »Sehr vernünftig, mit der Kiste wären Sie sowieso nicht mehr weit gekommen.«

»Auch das liegt keinesfalls und mitnichten in der Absicht meiner bescheidenen Person«, machte Josuah Parker dem jungen Mann klar, während er ihm seine Visitenkarte reichte. »Würden Sie bitte Mister Winters von meinem Besuch benachrichtigen?«

Der Mechaniker sah sich die Visitenkarte an und musterte Parker anschließend beeindruckt. Anscheinend hatte er nicht damit gerechnet, daß der irgendwie antiquiert wirkende Mann seinen Chef zu kennen schien.

»Mister Parker, welche Freude!« Ein Hüne um die Fünfzig, der in einem blauen Overall steckte, kam aus der Werkstatt und breitete die muskulösen Arme aus.

Parker lüftete grüßend die Melone. »Die Freude ist ganz meinerseits, Mister Winters«, versicherte er dem Mann, während er den einladend geöffneten Armen geschickt, doch ohne die angeborene Würde zu verlieren, auswich.

»Darf man Ihnen Mister Mike Rander, seines Zeichens Anwalt, vorstellen?« fuhr Parker fort.