500 Riesen für Vera - Horst Bieber - E-Book

500 Riesen für Vera E-Book

Horst Bieber

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  • Herausgeber: BookRix
  • Kategorie: Krimi
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2019
Beschreibung

Vera Denzel ist entführt worden, der Kidnapper verlangt eine halbe Million, Hauptkommissar Grembowski (Grem der Grobe) und seine junge Kollegin Christine (Tine) Dellbusch besorgen das Geld, aber die Geldübergabe ist vom Entführer so stümperhaft organisiert, dass ein dreizehnjähriger Junge das Geld findet und zur Polizei bringt. Als sich der Entführer danach nicht mehr meldet, werden Grem und Tine misstrauisch und beginnen zu recherchieren. Kannte die Mutter den Entführer und war der Vater wirklich zu jedem Opfer bereit, um sein Kind zurückzubekommen? Sie finden überraschende Antworten auf ihre Fragen, aber sie finden Vera nicht...

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Seitenzahl: 79

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Horst Bieber

500 Riesen für Vera

Cassiopeiapress Krimi

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Fünfhundert Riesen für Vera

Kriminalroman

von HORST BIEBER

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 75 Taschenbuchseiten.

 

Vera Denzel ist entführt worden, der Kidnapper verlangt eine halbe Million, Hauptkommissar Grembowski (Grem der Grobe) und seine junge Kollegin Christine (Tine) Dellbusch besorgen das Geld, aber die Geldübergabe ist vom Entführer so stümperhaft organisiert, dass ein dreizehnjähriger Junge das Geld findet und zur Polizei bringt. Als sich der Entführer danach nicht mehr meldet, werden Grem und Tine misstrauisch und beginnen zu recherchieren. Kannte die Mutter den Entführer und war der Vater wirklich zu jedem Opfer bereit, um sein Kind zurückzubekommen?

Sie finden überraschende Antworten auf ihre Fragen, aber sie finden Vera nicht...

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / Cover: Firuz Askin, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

Personen

Olga Denzel, geborene Schilling: Hausfrau und Verkäuferin in der Buchhandlung Grabbelkiste

Ilse Schilling: Olgas Schwester, wurde vor Jahren ermordet. Der Fall ist immer noch nicht geklärt.

Gunnar Denzel: Vorarbeiter in der in der Technischen Abteilung des Pharma-Unternehmen Ascher & Gohlenz. Mit der neuen Mitarbeiterin in seiner Abteilung Ina Holterkamp verbindet ihn mehr als nur die tägliche Arbeit.

Jakob Hiltz: Hat Olga Schilling vor dem Ertrinken gerettet

Gerlinde Hiltz, verwitwete Stahl: Jakobs Schwester

Pasquale Rossini: Hat eine Malschule, für die er auch Modelle benötigt

Elvira Kunze: Olgas Nachbarin, steht manchmal bei Don Pasquale Modell

Walter Engels: Nimmt Unterricht bei Don Pasquale

Vera Denzel: Schülerin des Helene-Lange-Gymnasiums, das sie vom Elternhaus im Lehnsgrund 22 mit der Buslinie 19 von der Haltestelle Grafenstein aus erreicht

Kurt Grembowski, kurz Grem genannt: Kriminalhauptkommissar im Referat R – 7 (Vemisstenfälle)

Christine (Tine) Dellbusch: Kriminalkommissarin im Referat R – 7

Fido Lorch: Pächter des Weinlokals Spätlese

Alle Namen und Taten, Personen und Ereignisse, Geschäfte und Organisationen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

1

Kurt Grembowski tippte mit dem Zeigefinger auf das gelbliche Blatt Papier: „Sie haben beide den Brief angefasst?“

Olga und Gunnar Denzel nickten wie auf Befehl: „Ja.“

„Dann brauche ich von Ihnen beiden nachher die Fingerabdrücke. Vielleicht haben wir Glück und der Täter hat seine Abdrücke auf dem Schreiben hinterlassen. Oder auf dem Umschlag.“ Denn auf den war keine Briefmarke geklebt, kein Stempel aufgedruckt, der Täter oder ein Komplice musste ihn hier in den Hausbriefkasten geworfen haben.

Vor zwei Stunden hatte bei den Denzels das Telefon geklingelt, und als Gunnar Denzel abhob, sagte eine tiefe Männerstimme nur: „Schauen Sie in Ihren Hausbriefkasten.“

Was die Denzels schließlich auch getan hatten. Im Briefkasten lag nur ein Briefumschlag ohne Anschrift, ohne Marke oder Stempel, ohne Absender. Er enthielt nur ein Blatt gelbliches Papier und einen Schülerausweis des Helene-Lange-Mädchengymnasiums auf den Namen Vera Denzel. Der Brief war wohl auf einem Computer geschrieben und ausgedruckt worden.

„Wir haben eure Tochter Vera. Wir verlangen eine halbe Million Euro in kleinen gebrauchten Scheinen ohne Markierungen und nicht fortlaufend nummeriert. Geldübergabe ist am kommende Samstag. Wegen der Einzelheiten melden wir uns noch. Keine Polizei, keine Presse, sonst seht ihr Vera nicht wieder.“

Danach hatte es zwischen den Eheleuten Olga und Gunnar einen heftigen Streit gegeben, den sie gar nicht verheimlichten. Olga wollte der Anweisung des Entführers nachkommen, er setzte sich zum Schluss durch und rief 110 an. Bei dem Wort Entführung wurde er sofort weiterverbunden zu einem Hauptkommissar Kurt Grembowski, der schließlich mit seiner Mannschaft ohne Blaulicht und Martinshorn durch die dunklen Nachbargärten anrückte und über die Denzelsche Terrasse ins Haus kam. Während seine Leute sofort begannen, das Netz-Telefon umzurüsten, ließ Grembowski sich erzählen, was passiert war, zog Plastikfingerhandschuhe an und studierte den Brief mehrmals gründlich. Das „Wir“ störte ihn nicht, auch ein Einzeltäter würde behaupten, Mittäter zu haben, um die Eltern einzuschüchtern und die dennoch gerufene Polizei vorsichtig zu stimmen.

Die Doppelhaushälfte im Lehnsgrund 22 sah allerdings nicht so aus, als könnten die Bewohner binnen weniger Tage eine halb Million Euro zusammenkratzen, was Gunnar und Olga Denzel ohne Zögern bestätigten. Hatte der Täter das nicht gewusst oder sich geirrt? Olga war angestellte Verkäuferin in dem Buchladen Grabbelkiste am Kornmarkt und Gunnar Vorarbeiter in der technischer Produktion bei der Pharmafirma Ascher & Gohlenz. Reichtümer waren hier weder zu holen noch zu vermuten. Olga Denzel, geborene Schilling, war 39 Jahre alt. Sie hatte im Alter von 28 Jahren geheiratet. Grem dem Groben, wie er im Präsidium allgemein genannt wurde, gefiel sie. Sehr hübsch, viel jünger aussehend als fast vierzig, schlank mit einer Traumfigur, beweglich und lebhaft, der Ausschnitt ihres Tops gab gelegentlich anregende Blicke auf einen festen, hübschen Busen frei, sicher eine gute und erfolgreiche Verkäuferin – auch eine gute und geduldige Mutter?

Gunnar Denzel war knapp zehn Jahre älter als seine Frau, ein sportlicher, energischer Typ, kein Mann, der sich die Butter vom Brot nehmen ließ, zuverlässig und bedächtig, aber nicht langsam oder schwerfällig. Beide hatten, wie Grem das später nannte, „ihre eigenen Köpfe“ und ließen sich nicht gern vorschreiben, was sie tun sollten.

Vera war jetzt zehn, fast elf Jahre alt und war im Vorjahr von der Grundschule auf's Gymnasium gewechselt. Das erreichte sie mit der Buslinie 19 von der Haltestelle Grafenstein. Heute wollte sie nach der Schule mit ihrer Freundin Maja Steck nach Lohrgarten fahren, wo die Familie Steck im Zehnthof 13 wohnte. Maja fuhr auch mit der Linie 19 zur Schule, so hatten sich die Mädchen näher kennengelernt.

„Kennen Sie die Familie Steck?“, wollte Grem wissen, der nicht verheiratet war und von Mädchenfreundschaften vor und in der Pubertät weniger als nichts verstand.

„Ja“, sagte Gunnar. „Wir haben sie auf einem Schulfest kennengelernt.“

„Sie arbeiten bei Ascher & Gohlenz?“

„Ja, ich in dort Vorarbeiter in der Produktion.“

„Was stellt die Firma eigentlich her?“

Denzel lachte jetzt laut: „Etwas, was wir beide hoffentlich nie benötigen werden. Pülverchen gegen Magengeschwüre und Leberprobleme und Pillen gegen Gallensteine.“

„Sie hatten also keine Bedenken, dass Vera nach Lohrgarten fuhr?“

„Nein, keine“, sagten beide gleichzeitig.

„Hatte Ihre Tochter eine Vorgabe, wann sie wieder zu Hause sein sollte?“

„Ja“, antwortete Olga ohne Zögern. „Um acht – um zwanzig Uhr – sollte sie wieder hier sein.“

„Was sie nicht war.“

„Nein, und deswegen haben wir gegen 20 Uhr 30 bei den Stecks angerufen. Da war Vera, wie das Ehepaar uns sagte, schon gut eine Stunde weg.“

„Wie weit ist es von Lohrgarten bis zum Grafenstein?“

„Mit dem Bus höchstens 20 Minuten.“

„Und von der Haltestelle Grafenstein bis zu Ihnen?“

„Acht Minuten maximal.“

„Hat Vera ein Handy, von dem aus sie notfalls anrufen kann?“

„Ja. Hat sie.“ Grem hatte von einem Kollegen gehört, dass dessen elfjährige Tochter auf das Verbot, ihr Handy in die Kirche mitzunehmen, den Eltern geantwortet hatte: „Ich gehe nicht nackt auf die Straße.“

„Dann brauchte ich bitte die Nummer und den Provider.“

Gunnar Denzel schrieb beides, ohne nachzudenken, auf einen Zettel, den er Grem hinschob.

„Und als nächstes kam dieser Anruf, Sie sollten in Ihren Briefkasten schauen?“

Gunnar und Olga nickte nur stumm.

„Eine heikle Frage noch, Herr Denzel: Könnten Sie bis zum Wochenende überhaupt eine halbe Million beschaffen?“

„Wie denn, Herr Kommissar? Wir zahlen noch die Hypothek für das Haus zurück. Olga, meine Frau, braucht unbedingt einen neues Auto. Urlaub würden wir auch gerne mal wieder machen. Es reicht für alles mal so eben, eine halbe Million ist die pure Illusion.“

Die Polizei-Techniker richteten sich auf: „Wir sind fertig, Chef.“

„Danke. Frau Denzel, Herr Denzel, kommen Sie mal bitte zum Telefon? Der Apparat ist jetzt so eingerichtet, dass alles, was Sie am Telefon sagen und was Sie hören, automatisch an das Präsidium gesendet und aufgenommen wird, und zwar so, dass es der Anrufer nicht bemerkt. Sie sollten also harmlose Anrufer warnen, nichts auszuplaudern, was die gern geheim halten möchten. Alle Gespräche werden im Präsidium aufgezeichnet und später, wenn Sie es wünschen, in Ihrer Gegenwart wieder gelöscht. Wenn Sie aufgelegt haben und die Raute drücken und gedrückt halten, können Sie einfach sprechen und uns eine Meldung übermitteln. Zum Beispiel: Das war eben nur meine Schwiegermutter, das war mein Freund Andreas und so weiter. Auch diese Meldungen werden gespeichert und später wie alle anderen Gespräche gelöscht.“

Grem verschwieg, dass dieses Gerät unter Juristen höchst umstritten war und dass er einiges riskierte, weil er es ohne Genehmigung eines Vorgesetzten, eines Staatsanwaltes oder Richters einsetzte.

„So, nun müssen wir leider noch Ihre Fingerabdrücke nehmen und meine Kollegin hat dann Fragen nach Fotos von Vera Kleidung und dem Inhalt der Schultasche. Und ich habe noch eine Mahnung auf dem Herzen: Je weniger Menschen von der Entführung erfahren, desto besser für Vera. Und Sie, Frau Denzel, sollten morgen in der Schule anrufen und Vera krank melden, meinetwegen Verdacht auf Ziegenpeter oder Scharlach. Um das Lösegeld kümmere ich mich gleich morgen.“

Tine nahm aus dem Bad die Kinderzahnbürste und eine Haarbürste mit, in der sich einige lange, hellbrünette Haare mit Wurzeln verfangen hatten.

2

Eine halbe Stunde später verschwanden sie wieder über die Terrasse und die Nachbargrundstücke.

„Na, Kind, was meinen Sie?“, erkundigte sich Grem auf der Fahrt ins Präsidium. Christine Dellbusch musste wieder gegen die Versuchung ankämpfen, ihn umzubringen, wie jedes Mal, wenn er sie „Kind“ nannte. Sie wusste, dass sie sehr viel jünger aussah als ihre fünfundzwanzig Jahre; auch Kollegen hatten zu Anfang bezweifelt, dass sie volljährig war und sogar schon die Polizeischule mit Bestnote absolviert hatte. Sie hatte es bei Grem mit allen Methoden versucht, freundlich, höflich, grob, aufbrausend, ihn gebeten, beschimpft, angefleht, aber Grem, der auf die Sechzig zuging, war, wie man sie gewarnt hatte, unbelehrbar und stur wie ein Maulesel. Dabei wusste sie, dass er sie gut leiden mochte, sie und ihre Arbeit schätzte; er hatte zwei fantastische Beurteilungen geschrieben, aber Tine als Anrede mochte er nicht (“Ich bin kein verliebter Jüngling“), Christine war ihm zu umständlich, also blieb er bei „Kind“. Achselzuckend begrub sie ihre Mordgelüste für den Moment.

„Die Mutter hat es erstaunlich ruhig aufgenommen.“

„Das haben Sie also auch bemerkt?“

„Und beide haben sich bemerkenswert wenig Sorgen um das Geld gemacht, das sie doch gar nicht haben.“

„Vielleicht hat sich doch herumgesprochen, dass die Polizei für solche Fälle einen Notgroschen besitzt.“

„Glauben Sie?“

„Bei den Denzels könnten wir uns was wiederholen.“

„Sie meinen das Haus?“

„Sicher.“