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Selbstversorgung ist in aller Munde. Aber wie fängt man am besten an? Tini Vogt ist 2004 ohne große Gartenerfahrung in den Gemüseanbau eingestiegen. Mittlerweile kann sie sich und ihre Familie fast ausschließlich davon ernähren. Im Lauf der Zeit hat sie ihre eigenen Anbaumethoden entwickelt. Ihre Erfolge, wie der Salatanbau im Winter, sprechen für sich. In diesem Buch teilt sie ihren reichen Erfahrungsschatz und führt Monat für Monat durch das Gartenjahr. Dabei gibt sie wertvolle Informationen zum ökologischen Gärtnern, praktische Anleitungen zum ganzjährigen Gemüseanbau und verrät zudem ihre Tipps zum nachhaltigen Verwerten der Ernte. Dieses praxisnahe, persönliche und informative Buch inspiriert und regt zum selbst Loslegen an.
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Seitenzahl: 305
Veröffentlichungsjahr: 2022
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© eBook: 2022 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, Postfach 860366, 81630 München
© Printausgabe: 2022 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, Postfach 860366, 81630 München
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Projektleitung: Cornelia Nunn
Lektorat: Barbara Kiesewetter
Bildredaktion: Hannah Crawford; Petra Ender und Natascha Klebl (Cover)
Korrektorat: Andrea Lazarovici
Covergestaltung: ki 36 Editorial Design
eBook-Herstellung: Laura Denke
ISBN 978-3-8338-8482-5
1. Auflage 2022
Bildnachweis
Coverabbildung: Patrice Kunte
Illustrationen: Creative Market: Washi-Tape und Paper; Matias Kovacic
Fotos: Tini Vogt; AdobeStock; Alamy; Flora Press; Patrice Kunte;
Syndication: www.seasons.agency
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Die Gedanken, Methoden und Anregungen in diesem Buch stellen die Erfahrung der Verfasserin dar. Sie wurden von der Autorin nach bestem Wissen erstellt und mit größtmöglicher Sorgfalt geprüft. Weder Autorin noch Verlag können jedoch für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch gegebenen praktischen Hinweisen resultieren, eine Haftung übernehmen.
Ganz langsam wurde aus Abneigung eine große Liebe. Heute ist mein Garten mein Ein und Alles.
Ich würde dieses Buch gerne mit einer romantischen Geschichte anfangen, dass ich mich schon als Kind liebevoll um kleine Pflänzchen gekümmert und die meiste Zeit im Garten verbracht habe, aber das stimmt einfach nicht. Ich wollte nie einen Garten! Als Kind habe ich Gartenarbeit immer gehasst. Und dann kam es doch ganz anders.
Bevor wir in unser heutiges Haus gezogen sind, hatte ich zwar einen großen Balkon mit ein paar roten Geranien – die wollte ich wirklich schon als Kind – und ein paar Blumenkästen mit Erdbeeren, aber mehr auch nicht. Mit dem Einzug in unser Haus 2004 bekam ich einen ziemlich großen und leider auch total verwilderten und zugewucherten Garten, mit dem ich nicht richtig etwas anzufangen wusste. Am Anfang habe ich ihn ignoriert, frei nach dem Motto: »Wenn ich ihn nicht sehe, ist er auch nicht da.« Allerdings musste ich mich zwangsläufig um meine Erdbeerpflanzen in den Blumenkästen kümmern. Bei unserem Umzug war es Mitte Mai, sodass ich schnellstens ein Stück Beet umgegraben habe, um meinen Balkon-Erdbeeren ein neues Zuhause zu geben. Als mein Nachbar sah, was ich machte, teilte er mir sofort mit, dass das nicht funktionieren würde, weil man Erdbeeren im August pflanzt. Nun, ich erntete trotzdem Erdbeeren und im Nachhinein könnte man diese Begegnung als Anfang für meine manchmal etwas unüblichen Gartenpraktiken sehen. Eines Tages kam meine Mutter mit ein paar übrig gebliebenen Buschbohnensamen, die ich unbedingt säen sollte. Die wurden also auch gelegt und damit nahm schließlich alles seinen Lauf.
Der Sommer kam und ich erntete Bohnen. Und nicht nur für ein Abendessen, nein, ich musste sogar welche einfrieren, da mein Mann nach dem dritten Abendessen mit Bohnen in einer Woche streikte.
Und ich war überrascht, dass ich meine Haushaltskasse, die nach einem Hauskauf doch etwas in Mitleidenschaft gezogen war, entlasten konnte. Plötzlich sah ich den Nutzen von selbst gezogenem Gemüse. Da ich die Zeit und den Platz hatte, wollte ich beides nutzen, um so unser Haushaltsgeld etwas aufzubessern. Den Winter über las ich ein Gartenbuch nach dem anderen und im Jahr darauf wurde mein Gartenbeet schon ein Stück größer, obwohl ich noch immer keine rechte Lust zum Gärtnern verspürte.
Plötzlich fing meine Haut an, auf Spritzmittel zu reagieren. Ich konnte mein Obst und Gemüse nur noch im Bioladen kaufen oder eben selber anbauen, wobei ich mein eigenes Obst und Gemüse sogar besser vertrug als das gekaufte aus dem Bioladen.
Im Lauf der Jahre habe ich meinem Mann immer mehr vom Rasen abgeschwatzt und die Flächen in Beete verwandelt. Am Anfang war er ziemlich dagegen, stellte jedoch irgendwann fest, dass das Rasenmähen mit weniger Fläche wesentlich schneller vonstattenging. Inzwischen mähe ich selber, es ist aber auch kaum noch etwas vom Rasen übrig.
Ich habe in diesen vergangenen Jahren sehr viel gelesen, probiert, aufgeschrieben und immer wieder meine Pläne umgeworfen. Durch die intensive Beschäftigung mit meinem Garten habe ich mich stark verwurzelt und mit der Natur verbunden. Ich kenne jede Stelle in meinem Garten und weiß, was dort wächst, wie die Beschaffenheit der Erde ist, wann die Sonne dort hinkommt usw. Gelernt habe ich auch sehr viel, wie man z. B. mit Misserfolgen klarkommt und wie ich mich relativ schnell auf neue Situationen einstelle. Ich habe gelernt immer einen Plan B und C in der Tasche bzw. im Kopf zu haben.
Vor ein paar Jahren hatten wir z. B. eine regelrechte Wühlmaus- und Wanderrattenplage. Mitte/Ende Juni haben diese Mitbewohner fast meine gesamten Gurken, Zucchini und Kürbispflanzen eliminiert. Jeden Morgen kam ich in den Garten und eine neue, tags zuvor noch vitale Pflanze hing schlaff herunter, da über Nacht das Wurzelwerk abgefressen worden war. Ich war in einer richtigen Krise, befürchtete ich doch den Verlust meiner Ernte. Was macht man Ende Juni mit großen Lücken im Beet? Für alles – außer Salat und Buschbohnen – ist es, so sagten meine schlauen Gartenbücher von damals, schon zu spät. Von wegen! Ich habe meine Kiste mit Saatgut aus dem Schrank geholt und schnellstens zwei neue Zucchinipflanzen, diverse Buschbohnen, Kohlrabi, Möhren und Zuckererbsen ausgesät und auch sonst alles ausprobiert, von dem ich noch Saatgut übrig hatte. Hierbei habe ich viele neue Erkenntnisse gewonnen und am Ende des Jahrs konnte ich doch auf eine reiche Ernte zurückblicken, wenn man davon absieht, dass es kaum Gurken und Kürbisse gab. Für sie war es wirklich schon zu spät.
Aus Platzmangel und wegen Schatten habe ich anfangs viel in Töpfen angebaut – eine gute Lösung.
Im Juli 2014 meldete ich mich bei Instagram an und hielt meine Gartenreise in Bildern fest. Eine ganz neue Erfahrung für mich, da ich vorher nur für mich selber alles aufschrieb. Der Austausch mit anderen Gärtnern inspiriert mich ungemein.
Irgendwann kam ganz plötzlich die Gewissheit, dass unser Garten um Längen zu klein ist! Viel zu klein! Obwohl mich immer alle Leute bewunderten, dass ich jede Ecke unseres Gartens ausnutzen würde, hat es einfach nicht gereicht, um uns das ganze Jahr selber zu ernähren. Wir waren und sind inzwischen sehr verwöhnt. Wer sich ein paar Monate des Jahres vom eigenen Gemüse ernähren kann, das – wenn es um Geschmack, Vitalstoffgehalt und um Frische geht – das absolut Beste ist, muss lange suchen, um diese Qualität im Supermarkt zu finden. Uns hat unser eigenes Gemüse schließlich so überzeugt, dass wir kein gekauftes mehr essen wollten. Ich kam mit unserem Gemüse zwar 8–9 Monate hin, aber ich wollte 12 Monate lang in der glücklichen Lage sein, uns mit eigenem Gemüse zu versorgen.
Ich habe ausgerechnet, dass ich ungefähr 1 Kilogramm Obst und Gemüse am Tag esse. Mein Mann möchte natürlich auch etwas abgekommen, und dann sind da noch unsere vierbeinigen Mitbewohner – zwei Zwergkaninchen, drei Meerschweinchen und ein Kater, obwohl der natürlich die Schätze des Gartens verschmäht, es sei denn, sie kommen auf vier Beinen und mit langem Schwanz daher. Also musste ein Stück Land her, was sich als gar nicht so einfach erwies. Nach langer Suche fanden wir ein Stück Grünland, das wir pachten konnten.
Spontan nannten wir es Paradies. Wir bewirtschaften zurzeit nur ca. ein Viertel der Fläche, sodass immer noch ein großes Areal zum Mähen übrig bleibt. Doch was gibt es Schöneres, als wenn man sagt, ich muss noch zum Rasenmähen ins Paradies?
Nach der ersten Saison stellte sich heraus, dass es wirklich ein Paradies ist, zumindest was die Ernten anbelangt. Arbeiten muss man im Paradies natürlich trotzdem und Wühlmäuse gibt es hier leider auch. Aber ich liebe es!
Ungefähr 2010 habe ich mit dem Gärtnern im Winter angefangen. Plötzlich erreichten meine Gartenerlebnisse eine neue Dimension! Zu lesen gab es zu diesem Thema damals noch nicht viel, sodass ich fleißig ausprobieren musste und eigene Erkenntnisse gewonnen habe. Noch heute ernte ich ungläubiges Staunen, wenn ich erzähle, dass ich Ende Dezember noch frische Möhren ernte oder dass es Anfang Februar frischen Salat zum Mittagessen gibt, obwohl es draußen stürmt und schneit. Auch mein Gewächshaus steht seitdem nie mehr leer. Im Gegenteil, meist muss ich erst Platz leer essen, damit die Pflanzen für die neue Saison Platz haben.
Frisch geerntete Salate bereichern auch im Winter jeden Tag mein Mittagessen.
Unser Weg zur Selbstversorgung stand also nicht von vorneherein fest, sondern hat sich ganz allmählich entwickelt. Ich habe mich und meinen Blick auf die Welt durch die Beschäftigung mit meinem Garten verändert. Ich stehe den Dingen mittlerweile kritischer gegenüber, kann nicht mehr nur konsumieren, da ich nun viel besser über die Hintergründe Bescheid weiß.
Ich kaufe keine Tomaten und Erdbeeren im Januar (sonst allerdings auch nicht), das ist einfach nicht die richtige Zeit dafür. Ich will keinen Blumenkohl für 0,49 € essen, weil ich weiß, wie arbeits- und spritzmittelintensiv er im Anbau ist. Sehe ich Berge von uniformem Gemüse, werde ich nachdenklich, weil ich weiß, wie viel Gemüse gleich auf dem Feld geblieben ist, weil es die Normen des Supermarkts nicht erfüllt. Und in Plastik eingepackte Salate, die häufig wie grünes Wasser schmecken und um die halbe Welt gereist sind, mag ich auch nicht mehr. Meine Kaninchen mögen die übrigens auch nicht. Ich habe Filme gesehen von Gewächshausplantagen in Südspanien und war absolut schockiert. Nicht nur, dass hier exzessiver Raubbau an einem ganzen Landstrich betrieben wird, ich habe gesehen, wie Arbeiter hier unter den schlimmsten Bedingungen leben und arbeiten müssen, und das möchte ich nicht unterstützen. Und auch wenn es keinen großen Einfluss auf das Ganze macht, so habe ich zumindest für meinen Teil alles getan, was in meiner Macht steht, um dieses System nicht weiter zu fördern. Diese Veränderungen machen das Leben nicht unbedingt einfacher, aber schöner, bewusster und sicher gesünder. Außerdem ist es in meinen Augen ein rebellischer Akt, sein Gemüse selber anzubauen und nicht das zu essen, was mir vorgesetzt wird.
Meine Motivation fürs Gärtnern hat sich über die Jahre immer wieder verändert. Es fing an mit der Aussicht auf billiges Gemüse, ging über gesundes Gemüse von bester Qualität bis hin zum Wunsch nach Selbstversorgung. Inzwischen ist noch ein neuer, für mich sehr wichtiger Aspekt hinzugekommen: die Nachhaltigkeit. Baue ich mein eigenes Obst und Gemüse an, weiß ich nicht nur, was drinsteckt, ich spare auch Mengen von Transport, Gülle, Plastik und CO2 ein. Zudem verbessere ich durch geschicktes Zusammenpflanzen von Gemüse und Blumen mein eigenes Ökosystem vor Ort. Ich erschaffe kleine grüne Oasen, die den in Mode gekommenen Steingärten und den Monokulturen der Landwirtschaft wenigstens ein bisschen etwas entgegensetzen.
Mein eigenes, gesundes, verpackungsfreies Gemüse anzubauen erfüllt mich mit Stolz und Freude.
Ich verzichte komplett auf Chemie in meinem Garten. Ich wähle die Sorten, die ich anbaue, sorgfältig aus und kümmere mich konsequent um die Bodengesundheit. Von Anfang an habe ich, ohne das Wort Permakultur überhaupt zu kennen, versucht, all das zu nutzen, was vorhanden ist, und möglichst wenig von außen hineinzubringen. So habe ich schon immer meine Pflanzen mit vorhandenem Material gedüngt und keinen künstlichen Dünger gekauft. Bei starkem Schädlingsbefall setze ich Pflanzenbrühen an und kaufe keine Spritzmittel.
Eigener Gemüseanbau macht für mich nur Sinn, wenn ich auch das leckerste und gesündeste Gemüse mit den besten Inhaltsstoffen bekomme. Das heißt nicht unbedingt, dass es immer das schönste ist, aber das steht bei mir nicht an erster Stelle.
Inzwischen bin ich bei fast 100 % Selbstversorgung angekommen, was unser Obst und Gemüse betrifft. Natürlich kaufe ich ganzjährig Bananen und Ingwer, auch mal Kartoffeln, wenn die Wühlmäuse wieder zu gierig waren, aber dabei bleibt es meistens auch. Ich baue meine eigenen Gewürze und Teekräuter an, mische meine Teemischungen selber, baue Kidneybohnen an und freue mich über alles, was ich selber machen kann und nicht kaufen muss. Das ist zusammen mit den Mengen an Obst und Gemüse, die ich ernte und verarbeite, viel Arbeit, aber es bringt mich einem selbsterfüllenden und selbstbestimmten Leben im Rhythmus der vier Jahreszeiten sehr nahe. Und das Beste ist, wir haben immer genug Essen, das schmackhaft und gesund ist. Dabei ist mir auch sehr wichtig, auch wirklich alles zu verbrauchen. Viel Gemüse anzubauen ist nicht schwer, es sinnvoll zu verwerten, ohne über Wochen täglich grüne Bohnen zu essen, hingegen schon. Hier ist ziemlich viel Kreativität und Einfallsreichtum gefragt. Ich habe gelernt, meine Mahlzeiten den Jahreszeiten anzupassen, so wird es nie langweilig.
Ein weiterer Aspekt für mich ist ein möglichst Ressourcen schonendes Leben. Ich möchte keine Energie verschwenden, versuche Dinge zu recyceln und wieder zu verwerten, bis es nicht mehr geht. Ich sammle Regenwasser und auch im Haus wird Wasser gesammelt und weitergenutzt. Die Klimakrise hat mich in diese Richtung getrieben und ich versuche alles zu tun, was mir möglich ist. Auch wenn es vielleicht nur ein kleiner Teil im großen Ganzen ist, passt es inzwischen hervorragend in mein Weltbild und in meine Art zu leben. Ich möchte ein Teil der Lösung sein und nicht ein Teil des Problems.
Das Wissen, das ich mir im Lauf der Jahre angeeignet habe, gebe ich inzwischen in Kursen und Workshops weiter. Ich finde es schön, andere Menschen ein Stück weit auf ihrer eigenen Gartenreise zu begleiten. Mit diesem Buch möchte ich die Leserinnen und Leser inspirieren, etwas zu tun. Man kann auch auf wenig Fläche ein paar Tomaten oder Salatpflanzen im Kübel ziehen. Man kann mit wenig Zeit mit den richtigen Tricks eigenes Gemüse anbauen. Indem man ausprobiert, Erfahrungen sammelt und Fehler macht, lernt man, aus seinem eigenen kleinen Paradies das Beste herauszuholen.
Ich hoffe, dass ich mit diesem Buch die Lust aufs Gemüseanbauen wecken kann. Es soll helfen, die Scheu vor den ersten Schritten abzubauen und einfach loszulegen. Das Buch soll aber keine 1:1-Anleitung sein, sondern ein Ideen- und Erfahrungsschatz, der Raum für eigene Experimente und Erfahrungen lässt. Jeder Garten und jede Region ist anders, sodass man vor Ort entscheiden muss, was Sinn macht und was nicht – es muss nicht gleich die komplette Selbstversorgung sein. Aber hat man erst einmal in eine sonnenwarme, reife Paprika gebissen und die Aromavielfalt und den Geschmack des Sommers gekostet, lässt einen eine gekaufte Gewächshauspaprika ziemlich ernüchtert zurück.
Mein Mann betreibt eine Nebenerwerbsimkerei und mit dem Garten, unseren vierbeinigen Düngerlieferanten – Kaninchen und Meerschweinchen – und unserem »Paradies« haben wir uns unsere eigene kleine Mini-Farm aufgebaut. So verwirklichen wir unseren Traum von einem selbsterfüllten und selbstbestimmten Leben, in dem es leckeres Gemüse im Überfluss gibt. Aber wir sind noch nicht am Ende unserer Reise angekommen – ich bin gespannt, wohin sie uns noch führen wird.
Mein Garten verändert sich ständig, weil ich immer noch bessere Lösungen suche, den Platz zu nutzen.
Gärtnern im Winter? Na klar! Dank Pflanzenlampen und neuen Methoden beginnt die Saison bei mir im Januar.
Früher fand ich den Januar ganz furchtbar – kalt, grau, dunkel und nass und ewig lang. Vor allem konnte ich nicht in den Garten. Hatte ich doch von klein auf gelernt, dass man im Januar oder generell im Winter nichts im Garten macht.
Vor ein paar Jahren habe ich dann kurzerhand einiges geändert. Der Januar kann nun immer noch kalt sein, häufig auch grau und dunkel und 31 Tage hat er auch noch, aber nun fange ich schon Anfang Januar mit der Gartensaison an. Damit habe ich Erfolg und es macht für mich und meine Stimmung einen riesigen Unterschied! Ich bin, so oft es geht, im Garten, auch wenn es nur für 15 Minuten ist. Komme ich durchgefroren und durchgepustet wieder ins Haus, fühle ich mich sehr lebendig und fast, als wäre schon Frühling.
In unserer Region wird es meist erst ab Mitte Januar richtig kalt. So habe ich um den Jahreswechsel noch eine Menge spät ausgesäter Möhren in der Erde. Diese Möhren hatte ich im Herbst mit einer dicken Laubschicht abgedeckt, sodass der Boden noch nicht durchgefroren ist. Am Neujahrstag gehe ich traditionell in den Garten und ernte ein paar Möhren. Sie sind unsagbar frisch und knackig und ziemlich süß, da wir schon ein paar leichte Frostnächte hatten. Ich fange also mein neues Gartenjahr symbolisch und praktisch mit der Ernte an. Was gibt es Besseres?
Ein paar Tage später säe ich im Haus die ersten Samen aus. Früher war ich der Überzeugung, dass eine so frühe Aussaat Unsinn ist. Jetzt weiß ich: Sie macht durchaus Sinn, wenn man es richtig angeht. Und auch im Gewächshaus und im Freiland sind meine Winteraussaaten heute von Erfolg gekrönt.
WAS DIESEN MONAT ANSTEHT
frühen Salat und Kohl aussäen
Physalis, Auberginen und Paprika aussäen
Winteraussaat von Möhren, Kohl und Sommerblumen
Anbauplanung
Saatgutbestellung
vor starkem Frost letztes Gemüse abernten
Salat im Gewächs-haus mit extra Vlies oder Folie schützen
Die Saison fange ich immer mit frühem Salat an, z. B. mit Schnittsalat, denn den kann man als Pflänzchen schon blattweise beernten. Außerdem säe ich frühen Kohl mit einer relativ kurzen Entwicklungszeit von 65–75 Tagen aus. Die Entwicklungszeit wird ab dem Auspflanzen gemessen und gibt an, wie lange es dauert, bis eine Pflanze erntereif ist.
Der Kohl wird später ins geschützte Freiland, der Salat ins ungeheizte Gewächshaus gepflanzt. Dies geschieht je nach Witterung Anfang bis Mitte März. Den Salat kann ich relativ schnell ernten, der Kohl braucht bis ca. Juni – je nach Witterung im Frühjahr.
Ich säe nicht zu viele Kohlpflanzen auf einmal aus, da sich die frühen Sorten nur für den Frischverzehr eignen. Lagern kann man sie im Kühlschrank 1–2 Wochen. Gut lassen sich schon zeitig einige äußere Kohlblätter ernten, mit denen man eine Gemüsepfanne oder einen Salat verfeinern kann. Auch früher Palmkohl ist ein Gewinn, da er keinen Frost braucht und man die einzelnen Blätter relativ schnell ernten kann. In einem grünen Smoothie machen sich die zarten frischen Blätter auch sehr gut und liefern eine Menge frischer Vitamine und Chlorophyll.
Erst wenn die Kohlpflanzen Wurzeln und vier Blätter haben, pflanze ich sie in größere Töpfe.
Ich säe gern gelben Schnittsalat, Romanasalat ‘Little Gem’, Kopfsalat ‘Maikönig’, Spitzkohl ‘Jersey Wakefield’, Weißkohl ‘Golden Acre’, Palmkohl ‘Nero di Toscana’ und Rotkohl ‘Red Express’ aus. Von den Kohlsorten nehme ich jeweils ca. fünf Samen, in der Hoffnung, dass ich mindestens drei kräftige Pflanzen pro Art bzw. Sorte bekomme. Wachsen alle Samen zu kräftigen Pflanzen heran, finde ich sicher eine Lösung bzw. einen geeigneten Platz für sie. Man darf auch nicht vergessen, dass die Setzlinge, sobald sie das schützende Haus verlassen haben, zahlreichen Gefahren ausgesetzt sind, wie etwa Schnecken oder Mäusen, die die jungen Pflanzen zum Frühstück verspeisen. Dies ist auch ein Grund, warum ich besonders die frühen Kohlpflanzen erst auspflanze, wenn ich sie mindestens zweimal umgetopft habe und sie relativ groß sind. Denn eine größere Pflanze kann einem Schneckenangriff wesentlich besser widerstehen als ein kleiner Sämling.
Die Salatsamen bedecke ich bei der Aussaat nicht mit Erde. Salat ist ein Lichtkeimer, d. h., er braucht Licht zum Keimen. Die Kohlsamen bedecke ich mit ca. einem halben Zentimeter Erde.
Für beide Aussaaten verwende ich Kokoserde und keine Aussaaterde. Beide würden auch in normalem Gartenboden keimen, sie brauchen keine abgemagerte Aussaaterde, die zudem auch teurer ist.
Kokoserde gibt es in kleinen Paketen in fast jedem Supermarkt oder jeder Drogerie zu kaufen. Sie besteht aus Pflanzenfasern und ist torffrei, was mir sehr wichtig ist. Man gießt sie mit Wasser auf, sodass sie auf ein bestimmtes Volumen aufquillt. Das Schleppen der Blumenerdesäcke entfällt somit und die Handhabung ist besonders für die frühen Aussaaten recht einfach. Ein weiterer Vorteil dieser Erde ist, dass sie sicher keine Trauermücken enthält. Dies ist bei normaler Blumenerde nicht immer gegeben. Hat man erst einmal Trauermücken in der Erde, ist es sehr schwer, diese kleinen schwarzen Fliegen wieder loszuwerden. Sie sind nicht nur lästig, sondern fressen auch an den kleinen Sämlingen herum und bringen diese meistens zum Absterben. Nehme ich zum späteren Umpflanzen Blumenerde und keinen Kompost oder Gartenerde, weil draußen noch alles gefroren ist, gebe ich die Blumenerde immer für eine halbe Stunde bei 180 °C in den heißen Backofen, um eventuelle Trauermücken abzutöten.
Salat säe ich in den kommenden Wochen alle 3–4 Wochen neu aus. Immer nur ein paar Pflänzchen, damit ich im Frühjahr stets frischen Salat zur Verfügung habe.
FRÜHE AUSSAATEN IN DER KÜCHE
Ich erledige alle meine Frühjahrsaussaaten und Umtopfarbeiten in meiner Küche. Hier ist es warm, ich habe genügend Licht und eine angenehme Arbeitshöhe. Damit das nicht jedes Mal in einer großen Putzaktion endet, habe ich mir eine einfache Spülschüssel besorgt, ungefähr 40 cm im Quadrat. In die Schüssel entleere ich die Kokos- oder Aussaaterde und kann in der Schüssel meine Aussaatgefäße befüllen, ohne dass ich Erde in der ganzen Küche verteile. Die Schüssel steht im Wandschrank, so dauert es meistens nur ein paar Minuten, um ein paar Samen in die Erde zu bringen.
Ganz wichtig ist es außerdem, die Aussaaten zu beschriften. Wie oft denke ich beim Aussäen, dass ich mich ganz leicht an die verschiedenen Sorten erinnern kann. Doch mein Erinnerungsvermögen hält meistens ganze 5 Minuten an!
Die Kohlpflänzchen werden nach 3,5–4 Wochen umgetopft. Es ist wichtig, dass sie mindestens schon vier Blättchen (Keimblätter nicht mitgezählt) haben. Kohlpflanzen sterben gerade im Anfangsstadium sehr leicht ab, wenn man sie zu früh umtopft und sie einfach noch nicht genügend Wurzeln gebildet haben oder aber wenn sie zu feucht gehalten werden. Weil es ärgerlich ist, nach ein paar Wochen noch einmal ganz neu aussäen zu müssen, verwende ich nur Töpfe, die unten Löcher haben, sodass ich von unten gießen und überschüssiges Wasser wegschütten kann.
Gegen Ende des Monats säe ich gern noch ein paar weitere Kohlpflanzen aus. So habe ich immer genügend Pflanzen auf Halde und kann im Frühjahr Lücken in meinen Beeten sinnvoll füllen. Auch wenn die Kohlköpfe nicht so groß werden wie im Herbst, weil ich sie früh ernten muss, da ich den Platz brauche, bin ich doch über jedes frische und vor allem frühe Grün dankbar.
Wichtig ist, dass die kleinen Kohl- und Salatpflanzen nicht zu warm stehen, am besten bei 16–18 °C. Zu viel Wärme bekommt ihnen schlecht. Außerdem sollten sie von Anfang an unter einer Pflanzenlampe stehen. Denn oft geht die Keimung so schnell, dass die Sämlinge – ohne Zusatzlicht – in kürzester Zeit lang und dünn werden.
Weil ich alle paar Wochen aussäe, kann ich später immer wieder nachpflanzen und lange Zeit ernten.
Vor ein paar Jahren habe ich mir meine erste LED-Pflanzenlampe gekauft. Was für eine Offenbarung! Etwa 3 Wochen später bestellte ich mir die nächsten zwei und im Jahr drauf nochmals einige. Sie sind durch die LED-Technologie sparsam im Verbrauch und ich erziele mit ihnen wunderbare Ergebnisse. Durch ein extra auf die Jungpflanzenanzucht abgestimmtes Lichtspektrum geben sie den jungen Sämlingen genau das Licht, das sie brauchen, um zu starken, kräftigen Pflanzen mit tiefgrünen Blättern heranzuwachsen. Ich kann den kleinen Sämlingen praktisch beim Wachsen zugucken. Was gibt es Schöneres für einen Gärtner, als wenn es schon Anfang Januar sprießt und gedeiht?
Vor Mitte bzw. Ende März ist es in unseren Breiten auf Fensterbänken einfach noch zu dunkel, um erfolgreich Jungpflanzen heranzuziehen. Besonders in norddeutschen Wintern haben wir noch weniger Licht als anderswo in Deutschland. In einem hell erleuchteten Büro kann man eine Lux-Stärke von 500–1000 Lux messen. Gute LED-Pflanzenlampen haben je nach Anbieter und Strahlungswinkel eine Stärke von 850–4500 Lux. Da kann man sich gut vorstellen, warum die Pflänzchen so hervorragend wachsen.
Die Lampen brennen bei mir 12–14 Stunden pro Tag und sind an eine einfache Zeitschaltuhr gekoppelt. So kann ich sie nicht vergessen, falls ich einmal früher ins Bett gehe oder später aufstehe. Häufig lasse ich die Lampen auch einfach nur nachts brennen, damit sie mich tagsüber – je nachdem, an welchem Standort sie stehen – nicht stören.
Auf einer Wellenlänge: LED-Pflanzenlampen bieten genau das Licht, das Keimlinge zum Wachsen brauchen.
Ein weiterer Vorteil dieser Lampen ist, dass ich meine Pflänzchen nicht auf Fensterbretter zu quetschen brauche, sondern sie bequem in den verschiedensten Räumen, in Regalen, unter der Treppe oder auch im Keller aufstellen bzw. -hängen kann und somit meinen Pflanzen die für sie beste Temperatur biete. Denn besonders in einem sonnigen Frühling kann es auf den Fensterbänken schnell zu warm werden, sodass die jungen Pflänzchen zu schnell in die Höhe wachsen oder sogar einen Sonnenbrand bekommen. Und zu schnell gewachsene oder auch geschwächte Pflanzen sind anfälliger für Krankheiten, wie z. B. Läuse oder Weiße Fliegen.
Geschwächt werden Pflanzen, wenn sie sich an ihrem Standort nicht wohlfühlen und Stress haben. Stressfaktoren können die falsche Temperatur sein, zu wenig Licht, zu viel oder zu wenig Wasser und Dünger- bzw. Nährstoffmangel. Denn auch Pflanzen brauchen Nahrung, um gesund und kräftig heranzuwachsen. Ich habe z. B. festgestellt, dass meine unter den LED-Lampen groß gewordenen Pflanzen ein wesentlich besser entwickeltes Wurzelsystem haben als Pflanzen, die ich später im Jahr ohne Pflanzenlampen großgezogen habe. Ein gutes Wurzelsystem ist nicht nur für die Nährstoffaufnahme, sondern auch für die bessere Standfestigkeit extrem wichtig.
Auch in dunklen Ecken findet sich dank LED-Lampen Platz für Tische oder Regale für die Anzucht.
Der Abstand der Lampen zu den Pflanzen sollte möglichst gering sein. So hänge ich die Lampen am Anfang ca. 15 cm über den Aussaatgefäßen auf und vergrößere den Abstand langsam – je größer die Pflanzen werden – auf bis zu 40 cm. Je höher die Lampen hängen, desto größer ist der Strahlungswinkel der Lampe und desto mehr Pflanzen kann ich unter eine Lampe stellen. Normalerweise lasse ich die Lampen für 12 Stunden brennen, Tomaten vertragen auch 14 Stunden. Lediglich Kohl, Salat, Rucola und asiatischer Kohl bekommen bei mir nur für 10 Stunden Licht, da sie bei längerer Bestrahlung leicht in Blüte gehen.
Auch die Temperatur hat einen Einfluss darauf, wie sich die Pflänzchen der verschiedenen Gemüsearten unter den LED-Lampen entwickeln. Tomaten stehen nach der Entwicklung ihrer Keimblätter am besten kühl, bei 16–18 °C, sonst wachsen sie einfach zu schnell und werden dünn und lang. Sie stehen bei mir mit den Lampen deshalb im Keller oder im Schlafzimmer.
Paprika mögen es auch nach der Keimung noch gerne 21–23 °C warm, sie bleiben also unter den Lampen im Wohnzimmer, wobei ich jedoch darauf achte, dass sie keinem direkten Sonnenlicht ausgesetzt sind, da dies häufig zu starkem Läusebefall führt. Kohl- und Salatpflanzen kommen von Anfang an in den Keller und wachsen bei kühlen Temperaturen zu kompakten Pflänzchen heran.
Zum Aufhängen der Pflanzenlampen nutze ich meistens Tapeziertische, unter denen sich die Lampen mit einem Brett problemlos aufhängen lassen. Außerdem gewinnt man sehr viel Platz, wenn man zwei dieser Tische übereinanderstellt. Bei der Auswahl geeigneter Regale und Stellplätze sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.
Obwohl ich schon wirklich viele Pflanzen über die Jahre ausgesät und aufgezogen habe, hat meine Faszination für dieses Wunder noch nicht nachgelassen und ich besuche jeden Morgen nach dem Frühstück meine diversen kleinen Keimlinge und schaue, wie viel sie wieder gewachsen sind.
Perfekt entwickelte Wurzeln bei einem Chinakohl: Zeit für einen größeren Topf mit mehr Platz und Nahrung.
Neben Salaten, Kohl und Tomaten hat sich die zeitige Aussaat unter LED-Lampen noch bei zahlreichen weiteren Gemüsearten bewährt.
Die Physalis wachsen dank der Pflanzenlampen zu kleinen und knubbeligen Pflanzen heran.
So säe ich ebenfalls Anfang Januar ein paar Physalis aus. Diese kleinen gelben zuckersüßen Beeren mit der transparenten Hülle sieht man oft auf dem Dessertteller. Ich verwende regelmäßig die Sorte ‘Schönbrunner Gold’. Die Samen säe ich in eine kleine Schale mit Aussaaterde, bedecke sie nur ganz leicht mit Erde und stelle sie warm. Nach der Keimung kommen sie so schnell wie möglich unter eine Pflanzenlampe und werden etwas kühler bei ca. 18 °C gestellt, damit sie nicht zu schnell wachsen. Ich säe nur fünf bis sechs Samen aus, da die Pflanzen, wenn sie nach den Eisheiligen in den Garten kommen, recht viel Platz benötigen. Ich habe auch schon den Versuch gemacht, sie ins Gewächshaus zu pflanzen. Weil sie viel Wärme brauchen, um ab August Früchte zu tragen, dachte ich, dass dies ein geeigneter Ort wäre. Die Pflanze hatte auch relativ früh viele Früchte, wucherte aber enorm, sodass sie meine übrigen Pflanzen etwas zu stark in die Ecke gedrängt hat. Dafür ist mir der begrenzte Platz im Gewächshaus jedoch zu wertvoll. In Zukunft werde ich sie deshalb wieder ins Freiland oder in einen Kübel auf die Terrasse pflanzen, auch wenn ich dann eventuell weniger Früchte ernten kann.
Die Aubergine ‘Rotonda Bianca Sfumata’ ist eine sehr leckere und klein bleibende Sorte.
Mitte Januar säe ich Auberginen aus. Auch diese wärmeliebende Pflanze hat eine lange Entwicklungszeit, und damit ich im Sommer genügend Früchte ernten kann, pflanze ich Mitte Mai gerne schon stattliche Pflanzen aus.
Für die Aussaat fülle ich eine Plastikschale, z. B. von Champignons, mit Aussaaterde. Joghurtbecher mit durchsichtigem Deckel eignen sich auch sehr gut. Man füllt sie mit 4–5 cm Erde, drückt die Samen hinein, gießt sie an und verschließt den Becher. Sind die Samen gekeimt, schneidet man den oberen Teil des Bechers einfach ab.
Ich baue gerne kleine, ungewöhnlich geformte Auberginen an. Mir scheint, dass die kleinen Sorten bei uns besser reifen als die dunkellila Keulen, die wir aus dem Supermarkt gewöhnt sind. Außerdem schmecken sie viel intensiver und es macht Spaß, ungewöhnliche Sorten und Formen auszuprobieren.
Der eigentliche Grund, warum ich Auberginen anbaue, ist jedoch ihre Blüte. Ich bin verliebt in diese feinen blasslila Blüten mit den gelben Stempeln und den samtigen moosgrünen Blättern. Für mich eine absolute Augenweide und daher auch ein Prachtstück für die Terrasse!
Die Samen werden mit handwarmem Wasser angegossen, mit einem Stück Folie oder dem Deckel der Schale abgedeckt und kommen auf die warme Heizung. So haben sie leicht die empfohlenen 26 °C, die sie zum Keimen benötigen. Nach 3–4 Tagen muss ich täglich schauen, ob sich die ersten Spitzen zeigen, dann sollten sie nämlich schleunigst unter eine Pflanzenlampe, damit die Sämlinge nicht lang und dünn werden. Nach der Keimung stehen sie am besten bei ca. 22 °C. Wenn die Sämlinge kräftig sind und sicher stehen, entferne ich den Deckel. Nun muss ich jedoch die Feuchtigkeit im Blick behalten und eventuell vorsichtig gießen. Wenn die Auberginen drei bis vier Blätter haben, was meist Anfang bis Mitte Februar der Fall ist, pikiere ich sie in kleine Töpfe. Dann jedoch in Blumen- oder Komposterde, da sie nun einen kräftigen Energieschub benötigen.
Die Paprika stehen auch nach der Keimung noch gern bei 22 °C und unter den Pflanzenlampen.
Gegen Ende Januar ist es endlich so weit, ich kann meine ersten Paprika aussäen. Für mich immer ein Zeichen, dass der Frühling näher rückt. Früher habe ich mit der Aussaat bis Ende Februar gewartet. Ohne Pflanzenlampen ist das ein dringender Rat. Gehen die Samen Anfang Februar auf, gibt es einfach noch zu wenig Tageslicht. Anfang März sieht das dann schon ganz anders aus, obwohl auch dann die Pflanzenlampen noch sehr von Vorteil sind.
Paprika säe ich wie die Auberginen in Schalen mit Aussaaterde aus, bedecke die Samen jedoch nicht mit Erde. Sie werden vorsichtig angegossen, beschriftet, mit Folie oder einem Deckel abgedeckt und auf die warme Heizung gestellt. Paprika sind keine Lichtkeimer, d. h., man könnte sie auch mit Erde bedecken. Nach meiner Erfahrung keimen sie jedoch besser, wenn sie nicht mit Erde bedeckt sind. Paprika brauchen 1–2 Wochen zum Keimen. Sobald die ersten grünen Spitzen zu sehen sind, stelle ich sie unter die Pflanzenlampe an einen warmen Ort. Dort dürfen sie drei bis vier Blätter entwickeln, bis ich sie gegen Ende Februar pikiere und mit Blumen- oder Komposterde in einzelne Töpfe setze. Danach müssen sie alle 3–4 Wochen flüssig gedüngt werden, bevor ich sie im April ein weiteres Mal umtopfe. Da Paprika es immer moderat warm haben möchten, bevorzuge ich es, Mitte Mai schon große und kräftige Pflanzen auszupflanzen. Den meisten Erfolg habe ich mit ihnen, wenn ich sie im Sommer in großen Kübeln vor der warmen Hauswand ziehe (→ Tipp >). Ins Gewächshaus pflanze ich nur spezielle Gewächshaussorten, da Paprika leicht die Blüten abwerfen, wenn es ihnen zu warm und zu stickig wird.
Mitte/Ende Mai, je nach Witterung, pflanze ich die Paprika dann in die Kübel und mulche mit Rasenschnitt, damit die Erde nicht so leicht austrocknet. Mit dem Auspflanzen warte ich aber wirklich so lange, bis auch die Nachttemperaturen über 10 °C liegen. Wird es noch einmal kälter, hören sie nämlich für 2–3 Wochen auf zu wachsen, egal wie warm es tagsüber ist. Im Herbst scheinen ihnen kühlere Nächte dagegen nichts anzuhaben. Oft habe ich meine Paprika bis Anfang November im Kübel stehen und ernte die letzten Früchte wirklich erst, bevor es das erste Mal frieren soll. Zusätzlich schütze ich sie in den ersten Tagen noch mit einem Vlies, das ich locker vor die Kübel hänge. Dies ist sehr wichtig, damit die Blätter durch die Sonneneinstrahlung nicht verbrennen. Mehr dazu im Kapitel Mai (→ >).
Weil es so viele Sorten gibt, lohnt sich ein Blick auf die Sortenbeschreibungen. Sorten, die spät tragen oder nur in besonders warmen Jahren eine ausreichende Ernte hervorbringen, säe ich generell nicht aus. Ich achte auf einen frühen Erntebeginn sowie auf die Freilandtauglichkeit und ich bevorzuge Sorten mit kleinen Früchten. Sie reifen schneller als großfruchtige und können dadurch mehrere Male Früchte ansetzen. Außerdem sind sie zuckersüß. In richtig warmen Sommern hatte ich schon bis zu vier Blütendurchgänge und damit eine Menge Früchte.
Ich baue auch gerne ein paar scharfe Paprika oder Chili an, die ich dann trockne und im Mixer zu scharfem Pulver vermahle. So bekomme ich wunderbar fruchtiges und scharfes Paprikapulver.
Wenn ich meine Chilis zu Pulver vermahle, verwende ich auch die Kerne. So wird das Pulver schärfer.
PFLANZKÜBEL VORBEREITEN
Tomaten, Paprika und Co. gedeihen nach meiner Erfahrung am besten in großen Maurerkübeln, in deren Böden ich ein paar Löcher bohre, damit das Gießwasser abfließen kann. Diese Kübel bereite ich schon zwischen Januar und April vor, indem ich sie nicht nur mit Erde, sondern auch mit Hasenmist, Kompost und vor allem mit Bokashi fülle. Denn im Winter weiß ich sonst oft nicht, wohin ich mit dem Bokashi soll. So ist er gut verwertet und die Kübel sind zur Pflanzzeit fertig und machen dann keine Arbeit mehr.
Mitte Januar kommt dann meistens doch noch der Frost, obwohl ich bis dahin immer von einem ganz milden Winter ausgegangen bin. Ich meine nicht 1–2 °C minus in der Nacht für 2 Tage, sondern richtige Frostnächte und oft auch frostige Tage, eventuell gepaart mit Schnee. Schnee ist bei Frost immer besser, da er die Erde und die noch vorhandenen Pflanzen wie mit einer wärmenden Decke schützt und wesentlich mehr Pflanzen überleben. Bei uns in Norddeutschland ist Schnee aber selten.
Kann ich eine solche Wetterprognose erkennen, mache ich zwei Dinge: Ich säe noch schnell Möhren aus, bevor der Boden gefroren ist, und ich ernte alle nicht wirklich frostfesten Gemüse.
Räuber Hotzenplotz und Frau Holle lieben frisches Grün aus dem Garten und wandeln es in Mist um.
Die Möhrenaussaat dauert ca. 5 Minuten und ich kann dann sehr früh – schon ab Mitte Mai – knackige und zarte Möhren ernten, ohne dass ich mich bis dahin groß um sie kümmern muss.
