Abgedroschen - Charlaine Harris - E-Book

Abgedroschen E-Book

Charlaine Harris

4,4

Beschreibung

Nicht jedem ist es vergönnt, in den mondänen Buchclub der Kleinstadt eingeladen zu werden. Als es Roes Schwägerin und Stiefschwester Poppy doch gelingt, ist sie ganz aus dem Häuschen. Noch vor dem ersten Club-Abend jedoch findet Roe Poppy tot auf dem Küchenboden. Um den Mörder dingfest zu machen, muss die Hobbydetektivin tiefer in die Familiengeschichte vordringen, als sie es sich je gewünscht hätte. Schmutzige Geschichten über Untreue in Poppys Ehe deuten gleich auf eine ganze Reihe von Verdächtigen hin, doch Auroras Leidenschaft für die Wahrheit treibt sie dem Mörder geradewegs in die Arme. Der abschließende Roman der Aurora-Teagarden-Reihe von Charlaine Harris, Bestsellerautorin der TrueBlood-Romane.

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Seitenzahl: 325

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Autorin: Charlaine Harris

Deutsch von: Jessica Becker

Lektorat: Oliver Hoffmann

Korrektorat: Lars Schiele

Umschlaggestaltung und Satz: Oliver Graute

© Charlaine Harris Schulz 2003

© der deutschen Übersetzung Feder&Schwert 2014

E-Book-Ausgabe 2014

Originaltitel: Poppy done to death

ISBN 978-3-86762-218-9

ISBN der gedruckten Ausgabe 978-3-86762-217-2

Abgedroschen ist ein Produkt von Feder&Schwert unter Lizenz von Charlaine Harris Schulz 2014. Alle Copyrights mit Ausnahme dessen an der deutschen Übersetzung liegen bei Charlaine Harris Schulz.

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck außer zu Rezensionszwecken nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

Die in diesem Buch beschriebenen Charaktere und Ereignisse sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit zwischen den Charakteren und lebenden oder toten Personen ist rein zufällig. Die Erwähnung von oder Bezugnahme auf Firmen oder Produkte auf den folgenden Seiten stellt keine Verletzung des Copyrights dar.

www.feder-und-schwert.com

Danksagung

Ich bedanke mich für den Rat wundervoller Menschen wie John Ertl, Kate Buker, Pfarrer Gary Nowlin und Michael Silverling. Ich mag ihre Informationen und Ratschläge nicht immer korrekt umgesetzt haben, doch das ist allein meine Schuld. Besonderer Dank geht an Ann Hilgeman und all die anderen echten Uppity Women.

Prolog

Ich schenkte meinem letzten Gespräch mit meiner Stiefschwägerin Poppy Queensland keinerlei Aufmerksamkeit. Obwohl ich Poppy mochte – mehr oder weniger –, war ich in erster Linie irritiert, als sie mich anrief. Ich war nur fünf Jahre älter als Poppy, doch sie gab mir das Gefühl, ich sei eine viktorianische Großmutter, und als sie mir erzählte, sie würde unsere Pläne durchkreuzen, war ich sehr … verärgert. Klingt das nicht schrecklich mürrisch?

„Hör zu“, sagte Poppy. Wie immer klang sie selbstbewusst und begeistert. Poppy stellte ihr eigenes Leben immer als wichtiger und aufregender als das aller anderen dar (auch als meines). „Ich werde zu spät kommen, also geht einfach vor. Ich treffe euch vor Ort. Haltet mir einen Platz frei.“

Später schätzte ich, dass Poppy mich ungefähr um zehn Uhr dreißig angerufen hatte, denn ich war fast bereit, das Haus zu verlassen, um erst sie und dann Melinda abzuholen. Poppy und Melinda waren die Ehefrauen meiner Stiefbrüder. Da ich meine neue Familie erst als längst Erwachsene erhalten hatte, hatten wir keinerlei gemeinsame Vergangenheit und brauchten lange, um uns aneinander zu gewöhnen. Meist stellte ich Poppy und Melinda einfach als meine Schwägerinnen vor, um diese verzwickte Erklärung zu vermeiden. In unserer Kleinstadt Lawrenceton in Georgia bedurfte es oft keiner Erklärung. Die Metropole Atlanta verschlang Lawrenceton allmählich, doch wir kannten hier immer noch jede Familiengeschichte.

Mit dem Mobiltelefon am Ohr warf ich einen Blick in den Badezimmerspiegel, um zu sehen, ob ich das Rouge auf meinen Wangen gleichmäßig aufgetragen hatte. Ich war allerdings zu sehr damit beschäftigt, mir darüber Gedanken zu machen, dass diese Planänderung unfassbar und ärgerlich war. „Ist alles in Ordnung?“, fragte ich, denn vielleicht war ja der kleine Chase krank oder Poppys Warmwasserboiler explodiert. Sicherlich konnte nur etwas wirklich Ernstes Poppy von diesem Treffen der Uppity Women fernhalten, da sie an diesem Morgen in den Club aufgenommen werden sollte. Das war im Leben einer Frau in Lawrenceton ein großes Ereignis. Poppy war zwar keine Einheimische, wohnte jedoch seit dem Teenageralter in Lawrenceton und wusste, welch eine Ehre ihr bevorstand.

Noch nicht einmal meine Mutter hatte man je gefragt, ob sie eine Uppity Woman sein wollte, obwohl meine Großmutter eine gewesen war. Meine Mutter hatte immer als zu sehr auf ihre Firma konzentriert gegolten (jedenfalls lautete so ihre Erklärung). Ich strengte mich überaus an, nicht einmal annähernd schadenfroh zu sein. Es kam nicht oft vor, dass ich etwas tat, das meine erfolgreiche, autoritäre Mutter mich bewundernd ansehen ließ.

Ich nahm an, meine Mutter hatte so hart gearbeitet, um sich in einer männerdominierten Branche zu behaupten, dass sie es nicht für sinnvoll gehalten hatte, einer Organisation beizutreten, die hauptsächlich aus Hausfrauen bestand. Das war die Ausgangslage gewesen, als sie sich ins Arbeitsleben gestürzt hatte, um ihre kleine Familie zu versorgen – mich. Die Dinge hatten sich mittlerweile geändert. Leider trat man den Uppity Women vor dem fünfundvierzigsten Lebensjahr bei oder überhaupt nicht.

Wie wurde man eine Uppity Woman? Die Qualifikationen waren nicht klar definiert. Es war eher, als verstünden sie sich von selbst. Man musste Energie und einen hohen Grad an Belastbarkeit bewiesen haben. Man musste klug oder wenigstens gerissen sein. Man musste bereit sein, seine Meinung zu äußern, obwohl das kein unabdingbares Kriterium war. Man durfte keinen Dünkel haben, weil man Jüdin, schwarz oder Presbyterianerin war. Man brauchte nicht viel Geld zu haben, sich allerdings bemühen, sich bei den Treffen angemessen zu kleiden. (Man hätte meinen sollen, eine Organisation, die unabhängige Frauen unterstützte, sei bezüglich der Kleidung sehr flexibel, doch so war es nicht.)

Man musste nicht besonders vorbildlich sein. Der Südstaaten-Standard des Akzeptablen bedeutete, man war nicht vorbestraft und schaute nicht zu offensichtlich nach den Männern anderer Frauen. Man schrieb Dankeskarten und ehrte Vater und Mutter. Man musste großes Interesse an der Erziehung seiner Kinder haben. Außerdem hatte man dafür zu sorgen, dass die Familie gut versorgt war. Es gab noch einige Zusatzqualifikationen und Nebenforderungen, was das Akzeptable anging, aber das waren die Grundvoraussetzungen. Poppy stand knapp davor, nicht akzeptabel genug für den Club zu sein, und da es eine Uppity Woman um die vierzig gab, die nur knapp von dem Vorwurf freigesprochen worden war, ihren Mann umgebracht zu haben, bedeutete das wirklich etwas.

Ich schauderte. Es war Zeit, an etwas Positives zu denken.

Immerhin mussten wir keine Hüte tragen, wie Uppity Women es in den Fünfzigerjahren getan hatten. Ein Hut wäre mir zu viel gewesen. Nichts ließ mich lächerlicher aussehen, ob mein Haar nun offen war (denn es war lang und sehr gelockt) oder ob ich es hochgebunden hatte (was meinen Kopf riesengroß aussehen ließ). Ich war froh, dass die Episkopalkirche nicht länger vorschrieb, dass Frauen im Sonntagsgottesdienst Hüte oder Schleier tragen mussten. Ich hätte jede Woche wie eine Idiotin ausgesehen.

Ich war abgeschweift, und hatte verpasst, was Poppy gesagt hatte. „Wie bitte? Was hast du gesagt?“, fragte ich.

Doch Poppy sagte: „Nicht so wichtig. Uns geht es allen gut; ich muss mich nur um etwas kümmern, bevor ich komme. Bis nachher.“

„Bis dann“, sagte ich fröhlich. „Was trägst du zum Treffen?“, fragte ich dann. Melinda hatte mich gebeten, dies zu überprüfen, da Poppy ihren Kleidungsstil betreffend zur Ausgefallenheit neigte. Ich konnte Poppy jedoch kaum dazu bringen, ihre Kleidungspläne zu ändern, wie ich Melinda erklärt hatte. Deshalb war ich mir nicht sicher, wieso ich das Gespräch noch ausdehnte. Vielleicht hatte ich ein schlechtes Gewissen, sie ausgeblendet zu haben, wenn auch nur kurz; vielleicht würde es einen Unterschied machen, wenn ich genau zuhörte.

Aber wahrscheinlich nicht.

„Oh, ich denke, ich werde dieses olivgrüne Kleid mit dem passenden Pullover tragen. Dazu meine braunen Hochhackigen. Ich bin sicher, wer immer Strumpfhosen erfunden hat, hatte einen Pakt mit dem Teufel. Ich lasse John David nicht ins Zimmer, wenn ich sie anziehe. Man sieht wie eine Idiotin aus, wenn man umherhüpft und versucht, sie genügend zu dehnen.“

„Stimmt. Dann bis zum Treffen.“ Ich registrierte, dass sie noch nicht einmal fertig angezogen war.

„Gut, haltet die Familienflagge hoch, bis ich ankomme.“

Es fühlte sich seltsam, jedoch auch irgendwie gut an, eine Familienflagge zu haben, die man hochhalten konnte, obwohl mein Einbezug künstlich war. Meine lang geschiedene Mutter, Aida Brattle Teagarden, hatte vier Jahre zuvor den Witwer John Queensland geheiratet. Melinda und Poppy waren nun ihre Schwiegertöchter, da sie mit Johns Söhnen – Avery und John David – verheiratet waren. Ich mochte die Queenslands durch die Bank, obwohl sie wahrlich alle sehr unterschiedlich waren.

Johns ältesten Sohn, Avery, mochte ich vermutlich am wenigsten. Melinda jedoch – Averys Frau und Mutter derer zwei Queenslands – wurde mir langsam zu einer echten Freundin. Zuerst hatte ich Poppy bevorzugt. Sie war unterhaltsam, heiter und hatte ein originelles, lebhaftes Wesen. Doch Melinda, die eher nüchtern war und zu trüberen Momenten neigte, stand mir inzwischen näher, während Poppy und ihr Lebensstil mir zu denken gaben. Melinda war erwachsen und fokussiert; sie hatte ihre Schüchternheit durchbrochen, um ihre Meinung zu äußern. Außerdem war sie nicht mehr so kleinlaut meiner Mutter gegenüber. Poppy, die vor nichts Angst zu haben schien, ging Risiken ein, große Risiken. Unerquickliche Risiken.

Obwohl ich also Poppys Anwesenheit genoss – sie hätte den Teufel zum Lachen bringen können –, hielt ich einen Teil von mir vor ihr fern, aus Angst, die Intimität werde ihren Verlust noch schmerzhafter machen. Offen gesagt rechnete ich damit, dass sie und John David sich innerhalb des nächsten Jahres scheiden lassen würden.

Was tatsächlich geschah, war viel schlimmer.

Kapitel 1

Melinda saß neben mir an dem Tisch gleich bei der Tür. Wir hatten das ganze Treffen lang einen Stuhl für Poppy frei gehalten, doch sie war nicht aufgetaucht. Der Raum war voller Uppity Women, die sich alle zu uns umgedreht hatten, als Poppy aufgerufen wurde und wir sagen mussten, dass sie nicht da war. Die anderen Uppitys sahen eine sehr kleine Frau Mitte dreißig mit einer unglaublichen Menge an braunem Haar und einer wundervollen, grün umrandeten Brille und eine größere, sehr schlanke, schwarzhaarige Frau des gleichen Alters, die ein schmales und annehmbares Gesicht hatte (ich war die Kleinere der beiden). Die Frauen, die ausreichend gut sahen, erkannten sicher, dass unsere Mienen die gleichen waren, gezwungenes Lächeln und trostlose Augen. Ich nahm mir vor, Poppy kräftig den Marsch zu blasen. Die Vorsitzende der Uppity Women, Teresa Stanton, warf uns einen Basiliskenblick zu.

„Dann führen wir das Treffen mit unserer Buchdiskussion fort“, sagte Teresa abgehackt und geschäftsmäßig. Teresa war geradezu aggressiv gepflegt und hatte diesen kinnlangen Haarschnitt, der nach vorne schwang, wenn man den Kopf neigte, wie sie es nun tat, um die Tagesordnung zu überprüfen. Ihr Haar folgte immer ihren Anweisungen, im Gegensatz zu meinem. Ich war sicher, dass ihr Haar Angst vor ihr hatte.

Melinda und ich verbrachten die Buchdiskussion in beschämter Stille, versuchten aber auszusehen, als hegten wir tiefsinnige Gedanken. Ich wusste nicht, was Melindas Strategie war; meine war, mich still zu verhalten, um nicht noch mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Ich musterte die gut gekleideten, intelligenten Frauen an den runden Tischen. Wenn keine von ihnen je von einem Familienmitglied versetzt worden war, konnten sie sich wirklich glücklich schätzen, fand ich. Immerhin war eine Frau nicht zu einem wichtigen, stressigen gesellschaftlichen Ereignis gekommen. Sicher war dies keine Seltenheit.

Ich flüsterte dies Melinda zwischen der Buchdiskussion und dem Mittagessen zu, und sie riss die dunklen Augen auf. „Du hast recht“, sagte sie sofort beruhigt. „Wir werden aber trotzdem bei ihr vorbeigehen, wenn das hier zu Ende ist. So etwas darf sie uns nicht noch mal antun.“

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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