Der kommende Bankencrash und wie Sie sich davor schützen können - Michael Grandt - E-Book

Der kommende Bankencrash und wie Sie sich davor schützen können E-Book

Michael Grandt

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Beschreibung

Der nächste Bankencrash ist nur noch eine Frage der Zeit.
Sind Sie darauf vorbereitet?


Wir leben aktuell in einer Welt multipler Krisen, deren Auswirkungen alles in den Schatten stellen werden, was die Menschheit jemals an Weltwirtschafts- und Finanzkatastrophen gesehen hat.

Die Bankenbeben in der Schweiz und in den USA im vergangenen Jahr waren nur ein Vorgeschmack dessen, was da noch auf uns zukommen wird. Seither geht ein neues Schreckgespenst unter den Regierenden um: die Furcht vor einem globalen Bankencrash. Jeden kann es treffen, jeder ist gefährdet. Selbst die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) macht keinen Hehl mehr daraus und sieht »die Bedingungen für einen perfekten Sturm« für die Banken gegeben.

Sogar die BaFin gibt zu, dass deutsche Banken schlecht aufgestellt sind

Angesichts dieser düsteren Aussichten drängen sich fundamentale Fragen auf: Wann müssen wir mit einem Bankencrash rechnen? Woran können wir konkret erkennen, wie gut unsere Bank aufgestellt ist? Ist es sinnvoll ein Konto im Ausland zu eröffnen? Wie sicher sind unsere Spareinlagen? Warum wird das Gesetz zur Enteignung von Sparkonten geheim gehalten? Fragen also, die uns alle angehen, Fragen, die jeden interessieren sollten.

Ein Bankencrash wird Sie ganz persönlich treffen. In diesem Buch lesen Sie, was Sie wissen müssen und wie Sie richtig reagieren sollten.

Michael Grandt ist kein Crashprophet oder Verschwörungstheoretiker, seine Analyse ist fundiert, akribisch recherchiert und mit über 900 seriösen Quellenangaben belegt. Er nimmt die bisherigen Bankencrashs - es gibt davon übrigens mehr, als Sie denken - genau unter die Lupe und zeigt, was Ihnen blühen kann. Seine Enthüllungen sind beängstigend: Die Banken und der Staat werden auf Ihr Vermögen zugreifen, wenn sie mit dem Rücken zur Wand stehen. Wie subtil und trickreich das geschehen kann, aber auch wie Sie sich vor dem Zugriff schützen können und welche Banken bereits auf der »Kippe« stehen, zeigt dieses Buch anhand aussagekräftiger Beispiele.

Michael Grandt beleuchtet das marode Bankensystem und gibt Ihnen Informationen und Strategien an die Hand, die eigentlich jeder Bankkunde kennen sollte. Er zeigt anhand von siebzehn Gründen, warum unser Bankensystem nicht mehr zu retten ist und was Sie jetzt noch tun können und auch tun sollten!

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Wichtige Vorbemerkungen des Autors:

Ich weise darauf hin, dass ich keine Finanzberatung oder Ähnliches ausübe und sich jeder Leser individuell informieren und seine Entscheidungen eigenverantwortlich treffen sollte.

Die Angaben in diesem Buch beruhen auf sorgfältigen Recherchen. Einschätzungen, Prognosen und Tipps sind als persönliche Meinungsäußerung und als unverbindliche Informationen anzusehen. Es gilt jedoch zu beachten, dass diese Angaben Änderungen unterliegen. Verlag und Autor können daher keine Haftung für Vollständigkeit und Richtigkeit der Angaben in diesem Buch oder daraus abgeleitete Aktionen übernehmen. Wenden Sie sich für rechtlich verbindliche Empfehlungen an lizenzierte Finanzberater oder andere Institutionen.

Die Aussagen in diesem Buch entsprechen meiner freien Meinung und sind allein meine Ansichten. Meine Werturteile stellen daher eine bloße Meinungsäußerung dar. Fremdbehauptungen werden durch Quellen belegt. Diese sind im Anhang wiedergegeben und können jederzeit überprüft werden.

1. Auflage Mai 2024

Copyright © 2024 bei Kopp Verlag, Bertha-Benz-Straße 10, D-72108 Rottenburg

Alle Rechte vorbehalten

Lektorat: Swantje Christow Satz und Layout: Mohn Media Mohndruck GmbH, Gütersloh Covergestaltung: Nicole Lechner

ISBN E-Book 978-3-98992-009-5 eBook-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

Gerne senden wir Ihnen unser Verlagsverzeichnis Kopp Verlag Bertha-Benz-Straße 10 D-72108 Rottenburg E-Mail: [email protected] Tel.: (07472) 98 06-10 Fax: (07472) 98 06-11

Unser Buchprogramm finden Sie auch im Internet unter:www.kopp-verlag.de

Widmung

Para Maria: minha vida

Zitate

»Nach der Krise ist vor der Krise.«

Börsenweisheit

»Die Bank ist eine Institution, die regelmäßig weniger zu halten braucht, als sie verspricht, und daher davon lebt, dass sie regelmäßig mehr verspricht, als sie im Ernstfalle halten kann.« 1

Wilhelm Röpke, Ökonom

»Mehr als 1000 Euro Bargeld pro Kopf gibt das gesamte Bankensystem nicht her.« 2

Daniel Haase und Gerd Ewert, Fachjournalisten

»Wenn es dann wirklich brenzlig wird, dann übernimmt am Schluss der Steuerzahler die Rechnung.« 3

Hans-Werner Sinn, Ökonom

»In gewisser Weise frustriert es mich, dass genau das Gleiche wie 2008 passiert.« 4

Achim Wiechert, Anleihenexperte

Vorwort

Sehr geehrte Leser,

ich möchte ohne große Umschweife auf den Punkt kommen: Wir befinden uns aktuell in einer Welt multipler Krisen, deren Auswirkungen noch einschneidender werden können als die der Weltwirtschafts- und Finanzkrise, die im Jahr 2008 ihren Anfang nahm. Auch wenn es für Sie zunächst unglaubwürdig klingen mag, aber unser Finanz- und Bankensystem ist in noch größerer Gefahr als damals. Den Beweis dafür werde ich in diesem Buch erbringen.

I.

Bankenschließungen, Kapitalverkehrskontrollen und Zwangsabgaben haben gezeigt, was das Halten von Ersparnissen für jeden Einzelnen bedeuten kann. Egal, wie die Politbürokraten beruhigen und was sie sagen: Ähnliches kann jedem Kontoinhaber angeschlagener Banken widerfahren. Die Büchse der Pandora wurde in Griechenland und Zypern geöffnet. Die Finanzkrise 2008 hat uns vor Augen geführt, dass der Staat keinerlei Skrupel hat, sich an »seinem« Volk zu bedienen, wenn es um die Rettung der Banken geht.

Ich führe minutiös auf, welche Zwangsmaßnahmen es für Sparer gibt und in welchen Ländern diese bereits durchexerziert wurden. Außerdem schlummern in vielen Verträgen Enteignungsklauseln, die nicht öffentlich kommuniziert, sondern, ganz im Gegenteil, verschwiegen werden. Ich lege das alles schonungslos offen. Eines dürfte nämlich klar sein: Für den Sparer und Bankkunden wird es nie wieder so sein wie vor 2008.

II.

Sie als Bankkunde dürfen nicht erwarten, dass Sie vor der Enteignung durch eine Zwangsabgabe gewarnt werden. Erst wenn Sie vor der verschlossenen Tür Ihrer Bankfiliale stehen, Ihre Kreditkarten nicht mehr funktionieren und Sie nicht mehr an Ihr Schließfach kommen, werden Sie wissen, was die Stunde geschlagen hat. Fakt ist: Wenn Sie Geldvermögen auf Bankkonten haben, kann es der Staat jederzeit wegnehmen oder beschneiden. Jegliche Bankeinlagen sind dem Zugriff der Regierungen ausgeliefert. Das hat die Finanz- und Weltwirtschaftskrise für Hunderttausende schmerzhaft bewiesen.

III.

Bankencrashs sind keine Verschwörungstheorie. Erfahren haben das Tausende von Menschen, die »ihren« Banken blind vertraut haben und dann – von einem Tag auf den anderen – vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Seit 2017 gingen insgesamt acht deutsche Banken pleite, von sehr großen bis hin zu kleinen Neo-Banken. Das europäische Finanzsystem ist zwischenzeitlich so fragil, dass eine Bankenunion angestrebt wird, damit das Ganze nicht zusammenfällt wie ein Kartenhaus oder von innen heraus implodiert. Ein weiteres Warnsignal: Wer hatte schon geglaubt, dass das vermeintlich sicherste Bankensystem der Welt, namentlich das der Schweiz, jemals in tödliche Schieflage geraten oder in den USA ein neues Bankensterben einsetzen würde? Wohl niemand. Und doch war genau das Anfang 2023 der Fall. Sicher ist nur: nichts ist mehr sicher.

Ich decke auf,

weshalb die vermeintlich »sichere« EZB in Wahrheit die größte Risikobank der Welt ist;

wie die EZB vor allem die deutschen Steuerzahler austrickst;

wie sträflich die Bundesregierung ihre Aufsichtspflicht versäumt und Finanzrisiken billigend in Kauf nimmt;

weshalb die Kursverlustbombe die Deutsche Bundesbank in den Abgrund reißen kann;

warum sogar der Europäische Rechnungshof Alarm schlägt;

weshalb die Lage viel schlimmer ist als offiziell zugegeben und warum Banken beaufsichtigt und kontrolliert werden müssen;

weshalb Banken ihre Risikovorsorge zum Teil drastisch erhöhen müssen.

weshalb in Bankbilanzen schlummernde Anleihen zur Immobilienfinanzierung und Target2-Bomben jederzeit hochgehen und eine weltweite Finanzkatastrophe auslösen können;

weshalb Deutschland in der Billionen-Falle sitzt, aus der es kein Entrinnen mehr gibt;

welche Enteignungsklauseln Ihnen absichtlich verschwiegen werden;

warum die Gewerbeimmobilienbombe jederzeit hochgehen kann.

Außerdem erfahren Sie,

welche deutschen Bankaktien massiv an Wert verloren haben;

warum die Risiken der Banken aktuell größer sind als jemals zuvor;

weshalb viele Banken immer noch in akuter Schieflage sind, und das trotz jahrelanger milliardenschwerer Rettungspakete;

welches die größten Herausforderungen im Jahr 2024 sein werden;

warum die Einlagensicherung alles andere als sicher ist;

warum die Deutsche Bundesbank ihre Risikovorsorge um sage und schreibe 1000 Prozent erhöhen musste;

weshalb das Jahr 2028 zum Entscheidungsjahr für die Banken werden wird;

wie verzweifelt Experten versuchen, eine Neuauflage der Finanzkrise von 2008 zu verhindern;

warum in der Deutschen Bank eine 42-Billionen-Euro-Derivatebombe tickt;

weshalb deutsche Banken niemals gerettet werden können;

warum das Gesetz zur Enteignung von Sparkonten geheim gehalten wird;

weshalb Bankeinlagen keine gesetzlichen Zahlungsmittel sind;

mit welchen Tricks die EZB den digitalen Euro durchdrücken will und was das für jeden Einzelnen bedeuten wird;

wie sich die EZB zum Handlanger rot-grüner Ökosozialisten macht;

wie subtil Banken das Geldabheben erschweren;

was eine Bankenpleite für den Sparer bedeutet.

Aber keine Sorge, ich lasse Sie als Boten schlechter Nachrichten nicht im Regen stehen und gebe Ihnen viele wichtige Informationen sowie sofort umsetzbare Strategien an die Hand, zum Beispiel:

Woran Sie erkennen können, wie sicher Ihre Bank ist.

In welchen Ländern Sie Ihr Geld noch guten Gewissens anlegen können.

Was Sie tun können, wenn Ihr Konto unangekündigt gesperrt wird.

Ob es sinnvoll ist, ein Konto im Ausland zu eröffnen.

Weshalb Sie unbedingt einen eigenen Tresor brauchen.

Warum Sachwerte sicherer sind als Digital- und Papiergeld.

Welche Aktien Kriege, Krisen und Pandemien in der Vergangenheit am besten überstanden haben.

Warum Edelmetalle für die Crash-Absicherung so wichtig sind.

Weshalb Immobilieninvestments gegenwärtig nicht sinnvoll sind.

Welche Sachwertalternativen es gibt, an die viele Anleger gar nicht denken.

Wie Ihr Bankencrash- und Krisenschutzportfolio aussehen kann und vieles mehr.

IV.

Obrigkeitsgläubige haben bei jedem Staatsbankrott, bei jeder Währungsreform und bei vielen Bankenpleiten den größten Teil ihres Vermögens verloren, weil sie bis zuletzt und unerschütterlich an die Märchen der Politelite geglaubt haben. Die Menschen in Griechenland, Portugal, Irland, Island und auf Zypern haben das schmerzvoll erfahren müssen. Machen Sie diesen Fehler nicht. Seien Sie jederzeit skeptisch und hinterfragen Sie alles.

Fakt ist: Bankenpleiten hat es schon immer gegeben, und es wird sie auch in Zukunft geben. Seien Sie deshalb gut vorbereitet. Mein Buch liefert Ihnen wichtige Hintergrundinformationen und nützliche, schnell umsetzbare Praxistipps.

Ihr

Michael Grandt

Statt einer Einleitung

Sie glauben, Ihr Erspartes ist auf einer Bank sicher? Sie glauben, Sie können jederzeit über Ihr Vermögen verfügen? Sie glauben, deutsche Banken können nicht pleitegehen?

Dann muss ich Sie leider enttäuschen. Anstatt einer seitenlangen theoretischen Erklärung, warum das nicht so ist, möchte ich auch hier gleich auf den Punkt kommen, und zwar mit der Aufzählung deutscher Bankenpleiten. Das soll jenen, die meinem Buch »Panikmache« oder gar »Verschwörungstheorie« vorwerfen (so wie es gerade bei jedem unbequemen Anti-Mainstream-Thema Mode ist), den Wind aus den Segeln nehmen. Das Kritiker-Totschlagargument »Die Bankenlandschaft hat sich doch verändert« kann ich sogar bestätigen: Stimmt! – sie ist nochschlimmergeworden!

Liste deutscher Bankenpleiten seit 1950 5

1950

Handels- und Verkehrsbank AG, Hamburg

Jüdische Industrie- und Handelsbank GmbH, Frankfurt a. M.

1951

Bankgeschäft Heinz Henschel, Berlin

Bankgeschäft Heinz Sieber & Co, Weißenburg

1952

Bankhaus Cüppers & Co, Frankfurt a. M.

1953

Kreis-Hypothekenbank Lörrach, Lörrach

1955

Julius Klingel K.-G. Bankgeschäft, Karlsruhe

Bankhaus Lunk & Co KG, Hagen

Württembergische-Hohenzollerische Privatbank A.-G., Tübingen

1959

Berliner Import- und Export-Bank AG, Berlin

Max Klaiber, Bankgeschäft, Stuttgart

1961

Ba-Tei-Bank, Bank für Teilzahlungsfinanzierung Dr. Schmitz KG, Düsseldorf

Vereinsbank & Spargesellschaft für Stadt- und Landgemeinden AG, Heidelberg

Bankgeschäft Dr. Wiedemann & Co, Bank für Festbesoldete, Hamburg

August-Thyssen-Bank AG, Düsseldorf

1962

Allgemeine Wirtschaftsbank AG, Berlin

1963

FINA BANK Gesellschaft für Absatzfinanzierungen mbH, Saarbrücken

Bankhaus Hagen & Co, München

Reiser KG Teilzahlungskreditinstitut, Neustadt

Teilzahlungsbank GmbH, Karlsruhe

Westdeutsche Warenkreditbank Dr. Schmidt KG, Bonn

1964

Effekten- und Kreditbank AG, Düsseldorf/München

1965

Grundbesitz- und Handelsbank AG, Berlin

1966

Bankhaus Mertins & Co. KG, Köln

Hugo Oppenheim & Sohn Nachf. Berliner Privatbank AG, Berlin

Bankhaus Mertins & Co KG, Köln

1967

Bankhaus Günter Horbach AG, Düsseldorf

Bankhaus Neubauer & Co, Lüchow

Niederelbe Privatbank Georg Hohenstein, Stade

1968

Bankhaus Schlett KG, Essen

Bankhaus Märklin & Co, Frankfurt a. M.

Oberhessische Bank AG, Friedberg

Bankhaus Weiss & Co, Triberg

1970

Bankhaus Ott KG, Stuttgart

1971

Bankhaus Mühling AG, Düsseldorf

Volksbank Oberkirch

1972

Wilhelm Flohr Bank AG, Hamburg

Bankhaus Bansa KG, München

1973

Europa Bank, Kredit- und Sparbank AG, Saarbrücken

Bayerische Wirtschaftsbank AG, München

Bau-Kredit-Bank AG, Düsseldorf

Neue Bank AG, Oldenburg

Friedrich W. Seiler Bank für Absatzkredit KG, München

1974

Frankfurter Handelsbank AG, Frankfurt a. M.

Bankgeschäft Mertz & Co., Hamburg

RTB Regensburger Teilzahlungsbank Ottmar Dirrigl KG, Regensburg

Saar-Industriebank AG, Neunkirchen

Herstatt-Bank, Köln

1975

Allgemeine Kredit- und Finanzierungsgesellschaft mbH Teilzahlungsbank, Regensburg

Handelsfinanz-Bank GmbH, München

Bankgeschäft Karl Meinhardt, Frankfurt a. M.

Bankhaus Carl Chr. Gossenberg & Co, Essen

Orbis Bank GmbH, München

Bankhaus Nicolai & Co, Hannover

Selmi-Bank AG, Frankfurt a. M.

1976

Pfalz-Kredit-Bank GmbH & Co, Kaiserslautern

Bankhaus J. M. Bickelmann & Co, Saarlouis

Finanzierungsbank Esslingen eG, Esslingen

Bankhaus Otto Dierks & Co KG, München

1977

Bayerische Bauvereinsbank eG, München

Spar- und Leihkasse Ulrichstein GmbH, Ulrichstein

1978

Verwa-Bank Verbraucher-Warenkredit Albert Speidel GmbH & Cie, Stuttgart

1979

Spar- und Kreditbank GmbH, Stuttgart

Bankhaus Hassel & Cie gegr. 1924, Frankfurt a. M.

Teilzahlungsbank Pfeifer, Inh. Horst Pfeifer, Rendsburg

1980

HKB Handelskreditbank AG, Frankfurt a. M.

Poensgenbank GmbH, Düsseldorf

1981

Bankhaus Werner & Frese, Hamburg

1982

Askanische Bank Trautwein & Co, Berlin

Pister Bank für Finanzierungen GmbH, Mannheim

1983

Bank Robert Meyerding, Hamburg

Herms Bank KG, Hamburg

Hensel Kreditbank GmbH, Darmstadt

Jan Weymar & Co KG Teilzahlungsbank, Hamburg

Schröder Münchmeyer Hengst & Co. (SMH), Hamburg

1984

Hammer Bank bzw. Hammer Bank Spadaka e.G., Hamm

1988

Bankhaus Steinhart KG, Pforzheim

1989

Bankhaus Sinzinger KG, München

1990

Heinrich Röttger Bank für Finanzierungen GmbH & Co KG, Osnabrück

1991

Bank of Credit and Commerce International S.A., Zweigniederlassungen Frankfurt a. M. und Hamburg (BCCI) (Sitz Luxemburg)

1992

Benedikt Baudrexel Bankgeschäft, Kempten

1994

Deutsch-Schweizerische Bank AG, Frankfurt a. M.

Meridien BIAO Bank GmbH, Hamburg

Mody Privatbank in Hamburg AG, Hamburg

1995

Bankhaus J. A. Krebs i. K., Freiburg

Bankhaus Fischer & Co, Hamburg

1997

Nicolaus Stark Bank AG, Abensberg

BVH Bank für Vermögensanlagen und Handel AG, Düsseldorf

2000

Sparkasse Mannheim

2001

Systracom Bank AG, Berlin

Bankhaus Partin GmbH & Co KGaA, Bad Mergentheim

Bankgesellschaft Berlin

2002

AHAG Wertpapierhandelsbank AG, Dortmund

BkmU Bank AG, Berlin

Gontard & MetallBank, Frankfurt a. M.

A & A Actienbank AG, Frankfurt a. M.

2003

BFI Bank AG, Dresden

2004

Sparkasse Schifferstadt (Fusion)

2006

Privatbank Reithinger, Singen

2007

IKB, Deutsche Industriebank, Düsseldorf

2008

Weserbank AG, Frankfurt a. M.

Lehmann Brothers Bankhaus AG, Frankfurt a. M.

Hypo Real Estate, München

Dresdner Bank (Fusion), Frankfurt a. M.

2009

Concord Investmentbank AG, Frankfurt a. M.

NCS mobile payment Bank GmbH, Willich

2010

Berliner Bürgschaftsbank AG, Berlin

noa bank GmbH & Co. KG, Düsseldorf

2012

FXdirekt Bank AG, Oberhausen

WestLB, Düsseldorf

2014

Bankhaus Wölbern & Co., Hamburg

2016

Maple Bank GmbH, Frankfurt a. M.

Bremer Landesbank, Bremen

2017

Süddeutsche Aktienbank AG, Stuttgart

2018

DERO Bank AG, München

HSH Nordbank, Hamburg

2021

Greensill Bank AG, Bremen

2022

Wirecard Bank AG, Aschheim

2023

Neobank Ruuky, Hamburg

North Channel Bank GmbH & Co. KG, Mainz 6

Insha Bank, Berlin 7

Glauben Sie immer noch, dass es Bankenpleiten in Deutschland heute nicht geben kann und dass dies nur eine »Verschwörungstheorie« ist? All den Banken auf meiner Bankrott-Liste haben Menschen vertraut. All diesen Banken hatten Menschen ihre Ersparnisse anvertraut – und zwar bis zum bitteren Ende.

Teil 1: Bankencrashs sind keine Verschwörungstheorie

TEIL 1

Bankencrashs sind keine Verschwörungstheorie

Bankenpleiten in Wirtschaftskrisen

»Wenn wir nicht aus den Problemen der Vergangenheit lernen, werden wir in der Zukunft Verlierer sein.«

Das ist mein Motto. So ist das auch bei diesem hochsensiblen Thema, bei dem es um Vermögen und – im wahrsten Sinne des Wortes – auch um Existenzen geht. Wir müssen uns mit der Vergangenheit beschäftigen, um zu verstehen, dass Bankenpleiten wahrlich keine Verschwörungstheorie sind, wie manche Beschöniger und Schwurbler uns weismachen wollen. Glauben Sie mir, die Geschichte ist Zeuge. Dabei möchte ich nicht einmal in die 1920er-Jahre zurück, zur Hyperinflation oder zum Zusammenbruch des Deutschen Reiches, sondern nur die letzten 15 Jahre beleuchten. Denn die hatten es in sich. Die verfaulten Früchte der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise, die 2008 ihren katastrophalen Anfang nahm, schlummern nämlich noch heute in vielen Bankenbilanzen. Doch von Anfang an.

I. Die Jahrhundertkrise (USA 2008)

Im Jahr 2008 wurden die USA und später der gesamte Globus von einer »Jahrhundertkrise« heimgesucht, die bis heute Auswirkungen auf unsere Volkswirtschaften und auf unsere Bankensysteme hat.

Richard Fuld, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Lehman-Bank, wurde und wird von Kritikern bis heute als einer der Hauptverantwortlichen für den Ausbruch dieser Krise angesehen. Denn der Zusammenbruch seines US-Investmentgiganten Lehman Brothers löste das Finanzbeben letztendlich aus.

Richard Fuld liebte riskante Geschäfte, um immer höhere Renditen zu erwirtschaften. Da er ganz nach oben wollte, lieh er sich immer mehr Geld, spornte seine Mitarbeiter an und bezahlte sie fürstlich: Einen Bonus von einer Million Dollar habe er in einem guten Jahr erzielt, berichtet Larry McDonald, ein ehemaliger Investmentbanker bei Lehman, doch in diesem Zeitraum habe er auch zum Vorteil seiner Bank zu einem Geschäftsergebnis von rund 30 Millionen Dollar beigetragen. Die besten Händler seien auf Boni von 10 Millionen Dollar gekommen – die ob des vermeintlichen geschäftlichen Erfolgs nie jemand hinterfragte. 8

Fuld und seine Bank liehen sich immer mehr Geld. Schließlich kamen auf einen Dollar Eigenkapital 44 Dollar, die geliehen waren. Der große Fehler war, dass die Manager langfristige Projekte mit kurzfristigem Geld finanzierten. Zum Schluss hatte die Bank 630 Milliarden Dollar Schulden. Die Aktien, die einmal 85 Dollar wert gewesen waren, fielen auf nur noch 3 Cent. 9

Fuld verspekulierte sich ein letztes Mal, denn nach der Absage der englischen Barclays-Bank, sich an Lehman zu beteiligen, stellte auch US-Finanzminister Henry Paulson keine weitere Unterstützung bereit. Die Folge: 30000 Mitarbeiter in sechzig Filialen rund um den Globus waren arbeitslos und die Welt stürzte in ein Finanz- und Wirtschaftschaos. 10 Am 14. September 2008, am Tag nach der Lehman-Pleite, wurden 700 Milliarden Dollar an den Börsen vernichtet – an einem einzigen Tag!

Wer ist Richard Fuld?

Richard Severin Fuld Jr. wurde am 26. April 1946 in New York City geboren. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Bereits 1969 stieg Fuld bei Lehman Brothers als Wertpapierhändler ein. Seit 1994 war er der Vorsitzende und Chief Executive Officer. Er hielt seine Position bis zum Konkurs des Unternehmens am 15. September 2008. Fuld machte 1969 seinen Abschluss an der Universität von Colorado in Boulder, und 1973 erwarb er den MBA an der New York University’s Stern School of Business. Seine Karriere als Pilot der amerikanischen Luftwaffe fand wegen eines Faustkampfes mit seinem Vorgesetzten ein Ende.

Seine Vergütungen in den Jahren 1993–2007 werden auf insgesamt 500 Millionen US-Dollar geschätzt. Außerdem sollen sich zum Zeitpunkt der Insolvenz 10,9 Millionen Lehman-Aktien, mit einem Wert von einer Milliarde US-Dollar, in seinem Besitz befunden haben. 11

Richard Fuld gilt bis heute als egoistisch und machtbesessen. Er trat als Feldherr auf, der Globus war sein Schlachtfeld, Gefangene wurden nicht gemacht. Sein Spitzname lautete »Gorilla«, den er wegen seines Spruches »Ich bin der einzige Banker, dessen Arme bis zum Boden reichen« und weil er ein ausgestopftes Gorilla-Exemplar in seinem Büro ausgestellt hatte, bekommen hatte.

In einem Firmenvideo gab Fuld noch im Juni 2008, also ein paar Wochen vor der Finanzkatastrophe, Kampfparolen aus, wie: »Es gilt, unsere Gegner zu zermalmen.« An anderer Stelle sagte er, dass er seinen Gegnern das Herz herausreißen und es verspeisen wolle, bevor sie sterben.

Wie rasant umfallende Dominosteine nahm die von der Lehman Bank ausgelöste Krise immer größere Ausmaße an. Banken rund um den Globus gerieten in Schieflage, die auch einige Staaten mitreißen sollte. Panikartig druckten die Zentralbanken deshalb immer mehr Geld, um sich der Megafinanzkatastrophe entgegenzustellen (siehe dazu das Kapitel »Eine kurze Geschichte des Fiat Money«).

Die Geldmengen, die die Zentralbanken in Umlauf brachten, stiegen beim US-Dollar um 138 Prozent und beim Euro um 35 Prozent. 12 Anfang 2002 waren Euro-Geldscheine im Wert von 225 Milliarden im Umlauf, am 6. November 2009 zirkulierten bereits Euroscheine im Wert von 773 Milliarden. 13 In den USA verloren rund 15 Millionen Menschen aufgrund der Weltbankenkrise ihre Arbeit, 14 in Europa waren es rund 6 Millionen. 15 Die US-Banken schrieben 451 Milliarden Dollar ab, in Europa waren es rund 320 Milliarden und in Asien knapp 30 Milliarden Dollar. 16

Allein in Deutschland verloren die privaten Haushalte rund 50 Milliarden Euro an Vermögen. 17

Durch die weltweite Börsenkapitalisierung wurden insgesamt 17,4 Billionen Dollar »vernichtet«. 18 Die internationalen Aktienmärkte verzeichneten an ihrem Tiefpunkt einen Verlust von mehr als 50 Prozent. 19 Die Wertverluste bei Wohnimmobilien in den USA und Großbritannien, also Ländern, die am stärksten von der Immobilienkrise betroffen waren, betrugen 4,65 Billionen (!) Dollar. Die Industrieproduktion brach weltweit um über 10 Prozent ein. 20 Allein im Jahr 2009 mussten 140 US-Banken schließen. 21 Die Banken nahmen weltweit 1,3 Billionen Dollar an frischem Kapital auf. 22 Währungsspekulationen übertrafen den Handel um das Zwanzigfache. 23 Der Wert aller Zinsderivate stieg auf 400 Billionen Dollar (1995: 18 Billionen Dollar). 24

Dazu kamen katastrophale Nachwirkungen: Experten schätzen, dass 500 Milliarden Euro in Form von toxischen Wertpapieren in den Bilanzen deutscher Banken schlummerten. 25 Katastrophal, was eine einzige Bankeninsolvenz weltweit auslösen konnte.

II. Im Abwärtsstrudel der Banken (Island 2008)

Anfang der 2000er-Jahre ging es den meisten Isländern augenscheinlich noch sehr gut: Großinvestoren hofften auf hohe Renditen und legten im »Steuerparadies« viel Geld an. Die Einheimischen waren zufrieden, der Wohlstand wuchs. Immer mehr Isländer hegten den Wunsch nach einem eigenen Haus oder einer eigenen Wohnung. Der Immobiliensektor boomte. Die Insulaner verschuldeten sich immer höher und die nimmersatten Banken gaben mehr und mehr und immer mehr: Im Durchschnitt war jeder der 320000 isländischen Bürger mit rund 200 Prozent seines Jahreseinkommens in der Kreide. Das war damals die höchste Privatverschuldung der Welt.

Die Banken überschätzten sich und gingen in großem Umfang risikoreiche Geschäfte ein. Sie investierten massiv in Unternehmenszukäufe im Ausland, die großteils aus Fremdwährungskrediten finanziert wurden.

Die Finanzkrise 2008, die von den USA ausgegangen war, traf die Isländer dann bis ins Mark, vor allem den Finanzsektor: Viele Geldinstitute konnten ihre Kredite nicht mehr rechtzeitig bedienen. Um einen totalen Zusammenbruch zu verhindern, mussten die größten Banken im Land verstaatlicht werden. 26 Allein die drei größten Geldinstitute standen mit dem neunfachen Bruttoinlandsprodukt in der Kreide – über 120 Milliarden Euro. Ein gigantischer Betrag für so ein kleines Land.

Die Verstaatlichung der Banken war der einzige Weg, das Land noch zu retten. Aber das hatte einen hohen Preis: Sie hinterließ Island einen Schuldenberg vom Zehnfachen der bis dahin jährlichen Wirtschaftsleistung. 27

Eines der hauptverantwortlichen Finanzinstitute war die Kaupthing-Bank, die noch kurz vor der Krise riesige Kredite, teilweise ohne Sicherheiten, an eigene Großaktionäre sowie deren Geschäftsfreunde ausgezahlt haben soll. Wie die Zeitung Fréttablaðið berichtete, erhielten allein die fünf wichtigsten Kreditnehmer aus dieser Bankengruppe umgerechnet 5 Milliarden Euro, was damals dem kompletten Staatshaushalt Islands entsprach. 28

Für die Isländer, die um ihre Vermögen bangten, kam es noch schlimmer. Denn ihre Alterssicherung wurde stark in Mitleidenschaft gezogen, weil Islands Pensionsfonds den Banken eine Millionenbeihilfe anbieten mussten. Der damalige Ministerpräsident Geir Haarde prophezeite, dass »viele Menschen sehr viel Geld verlieren werden« 29 . Die Situation wurde noch dramatischer: Bis September 2008 stieg die Inflation von knapp unter 4 Prozent auf 14 Prozent. Der isländische Leitzins lag im Mai 2008 bei satten 15,5 Prozent.

Am 16. Oktober 2008 gab die isländische Regierung schließlich an, eine fällige Anleihe der verstaatlichten Glitnir-Bank in Höhe von 750 Millionen US-Dollar nicht zurückzahlen zu können. Damit war das Land de facto zahlungsunfähig. Ein formaler Staatsbankrott bestand jedoch nicht, da die Anleihe nicht von Island selbst emittiert wurde.

Aber wären die Banken nicht verstaatlicht worden, hätte nach Angaben der isländischen Regierung tatsächlich ein Bankrott des Landes gedroht. Ministerpräsident Haarde warnte in einer TV-Ansprache: »Es besteht die Gefahr, dass die isländische Wirtschaft im schlimmsten Fall in den Abwärtsstrudel der Banken gerät und das Ergebnis ein Bankrott des Landes sein könnte.« 30

Schließlich griff der Internationale Währungsfonds (IWF) ein. Am 19. November 2008 genehmigte er einen 2,1-Milliarden-Dollar-Kredit. Diese finanzielle Unterstützung wurde sogar noch um mehr als 3 Milliarden US-Dollar in Form von Darlehen aus Russland und Polen ergänzt und um etwa 5 Milliarden US-Dollar von Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland. Das gesamte Paket umfasste demnach einen Wert von rund 10 Milliarden Dollar. Das Land benötigte das Geld dringend zur Stabilisierung seiner Landeswährung.

Da die Banken sich verzockt hatten, verlor die Isländische Krone im Jahr 2008 rund 75 Prozent ihres Werts gegenüber dem Euro. Eine Katastrophe für die Bürger und die Sparer.

Die Regierung in Reykjavík fixierte daraufhin den Wechselkurs und setzte zeitweise den Handel mit sämtlichen Finanzwerten aus. Mithin stufte die Ratingagentur Standard & Poor’s Islands Bonität um zwei Stufen herunter, 31 Fitch folgte im Januar 2010. 32

Der »theoretische« Staatsbankrott hatte Folgen: Die Regierungskoalition aus Unabhängigkeitspartei und sozialdemokratischer Allianz unter Premierminister Geir Haarde brach auseinander. 33 Eine Übergangsregierung aus Allianz und links-grüner Bewegung wurde gebildet und diese bei vorgezogenen Neuwahlen im April 2009 bestätigt.

Doch auch die neue Regierung kam um harte Maßnahmen nicht herum. 9 Monate nach dem Kollaps des isländischen Finanzsektors bekamen die Bürger mit dem »Stabilitätspaket« schließlich die Quittung für die Risikobereitschaft ihrer Banken präsentiert.

So wurden die Isländer von ihrer Regierung zur Kasse gebeten:

Deutlich höhere Steuern auf Genussmittel, Alkohol und Tabak.

Anhebung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung.

Senkung staatlicher Sozialleistungen.

Weniger Geld für Krankenhäuser und Schulen.

Ausgabenkürzungen der verschiedenen Ministerien von 10 Prozent.

Leistungen für Mutter- oder Vaterschaftsperioden sowie für Rentner mit Nebenerwerbstätigkeit wurden gekürzt.

Erhöhung der Steuern auf höhere Einkommen um 8 Prozent sowie auf Kapitaleinkommen um 10 Prozent. 34

III. Skrupellos gegen die eigenen Bürger (Griechenland 2009–2013)

Ausufernde Staatsschulden, die globale Finanzkrise und eine Regierung, die die Vorgaben der Europäischen Kommission zum Abbau der Defizite nicht beachtet hatte, brachten auch Griechenland Ende 2009 immer mehr in Bedrängnis.

Doch die Regierung in Athen wusste: Das Land gehört zur EU und konnte sich darauf verlassen, dass die anderen europäischen Staaten es nicht bankrottgehen lassen. So stiegen die Zinsen für griechische Staatsanleihen immer weiter, und Käufer vertrauten darauf, dass die EU haften würde. Zwei Ratingagenturen stuften im Dezember 2009 das Rating Griechenlands zurück. 35 Damit hatte Griechenland das mit Abstand schlechteste Rating unter allen Ländern der Eurozone.

Der damalige Ministerpräsident Giorgos Papandreou versicherte eilig, die Regierung wolle die Glaubwürdigkeit schon deshalb schnell wiederherstellen, weil sonst »sogar die Souveränität des Landes Gefahren ausgesetzt« wäre. 36 Das beruhigte die Investoren jedoch nicht. Die Herabstufung löste eine Flucht der Anleger aus griechischen Staatsanleihen aus, und an der Athener Börse brach der Leitindex um mehr als 5 Prozent ein.

So begann die Europäische Zentralbank (EZB) ihre erste Todsünde: Denn mit der Herabstufung auf »BBB+« unterschritten die griechischen Anleihen die bis dahin geltende Mindestanforderung der EZB, die bis Oktober 2008 mindestens eine Bonität von »A-« für bei ihr als Sicherheit hinterlegte Papiere verlangte. Wegen der Finanzkrise hatte sie diese Grenze auf »BBB-« gesenkt 37 (zum Länderrating siehe Kapitel »Wie sicher ist die Einlagensicherung?«). Das war verheerend für alle europäischen Steuerzahler! Aber auch der griechische Bankensektor war in akuter Gefahr. Wegen der Finanzkrise hatten die Institute rund 47 Milliarden Euro bei der EZB zu Sonderkonditionen ausgeliehen. Zudem hielten die griechischen Banken rund 45 Prozent griechischer Staatsanleihen und waren somit der größte Gläubiger des Landes. 38

Doch die Regierung in Athen vertraute weiterhin auf die EU, dort aber schwand langsam die Geduld. Die SüddeutscheZeitung schrieb damals: »Dass laut EU-Kommission ›kein Vertrauen‹ mehr besteht, liegt auch daran, dass sich Griechenland nicht zum ersten Mal mit wichtigen Daten vertan hat. Das Land wurde einst aufgrund geschönter Zahlen in die Währungsunion aufgenommen. Seither hat es immer wieder rekordverdächtige Schuldenberge angehäuft.« 39

Anfang 2010 war die Verschuldung Griechenlands dann so gigantisch, dass ein Bankrott vieler europäischer Banken, die griechische Staatsanleihen hielten, die EU destabilisiert hätte und eine weitere allgemeine Finanzmarktkrise die Folge gewesen wäre. 40

Die Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin hatte das Finanzministerium schon vorab in einem internen Vermerk vor den Auswirkungen eines Staatsbankrotts Griechenlands für deutsche Banken gewarnt: Dieser könnte auch auf andere schwache EU-Staaten wie Portugal, Italien, Irland oder Spanien (PIIGS-Staaten) übergreifen und verheerende Konsequenzen nach sich ziehen. Von »katastrophalen Folgen« war in dem Papier die Rede und: »Das Hauptrisiko für den deutschen Finanzsektor besteht in den kollektiven Schwierigkeiten der PIIGS-Staaten. Griechenland könnte hierfür möglicherweise der Auslöser sein.« 41

Das Risiko eines Crashs war groß. Aber nicht nur für die deutschen Gläubiger, denn Griechenland hatte sich in ganz Europa verschuldet. Im Mai 2010 wurde deshalb in einer Krisensitzung ein Notfallplan erstellt, um Griechenland vor dem Staatsbankrott zu retten: Die EU-Staaten und der IWF stellten Athen Notkredite über 110 Milliarden Euro mit einem Zinssatz von 5,5 Prozent in Aussicht. Deutschlands Anteil hiervon betrug rund 22 Milliarden Euro. Die Gelder sollten in insgesamt zwölf Tranchen bis März 2013 ausgezahlt werden. Nach 3 tilgungsfreien Jahren sollte der Hilfskredit dann in acht vierteljährlichen Raten zurückgezahlt werden. 42 Doch das stellte sich bald darauf als frommer Wunsch heraus.

Trotz monatelanger Dementis und Verschleierungstaktiken der Staats- und Regierungschefs wurde mit der Finanzhilfe der Maastricht-Vertrag, der den Bürgern als Garantie für die Stabilität des Euro versprochen wurde, gebrochen.

Die Eurozone wurde zu einer Haftungs- oder Transfergemeinschaft, bei der hauptsächlich der deutsche Steuerzahler die Zeche zahlen muss, da der Anteil und somit auch die Haftung Deutschlands an der EZB der höchste unter allen EU-Ländern ist (siehe unten).

Doch nur 4 Monate nach den vollmundig angekündigten Griechenlandhilfen zeigten sich Experten darüber besorgt, ob Athen seine Kredite überhaupt jemals zurückzahlen könne. 43

So kam es, wie es kommen musste: Bereits Ende November 2010 sprangen die Euro-Finanzminister schon wieder für das immer höher verschuldete Griechenland ein: Athen konnte sich mit der Tilgung der Hilfskredite 4½ Jahre länger Zeit nehmen als ursprünglich vereinbart. 44 Mit dieser Entscheidung wollte man den absehbaren Staatsbankrott des Landes ein zweites Mal hinausschieben. 45

Am 21. Juli 2011 beschloss ein Sondergipfel der EU-Staaten dann das zweite Hilfspaket für Griechenland. Es hatte ein Volumen von 109 Milliarden Euro.

Im Oktober 2011 enthüllte der Bericht der Troika, dass Griechenland noch weitaus mehr Geld benötigen werde als bis dato geschätzt: bis zu 444 Milliarden Euro.

Am 27. Oktober 2011 einigte sich der Euro-Gipfel dann mit den Banken auf einen freiwilligen Schuldenerlass für Griechenland in Höhe von 50 Prozent. Auch private Gläubiger sollten zur Kasse gebeten werden. Dies sollte aus einem »freiwilligen« Verzicht auf 53,5 Prozent der Forderungen bestehen und in Form eines Tausches von Staatsanleihen gegen neue Papiere mit längerer Laufzeit und niedriger Verzinsung ablaufen. De facto war dies ein Schuldenschnitt. 46

Im Sommer 2012 muckte dann schließlich auch der deutsche Steuerzahler – immerhin der Hauptlasttragende – langsam auf. Der Bundesregierung fiel es nämlich zunehmend schwerer, ihrem Volk die Notwendigkeit immer höherer Finanzspritzen ins ferne Athen plausibel zu erklären, so wie es aktuell schwerer wird, immer neue Milliardenhilfen deutscher Steuergelder in die Ukraine zu pumpen. Damals stellte sich die Frage: Warum sollten deutsche Rentner für die Altschulden der Griechen büßen? Warum sollten deutsche Arbeitnehmer für die Verschwendungssucht griechischer Politiker haften? Warum sollten die deutschen Sparer ihre Vermögen für griechische Korruptionsmechanismen riskieren?

Die Regierung in Athen wusste, dass es immer schwieriger wurde, Geld von der EU zu bekommen, und überlegte sich einen perfiden Trick, wie man die europäischen Steuerzahler doch noch zur Kasse bitten konnte – und zwar von hinten durch die Brust ins Auge.

Der »Griechen-Trick«

Die Regierung in Athen stand Mitte 2012 – trotz Hilfspaketen – immer noch unmittelbar vor dem Staatsbankrott und brauchte schnellstens 4 Milliarden Euro.

Doch die EU verzögerte die Auszahlung der nächsten Tranche, bis der neue Troika-Bericht vorlag. Doch so lange konnte Athen nicht mehr warten.

So begab Griechenland Schuldenpapiere mit einer Laufzeit von nur wenigen Monaten.

Die Papiere wollte aber niemand haben, da das Land kurz vor der Pleite stand. Doch das war Kalkül.

Griechische Banken kauften deshalb die Staatsanleihen ihrer eigenen Regierung.

Die Banken hatten dafür aber kein Geld, da sie sich auf den Märkten nicht mehr selbst finanzieren konnten, also quasi ebenfalls insolvent waren.

Darum liehen sich die Institute das Geld dafür als »Nothilfe« bei der griechischen Notenbank. Als Sicherheit hinterlegten sie die kurz zuvor gezeichneten Anleihen, die aber praktisch wertlos waren.

Die griechische Notenbank erhielt wiederum Nothilfekredite von der EZB.

Für die EZB haften die nationalen Notenbanken.

Für die nationalen Notenbanken haften die nationalen Regierungen.

Für die nationalen Regierungen haften die Bürger.

So wurde das Hauptrisiko auf den deutschen Steuerzahler übertragen – und zwar ohne lästige Bundestagszustimmung. 47

Diese betrügerische »Zwischenfinanzierung« zeigte Folgendes:

Die Probleme des griechischen Staates und der griechischen Banken wurden einfach auf die EZB abgeladen.

Rettungsschirme wurden so umgangen.

Die EZB verlor mehr und mehr ihre »Unabhängigkeit«.

Die EZB verstieß gegen ihre eigenen Statuten. Diese verbieten nämlich eine Finanzierung von Staaten.

Die EZB beteiligte sich an der Konkursverschleppung Griechenlands.

Das Volk sollte für dumm verkauft werden.

Für mich war das damals wie heute vorsätzlicher Betrug!

Im Oktober/November 2012 halfen dann weder die staatlichen noch alle anderen Bankentricks noch etwas. Jetzt wurde die eigene Bevölkerung massiv zur Kasse gebeten. Die Liste nachfolgend durchgeführter Einschnitte zeigt, dass der Staat absolut keine Skrupel hat, sich an »seinem« Volk zu bedienen, wenn er mit dem Rücken zur Wand steht.

So wurden die Griechen von ihrer Regierung zur Kasse gebeten:

Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und Freiberufler wurden mit einem Solidaritätsbeitrag zur Kasse gebeten.

Zuschläge wurden ersatzlos gestrichen, die meisten frei werdenden Stellen nicht wiederbesetzt, und jede zweite befristete Stelle wurde nicht verlängert.

In Staatsunternehmen wurden massive Entlassungen vorgenommen.

Abfindungen für entlassene Arbeitnehmer wurden drastisch gesenkt.

Bei Staatsbediensteten wurden sowohl Weihnachtsgeld als auch Urlaubsgeld gestrichen.

Löhne und Gehälter wurden zwischen 6 und 20 Prozent verringert.

Die Arbeitszeit wurde von 37,5 auf 40 Wochenstunden verlängert.

Die Mehrwertsteuer wurde um 3 Prozent angehoben.

Die Steuern auf Tabak, Spirituosen, Zigaretten, Heizöl, Erdgas und Kraftstoff stiegen.

Die Kfz-Steuer wurde erhöht.

Eine Finanztransaktionssteuer wurde eingeführt.

Kranke sollten sich beim Kauf von Medikamenten beteiligen.

Bei einem Krankenhausaufenthalt sollten 15 Prozent selbst übernommen werden.

Die Vermögenssteuer stieg.

Der Steuerfreibetrag wurde von jährlich 8000 auf 5000 Euro gesenkt.

Die Grundsteuer, die jeder Haus- oder Wohnungsbesitzer bezahlen musste, wurde mit der Stromrechnung eingezogen. Wer nicht bezahlte, dem wurde einfach der Strom abgestellt.

Alle Renten von 1000 Euro aufwärts wurden um 5–15 Prozent gekürzt.

Das Rentenalter wurde von 65 auf 67 Jahre angehoben.

Familien, die mehr als 18000 Euro im Jahr verdienten, hatten keinen Anspruch mehr auf Kindergeld.

Jeder Arbeitslose bekam nur noch für ein Jahr eine Unterstützung von rund 470 Euro im Monat – unabhängig vom vorherigen Einkommen. 48

Trotz alledem kam Griechenland die nächsten Jahre nicht mehr auf die Beine und benötigte immer neue Hilfen. Auch die Privatverschuldung wurde immer größer. Der Anteil der notleidenden Kredite explodierte: 2008 hatte die Quote der Darlehen, die seit 90 Tagen nicht mehr bedient werden, bei rund 5 Prozent gelegen, Ende 2012 schon bei 24,6 Prozent. Bei den Verbraucherkrediten und Kreditkarten sah es noch viel schlimmer aus: Hier wurden fast 50 Prozent der Darlehen nicht mehr bedient. Bei den Immobilienkrediten waren es über 20 Prozent. Fatal: Die Banken hatten die drohenden Ausfälle nur zu 48,1 Prozent durch Rückstellungen gedeckt. 49 Im März 2012 kam es dann zum ersten Schuldenschnitt. Banken und Versicherungen mussten auf Forderungen im Umfang von rund 100 Milliarden Euro verzichten.

Der Schuldenschnitt traf die Bürger besonders hart

Der Schuldenschnitt und das daraufhin erlassene Gesetz brachte den Gläubigern rückwirkend einen Verlust von bis zu 70 Prozent ihrer Forderungen ein. Aber noch viel schlimmer: 54 Prozent der Vermögen der Rentenkassen warenmit einem Schlag ausgelöscht. Nicht anders erging es den Lebensversicherungen, die viele Griechen als private Altersvorsorge angespart hatten. Denn auch die Lebensversicherer legten ihr Geld zu großen Teilen in griechischen Staatsanleihen an. Auch andere Kapital- und Rentenfonds, die beispielsweise Sparkassen und Banken ihren Kunden empfohlen und verkauft hatten, waren massiv betroffen. 50

Doch der erste Schuldenschnitt half wenig. Ende Oktober 2012 erwog die Troika einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland – diesmal sollten vor allem öffentliche Gläubiger auf ihre Forderungen verzichten. 51

Mitte Februar 2013 zog selbst der griechische Finanzminister einen erneuten Schuldenschnitt in Erwägung. Auch der IWF drängte auf einen weiteren Schuldenerlass, der dann auch öffentliche Geldgeber wie die Euro-Staaten, die EZB, die nationalen Notenbanken und den IWF betreffen sollte. 52 Dieser käme uns Deutschen aber teuer zu stehen. Denn dieses Mal wären die öffentlichen Gläubiger, sprich Staaten, an der Reihe gewesen. Die bisher vergebenen deutschen Hilfen summierten sich bereits auf 45 Milliarden Euro, 53 viel Geld, das der deutsche Steuerzahler nie wiedersehen würde.

Am 12. Juni 2013 dann der nächste Paukenschlag: Griechenland verlor den Status eines Industriestaates und wurde zum Schwellenland herabgestuft. Es war damit die erste industriell entwickelte Nation, die wieder auf den Status eines Schwellenländermarktes zurückgestuft wurde. 54

Griechenland erwies sich als ein Fass ohne Boden und konnte erst im Laufe der nächsten 10 Jahre durch weitere Hilfsmaßnahmen einigermaßen »stabilisiert« werden.

Auch heute ist Griechenland noch das mit Abstand am höchsten verschuldete Land der Währungsunion, mit einer Staatsverschuldung von 171 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). 55 Doch trotz des Schuldenrekords gelten die griechischen Staatsschulden laut EU-Kommission als »tragfähig«. Grund: Mehr als zwei Drittel der Verbindlichkeiten liegen bei öffentlichen Gläubigern wie dem Euro-Stabilitätsfonds ESM und seinem Vorgänger EFSF. Die Vorgabe des EU-Stabilitätspaktes, die eine Staatsschuldenquote von maximal 60 Prozent des BIP vorsieht, wird Griechenland nach der jüngsten Prognose der Europäischen Kommission frühestens Anfang der 2050er-Jahre erreichen. 56

Der aktuelle griechische Präsident Kyriakos Mitsotakis sieht das positiv. Er sagte Ende Dezember 2023 in einem Bild-Interview: »Wir haben das Blatt gewendet. Griechenland ist nicht mehr das Problem, sondern ein Teil der Lösung. Wir sind die positive Geschichte der Eurozone. Wir sind zurück!« 57

Die Bild – wen wundert’s – fiel natürlich in die Lobeshymne ein und titelte: »Das Griechenland-Wunder«. 58 Doch das »Wunder« sieht bei näherer Betrachtung und fernab des Populismus des griechischen Präsidenten ganz anders aus:

Die Staatsschuldenquote ist immer noch auf Rekordhoch: 171 Prozent des BIP (Deutschland: 66 Prozent). 59

Die Arbeitslosigkeit beträgt immer noch 10,4 Prozent (Deutschland: 6,0 Prozent). 60

Laut EU-Statistiken leiden die Griechen unter den höchsten Preisen für Alltagswaren und Dienstleistungen und haben gleichzeitig mit die geringste Kaufkraft. 61

Haushalte mit geringen Einkommen leiden unter hohen Lebensmittelpreisen. Griechenland hat die höchsten Preise für Milch, Käse und Eier (38,9 Prozent über EU-Schnitt). 62

Hohe Steuerhinterziehung: Zentralbankchef Giannis Stournaras schätzte die Höhe der hinterzogenen Steuern auf 60 Milliarden Euro – das entspricht der Hälfte der Staatsausgaben. Deshalb sind Bargeldgeschäfte über 500 Euro verboten. 63

Lassen Sie sich also von der Bild und dem Geschwätz des griechischen Präsidenten nicht blenden: Griechenland und seine Banken sind nach wie vor gefährliche finanzielle Atombomben für die EU und vor allem für Sie als deutsche Steuerzahler. Denn, obwohl es 27 EU-Mitgliedsstaaten gibt, beläuft sich der Anteil der Bundesbank auf rund 21 Prozent am gezeichneten und 26 Prozent am eingezahlten Kapital der EZB. 64

IV. »Merkel, stirb!« (Zypern 2013)

Nach Irland und Portugal (siehe dazu ausführlich mein Buch Deutschland vor dem Kollaps) war der nächste Pleitekandidat Zypern. Und auch hier waren die Banken wieder die Auslöser.

Bis Mitte März 2013 hatte die Mainstream-Presse den kleinen Inselstaat im Mittelmeer weitgehend ignoriert. Zypern wurde erst im Jahr 2008 in die Europäische Währungsunion aufgenommen, und das, obwohl das Wirtschaftswachstum und die Finanzstabilität stark von der Entwicklung in Griechenland abhingen. Der Nachbarstaat nahm immerhin 22 Prozent der zyprischen Exporte ab und war somit der größte Handelspartner. Steigende Defizite, immer höhere Schulden und die enge Verflechtung der zyprischen Wirtschaft mit dem maroden Griechenland waren dann aber das Todesurteil für den kleinen Inselstaat. Die zyprischen Banken waren mit hohen Risiken konfrontiert, weil sie sich in der Vergangenheit zu sehr in Griechenland engagiert hatten. Die Beteiligung der zyprischen Geldinstitute entsprach immerhin dem 2,5-Fachen (!) der Wirtschaftsleistung.

Die Bilanzsumme der zyprischen Banken war sogar 7,2-mal größer als das Bruttoinlandsprodukt (129 Milliarden Euro zu 18 Milliarden Euro). Im Vergleich: In Deutschland betrug die Bankenbilanzsumme damals »nur« das 3,2-Fache des Bruttoinlandsprodukts (8440 Milliarden zu 2659 Milliarden Euro).

Die größten zyprischen Banken, die Bank of Cyprus, die Marfin Popular Bank und die Hellenic Bank, hatten sich auf dem griechischen Markt konsequent eingerichtet. Zyprische Banken hatten rund 40 Prozent ihrer Kredite an Griechenland vergeben und kämpften dann mit zunehmenden Kreditausfällen, weil Griechenland den Bach runterging. Aber nicht nur die Kreditvergabe stellte für die zyprischen Banken ein Risiko dar, sondern auch das Engagement in griechischen Staatsanleihen, die Bonds im Volumen von rund 5 Milliarden Euro hielten. 65 Um das Schicksal, wie es Griechenland getroffen hatte, abzuwenden, beantragte Zypern im Juni 2012 EU-Hilfskredite. Sprich: die Rettung vor dem Staatsbankrott. 66

Zypern hatte bis zu diesem Zeitpunkt mit nur 10 Prozent die niedrigste Körperschaftsteuer der gesamten EU. Die Vorteile des extrem niedrigen Satzes wurden bis dahin von jeder Regierung verteidigt, um das Land konkurrenzfähig zu halten, was auch über viele Jahre hinweg funktionierte: Der niedrige Steuersatz, kombiniert mit Regelungen, die Holdings praktisch von der Steuer befreiten, lockten massenhaft Firmen auf die Insel. 19000 Unternehmen waren es jährlich. Doch die Gier nach immer neuen Investoren führte direkt in den Abgrund. Der niedrige Steuersatz führte zu hohen Zuflüssen an Einlagen in den heimischen Banken. Diese sahen sich mit dem vielen Geld »genötigt«, ihre Engagements in Griechenland zu erhöhen. Ein tödlicher Fehler, wie sich herausstellte.

Durch den steigenden Geldfluss aus dem Ausland wurden Kredite in einer Höhe von 24 Milliarden Euro vergeben. Das entsprach 133 Prozent des Bruttoinlandsproduktes des Landes. Hinzu kam der Schuldenschnitt auf griechischen Staatsanleihen, der die zyprischen Banken rund 4 Milliarden Euro kostete. 67 Und so kam, wie es kommen musste. Das Zypern-Drama nahm im Frühling 2013 immer katastrophalere Formen an. Die Situation war so schlimm, dass die zyprische Regierung schnell an das Vermögen seiner Bürger kommen musste.

Die Regierung beschloss, dass Anleger, die Kapital auf zyprischen Banken bunkerten, zwangsweise eine sogenannte »Stabilitätsabgabe« bezahlen sollten. Alle Anleger sollten davon betroffen sein. Bis zu 100000 Euro sollte die Zwangsabgabe 6,75 Prozent, darüber 9,9 Prozent betragen. Das galt für in- und ausländische Kontoinhaber.

Jörg Asmussen, damaliges Direktoriumsmitglied bei der Europäischen Zentralbank (EZB), hatte bereits vorab auf tageschau.de erklärt, wie der staatliche »Raub« vor sich gehen könnte: »So eine Finanz-Solidaritätsabgabe kann durch Parlamentsbeschluss eingeführt werden.« 68

Daraufhin versuchten Mitte März 2013 viele verzweifelte Menschen ihre Konten zu räumen. Die Regierung war schneller. Folgende staatliche Eingriffe wurden durchgesetzt, um zu verhindern, dass die Menschen an ihr eigenes Geld kommen konnten:

Die Menschen wurden darüber informiert, dass das Onlinesystem außer Betrieb gesetzt sei.

Aufgrund des Ansturms schlossen die Filialen.

An den Geldautomaten, die noch nicht leer waren, gab es nur noch höchstens 200 Euro. Mehr konnte nicht abgehoben werden.

In der Nacht von Freitag, 15. März, auf Samstag, 16. März 2013, wurden die entsprechenden Beträge der Zwangsabgabe einfach eingefroren. Das bedeutete, dass bei künftigen Auszahlungen die Sonderabgabe abgezogen würde. Doch während der Bankenschließung flossen riesige Summen über Schlupflöcher ins Ausland. Die reichen russischen Oligarchen zogen ebenso ihre Millionen ab wie britische Anlagefonds und betuchte zyprische Politiker.

Der Zahlungsverkehr sollte weitgehend stillstehen, damit es zu keinem Run auf die Banken kommen konnte. Kleinsparer und Rentner waren wütend. Eine Abgabe von knapp 7 Prozent war für sie, nach Jahren mühevollen Sparens, nicht hinnehmbar. 69

Aufgrund der zunehmenden Proteste und wohl aus Angst vor inneren Unruhen lehnte das Parlament in Nikosia die EU-Bedingungen für die Bankenhilfe ab und nahm die schon eingeleiteten Maßnahmen zum Teil zurück. Mit 36 Stimmen gegen das Verhandlungspaket und 19 Enthaltungen gab es keine einzige Dafür-Stimme. Der Enteignungsdeal zur Rettung des Euro in Zypern war abgelehnt. In Brüssel fielen die Kinnladen baumelnd auf Kniehöhe herunter. Blankes Entsetzen und Ratlosigkeit in den Gesichtern. Damit hatte keiner gerechnet. 70

Aus Brüssel ließ man die Zyprer wissen, dass die Banken erst wieder geöffnet werden dürften, wenn ein Ergebnis erzielt werde. Vorher kam keiner an sein Geld. Doch angesichts des Massenprotests wollte man »Gnade vor Recht« ergehen lassen und nur Sparer mit einem Guthaben von mehr als 100000 Euro zur Kasse bitten, die aber dann gründlich. 71

Zypern kochte. Die Zyprer waren wütend. Tausende Studenten marschierten zum Parlament und skandierten »Eure Fehler … Unsere Zukunft!«, »Hitler, Merkel – dieselbe Scheiße« und »Merkel, stirb!«. (Zypern 2023) 72

So wurden die Zyprer von ihrer Regierung zur Kasse gebeten:

Staatsbedienstete bekamen 6,5 und 12,5 Prozent weniger Gehalt.

Renten wurden um 3 Prozent gekürzt.

Die Unternehmensteuer stieg von 10 auf 12,5 Prozent.

Tabak, Alkohol und Treibstoffe wurden teurer.

Die Mehrwertsteuer wurde von 17 auf 19 Prozent angehoben. 73

Auslandsüberweisungen und Zahlungen mit Kreditkarten im Ausland wurden auf 5000 Euro pro Person und Monat begrenzt.

Die Bargeldabhebung wurde auf 300 Euro pro Tag beschränkt.

Festgeldanlagen konnten nicht mehr vorzeitig gekündigt werden.

Für Schecks gab es kein Bargeld mehr, sondern nur noch Kontogutschriften. 74

Kreditkarten, Kontokarten und Schecks wurden nirgendwo mehr angenommen.

Nur noch Bargeld (und unter der Hand Edelmetalle) zählten. 75

Die Folgen: Mieten, Strom, Wasser etc. blieben unbezahlt. Der Zahlungsverkehr bracht komplett zusammen.

Die zweitgrößte Bank, die Laiki Bank (Volksbank), wurde in eine gesunde und sogenannte »Bad Bank« aufgespalten und abgewickelt. Geldeinlagen von über 100000 Euro wurden vorerst nicht ausgezahlt. Versicherer und Wohltätigkeitsorganisationen sollten ebenfalls eine Zwangsabgabe von 27,5 Prozent auf ihre Spareinlagen bei der Bank of Cyprus leisten müssen. 76 Die Kunden dieser größten zyprischen Bank verloren 37,5 Prozent ihrer Guthaben. Weitere 22,5 Prozent der Ersparnisse über 100000 Euro blieben vorerst eingefroren. 77

Mitte März 2013 verständigte sich die Eurogruppe aufgrund der ungeheuerlichen Sanktionen gegen die Menschen auf ein Hilfspaket von bis zu 10 Milliarden Euro für Zypern. 78

Die Folgen des »Zypern-Dramas«

Europäische Sparer sollen sich zukünftig ebenfalls an europäischen Bankenrettungen beteiligen. Die Euro-Finanzminister hatten sich nämlich auf neue Regeln verständigt: 79

Zuerst sollen Aktionäre und Gläubiger der jeweiligen maroden Bank zur Kasse gebeten werden.

Dann werden die unbesicherten »Einlagen von natürlichen Personen, Kleinstunternehmen sowie mittelständischen Unternehmen«, die bei über 100000 Euro liegen, herangezogen.

Die Sparer mit Vermögen über 100000 Euro werden mit einer Zwangsabgabe von 8 Prozent belegt, wenn eine Bank gerettet werden muss. 80

Ende Juni 2013 dann ein erneuter Notruf aus Zypern: Präsident Nikos Anastasiadis bat die EU um Hilfe, weil dem größten Kreditinstitut, der Bank of Cyprus, der endgültige Zusammenbruch drohte. 81 Denn trotz Kapitalkontrollen floss immer mehr Geld aus dem Bankensystem des Landes ab. Die Einlagen bei den zyprischen Banken schrumpften im Sommer 2013 gegenüber dem Vorjahr um 23 Prozent. Das Bankensystem steuerte auf einen neuen Crash zu. 82

Durch die Maßnahmen der EU und des zyprischen Staates konnte die Bank of Cyprus gerettet werden, die Laiki Bank wurde zerschlagen. Sparer erhielten für die Abgaben ihrer Bankeinlagen bis heute keine Entschädigung. 83 Das sorgte in ganz Europa für einen Vertrauensverlust in Banken und die Einlagensicherung. Zuvor war es für die meisten Menschen fast unvorstellbar, dass ihr Geld bei den Banken nicht sicher sein könnte. 84

V. Die schlimmsten Krisenbanken in der Wirtschafts- und Finanzkrise (2008)

Das US-Fachmagazin Fortune veröffentlichte die größten Finanzverlierer aus dem Krisenjahr 2008. Hier sind die Finanzinstitute und ihre Verluste in Dollar:

Fannie Mae (US-Hypothekenbank)

58,7 Mrd.

Royal Bank of Scotland (schottische Großbank)

43,2 Mrd.

Citigroup (US-Finanzkonzern)

27,7 Mrd.

UBS (Schweizer Großbank)

19,3 Mrd.

HBOS (britische Bank)

13,8 Mrd.

HRE (deutsche Hypothekenbank)

8 Mrd.

Credit Suisse (Schweizer Großbank)

7,6 Mrd.

Bayerische Landesbank

7,4 Mrd.

Mizuho (japanische Großbank)

5,8 Mrd.

Deutsche Bank

5,6 Mrd.

Dexia-Gruppe (belgische Bank)

4,9 Mrd.

KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau)

3,8 Mrd.

Allianz (deutsche Versicherung)

3,5 Mrd.

Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)

2,9 Mrd.

Deutsche Post

2,4 Mrd.

DZ-Bank (deutsches Kreditinstitut)

1,7 Mrd. 85

VI. Diese Banken gerieten in akute Pleitegefahr (2008–2010)

Oft hatten Profitgier und Machtstreben dazu geführt, dass sich Banken über ihre Verhältnisse hinaus verschuldeten. Sie kauften »faule Kredite« auf (siehe unten), ohne zu wissen, was in den Verbriefungen eigentlich enthalten war. Blind vertrauten sie den Ratingagenturen, die für ihre »guten« Bewertungen von ihren Auftraggebern auch »gut« bezahlt wurden. Ausfallgefährdete Kredite wurden in großem Stil von Banken in komplizierte Wertpapiere verpackt. Unter den Kürzeln »ABS« (Asset-backed securities) oder »CDO« (Collateralized Debt Obligations) wurden sie dann weiterverkauft.

Doch die »Sicherheiten«, die hinter den Wertpapieren standen, fielen immer öfter aus. So sank der Wert der Papiere. Häufig wollte sie dann niemand mehr kaufen, und seither schlummern sie in den Bankbilanzen.

Was sind »faule Kredite«?

Geld zu verleihen, also Kredite zu geben, gehört zum Kerngeschäft der Banken. In der Regel verleihen Banken aber nur Gelder, wenn sie Sicherheiten haben und/oder erwarten, dass der Schuldner seine Schulden auch termingerecht zurückbezahlt. Doch manchmal kommt es vor, dass ein Kreditnehmer seine Schulden aus unterschiedlichen Gründen nicht tilgen kann. Es kann auch sein, dass die Bank dessen finanzielle Verhältnisse nicht genau geprüft hat, vielleicht sogar getäuscht wurde.

Kredite, die nicht wie vereinbart zurückgezahlt werden, sind »faule Kredite«. Hat eine Bank sehr viele dieser faulen Kredite in der Bilanz, kann sie selbst Probleme bekommen und sogar pleitegehen, denn das Geld fehlt, um die Kredite, die sie selbst bei anderen Banken aufgenommen hat, zurückzubezahlen. Gibt es viele Banken mit faulen Krediten, kann die ganze Wirtschaft eines Landes in Mitleidenschaft gezogen werden. 86

In der Wirtschafts- und Finanzkrise wurden riesige Pakete von faulen Krediten, die Ratingagenturen zuvor positiv bewertet hatten, von Banken untereinander aufgekauft und liegen als Finanzbomben in manchen Instituten bis heute in den Bilanzen.

Nachfolgend führe ich die Banken auf, die am schlimmsten betroffen waren. Fast alle »Global Player« der Bankenwelt waren darunter.

Deutschland

• Hypo Real Estate (HRE): Deutschlands damals wohl »kaputteste« Bank (siehe Kapitel »Deutschlands Pleitebanken«). Mit der HRE war die Finanzkrise endgültig nach Deutschland geschwappt. Das Institut war mit fast 10 Milliarden Euro Finanzhilfen und staatlichen Bürgschaften in Höhe von 124 Milliarden Euro gerettet und als erstes Finanzinstitut in der Geschichte der Bundesrepublik zwangsverstaatlicht worden. 87

• Commerzbank/Dresdner Bank: Die Dresdner Bank wurde letztendlich von der Commerzbank übernommen. Beide Banken gemeinsam kamen auf Belastungen von 20 Milliarden Dollar. Die Investmentbanking-Sparte wurde massiv umgebaut, weswegen ein massiver Stellenabbau erfolgte.

• Deutsche Bank: Das Finanzinstitut verbuchte aufgrund der Finanzkrise Belastungen in Höhe von 18 Milliarden Dollar.

• IKB: Die Belastungen der Düsseldorfer Bank beliefen sich auf 14,7 Milliarden Dollar. Seit Herbst 2008 gehört d ie Mehrheit an der IKB dem Finanzinvestor Lone Star. 10 Milliarden Euro steckten die vorherigen Haupteigentümer KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau), der Bund und die Bankenverbände als Rettungssumme in das Geldhaus.

• BayernLB: Das Münchner Kreditinstitut hatte Belastungen von umgerechnet 9,1 Milliarden Dollar. 88

USA

• Citigroup: Die einst größte Bank der Welt führte Belastungen von 104,4 Milliarden Dollar mit sich. Nur Staatshilfen in Höhe von 45 Milliarden Dollar retteten die Citigroup vor der Pleite.

• Wachovia: Die Bank hatte Belastungen von 77,4 Milliarden Dollar und wurde im Januar 2009 von der US-Großbank Wells Fargo geschluckt.

• Merrill Lynch: Auch diese Bank mit Belastungen von 63,7 Milliarden Dollar konnte sich nicht mehr selbstständig retten und wurde im Dezember 2008 von der Bank of America übernommen.

• Bank of America: Der einstige Branchenprimus führte durch die Finanzkrise Belastungen in Höhe von 48,2 Milliarden Dollar auf.

• Washington Mutual: Diese Bank musste Belastungen in Höhe von 41,8 Milliarden Dollar hinnehmen, Tausende von Mitarbeiter verloren ihre Stellen.

• Freddie Mac: Der zweitgrößte US-Hypothekenfinanzierer hatte Belastungen von 36,7 Milliarden Dollar in seinen Büchern. Die staatlichen Hilfen summierten sich bis 2010 auf mehr als 50 Milliarden Dollar. 89

• Fannie Mae: Die »große Schwester« von Freddie Mac hatte Belastungen von 38,8 Milliarden Dollar. 2008 erwirtschaftete der US-Hypothekenfinanzierer einen Rekordverlust von 50 Milliarden Dollar und erhielt 45 Milliarden Dollar Staatshilfe. Um den Immobilienmarkt zu stabilisieren, sicherte die US-Regierung Anfang Januar 2010 Fannie Mae und Freddie Mac eine »uneingeschränkte Verlustübernahme« bis zum Jahr 2012 zu. 90

• Lehman Brothers: Die Bank, mit der alles begann. Die Investmentbank mit Belastungen von 26,5 Milliarden Dollar ging am 15. September 2008 pleite. Zum Schluss hatte sie 630 Milliarden (!) Dollar an Schulden angehäuft. Da Lehman Brothers nicht von der US-Regierung gerettet wurde, brach die Weltwirtschaftskrise aus (siehe Kapitel »Die Jahrhundertkrise«). 91

• Morgan Stanley: Die Bank wurde durch die Finanzkrise mit über 21 Milliarden Dollar belastet.

• National City: Die Finanzkrise belastete die Bank mit 14 Milliarden Dollar.

• Wells Fargo: Mit Belastungen in Höhe von 12,7 Milliarden Dollar kam die Bank noch recht »glimpflich« davon. 92

Großbritannien

• HSBC: Sie ist die größte Bank Europas. Ihre Belastungen lagen bei 54,4 Milliarden Dollar.

• Lloyds Bank: Die britische Regierung hielt einen Anteil von 43 Prozent an der Bank, deren Belastungen sich auf 35,7 Milliarden Dollar beliefen. Innerhalb eines Jahres hatte sie 75 Prozent ihres Börsenwertes verloren.

• Barclays: Trotz Belastungen in Höhe von 30,7 Milliarden Dollar übernahm die Bank große Teile des US-Geschäfts der kollabierten Investmentbank Lehman Brothers. 93

Schottland

• Royal Bank of Scotland (RBS): Ein stolzes Institut mit großer Tradition, das Belastungen von 38,5 Milliarden Euro aufwies. 70 Prozent der Aktien gehörten aufgrund der Krise dann dem Staat. 94

Spanien

• Banco Santander: Die spanische Großbank wurde aufgrund der Krise mit 16,2 Milliarden Dollar belastet.

• Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA): Der spanische Riese, die zweitgrößte Bank im Land, hatte Schulden von 8,1 Milliarden Dollar. 95

Frankreich

• BNP Paribas: Die größte Bank Frankreichs hatte Belastungen von 12,9 Milliarden Dollar.

• Crédit Agricole: Mit Schulden von 8,6 Milliarden Dollar kam die Großbank gerade noch so davon.

• Société Générale: Laut eigenen Angaben wurde die Bank mit 6,9 Milliarden Dollar belastet. 96

Italien

• Intesa Sanpaolo: Das italienische Institut musste Belastungen in Höhe von 7,1 Milliarden Dollar verkraften. 97

Niederlande

• ING: Diese Bank wurde durch die Finanzkrise ebenfalls milliardenschwer belastet und gab daraufhin bekannt, das niederländische Versicherungsgeschäft umbauen zu wollen. 98

Schweiz

• UBS: Die Schweizer Großbank hatte sich mit riskanten Wetten im Investmentbanking ebenfalls übernommen und wurde mit Belastungen in Höhe von 54,2 Milliarden Dollar dafür bestraft.

• Credit Suisse: Diese Bank kam besser durch die Krise als ihr Konkurrent UBS, wies aber trotzdem Belastungen in Höhe von 16,9 Milliarden Dollar auf 99 (siehe dazu auch das Kapitel »Die Bankenkrise in der Schweiz«).

Wie schon beschrieben, trieben Gier, Unvorsichtigkeit und das blinde Vertrauen an die Ratingagenturen die Banken zu immer risikoreicheren Geschäften und weiteten die Finanzkrise damit immer weiter aus. Heute sieht es in der europäischen Bankenlandschaft wie folgt aus:

Die zwanzig größten Banken Europas nach ihrer Marktkapitalisierung 100 (2023 in Milliarden US-Dollar):

1. HSBC (Großbritannien)

154,07

2. BNB Paribas (Frankreich)

86,29

3. UBS (Schweiz)

68,56

4. Banco Santander (Spanien)

67,98

5. Intesa Sanpaolo (Italien)

53,27

6. ING Groep (Niederlande)

51,69

7. Nordea Bank (Finnland)

47,39

8. BBVA (Spanien)

47,24

9. Lloyds Banking Group (Großbritannien)

42,50

10. UniCredit (Italien)

40,28

11. Crédit Agricole (Frankreich)

37,88

12. NatWest Group (Großbritannien)

34,44

13. Barclays (Großbritannien)

33,32

14. CaixaBank (Spanien)

33,11

15. Standard Chartered (Großbritannien)

27,81

16. Skanidnaviska Enskilda Banken (Schweden)

26,33

17. Deutsche Bank (Deutschland)

25,37

18. Société Générale (Frankreich)

23,39

19. Swedbank (Schweden)

23,04

20. Svenska Handelsbanken (Schweden)

20,21 101