100 Fragen zum Umgang mit Menschen mit Demenz - Ingrid Hametner - E-Book

100 Fragen zum Umgang mit Menschen mit Demenz E-Book

Ingrid Hametner

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Beschreibung

Gerade für Menschen mit Demenz brachte der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff die endlich erwartete Hilfe: geistige und körperliche Einschränkungen besitzen nun dasselbe Gewicht, wenn es um den Pflegerad geht. Es steht mehr Geld zur Verfügung, um die Pflege von Menschen mit Demenz individuell und wertschätzend zu gestalten. Die 4., aktualisierte Auflage dieses Buches beantwortet 100 wichtige Fragen für eine kreative, fachgerechte Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz. Auch die Selbstpflege der Pflegenden kommt nicht zu kurz. Denn die Betreuung von Menschen mit Demenz ist eine große Herausforderung – und jeder in der Pflege Tätige sollte Strategien kennen, um mit den Belastungen umgehen zu können.

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Ingrid Hametner

100 Fragen zum Umgang mit Menschen mit Demenz

Diagnostik & Symptome

Kommunikation & Hilfe

Krisen & Interventionen

schlütersche

Ingrid Hametner

Egal, wie alt du bist oder wie du lebst – du bist etwas Besonderes und Einzigartiges.

Weil du bist, wie du bist, hat Dein Leben eine Bedeutung.

BARBARA DE ANGELIS

pflegebrief – die schnelle Information zwischendurch Anmeldung zum Newsletter unter www.pflegen-online.de

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

ISBN 978-3-89993-961-3 (Print)

ISBN 978-3-8426-8933-6 (PDF)

ISBN 978-3-8426-8934-3 (EPUB)

© 2018 Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, Hans-Böckler-Allee 7, 30173 Hannover

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der gesetzlich geregelten Fälle muss vom Verlag schriftlich genehmigt werden. Alle Angaben erfolgen ohne jegliche Verpflichtung oder Garantie des Autoren und des Verlages. Für Änderungen und Fehler, die trotz der sorgfältigen Überprüfung aller Angaben nicht völlig auszuschließen sind, kann keinerlei Verantwortung oder Haftung übernommen werden. Die im Folgenden verwendeten Personen- und Berufsbezeichnungen stehen immer gleichwertig für beide Geschlechter, auch wenn sie nur in einer Form benannt sind. Ein Markenzeichen kann warenrechtlich geschützt sein, ohne dass dieses besonders gekennzeichnet wurde.

Reihengestaltung:

Groothuis, Lohfert, Consorten, Hamburg

Umschlaggestaltung:

Kerker + Baum, Büro für Gestaltung GbR, Hannover

Titelbild:

INHALT

Danksagung

Vorwort

Vorwort zur 4., aktualisierten Auflage

1Was ist eine Demenz?

1. Frage:Was ist eine Demenz?

2. Frage:Wodurch entsteht eine Demenz?

3. Frage:Wie viel Vergessen ist normal?

4. Frage:Wie verläuft die Diagnostik?

5. Frage:Was ist eine Memory-Klinik?

6. Frage:Welche Stichworte zur Diagnostik sind wichtig?

7. Frage:Nach welchen anerkannten Kriterien wird eine Demenz diagnostiziert?

8. Frage:Kann man plötzlich an einer Demenz erkranken?

9. Frage:Ist Demenz gleich Alzheimer?

10. Frage:Welche Demenzformen werden unterschieden?

11. Frage:Wie hoch ist die durchschnittliche Lebenserwartung bei einer Demenz?

12. Frage:Was ist eine Pseudodemenz?

2 Demenzielle Veränderungen

13. Frage:Welche Veränderungen zeigen sich zu Beginn der Erkrankung?

14. Frage:Welche Auswirkungen auf Verhalten und Lebensführung entstehen durch die demenziell bedingten Veränderungen?

15. Frage:Ab wann sollte die betroffene Person eine diagnostische Abklärung anstreben?

16. Frage:Was bedeutet die Diagnose Demenz?

17. Frage:Welchen besonderen Belastungen sind Angehörige ausgesetzt?

18. Frage:Ab wann sind Pflegefachkräfte in die Veränderungen involviert?

19. Frage:Was ist Pflegebedürftigkeit?

20. Frage:Nach welchen Kriterien wird die Pflegebedürftigkeit beurteilt?

21. Frage:Welche Leistungen sind zur Unterstützung im Alltag vorgesehen?

22. Frage:Welche Aufgaben haben Pflegefachfrauen/Pflegefachmänner?

23. Frage:Was versteht man unter dem Begriff Assessment in der Pflege?

24. Frage:Welche Instrumente stehen zum Assessment des Pflegebedarfs bei Demenz derzeit zur Verfügung?

25. Frage:Wie unterscheiden sich die Assessmentskalen?

26. Frage:Welche Grundsätze sollten in der Pflege Demenzkranker beachtet werden?

27. Frage:Nach welchen Schweregraden wird die Alzheimer-Krankheit eingeteilt?

28. Frage:Was ist mit der »GDS« gemeint?

29. Frage:Was ist die »Mini-Mental-State Examination (MMSE)«?

30. Frage:Was hat es mit der Mäeutik auf sich?

3 Der Herausforderung Demenz begegnen

31. Frage:Um welche Herausforderung geht es?

32. Frage:Was macht die Hilfeleistung für Menschen mit Demenz so schwierig?

33. Frage:Woran kann sich eine Pflege- oder Betreuungskraft orientieren?

34. Frage:Welche Bedürfnisse müssen bei der Pflege von Menschen mit Demenz beachtet werden?

35. Frage:Welche Bedürfnisse haben Menschen mit Demenz?

36. Frage:Was gehört zu einem professionellen Pflegeverständnis für die Pflege von Menschen mit Demenz?

37. Frage:Welche Kommunikationsmodelle und Interventionsmethoden werden für die Pflege von Menschen mit Demenz verwendet?

38. Frage:Was ist der person-zentrierte Ansatz nach Kitwood?

39. Frage:Was ist die Validation nach Feil?

40. Frage:Was ist die Integrative Validation® nach Richard?

41. Frage:Was ist Basale Stimulation®?

4 Wege der Verständigung

42. Frage:Was kennzeichnet eine erfolgreiche Kommunikation?

43. Frage:Welche Gesprächstechniken sollten für die Begleitung von Menschen mit Demenz bekannt sein?

44. Frage:Wo liegen die größten Schwierigkeiten in der Kommunikation mit Menschen mit Demenz?

45. Frage:Was ist Kontakt?

46. Frage:Was ist der »Diana-Effekt«?

47. Frage:Wie stellt man den Kontakt zum demenziell veränderten Menschen her?

48. Frage:Was setzt die »Begegnung auf Augenhöhe« voraus

49. Frage:Was sind die Grundprinzipien der klientenzentrierten Gesprächsführung nach Rogers?

50. Frage:Wie lassen sich Verständigungs- und Pflegekonzepte miteinander verbinden?

51. Frage:Was bedeutet Interaktion?

52. Frage:Was sind »Positive Interaktionsformen«?

5 Biografie als Schlüssel zur Verständigung

53. Frage:Was heißt eigentlich Biografie?

54. Frage:Was wird im pflegerischen Sinne unter Biografiearbeit verstanden?

55. Frage:Welche Informationen gehören zur Biografiearbeit?

56. Frage:Warum hat die Biografie eine so große Bedeutung für die Pflege von Menschen mit Demenz?

57. Frage:Gibt es eine biografische Erklärung dafür, wenn jemand nachts seinen Kleiderschrank ausräumt?

58. Frage:Welche Formen der Biografiearbeit werden in der Altenpflege unterschieden?

59. Frage:Wie lässt sich Biografiearbeit mit einer Anregung der Sinne verbinden?

60. Frage:Welche politischen Ereignisse des letzten Jahrhunderts sollten einer Pflegefachkraft, die mit demenziell erkrankten Menschen arbeitet, bekannt sein?

61. Frage:Was sagt die MDK-Anleitung zur Prüfung der Qualität in der stationären Pflege zur Biografiearbeit?

62. Frage:Wie können Pflegekräfte die Angehörigen stärker in die Biografiearbeit einbeziehen?

63. Frage:Wie lässt sich das »Psychobiografische Modell nach Böhm« beschreiben?

64. Frage:Was sind Bewältigungsstrategien?

65. Frage:Welche Zielsetzungen werden bezüglich des Pflegeprozesses mit der Biografiearbeit verbunden?

66. Frage:Wie lässt sich die Biografiearbeit in der ambulanten Pflege umsetzen?

67. Frage:Wie lässt sich die Biografiearbeit in der stationären Altenpflege umsetzen?

6 Die Würde des Menschen ist unantastbar

68. Frage:Was steht in Artikel 1 des Grundgesetzes?

69. Frage:Bleiben demenziell veränderte Menschen Akteure mit eigenem Recht oder können Angehörige oder Freunde für sie entscheiden?

70. Frage:Wie kann die Entscheidungsfähigkeit übertragen werden?

71. Frage:Was sagt das Gesetz zur Geschäftsfähigkeit?

72. Frage:Was sind die Bedingungen für eine Betreuung?

73. Frage:Wann sollten die Rechtsgeschäfte einer demenziell erkrankten Person an eine andere Person übertragen werden?

74. Frage:Was ist Pflegeethik?

7 Der milieutherapeutische Ansatz

75. Frage:Was ist Milieutherapie?

76. Frage:Wie entstand der milieutherapeutische Ansatz?

77. Frage:Welche Auswirkungen hat das Milieu auf den Menschen?

78. Frage:Muss ein Mensch mit Demenz ständig beschäftigt werden?

79. Frage:Was kann man tun?

80. Frage:Woran kann man sich bei den Beschäftigungsangeboten für Menschen mit Demenz orientieren?

81. Frage:Welche Haltung brauchen die Mitarbeiter für die Beschäftigungsangebote?

82. Frage:Was wird unter einem Hobby verstanden?

83. Frage:Was bedeutet es, Bindung zu bieten und gleichzeitig Freiräume zu schaffen?

84. Frage:Was versteht man unter Pflegeoasen?

8 Schwierige Situationen und entlastende Hilfen

85. Frage:Können Menschen mit einer Demenz Schmerzen haben?

86. Frage:Wie definiert man Schmerz?

87. Frage:Welche Zeichen können bei einer demenziellen Erkrankung auf Schmerzen hinweisen?

88. Frage:Welches Assessmentinstrument lässt sich bei eingeschränkter Kommunikationsfähigkeit für die Schmerzbestimmung nutzen?

89. Frage:Wie wird der ECPA-Bogen eingesetzt?

90. Frage:Was sollte man über Weglauftendenzen wissen?

91. Frage:Was gibt Menschen mit Demenz Sicherheit in der Pflegebeziehung?

92. Frage:Was ist mit dem neuen Expertenstandard »Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz« gemeint?

93. Frage:Welche Handlungen der Pflegefachkraft führen zu einer Gefährdung der Pflegequalität?

94. Frage:Was sind Merkmale einer Überforderung, die nur die betroffene Pflegekraft bzw. andere Personen aus der Umgebung wahrnehmen?

95. Frage:Was ist ein »Burnout«?

96. Frage:Was kann eine Pflege- oder Betreuungskraft tun, um einem »Burnout« vorzubeugen?

9 Gesundheit – Welche Beachtung gebe ich meiner Gesundheit?

97. Frage:Welche strukturellen Bedingungen müssen geschaffen werden, um Mitarbeiter/Innen zu entlasten?

98. Frage:Was kann helfen, in Berufen mit hohen psychischen Anforderungen gesund zu bleiben?

99. Frage:Gibt es Fragen, die den achtsamen Umgang mit der Rolle als Pflegefach-, Pflegehilfs- und Betreuungskraft unterstützen?

100. Frage:Welche Coping-Strategien gibt es, um mit schwierigen Situationen umzugehen?

Wichtige Adressen

Internet

Informationsmaterial

Literatur

Register

DANKSAGUNG

Ich habe vielen Menschen zu danken, die mich immer wieder mit dem Problem der Demenz vertraut gemacht haben. Ich danke besonders all denen, die mir gezeigt haben, mit welcher Lebensfreude sie trotz einer demenziellen Erkrankung ihr Leben meistern. Auch ihren Angehörigen gilt mein Dank, die mir mit Offenheit Einblick in ihre schwierige Lebenssituation gewährt haben.

Ich bedanke mich vor allem auch bei den Teilnehmern meiner Demenzseminare in Deutschland und der Schweiz, die sich mit großem Engagement mit dem Thema auseinander gesetzt haben. Sie haben mich auf die Idee gebracht, dieses Buch zu schreiben, um ihre Fragen auf einer breiteren Basis zu beantworten.

Den Einrichtungen, die mich an ihren Entwicklungsprozessen beteiligt und mir die praktische Umsetzbarkeit von Modellen gezeigt haben, gilt mein großer Dank.

Ich danke Thorsten Ohlmann für seine juristische Beratung.

Ganz herzlich möchte ich mich bei meinem Sohn Tobias für seine Anmerkungen und hilfreichen Kommentare bedanken.

An dieser Stelle bedanke ich mich ebenfalls bei Claudia Flöer für die weiterführenden Gespräche und ein hervorragendes Lektorat.

VORWORT

Wir alle wissen nicht, wie wir alt werden. Welche Stadien werden wir durchlaufen, ehe der Tod uns abruft? Vielleicht ist dies überhaupt die größte Furcht, irgendwann in diesem Prozess, der das Leben zu Ende bringt, die Selbstbestimmung und Unabhängigkeit zu verlieren.

Deshalb ist kaum ein Thema mit so vielen Mutmaßungen und Befürchtungen besetzt, wie die Möglichkeit, an Demenz zu erkranken.

Ingrid Hametner antwortet auf vielfältige Fragen, die dieses Krankheitsbild aufwirft. Sie verbindet unterschiedliche Aspekte zu einem informativen Überblick. Mit einem Ausblick auf einen durchdachten Umgang mit Menschen mit einer demenziellen Erkrankung zeigt sie, dass es vielfältige Möglichkeiten gibt, dieser Krankheit zu begegnen.

Sie gibt uns durch ihre langjährige Bildungs- und Beratungstätigkeit zur Pflege und Betreuung Demenzkranker Informationen aus erster Hand.

Solche Informationen können irrationale Ängste abbauen und Hoffnung stiften im Umgang mit den eigenen Befürchtungen.

Dr. Eva Renate Schmidt,Pfarrerin und Organisationsberaterin

VORWORT ZUR 4., AKTUALISIERTEN AUFLAGE

In Bearbeitung der vierten Auflage wurde mir deutlich, welche großen Fortschritte im Verstehen von Menschen mit Demenz gemacht worden sind. Gesellschaftlich, politisch, aber auch auf den beruflichen Ebenen ist das Thema »in aller Munde«. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, die gesellschaftliche Herausforderung wahrzunehmen und Strukturen zu schaffen, die beim Leben mit einer demenziellen Erkrankung Hoffnung stiften. Wichtiger denn je scheint es, dem sogenannten CARE-Gedanken – als ein zentrales Element einer am humanistischen Menschenbild orientierten Gesellschaft – zu folgen.

Dazu gehört ebenso, dass Pflegearbeit in den professionellen Bereichen endlich entsprechend ihrer Bedeutung für das Wohlergehen der pflegebedürftigen Menschen gesehen und bewertet wird.

Wie ich in meiner Beraterinnentätigkeit erlebe, ist in den letzten Jahren in den unterschiedlichen Formen der Versorgung alter Menschen die Bereitschaft gewachsen, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz zu verbessern. Das geschieht durch eine institutionalisierte Kultur der Wertschätzung des erkrankten Menschen und der Beachtung seiner Bedürfnisse. Diese Kultur verdanken wir den Expert/Innen in der Pflege, die ihre berufliche Rolle mit Persönlichkeits-, Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz ausfüllen.

Die Pflegereform 2017 zeigt, dass mit dem neuen Pflegebegriff endlich auch die seelischen Belastungen und krankheitsbedingten Einschränkungen der Selbstständigkeit, z. B. auch im Umgang mit der Krankheit anerkannt werden, um fachlich begründete Hilfen einzufordern, die als abrechenbare Leistungen vergütet werden. Menschen mit Demenz brauchen die Sicherheit mit professioneller Unterstützung – bei der speziellen Symptomatik – weitestgehend selbstbestimmt zu leben und in ihrem »So – Sein« anerkannt zu werden.

Die gesellschaftliche Zielsetzung muss weiterhin darin bestehen, dass Menschen mit Demenz mehr Unterstützung in ihrer schwierigen Lebenssituation und pflegende Angehörige zusätzliche Entlastung erfahren. Die Pflegereform von 2017 ist nur ein Schritt in die richtige Richtung, um diesen Gedanken weiter zu folgen.

Es zeigt allerdings gleichzeitig, dass die Aufgabenstellungen der Pflegefachkräfte in den sich entwickelnden Versorgungsstrukturen einer Gesellschaft des längeren Lebens enorm wachsen werden. Es sind zukünftig entsprechende Fortbildungs- und Weiterbildungsverordnungen durch den Gesetzgeber im gerontopsychiatrischen Bereich angezeigt. Die Verstärkung der Teams durch qualifizierte Betreuungskräfte und qualifizierte PflegehelferInnen ist eine gute Sache, die allerdings nicht als »Ersatzmodell« für Pflegefachkräfte etabliert werden darf.

Um betroffene Menschen und ihre Angehörigen zu beraten und die multiprofessionellen Teams zu führen, brauchen alle Akteure eine entsprechende Aus- und Weiterbildung. Die Strukturqualität in der institutionellen Versorgung benötigt außerdem Stellenschlüssel, die eine Wertigkeit der sorgenden Berufe verdeutlicht.

Meinen Ratgeber betrachte ich – und so wird es mir von den Lesern rückgemeldet – als einen Wegweiser zum Umgang mit Menschen mit Demenz.

Er enthält viele praktische Hilfen und ermuntert alle Beteiligten, Menschen mit Demenz zu vermitteln, dass sie wertgeschätzt sind und selbstverständlich auch mit einer Demenz ein gutes Leben haben können.

Ich wünsche mir, dass Sie meinen Ratgeber als Mut-mach-Buch erleben.

Bremerhaven, im März 2018

Ingrid Hametner

1WAS IST EINE DEMENZ?

1. Frage:Was ist eine Demenz?

Demenz stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie »ohne Geist sein«. Diese Bezeichnung ist bereits eine Stigmatisierung an sich und wird dem Krankheitsbild nicht gerecht.

Die WHO-Definition

»Demenz ist eine erworbene globale (umfassende) Beeinträchtigung der höheren Hirnfunktion, einschließlich Gedächtnis, der Fähigkeit Alltagsprobleme zu lösen, sensomotorischer und sozialer Fertigkeiten der Sprache und Kommunikation, sowie der Kontrolle emotionaler Reaktionen, ohne Bewusstseinsstörungen. Meist ist der Verlauf progredient (fortschreitend) und nicht notwendigerweise irreversibel«.

Das Krankheitsbild einer Demenz ist, unabhängig von der Ursache, durch die Abnahme der Gedächtnisleistungen und eine deutliche Verminderung des Denkvermögens gekennzeichnet. Die Besonderheit der Demenz liegt darin, dass sich beim Betroffenen Gedächtnis und Intelligenz immer weiter verschlechtern, obwohl vorher keine Einschränkungen vorhanden waren. Die kognitiven Beeinträchtigungen werden gewöhnlich von Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens und der Motivation begleitet.

2. Frage:Wodurch entsteht eine Demenz?

Ein Symptomkomplex

Bei der Demenz handelt es sich nicht um eine einzelne ursächliche Erkrankung, sondern um ein klinisches Syndrom (Symptomkomplex), das bei zahlreichen Erkrankungen, die das Gehirn primär oder sekundär schädigen, auftreten kann.

Zu den primären Schädigungen des Gehirns gehören die neurodegenerativen und vaskulären Ursachen, die Nervenzellen zerstören und damit zum Funktionsverlust in unterschiedlichen Hirnregionen führen. Wir kennen die Bezeichnungen Alzheimer-Demenz, vaskuläre Demenz, gemischte Demenz und Lewy-Körperchen-Demenz.

Auch schwere neurologische Erkrankungen, wie Parkinson, Creutzfeldt-Jakob-Krankheit oder Chorea-Huntington-Krankheit, können eine Demenz hervorrufen. Wir sprechen dann etwa von der Demenz bei Morbus Parkinson.

Bei den sekundären Einflüssen liegt die Ursache für die sogenannte »symptomatische Demenz« in einer anderen Erkrankung, die ihren Ursprung nicht im Gehirn hat. Diese Form der Demenz entsteht bei schweren Stoffwechselstörungen, schweren Vitaminmangelzuständen, Herz- und hämatologischen Erkrankungen, Intoxikationen (z. B. durch Benzodiazepine oder Alkohol) und Hypoxien (Sauerstoffmangel).

Die begleitenden Symptome müssen allerdings die Definition einer Demenz nach den anerkannten Kriterien erfüllen und dürfen nicht mit Delirien (vorübergehende Verwirrtheitszustände) verwechselt werden.

Für die Diagnose einer Demenz müssen die Symptome nach ICD 10 über mindestens 6 Monate bestanden haben und die Funktion der Sinne (Sinnesorgane und Wahrnehmung) sollte im üblichen Rahmen liegen.

3. Frage:Wie viel Vergessen ist normal?

Viele Menschen haben Angst, an einer Demenz zu leiden, weil sie im Alltag Dinge vergessen. Es ist wichtig, eine Balance zwischen unbegründeter Panikmache und der Aufmerksamkeit für erste Anzeichen einer evtl. Erkrankung zu finden. Das ist ein individueller Prozess. Ein Großvater wurde aufmerksam, als er eines Tages vergaß, sein Enkelkind vom Kindergarten abzuholen. Dabei war das seine tägliche Aufgabe und das Enkelkind bedeutete ihm natürlich viel.

4. Frage:Wie verläuft die Diagnostik?

Das diagnostische Vorgehen ist für die Psychohygiene des Patienten und den weiteren Verlauf der Erkrankung extrem wichtig. Jeder Hausarzt sollte es ernst nehmen, wenn ein Patient berichtet, dass seine geistige Leistungsfähigkeit nachlässt.

Bei der Diagnostik empfiehlt sich ein zweistufiges Vorgehen, bei dem auf der ersten Stufe das demenzielle Syndrom zu sichern und auf der zweiten Stufe die Ursache zu ermitteln ist.

• Stufe 1: Diagnostik des demenziellen Syndroms: Anamnese/Fremdanamnese, psychopathologischer Befund, neuropsychologische Screeningverfahren (z. B. Mini-Mental-Status, Uhrentest, Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsabgrenzung (TFDD), Demenz-Detections-Test (DemTect) etc.)

• Stufe 2: Differentialdiagnostik. Unerlässlich sind bildgebende Verfahren wie cCt oder cMRT. Bei Verdacht auf eine vaskuläre Demenz sollte eine Dopplersonografie der hirnversorgenden Gefäße durchgeführt werden, außerdem EKG und umfangreiche Labordiagnostik einschließlich TSH, Folsäure und Urinteststreifen

• Fakultativ (im Bedarfsfall): Test des Urins auf Benzodiazepine, weitergehende neuropsychologische Untersuchung, EEG, Liquordiagnostik und weitere Labordiagnostik, z. B. Lues-Serologie, HbA1 etc.

• Weitere bildgebende Verfahren wie Positronen-Emissions-Tomografie (PET) bzw. Einzelphotonen-Emissions-Computer-Tomografie (SPECT)

5. Frage:Was ist eine Memory-Klinik?

Die Hauptaufgabe einer Memory-Klinik liegt in der Diagnose von Hirnleistungsschwächen. Neben der Diagnostik und dem Befund geht es auch immer um die Evaluation der Betreuungssituation des Patienten. Die Überweisung erfolgt durch den Hausarzt, bei dem auch die weitere ärztliche Betreuung liegt.

1983 eröffnete in Großbritannien die erste Memory-Klinik, um die Ursachen von Gedächtnisstörungen bei älteren Patienten möglichst früh zu erfassen. Seither sind in verschiedenen Ländern ähnliche Institutionen ins Leben gerufen worden.

In Deutschland wurde die erste ambulante Gedächtnissprechstunde 1985 an der TU München gegründet. Inzwischen gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz etwa 120 Einrichtungen dieser Art.

Adressen von Gedächtnissprechstunden, Gedächtnisambulanzen und Memory-Kliniken finden sich bspw. auf den Internetseiten der Hirnliga (www.hirnliga.de) oder der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (www.deutsche-alzheimer.de).

6. Frage:Welche Stichworte zur Diagnostik sind wichtig?

Die Diagnose einer Demenz ist prinzipiell eine Ausschlussdiagnose. In der ICD-10 wird neben dem Fehlen von Hinweisen auf andere Krankheitsursachen die Erfüllung weiterer Kriterien verlangt. Dazu zählen neben einem demenziellen Bild auch ein schleichendes Einsetzen der Symptomatik und eine kontinuierliche Verschlechterung. Zur Diagnostik und Therapie von Demenzen haben die Fachgesellschaften DGPPN und DGN in Zusammenarbeit mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft die sogenannte »S3-Leitlinie Demenzen« herausgegeben, in der systematisch und differenziert Symptomatik, Diagnostik, Verlauf und Prognose der unterschiedlichen Demenzformen beschrieben werden.

Hinweis