Beschreibung

Atemberaubende Panoramen, spektakuläre Berge, idyllische Wanderwege und smaragdgrüne Bergseen - so kennt man Südtirol. Für die Deutschen beginnt hier der Süden, für die Italiener der Norden. Doch das Land der Knödel, Krapfen und Kaminwurzen bietet weit mehr als heimische Traditionen. Wo brach Sigmund Freud die letzten Tabus? Wo hinterließ Luis Trenker seine gesammelten Erzählungen? Über welchem Kloster dreht sich der Halbmond noch heute im Wind? Spannende, skurrile Geschichten werden von zwei außergewöhnlichen Kennern der Region in lebendigen Texten erzählt.

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Seitenzahl: 216

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Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© Emons Verlag GmbH // 2015 Alle Rechte vorbehalten Texte: Sabine Gruber und Peter Eickhoff © der Fotografien: Sabine Gruber und Peter Eickhoff Sabine Gruber dankt der Südtiroler Landesregierung/Abteilung Deutsche Kultur. Kartografie: altancicek.design, www.altancicek.de Gestaltung: Emons Verlag Kartenbasisinformationen aus Openstreetmap, © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL ISBN 978-3-86358-532-7 E-Book der gleichnamigen Originalausgabe erschienen im Emons Verlag

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig über Neues von emons: Kostenlos bestellen unter www.emons-verlag.de

Inhalt

Vorwort

1_Das Haus des Heiligen | Abtei/OiesIch möchte Chinese sein

2_Der Krimmler Tauernweg | Ahrntal/KasernPassage nach Genua

3_AUR-ORA | AuerEin Bahnhof macht Kultur

4_Castelfeder | AuerNicht ohne meine Tochter

5_Das Durchgangslager | BozenLeidvolle Zwischenstation

6_Die »Eiswerkstatt« Avalon | BozenEisinsel der Seligen

7_Der Filmclub | BozenSchmugglerware

8_Die »Fränzi« | BozenMit Gottes Hilfe

9_Das Garel-Zimmer | BozenRunkelsteiner Filmkulissen

10_Die Gärtnerei Schullian | BozenBlühende Kunstwelten

11_Die Kaffeerösterei | BozenBrasilianische Gefühle

12_Das Konservatorium | BozenKonzertante Klosterfenster

13_Die Laurin-Bar | BozenGeschüttelt und gerührt

14_Das letzte Bordell | BozenAuf die Straße gesetzt

15_Das Museion | BozenMuseum der Unruhe

16_Der Mussolini-Fries | Bozen»Glauben, gehorchen, kämpfen«

17_Der Obstmarkt | BozenBeim Gabelwirt

18_Die Semirurali-Siedlung | BozenItalienische Schrebergärten

19_Das Sudwerk | BozenVoll gut!

20_Die Talferwiesen | BozenEs grünt so grün

21_Die Trachten-Vitrinen | BozenAus dem Familienalbum

22_Das Walther-Denkmal | BozenAuf Wanderschaft

23_Das Weiße Rössl | BozenDer Bauch von Bozen

24_Der Aussichtsturm | Bozen/KohlernUnd plötzlich diese Übersicht

25_Der Stein | Bozen/SigmundskronAm Anfang war das Wort

26_Der Grenzstein | BrennerMulmige Gefühle

27_Der Anreiterkeller | BrixenLauter schräge Töne

28_Die Cusanus-Akademie | BrixenEinheimische Moderne

29_Das Ex-Astra-Kino | BrixenGrenzenloser Kunstraum

30_Das Havlíček-Haus | BrixenHeimweh nach Böhmen

31_Das Hotel Elephant | BrixenKolossale Erscheinung

32_Der Kunstsilo | BrixenOhne Anfang und Ende

33_Der »Kapuzinerwastl« | BruneckTorso des Anstoßes

34_Die Moessmer-Ateliers | BruneckAuf Tuchfühlung

35_Der Gasthof Oberraut | BruneckWer lange kocht

36_Die Sonnenuhr | BruneckDie Zeit im Faltenrock

37_Die St.-Helena-Kirche | DeutschnofenBilder aus Verona

38_Das Kreuz Weißensteiners | Deutschnofen/PetersbergSchlagartig gesund

39_Das Steinhaus | Deutschnofen/UnterbirchabruckZeitspeicher

40_Das Pound-Zimmer | Dorf TirolDer Dichter und sein Schatten

41_Das Schloss Tirol | Dorf TirolDie Erben der Herzogin

42_Das Gasthaus Schenk | Eppan/FrangartTreffpunkt der »Bumser«

43_Die Franzensfeste | FranzensfesteGebunkertes Gold

44_Das Naturbad | GargazonWeiche Wellen

45_Der Palabirnbaum | GlurnsDas Obst des Zaren

46_Die Puni-Destillerie | GlurnsSkål!

47_Die Bergstation | JenesienDie verschwundene Franz-Held-Bibliothek

48_Der Berg-Ahorn | Jenesien/FlaasUnterm Baumhimmel

49_Die Zwergschule | Jenesien/FlaasEin Dichter als Berglehrer

50_Der Drescher-Keller | Kaltern am SeePalladios Erbe

51_Das Weingut Manincor | Kaltern am SeeHand aufs Herz

52_Die Absturzstelle | Kastelbell/TscharsSein einziger Fehltritt

53_Der Tscharser Schnalswaal | Kastelbell/TscharsLebensadern

54_Die Burgruine Hauenstein | Kastelruth/Seis am SchlernWohnort des Rebellen

55_Der Lafogler Hof | Kastelruth/St. OswaldDer Knödel bleibt rund

56_Der Dürerstein | KlausenStehen, wo Dürer stand

57_Das Gasthaus zur Rose | KurtatschEin alter Traum

58_Das Kopfsteinpflaster | Laas»Weißes Gold«

59_Die Krone | LajenDoppelt hält besser

60_Die Kastanie | Lajen/AlbionsVom Pferd gefallen

61_Das Obstbaumuseum | LanaAgrargeschichten

62_Die Sintigräber | LanaLebende Tote

63_Die »Stroossnkuch« | MalsAm Kulturwürstlstand

64_Die Fürstenburg | Mals/BurgeisGotische Stuben

65_Die Kornkammer | Mals/PlawennWiderstandsfähig

66_Der Gold’ne Adler | Mals/SchleisVinschgauer Küchensession

67_Der Fennberger See | MargreidHoch im Süden

68_Das Hotel Paradiso | MartellFremdkörper

69_Der jüdische Friedhof | MeranGründerväter

70_Die Kunst Meran | MeranInnenansichten der Gegenwart

71_Die Offizin S. | MeranLetter für Letter

72_Der Pferderennplatz | MeranDa laufen sie!

73_Der »Seibstock« | MeranDer Geschmack vom Paradies

74_Die Stiftung Borodine | MeranRussische Kolonie

75_Die Wandelhalle | MeranWeltluft auf der Winterpromenade

76_Die MeBo | Meran nach BozenSuperstrada

77_Der Buschenschank Wasserfall | Montan/GlenEndlich zu Hause

78_Das Bunker Mooseum | Moos in PasseierIn der Sperrgruppe

79_Die Timmelsjoch-Straße | Moos in PasseierKurzes Sommerglück

80_Das Prokulus-Ensemble | NaturnsMit großen Augen

81_Das Haus Wassermann | NiederdorfDie wiedergefundene Zeit

82_Das Schreibmaschinenmuseum | PartschinsGlückloses Genie

83_Der Pragser Wildsee | PragsDas Tor der Königin

84_Die Gilfenklamm | Ratschings/StangeLautes Wasser

85_Das Hotel Bemelmans | Ritten/KlobensteinMit Freud und Schwiegermutter

86_Maria Himmelfahrt | Ritten/Maria himmelfahrtDie da oben

87_Die Salurner Klause | SalurnOh, du mein Heimatland

88_Die Durnholz-Idylle | SarntalMitten im Herz

89_Die Gedächtniskapelle | St. Leonhard in PasseierErfundene Heilige

90_Das Museum Ladin | St. Martin in ThurnSprachen und Schätze

91_Das Würzjoch | St. Martin in ThurnBlick auf einen nahen Berg

92_Der Ronc-Hang | St. Ulrich in GrödenAlles und noch viel mehr

93_Das Trenker-Archiv | St. Ulrich in GrödenDer Kaiser aus St. Ulrich

94_Das Berggerichtshaus | SterzingKontrollierte Schatzsuche

95_Das Alexander-Langer-Grab | SterzingGrenzgänger

96_Die Payerhütte | Stilfs/SuldenLetzter Halt

97_Der Pichler-Obelisk | Stilfs/TrafoiAm End’ der Welt

98_Die Kegelbahn | Tisens/GrissianAus gutem Holz

99_Der St.-Hippolyt-Hügel | Tisens/NaraunHerausragend

100_Der Versoaln | Tisens/PrissianWein aus alten Hölzern

101_Das Kriegerdenkmal | TraminVom »sauberen« Soldatentum

102_Die »Miil« des Kränzelhofs | TschermsGesamtkunstwerk

103_Das Mitterbad | Ulten/St. pankrazDie Welt von gestern

104_Das Mohnfeld | Ulten/St. walburgKeine Drogen!

105_Der Türkenturm | VahrnUnterm Halbmond

106_Der Friedhof | VillandersBlick zurück nach vorn

107_Das Restaurant Pitzock | VillnößDas ganze Schaf!

108_Der Völser Weiher | Völs am SchlernSeelenland

109_Das »Knottnkino« | VöranStummfilm

110_Das Grandhotel Karersee | WelschnofenKarrieresprung

111_Der Nivesstadel | WolkensteinIm Glashaus

Bildteil

Übersichtskarten

Vorwort

Man kann vermuten, warum Albrecht Dürer ausgerechnet das Südtiroler Künstlerstädtchen Klausen als Background für seinen berühmten Kupferstich »Das große Glück« wählte. Vermutlich hat er es hier auf der Durchreise vorübergehend gefunden. Auch heutige Reisende empfinden ähnlich, und die Südtiroler bestätigen es gern: Auf der Sonnenseite der Alpen liegt dieses großartigste aller alpinen Sehnsuchtsländer, dessen vielen Facetten man am nächsten kommt, wenn man sich an Übertreibungen hält. 

Wo kann man schon unter Palmen sitzen und auf schneebedeckte Berge blicken? 

Neben eleganten Wellnesshotels, romantischen Frühstückspensionen, Schützenumzügen, Wiesenfesten und Prozessionen hat sich jedoch längst auch ein anderes, polyglottes und multikulturelles Südtirol etabliert, das von seiner geographischen Lage und den Einflüssen nord- und südeuropäischer Traditionen profitiert und sein historisches Erbe kritisch betrachtet.

Bergluft und Weltluft ergeben eine interessante Mischung, auch in diesem Buch.

Wo brach Sigmund Freud die letzten Tabus? Wo hinterließ Luis Trenker seine gesammelten Erzählungen? Wo sprang Leni Riefenstahl ins kalte Wasser und wurde damit berühmt? Und über welchem Kloster dreht sich der Halbmond noch heute im Wind?

Wer erfahren will, in welchem Gasthaus sich Südtirols »Bumser« trafen, wo die Nazis ihr Gold versteckten, ein Free Jazzer Würstel kocht und die besten Knödel gerollt werden, findet auf den nächsten Seiten 111 Orte, die Südtirol einmal anders zeigen: hintergründig, abgründig, tiefgründig – und natürlich umwerfend schön.

Abtei/Oies
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1_Das Haus des Heiligen

Ich möchte Chinese sein

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Man sollte meinen, dass es in unseren unheiligen Zeiten eigentlich keine Heiligen mehr gibt, abgesehen von den historischen natürlich, deren freundliche Unterstützung bei Blitz und Donner, Steinschlag und Halsschmerzen so vielfältig bezeugt wurde. Umso erstaunlicher ist es, dass gerade in der Gegenwart die neuen Heiligen so zahlreich wie Pilze aus dem Boden schießen.

Papst Johannes Paul II., selbst mittlerweile heiliggesprochen, sprach gern heilig. Während seines Pontifikats von 1978 bis 2005 bekam die gläubige Christenheit 482 neue Heilige. Josef Frëinademetz aus dem kleinen Weiler Oies ist einer von ihnen. 1852 geboren, wurde er 1875 in Brixen zum Priester geweiht und war bereits vier Jahre später einer von zwei Missionaren, die vom Steyler Missionshaus in den Niederlanden, einer Gründung des ebenfalls heiliggesprochenen Arnold Janssen, nach China geschickt wurden. Rückblickend ist es nicht eindeutig zu klären, ob Frëinademetz die Chinesen bekehrte oder sie ihn. Gegen Ende seines Lebens sah er aus wie ein Chinese, und »auch im Himmel möchte ich ein Chinese sein«, soll er schließlich als letzten Wunsch geäußert haben, bevor es, in seinen eigenen Worten, »nach oben« ging. Er starb 1908 an Typhus.

Info

Adresse Oies 6, 39036 Abtei | ÖPNV Bus 460, Haltestelle Abtei | Anfahrt A 22, Ausfahrt Brixen-Nord Richtung Bruneck bis St. Lorenzen, rechts ins Gadertal bis Pedraces, dort der Beschilderung nach Oies folgen | Öffnungszeiten Geburtshaus und Kapelle ganzjährig Mo – So 8 – 20 Uhr | Tipp Sehr gute ladinische Küche gibt es im kleinen, unprätentiösen Restaurant Maso Runch, Runch 11, in Abtei.

Spätestens seit der Seligsprechung 1975 ist sein Geburtshaus das Ziel vieler Pilger. In dem alten, museal hergerichteten Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert kann man die schlichten und beinah minimalistischen Verhältnisse respektvoll bewundern, aus denen Frëinademetz kommt. Wenn man durch die Räume geht, durch die auch er als Kind gegangen war (aus China kehrte er nicht mehr in seine Heimat zurück), und die wenigen greifbaren Hinterlassenschaften seines Lebens in den Vitrinen betrachtet, kann man das mit der hoffnungsfrohen Erkenntnis tun, dass das Heilige (wovon auch schon der Apostel Paulus überzeugt war) in jedem von uns steckt.

In der Nähe

Das Museum Ladin (8.34 km)

Das Würzjoch (10.43 km)

Der Nivesstadel (12.75 km)

Der Pragser Wildsee (16.86 km)

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Ahrntal/Kasern
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2_Der Krimmler Tauernweg

Passage nach Genua

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Nach den grauenhaften Erfahrungen unter dem Naziregime wollten viele überlebende Juden nach dem Krieg verständlicherweise nichts wie weg. Vor allem der europäische Osten war zur Grabkammer eines ganzen Volkes geworden. 1946 / 47 machten sich viele Flüchtlinge auf den Weg nach Mitteleuropa; ihr Ziel war das Gelobte Land, damals noch unter britischer Verwaltung. Bis 1948 waren es fast 200.000 Juden, die mit Hilfe von jüdischen Fluchthilfeorganisationen ihre Reise Richtung Adria antraten.

Eine der illegalen Haupttransitrouten führte durch Österreich und Italien, genauer gesagt über die Krimmler Tauern, weil dort im Gegensatz zu den regulären Grenzstellen am Brenner- und Reschenpass keine Polizisten und Alliierten patrouillierten. Der 2.636 Meter hohe Gebirgspass, auf dem seit 1919 die österreichisch-italienische Staatsgrenze verläuft, erlaubte es den aus den Konzentrationslagern und zerstörten Städten kommenden jüdischen Flüchtlingen, ins italienische Südtirol und von dort weiter zum Hafen von Genua zu gelangen, wo die Schiffe nach Palästina warteten.

Info

Adresse Kasern, 39030 Ahrntal | ÖPNV Bus 450, Haltestelle Kasern, dann Fußweg  | Anfahrt A 22, Abfahrt Brixen, Pustertaler Straße bis Abfahrt Bruneck-West, dann Richtung Ahrntal bis Kasern, am Ende des Ortes Parkplatz | Öffnungszeiten witterungsabhängig, Aufstieg vom Parkplatz in Kasern, Gehzeit circa 3 Stunden| Tipp Die Krimmler Tauern-Almhütte ist von Mai bis Oktober bewirtschaftet, sie bietet auf halbem Weg eine herrliche Aussicht und kleine, kräftigende Speisen.

Bergbegeisterung war unter den etwa 5.000 Flüchtlingen 1947 wohl keine aufgekommen. Die geschwächten Männer, Frauen und Kinder kamen schließlich nicht, um die Schönheit dieses Wildbachtals zu bewundern, sondern um einen gangbaren Weg in die Freiheit zu finden. Viele waren vorher noch nie auf einem Berg gewesen und froh, den Abstieg nach Kasern (1.595 Meter) geschafft zu haben.

Auf der österreichischen Seite drückten die Gendarmen, die den regen Anreiseverkehr natürlich bemerkt hatten, beide Augen zu, auf der italienischen wurden die Carabinieri mit Konservendosen und Zündhölzern bestochen; manchmal halfen die Militärpolizisten sogar, Kinder ins Tal zu tragen.

Mit der Staatsgründung Israels im Mai 1948 hörte der heimliche Transit auf; die Juden konnten von nun an legal in ihr Land einreisen.

In der Nähe

Der Gasthof Oberraut (31.77 km)

Die Sonnenuhr (32.96 km)

Der »Kapuzinerwastl« (34.06 km)

Die Moessmer-Ateliers (34.15 km)

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Auer
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3_AUR-ORA

Ein Bahnhof macht Kultur

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Noch während des Ersten Weltkriegs startete vom Fleimstalbahnhof die längste Schmalspurbahn der Monarchie. Sie verband das Südtiroler Unterland mit Predazzo. Man brauchte schnell einen Nachschubweg für den Dolomitenkrieg und setzte neben der 28. k. u. k Eisenbahnkompanie auch Kriegsgefangene für die Errichtung der Bahnstrecke ein. Später wurde auf dieser Trasse vor allem Holz transportiert; 1963 wurde der Bahnbetrieb eingestellt.

Als Brigitte Candin und ihr Partner Markus 1996 die Bahnhofsbar und die dazugehörigen Räumlichkeiten übernahmen, waren mehr als drei Jahrzehnte vergangen, und es musste kräftig renoviert werden: Die Wände wurden bunt gestrichen, Leitungen erneuert, die Bahnhofsarchitektur den eigenen Bedürfnissen angepasst.

Info

Adresse Bahnhofstraße 45, 39040 Auer | ÖPNV mit dem Zug, Haltestelle Bahnhof Auer; Bus 122, 128, Haltestelle Bahnhof Auer | Anfahrt A 22, Ausfahrt Neumarkt / Auer / Tramin, im Kreisverkehr 2. Ausfahrt SP 16, im nächsten Kreisverkehr 2. Ausfahrt SS 12 nehmen, dem Schild »Bahnhof« folgen | Öffnungszeiten Mi – Mo 7 – 21 Uhr (bei Veranstaltungen länger)| Tipp  Die geschmackvoll eingerichtete Bar Heidi in den unteren Laubengängen von Neumarkt bietet köstliche selbst gemachte Kuchen.

Zur üblichen Laufkundschaft, vor allem Schüler und Arbeiter, die vom gegenüberliegenden Bahnhof den Zug der Bahnlinie Verona – Bozen in die Landeshauptstadt nehmen, gesellten sich immer neue Interessierte dazu. So wurde aus dem heruntergekommenen Fleimstalbahnhof nach und nach ein multiethnischer und multikultureller Treffpunkt, den vor allem jene gern aufsuchen, die mit den hiesigen Schützen- und Trachtenvereinen nichts anfangen können.

Aus der Schalterhalle ist ein kleiner, 40 Sitzplätze umfassender Veranstaltungsraum geworden. In den Anfangszeiten hat der Filmclub hier noch seine Filme gezeigt, bis er in einen größeren Saal zog. Heute ist das Kinoprogramm eher mickrig, aber die Tradition der Livekonzerte, Lesungen, Ausstellungen und Diskussionsrunden wird erfolgreich fortgesetzt.

Inzwischen wurde AUR-ORA an den italienischen Kulturverein ARCI verpachtet, aber man sitzt im Sommer noch immer in den roten und blauen Korbstühlen unter dem mit wildem Wein überwachsenen Vordach, und im Winter sorgen die Öfen, die noch mit Holz und Briketts befeuert werden, für eine angenehme Wärme und gemütliche Stimmung.

In der Nähe

Der Buschenschank Wasserfall (1.76 km)

Castelfeder (1.77 km)

Das Kriegerdenkmal (4.75 km)

Das Weingut Manincor (6.07 km)

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Auer
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4_Castelfeder

Nicht ohne meine Tochter

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Es kann nur an der Fruchtbarkeitsrutsche liegen. Schon die Frauen der Venosten, Isarken, Tridentiner, Anaunen, Sävaten und Laianken, also der Stämme, die heute als Südtiroler bekannt sind, erhofften sich hier, wenn er ausblieb, Kindersegen. Die Rutsche ist recht kurz, was daran liegen mag, dass die Menschen damals klein waren oder die gewünschte Wirkung nicht lang auf sich warten ließ. Im Fels ist sie nur schwer zu erahnen, weshalb in jüngster Zeit, um Fehlinterpretationen vorzubeugen, ein Hinweisschild angebracht wurde. Andererseits ist diese bemerkenswerte Rutsche genügend fühlbar, was den Schluss zulässt, dass hier auf Castelfeder eine ganze Menge Frauen entweder aus Not oder aus reiner Lust heruntergerutscht sind und sich gewissermaßen in den Fels eingeschliffen haben.

Wie ernst diese möglicherweise laszive und moralisch verheerende Wirkung der Rutsche selbst noch nach der Christianisierung genommen wurde, zeigt die als Ruine erhaltene Barbarakapelle. Die Kapelle wurde im 6. Jahrhundert als Gegengewicht zu öffentlichen Fruchtbarkeitsneigungen und auch als ermahnender »Zeigefinger Gottes« an der höchsten Stelle von Castelfeder erbaut. Die heilige Barbara hatte nämlich ihre Jungfräulichkeit standhaft auf Leben und Tod verteidigt.

Info

Adresse Castelfeder, oberhalb von 39040 Auer | ÖPNV Bus 142, Haltestelle Montan, dann Fußweg | Anfahrt A 22, Ausfahrt Neumarkt / Auer, kurz vor Auer Richtung Fleimstal auf SS 48 abbiegen; in der 3. Kehre beim Sportplatz sind Parkmöglichkeiten, dann Fußweg | Tipp Die alte Eisenbahntrasse der ehemaligen Fleimstalbahn mit Tunneln und Viadukten ist heute eine beliebte Wander- und Bikerstrecke.

An sonnigen Tagen, unter einem stetigen Wind und den dauerhaften Geräuschen der Autobahn tief unten im Tal, lagern meist junge Paare verstreut, aber intensiv zweisam im Gras. Der Hügel und sein genügend großes Gelände eignen sich auch ganz hervorragend für Feste, Partys und Gesangseinlagen. Schon vor 2.000 Jahren wurden auf diesem Felsrücken heidnische Feste gefeiert und Brandopfer dargebracht. 

Reste einer etwa 500 Meter langen Burgmauer zeugen auch von der strategischen und militärischen Bedeutung Castelfeders. Wer den Felsen hatte, hatte außer dem Spaß in den Nächten auch noch die Kontrolle über das Tal.

In der Nähe

Der Buschenschank Wasserfall (1.62 km)

AUR-ORA (1.77 km)

Das Kriegerdenkmal (3.57 km)

Das Gasthaus zur Rose (5.48 km)

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Bozen
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5_Das Durchgangslager

Leidvolle Zwischenstation

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In den 1960er Jahren errichtete man auf dem ehemaligen Lager-

areal in der Reschenstraße Wohnungen für Staatsbeamte; man wollte die Geschichte dieses Ortes vergessen machen. An das Durchgangslager erinnert heute nur mehr ein Stück Umfassungsmauer von 91 mal 146 Metern; die Mauer wurde erst vor einigen Jahren von der Stadtgemeinde Bozen unter Schutz gestellt.

Info

Adresse Reschenstraße, Höhe Nummer 82, 39100 Bozen | ÖPNV Bus 3, Haltestelle Reschenstraße | Anfahrt A 22, Ausfahrt Bozen-Nord, SS 12 Richtung Kardaun / Bozen, auf der linken Seite Richtung Reschenstraße abbiegen, die Reschenbrücke passieren, weiter auf der Reschenstraße | Öffnungszeiten ganzjährig | Tipp Das Bozner Stadtarchiv in der Gumergasse ist das historische und kulturelle Gedächtnis Bozens und Südtirols; hier lagern wichtige Schriften und Dokumente aus über 700 Jahren.

Vom Sommer 1944 bis Kriegsende 1945 waren hier mehr als 11.000 Häftlinge aus 29 Ländern eingesperrt. Viele wurden in die Konzentrationslager Mauthausen, Dachau, Flossenbürg, Auschwitz und Ravensbrück weitertransportiert, andere wurden zu Zwangsarbeiten in der Kugellagerfabrik im Virgltunnel oder zu Straßenarbeiten im Sarntal herangezogen; wieder andere mussten am Untermaiser Bahnhof Güter umladen oder in Gossensaß die Hotels der SS-Wachmannschaft reinigen. Das Bozner Lager bestand aus zwei großen Baracken, bei denen es sich um aufgelassene Werkzeughallen handelte; das Gelände wurde zusätzlich von Gewehrschützen bewacht, die auf Holztürmen positioniert waren. Laut Augenzeugen herrschte im Frauenlager »la tigre«, Hildegard Lächert, die zuvor im KZ Majdanek Aufseherin gewesen war. Im Männerlager galten vor allem die SS-Kommandanten Otto Sain und Mischa Seifert als sadistisch und grausam; Seifert konnte sich zu Kriegsende nach Kanada absetzen; er wurde erst im Jahr 2000 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die Inhaftierten setzten sich vorwiegend aus Partisanen, Juden, Sinti und Roma zusammen, aber auch aus zahlreichen oftmals weiblichen Geiseln, die im Rahmen der sogenannten Sippenhaft anstelle eines Verwandten einsaßen, den die Nazis und Faschisten nicht ergreifen konnten. Die Sippenhäftlinge waren zwar den Schikanen und Grausamkeiten der Aufseher ausgeliefert, das Lager war für sie jedoch keine Zwischenstation zur Liquidation. Von den in die Konzentrationslager deportierten Männern, Frauen und Kindern hat nur ein Drittel überlebt.

In der Nähe

Die Semirurali-Siedlung (0.38 km)

Der Stein (1.25 km)

Das Gasthaus Schenk (1.98 km)

Der Mussolini-Fries (2.08 km)

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Bozen
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6_Die »Eiswerkstatt« Avalon

Eisinsel der Seligen

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In der Literatur ist Avalon ein mystischer Ort, eine sagenhafte Insel, zu der nur Eingeweihte gelangen, welche den Weg durch den Nebel finden. Wer das Avalon unter den Arkadengängen der Bozner Freiheitsstraße einmal entdeckt und von dem vorzüglichen Speiseeis gekostet hat, wird an industriell hergestellten Eisprodukten wenig Freude mehr haben. Denn das Eis Paolo Colettos (Jahrgang 1959) ist Natureis pur und eine Geschmackssensation.

Nicht nur an heißen Tagen stehen Einheimische wie Touristen vor dem Geschäft Schlange. Es hat sich herumgesprochen, dass der seit mehr als 30 Jahren an neuen Eiskreationen wie Persia (mit einer Safran- und Rosenölnote) oder Avocado-Ziegenmilch-Eis tüftelnde Gelatiere zu den besten Italiens gehört.

Info

Adresse Freiheitsstraße 44, 39100 Bozen | ÖPNV Bus 10, Haltestelle Freiheitsstraße | Anfahrt Im Kreisverkehr vor dem Bahnhof Bozen die Ausfahrt Garibaldistraße nehmen, geradeaus über den Verdiplatz, die Marconistraße und anschließend die Drususallee entlang, dann in die Italienallee abbiegen, nach 750 Metern gelangt man rechts in die Freiheitsstraße. | Öffnungszeiten Mo – Fr 11 – 22 Uhr, Sa – So 10 – 22 Uhr| Tipp  In der nahen Benediktinerabtei Muri-Gries wird der Lagrein, Südtirols Vorzeige-Rotwein, gekeltert.

Seine Mutter Elvira stammt aus Cortina d’Ampezzo, nicht weit von Longarone, der Hochburg des Gelato Artigianale, wo jährlich die Internationale Messe für Speiseeis stattfindet. Elvira war in den 1950er Jahren selbst Eismacherin in der berühmten Bar Moretti in Bozen und hat ihrem Sohn Paolo, nachdem er das Gymnasium abgebrochen hatte, jene sechs Eisrezepte in die Hand gedrückt, die Ausgangspunkt für seine bemerkenswerte Karriere waren.

Paolo Coletto sucht die Ingredienzien für sein Speiseeis nach ethischen und ökologischen Kriterien aus und kennt die Orte, an denen »seine« Früchte wachsen. So bezieht er die Erdbeeren und die Aprikosen aus dem Vinschgau, die Himbeeren aus Völs und die Heidelbeeren aus dem Pustertal. Die Pistazien hingegen kommen aus Sizilien, die Haselnüsse aus dem Piemont. Dass der Meister seine Eissorten ohne Zusatzstoffe und aus nicht homogenisierter Biomilch und Biosahne herstellt, merkt man ihnen an.

Coletto, der an manchen Sommertagen bis zu 18 Stunden arbeitet, zieht sich im Winter nach Indien zurück, um zwei Monate lang Yoga zu machen. Denn der nächste Ansturm der Eingeweihten auf die Eisinsel bleibt nicht aus.

In der Nähe

Der Mussolini-Fries (0.37 km)

Die Talferwiesen (0.54 km)

Die Trachten-Vitrinen (0.67 km)

Der Obstmarkt (0.89 km)

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Bozen
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7_Der Filmclub

Schmugglerware

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Deutschsprachige Kinos, die hochwertige Filme zeigen, waren keine Selbstverständlichkeit in einem Land, in dem zuerst der italienische Faschismus regierte und schließlich für lange Zeit Kultur mit Brauchtum und Heimatpflege gleichgesetzt und Identität als Abgrenzung gegen die anderen Sprachgruppen verstanden worden war.

Die Zwischentitel der ersten italienischen Stummfilme hat man zur Zeit des Mussolini-Faschismus noch teilweise ins Deutsche übersetzt, mit dem Aufkommen des Tonfilms war dies nicht mehr möglich; es wurden nur noch italienischsprachige Filme gezeigt. Die Situation änderte sich, als die deutsche Wehrmacht einmarschierte: Ab Herbst 1943 flimmerten deutschsprachige Propagandafilme über die Leinwände, in den 1950er Jahren waren es Heimatfilme und Liebesromanzen, gefolgt von Karl-May-Verfilmungen in den 1960er Jahren. Mit der Einführung der deutschen und österreichischen Fernsehprogramme 1973 blieben viele einfachheitshalber zu Hause: Das große Kinosterben begann. Doch den Wunsch nach niveauvollen, öffentlich vorgeführten Filmen konnte auch das Fernsehen nicht befriedigen.

Info

Adresse Dr.-Josef-Streiter-Gasse 8 / d, 39100 Bozen | ÖPNV 550 Meter vom Bahnhof entfernt; die Laurinstraße bis zur Fußgängerzone vorgehen, weiter in die Weintraubengasse, dann Bindergasse, links in die Dr.-Josef-Streiter-Gasse abbiegen  | Anfahrt Brennerautobahn A 22, Ausfahrt Bozen-Nord, SS 12 Richtung Kardaun / Rentsch / St. Magdalena, dann auf die SS 22 Brennerstraße, Rittner Straße bis zum Bahnhof, dort sind diverse Parkgaragen | Öffnungszeiten Nachmittags- und Abendvorführungen| Tipp Im angrenzenden Capitol Garden gibt es erfrischende Aperitifs und Snacks, bei Regen kann man ins Bistro Capitol Café ins erste Obergeschoss ausweichen.

Trotz schwieriger italienischer Zoll- und Zensurbestimmungen fanden sich durch die Kooperation mit österreichischen Film- und Kulturinstitutionen und durch ein neues Vereinsstatut nach und nach Wege hin zu einem anspruchsvollen Programmkino. Die Pioniere des 1978 gegründeten Filmclubs – zu ihnen zählt der derzeitige Programmleiter Martin Kaufmann – hatten einst deutschsprachige Filme aus dem Ausland nach Bozen geschmuggelt, um die strengen Importbestimmungen des italienischen Staates zu umgehen.

Heute sorgt ein modernes Drei-Saal-Kino mit mehr als 200 Filmvorführungen pro Jahr für eine mehrsprachige Filmkultur. Ihren Höhepunkt findet sie in den »Bozner Filmtagen«, einem Festival, das seit 1987 Kunstproduktionen aus Italien, Deutschland, Österreich und der Schweiz präsentiert.

In der Nähe

Die »Fränzi« (0.13 km)

Das Weiße Rössl (0.15 km)

Das Walther-Denkmal (0.21 km)

Das Sudwerk (0.22 km)

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Bozen
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8_Die »Fränzi«

Mit Gottes Hilfe

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Auf dem Weg nach Norden machten die Ordensbrüder des heiligen Franz von Assisi auch in Bozen halt und ließen sich 1221 an der Stadtmauer nieder. Heute verbinden viele Einheimische mit den Franziskanern die Eliteschule des Landes, kurz »Fränzi« genannt. Nicht wenige prominente Südtiroler haben das unter Kaiserin Maria Theresia gegründete humanistische Gymnasium besucht. Seit etwas mehr als zwei Jahrzehnten sind auch Mädchen zugelassen. Die wenigen verbliebenen Patres arbeiten heute in der Seelsorge und an der Schule, die meisten Lehrkräfte sind inzwischen Laien.

Klöster sind häufig nicht nur Bildungsstätten, sondern auch Gästehäuser für Durchreisende. Das Bozner Kloster eignete sich aufgrund der geographischen Lage besonders gut als Zwischenstopp auf dem Weg nach Rom, leider aber auch – wie man bei Hannah Arendt nachlesen kann – als Zufluchtsort für einen berüchtigten Massenmörder. Durch die ungeklärte Staatsbürgerschaft der Südtiroler nach 1945 wurde das Land zu einem Schlupfloch für Flüchtlinge und Kriegsverbrecher und das Franziskanerkloster zu einer gefragten »Asyl-Adresse« für Naziverbrecher. So versteckte sich auch Adolf Eichmann, der an der Ermordung von schätzungsweise sechs Millionen Menschen beteiligt gewesen war, einige Wochen im Kloster, bevor er seinen neuen Ausweis ausgehändigt bekommen hat. Getarnt als staatenloser Südtiroler, entkam er unter dem Namen Ricardo Klement über Genua nach Argentinien. Einer seiner Fluchthelfer war Oswald Pobitzer, genannt Pater Franz, der schon als 14-Jähriger am Marsch der Faschisten auf Bozen teilgenommen hatte.

Info

Adresse Franziskanergasse 1, 39100 Bozen | ÖPNV 700 Meter vom Bahnhof entfernt; die Laurinstraße bis zur Fußgängerzone vorgehen, weiter in die Weintraubengasse, dann Bindergasse, erst links in die Dr.-Josef-Streiter-Gasse, dann rechts in die Franziskanergasse abbiegen | Anfahrt Brennerautobahn A 22, Ausfahrt Bozen-Nord, SS 12 Richtung Kardaun / Rentsch / St. Magdalena, dann auf die SS 22 Brennerstraße, Rittner Straße bis zum Bahn-hof, dort sind diverse Parkgaragen | Öffnungszeiten Klosterkirche Mo – Sa 10 – 12 und 14.30 – 18 Uhr, So 15 – 18 Uhr | Tipp In der Klosterkirche steht der spätgotische Weihnachtsaltar (um 1500) von Hans Klocker, dessen geöffneter Schrein die Geburt Jesu zeigt.| Tipp In der Klosterkirche steht der spätgotische Weihnachtsaltar (um 1500) von Hans Klocker, dessen geöffneter Schrein die Geburt Jesu zeigt.

Es waren nicht alle so: Während Kirchenleute wie Pobitzer möglicherweise aus Angst vor einer kommunistischen Machtübernahme und aus Gram über den allgemeinen Sittenverfall nach ideologischen Verbündeten suchten, sahen andere in Hitler einen Antichristen und zeigten echte Nächstenliebe.

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»Ich hab schon wundervolle Gesichter gesehen, vor allem von alten Männern, die all die Poesie in Erinnerung rufen, die man aus der deutschen Welt kennt.« Die Suche nach Darstellern und Orten sei der schönste Moment seiner Arbeit, bekannte Pier Paolo Pasolini. Bei seiner Reise durch halb Italien Ende der 1960er Jahre fand er »sein« Italien mit den unterschiedlichen Volkskulturen vom Neokapitalismus zerstört, umso begeisterter zeigte er sich von der Südtiroler Traditionsliebe.

Nach der mythischen »Medea« kehrte Pasolini mit dem Film »Decameron« wieder zur Seele des Volkes zurück und verfilmte sieben Episoden aus Giovanni Boccaccios Klassiker »Decamerone«.

Info

Adresse St.-Anton-Straße 15, Kaiser-Franz-Josef-Weg, 39100 Bozen | ÖPNV werktags Bus 12, sonn- und feiertags Bus 14, Haltestelle Schloss Runkelstein | Anfahrt A 22, Ausfahrt Bozen-Nord, SS 12 Richtung Kardaun / Bozen / Jenesien / Ritten / Eggental / Sarntal, die Ausfahrt Rentsch / St. Magdalena nehmen, der Beschilderung Sarntal / Schloss Runkelstein folgen | Öffnungszeiten Di – So 10 – 18 Uhr, Oster- und Pfingstmontag geöffnet, 24.12., 25.12., 31.12., 1.1. geschlossen| Tipp Die ältesten profanen romanischen Wandmalereien Südtirols, die Iwein-Fresken, sind in Schloss Rodenegg am Eingang des Pustertals zu besichtigen.