007 ist auf 17 - Klaus Barber - E-Book

007 ist auf 17 E-Book

Klaus Barber

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6,99 €

Beschreibung

Wie kam der Porsche zur 911? Warum überführt die Zahl 9 Steuersünder? Und warum kaufen wir Mehl '405' und Filtertüten '102'? Gegenstände, Ereignisse und sogar Menschen tragen Zahlen im Namen und von vielen wissen wir nicht, was dahinter steckt. "007 ist auf 17" erklärt auf amüsante und informative Weise Bedeutung und Entstehung all dieser Zahlen. Vor allem aber erzählt es unterhaltsame Geschichten und zeigt uns alltägliche Zahlen aus einer neuen Perspektive. Und ganz am Schluss lässt auch 007 auf der 17 die Hose runter.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 402




Über den Autor

Klaus Barber hat als Journalist für verschiedene Zeitungen und TV-Sender gearbeitet. Als Redakteur beim SWR-Fernsehen in Stuttgart ist er für Informationssendungen, aber auch unterhaltende Formate verantwortlich.

Viele Jahre hat er Kabarettprogramme geschrieben und aufgeführt.

Biografie in Zahlen:

09.10.1959

49° 25’ N, 08° 42’ O

70374

7

1,89

102

44½ H

13

9

5015

200516

Klaus Barber

007 IST AUF 17

Berühmte Zahlen und ihre Geschichten

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe

des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Copyright © 2015 by Bastei Lübbe AG, Köln

Textredaktion: Dr. Matthias Auer, Bodman-Ludwigshafen

Titelillustration, Umschlaggestaltung und Illustrationen im Innenteil: Dipl. Des. Christina Hucke, Frankfurt

Datenkonvertierung E-Book:

hanseatenSatz-bremen, Bremen

ISBN 978-3-8387-5867-1

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

In Erinnerung an meine MutterMarianne Tremmel-Barber,die immer ein Buch aus dem Regal zog,wenn sie es genau wissen wollte.

Love

Merkwürdigkeiten beim Tennis

Wie im Tennis gezählt wird, haben die Deutschen spätestens zu Zeiten des Becker-Graf-Booms gelernt. Oft genug hieß es beim entscheidenden Aufschlagspiel: 15:0, 30:0, 40:0, Spiel, Satz und Sieg – mal für Boris, mal für Steffi. Doch verstanden hat diese Zählweise kaum einer, und das ging auch den Menschen in den Jahrhunderten zuvor bereits so. Schon in einer Ballade aus dem Jahr 1415 warf der Autor Jan van den Berghe die Frage auf: »Warum rechnet man nicht für einen Schlag eins, für zwei Schläge zwei?«, und suchte die Antwort selbst in göttlicher Mystik: »So wie der Tennisspieler mit einem Schlage fünfzehn gewinnt, so empfangen an Lohn diejenigen, welche Recht und Gerechtigkeit fördern, für eine gute Tat fünfzehnfältigen Lohn oder mehr.«

Doch Gotteslohn für ein sauberes Ass greift etwas zu hoch, um die ungewöhnlichen Zahlen beim Tennis zu erklären. Auch wenn die 15 durchaus richtig ist, die es eigentlich für jeden Punkt gibt. Tennis wurde nämlich schon im Mittelalter und nicht erst seit Einrichtung der ATP-Tour um Geld gespielt. Der Einsatz betrug in Frankreich einen Sol (später Sous), der von den Spielern meist unter dem Netz deponiert werden musste. Und weil die Sous-Münze seit dem 14. Jahrhundert mit 15 Deniers (Pfennigen) bewertet wurde, rechnete man jeweils 15 Punkte an.

Dass ein Spiel bis 60 Punkte ging, hatte auch seine Gründe: Zum einen war der Wert eine wichtige Zählgrenze, überliefert etwa in der Mengeneinheit »Schock« wie in der französischen Sprache, die kein eigenes Zahlwort für 70 besitzt, sondern mit soixante-dix, 60 + 10 zählt. Zum anderen wurden in einigen mittelalterlichen Stadtverordnungen die Glücksspieleinsätze auf 60 Pfennig beschränkt. Folglich spielte man auch »Jeu de Paume«, den Vorläufer des Tennis, bis 60 Punkte, wobei nach und nach die Zahl verschwand und durch das laut gerufene »Jeu« ersetzt wurde.

In England bekam das Tennisspiel im 19. Jahrhundert erstmals ein Regelwerk, und damit wurden auch die Punktwerte festgelegt: 15, 30 und 40 – und nicht mehr 45. Bis dahin hatten sich nämlich die englischen Schiedsrichter offensichtlich etwas maulfaul gegeben und waren dazu übergegangen, das »fourty-five« für den dritten Punkt aus Bequemlichkeit nur noch »fourty« zu nennen.

In England entstand auch der Ausdruck »love«, wenn ein Spieler keinen Punkt erzielt hatte. Eingeführt wurde er wohl von niederländischen Protestanten, die im 16. Jahrhundert über den Kanal geflohen waren, nachdem ihr Land von den katholischen Spaniern besetzt worden war. Auch diese Niederländer spielten, und wenn es nicht um Geld ging, dann spielten sie eben um die Ehre: »omme lof«. Für Engländer klang das so ähnlich wie »love«, und es erinnerte sie an die Redewendungen »to do something for love« (etwas umsonst tun) und »neither for love nor for money« (weder für Liebe noch für Geld).

Es gibt noch eine zweite Erklärung dafür, wie die Liebe ins Tennis kam. Danach stammt der Ausdruck von »l’œuf«, dem französischen Wort für Ei, weil die geschriebene Null auf der Anzeigentafel an die Eiform erinnert. Aber warum sollten sich gerade die Engländer eines französischen Worts erinnern, nur um zu beschönigen, dass sich der Gegenspieler als eine glatte Null herausgestellt hat? Es sei denn, die Tennis-Liebe wäre eine besondere Form des britischen Fairplays.

Quellen: Heiner Gillmeister: Kulturgeschichte des Tennis, Wilhelm Fink Verlag, München 1990; Wissen vor Acht, ARD, Sendung vom 19.3.2008; Tennis, Geschichte der Zählweise, unter: Wikipedia.de.

003½

James Bond für die Jugend

Als das Jugendbuch »003½ – The Adventures of James Bond Junior« 1967 in Großbritannien erschien (in Deutschland brachte es der Schneider-Verlag zwei Jahre später unter dem Titel »003½ – James Bond Junior« heraus), war bei Alt und Jung für Spannung gesorgt, für die einen durch die Handlung, für die anderen durch das Pseudonym.

Das Buch machte sich die in bisher sechs Filmen entstandene Popularität der 007-Figur zunutze. Dabei war die Handlung selbst ein recht normaler Kinderkrimi: Der Neffe von James Bond, der ebenfalls James Bond heißt und deshalb von seinen Mitschülern 003½ genannt wird, verbringt seine Ferien ohne Eltern in der englischen Provinz. Weil auf dem nahegelegenen Gelände eines Herrenhauses seltsame Dinge geschehen, kundschaftet 003½ es aus. Schließlich klärt er einen Überfall auf einen Geldtransporter auf, der mit Goldbarren im Wert von über zwei Millionen Pfund bestückt ist, muss zuvor aber noch die ganze Verbrecherbande und vor allem mehrere gefährliche Wachhunde überlisten.

007 selbst tritt in dem Buch nicht auf, aber es wird an einigen Stellen auf ihn Bezug genommen. So fragt jemand den jungen Bond: »Wie ist es eigentlich, James, wenn man immer im Schatten von 007 steht? Warum musste dein Vater dich auch ausgerechnet James nennen, er hätte sich doch denken können, wie lästig das für dich wird.«

Den erwachsenen Lesern machte ein anderer Name Sorgen, der des Autors. Auf dem Umschlag prangte nämlich das Pseudonym R. D. Mascott. Aber wer steckte dahinter? Es wurde viel spekuliert. Manche nahmen an, es sei Roald Dahl, von dem das Drehbuch zu dem Bond-Film »Man lebt nur zweimal« stammte, der kurz zuvor in den Kinos angelaufen war. Andere vermuteten als Autor Kingsley Amis, weil er als Erster nach dem Tod des Bond-Vaters Ian Fleming einen eigenen 007-Roman geschrieben hatte. Doch so richtig passte der literarische Stil der beiden nicht zu dem 003½-Jugendbuch. Wieder andere schlossen aus einigen Passagen, dass sich der Autor gut in der Familie Fleming auskennen müsse, und tippten deshalb auf den Neffen Nichol Fleming, vor allem, weil auch 003½ der Neffe von James Bond ist.

Tatsächlich aber lag die Urheberschaft des Buches weniger bei einem Schriftsteller, sondern bei der Produktionsfirma der Bond-Filme, Eon Productions. Sie war im Besitz der 007-Markenrechte und wollte mit Bond-Produkten nun eine junge Käuferschicht ins Visier nehmen. Mit der Abfassung des Buchs wurde Arthur Calder Marshall beauftragt, was Eon Productions über mehrere Jahre geheimhalten konnte. Marshall hatte bis zu diesem Zeitpunkt unter eigenem Namen vier Romane für Erwachsene und die Kindheitserinnerungen »The Magic of My Youth« veröffentlicht. Ob es an dem Autor, dem Stoff oder schlicht an den Verkaufszahlen von 003½ lag, ist unklar, aber der Versuch, den Jugendlichen so James Bond und dessen Merchandising-Produkte näherzubringen, scheiterte. Ursprünglich geplante Fortsetzungen des Kinderkrimis wurden nicht geschrieben.

Quellen: 003½ – James Bond Junior, Schneider, München 1969; Siegfried Tesche: Was sollen wir noch in die Luft sprengen?, in: Die Welt vom 27.5.2004; Welcome to the James Bond, Jr. guide, unter: tvtome.com; Arthur Calder-Marshall, unter: fantasticfiction.co.uk; The Search of RD Mascott, unter: 007forever.com; The name’s Bond, young master Bond, unter: thebookseller.com.

007

Die Lizenz zum Töten

Er ist der weltweit bekannteste Geheimagent, ein Mythos. Angesiedelt zwischen Sherlock Holmes und dem Terminator, ist 007 »der vielleicht letzte menschliche – und männliche – Superheld des Films« (K.-P. Walter). Die Zutaten dazu sind: ein echter Mann, der mit körperlicher Kraft, aber auch mit ironisierendem Charme im Einsatz ist gegen Schurken aller Art, die nichts weniger als die Welt beherrschen wollen, ein Kampf, der ausgefochten wird mit teils wundersamen Waffen, an exotischen und luxuriösen Orten, umrahmt von atemberaubenden Girls, die alle Bond zu Füßen liegen.

Mehr als 20 Bücher und ebenso viele Filme lang dauert dieser Kampf nun schon, und er hat bisher sieben Darsteller benötigt. Fans streiten gerne darüber, wer denn der einzig richtige Bond sei: die etwas hölzerne 007-Nullnummer Barry Nelson, der virile Sean Connery, der Verlegenheitskandidat George Lazenby, der jungenhafte Roger Moore, der erotisch-aggressive Shakespeare-Mime Timothy Dalton, der smarte Pierce Brosnan oder der düstere Blonde Daniel Craig. Darüber hinaus gibt es mittlerweile eine lange Reihe von Bond-Nachahmern und 007-Parodien – bestes Zeichen für das Fortbestehen des Mythos.

Entstanden ist die Bond-Figur eher aus Zufall, behauptete ihr Autor Ian Fleming, er sei nach der Heirat nervös geworden und habe zur Ablenkung begonnen zu schreiben. In diese Ablenkungsübungen flossen Flemings Erfahrungen ein, die er während des Zweiten Weltkriegs beim Aufbau des britischen Marine-Geheimdienstes gesammelt hatte.

Über die Entstehung der Nummer 007 gibt es sehr viele Versionen. Fleming selbst erzählte in einem Interview, er habe einfach den Teil einer Postleitzahl verwendet und zwar die 20007, da in diesem Gebiet um Georgetown viele CIA-Agenten mit ihren Familien lebten. An anderer Stelle führt Fleming die 007 auf die Kriegszeit zurück, sämtliche geheimen Signale der Admiralität hätten zwei Nullen vorab gehabt. Kollegen aus jener Zeit beim Geheimdienst berichten dagegen von einer dritten Entstehungsgeschichte, Fleming sei fasziniert gewesen, wie die Damen der englischen Telefonvermittlung die Nummer der Kriegsabteilung des Arbeitsministeriums ausgesprochen hätten: »double oh seven«. Andere vermuten, Fleming könnte die Kurzgeschichte »007« von Rudyard Kipling gekannt und die Nummer daraus entlehnt haben. Und die filmische Fleming-Biografie von John Pearson schließlich behauptet, Fleming sei auf die Doppel-Null gekommen, als er die Tür eines Hotelzimmers mit der Nummer 1007 erblickt habe. Die 1 habe infolge einer fehlenden Schraube auf dem Kopf gestanden, so dass nur die letzten drei Ziffern, eben 007, zu lesen gewesen seien.

Nicht ganz so umstritten ist die Namensfindung, auch wenn manche behaupten, Fleming habe auf die Namen zweier Klassenkameraden – James Aitken und Harry Bond – zurückgegriffen und nur deren Vor- und Nachnamen neu kombiniert, wobei die Wahl nicht auf »Harry Aitken« gefallen sei, weil es in der Kriminalliteratur schon einmal einen James Bond gegeben habe. So beginnt die Kurzgeschichte »The Rajah’s Emerald« von Agatha Christie mit den Worten: »With a serious effort James Bond bent his attention once more on the little yellow book in his hand …« Fleming selbst bestätigte in einem Interview mit dem New Yorker, dass er sich einfach den Namen eines Vogelkundlers entlehnt habe, denn es sei »wohl der ödeste und langweiligste Name, der mir je untergekommen ist«. Der echte James Bond hatte das ornithologische Standardwerk über die Karibik mit dem Titel »Birds of the West Indies« verfasst. Er war alles andere als ein Superagent, sondern ein in seinen Forschungsgegenstand vernarrter Gelehrter, vielleicht war er sogar langweilig, aber er hatte Humor und verzichtete darauf, Fleming wegen Rufschädigung zu verklagen. Als die beiden Männer 1964 aufeinandertrafen, schenkte Fleming Bond eine Erstausgabe seines Romans »You Only Live Twice« und signierte die erste Seite mit den Worten: »To the real James Bond – from the thief of his identity.«

007 ist aber in Flemings Agenten-Welt nicht die einzige Doppel-Null. Alle aus Bonds Geheimdienst-Unterabteilung tragen dieses Zeichen, denn es symbolisiert die Erlaubnis der britischen Regierung, Menschen umzubringen, wenn es im Auftrag ihrer Majestät oder zumindest der Vorgesetzten geschieht. Diese Lizenz zum Töten schützt jedoch nicht wirklich, weswegen der Geheimdienst MI6 unter permanentem Mitgliederschwund leidet. Die anderen Träger einer Doppel-Null müssen in Büchern und Filmen meist ein grausames Schicksal erleiden: In »Der Mann mit dem goldenen Colt« stirbt 002 in Kairo beim Liebesrausch mit einer Bauchtänzerin. Der nächste 002 und 004 werden schon im Vorspann von »Der Hauch des Todes« getötet. Auch das Leben von 003 ist schon zu Ende, bevor der eigentliche Film »Im Angesicht des Todes« begonnen hat. 005 hat sich im Roman »Liebesgrüße aus Athen« als Buchhändler niedergelassen, verschwindet dann aber spurlos. 006 wird in »Golden Eye« vor den Augen Bonds scheinbar hingerichtet, doch tatsächlich führt er nun die Terror-Organisation Janus an, bis er im Zweikampf mit Bond später zu Tode stürzt. 008, ein junger Agent namens Bill, kann gerade noch aus der DDR entkommen (Buch »Moonraker«), 009 findet den Tod durch ein messerwerfendes Zwillingspaar (»Octopussy«), während 0011 im Buch »Moonraker« nach Singapur reist, um unterzutauchen. 0012 schließlich wird ein wichtiges Dossier gestohlen und muss bald darauf sterben (»The World is Not Enough«). Die einzige Doppel-Null, die solche Gefahren stets überlebt und wohl noch viele weitere Abenteuer überstehen darf, bleibt 007: James Bond.

Quellen: Erich Kocian: Die James Bond Filme, Heyne, München 1982; Klaus-Peter Walter: Das James-Bond-Buch. Von »Dr. No« bis »Goldeneye«, Ullstein, Berlin 1995; Kingsley Amis: Geheimakte 007. Die Welt des James Bond, Ullstein, Frankfurt/Berlin 1986; Siegfried Tesche: James Bond – Autos, Action & Autoren, Henschel, Berlin 2000; Dietmar Grieser: Sie haben wirklich gelebt. Von Effi Briest bis zu Herrn Karl, von Tewje bis James Bond, Amalthea, Wien/München 2001; Die Entstehung von James Bond, unter: james-bond007.de; Nobody Does It Better, unter: 007bond.de.

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Das rätselhafte Hotelzimmer

Man sei einmal durch das Elsass gefahren, so wird gerade unter Mathematikern gerne erzählt, und angesichts der späten Stunde in einem kleinen Hotel abgestiegen. Dort habe man das letzte freie Zimmer unterm Dach bekommen. Hinter dem Hotelburschen her, der unter Mühen das Gepäck geschleppt habe, sei man die steile Treppe hochgestiegen und habe dabei an einem der anderen Zimmer, die man passierte, eine äußerst rätselhafte Zahl bemerkt. An der Tür des Raums habe die Nummerierung geprangt:

Darauf angesprochen habe der Hotelbursche nur eine brummige Antwort auf Französisch gegeben, die leider nicht zu verstehen gewesen sei. So habe man fast die ganze Nacht wachgelegen und über die Bedeutung der Zimmernummer gegrübelt, sei aber zu keiner Lösung gekommen. Für die Zuhörer dieser Geschichte gilt es nun, die Erklärung für die seltsame Zahl zu erraten, die der Reisende erst am nächsten Morgen beim Frühstück vom Besitzer des Hotels erfahren haben will.

Die Lösung: Die Null ist keine Zahl, sondern ein O, dessen Klang im Französischen noch eine zweite Bedeutung hat, genauso wie die beiden anderen Zahlwörter. Aus »O, vingt, cent, O« wird demnach »au vin sans eau«, eine reine Bestellung, die vielleicht an den Etagenkellner gerichtet ist: Wein ohne Wasser.

Auf diesem System beruht auch eine Anekdote um Friedrich den Großen. Der preußische Monarch ließ seinem Lieblingsphilosophen Voltaire einmal eine Notiz zukommen, auf der nur eine vermeintliche mathematische Formel stand:

Der Philosoph verstand sofort und retournierte:

Auch hier ist die Erklärung in der am Potsdamer Hof bevorzugten französischen Sprache zu suchen: Die Gleichung mit zwei Unbekannten ist zu lesen als: »a unter p wie hundert unter sechs«, auf Französisch: »a sous p à cent sous six«. Ausgesprochen kann das auch heißen: »à souper à Sanssouci«. So lud der König den Philosophen zum abendlichen Mahl ins Schloss ein! Voltaire wiederum antwortete zustimmend in deutscher Sprache. Zugleich schrieb er ein großes J und ein kleines a, in Französisch also: »J grand a petit«. Was so viel hieß wie: »J’ai grand appétit« (Ich habe großen Appetit).

Quelle: Walter Lietzmann: Lustiges und Merkwürdiges von Zahlen und Formen, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1923/1955.

05

Fußball, Fernsehen, Frauen

Es ist der bemerkenswerteste Versprecher in der Welt des deutschen Fußballs, ein Stück Frauen- und Fernsehgeschichte, selbst das Quiz-Spiel »Trivial Pursuit« hat eine Frage danach auf Lager, und noch über 40 Jahre später wird Carmen Thomas regelmäßig auf die »05« angesprochen.

Man schrieb den 21. Juli 1973. Fünf deutsche Vereine spielten an diesem Tag in der sportlich eher unbedeutenden Intertoto-Runde, unter anderem trat der FC Schalke 04 zum letzten Mal in seinem alten Stadion, der Glückaufkampfbahn, gegen den belgischen Erstligisten Standard Lüttich an. Ein langweiliges Spiel vor gerade mal 6.000 Zuschauern, »bestenfalls biedere Hausmannskost«, meinte der Kommentator. Die »Sensation« folgte erst am Abend im »Aktuellen Sportstudio« des ZDF: Carmen Thomas führt durch die Sendung. Als der Schalke-Beitrag kommen soll, steht auf ihrer Moderationskarte »Fünf Vereine, Intertoto-Runde«, im Kopf aber ist sie schon weiter, sucht noch nach dem Namen des Gegners. So kündigt Carmen Thomas den Spielbericht mit den mittlerweile legendären Worten an: »Schalke 05 gegen … – Jetzt hab ich es vergessen … – Standard Lüttich.« Während des Films macht die Regie sie auf den Zahlen-Versprecher aufmerksam, und Carmen Thomas versucht den Fauxpas auszubügeln. In der nächsten Moderation entschuldigt sie sich, bittet um Nachsicht und fügt mit Ironie hinzu: »Die ganz ernsthaften Fußballfans können jetzt wieder aus ihrer Ohnmacht erwachen.« Doch zu spät. Die alte Medien-Weisheit, dass ein kleiner Fehler sich im Fernsehen »versendet«, also von den Zuschauern schnell wieder vergessen wird, bewahrheitete sich nicht, denn die Bild-Zeitung hatte auf einen solchen Aussetzer nur gewartet. Die »05« war der Startschuss für eine einzigartige machistische Medien-Kampagne.

Carmen Thomas war die erste Frau im deutschen Fernsehen, die eine Sportsendung moderierte – bis dahin ein Programm von Männern für Männer. Auch wenn Redaktion und Sender hinter ihr standen, eine weibliche Sportmoderatorin war in den 1970er-Jahren ein Risiko. Die deutsche Fußballwelt war noch nicht reif für ein solches Stück Emanzipation. Doch die damals 26-jährige WDR-Reporterin ging das Wagnis ein. Und schon vor ihrem ersten Auftritt gab es böse Zuschauerbriefe, acht Stück; da nutzte es auch nichts, dass ihr Bayern München im Vorfeld einen Blumenstrauß schickte: »Schon jetzt steht es 8:1 gegen mich«, kommentierte Carmen Thomas in ihrer Anfangsmoderation. Und der Gegenwind blies weiter. In ihrer zweiten Sendung konnte sie dem staunenden Publikum eine frisch am Kiosk erstandene Ausgabe der »Bild am Sonntag« präsentieren – mit einer vernichtenden Kritik über die Moderatorin des Sportstudios. Unter der Überschrift »Charme allein genügt nicht, Frau Thomas!« verrät der Reporter, er habe die Sendung »mit einem lachenden und einem weinenden Auge« gesehen, dann spricht er der Moderatorin jede Kompetenz ab, über Fußball zu urteilen. Geschrieben noch vor der Sendung! Carmen Thomas zitierte aus dem Artikel und machte ein paar Bemerkungen über die journalistische Weitsicht des Kollegen. Selten wurde das Boulevardblatt so direkt einer dreisten Lüge überführt.

Als wenige Monate später das »Schalke 05« fällt, kann sich Bild dafür rächen. Zwei Wochen nach dem Versprecher – es gab keinen Zuschauerprotest, nicht einmal der FC Schalke hatte reagiert – titelt Bild plötzlich »Carmen Thomas im ZDF-Sportstudio gescheitert«. Andere Zeitungen steigen auf die Kampagne ein. »Carmen warf das Handtuch«, schreibt ein Blatt. Das ZDF dementiert, aber das druckt zunächst keiner. Kollegen springen ihr zur Seite und bekennen sich öffentlich zu viel schlimmeren Versprechern (»Kickenbacher Offers«). Zwecklos. Stattdessen wird ihre von vornherein geplante Moderationspause in die Meldung uminterpretiert, sie sei »vorläufig nicht mehr im Sportstudio«. Die Kampagne bekommt eine Eigendynamik, die Moderatorin muss sich nun selbst Dutzenden Interviewern stellen, die alle nach der »05« fragen. Und obwohl Carmen Thomas ihren Vertrag mit dem Sender erfüllt und das Sportstudio noch eineinhalb Jahre weiter moderiert, hält sich bis heute hartnäckig die Mär, sie sei wegen des einen Versprechers geflogen.

Die Zahl 05 blieb an Carmen Thomas hängen, als sei ihre Biografie auf den Versprecher reduziert, sie wurde auf der Straße deswegen angesprochen, Pförtner riefen ihr »05« entgegen, selbst deutsche Touristen in Japan oder USA grüßten sie mit »Schalke 05«. Doch sie selbst findet es längst nicht mehr tragisch – eher im Gegenteil. »Zunächst sah es so aus, als würde Schalke 05 mir schaden«, sagte sie dreißig Jahre später der Wochenzeitung »Die Zeit«. »Aber es hat mir in Wahrheit genützt, weil ich diese Schlacht damals erfolgreich durchgestanden habe.« Der Erfolg hielt an, über 20 Jahre moderierte sie die WDR-Hörfunk-Sendung »Hallo Ü-Wagen«, schrieb insgesamt vierzehn Bücher, leitet eine Akademie mit Seminaren für Manager und Medienleute. Und längst hatte sie Nachfolgerinnen im »Aktuellen Sportstudio« und in allen anderen Sportsendungen. Selbst der Bildzeitung ist heute eine weibliche Sportmoderatorin kaum noch eine Schlagzeile wert – es sei denn, sie zöge sich aus.

Quellen: Stefan Willeke: Null fünf. Das Carmen-Thomas-Jahr hat begonnen, in: Die Zeit 02/2005; Frau und Fußball, in: Dortmunder Online-Magazin, unter: donews.de; »Es steht 8:1 gegen mich«. 40 Jahre Frauen im ZDF, unter: zdf.de.

0,5:0

Das halbe Tor

Dass beim Fußball das Runde ins Eckige muss, darüber sind sich alle einig, und die Regel 10 des Fußball-Weltverbands FIFA definiert eindeutig: »Ein erzieltes Tor ist gültig, wenn der Ball die Torlinie zwischen den Torpfosten und unterhalb der Querlatte in vollem Umfang überquert.« Doch ob das runde Leder regelkonform drin war oder nicht, müssen Schieds- und Linienrichter in Sekundenbruchteilen erkennen und ohne technische Hilfe und Zeitlupenbilder entscheiden.

Solche Tatsachenentscheidungen führten immer wieder zu Ärger und endlosen Diskussionen unter Fußballspielern und -fans. Erstmals 2014 in Brasilien kam deshalb bei einer Weltmeisterschaft die sogenannte Torlinientechnik zum Einsatz. Dabei überwachen sieben Kameras das Tor und senden dem Schiedsrichter ein Signal auf die Armbanduhr, wenn ein gültiger Treffer erzielt wurde. Doch selbst diese Technik hätte nicht geholfen, als das sicherlich kurioseste Fußballergebnis aller Zeiten erzielt wurde: 0,5:0

Es soll sich in den 1940er-Jahren ebenfalls in Brasilien, im nordöstlichen Bundesstaat Paraíba zugetragen haben: Ein nicht gerade hochklassiges Spiel ist in vollem Gange. Die Partie verläuft einigermaßen ausgeglichen. Da erhält die Heimmannschaft einen Strafstoß zugesprochen. Der Schütze legt sich den Ball zurecht, läuft an, schießt mit großer Wucht, und in genau diesem Moment platzt der Fußball. Die Bälle bestanden damals nämlich noch aus zwei Teilen, aus einer aufpumpbaren Gummiblase und aus einer zusammengenähten Lederhülle. Bei jenem Strafstoß in Brasilien muss die Ledernaht wohl so weit aufgerissen sein, dass das nun nicht mehr runde Leder am Tor vorbeiflog, die Gummiblase sich aber selbständig machte und am Torhüter vorbei im Netz landete. Tor oder nicht Tor? Der Schiedsrichter war zunächst ratlos. Über diesen Spezialfall stand nichts in den Fußballregeln. Doch das Spiel musste weitergehen. Die Zuschauer drängten auf eine Entscheidung, und der Schiedsrichter kam auf eine salomonische Lösung. Da ja immerhin ein Teil des Balls im Tor gelandet war, entschied er auf ein halbes Tor! Es stand somit 0,5:0. Damit konnten alle leben: die Heimmannschaft, das Team der Gäste, die Zuschauer und der Schiedsrichter. Und weil im Verlauf der Begegnung kein weiteres Tor mehr fiel, endete die Partie auch mit jenem einmaligen 0,5:0.

Zu einem weiteren halben Tor wird es im Fußball wohl kaum mehr kommen. Dafür sorgen die aktuellen Auslegungen der Spielregeln, wonach der Ball die Torlinie ja in »vollem Umfang« überschreiten muss, und dazu gehört das Leder samt seinem blasigen Innenleben. Auch brasilianische Schiedsrichter würden heute sicher auf Wiederholung des Strafstoßes entscheiden, sollte sich je wieder ein Ball in seine Einzelteile zerlegen. Aber auch das Platzen ist mittlerweile weniger wahrscheinlich geworden, denn die Fußbälle sind seit 2004 nicht mehr vernäht, sondern der höheren Stabilität wegen verklebt.

Quellen: brasilienportal.ch; Spielregeln, unter: fifa.com; Ein halbes Tor, unter: soccer-warriors.de; EM Ball Historie, unter: galerie-des-sports.de.

08/15

MG für geistlosen Drill

Ursprünglich ist Null-acht-fünfzehn die Bezeichnung für ein wassergekühltes Maschinengewehr. Es wurde von Hiram Maxim im Jahre 1908 entworfen und daher unter dem Namen »MG 08« beim deutschen Heer eingeführt. Weil die Waffe oft versagte, wurde sie 1915 verbessert und erhielt die Bezeichnung 08/15 (auch 08.15, 08,15, 0-8-15 oder 08-15 geschrieben). Die technische Besonderheit: Während bis dahin Waffen noch Einzelanfertigungen waren, bestand die 08/15 aus 383 Teilen, die separat ausgetauscht und in Serie produziert werden konnten. Dies war ein entscheidender Entwicklungsschritt nicht nur in der Waffentechnik, sondern in der Standardisierung von Maschinen überhaupt, deren einzelne Module seither in Serie produziert werden können. So steht das 08/15 am Anfang einer Entwicklung, die zum Deutschen Normenausschuss und schließlich zur Deutschen Industrienorm DIN führt.

Noch bis 1914 vertraten die Militärs die Auffassung, dass vor allem der Angriffswille der Soldaten einen Krieg entscheide. Entsprechend war der Erste Weltkrieg an allen Fronten zunächst ein Bewegungskrieg. Doch die Angriffe fanden nur zu oft ein blutiges Ende angesichts der feindlichen Infanteriewaffen und von Geschützen wie der 08/15. So hatte das Maschinengewehr einen nicht unerheblichen Anteil an der Veränderung militärischer Strategie vom Bewegungs- hin zum Stellungskrieg.

Im Zweiten Weltkrieg galt das 08/15 technisch als veraltet, trotzdem wurde es massenweise eingesetzt, und die deutschen Soldaten wurden in den Kasernen an dem Gewehr gedrillt. Bis zum Umfallen mussten sie die Waffe auseinandernehmen, putzen und wieder zusammenbauen. So kam es, dass Soldaten, wenn sie von ihren Kameraden gefragt wurden, was sie gemacht hätten, nur antworteten: »08/15.« Die sprachliche Wendung wurde so zu einer Metapher für geistlosen militärischen Drill, später allgemein zur Bezeichnung für Alltägliches, für gänzlich Unoriginelles und für alles, mit dem man sich bis zum Überdruss beschäftigen musste.

Besonders ins Bewusstsein der Deutschen rückte der Ausdruck »08/15« durch eine Romantrilogie von Hans Hellmut Kirst über die Kasernen- und Kriegserlebnisse von Wehrmachtssoldaten. Kirst war selbst Ausbilder bei der Wehrmacht gewesen und schildert in den drei Teilen (»08/15 – Die abenteuerliche Revolte des Gefreiten Asch«, »08/15 im Krieg« und »08/15 bis zum Ende«) die Brutalität des militärischen Drills. Protagonist der Romane ist der widerspenstige Gefreite Asch, der sich gegen die entwürdigende Behandlung der Rekruten und vor allem gegen die Schikanen des Schleifers Platzek wehrt. »Hier werden aus Menschen Soldaten gemacht«, resümiert einer in dem Roman. Und: »Unser Ehrgefühl heißt kriechen, und unser Charakter äußert sich im Lecken von Stiefeln.«

Als die Romane 1954/55 erscheinen, sind sie nicht unumstritten, diskutierte die Bundesrepublik doch gerade über die Wiederbewaffnung und damit über die Frage, ob die Bundeswehr die Tradition der Wehrmacht fortsetzen solle. Kirsts rigoroses Eintreten gegen Militarismus stößt auf heftige Kritik: Der Interessenverband der Berufssoldaten sieht den deutschen Wehrwillen ausgehöhlt, und für den damaligen Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß sind die Romane Pamphlete, die nicht in Buchläden verkauft werden sollten. Doch die Bücher werden Bestseller, befördert unter anderem durch einen Vorabdruck des ersten Bandes in der Neuen Illustrierten.

Regisseur Paul May verfilmt die drei Bücher kurz nach ihrem Erscheinen mit Joachim Fuchsberger in der Hauptrolle, die Drehbücher schrieb Ernst von Salomon. Uraufführung des ersten Teils ist am 30. September 1954 in München. Es wird ein Kassenschlager mit rund zwanzig Millionen Zuschauern, denn die »08/15«-Kriegsfilme sind nicht antimilitärisch, eher sind es Kasernenhof-Schwänke, die die Willkür beim Kommiss zeigen und damit das Lebensgefühl tausender Kriegsheimkehrer treffen. Die ehemaligen Soldaten können im Film genauso wie in den Kirst-Büchern all das noch einmal erleben, was ihnen beim Militär widerfuhr, diesmal allerdings – wie es sich für einen Unterhaltungsfilm gehört – mit einem Happy End. Am Schluss der 08/15-Filme wird der Gefreite Asch zum Unteroffizier befördert, um seine Verbesserungsvorschläge in die Praxis umsetzen zu können. So rechtfertige der Film ein neues Militärsystem, resümiert der Filmwissenschaftler Wolfgang Wegmann, »indem er zwar die in allen Militärsystemen vorkommenden Schikanen aufzeigt, aber sie nicht als System bedingt ansieht, sondern als persönliche Auswüchse von Sadisten.«

Quellen: Peter Berz: 08/15. Ein Standard des 20. Jahrhunderts, Wilhelm Fink, München 2002; Miloš Vec: Bleisatz mit Durchschuss. Peter Berz über die schwere Geburt des Maschinengewehrs 08/15, in: Süddeutsche Zeitung vom 20.5.2002; Das Maschinengewehr M.G. 08/15, Teil 2, Waffen-Revue, Nr. 89; mg0815.com; Aus Menschen Soldaten machen. Vor 50 Jahren: Der Film »08/15« wird uraufgeführt, unter: wdr.de; Der Antikriegsfilm »08/15« kommt in die westdeutschen Kinos, Deutschlandradio, Kalenderblatt, 30.9.2004.

Uno

Mau-Mau für Millionen

Mau-Mau ist eines der simpelsten und zugleich meistverbreiteten Kartenspiele der Welt – was wohl in direktem Zusammenhang miteinander steht. Es gibt unzählige Spielvarianten und auch ganz unterschiedliche Namen des Spiels. In Österreich heißt es Neunerln, in der Schweiz Tschau Sepp, in Spanien Pumba, in Polen Makao und in Tschechien Prší. Aus den USA stammt die Mau-Mau-Variation Uno – auch bezüglich des wirtschaftlichen Erfolges die Nummer 1.

Das Uno-Blatt besteht aus 108 Karten: vier Farben blau, rot, grün und gelb, jeweils mit den Werten 0 bis 9. Dazu kommen diverse Sonderkarten. Jeder Mitspieler erhält zu Beginn sieben Karten, der Rest bleibt auf einem Stapel, nur eine Karte kommt offen auf den Tisch. Ziel ist es nun, seine Karten durch Ablegen so schnell wie möglich wieder loszuwerden, wobei nur gleiche Farben und gleiche Zahlen aufeinandergelegt werden dürfen. Damit dies nicht allzu langweilig wird, gibt es die Sonderkarten. Diese bestimmen, dass ein Spieler zwei oder gar vier Karten zusätzlich aufnehmen muss, dass man eine neue Farbe wählen darf, dass ein Spieler übersprungen wird oder dass die Spielrichtung wechselt – alles Funktionen, die es auch beim Mau-Mau mit den Karten 7, 8, 9 und Bube gibt.

Seinen Namen bekam Uno durch eine weitere Regel: Hat ein Spieler nur noch eine Karte auf der Hand, muss er dies den anderen anzeigen und laut auf Italienisch »eins« rufen, also »uno«. Vergisst er dies, muss er zur Strafe zwei Karten ziehen.

Erfunden hat Uno ein Frisör in Ohio. Merle Robbins liebte Kartenspiele über alles und dachte sich 1971 am heimischen Esstisch Uno für sich und seine Familie aus. Frau, Sohn und Schwiegertochter gefiel das Spiel so gut, dass sie 8.000 Dollar zusammenlegten und 5.000 Uno-Exemplare produzieren ließen, die Robbins in seinem Frisörsalon verkaufte. Als sich ein paar Freunde und andere Geschäfte in der Stadt dem Verkauf anschlossen, war die erste Auflage schnell vergriffen.

Dann veräußerte Robbins die Rechte für 50.000 Dollar und Lizenzgebühren von 10 Cents für jedes weitere Uno-Exemplar an einen befreundeten Bestattungsunternehmer. Der gründete ein eigenes Unternehmen, um Uno kommerziell zu vermarkten. Die Nachfrage schoss in die Höhe. 1992 wurde schließlich die Produktionsfirma vom Spielekonzern Mattel geschluckt, der Uno nun international vertrieb. Stolz verkündete Mattel nach ein paar Jahren, Uno sei »weltweit das Familienkartenspiel Nummer 1«.

Tatsächlich ist Uno ein Spiel für viele: geeignet für Gelegenheitsspieler wie für große Runden etwa abends auf einer Skihütte. Vor allem aber ist Uno ideal für Kinder. Es ist einfach zu erklären und einfach zu spielen. Kindergärtnerinnen loben, dass Uno die Konzentration und Reaktionsfähigkeit fördere und die Kleinen dabei Farben und Zahlen lernten. Nur auf Dauer lässt der Uno-Spielespaß etwas nach, wenn man nicht – wie bei Mau-Mau – Spielvariationen erfindet.

Diese mangelnde Abwechslung ist wohl mit ein Grund, warum Mattel diverse Sonderversionen des Spiels auf den Markt brachte. So gibt es die Kinder-Edition »Uno Junior« mit Tiermotiven, eine Superman- und eine Harry-Potter-Variante, »Uno H2O« mit wasserfesten Spielkarten für Badewanne oder Schwimmbad sowie die technischen Varianten »Uno extreme« mit einem elektrischen Kartenauswerfer und »Uno Spin« mit einem Glücksrad als Zufallsgenerator. Auf diese Weise bleibt Uno in den Spielzeugläden und bei den Verkaufszahlen die Nummer 1.

Quellen: »Die Entstehungsgeschichte von Uno« und »Spielspaß für jedermann«. Pressemitteilungen, unter: mattel.de; uno-kartenspiel.de, »Mau-Mau« und »Uno«, unter: Wikipedia.de; Uno-Rezensionen, unter: wir-testen-spiele.de; Spieletest Uno, unter: sunsite.informatik.rwth-aachen.de.

Unaone

Signal für Segel-Single

Damit Seeleute von Schiff zu Schiff kommunizieren konnten, benutzten sie schon seit dem 14. Jahrhundert optische Mittel wie Flaggen. Doch jedes Land hütete seinen Code als militärisches Geheimnis, denn in Seeschlachten wurden Flaggen gehisst, um befreundeten Kriegsschiffen strategische Befehle zu übermitteln. Erst seit 1901 existiert ein internationales Signalbuch der Handelsmarine, anhand dessen Schiffe unterschiedlicher Nationalität Informationen austauschen können. Neben Regeln für das Funken und Morsen werden hier auch Flaggen aufgelistet, die für einzelne Buchstaben oder einzelne Zahlen stehen.

Doch buchstabiert wurde damit selten, das war viel zu umständlich. Dafür gab es ein eigenes Winkealphabet. Die Botschaften des Flaggenalphabets waren in der Regel fest vereinbarte Codes, denn jede Buchstaben-Flagge hat eine zusätzliche Bedeutung. So steht A für »Ich habe Taucher unten. Abstand halten«, B für »Gefährliche Ladung«, O bedeutet: »Mann über Bord«, und W heißt: »Ich benötige ärztliche Hilfe.«

Für die Zahlen-Flaggen – die einen doppelsprachlichen Namen tragen: Unaone, Bisstwo, Terrathree, Kartefour usw. – ist im internationalen Signalbuch kein Extra-Code vorgesehen. Inoffiziell aber hat sich unter Seglern für die Unaone doch eine Bedeutung eingeschlichen. Der Wimpel, der fast aussieht wie die japanische Nationalflagge, nämlich weiß mit einem roten Kreis, wird immer häufiger von Soloseglern beim Einlaufen in den Hafen gesetzt. Sie wollen damit signalisieren, dass sie beim Anlegen gern Hilfe in Anspruch nehmen würden. Zahlreiche Segelvereine würden diesen Flaggencode gerne offiziell einführen, denn vermehrt sind auf den Gewässern Skipper allein unterwegs, die zum Beispiel bei ablandigem Wind in engen Häfen Probleme bekommen, oder Senioren-Segler, die sich mit dem Sprung auf einen niedrigen Steg schwertun und nur zu gern die Unterstützung eines herbeieilenden Hafenmeisters in Anspruch nehmen.

Quellen: Flaggenalphabet, unter wikipedia.de; Yachtforum, Stichwort Flaggenführung; unter: yacht.de; Ulli Kulke: Flagge und Funk. Die Geschichte der Seekommunikation, unter: seefunknetz.de.

1:1

Manager-Gerede

Wer weiß, dass ein Key Account Manager eigentlich nur ein Betreuer von Großkunden ist, dass ein Siemens-Chef, der von »downsizen« spricht, eigentlich Personalabbau meint und dass der Sony-Slogan für den deutschen Markt »make.believe« in einer Pressemitteilung des Konzerns erklärt wird als »die Kraft der Inspiration (…) und die Umsetzung dieser Inspiration in Produkte und Erlebnisse für den Kunden«, der hat längst verstanden, dass in Wirtschaft und Werbung viel Wortgeklingel produziert wird. Brisante Zusammenhänge werden so verschleiert, getarnte Werbebotschaften ausgegeben oder allzu banale Vorgänge wichtigtuerisch aufgeblasen. Ein Ausdruck unter vielen in diesem sprachlichen Imponiergehabe ist 1:1.

Beim 1:1 handelt es sich um die Form eines Meetings: Ein Vorgesetzter trifft auf einen Untergebenen. Fertig. Mehr ist das nicht, auch wenn zum Beispiel Unternehmensberater ein großes Brimborium um das 1:1-Meeting veranstalten und goldene Regeln ausgeben. Man möge dem Untergebenen die volle Aufmerksamkeit zollen, man solle klare Anweisungen geben und durchaus auch loben. Tipps für ein typisches Personalgespräch eben.

Auch in früheren Zeiten gab es 1:1-Meetings, und man benannte sie in einer wohl etwas veralteten Redeweise ebenfalls mit einer Zahl: Damals hieß das: 4-Augen-Gespräch.

Quellen: Bernd M. Samland: Lost in Translation, o.D., unter: spiegel.de; Heinz-Jörg Graf: Wie deutsche Unternehmer ihre Muttersprache vernachlässigen, Sendung in Deutschlandradio vom 29.7.2007; Frank Strong: 10 leadership tips for 1:1 meetings with employees, unter: swordandthescript.com.

ONEeins

Modelmarkt für Mädchenträume

Nicht erst, als sie engelsgleich für Victoria’s Secret über den Laufsteg schwebte, war Heidi Klum für viele die Nummer 1; das war sie auch schon zu Beginn ihrer Karriere, als sie das von RTL und der Zeitschrift Petra veranstaltete Casting »Model ’92« gegen 25.000 Bewerberinnen gewann. Ihr Durchbruch kam dann mit Seite 1 von Sports Illustrated, jetzt zählte sie zu den Topmodels, posierte vorne auf Vogue und Elle, erhielt Gastrollen in TV-Shows und Serien, und die deutsche Vogue widmete ihr sogar eine ganze 140-Seiten-Ausgabe.