7/4 - Jack Timber - E-Book

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Jack Timber

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Beschreibung

Mike Stevens arbeitet als Feldagent in einer Spezialeinheit, die nach 9/11 ins Leben gerufen wurde. Als er nach einem Einsatz wieder in seine Einheit zurückkehrt, häufen sich die Indizien für einen terroristischen Anschlag, der am Unabhängigkeitstag der USA, am 7/4 stattfinden soll. Die Mitglieder einer Zelle planen einen Anschlag auf den Hoover Dam nahe des Grand Canyons. Doch damit nicht genug, die weiteren Ereignisse offenbaren erst nach und nach, dass dieser Anschlag nur den Auftakt einer teuflischen Zerstörungsorgie darstellt. Mike wird klar, dass hinter den Attentätern eine skrupellose Person stecken muss, die vor nichts zurückschreckt…

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Seitenzahl: 550

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Jack Timber

Imprint7/4 – Seven FourJack Timber

1

„Es geht los.“

Auf diesen Satz hatte Ali Akbar einige Jahre geduldig gewartet. Als er vor wenigen Augenblicken die Nummer von Said auf seinem Handy sah, wusste er noch nicht, dass es nun endlich soweit war.

Said und er telefonierten ab und an und unterhielten sich über belanglose Sachen. So konnten die beiden eine unauffällige Kommunikationsbeziehung miteinander aufbauen. Ali hatte Said einige Male in letzter Zeit getroffen, aber weder am Telefon noch an öffentlichen Plätzen hatten sie dabei ein radikales Gesprächsthema gehabt. Zu groß war die Gefahr, dass einer mit lauschen würde. Seit 9/11 geriet man schnell unter Tatverdacht, wenn man nicht wie der typische Amerikaner aussah oder sich wie einer benahm. Ein zu langer Bart, eine zu dunkle Hautfarbe oder eine koschere Lebensweise ließ die Alarmglocken einiger übervorsichtigen Bürger bereits schrillen. Doch diesmal sollte das Treffen anders sein.

„Wir treffen uns morgen am Platz 37 um 22 Uhr“, fuhr Said fort.

„Verstanden. Bis morgen.“

Ali Akbar verzichtete bewusst auf eine arabische Redewendung zur Verabschiedung. Man musste davon ausgehen, dass jedes Telefongespräch innerhalb der Vereinigten Staaten auf Schlüsselwörter untersucht würde. Je unauffälliger, desto besser war deshalb die Devise der beiden. Aber selbst wenn jemand auf dieses Gespräch aufmerksam geworden wäre, so hätte er das eigentliche Treffen nicht mit verfolgen können. Um sich an immer unterschiedlichen und nicht namentlich benannten Orten zu treffen, hatte Said eine einfache zweispaltige Liste angelegt. Auf dieser Liste waren 50 Orte eingetragen. Hinter der Zahl eins stand „Fisherman’s Warf Hard Rock Cafe“, neben der Nummer zwei „Star Bucks Market Street“, hinter der Zahl drei „Washington Ecke Powell Street“. So ging es bis 50 weiter. Auf der zweiten Hälfte waren Uhrzeiten einer anderen Zahlenfolge zugewiesen. Neben 22 Uhr stand 08:45 a.m. Dies war wahrhaftig kein Meisterwerk der Chiffrierkunst, für diesen Zweck aber absolut ausreichend.

Ali wusste nun, dass er morgen nicht wie jeden Tag in die Arbeit fahren konnte. Er würde sich für diesen Tag einfach krank melden. Seine Anstellung als Fließbandarbeiter hatte ihm noch nie richtig Spaß gemacht, aber irgendetwas musste man ja machen, um in diesem Land nicht als schmarotzender Einwanderer dazustehen. Ihm war klar geworden, dass er dieser Tätigkeit nicht bis zu seinem Lebensende nachgehen würde, sondern für etwas viel Größeres bestimmt war. Dieser Gedanke war Motivation genug.

Mehr als genug.

Als er vor zehn Jahren in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten eingereist war, musste er viel über sich ergehen lassen. Miese Beschimpfungen und Beleidigungen gegen seine Herkunft waren an der Tagesordnung. Doch er arbeitete fleißig und verlor nie den Traum des Tellerwäschers aus den Augen.

Bis er Said kennen lernte.

Said hatte Ali sofort fasziniert, sein Mitgefühl war Balsam für seine Seele. Dieser Mann verstand es Alis Gedanken auszusprechen und seine tiefsten Emotionen wachzurütteln. Da sie beide keine Familie vor Ort hatten, unternahmen sie häufig etwas gemeinsam. In einer Bar offenbarte sich Said dann zum ersten Mal. Man schrieb das Jahr Fünf des Feldzuges der neuen Welt gegen den Terrorismus. Im Nachrichtensender TTN lief eine Sonderberichterstattung über ein Massaker an der Zivilbevölkerung Afghanistans. Dutzende unschuldige Kinder und Frauen waren von einer alliierten Rakete in buchstäblich Millionen Fetzen pulverisiert worden. Der Oberbefehlshaber der Streitkräfte sprach von einem bedauernswerten Zwischenfall, aber mit Kollateralschäden müsse man eben bei einem so wichtigen Kampf rechnen. Said, der seine Wurzeln in der Region hatte, hatte Tränen in den Augen. Aber auch Wut spiegelte sich in seinem Gesicht. Ali hatte ihn noch nie so gesehen. Endlich konnte Ali ihm aber auch sein Mitgefühl zeigen.

„Das ist schon eine Schande. Da werden unschuldige Menschen in einen Krieg gezogen, der gar nicht ihrer ist.“

Saids Stimme zitterte leicht, als er den nächsten Satz aussprach: „Die Bevölkerung Afghanistans hat nichts mit diesem Krieg zu tun. Wieso kommen die Amerikaner immer so ungeschoren davon, wenn sie Kinder und Frauen anderer Nationen in ihrem weltpolizeilichen Getue ermorden? Das ist ungerecht und schreit nach Vergeltung.“

Ali war leicht irritiert was er von dieser Aussage halten sollte. Aber aus Saids Mund klang es weder verwerflich noch radikal. Es klang irgendwie logisch.

Mit Mord an Unschuldigen konnte man sehr leicht Leute für sich gewinnen, das wusste auch Said. Als die beiden die Bar verlassen hatten, erläuterte Said seine Weltanschauung. Es klang überhaupt nicht wie dieses 08/15-Terrorthema aus den Nachrichten oder wie man es bei Talkshows mitbekam. Für Ali klang alles sehr logisch. Irgendjemand musste solche Taten bestrafen. Und Said schien sich dafür bereit zu erklären.

Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Als Ali an diesem Abend nach Hause kam, blickte er in den Spiegel. Er war etwas kleiner als der Durchschnittsbürger und wirkte mit seiner Brille und seinem Schnauzer schutzbedürftig. Seine dunklen Augen funkelten vor Angst und gleichzeitiger Neugier. Said war sein bester Freund und es tat ihm leid, ihn so leiden zu sehen. Leichte Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn. Entschlossen wischte er sie in seine kurzen dunklen Haare. Er würde Said unterstützen, egal was es kostete. Er würde alles für ihn tun, seinen besten Freund ließ man nicht hängen.

In den nächsten Monaten intensivierte sich das Verhältnis der beiden. Sie trafen sich häufiger und sprachen immer mehr über die Weltordnung, die ihrer Ansicht nach mehr als nur ins Schwanken geraten war. Einer musste doch etwas unternehmen und ein Zeichen setzen. Said schien für Ali immer mehr der perfekte Mann für diese Aufgabe zu sein. Er versprach ihm eine wichtige Rolle in diesem Kampf. Aber bis dieser Moment gekommen war, sollte er normal weiterarbeiten und das Beziehungsverhältnis der beiden auf ein Minimum reduzieren.

Ali Akbar würde nie erfahren, dass Said dieses Vorgehen bei einem Dutzend weiterer Männer ebenfalls erfolgreich angewendet hatte.

Dass die erlösende Aktivierung erst nach über drei Jahren kam, störte Ali nicht. Er wusste, sein Tag würde kommen und jetzt war es endlich soweit. Die Gerechtigkeit würde kommen und er würde einen entscheidenden Beitrag dazu leisten. Sein Name würde in die Geschichtsbücher eingehen. Ali Akbar El-Hendy. Sein Vater hatte ihm nicht umsonst den Namen „großer Ali“ also Akbar gegeben. Voller Stolz verstaute Ali sein Handy in der Jackentasche. Auf einmal sah die Welt ganz anders aus. Endlich hatte alles einen Sinn.

Sein Blick schweifte über das traumhafte Panorama der San Francisco Bay Area. Millionen Menschen lebten in dieser Gegend und er würde einer sein, der wirklich etwas bewegen würde. Mit diesen Gedanken drehte er sich um und ging in Richtung seiner Wohnung.

2

Der Wagen von Mike fuhr gerade den ersten Security Posten an, als das Radio eines seiner Lieblingslieder anstimmte. „Hotel California“ von den Eagles. Mike trommelte mit den Fingern rhythmisch auf dem Lenkrad. Mit einem Knopfdruck ließ er die Fahrerfensterscheibe herunter und zeigte dem Wachmann seinen Ausweis. Gut gelaunt durch die musikalische Untermalung fragte er ihn: „Wie geht’s Ihnen, David?“ Er las dabei dessen Vornamen vom Namensschild ab. Mike sprach gerne die Leute mit Namen an. David antwortete mit einem knurrendem aber höflichem „Sehr gut, Ihnen auch?“ Der Stimmlage nach zu urteilen handelte es sich aber nur um eine oberflächliche Routineantwort.

„Könnte nicht besser sein. Die Sonne scheint, die Musik ist klasse, jetzt fehlt nur noch ein freier Tag“.

Mike wusste, dass in diesem Moment ein Foto von ihm gemacht wurde. Es wurde benutzt, zum einen um den Personenverkehr zu dokumentieren, zum anderen um das Gesicht mit den biometrischen Daten im System abzugleichen. Er verkniff es sich nie, am Eingang immer übertrieben freundlich in die Kamera zu grinsen. Er wartete auf den Tag, an dem die Security mal zu ihm sagte, wenn er so weitermachte, könne er mit den Backenzähnen die Ohren massieren.

Nach wenigen Momenten gab ihm David seinen Ausweis zurück.

„Alles klar. Sie können passieren. Einen schönen Tag noch, Mr. Stevens.“

„Danke David, Ihnen ebenfalls.“

Mike steuerte den Wagen auf den Parkplatz und musste feststellen, dass sich in seiner Abwesenheit einiges geändert hatte. Sämtliche Parkplätze verfügten nun über eine durchgängige Überdachung, auf denen Sonnenkollektoren angebracht waren. Etwas verblüfft parkte er den Wagen, freute sich aber schon darauf wenn er am Abend, nicht in ein völlig überhitztes Auto steigen musste. Der Eingang des Gebäudes war in wenigen Minuten zu erreichen. An einem kleinen See war ein Raucherpavillon aufgestellt. Wenigstens hier war noch alles beim Alten geblieben. Im Pavillon stand Carlos, einer von Mikes Kollegen. Carlos war ein Kettenraucher wie er im Buche steht. Wenn er zum Rauchen nach draußen ging, steckte er sich immer drei Zigaretten hintereinander an. Das hielt dann für ungefähr eine Stunde an. Dann wieder drei Zigaretten, mindestens. Aber Carlos war auch ein begabtes Genie in Sachen Computernetzwerke. Er konnte sich in fast jedes Netzwerk hacken. Er war fast süchtig nach dem Moment, wenn er erfolgreich ein Netz penetrierte. Solche Leute konnten hier gebraucht werden. Schade eigentlich, wenn sie frühzeitig an Lungenkrebs starben, aber das war ein anderes Thema.

„Carlos, schön dich noch unter den Lebenden zu sehen. Mein Ratschlag das Rauchen aufzuhören, scheint ja noch nicht gefruchtet zu haben.“

„Du musst gerade reden. Ich glaube, es ist gesünder drei Schachteln am Tag zu quarzen, als sich monatelang in die Höhle des Löwen zu begeben.“

Der Vergleich hatte was. Mike gefiel die spontane Art von Carlos. Immer einen Spruch auf Lager. Carlos war mit seinen Einmetersiebzig etwas kleiner als Mike. Sein volles Gesicht und die ungepflegte Haut deuteten auf eine ebenfalls nicht gerade gesunde Lebensweise hin. In sämtlichen Fast Food Filialen seiner Wohngegend kannte man ihn und schätze ihn als treuen Kunden. Die mexikanischen Wurzeln seiner Eltern sah man an seiner etwas dunkleren Hautfarbe. Der Dreitagebart rundete das Klischee ab.

„Wo hast du dich denn eigentlich genau herumgetrieben?“, wollte Carlos wissen.

„Das weißt du doch. Wenn ich dir mehr erzählen würde, müsste ich dich erschießen.“

„Komm sag schon, ich kann schweigen wie ein Grab. Auch ohne erschossen zu werden.“ Carlos setzte ein breites Grinsen auf, so dass man seine zwei goldenen Zähne erkennen konnte.

Carlos ließ nicht locker. „Hast du deine arabischen Kenntnisse auf Vordermann gebracht?“

Mike musste sich an eine herrlich komische Szene erinnern. Er ging mit Carlos in ein persisches Restaurant und brachte ihm vorher ein paar Wörter bei. Mike sagte ihm „Das sieht sehr gut aus“ hieße „Balla biaram“. Als der Kellner den beiden das Essen auf den Tisch stellte, wollte Carlos mit seinem neu gelernten Satz punkten. Der Kellner lief rot an und Mike sagt zum Kellner etwas was die Situation entschärfte. Carlos‘ Worte hießen übersetzt nämlich „Soll ich kotzen?“. Mike meinte zum Kellner, Carlos lernte gerade die wundervolle Sprache, habe sich aber wohl in der Aussprache vertan und gemeint „das sieht sehr lecker aus“ was etwas ähnlich klang. Das gleiche sagte er auch zu Carlos. Innerlich wäre Mike fast geplatzt und musste ein Lachen unterdrücken.

„Tja, Carlos, da kann ich dir nur eins sagen: Ta farda.“ Mike gab Carlos noch ein Klaps auf die Schulter, drehte sich um und ging in das Gebäude.

Carlos sah Mike noch kurz hinterher, rauchte die Zigarette fertig und entschloss sich eine vierte anzustecken. Sagt der doch „bis morgen“ zu mir, dachte er. An die Übersetzung dieses Satzes konnte er sich nämlich noch erinnern. Der war bestimmt irgendwo im Iran.

Mike verschwand in einem unauffälligen Gebäude. Gleich würde er die zweite Sicherheitsschleuse passieren. Von außen sah man nur einen zweistöckigen Komplex. Was sich allerdings im Boden befand, blieb jedem Beobachter verborgen: Fünf Etagen im Keller, jede vollgepackt mit Technik und Mitarbeitern der wohl geheimsten Abteilung von Homeland Security. Am Rande eines etwas weiter entfernten Ortes von Los Angeles. Obwohl man für amerikanische Verhältnissen vielleicht sogar noch das Wort Vorort benutzen könnte. Das Areal war mit einem unauffälligen Zaun umgeben. Kleinste Kameras, Bewegungs- und Drucksensoren, sowie unsichtbare Lasergitter ließen nicht einmal eine Maus unbemerkt näher kommen.

Die Anti Terror Abteilung bekam ihre Aufträge in der Regel vom obersten Management von Homeland Security. Von ihrer Existenz wussten nur die wenigsten. Nicht einmal der Präsident der Vereinigten Staaten wusste von deren Existenz, geschweige denn von einem Mitarbeiter.

Zumindest noch nicht. Das sollte sich in wenigen Monaten ändern. Bald würde er in direkten Kontakt mit der Abteilung stehen und Befehle geben.

Die Abteilung kam dann ins Spiel wenn bei allen anderen Organisationen, wie das FBI oder der CIA, selbst die besten Männer nicht mehr weiter wussten. Oder wenn rechtliche Aspekte im Wege standen. In der Regel arbeiteten die Kollegen im Inland und überwachten verdächtige Zielpersonen. Aber auch ausländische Einsätze werden von ihr durchgeführt. So wie gerade bei Mike.

3

Am nächsten Morgen stand Ali Akbar etwas früher auf als sonst. Wie in fast allen Orten in diesem Land ließ er die Kaffeemaschine laufen und gönnte sich eine heiße Tasse des koffeinhaltigen Getränks. Dazu aß er die typisch amerikanischen Bagels mit Frischkäse. Nach dem Frühstück rasierte er sich und putzte sich die Zähne. Von außen betrachtet erschien Ali wie ein typischer amerikanischer Durchschnittsbürger. Im Inneren allerdings formierten sich Gedanken, die die Vereinigten Staaten in ihren Grundmauern erschüttern sollten.

Um halb acht rief er bei seiner Firma an und meldete sich krank. Er sagte, er wolle noch beim Arzt vorbeischauen, hoffte aber, dass es nichts Ernstes sei und morgen wieder auf der Matte stünde. Ali liebte landestypische Redewendungen. Er wirkte wie ein perfekt integrierter Gastarbeiter.

Kurz nach dem Telefonat verließ Ali seine Wohnung. Er ging wie jeden Morgen zu seinem Kiosk und kaufte eine Zeitung, die „USA today“. Dieses Blatt lasen viele Amerikaner und es hatte ein praktisches Format, einige Bilder und leicht verständliche Texte. Ali hasste Zeitungen, die man von vorne bis hinten lesen musste und nachher trotzdem kein Wort verstanden hatte.

„Hey Ali, du schaust gut erholt aus. Wirkst ja richtig glücklich.“ Tom, der Zeitschriftenhändler, kannte Ali schon seit mehreren Monaten. Für ihn war Ali ein treuer Kunde, der sich wie er auch für Baseball und Football interessierte.

„Du weißt doch, die 49ers haben gestern so richtig das Haus gerockt. Ich fand das Spiel Klasse. Hast du es auch verfolgt?“

„Nein, leider nicht. Meine Frau war mit ihren Freundinnen aus und ich musste auf die Kinder aufpassen. Shit happens.“

„Du sagst es. Aber weißt du was? Beim nächsten Spiel kaufe ich uns Karten und wir gehen rüber ins Stadion. Wäre das nicht eine tolle Entschädigung?“

„Wow, das wäre Klasse. Ali, du bist ein guter Mensch. Ich wünschte es gäbe mehr von deiner Sorte.“

Mit einem heimlichen Grinsen verabschiedete sich Ali von Tom. Er wusste genau, dass es zu diesem Termin nicht kommen würde. Genauso wenig wie er sich gestern dieses alberne Spiel angeschaut hatte. Aber es machte einen guten Eindruck, wenn man sich für die lokalen Sporthelden interessierte.

Mit der Zeitung unter seinem Arm bestieg Ali die BART, die Nahverkehrsverbindungen in der San Francisco Bay Area. In Oakland, seinem Wohnort, war er nur wenige Meilen von Downtown San Francisco entfernt. Er schätzte die doch verhältnismäßige ruhige Stadt und den Vorzug binnen Minuten in der seiner Meinung nach wohl schönsten und beeindruckendsten Stadt der USA zu sein.

Ali saß am Fenster und schaute sich die Skyline der Metropole im aufgehenden Sonnenlicht an. Die Wolkenkratzer spiegelten sich golden und ein leichter Dunst lag über der Stadt. Normalerweise lag hier alles im Nebel. Es gab nur wenige Tage die solch ein Panorama zuließen. Der Zug beschleunigte und rauschte in den Tunnel, der unter dem Meer Richtung Downtown führte. Ali blickte nun auf seine Zeitung. Mit großen Buchstaben stand auf der Titelseite „Why are we still there?“. Das Bild darunter zeigte etliche Särge, die mit dem Star-Spangled Banner, der amerikanischen Flagge, abgedeckt waren. Gemeint war der Afghanistankrieg. Im Bericht stand, dass täglich sehr viel Geld verloren ginge und es dem US Bürger keinen sichtbaren Nutzen brächte. Im Gegenteil, in den Staaten stiege die Arbeitslosigkeit und an allen Ecken und Enden würden die Gelder fehlen. Krankenversicherung wurde als ein Beispiel genannt. Im Bericht wurden noch weitere Parallelen zum Vietnamkrieg gezogen. Ein Zitat eines Vietnamveteranen kurz vor Beginn des Krieges im Nahen Osten spielte sarkastisch auf die momentane Lage an: Wenigstens kann sich der Feind nicht im Laub verstecken. Wir können alle ausräuchern, die haben ja keine Chance sich zu verstecken.

Dieser Kommentar ärgerte Ali sehr. Wie dieser Veteran so herablassend über sein Volk redete gefiel ihm gar nicht. Als ob wir keine Menschen wären. Aber immerhin sahen es nun auch einige Journalisten in den USA, dass dieser Krieg nicht zu gewinnen war. Eine weitere Schlappe für die größte Militärmacht der Welt. Dieser Gedanke befriedigte Ali wieder etwas.

4

Für den normalen Mitarbeiter des Anti-Terror-Departments von Homeland Security begann der Arbeitstag um 8 Uhr. Die Kaffeemaschinen auf den Fluren hatten um diese Zeit Hochkonjunktur. Es wurden kleine Späßchen gemacht, die Schiedsrichterentscheidungen des gestrigen Footballspiels diskutiert und Donuts in rauen Mengen verdrückt. Die erste Stunde wurde traditionell von diesen Ereignissen geprägt, so dass die ersten Meetings frühestens um 9 Uhr begannen. Wie jeden Tag lud Peter Haynes zu einem Einsatzbericht ein. Der Meetingraum „Ohio“ war mit der am besten ausgestattete. Riesige LCD-Wände konnten Karten, Fotos und Videokonferenzen aus aller Welt zeigen. Amanda Jackson war bereits anwesend. Sie koordinierte die Einsätze der Feldagenten und war das Verbindungsglied zwischen Abteilung und Agenten. In der Regel ging jede Kommunikation über sie. Mit ihren blauen Augen und dem hüftlangen blonden Haar sah sie aber eher aus wie ein Topmodel. Die notwendigen Körpermaße für diesen Job erfüllte sie leicht. Sie liebte enge knielange Röcke und trug dazu gerne gleichfarbige Blusen, meist kombinierte sie eine champagnerfarbige Strumpfhose dazu. Kein Spaß bei den Temperaturen in Los Angeles, aber es sah verdammt scharf aus. Kein Tag verging, an dem sich nicht mindestens drei Männer nach ihr den Kopf ausrenkten. Doch ihre wahre Liebe galt nicht einem Mann oder dem Vergnügen. Sie koordinierte und organisierte für ihr Leben gerne. Es war daher nicht schwer für sie, diesen Job zu bekommen. Welche bildhübsche und talentierte Frau kam nicht dahin wo sie wollte? Amanda wusste nämlich ihre Reize einzusetzen. Es konnte schon sein, dass ihr bei einer Besprechung der Busen ganz leicht aus dem Dekolleté rutschte. Den darauffolgenden Moment der Bewunderung durch die Männerwelt konnte und wusste sie zu nutzen. Ihr Lieblingsmotto lautete: Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse Mädchen überallhin. Für den heutigen Tag stand eine Routinebesprechung mit Mike Stevens an. Er sollte von seinem letzten Einsatz berichten.

Um kurz vor neun betrat Peter Haynes, der leitende Direktor der geheimen Abteilung, den Meetingraum. Mit Entzücken stellte er fest, dass Amanda eine seiner Lieblingsblusen anhatte, mit einem sehr gewagten Ausschnitt, durch den man leicht die Spitzen des schwarzen BHs sehen konnte. Eine Besprechung konnte doch gar nicht besser beginnen. Peter hatte eine Familie zu Hause und so lebte er nach dem Motto, Appetit holen ist in Ordnung, aber gegessen wird zu Hause. Im Grunde war er eine gute Seele, aber halt eben auch ein Mann.

„Na Amanda, hast du gestern auch das Spiel der 49ers gesehen? War ja ziemlich spannend am Ende.“

Amanda interessierte sich nicht für Sport, aber ihr Desinteresse wollte sie auch nicht so offen zeigen. Small Talk gehörte auch bei der geheimen Abteilung zum täglichen Brot.

„Leider nicht. Ich hatte gestern noch etwas zu tun. Ich hätte mir bestimmt in die Lippe gebissen, so spannend muss es gewesen sein. Wobei wir nicht zu sehr die fremden Städte bejubeln sollten, schließlich sind wir in Los Angeles.“

„Da kann ich Amanda nur Recht geben.“ Mike Stevens betrat den Meetingraum in seinem typischen Innendienstoutfit: Blue Jeans, gehalten von einem schwarzen Gürtel mit einer dicken Schnalle. Das silberne Funkeln der Schnalle hob den Schriftzug „Kansas“ gut hervor. Unterhalb der Schrift war eine Postkutsche mit sechs Pferden im Gespann abgebildet. Oberhalb ein einzelnes Rodeopferd, das einen Reiter abzuwerfen versuchte. Der Cowboy hielt sich mit einer Hand im Sattel, mit der anderen schwang er seinen Hut. Eine perfekte Cowboy-Szene. Mike war zwar kein Vollblutcowboyfan. Nie würde er in voller Montur in Downtown Los Angeles rumlaufen. Aber ab und zu besuchte er gerne ein Rodeo oder ein Country-Music-Konzert in seinem Geburtsstaat.

„Guten Morgen Mike. Schön, dass du wieder in einem Stück zurückgekommen bist.“ Amandas letzter Satz, verbunden mit einem Grinsen in den Mundwinkeln, ließ Peter insgeheim vor Neid platzen. Er wollte sich gar nicht vorstellen, was die beiden wohl machen würden, wenn er nicht im Raum wäre.

„Schön, dass du es pünktlich geschafft hast, Mike.“ Peter setzte sich und legte einen Stapel Papiere vor sich hin.

„Ich habe deinen Bericht natürlich bereits gelesen. Trotzdem würde ich gerne nochmal eine Zusammenfassung von dir hören.“

Das ist ja mal wieder typisch, durchfuhr es Mike. Wozu schreibe ich eigentlich diese Mistberichte? Formalitäten gab es in jeder Abteilung, das war auch Mike klar. Daher verbiss er sich seinen Kommentar.

„Selbstverständlich. Wie Ihr bereits wisst, habe ich die Staaten vor über drei Monaten verlassen. Meine Reise verlief zunächst über einige Drittländer, um meinen Reiseweg so gut wie möglich zu verschleiern. Nach einer Woche bin ich im Grenzgebiet am Hindukusch angekommen. Durch unsere Ermittlungen konnte ich die drei großen unabhängigen Mohnplantagen leicht ausmachen.

Fangen wir bei der ersten an. Ich bin im Norden über Usbekistan ins Land eingereist. Ein kleiner unbedeutender Grenzposten. Mit ein bisschen Bakschisch kommt man leicht ohne großes Aufsehen nach Afghanistan. In der Stadt Taloqan, etwas östlich von Kunduz, habe ich dann meine Fühler in der Bevölkerung ausgestreckt.“ Mike deutete auf einen kleinen Punkt auf der Landkarte im äußeren Westen von Afghanistan.

„Besonders hilfreich war der Besitzer meiner Absteige, anders konnte man diesen Platz nicht bezeichnen. Ihn konnte ich überreden mir eine Fahrgelegenheit zur ersten Mohnplantage zu organisieren. Der Bauer war einer seiner Bekannten. Am folgenden Tag wurde ich von einem Pick Up abgeholt. Sie brachten mich direkt zum Bauern, was zirka eine Stunde Fahrtzeit beanspruchte. Wie unsere Aufklärungen im Vorfeld ergeben hatten, handelte es sich um ein mittelgroßes Feld. Von den ca. 4.000 Tonnen reinen Opiums, die jährlich in Afghanistan produziert werden, fallen an dieser Plantage ca. 300 Tonnen an. Das Feld wurde vom Stamm des Bauern bewacht. Der empfing mich recht freundlich. Ich denke, der Kontakt zum Hotelbesitzer war hilfreich. Man muss wissen, dass in dieser Gegend ein ziemlich fieser Dialekt des Paschtu gesprochen wird. Mit meinem Hochpersisch kam ich aber trotzdem ganz gut zurecht, obwohl das so ähnlich ist, als wenn man in Bayern in eine Dorfgemeinde aufgenommen werden will, aber eigentlich nur hochdeutsch spricht. Im Unterschied zu unseren Freunden aus dem alten Europa können aber bei unseren Drogenbauern ein paar Scheine die Wogen glätten.“ Mike zog gerne Vergleiche aus anderen Kulturkreisen, insbesondere aus Deutschland. Seine Vorfahren waren im späten 19. Jahrhundert aus dem Land immigriert, in dem einige Jahrzehnte später zwei Weltkriege entstehen sollten. Trotzdem verspürte er einen leichten Stolz wenn er an die Krauts und seine Wurzeln dachte. Er fand, dass die Deutschen ein fleißiges Volk waren. Arbeiteten tadellos und waren sehr innovativ. Allerdings meckerten und jammerten sie ziemlich viel. Aber das musste wohl so sein.

„Unser Plan ging sehr gut auf. Mit unserem Geschäftsmodell konnte ich auf offene Ohren stoßen. Die Idee genmanipuliertes Mohn als Samen zu verkaufen interessierte ihn sehr. Als er hörte, dass es deutlich resistenter gegen Krankheiten ist, in 2/3 der Zeit wächst und dann sogar noch eine deutlich höhere Qualität hat und obendrein kann man damit 20 Prozent mehr Volumen des Rauschgiftes herstellen. Der abschließende Vorteil, auch immun gegen Kampfstoffe der Amerikaner zu sein, ließen seine Augen aufblitzen. Er hatte berichtet ein Drittel seiner Ernte vor zwei Jahren verloren zu haben, nachdem ein Satansflugzeug etwas über seinem Feld versprüht hatte.“

Peter nutzte die kurze Pause von Mike. „Und wie wir vermutet haben, konnte er die Entscheidung aber nicht alleine treffen, oder?“

„Exakt. Auch hier ist alles nach Plan verlaufen. Der Bauer konnte diese Entscheidung unmöglich alleine treffen. Hätte er hier Mist gebaut und ihm wäre dadurch die Lieferung ins Stocken geraten, wäre sein Leben weniger wert gewesen, als eine einzige Mohnblume.

Er schlug daher vor mit seinem Abnehmer über das Thema zu sprechen. Glücklicherweise hatte er nichts dagegen, dass ich auch ihm dieses Thema vorstellen durfte. Selbstverständlich wollten sie mich aber davor richtig filzen. Kein Problem, denn ich hatte unsere Widgets in der Mundhöhle gut versteckt. Hätte ich beim Bauern ein Attentat oder irgendeine Dummheit versucht, wäre der Schaden geringfügig gewesen und es hätten sofort 30 Kalaschnikows auf mich gezielt. Der Bauer wäre noch nicht einmal richtig kalt, schon wäre er im Stamm ersetzt worden. Beim Abnehmer der Ware waren die Sicherheitsvorkehrungen aber ganz anders. Hier war man deutlich vorsichtiger. Laut Aussage des Bauers musste dieses Treffen aber erst noch organisiert werden. Ich sollte mich in mein Hotel begeben und dort auf seine Nachricht warten. Diese kam nach zwei Tagen. Ich wurde am Nachmittag abgeholt. Ich denke, dass die Jungs in der Zwischenzeit auch meine Identität mehrfach geprüft haben. Aber dank dir, Amanda“, Mike lächelte sie dabei an und dankte mit seiner rechten Hand, die vom Herzen zu ihr wanderte, „konnten die Kerle keine Auffälligkeiten finden. Nur einen Drogendealer auf hohem Niveau, der sich durch herausragende Geschäfte und neue Ideen weltweit einen Namen gemacht hatte.

Der Pick Up brachte mich in knapp zwei Stunden in ein kleines Dorf. Nachdem es keine Straßen- oder Ortsschilder mehr gab, konnte ich nur vermuten, dass wir in Ashku waren.“

Mike deutete auf der elektronischen Karte mitten in die Gebirgskette des Hindukusch auf einen Punkt südlich von Taloqan. Mit einer ziehenden Fingerbewegung vergrößerte er den Ausschnitt. Jetzt konnte man ein kleines Dorf erkennen, etwas abseits von einer besser ausgebauten Passstraße.

„Direkt nach der Ankunft wurde ich, wie zu erwarten war, sehr gründlich durchsucht. Meine Waffe hatte ich vorher in eine alte P1 getauscht. Meine Standardwaffe, die moderne Heckler und Koch USP Expert hätte die doch etwas verwundert. An sich ist das Tragen einer Pistole zum Selbstschutz üblich und erzeugte kein großes Aufsehen bei den Burschen. Das Magazin hatte ich bei der Ankunft entfernt und dem in die Hand gedrückt, der mir nach der größten Pfeife aussah. Den Schlitten des Laufes hatte ich geöffnet, um zu beweisen, dass sich auch dort keine Patrone mehr befand. Nicht gerade ein beruhigendes Gefühl, sich ohne effektiven Selbstschutz in die Höhle des Löwen zu begeben, aber anders gewinnt man nicht das Vertrauen der Brüder.

Das Haus war von außen ziemlich verkommen, innen jedoch ganz passabel. Die Türen waren deutlich massiver als man von außen auch nur erahnen könnte. Sehr wahrscheinlich gab es auch einen versteckten Tunnel als Fluchtweg. Im Wohnzimmer, wenn man es als solches bezeichnen will, wartete auf dem Sofa unser Mann.

Der Abnehmer gab sich als Jamil aus. Ein 175cm großer, schlanker Typ. Sehr eiserne Miene, schwarze Augen und ein kantiges Kinn. Er stand auf und begrüßte mich auf westliche Art und Weise. Beim Händeschütteln konnte ich seine übertriebene Bewaffnung erkennen. Einen Revolver unter dem Jackett, sowie ein Messer daneben. An jedem Fuß hatte er je eine weitere Waffe, die Ausbeulungen waren nicht schwer zu übersehen. Seine Komplizen waren ebenfalls stark bewaffnet. Alle mit Kalaschnikows und fünf Ersatzmagazinen, die sie am Waffengurt um die Schultern gebunden hatten. Jamil selber schien auch noch einen persönlichen Bodyguard zu haben. Der Typ sah so aus, als ob er mit seinen Händen und Füßen weit mehr anrichten konnte als Jamil mit seinen Waffen.

Wie geplant stellte ich ihm meine Mohnsamen vor. Die Präsentationen, Grafiken und Datenblätter hatte ich sowohl in Englisch als auch in Persisch auf meinem Tablet-PC. Er hatte sichtlich Spaß sich durch die Bilder zu scrollen. Eine Mohnpflanze zoomte er dann schön heran und war sichtlich beeindruckt. Auch beim Preislichen gab es keine Probleme. Bewusst hatte ich ihm keinen Schleuderpreis angeboten, sondern einen, der 20% über dem des Standardsamens lag. Bei der höheren und schnelleren Ausbeute rechnet sich das ja schnell. Wie man im „Bullshitenglisch“ so schön sagt, eine Win&Win Situation bei der sich zügig der Break-Even einstellt.“

Amanda musste schmunzeln. Die von Mike so verspottete „Businesssprache“ spiegelte sich leider wirklich sehr in ihrem Alltag wieder. Einmal bekam sie von einem Freund eine nette Scherzmail mit einem Bullshit Bingo. Per Zufallsgenerator wurden 25 Bussinesswörter wie Synergieeffekte, Kernkompetenz oder Guiding Principle in fünf Zeilen mit je fünf Spalten erzeugt. In einem Meeting hatte man dann die Chance mit diesen Wörtern eine Bingo-Reihe zu vervollständigen. Wer zuerst eine hatte, durfte laut Bullshit rufen. Amanda musste sich dabei das Gesicht von Peter vorstellen, wenn plötzlich einer im Meetingraum laut Bullshit rufen würde. Aber auf Grund des nicht vorhandenen Kündigungsschutzes hatte sie solch eine Aktion noch nie erlebt. Mike fuhr mit seinem Bericht fort.

„Ich bot ihm dann folgenden Deal an. Wenn er Interesse hätte, würde ich ihm Testsamen für 500qm innerhalb von drei Tagen liefern lassen. Nach vier Monaten würde ich dann wieder kommen, wir könnten uns beide von der Qualität überzeugen und den Deal perfekt machen. Damit er genug Zeit hatte sich alle Daten und Fakten in Ruhe anzuschauen, schenkte ich ihm den Tablet-PC. Jetzt kam mein Moment. Ich zeigte ihm wie man sich Bilder von hübschen Frauen anzeigen lassen konnte, die ich vorher in den Speicher geladen hatte. Auch wenn es risikoreich war in einem solchen Land mit diesem Versuch zu punkten, stimmte doch immer, dass nahezu alle Männer zumindest mal hingucken. Als die Wachen ebenfalls ihre Hälse verrenkt hatten, holte ich den Widget, die X4, mit einer beiläufigen Handbewegung aus dem Mund und klebte es in die Innenseite des Jacketts von Jamil. Das zweite Widget ließ ich direkt neben dem Bodyguard fallen, so dass er beim nächsten Schritt drauf steigen musste. Da ich nicht sicher sein konnte ob Kameras versteckt waren, musste ich extrem vorsichtig sein.

Wir verabschiedeten uns und draußen am Pick Up bekam ich mein Magazin wieder. Ich kontrollierte es, lud die Waffe und stieg in den Wagen. Der Rest des Tages war dann unspektakulär.

Die Lieferung der Testsamen hat Jamil dann wie vereinbart drei Tage später erhalten. Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich allerdings schon 100km entfernt am nächsten Ort.“

„Das war dann, als du dich bei mir das erste Mal per Bilderupload gemeldet hast. Bilder mit hauptsächlich Bergen heißt alles läuft nach Plan. Hätte ich viele Stadtbilder zu Gesicht bekommen, wäre etwas dazwischen gekommen.“

„Und bei Restaurantbildern hättet ihr beiden dann gleich ein Date ausmachen können, oder?“ Peter konnte sich diese Bemerkung nicht verkneifen, aber Amanda und Mike nahmen es ihrem Lächeln nach nicht übel.

Mike rechtfertigte ihre Kommunikation, die sich Amanda und Mike ausgedacht hatten, dennoch.

„Mit dem Bilderupload konnten wir sehr unauffällig kommunizieren. Die Bilder sind bei einem Onlineprovider für jeden Menschen mit Internetanschluss sichtbar. Keine offene Kommunikation. Amanda benutze auch einen komplett autarken Laptop, mit dem sie sich nur in öffentlichen WLANs, zum Beispiel von Starbucks, anmeldete. Es war theoretisch unmöglich eine Verbindung zwischen mir und der Abteilung herzustellen. Im äußersten Notfall hätte ich eine Nachricht hochverschlüsselt in dem Bild versteckt. Diese Technik ist zwar sehr schick, aber für einen Profi lässt sich die Unregelmäßigkeit im Bild entdecken. Auch wenn er die Information nicht hätte entschlüsseln können, so wäre es doch verdächtig gewesen und hätte unseren Gesamtauftrag gefährden können.“

„An dieser Stelle möchte ich einhaken. Auch wenn ich es eigentlich nicht wissen dürfte, aber wozu verkaufen wir den Leuten am Hindukusch Opium und riskieren das Leben von Mike? Nur um die auszuhorchen? Und warum machen wir das? Wir sind doch eine Terrorabteilung und haben mit Drogengeschäften eher wenig am Hut?“

„Amanda“, dieses Mal war es Peter, der sich einschaltete, „du hast ein Recht dies zu erfahren. Ich denke die Beförderung zur leitenden Kommunikationsspezialistin ist dir nicht mehr zu nehmen. Ich wollte es dir zu einem geeigneteren Zeitpunkt sagen, aber manchmal kann auch ich nicht alles nach Plan machen.“ Amanda war ziemlich verdutzt und wusste gar nicht, ob Peter das mit der Beförderung ernst meinte. Auch Mike schaute Peter etwas schief von der Seite an.

„Schau nicht so überrascht. Du bist eines meiner besten Pferde im Stall.

Und in leitender Funktion hast du nicht nur das Recht sondern auch die Pflicht alles in Erfahrung zu bringen.

Die X4 sind keine normalen Wanzen. Sie sind ultraleichte, kompakte und nahezu unsichtbare GPS Sender. Sie können für ungefähr zwei Monate die exakten Positionsdaten aufzeichnen. Wenn sich die X4 um 5 Meter bewegen wird ein Datensatz mit Datum, Uhrzeit und Position gespeichert. So wird vermieden, dass der Speicher sich mit gleichbleibenden Positionsdaten unnötig vollfrisst. Es interessiert uns ja nicht, wenn unsere Zielperson acht Stunden im Bett verbringt. Anfang und Ende ist absolut ausreichend. Die X4 haben auch den Vorteil, dass man das Senden nicht erkennen kann, da sie das nur kurz vor Speicherüberlauf selbstständig machen. Erreicht der Speicher 80% der Kapazität wartet das Gerät bis es die Positionsdaten von mindestens 6 Satelliten erfasst. Somit kann es sicher sein, sich unter freien Himmel zu befinden. Zum einem sind dann nur sehr unwahrscheinlich Sendedetektoren im Einsatz, die vom Feind als Wanzenerkennung genutzt werden, und zum anderen genügt dann eine kleine Sendeleistung. Die Daten werden mit einem hardwarebasierten Code stark verschlüsselt und komprimiert. In den Tests dauerte die Übertragung weniger als zehn Sekunden. Und Simsalabim, wir haben dann das komplette Bewegungsprofil der Zielperson.

Zum anderen Teil deiner Frage. Wir vermuten, dass die Warlords, die die Drogenfelder kontrollieren, auch direkten Kontakt zu der hiesigen Terrororganisation haben. Wenn wir aufzeichnen können wo sich die Personen bewegen, werden wir im Idealfall früher oder später Schnittpunkte haben. Sehr vermutlich zeitlich versetzt, aber es sollte reichen um Treffpunkte oder sogar Wohnungen aufzuzeichnen. Punkte, die bei Folgeeinsätzen von unseren Leuten bewacht werden. Wir haben die Möglichkeit ein deutlich klareres Bild der Organisation zu erhalten. Wir werden zahlreiche Fotos bekommen und wenn ein großer Fisch ins Netz gehen sollte, wird es an diesem Platz eine unauffällige Verhaftung geben. Bei Gegenwehr kann es natürlich sehr unangenehm werden. Für beide Seiten.“

„Aber warum verfolgen wir die Kerle nicht mit unseren Satelliten und Drohnen? Ich habe Berichte gelesen, dass die Predator Drohne ein Foto von einem Apfel aus 10.000 Meter Höhen machen kann.“

„Das wissen auch unsere Zielpersonen. Daher treffen sie sich bei Nacht oder schlechtem Wetter. Sie wissen übrigens auch, wann gerade kein Satellit sein Auge auf sie gerichtet hat. Die Überflugpläne sind kein großes Geheimnis und lassen sich mathematisch errechnen. Daher sind wir auf diese manuelle Detektivarbeit angewiesen.

Noch etwas. Die Samen unseres Supermohns lassen wirklich tolle Pflanzen wachsen, haben aber absolut keinen opiumfähigen Stempel. Bis das allerdings auffällt, haben wir die notwendigen Daten. Die armen Kerle wissen dann zwar, dass man sie reingelegt hat, aber nicht warum. Die X4 werden sie nicht finden und wenn doch, haben sie keine Ahnung wozu die dienen.“

Peter wendete sich wieder zu Mike.

„Mike, wie ist es bei der zweiten Zielperson verlaufen?“

5

Als die BART in den Bahnhof des Civic Centers einfuhr, stand Ali Akbar von seinem Sitz auf. Die Zeitung klemmte er sich unter die linke Achsel. Nachdem der Zug angehalten hatte und er ausgestiegen war, warf er zuerst die Zeitung in den nächsten Mülleimer. Er wollte als Tourist erscheinen und Touristen lasen keine lokalen Zeitungen. Wenn er sich gleich mit Said treffen würde, wollte er das typische Bild abgeben, das man üblicherweise am Treffpunkt 37 vorfand.

Es war 08:15 Uhr am Morgen und der Berufsverkehr hatte die Stadt fest im Griff. Hupende Autos quälten sich durch die Straßenschluchten von Downtown San Fransisco. Er verließ die Market Street und bog in die Grove Street ein. Von hier waren es noch circa 25 Minuten bis zum Zielort. Er nahm eine direkte Fußverbindung, ohne Umwege. Mit der Digitalkamera um den Hals und der Baseballkappe gab er wirklich ein gutes Touristenbild ab. Er war auch nicht der einzige, der in diese Richtung lief und so konnte Ali in der Menge wie ein Fisch im Schwarm mit schwimmen.

Drei Minuten vor der ausgemachten Uhrzeit setzte sich Ali auf eine Parkbank im Alamo Square. Ein Baum gab ihm etwas Schatten. Eigentlich schade, er saß viel lieber in der Sonne. Die Tage hier waren doch meistens nebelig und trüb. Ali nutzte gerne jede Minute Sonnenlicht aus.

Sein Blick schweifte zu den „Painted Ladies“, die im 19. Jahrhundert im viktorianischen Stil erbauten Reihenhäuser. Jedes dieser Häuser leuchtete in einer anderen Farbe. Im Hintergrund erkannte man die angeblich erdbebensichere Transamerica Pyramide. Ali musste zugeben, dass dies ein schöner Fleck und er gerne hier war. Er blickte durch seine Digitalkamera, machte aber kein Foto. Er wollte ja keinerlei Spuren hinterlassen.

Wenige Augenblicke später setzte sich Said neben ihn. Er musste ihn beobachtet haben, ansonsten wäre es doch ein zu perfektes Timing gewesen.

Im Gegensatz zu Ali hatte Said eine deutlich dunklere Hautfarbe. Seine dunklen glatten Haare kämmte er sich mit Gel nach hinten. Sein sonnengegerbtes Gesicht wies auf der rechten Backe einige kleine Narben auf, die man auf der perfekt rasierten Haut gut ausmachen konnte. Da Said etwa einen Kopf größer war, schaute er leicht nach unten.

Ali brach als erster das Schweigen.

„Hast du heute die Zeitung gelesen? Die Amerikaner zweifeln langsam an dem sinnlosen Krieg.“

„Ja, habe ich. Und ich denke, wir haben nun den perfekten Zeitpunkt für unsere weiteren Aufgaben erreicht. Mit einem klaren Signal wird die Stimmung im Volk komplett kippen und der Abzug der Truppen aus unserer Heimat ist nur noch eine Frage von Wochen.“

Nachdem Ali ein nicht komplett überzeugtes Gesicht zeigte, fuhr Said fort.

„Wenn jetzt keiner etwas unternimmt, wird der Abzug auf unbestimmte Zeit hinausgezögert werden. Die Stimmung für und gegen einen militärischen Einsatz in unserem Land wird sich bald die Waagschale halten. Aber letztendlich wird es zu keinem radikalen Stimmungswechsel kommen. Mit einem klaren Zeichen jedoch wird das amerikanische Volk unsere Forderungen verstehen und unterstützen.“

Endlich zeigten Alis Augen das Funkeln, das Said schon bei vielen Ansprachen gesehen hatte. Das Funkeln, das ein Ziel widerspiegelte. Ein Ziel welches Said nun aufzeigen konnte.

„Unser Warten wird nun endlich belohnt. Ich stehe in Verbindung mit einem mächtigen Mann. Er hat mich beauftragt, dem amerikanischen Volk eine Lektion zu erteilen.“

Said machte eine kurze Pause und sah Ali nun fest in die Augen.

„In dieser Mission werde ich eine zentrale Rolle spielen, Ali Akbar. Ich habe unserem Freund aber auch gesagt, dass ich es nur mit fähigen Leuten schaffen kann. Ich habe gesagt, ich will unbedingt dich dabei haben, da ich dir blind vertrauen kann.“

Bei dem letzten Satz legt Said eine Hand auf Alis Schulter.

„Kann ich auf dich zählen, Ali?“

„Selbstverständlich, mein Bruder. Ich werde dich nicht enttäuschen.“

Said hatte mit keiner anderen Antwort gerechnet. Trotzdem nutzte er den theatralischen Effekt aus, um Ali sicher auf seine Seite zu holen. Noch hätte er aussteigen können. Ab jetzt aber waren die Weichen gestellt. Der „Point of no return“ war für Ali überschritten.

„Ali, ich gebe dir gleich einen Zettel auf dem unser Ziel steht. Es handelt sich um ein Objekt. Nachdem du es gelesen hast, will ich, dass du ihn aufisst. Es ist nicht viel zu lesen, aber sollte uns jemand belauschen, würden wir unser Ziel nicht verraten.

Zuvor aber gebe ich dir deinen Auftrag.

Finde eine Möglichkeit das Objekt zu zerstören. Bedenke alle Möglichkeiten. Plane den Auftrag äußerst sorgfältig. Nutze das Internet um dich über alle Daten und Fakten zu informieren.“

Ali hatte viele Fragen, aber eine platzte gleich aus ihm heraus.

„Ist es nicht zu gefährlich im Internet danach zu suchen? Man wird doch gleich auf mich aufmerksam werden.“

„Exakt. Deshalb wirst du einen Laptop von einem deiner neuen Brüder bekommen. Mit diesem Laptop wirst du dich in die WLAN Netze unserer Mitbürger einhacken können. Wenn du pro WLAN maximal eine halbe Stunde Informationen abziehst und dir täglich ein anderes Netz aussuchst, sehe ich keine Bedrohung.“

Neue Brüder? Hatte Ali gerade richtig gehört? Bevor er diesen Gedanken sortieren konnte, fuhr Said fort.

„Der Laptop ist darüber hinaus hochgradig verschlüsselt. Selbst wenn du ihn verlierst oder er dir gestohlen wird, kann niemand an die Informationen herankommen. Zumindest nicht in den nächsten Monaten, und das reicht uns.“

„Said, wen meinst du mit neuen Brüdern?“

„Ich stelle dir drei Gefolgsleute zu deiner Verfügung. Sie werden dich in ihren Spezialgebieten beraten. Bijan ist ein Experte in Gebäudekonstruktion, Patrick kennt nahezu jede Waffe auf diesem Planeten und Bill hat eine Menge Ahnung von Physik. Er wird dir auch den Laptop geben. Ich habe veranlasst, dass sie dich morgen um zehn Uhr besuchen. Aber keine Angst, sie werden nicht auffallen, Patrick und Bill gehen ohne weiteres als Amerikaner durch.“

Ich bekomme ein eigenes Team, dachte Ali. Said muss mich sehr schätzen.

„Ich weiß, du bist ein schlaues Köpfchen. Zusammen werdet ihr sicherlich einen akzeptablen Plan entwerfen. Ich werde mich in zwei Wochen wieder bei dir melden. Auf dem Laptop wird ein neuer Email Account für dich eingerichtet sein. Meine Email wird auf den ersten Blick nicht als von mir erscheinen. Beim genaueren Hinschauen wirst du meine Nachricht aber erkennen.

Ali, von nun an werden wir nie wieder telefonieren. Nicht mal im Notfall. Lösche heute noch deine komplette Sim-Karte, ich werde das gleiche bei mir tun. Handys kann man zu leicht orten und wenn sie einen von uns erwischen, rufen sie alle Nummern an und können auch den Standort des anderen Handys ermitteln. Auch wenn keiner rangeht.

Ali Akbar, mein Bruder. Wir werden unser Volk rächen und Gerechtigkeit auf diesem Globus bringen.“

Said drückte Ali einen kleinen zerknüllten Papierzettel in die Hand und stand auf. Ohne eine weitere Verabschiedung drehte sich Said um und verschwand hinter dem Hügel des Alamo Squares.

Alleine saß Ali auf der Bank. In seinem Kopf schwirrten die kühnsten Vorstellungen. Er bekam ein eigenes Team. Er war eine Schlüsselfigur in dem größten Kampf seiner Zeit. Vor lauter Gedanken hätte er beinahe den Zettel in seiner Hand vergessen. Mit zitternden Fingern faltete er ihn auseinander. Leichte Schweißperlen auf der Stirn verrieten seine Nervosität.

Alis Augen erfassten nur zwei Worte.

Er musste sich ein Pfeifen verkneifen. Das Ziel hatte es in sich. Jetzt verstand Ali warum Said ihm so viele Männer und so viel Wissen und Equipment zur Verfügung stellte.

Wie von Said befohlen, knüllte er den Zettel wieder zusammen und steckte ihn sich in den Mund. Sein Speichel vermischte sich langsam mit dem Papier. Allmählich zerkaute Ali den einzigen schriftlichen Beweis des Anschlagszieles. Mit einem großen Schluck wanderte der Fetzen in seinen Magen und würde in wenigen Minuten von der Magensäure unkenntlich zerfressen sein.

Er stand von der Bank auf und blickte auf das Panorama der Millionenstadt. Bald würde er, Ali Akbar, das Weltbild dieser Bewohner mächtig erschüttern. Und das der anderen 300 Millionen Amerikaner.

In Gedanken wiederholte er die beiden Worte, die er auf dem Zettel gelesen hatte:

„Hoover Dam“

6

„Die zweite Zielperson war etwas schwieriger auszumachen. Unsere Vorarbeiten brachten mich in einen Ort namens Doshi. Ich verbrachte eine Woche in unterschiedlichen Herbergen und Kneipen, bis ich endlich auf eine heiße Spur gestoßen bin. Ein Restaurantbesitzer konnte mich mit einem seiner Brüder bekannt machen. Dieser war Mitglied eines Stammes, der ebenfalls ein großes Mohnfeld kontrolliert.

Ich kam mit nahezu derselben Taktik zum Erfolg. Der dortige Warload, der den ganzen Bezirk kontrolliert, war etwas schwerer zu überzeugen. Er wollte mir die Zahlen nicht abnehmen und argwöhnte, ich würde ihm einen Killervirus für seine Pflanzen andrehen wollen. Nur mit einer noch sorgfältiger ausgewählten Probepackung konnte ich ihn schließlich locken. Er wollte es zuerst auf einem sehr entlegenen Platz ausprobieren. Mir konnte dies natürlich nur recht sein. Da der Bursche aber sehr vorsichtig war, hatte ich keine Chance ihm eine X4 unterzujubeln. Hätte ich das versucht, könnte ich jetzt nicht mehr vor euch stehen.

Als Teilerfolg würde ich diesen Einsatz allerdings schon bezeichnen. Die zwei X4 konnte ich am Eingang an zwei Mützen anbringen. Da sie nicht vollkommen versifft schienen, habe ich wohl nicht die der Landwirte erwischt, sondern schon die, von zwei Leuten, die etwas Geld und somit auch etwas zu sagen hatten. Ob sie allerdings in Verbindung mit einer Terrororganisation stehen, wird sich erst zeigen.“

„Das ist mir persönlich auch lieber wenn du im richtigen Moment deinen Verstand walten lässt und nicht sinnlos dein Leben riskierst.“ Mike war nicht von Peters Fürsorge überrascht, er kannte ihn schon seit ein paar Jahren. Für Peter war die Heimkehr seiner Agenten lebendig und nicht im Sarg das wichtigste. Kein Auftrag konnte so wichtig sein, dass es sich lohnen würde, das Leben seiner Männer aufs Spiel zu setzen.

„Aber ich habe auch noch eine gute Nachricht. Der dritte Warload, den ich ungefähr zwei Wochen später besucht habe, war ein leicht zu überredender Mann. Vielleicht lag es auch an meinem Paschtu. Inzwischen hatte sich mein Dialekt doch stark an die lokalen Gegebenheiten angepasst.

Ich traf den Mann direkt in Jalalabad, einer größeren Stadt nahe der Haupstadt Kabul. Nach dem Deal ließ er es sich nicht nehmen, mich zu einem Drink einzuladen. Glücklicherweise hatte ich vorher etwas von Nero eingenommen.“

„Nero? Was zur Hölle ist das denn?

„Sorry Amanda. Nero ist eine von uns hergestellte Substanz, die verhindert, dass der Alkohol seine Bahnen in unser Gehirn findet. Chemisch natürlich nicht so simpel zu erklären. Den Namen Nero hat sie bekommen, als ein Chemiker im Spaß meinte, wenn sich der römische Kaiser das Zeug vorher reingezogen hätte, hätte Rom bestimmt nicht gebrannt. Keiner hatte dem Chemiker gesagt, dass Nero absichtlich die Stadt angezündet hatte. Was zur Namensgebung allerdings nur beitrug.

So konnte ich deutlich besser bei Verstand bleiben. Im Gegensatz zu meinen neuen Saufkumpanen. Ich glaube so gut und präzise habe ich die beiden X4 noch nie versteckt.“

Peter war sichtlich entzückt über den Ausgang des Einsatzes. „Klasse. Dafür spendiere ich dir eine Flasche Whiskey deiner Wahl. Die darfst du dann auch ohne Nero genießen.

In der Zwischenzeit haben wir das erste Signalpaket von zwei X4s bekommen. Bisher sind die Daten zwar noch ohne großen Nutzen, da die beiden Bewegungsprofile keine Auffälligkeiten zeigen. Ich denke aber sobald wir ein oder noch besser zwei weitere Pakete erhalten, wird sich die Lage verbessern.“

„Zumindest mal keine schlechten Nachrichten. Nach meinen Berechnungen müssten die nächsten Pakete im Lauf der Woche eintreffen.

Wenn es von Eurer Seite keine weiteren Fragen mehr gibt, würde ich mich wieder in mein Büro begeben. Nach der langen Abstinenz vom Tagesgeschäft habe ich etwas Nachholbedarf.“

„Passt Mike. Amanda, hast du noch Fragen?“

„Nein, auch von meiner Seite ist alles geklärt.“ Amanda hatte den Brocken mit der Beförderung noch immer nicht ganz verdaut. Sicherlich freute es sie und eine Gehaltserhöhung war nie verkehrt, aber an die zunehmende Verantwortung musste sie sich noch gewöhnen.

Als Mike an seinem Computer eintraf, rief er zuerst den internen Übungs- und Fortbildungskalender auf. Wann immer Zeit war, wurde jedem Agenten nahegelegt bei möglichst vielen Schulungen teilzunehmen. Morgen stand das wöchentliche Schießen auf dem Plan. Diesmal mit einem amerikanischen Maschinengewehr, einer deutschen Uzi und einer Glock. Fast jede Woche kam eine neue Waffe zum Üben dazu. Die Sonderabteilung beschafft sie sich aus allen Teilen der Welt. Ihre Agenten sollten idealerweise alle Waffen der Welt kennen und bedienen können. Auf diese dreistündige Ausbildung freute sich Mike schon. Er liebte es seine Fähigkeiten am Schießstand unter Beweis zu stellen und er schoss viel lieber mit echten Waffen. Seit neuem gab es auch Schießsimulatoren in der Abteilung. Aber der Rückstoß und das exakte Verhalten ließen sich nur bedingt realisieren. Dann doch lieber mit einer echten Waffe auf echte Ziele schießen. Diese hatten dann entweder schöne Einschusslöcher oder wurden in Millionen Teile pulverisiert. Im Simulator gab es nur ein grünes oder ein rotes Lämpchen, dass über den Trefferfolg Auskunft gab.

Am Freitag stand ebenfalls ein Highlight auf dem Plan. Nahkampfausbildung. In der Regel hieß das, seinem Gegenüber ohne eine Waffe zur Strecke zu bringen. Das Interessante an der Sache aber war, dass dem Gegner alle Waffen erlaubt waren. Keine faire Sache auf den ersten Blick. Aber nur auf den ersten Blick. Sah man sich die Nahkämpfe an, tat einem eher der vollbewaffnete Gegner leid, der von den Feldagenten angegriffen wurde.

Für heute stand nicht mehr allzu viel auf dem Programm. In Mikes Postfach hatten sich etliche Emails angesammelt. Auch Top-Agenten blieben nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub oder vom Einsatz nicht von der Emailflut verschont. Einige ließen sich schnell bearbeiten, bei anderen las sich Mike durch seitenlange Berichte von anderen Einsätzen. Das Prinzip der Abteilung sah vor, dass die Top Agenten Zugriff auf alle Einsätze hatten. Best Practice Sharing hatte Peter zu ihm gesagt, als er ihm diese Methode erklärte. Wieder eines dieser Wörter. Aber auch Fehler wurden gnadenlos aufgedeckt. Aus Fehlern lernte man am meisten, das wusste auch die Chefetage der Abteilung. Wobei Fehler eher die Ausnahme waren. Es war schon lange her, dass ein Agent im Einsatz einen wirklichen Fehler begangen hatte. Daher war es umso wichtiger, sich diese wenigen zu verinnerlichen. Einem Schnitzer im Einsatz folgte mit allergrößter Wahrscheinlichkeit der Tod. Ein einsamer Heldentod, ohne Sterbeanzeigen in der Zeitung, ohne eine Information an die Hinterbliebenen, kein Grab, gar nichts. Das einzige was auf das Ableben deutete, war ein Vermerk in der Personalkate; „M.I.A.“, Missing in Action.

Selbstverständlich wurden die Namen und Orte anonymisiert bevor die Berichte an die Agenten weitergegeben wurden. Die Gefahr, dass ein Maulwurf die Daten aus der Abteilung schleuste, konnte nicht ausgeschlossen werden. Oder ein Agent wurde vom Feind gefangen genommen und gefoltert. Sollte es dem Feind gelingen ihn zu brechen, wären auf einen Schlag alle anderen Agenten in Lebensgefahr. Ein weiteres Prinzip der Abteilung. Man musste nicht alles wissen, sondern nur das, was für seine Arbeit wichtig war.

7

Zwei Wochen nach dem wegweisenden Treffen von Said und Ali kamen Bijan, Patrick, Bill und Ali einen Schritt weiter. Wie bei jedem ihrer Treffen tranken sie Tee. Aus dem Internet hatte sich Ali bereits viele Daten vom Hoover Damm herunter geladen. Wie von Said angewiesen, hackte er sich jedes Mal in verschiedene Netzwerke ein. Am einfachsten war es natürlich in den öffentlichen Internetcafes. Sein Kaffeekonsum war in den letzten Wochen rasant angestiegen. Aber auch gesicherte Netzwerke waren für Ali kein Problem gewesen. Der Laptop von Bill konnte tatsächlich in wenigen Minuten in ein geschütztes Netzwerk eindringen. Die MAC-Adresse des Laptops wurde von einem Spoofing Programm gefaked. Normalerweise konnte man an Hand der MAC-Adresse jede Netzwerkkarte in einem Computer weltweit eindeutig identifizieren. Ali nutzte ein Programm welches aber bei jedem Zugriff eine andere Adresse vorgaukelte. So war es ihm möglich, bei all seinen Datenabfragen keine zusammenhängenden Spuren zu hinterlassen. Das war so, als wenn man bei jeder Abfrage seinen Personalausweis vorlegen müsste. Nach einiger Zeit würde man ziemlich genau wissen, wofür sich die Person interessiert. Zeigte man aber jedes Mal einen anderen, gefälschten Ausweis, merkte keiner etwas und man konnte die Zusammenhänge nicht nachvollziehen.

Ali hatte viele Fotos vom Damm und der Umgebung heruntergeladen. Auch über die Bauweise und die Technik im Inneren wurde im Internet ausführlich berichtet. Der Damm wurde in den Jahren 1931 bis 1935 gebaut, um den Wasserhaushalt in der Region besser kontrollieren zu können. Die Staumauer wurde nach dem 31. Präsidenten der USA, Herbert C. Hoover, benannt. Der dabei aufgestaute Lake Mead war immer noch der größte Stausee in den Vereinigten Staaten von Amerika. Für die Wüstenregion ein Segen, da hier das goldene Nass Mangelware war. Umso unverständlicher für Ali, dass die Amerikaner das Wasser in der nahegelegenen Glückspielmetropole Las Vegas so vergeudeten. Er hatte sich die Bilder von den protzigen Hotels angesehen. Eines hatte eine Südseelagune mit Wellenmaschine, bei einem anderen gab es riesige Wasserfontänen und noch ein weiteres hatte einen botanischen Bestand, der einzigartig auf der Welt war. Und das mitten in der Wüste.

Ali hatte auch herausgefunden, dass bis vor kurzem noch der gesamte Straßenverkehr direkt über den Hoover Damm geführt hatte. Nach den ersten Terroranschlägen waren größere Autos allerdings auf Bomben untersucht worden. Inzwischen verlief der Verkehr aber über eine Brücke über die Schlucht. Auch ein beeindruckendes Bauwerk, fand Ali. Vielleicht konnte man dies gleich mit zerstören?

Die Umleitung über die Brücke war aber kein großer Nachteil. Patrick und Bill fanden heraus, dass selbst ein bis an die Decke mit Bomben vollgestopfter Lastwagen den Damm nur oberflächlich ankratzen könnte.

Die beiden riesigen Überlaufrohre an den Flanken faszinierten alle vier. Mit ihren 17 Metern im Durchmesser konnten sie jede Überschwemmung, die eine Gefahr für den Damm wäre, problemlos umleiten. Selbst wenn eines der beiden Rohre zum Beispiel durch ein Erdbeben verschüttet wäre, könnte das andere der Situation Herr werden. Ursprünglich waren sie gebaut worden, um das Wasser des Colorado Flusses während der Bauzeit umzuleiten.

An der Dammkrone führten zwei Brücken zu den Wassereinlauftürmen.

„Man merkt, dass die Leute vor 100 Jahren noch nicht wirklich etwas von Gebäudekonstruktion verstanden hatten“, bemerkte Bijan. „Wenn man sich den Damm anschaut, könnte man meinen, man hat die ganze Schlucht einfach ordentlich mit Beton zugegossen. Heutzutage würde man nur einen Bruchteil an Material verbauen, um dasselbe Ergebnis zu erhalten. Schaut euch doch mal die Zahlen an. Die ganze Mauer ist über 200 Meter hoch. Die obere Dicke beträgt stolze 14 Meter. Aber unten ist die Mauer über 200 Meter breit. Mit anderen Worten die ist genauso breit wie hoch. Verrückt.“

Patrick, der Waffenexperte, meldete sich zu Wort. „Das macht eine Zerstörung extrem schwierig. So viel Material muss erst mal weggesprengt werden. Eigentlich alles, was man tragen kann, einschließlich tragbarer Luftabwehrraketen, würde nur an der Oberfläche kratzen.

Wollen wir mit Sprengstoff etwas erreichen, dann brauchen wir schon extrem viel und müssen das auch noch an der richtigen Stelle platzieren. Mir würde nur einfallen, mit einem randvoll mit C4 beladenen Truck, die Brücke herunter zu stürzen. Wobei ich bezweifle, dass der Truck nahe genug an den Damm herankommen würde. Als die Amerikaner die Brücke gebaut haben, war der Schutz des Dammes sicherlich auch ein wichtiger Aspekt.“

„Genau deshalb hat Said uns ja zusammengetrommelt. Jeder von uns ist ein Profi in seinem Bereich. Wir müssen alle Möglichkeiten in Erwägung ziehen und diese am Ende bewerten. Selbst wenn wir hundert schwachsinnige Ideen haben, und eine brillante, haben wir unser Ziel erreicht“, sagte Ali.

„Was wäre mit einem kleinen Flugzeug? Könnten wir das in den Damm stürzen lassen?“, fragte Ali in die Runde.

Patrick antwortete als Erster. „Das wäre eine Möglichkeit. Stellen wir uns vor, wir könnten vor dem Einschlag zwei Raketen auf die schwächste Stelle schießen und das Flugzeug würde in der verwundeten Stelle den Rest geben.“

„Das sollten wir uns auf jeden Fall notieren. Ich kann das mal berechnen.“ Bijan gefiel die Idee sichtlich. Insgeheim fragte er sich, wer das Flugzeug fliegen sollte, aber er beschloss diese Frage nicht zu seinem Problem zu machen. Ihre Aufgabe war es nur die Möglichkeiten aufzuzeigen.

„Ich finde, Patrick und Bill sollten sich die Anlage mal aus nächster Nähe anschauen. Es gibt ja öffentliche Führungen im Damm. Vielleicht finden wir auf diese Weise noch eine Schwachstelle. Wir können dem Führer auch Fragen stellen. Mit eurem amerikanischen Aussehen erweckt ihr bestimmt kein Aufsehen.“

„Gute Idee, Ali. Patrick, lass uns morgen aufbrechen. Vielleicht sollten wir uns in Las Vegas zu einer Reisegruppe gesellen. Dann ist es noch unauffälliger.“ Bill strahlte bei dem Gedanken morgen in die Sündenstadt aufzubrechen. Auch wenn er den american way of life verabscheute, gegen ein bisschen Spaß war er nicht abgeneigt.

Bill kam gerade eine Idee. „Bijan, was denkst du? Haben wir von der Wasserseite eine Chance? Könnten wir mit einer Art U-Boot Schaden anrichten?“

„Hmm, interessant. Das sollten wir auch durchrechnen. Ich denke, dass wir dort unter Wasser in Ruhe das Ziel anvisieren und sogar Torpedos nachladen könnten. Bis uns dort einer stört, würden Stunden vergehen.“

„Dann hast du ein paar Hausaufgaben, während wir vor Ort die Lage erkunden.“

„Ok, dann verbleiben wir erst mal so. Patrick und Bill werden in den nächsten Tagen den Damm besuchen und Bijan wird alles durchrechnen. Ich versuche noch über das Netz weitere Informationen und Ideen zu bekommen.“

Ali war von den bisherigen Vorschlägen noch nicht überzeugt. Vielleicht müsste man auch ein paar Ideen kombinieren. Geduld, dachte er sich. Er war schon so weit gekommen, jetzt nichts überstürzen. Wie Said es ihm gesagt hatte, nur eine ausgeklügelte Idee würde sie zum Erfolg bringen.

8

Mike war gerade mit seinem morgendlichen Sportprogramm fertig, als er die Nachricht von einem E3-Meeting auf seinem Handy las.

Emergency Meetings waren in der Abteilung eher selten. Sie wurden in drei Kategorien unterteilt. E1 Meetings waren von absoluter Top-Priorität. Jeder, der eine solche Einladung bekam, musste unverzüglich alles stehen und liegen lassen und sich in der Abteilung einfinden. Der Grund für ein solches Meeting konnte ein entweder schon verübter oder unmittelbar bevorstehender Terroranschlag in den USA sein. E2-Meetings waren von ähnlicher Natur, wobei es sich dann aber nur um einen kleineren Fisch handeln würde oder es zeitlich nicht so dringend schien. In einem E3-Meeting wurde meistens eine drohende Terrorgefahr analysiert. Das Ergebnis wurde gerne als Entscheidungsgrundlage für die Anhebung der nationalen Terrorwarnstufe genommen. Die Anhebung auf Status „Orange“ oder „Rot“ wurde immer vorher von der Anti Terror Abteilung erörtert und dann an Homeland Security kommuniziert.

Das Meeting sollte um zwei Uhr stattfinden. Also hatte Mike noch ausreichend Zeit sich zu duschen, ein paar Vorbereitungen zu treffen und mit Amanda noch zum Mittagessen zu gehen. Seit ihrer Beförderung hatte sie sich fast nicht mehr beim Mittagessen blicken lassen. Anscheinend gab es viel zu tun. Daher war es die Idee von Mike, sie einzuladen.

Mike entschied sich für eine Lasagne. Amanda lud sich einen Taco Salat auf das Tablett. Am Fenster war noch ein Tisch frei, an den sich die beiden setzten.

„Weißt du um was es heute Nachmittag geht?“, fragte Mike neugierig.

„Ich will nicht zu viel vorwegnehmen, aber wir haben ein anormales Verhalten kommunikativer Natur aufgefangen.“

„Du sprichst gerne in Rätseln, oder? Habt ihr eine Nachricht aufgeschnappt?“

„Wirst du dann schon sehen“, grinste Amanda. Ihr schien es zu gefallen, Mike etwas zappeln zu lassen. Um aber nicht zu viel zu verraten, wechselte sie das Thema. Sie erzählte von ihrem letzten Urlaub in Florida. Dort war sie mit einer Freundin in den Sümpfen unterwegs gewesen. Die beiden hatten sich ein Paddelboot gemietet und drei Tage im Sumpf verbracht. Übernachtet hatten sie auf Stelzen gebauten Plattformen. Alligatoren und Schlangen konnten sie so im Schlaf nicht stören. Den Moskitos waren die Stelzen aber egal. Amanda erzählte, sie hätte noch nie so viele Stiche gehabt. Aber es hatte sich gelohnt. Die Ruhe und Einsamkeit wären phänomenal gewesen. An den Strand gehen konnte ja jeder.

Um Punkt zwei Uhr betrat Peter Haynes den vollbesetzten Meetingraum. Mike und Amanda saßen neben Tom und Jake. Tom, ein ehemaliger Agent, war inzwischen ein enger Berater von Peter. Er trug jeden Tag Anzug und Krawatte, selbst an dem normalerweise jeanspflichtigen Casual-Friday. Seine kurzen Haare gelte er sich nach hinten. Sein schlankes und top gepflegtes Gesicht unterstrich seinen athletischen Körperbau.

Jake gab einen guten Kontrast ab. Er war zwei Köpfe kleiner und hatte ein gut genährtes pausbäckiges Gesicht. Seine Augen wirkten wie zwei Sehschlitze. Fast hätte man meinen können, Jake wäre asiatischen Ursprungs. Seine Stoppelhaare ragten ungepflegt in den Himmel und man musste Jake gar nicht genau anschauen, um seine schlecht rasierten Barthaare zählen zu können. Äußerlich gaben die beiden ein lustiges Paar ab.

„Gentlemen, Amanda hat in den letzten Tagen und Wochen einen äußerst guten Job gemacht“, eröffnete Peter das Meeting.

„Es gab einige beunruhigende Aufzeichnungen. Amanda, deinen Bericht bitte.“

„Danke für die Lorbeeren, Peter.“ Amanda stand auf und begab sich zu der überdimensionalen Amerikakarte an der Wand.