111 Orte an der Côte d'Azur, die man gesehen haben muss - Ralf Nestmeyer - E-Book

111 Orte an der Côte d'Azur, die man gesehen haben muss E-Book

Ralf Nestmeyer

4,6

Beschreibung

Die Côte d'Azur gilt als die Küste der Reichen und Schönen. Der Hafen von Saint-Tropez und die Promenade d'Anglais wurden tausendfach fotografiert. Aber wer weiß, auf welchem dörflichen Bouleplatz eine Max-Ernst-Skulptur steht und welche Villa auf Cap Ferrat von Jean Cocteau »tätowiert« wurde? Wer kennt das Haus, in dem Heinrich Mann vor seinem Exil gelebt hat? Wer weiß, wo es in Nizza Regenschirme zu kaufen gibt und wo die alliierte Landung an der Mittelmeerküste stattfand? Wer kennt die selbst entworfenen Grabmäler von Jean Marias und Le Corbusier? Das Buch weist den Weg zu 111 unbekannten Orten an der Côte d'Azur.

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111 Orte an der Côte d'Azur, die man gesehen haben muss

Ralf Nestmeyer

emons: Verlag

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© Emons Verlag GmbH // 2016 Alle Rechte vorbehalten Texte: Ralf Nestmeyer © der Fotografien: Ralf Nestmeyer außer: Seite 141, Var Tourisme, Nicolas Barraquè Gestaltung: Emons Verlag Kartenbasisinformationen aus Openstreetmap, © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL ISBN 978-3-86358-913-4 E-Book der gleichnamigen Originalausgabe erschienen im Emons Verlag

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig über Neues von emons: Kostenlos bestellen unter www.emons-verlag.de

Vorwort

Die Côte d’Azur gehörte zu den ersten Regionen Europas, die vom Tourismus erobert und verändert wurden. Die Engländer haben die Promenade des Anglais erfunden, Cannes die Filmfestspiele, und Saint-Tropez hat sich seinen eigenen Mythos geschaffen. Bis heute hat der 200 Kilometer lange Küstenstreifen ebenso wenig von seiner Anziehungskraft eingebüßt wie das bis zu den Seealpen reichende Hinterland.

 Die Côte d’Azur ist eine geschichtsträchtige Landschaft, Spuren haben nicht nur die Römer hinterlassen, sondern auch die Alliierten, die hier die Befreiung Südfrankreichs in Angriff nahmen. Auch in kultureller Hinsicht hat der Küstensaum eine ungeheure Anziehungskraft: Nietzsche dichtete hier seinen Zarathustra, Jean Marais und Jean Cocteau hinterließen ebenso ihre Spuren wie Le Corbussier und Eileen Grey. Den Fürstenpalast von Monaco, das Picasso-Museum von Antibes oder die Fondation Maeght gehören zum Pflichtprogramm einer Reise entlang der Côte d’Azur. Doch wer weiß, dass an der blauen Küste rostbraune Raumschiffe gelandet sind und sich tibetanische Dörfer übereinanderstapeln? Wer kennt das Denkmal für den belgischen Kongoschlächter Leopold II. oder war schon einmal in der buddhistischen Pagode von Fréjus? Wer weiß, wo man in Nizza Regenschirme kaufen oder in Saint-Tropez Schmetterlinge bewundern kann? Dieses Buch führt zu 111 Orten an der Côte d’Azur, die durch ihren besonderen Charme oder ihren ungewöhnlichen Charakter zu begeistern wissen. Eine Reise, die auf Unterwasserpfaden, über Rolltreppen und durch geheimnisvolle überdachte Gassen hin zu »tätowierten Villen« und skurrilen Grabmälern führt. Die Côte d’Azur hat viele große und kleine Überraschungen zu bieten, die selbst Einheimischen oft nicht bekannt sind. Es warten 111 Verführungen zu kulturellen Highlights, Hotelruinen und entlegenen Bergdörfern in den Seealpen auf Sie.

Antibes
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1_Die freie Kommune

Wo mit quadratischen Boulekugeln gespielt wird

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Wir befinden uns im Jahre 2015. Die ganze Côte d’Azur ist von den Franzosen besetzt ... Die ganze Côte d’Azur? Nein! Ein Stadtviertel hört nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten ...

Die Rede ist von der »Commune libre du Safranier« in Antibes. Diese freie Kommune wurde in den 1960er Jahren gegründet, allerdings nicht aus politischen Beweggründen, sondern um Feste zu veranstalten und die lokalen Traditionen hochzuhalten. Das »Hoheitsgebiet« der Kommune, der ein auf Lebenszeit gewählter Bürgermeister vorsteht, ist begrenzt auf das gleichnamige Stadtviertel in der Altstadt von Antibes und erstreckt sich zwischen der Rue de la Tourraque und der Rue du Haut Castellet. Das Zentrum bildet die Place du Safranier, die sich nur einen Steinwurf vom Meer entfernt hinter den Festungsmauern versteckt. Die schmalen Gassen des Viertels sind ein kleines Paradies mit beschaulichen Häusern, die mit bunten Blumen bewachsen sind. Nachbarn plauschen noch von Fenster zu Fenster. Übrigens lebte auch der berühmte griechische Schriftsteller Nikos Kazantzakis nach dem Zweiten Weltkrieg im Safranier-Viertel. Der Autor von »Alexis Sorbas« bewohnte in der Rue du Bas Castellet (Hausnummer 8) ein kleines Haus und verbrachte dort seine letzten Lebensjahre.

Info

Adresse Place du Safranier, 06600 Antibes, www.communelibredusafranier.com | Anfahrt Die Place du Safranier liegt im Südwesten der Altstadt. | Tipp Mitten im Viertel an der Place du Safranier gibt es mit der Taverne du Safranier ein beliebtes Restaurant mit großer Straßenterrasse. Montag- und Sonntagabend ist in der Nebensaison Ruhetag (Tel. 0033/(0)493348050).

Die Aktivitäten der Kommune konzentrieren sich nach wie vor auf das Gemeinwesen. Es werden das ganze Jahr über zahlreiche Veranstaltungen durchgeführt, so das Fest der Kastanie oder das Fest der traditionellen Pistou-Suppe. Am 14. Juli organisiert man den in der ganzen Stadt beliebten »Bal National des boules carrées«, schließlich wollen auch die quadratischen Boulekugeln zu ihrem Recht kommen ...

Seit dem Jahr 1996 amtiert Zézé Marconi als Bürgermeister, der freimütig bekundet, es sei ihm mit dem Safranier-Viertel ähnlich ergangen wie Obélix mit dem Zaubertrank: »Ich fiel hinein, als ich noch ganz klein war.«

In der Nähe

Der Nomade (0.8 km)

Die jazzige Straßenlaterne (1.61 km)

Die Hotelruine (1.62 km)

Das Grab von Jean Marais (5.93 km)

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Antibes
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2_Der Nomade

Kunst am Yachthafen

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Antibes – das ist das berühmte Picasso-Museum und der elegante Port Vauban. Der nach dem Festungsbaumeister Vauban benannte Yachthafen ist mit seinen 2.000 Liegeplätzen nicht nur der größte der Côte d’Azur, am Kai liegen auch die edelsten Yachten der Küste vor Anker. Selbst Schiffe mit einer Länge von über 50 Metern finden in dem Hafenbecken leicht Platz, weshalb man auch vom »Quai des Milliardaires« spricht. Dies ist nicht ironisch gemeint, denn hier liegen die aus James-Bond-Filmen bekannte Kingdom KR5 oder die Carinthia VII am Kai, nur Roman Abramovich hat Pech: Seine 163-Meter-Yacht Eclipse ist zu groß für den Hafen und muss in der Bucht vor sich hin dümpeln.

Nun, es gibt sicher Zeitgenossen, die schicke Motoryachten als Kunstobjekte bezeichnen würden, aber am Port Vauban kann man auch richtige Kunst bewundern: Gewissermaßen als optischer Glanzpunkt steht seit dem Jahr 2010 direkt auf der in den Hafen ragenden Bastion Saint-Jaume die Skulptur »Nomade« des katalanischen Künstlers und Bildhauers Jaume Plensa. Das acht Meter hohe, aus Tausenden weißen Buchstaben gefertigte Gebilde stellt einen sitzenden Menschen mit angewinkelten Beinen dar, dessen Blick in Richtung Meer gewandt ist. Mit ihrem luiziden Charakter soll die Skulptur, die die »Seele der Wörter« symbolisiert, den Betrachter zum Nachdenken anregen. Da »Nomade« hohl ist, kann man sie auch problemlos begehen und so ungeahnte Einblicke gewinnen. Besonders eindrucksvoll ist Jaume Plensas Skulptur, wenn sie nachts illuminiert wird.

Info

Adresse Bastion Saint-Jaume, 06600 Antibes | Anfahrt Die Bastion Saint-Jaume grenzt an die nordöstliche Spitze des Hafens an. | Öffnungszeiten Di–So 10–20 Uhr; Juli, Aug. 10–23 Uhr | Tipp Wer sich für die Kunst von Jaume Plensa interessiert, kann in Nizza auf der Place Masséna sieben weitere Skulpturen betrachten.

Die Bastion Saint-Jaume ist ein Teil der von Sébastien le Prestre de Vauban errichteten Befestigungsanlagen. Besonders imposant ist das nördlich des Hafens errichtete Fort Carré. Mit seinem sternförmigen Grundriss ist es ein klassisches Beispiel der Festungsbaukunst des 17. Jahrhunderts. Das Zentrum der Anlage bildet ein runder Hof, von dem mehrere Bastionen ausgehen.

In der Nähe

Die freie Kommune (0.8 km)

Die jazzige Straßenlaterne (2.38 km)

Die Hotelruine (2.42 km)

Die Marina Baie des Anges (5.77 km)

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Beaulieu-sur-Mer
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3_Die Villa Kérylos

Griechische Träume

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Baron Théodore Reinach war ein Schöngeist. Der Sohn einer vermögenden jüdischen Bankiersfamilie war zwar Jurist und Abgeordneter, doch seine wahren Leidenschaften galten der Archäologie und den Altertumswissenschaften. Der mit den Rothschilds verwandte Reinach träumte von einem Leben und einer Villa wie in der Antike.

Mit Emmanuel Pontremoli lernte Reinach einen Architekten kennen, der ebenfalls für das Altertum schwärmte und den ungewöhnlichen Auftrag, eine Villa wie im klassischen Griechenland zu errichten, mit Begeisterung annahm. Nachdem Reinach in Beaulieu-sur-Mer ein geeignetes Grundstück direkt am Meer erworben hatte, erfüllte er sich mit der Villa Kérylos seinen Lebenstraum: Von 1902 bis 1908 entstand auf einer Fläche von 2.500 Quadratmetern ein kleiner Palast, dessen Räume der antiken Bautradition entsprechend um ein Atrium (Innenhof) gruppiert sind, aber auch die typischen Pergolen und Terrassen durften nicht fehlen. Als Vorbild für die Villa dienten die Herrenhäuser, die man auf der griechischen Insel Delos ausgegraben hatte.

Info

Adresse Impasse Gustave Eiffel, 06310 Beaulieu-sur-Mer, www.villakerylos.fr | Anfahrt Beaulieu-sur-Mer liegt 8 Kilometer östlich von Nizza an der M 6098. Der Impasse Gustave Eiffel ist eine kleine Sackgasse, die von der Küstenstraße abzweigt. | Öffnungszeiten Juni–Sept. täglich 10–19 Uhr; Mai und Okt. täglich 10–18 Uhr; Nov.–April täglich 10–17 Uhr | Tipp Von Beaulieu aus kann man direkt an der Küste entlang auf der Promenade Maurice Rouvier bis hinüber nach Saint-Jean-Cap-Ferrat wandern.

Reinachs Träume vom klassischen Griechenland sollten keinen Makel haben: Die Wände und Fußböden sind mit originalgetreuen Fresken und Mosaiken verziert, die Wohnräume mit Edelholzmöbeln ausgestattet, die als Einzelstücke nach antiken Abbildungen gefertigt wurden. Selbst die Textilien und der gesamte Hausrat entsprachen den antiken Vorlagen. Geld spielte keine Rolle: Für das Badezimmer griff man beispielsweise auf edlen Carrara-Marmor zurück. Der Architekt verstand es geschickt, Wasserleitungen zu verbergen, denn Reinach wollte auf einen gewissen Komfort nicht verzichten.

Théodore Reinach nutzte die Villa Kérylos bis zu seinem Tod im Jahr 1928 als Sommersitz. Da er das Anwesen in seinem Testament dem Institut de France vermachte, können heute Besucher durch die Villa schlendern und sich an der einzigartigen Atmosphäre erfreuen.

In der Nähe

Die Rue Obscure (1.73 km)

Die Chapelle Saint-Pierre (1.75 km)

Das Hôtel Welcome (1.76 km)

Die Citadelle Sainte-Elme (1.84 km)

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Breil-sur-Roya
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4_Die Fassadenwerbungen

Auf der Suche nach den vergessenen Marken

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Was Konsum und Werbung betrifft, so hat sich Frankreich schon viel früher als Deutschland an Amerika orientiert. Am Rand jeder Kleinstadt stehen riesige Supermärkte, und Scannerkassen gehören selbst in den abgelegensten Bergdörfern seit gut zwei Jahrzehnten zum Alltag. Was verkauft werden will, muss auch beworben werden: nervend und aggressiv im Radio, schrill und bunt an den Plakatwänden.

Mit Wohlwollen betrachtet man dagegen die historischen Fassadenwerbungen, die einem hin und wieder an den Häuserwänden ins Auge springen. Nostalgisch verblasste Zeugnisse einer Zeit, in der die Warenwelt noch überschaubar war. Schließlich lässt man nicht jede Woche ein neues Motiv auf die Hauswand pinseln. Wer mit offenen Augen durch die Straßen geht, entdeckt immer wieder ein paar von diesen »Murs réclames«. Manche Fassaden wurden mehrfach übermalt, hier und da bröckelt der Putz, bei einigen Häusern wurden später sogar Fenster in die Werbeflächen geschnitten.

Info

Adresse Boulevard Rouvier, 06540 Breil-sur-Roya | Anfahrt Breil-sur-Roya liegt im Royatal an der D 6204 rund 30 Kilometer nördlich von Menton. | Tipp Im nahe gelegenen Tende gibt es ebenfalls eine bemalte Hauswand, auf der einst der Tankstellenbetreiber Azur geworben hat.

Die »Murs réclames« sind ein Freilichtmuseum der untergegangenen Marken und Produkte. Wer kennt noch den Farbenhersteller Ripolin oder das Putzmittel Crème Éclipse oder den Weinproduzenten Pradel, der in Breil-sur-Roya wirbt?

Ende des 19. Jahrhunderts glänzte erstmals bunte Reklame auf den Häuserfassaden, ihren Höhepunkt erlebte diese Form der Werbung in den 1930er und 1950er Jahren. Neben Banken wie Crédit Lyonnais und Zeitungen wie Le Petit Marseillais nutzten vor allem die Hersteller von alkoholischen Getränken wie Ricard und Suze diese Werbemöglichkeit, besonders zahlreich waren die Kampagnen für Aperitifs wie Cinzano oder Byrrh. Als ungekrönter König der »Murs réclames« galt Dubonnet, die Firma warb stets mit dem Slogan »Du bo, du bon, dubonnet« und einem auffallenden blauen Farbton für ihren Vin tonique. Mit der Verbreitung moderner Massenmedien entschied man sich für neue Werbeformen, die bunten Fassaden bröckeln vor sich hin ...

In der Nähe

Der Train des Merveilles (0.45 km)

Das Aussteigerdorf (6.26 km)

Die Zollbrücke (7.97 km)

Der Kriegsschauplatz (8.41 km)

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Breil-sur-Roya
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5_Der Train des Merveilles

Eine wundervolle Zugreise

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Die Tendabahn zwischen Frankreich und Italien ist eine der schönsten Bahnstrecken Europas. Spektakuläre Brückenviadukte und Tunnelfahrten gehören zu den »Markenzeichen« dieser vom italienischen Cuneo nach Ventimiglia führenden Linie, die nicht nur die Augen von Eisenbahnliebhabern zum Leuchten bringt.

Die ersten Pläne für eine Bahnverbindung vom Piemont an das Mittelmeer gab es bereits 1851 – damals gehörte das gesamte Royatal noch zu Italien. Aufgrund der schwierigen geografischen Situation – es mussten über tausend Höhenmeter überwunden werden – und den politischen Verwicklungen dauerte es allerdings noch bis zum Oktober 1928, bis die ersten Züge durch das Royatal verkehren konnten. Gleichzeitig wurde auch eine Seitenlinie eröffnet, sodass auch Züge von Nizza direkt nach Cuneo fahren konnten. Der Knotenbahnhof zwischen den beiden Zweigen der Tendabahn befindet sich in Breil-sur-Roya.

Info

Adresse Rue des Métiers, 06540 Breil-sur-Roya | Anfahrt Breil-sur-Roya liegt im Royatal an der D 6204 rund 30 Kilometer nördlich von Menton. | Öffnungszeiten Der Zug verkehrt Juni–Sept. täglich, Mai, Okt. nur am Wochenende. | Tipp Gleich beim Bahnhof von Breil-sur-Roya gibt es das L’Ecomusée des Transports, das sich passenderweise dem Transportwesen verschrieben hat. In einer Halle werden mehrere historische Busse und Eisenbahnwaggons präsentiert (Mai–Sept. täglich 14–18 Uhr, www.ecomusee-breil.com).

Breil-sur-Roya ist auch eine beliebte Haltestation des Train des Merveilles. Dieser »touristische Zug« verkehrt in den Sommermonaten zwischen Nizza und Tende, wobei der Name auf das Vallée des Merveilles (»Tal der Wunder«) anspielt. Diese im Mercantour-Nationalpark gelegene Region ist bekannt für ihre frühgeschichtlichen Felszeichnungen, denen auch am Endpunkt der rund 75 Kilometer langen Zugfahrt in Tende ein interessantes Museum gewidmet ist. Je nach Lust und Laune kann man die Fahrt mit dem Train des Merveilles unterbrechen, um eines der herrlichen Seealpendörfer wie Peillon oder Sospel zu erkunden. Breil-sur-Roya selbst lockt mit einer schmucken Altstadt. Zudem durchfährt man auf der knapp zweistündigen Zugreise mehrere Vegetationszonen. Dominieren auf den ersten Kilometern noch Palmen und Zypressen, künden nach den Tunneldurchfahrten Kiefern und Fichten die alpine Bergwelt an, deren Gipfel selbst im Sommer noch schneebedeckt sind.

In der Nähe

Die Fassadenwerbungen (0.45 km)

Das Aussteigerdorf (5.83 km)

Die Zollbrücke (8.02 km)

Der Kriegsschauplatz (8.25 km)

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Cannes
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6_Das Lord-Brougham-Denkmal

Der »Erfinder« von Cannes

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Was wäre Cannes ohne Lord Brougham? Nein, es handelt sich nicht um einen Cineasten, der sich um die Filmfestspiele verdient gemacht hat. Lord Brougham begründete den Aufstieg von Cannes, das im Vergleich zu Hyères oder Nizza Anfang des 19. Jahrhunderts noch ein unbedeutender Fischerort war.

Letztlich verdankt die Stadt der Filmfestspiele ihren Aufstieg vom unbedeutenden Küstenort zur Tourismusmetropole einem Zufall: Als der ehemalige britische Schatzkanzler Lord Henry Brougham 1834 mit seiner kränkelnden Tochter Eleonore den Winter im damals noch zu Italien gehörenden Nizza verbringen wollte, wütete dort die Cholera, sodass ihm die Einreise untersagt wurde. Brougham durfte den Grenzfluss Var nicht überqueren und musste in Frankreich bleiben. Nachdem die Hotels in Antibes seinen Ansprüchen nicht genügten, entdeckte er in Cannes ein geeignetes Ausweichquartier. Schnell verliebte er sich in den anmutigen Ort, sodass er darauf verzichtete, zu einem späteren Zeitpunkt nach Nizza weiterzureisen. Brougham ließ sich in Cannes in der heutigen Avenue du Docteur-Picaud eine Villa im italienischen Stil errichten, die er »Château Eléonore-Louise« nannte. Dank seiner Fürsprache stieg Cannes bald zu einem der exklusivsten Orte an der Côte d’Azur auf. Auch beim französischen König machte Brougham seinen Einfluss geltend: Louis-Philippe ließ sich erweichen, den Bau eines neuen Hafenbeckens zu finanzieren. Zudem erhielt Cannes einen Eisenbahnanschluss, die berühmte Croisette wurde angelegt, und die Einwohnerzahl vervierfachte sich innerhalb weniger Jahrzehnte.

Info

Adresse Allées de la Liberté Charles de Gaulle, 06400 Cannes | Anfahrt 100 Meter hinter dem Festspielpalast gelegen. | Tipp Das monumentale Grab von Lord Brougham befindet sich auf dem Cimetière du Grand Jas.

Nachdem Lord Brougham am 7. Mai 1868 in seinem geliebten Cannes gestorben war, beauftragten seine Freunde den Bildhauer Paul Liénard, ein Denkmal zu schaffen. Dieses wurde allerdings im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1952 durch eine Reproduktion ersetzt.

In der Nähe

La Malmaison (0.8 km)

Homme au Mouton (4.29 km)

Das Grab von Jean Marais (4.35 km)

Die Klosterburg (5.74 km)

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Cannes
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7_La Malmaison

Kunstgalerie mit dunkler Vergangenheit

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Die klassizistische Villa auf der berühmten Croisette ist ein schmuckes Anwesen, ein echter Hingucker. Auf dem erhöhten Vorplatz rahmen Palmen den Weg zum säulenflankierten Eingangsportal. Keine Frage: ein prächtiges Anwesen, geradezu prädestiniert für Kunstausstellungen. Schon Aimé Maeght, der spätere Gründer der berühmten Fondation Maeght, organisierte hier seine erste Bilderausstellung an der französischen Riviera. Seit 1983 nutzt die Stadt Cannes das Anwesen für hochkarätige Ausstellungen moderner Kunst. Von Matisse bis zu Picasso waren hier schon alle großen Vertreter der Moderne zu sehen.

Aber La Malmaison ist mehr als eine Kunstgalerie; es ist ein Haus mit recht bewegter Geschichte. Im 19. Jahrhundert als Tee- und Spielsalon eines längst abgerissenen Grand Hôtels errichtet, wurde das Anwesen von den italienischen Truppen im November 1942 beschlagnahmt. Bis zum November 1942 gehörte Südfrankreich zur unbesetzten Zone und wurde für wenige Jahre zum Sammelbecken für politisch und ethnisch Verfolgte.

Info

Adresse 47, Boulevard de la Croisette, 06400 Cannes | Anfahrt Direkt an der Croisette gelegen. | Öffnungszeiten Juni–Sept. täglich 11–20 Uhr, Fr bis 21 Uhr; Sept. täglich 10–19; Okt.–April 10–13 und 14–18 Uhr | Tipp Vor der ehemaligen Villa Montfleury am Boulevard Montfleury 42 erinnert eine Stele an die namentlich genannten »Opfer der Gestapo vom 15. August 1944«.

Nach der Landung der alliierten Truppen in Nordafrika marschierten deutsche und italienische Soldaten in Südfrankreich ein, die Italiener besetzten die grenznahen Gebiete und errichteten in Cannes ihre Zentrale. Für ein knappes Jahr agierten italienische Soldaten als Besatzer, bevor nach der Kapitulation Italiens im September 1943 die Deutschen an ihre Stelle traten. Umgehend begann sich die Gewaltspirale zu drehen. Nicht nur Razzien und Deportationen jüdischer Bürger gehörten zur Tagesordnung, sondern auch Folter und Hinrichtung von Résistancemitgliedern. Noch am 15. August 1944, dem Tag der alliierten Landung an der südfranzösischen Küste, wurden in Cannes acht Widerstandskämpfer, darunter eine Frau, von der Gestapo kurzerhand hingerichtet. Neun Tage später war Cannes befreit, die Deutschen suchten ihr Heil in der Flucht.

In der Nähe

Das Lord-Brougham-Denkmal (0.8 km)

Homme au Mouton (3.94 km)

Das Grab von Jean Marais (4.01 km)

Die Klosterburg (5.25 km)

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Cap d’Ail
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8_Die Kurve

Die Schicksalsfahrt von Fürstin Gracia Patricia

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Nur vergleichbar mit dem Unfalltod von Prinzessin Diana erschütterte 1982 der Tod von Fürstin Gracia Patricia die Weltöffentlichkeit. Spätestens seit ihrer Märchenhochzeit mit Fürst Rainier III. füllte die ehemalige amerikanische Schauspielerin Grace Kelly allwöchentlich die Seiten der Regenbogenpresse. Ihre kühle Eleganz galt als das Schönheitsideal der damaligen Zeit. Nach den Dreharbeiten zu dem Hitchcock-Film »Über den Dächern von Nizza«, in dem die Leinwand-Diva zusammen mit Cary Grant die Hauptrolle spielte, hatte Grace Kelly den monegassischen Fürsten auf den Filmfestspielen in Cannes kennengelernt. Wenige Wochen später machte ihr Rainier beim Abendessen im New Yorker Hotel Waldorf-Astoria einen Heiratsantrag.

Gracia Patricia verhalf dem Fürstentum zu ungeahntem Glanz und galt als überaus beliebte Landesmutter des Zwergstaates. Am Vormittag des 13. September 1982 fuhr die Fürstin zusammen mit ihrer jüngsten Tochter Stéphanie von der fürstlichen Sommerresidenz Roc Agel kommend von La Turbie nach Cap d’Ail, als sie in einer Haarnadelkurve die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlor und einen 40 Meter tiefen Abhang hinunterstürzte. Während Stéphanie, die wie ihre Mutter nicht angeschnallt war, nur verhältnismäßig leichte Verletzungen davontrug, verstarb Gracia Patricia einen Tag später im Krankenhaus von Monaco und wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt.

Info

Adresse Route de la Turbie (43° 43’ 35’ N, 7° 24’ 10’ O), 06320 Cap d’Ail | Anfahrt Zwischen La Turbie und Cap d’Ail (D 37) gelegen. | Tipp Das Grab von Gracia Patricia befindet sich in der Cathédrale von Monaco. An ihrer Seite ruht seit April 2005 ihr Gatte Fürst Rainier III.