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Kay, Gymnasiast in einer typischen Kleinstadt, hängt gerne mit Freunden ab. An einem Wochenende mit Freunden entdeckt er das alte, seit Jahren verlassene Carter-Anwesen. Einer der Freunde, John erzählt die alte Legende des Hauses. Die Gruselgeschichte des Mädchens im Spiegel. Neugierig beschließen die Freunde, das alte Gemäuer zu besuchen. Sie wollen der Legende auf den Grund gehen. Kurze Zeit später erscheint eine mysteriöse Schönheit in der Stadt und merkwürdige Dinge geschehen. Als John bestialisch ermordet wird, scheint doch etwas Wahres an der Gruselgeschichte zu sein.
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Seitenzahl: 39
Veröffentlichungsjahr: 2017
Eine kleine Nachtgeschichte
Kalte Schönheit
Monster
Im Spiegel
Bruderherz
Wahrheit und Lügen
Der Tag begann so normal. Ich war, wie immer nach der Schule, zu einem meiner Freunde gegangen und wir hatten zusammen eine schöne Zeit. Wir zockten zusammen eine Weile und genossen das Wochenende. Da unsere Eltern fort waren, übernachteten wir alle bei John. Ein 16 jähriger Gymnasiast, der wie wir, das Gymnasium in der Stadt besuchte. John war ein grosser, mutiger Kerl, mit blonden Haaren, blauen Augen und starken Armen. Die hatte er vom vielen Tennis spielen.
Sonst waren noch Luca, Nick, Aaron und ich dabei. Luca und Nick waren Zwillinge und sahen genau gleich aus. Rote Haare, braune Augen, kleine Statur und eine grosse Klappe. Sie gingen zusammen durch dick und dünn. Die beiden waren in dasselbe Mädchen verknallt gewesen und hatten sie sich darauf geeinigt, das Mädchen einfach zu teilen. Das Mädchen bemerkte es nach langer Zeit und trennte sich von den beiden.
Aaron war ein ruhiger Typ mit dunkelbraunem Haar, cremefarbener Haut und dunklen Augen. Der aus Italien stammende Junge war unser Genie und ein Denker. Er erfasste die Sachen viel schneller als wir und das wusste er. In der Schule meldete er sich nie, da ihn viele als Streber oder Ausländer beschimpften.
Da war noch ich. Ich hatte schwarze, längere Haare, hellblaue Augen und eine bleiche Haut. Ich war eher grösser gewachsen, aber kein Riese und sonst normal. Vom Charakter war ich eher lustig, ein Optimist und Realist. Die Schule schaffte ich gerade so und sonst las ich viel. Da meine Mutter alleinerziehend war, konnten wir uns keine Spielkonsole leisten. Ich verlor eh immer. Also schaute ich zu, wie die anderen mit Pistolen durch die virtuelle Gegend rannten und sich gegenseitig abknallten. Es wurde Abend und endlich legten die Zwillinge und John die Controller weg.
»Mann habe ich Hunger«, klagte Luca und stürzte sich auf das letzte Stück Pizza.
»Ich habe auch Hunger«, beschwerte ich mich und bereute es, nicht schon längst das Stück gegessen zu haben.
»Wenn du Hunger hast Kay, dann geh doch zum Kühlschrank. Dort hat es sicher etwas zum Essen« meinte John und trank einen Schluck Cola.
Ich zuckte mit den Schultern und ging zum Kühlschrank. Die Küche war nicht beleuchtet und durch das grosse Fenster schien der Mond hinein. Mein Blick fiel in den angrenzenden Wald. Der Mond beleuchtete ein altes und grosses Haus. Ich sah, dass die Scheiben eingeschlagen waren und Sprüche die Wände bedeckten.
Ich nahm mir eine gekühlte Packung Chips mit und setzte mich zu den anderen. John legte seine Chips immer in den Kühlschrank, weil er dachte, dass der Geschmack dann stärker sei. Für mich schmeckten die Chips wie immer. Gekühlt oder nicht.
»Eh, ich habe eine Frage«, begann ich.
»Schiess los«, sagte Aaron mit ruhiger Stimme. Es erstaunte mich immer wieder, wie Aaron keine Gefühle zeigte. Ich wusste nie, wie er sich fühlte.
»Das Haus, beim Waldrand. Ich habe das noch nie gesehen.« Ich nickte mit dem Kopf in Richtung Wald.
»Ach das«, sagte Nick und holte eine Taschenlampe. Er löschte das Deckenlicht, zündete die Taschenlampe an und hielt sie unter sein Gesicht.
»Das ist das alte Carter Anwesen. Vor vielen Jahren lebte ein Graf in diesem Haus«, fuhr Nick mit grusliger Stimme fort.
»Er hatte eine Frau und zwei Kinder. Einen Sohn und eine Tochter. Seine Tochter war sein ganzer Stolz. Sie war wunderschön, wie ein Engel mit blonden Haaren. Er erfüllte seinen Kindern jeden Wunsch. Eines Tages wünschte sich das Mädchen einen Spiegel. Der Vater kaufte einen Standspiegel, doch das Mädchen wollte mehr. Er baute ein Spiegelzimmer extra für sie. Das Mädchen war zufrieden. Aber nicht für lange.« Nick hob bedrohlich seinen Finger. Inzwischen klebten wir alle an seinen Lippen. Nick war der beste Geschichtenerzähler, denn ich kannte. Er fuhr weiter.
»Sie wollte mehr. Sie wollte sich immer und überall betrachten können. Aus Liebe zu seiner Tochter baute der Graf in jedem Zimmer mehrere Spiegel auf. Die Tochter gab sich zufrieden. Doch der Mutter wurden die Spiegel zu viel. Sie zog aus und besuchte ihre Kinder nur noch an den Wochenenden. Der Verlust seiner Frau beschäftigte den Grafen sehr. Er verfluchte die Spiegel, doch seine Tochter wollte noch mehr. Der Bruder wollte die Spiegel auch nicht. Und als er 16 wurde, zog er zu seiner Mutter. Der Vater blieb bei seiner Tochter. Er wollte seine Tochter glücklich machen, er bot ihr alles an, doch sie wollte nur Spiegel. Er ging zu einem Hexer und bat ihn um Hilfe. Dieser gab ihm einen kleinen Taschenspiegel. Wenn das Mädchen ihr Spiegelbild darin sähe, würde sie sich nie wieder in einem Spiegel sehen wollen.«
