Verordnetes Denken, Schreiben und Lesen im "Tausendjährigen Reich" - Roderich Zeller - E-Book

Verordnetes Denken, Schreiben und Lesen im "Tausendjährigen Reich" E-Book

Roderich Zeller

0,0

Beschreibung

Roderich Zeller begibt sich auf eine ungewöhnliche Reise durch zwölf Jahre Diktatur unter Hitler: Anhand von Zeitzeugnissen, Briefen, einer regelrechten „Verehrungsliteratur“ und zahlreichen kleinen Dokumenten entsteht das Bild eines Volkes, das die „Einbräunung“ nicht nur über sich ergehen lässt, sondern zum großen Teil freiwillig und manchmal geradezu enthusiastisch daran mitarbeitet. Da fällt es kritischen Stimmen schon schwer zu verhindern, dass selbst Goethe auf der Verbotsliste endet.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 231

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Literaturüberblick

Einführung

Humanistische Träume werden beargwöhnt

Lesen und Schreiben werden unter Kontrolle gebracht

Warnungen ‚von draußen‘ vor der aufkommenden Gefahr

Kultur aus nationalsozialistischer Sicht

Zensur und Verbote

Die Reinheit der Texte nach der neuen Lehre

Ein Buch zu viel auf dem Scheiterhaufen ist viele Male besser als eins zu wenig

Die ‚Wendung zum Norden‘

Wege zur germanischen Seele

‚Täter‘ braucht Deutschland, keine Leser

Ach, was tun mit ‚Weimar‘?

Welche Gefahren bietet das giftige ‚Fremdgut‘?

Dichter und Soldat sind eins im ‚Reich‘

Churchill, André Gide, Knut Hamsun und andere bewundern Hitler und ‚Mein Kampf‘ holt einen hohen Preis auf der Weltausstellung 1937

Alle Federn müssen schreiben für den Sieg

Was tun mit dem nicht engagierten Buch?

Marschtritt der schreibenden Volksgenossen

Der kurzlebige Jargon der Zeit

1945: Die ‚Alte Garde‘ in der neuen Welt

Was wäre wohl dem Buch geschehen, wenn…?

Anhang

Aufbau der Reichskulturkammer

Organisation der Reichsschrifttumskammer

Das Buch als Waffe

Planung und Zelebrierung der Bücherverbrennung

Beispiel für die Entfernung des verbotenen Schrifttums aus der Gesellschaft

Internationale Karikaturen auf die Buchpolitik des Dritten Reiches

Beispiel einer kriegsbedingten verordneten Verlagsschließung

Roderich Zeller

Verordnetes Denken, Schreiben und Lesen im „Tausendjährigen Reich“

Ein belegtes Stimmungsbild einer buchfeindlichen Zeit

FRANKFURTER LITERATURVERLAG

FRANKFURT A.M. • WEIMAR • LONDON • NEW YORK

Die neue Literatur, die – in Erinnerung an die Zusammenarbeit Heinrich Heines und Annette von Droste-Hülshoffs mit der Herausgeberin Elise von Hohenhausen – ein Wagnis ist, steht im Mittelpunkt der Verlagsarbeit. Das Lektorat nimmt daher Manuskripte an, um deren Einsendung das gebildete Publikum gebeten wird.

©2013 FRANKFURTER LITERATURVERLAG FRANKFURT AM MAIN

Ein Unternehmen der Holding

FRANKFURTER VERLAGSGRUPPE

AKTIENGESELLSCHAFT

In der Straße des Goethehauses/Großer Hirschgraben 15

D-60311 Frankfurt a/M

Tel. 069-40-894-0 ▪ Fax 069-40-894-194

E-Mail [email protected]

Medien- und Buchverlage

DR. VON HÄNSEL-HOHENHAUSEN

seit 1987

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet abrufbar über http://dnb.d-nb.de.

Websites der Verlagshäuser der

Frankfurter Verlagsgruppe:

www.frankfurter-verlagsgruppe.de

www.frankfurter-literaturverlag.de

www.frankfurter-taschenbuchverlag.de

www.publicbookmedia.de

www.august-goethe-literaturverlag.de

www.fouque-literaturverlag.de

www.weimarer-schiller-presse.de

www.deutsche-hochschulschriften.de

www.deutsche-bibliothek-der-wissenschaften.de

www.haensel-hohenhausen.de

www.prinz-von-hohenzollern-emden.de

Dieses Werk und alle seine Teile sind urheberrechtlich geschützt.

Nachdruck, Speicherung, Sendung und Vervielfältigung in jeder Form, insbesondere Kopieren, Digitalisieren, Smoothing, Komprimierung, Konvertierung in andere Formate, Farbverfremdung sowie Bearbeitung und Übertragung des Werkes oder von Teilen desselben in andere Medien und Speicher sind ohne vorgehende schriftliche Zustimmung des Verlags unzulässig und werden auch strafrechtlich verfolgt.

Lektorat: Annette Sunder

Herstellung: Michael Fröhlich

ISBN 978-3-8372-5060-2

Die Autoren des Verlags unterstützen den Bund Deutscher Schriftsteller e.V., der gemeinnützig neue Autoren bei der Verlagssuche berät. Wenn Sie sich als Leser an dieser Förderung beteiligen möchten, überweisen Sie bitte einen – auch gern geringen – Beitrag an die Volksbank Dreieich, Kto. 7305192, BLZ 505 922 00, mit dem Stichwort „Literatur fördern“. Die Autoren und der Verlag danken Ihnen dafür!

Dieses Buch widme ich aus innigster Liebe und tiefstem Dank meiner für immer von mir gegangenen Gisela.

Vorwort

Die erzählende Beschreibung des Schicksals des Buches in der NS-Zeit bietet eine Auswahl von Belegen aus NS-Quellen, genannt Naziana. Der Text dokumentiert das geistige Leben in einem Staat, der keine anderen als parteitreue Grundsätze durchzusetzen versuchte mit dem Ziel, die angestrebte „Volkwerdung“ mit Hilfe der „Rechtgläubigkeit“ in kurzer Zeit zu vollenden.

Hitler, der sich schon im Mein Kampf[1] als ein von Gott Berufener vorgestellt hatte, hielt sich frei von der menschlichen Schwäche, falsche Gedanken zu hegen. Er sprach sich daher wie ein Etre Suprême das Recht bei allen wichtigen Entscheidungen auf das Letzte Wort zu. Und das Denken der Deutschen hatte sich diesem Leitsatz zu unterwerfen.

Es kommen im vorliegenden Text alle sozialen Schichten mit ihren Schriften zu Wort, von den treugläubigen Zellen- und Blockwarten und redlichen Bürgern bis zu den neumodisch denkenden Machtträgern des Dritten Reichs. Die politisch gewichtlosen Mitläufer tief unten wie die Mandarine ganz oben fühlten sich in der Pflicht, auf ihre Weise zur Machtfülle des Herrschers beizutragen. Gehorsam und hilfreich wollten alle Aktivisten dienen und zugleich mit Unmenschlichkeit ihre Pflichten erfüllen. Die NS-Weltanschauung hatte sich schnell etabliert und strebte zudem eine neue „Gottanschauung“ an.[2] Schon der protestantische Theologe Georg Schott bietet den Lesern der frühen Zwanzigerjahre einen gottähnlichen „Führer“ an und einen von Gott berufenen Retter Deutschlands.

Diesem unfehlbaren Schöpfer der neuen Gesetze für Deutschland zu folgen, ohne zu zweifeln an seiner Botschaft, war deshalb bald eines jeden volkhaft[3] gesonnenen Deutschen eine erste Pflicht.

Der Text und vor allem die eingebrachten Dokumente zu verschiedenen Themen wenden sich an Leser jeden Alters, denen die Zeit des Nationalsozialismus ein Anliegen ist.

Möge die vorliegende Anzahl von Zeugnissen aus einer tief eingebräunten Zeit den Nach-Läufern helfen, den jüngeren wie den älteren, sich von ihrer Hitleritis zu befreien.

Der die NS-Zeit kennende Leser kann Abgelegenes entdecken. Die so wenig beachteten kleinen Dokumente sind dennoch mitteilsame Zeugnisse des Seelenzustandes vieler Deutscher.

[1]Quelle der Zitate: Adolf Hitler, Mein Kampf, München, 1941.

[2]S.: Dr. Georg Schott, Prot. Theologe. ImVolksbuch vom(sic)Hitler, 1924,lobt Schott Hitlers„heiligen Haß des Bösen“und den„von Herzen demütigen Menschen“;zugleich sind für ihn die Zweifler an der neuen Lehre „das Gesindeldeutschland“(S. 69 u. 249). – Eine metaphysische Deutung von Hitlers Buch schenkte auch ein anonymer katholischer Geistlicher den Deutschen. „[…]ich bin aus einem Saulus zu einem Paulus geworden.“ In: Othmar Plöckinger,Geschichte eines Buches: Adolf Hitlers Mein Kampf,München, 2006, S. 349, Fußnote 890. –Mein Kampfwurde nicht selten mit der christlichen Bibel gleichgesetzt. Andere erkannten in ihm tiefe Verwandtschaft mit Galilei, Kepler, Newton, Faraday und nannten das Buch ‚Neuestes Testament‘. S.: O. Plöckinger, Kap. 6 c.

[3]Senya Müller,Sprachwörterbücher im Nationalsozialismus, Stuttgart, 1994, S. 146ff.

Literaturüberblick

Quellenreiche Untersuchungen der Lesewelt in der NS-Zeit bieten die Studien von Christian Adam, Lesen unter Hitler. Autoren, Bestseller, Leser im Dritten Reich, Berlin, 2010 und Jan-Pieter Barbian, Literaturpolitik im NS-Staat. Von der ‚Gleichschaltung‘ bis zum Ruin, Frankfurt am Main, 2011 u. frühere Ausgaben. – Literatur im Dritten Reich Dokumente und Texte, hgb. v. Sebastian Graeb-Könneker, Stuttgart, 2001.

Die Etappen der Umsetzung der NS-Ideologie von der „Machtergreifung“ bis 1939 bietet Alfred Himstedt in seinem chronologisch angelegten Themenkatalog der staatlich umgesetzten fünfundzwanzig Leitsätze des „politischen Glaubensbekenntnisses“ der NSDAP im Sinne des „Gottbeauftragten“ und daher Vor-Denkers Adolf Hitler. Eine Schrift aus Stichworten und Kurztexten von großem Informationswert. Der eisige Sprachstil und die Fülle der befehlsartigen politischen Berichte sind ein exemplarisches Dokument der Stimmung in Deutschland seit Beginn der NS-Herrschaft.[1]

Die zahlreichen Belege aus den Reden und Proklamationen Hitlers sowie Berichten von NS-Tagungen finden sich in dem chronologisch angelegten, zitatenreichen und kommentierten Werk v. Max Domarus, Hitler. Reden und Proklamationen 1932 – 1945, Bd. 1 1932 – 1938 u. Bd. 2 1939 – 1945.

Die regelmäßig erschienenen Veröffentlichungen wie das Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Kulturtagungen der Partei, Wochen des deutschen Buches, Parteitagungs- und Jahrestagungen der Reichskulturkammer, Parteikongressberichte, Aufrufe, Tagesbefehle und Reden des Führers im Kriege 1939/41 Berlin 1941, Führer zu den Parteitagungen und der Völkische Beobachter liegen in vielen öffentlichen Bibliotheken vor. Während des Krieges erschienen Aufrufe, Tagesbefehle und Reden des Führers im Kriege 1939/41 hrsg. vom Chef der Zivilverwaltung im Elsass Abteilung Erziehung, Unterricht und Volksbildung, Karlsruhe, 1941. Eine Zusammenstellung der „Führer-Erlasse“ von Martin Moll, Stuttgart, 1997 bietet eine Edition sämtlicher überlieferter, nicht im Reichsgesetzblatt abgedruckter, von Hitler während des Zweiten Weltkrieges schriftlich erteilter Direktiven aus den Bereichen Staat, Partei, Wirtschaft, Besatzungspolitik und Militärverwaltung. Zu Kunst u. Kultur: Robert Eikmeyer, Hrsg., Adolf Hitler, Reden zur Kunst-und Kulturpolitik 1933 – 1939, Frankfurt am M., 2004.

Wie schnell entstand das „Neue Deutschland“! Schon 1935 wurde der Öffentlichkeit bewusst gemacht, wie eng das Netz der streng kontrollierten Organisationen geworden war. Das amtlich von der Parteileitung zugelasseneDeutsche Führerlexikon 1934/1935umfasst 552 Seiten Kurzbiografien und einen Zweiten Teil von 135 Seiten mit einem Verzeichnis der jungen öffentlichen Einrichtungen unter der staatlichen Kontrolle, von der Spitze der „Bewegung“ Adolf Hitler und seinen kleinen Propheten bis zur „Reichsfachschaft Deutscher Werbefachleute“ – NSRDW – und ihrem Führer Reichsfachschaftsführer Hugo Fischer, stellvertr. Reichs- propagandaleiter der NSDAP. Ein Verzeichnis von Tausenden allmächtiger bis ortsgebundener Oberhäupter unter der Befehlsgewalt des übermächtigen, allwissenden „Ersten Führers“, auch „Volkskanzler“ genannt.[2]

„Nazi Propaganda Literature“ (356 Titel) ist eine reiche Textquelle und zugänglich über Google oder MARC records.

Aus Platzgründen werden bei einigen Textstellen keine bibliographischen Angaben gemacht. Die Quellen sind leicht zugänglich.

[1]Alfred Himstedt, Das Programm der NSDAP. Wird erfüllt! Meilensteine des Dritten Reiches, Berlin, 1939, S. 5.

[2]Auch Prinzipale der katholischen wie protestantischen Kirche werden als „Führer“ aufgeführt. Vorbilder für eine selbst angestrebte Hierarchie? Eine zweite Auflage liegt nicht vor.

Einführung

Das Buch kam im Dritten Reich unter eine Art Orwell’scher „Gedankenpolizei“, die dafür zu sorgen hatte, dass der reine NS-Geist die Herrschaft übernimmt nach dem erwarteten Endsieg des „Großgermanischen Reichs“.

Gunter d’Alquen, Hauptschriftleiter der SS-Zeitung Das Schwarze Korps, sagt in einer Blütenlese aus dieser Zeitung den Schreibwilligen seiner Zeit, welche Grundregel sie bei ihrer Arbeit an der Zukunft Deutschlands einzuhalten hatten: „Die in Vollendung gestalteten Ewigkeitswerte eines seiner völkischen Sendung bewußten Volkes sind die Kulturwerte schlechthin, Kulturwerte, die dann auch – aber sehr fern dem Geschwafel intellektueller Internationalisten – Menschheitswerte unvergänglicher Prägung darstellen. Die Politischen Notwendigkeiten ergeben sich aus dieser grundsätzlichen völkischen Einstellung, sie sind damit auch Exponenten der deutschen Kulturaufgabe.“ Sie wird erfüllt nur durch Künstler, die zu dienen bereit sind im „[…]dynamischen Sinne, d. h. der Revolutionierung der menschlichen Natur durch Entbindung ihrer besten rassischen Instinkte.“ Das war die nicht zu umgehende Verpflichtung, unter der alle künstlerisch-geistig Schaffenden – die „Volkstümler“ also – schöpferisch zu wirken verpflichtet wurden.[1]

Schon sehr früh unterwarfen sich diesen Lehren auch angesehene Philosophen, Schriftsteller, Journalisten, Lehrstuhlinhaber vieler Fakultäten, Lyriker und setzten kniefällig ihre Gaben mit dienerischem Sprachaufwand ein, um der Partei mit Kampfschriften gegen Neinsager und Zweifler beizustehen.

Ein Jongleur von Sprache und Gedanken, Gottfried Benn, vermaledeit in einem harten Ton die Emigranten, denen er ihre Unfähigkeit nachweist, die rassische und damit wesenhafte Umwandlung der Menschheit unter deutscher Leitung zu verstehen. Hier eine Kostprobe aus einer Radioansprache Gottfried Benns: „Verstehen Sie [angesprochen sind die deutschen Emigranten in Nord- und Südamerika] doch endlich dort an Ihrem lateinischen Meer, daß es sich bei den Vorgängen in Deutschland gar nicht um politische Kniffe handelt, die man in der bekannten Manier verdrehen und zerreden könnte, sondern es handelt sich um das Hervortreten eines neuen biologischen Typs, die Geschichte mutiert und ein Volk will sich züchten. Allerdings ist die Auffassung vom Wesen des Menschen, die dieser Züchtungsidee zugrunde liegt, dahingehend, daß er zwar vernünftig sei, aber vor allem ist er mythisch und tief. Allerdings denkt man hinsichtlich seiner Zukunft so, daß man ihn unten am Stamm okulieren muß, denn er ist älter als die Französische Revolution, schichtenreicher, als die Aufklärung dachte. Allerdings empfindet man sehr weitgehend ihn als Natur, ihn als Schöpfungsnähe, man erlebt ja, er ist weit weniger gelöst, viel wundervoller an das Sein gebunden, als es aus der höchstens tausendjährigen Antithese zwischen Idee und Realität erklingt.“

Hat Benn, der so große Meister von Sprache und Gedanken, diese deutungsgeladene Botschaft vorbereitet oder ex tempore vorgetragen? Jedenfalls ist der mystisch-esotherische Ton schon bald in vielen Veröffentlichungen dieser Zeit zu vernehmen.[2]

Er ist bis heute nicht widerspruchsfrei in eine Dichter- und Denkerbranche einzuordnen. Ein „verunglückter Nazi“ war er für die einen. Ein „intellektueller Schwerverbrecher“, ein „typischer Kulturbolschewist“, ein „Verräter an sich selbst“ oder „ein moralisches Monstrum“ für die anderen.[3] Holger Hof, der Autor einer Benn’schen Biografie, nennt ihn geistreich zusammenfassend „Medizyniker“. Der Partei ist er jedenfalls nicht beigetreten.

Benn bleibt für seine Leser ein widersprüchliches Temperament von hohen Gaben.

Auch die schreibende Jugend ließ sich einfangen, um der in Deutschland aufkommenden Gegenkultur zum Durchbruch zu verhelfen. So viele glaubten, der jungen Botschaft, besser gesagt Gegenkultur, dienen zu müssen, im radikalen Ton.

Ein junger Getreuer aus diesen Reihen, Gottfried Griesmayr, schlug vor, die NS-Lehren unter den Deutschen durchzusetzen, denn alle Volksgenossen sollten zu Nationalsozialisten umerzogen werden. Ein politisches Ziel, das er in seinem Text begründet mit einem Aktionsplan aus einer Rede Hitlers: „Weich bin ich als Mensch, graniten hart bin ich als Führer dieser Partei. Alles kann ich verzeihen, nur eines nicht: Verrat an der Bewegung, Untreue an ihr. Wer sich hier gegen den Geist der Bewegung versündigt, hat mich als fanatischen Todfeind gegen sich. Und ich werde nicht ruhen und nicht rasten, bis ich ihn entfernt habe.“[4]

[1]Gunter d’Alquen, Hrsg.,Auf Hieb und Stich. Stimmen zur Zeit am Wege einer deutschen Zeitung,München,1937, S. 245/6 u.276 et passim.

[2]Gottfried Benn,Der neue Staat und die Intellektuellen, Stuttgart, 1933, Antwort an die literarischen Emigranten, S. 28. – Der Ton der beiden Rundfunkreden v. 24. April u. 24. Mai 1933 gibt sich erhoben und tiefsinnig.

[3]Durs Grünbein,Elegie für einen Irrtum. Gottfried Benns ‚Statische Gedichte‘ von 1947. In: Die Zeit Feuilleton v. 14.04.2011.

[4]Gottfried Griesmayr,Unser Glaube. Bekenntnis eines jungen Deutschen, Berlin, 1941, S. 25 u. S. 48 mit Quellenangabe: Rede am 6. Mai 1931 in Eutin. – Eine strenge ‚Führeranthologie ‘Der Führer zu Deiner Verpflichtung.Hrsg. v. der Reichsjugendführung. Bearbeitet und verantwortlich: Oberbannführer Gottfried Griesmayr, o. O., 1939 u. 1941. Das erwähnte Zitat trägt in dieser Sammlung als Ort u. Datum: 7. Sept. 1931 München.

Humanistische Träume werden beargwöhnt

Die NS-Herrscher sorgten wie die Spartaner durch den Einsatz von ‚Ephoren‘ für die Einhaltung der vorgeschriebenen Gedankenwelt. Durfte doch nur gelten, was der Großtyrann in seinen politischen Visionen forderte. Obendrein träumten die NS-Mächtigen, diese parteiamtlichen Glaubensinhalte in ganz Europa durchzusetzen und – man will es nicht für wahr halten – der übrigen Welt für alle Zeiten eine ‚Germanisierung‘ aufzuerlegen. Ein neuer Mensch war angestrebt, willig im Geist der neuen Lehre sich zu hitlern, d.h. sich zu entindividualisieren und zu entzweifeln.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!