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Adrian Flemming ist mit all seinen Stärken und seinen Schwächen ein bodenständiger Träumer(!?) aus der Welt von heute. Adrian gerät mit seiner Gefühlswelt zwischen zwei Frauen und von keiner kann er seine Finger lassen. Seine Gefühle und Sehnsüchte lassen ihn bald durch ein Wechselbad der Sinne gehen. Mit seinen Antworten auf die vielen Fragen und Aufgaben strapaziert er aber oftmals die Standards von Anstand und Treue doch arg. Immer ist er auf der Suche nach "der" optimalen Lösung. Einer Lösung, die das Unmögliche möglich machen soll: Seine Gefühle, seine Wünsche und der Hunger nach dem perfekten Leben sollen einen gemeinsamer Nenner finden, der Platz für zwei Frauen bietet. Aber kann das gut gehen? Kann das gut ausgehen? Noch dazu, wenn Adrian Flemming in seinem täglichen Leben mit vielen „urmännlichen“ Unzulänglichkeiten zu kämpfen hat? Aber er will ja ein starker Mann sein. Die spannenden Geschehnisse um Adrian und seine Freunde sind eingebettet in eine Welt aus Fantasy, Mystik und Realität. Die Hauptpersonen verändern teils freiwillig, immer wieder durch Zeitsprünge Zeit und Ort der Geschehnisse. Auch so wird der Weg der Gefährten zu einem Sturm an Gefühlen und Überraschungen.
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Seitenzahl: 548
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Zur Geschichte
Adrian Flemming ist mit all seinen Stärken und seinen Schwächen ein bodenständiger Träumer(!?) aus der Welt von heute. Adrian gerät mit seiner Gefühlswelt zwischen zwei Frauen und von keiner kann er seine Finger lassen. Seine Gefühle und Sehnsüchte lassen ihn bald durch ein Wechselbad der Sinne gehen. Mit seinen Antworten auf die vielen Fragen und Aufgaben strapaziert er aber oftmals die Standards von Anstand und Treue doch arg.
Immer ist er auf der Suche nach "der" optimalen Lösung. Einer Lösung, die das Unmögliche möglich machen soll: Seine Gefühle, seine Wünsche und der Hunger nach dem perfekten Leben sollen einen gemeinsamer Nenner finden, der Platz für zwei Frauen bietet. Aber kann das gut gehen? Kann das gut ausgehen? Noch dazu, wenn Adrian Flemming in seinem täglichen Leben mit vielen „urmännlichen“ Unzulänglichkeiten zu kämpfen hat? Aber er will ja ein starker Mann sein.
Die spannenden Geschehnisse um Adrian und seine Freunde sind eingebettet in eine Welt aus Fantasy, Mystik und Realität. Die Hauptpersonen verändern teils freiwillig, immer wieder durch Zeitsprünge Zeit und Ort der Geschehnisse. Auch so wird der Weg der Gefährten zu einem Sturm an Gefühlen und Überraschungen.
Die Hauptpersonen:
Ein paar grundsätzliche Dinge…..
Mein Name ist Marinus Lester Cerdic. Mit meinen Wurzeln bin ich dem süddeutschen Raum verbunden, als (Buch)Autor aber international tätig. Ich sehe mich selbst gleichermaßen als bodenständigen Realisten und Visionär zugleich.
Dieser Roman ist der Ausdruck einer vielfältigen Gefühlswelt, in die der Leser mit eintauchen soll. Die Handlung liegt etwas abseits von dem, was unser Leben Tag für Tag im Gleichmaß begleitet, auch wenn die Emotionen wie ein Schmelztiegel vieles bieten, was jeder selbst auch schon erlebt hat.
Menschen, die mit all ihren Sinnen mitfiebern, mitfreuen, mitlieben, mitleiden, können sich von einer hoffentlich süchtig machenden Welle an Reizen und Empfindungen erfassen und mitreißen lassen.
Fantasievolles Kopfkino für Erwachsene – eintauchen und (mit)genießen lautet meine Devise.
So long and enjoy the Story.
Ihr Marinus Lester Cerdic
Kapitel 1) Die Persönlichkeit Adrian Flemming
Kapitel 2) Start im Chaos
Kapitel 3) Willkommen im wo?
Kapitel 4) Auf dem Weg und die erste Begegnung
Kapitel 5) Wieder unterwegs
Kapitel 6) Quo vadis Adrian Flemming
Kapitel 7) Die Lage wird sondiert
Kapitel 8) Fragen am Berg
Kapitel 9) Auf Leben und Tod
Kapitel 10) Das Wiedersehen und Rosmarie Bericht
Kapitel 11) Das Schicksal schlägt zu
Kapitel 12) Auf der Hochebene
Kapitel 13) Am Meer
Kapitel 14) Das Orakel
Kapitel 15) Heikle Aufgaben
Kapitel 16) Badefreuden und ein neues Orakel
Kapitel 17) Ein unangenehmer Gegner
Kapitel 18) In eine neue Zeitrechnung
Kapitel 19) Rettung und ein neuer Weg
Kapitel 20) Die Zukunft liegt in der Vergangenheit
Kapitel 21) Ein dunkler Handel
Kapitel 22) Die Zeremonie
Kapitel 23) Kampf um Leben und Tod
Kapitel 24) Ein gutes Ende?
Im Grunde ist Adrian Flemming mit seinen neunundzwanzig Jahren ein aufgeweckter Junge. Gut, er ist kein kleiner Junge mehr und sollte mit beiden Beinen im Leben stehen. Eigentlich tut er das auch, na ja, vielleicht meistens, ab und zu oder doch viel zu selten?
Optisch ist er eher eine Spur zu klein geraten. Diesen Nachteil gleicht er durch sein Wesen aus. Er ist ein kleiner Giftzwerg und sehr ähnlich seinem Sternzeichen, dem Skorpion.
Und er ist ein typischer Mann. Er vergisst schon mal die eine oder andere Wichtigkeit des Lebens. Was ihm meistens aber keine Probleme bereitet. Denn erstens vergisst er nicht nur die Lösung, sondern gleich das ganze Problem mit dazu und zweitens hat er mit Rosmarie eine wunderbare Freundin und Lebensgefährtin, die seine Stärken schätzt und seine Schwächen liebevoll ausbügelt. Auch wenn sie ab und an unter der Menge leidet. Für Adrian fällt das aber meistens unter die Kategorie „Frauenschnupfen“.
Adrians Geschichte beginnt mit seinem Interesse an der Geschichte der Heimat und der Vorliebe, seine Nase in Angelegenheiten zu stecken, die ihn nichts angehen. Als Ergebnis moderner angewandter Pädagogik reifte seit der Kindheit eine Eigenschaft zur Perfektion heran: Sätze wie „das geht dich nichts an, das ist nichts für dich oder halt dich da raus“ machen ihn erst richtig heiß. Dass er sich dabei auch manchmal sein Riechorgan symbolisch wie tatsächlich verbrennt, hindert ihn nicht, es wieder und immer wieder zu tun. Auch die wirkliche Bedeutung des Wortes „Nein“ hat er in seiner Lebensweisheit noch nicht richtig umgesetzt. In dieser Beziehung kann er eine ziemliche Nervensäge sein.
Adrian sitzt in seinem Wohnzimmer. Rosmarie war gerade mit dem Einpacken für ihre Reise fertig geworden. Sie ist Gruppenleiterin der kleinsten Pfadfinder beim heimischen Stamm. Mit ihren Wölflingen soll sie für zwei Wochen an den großen See in ein Zeltlager fahren. Sie liebte die Arbeit mit den fünf bis sieben jährigen Kindern. Adrian ließ sie da gerne gewähren, denn Rosmarie freute sich dabei, wie wenn sie selbst noch ein kleines Kind wäre.
Adrian fragte ganz dienstbeflissen nochmal alles ab, was sie seiner Meinung nach unbedingt mitnehmen musste. So als wäre nicht er es, der meistens die Hälfte vergas. .
"Socken?"
"Habe ich"
"Handtuch?"
"Habe ich"
"Duschbad?"
"Habe ich"
"Zahnbürste?"
"Habe ich"
"Zahncreme?"
"Habe ich"
"Sonnenmilch mit Lichtschutzfaktor 20?"
"Habe ich"
"Sonnenmilch mit Lichtschutzfaktor 30?"
"Habe ich"
"Sonnenmilch mit Lichtschutzfaktor 50?"
"Habe ich"
Rosmarie hätte angesichts so viel sinnlosen Mitquatschens eigentlich genervt sein können. Aber sie kannte die kleinen Schwächen ihres Adrian und liebte sie auch. Dafür gab es dann schon mal die eine oder andere Retourkutsche. Als Adrian für einen Moment nichts mehr einfiel, fragte sie sich selbst laut:
"Kondome? Habe ich"
"Was? Moment," fiel ihr Adrian ins Wort, "die brauchst du nicht".
"Wieso nicht?" fragte Rosmarie mit einem hinterfotzigen Lächeln.
"Willst du das Kind eines anderen Mannes groß ziehen?"
Adrian schaute sie mit einem strengen Gesicht an: "Du brauchst die nicht, weil du in dieser Zeit enthaltsam leben wirst, Rosmarie".
"Zwei Wochen sind aber eine lange Zeit mein Schatz" flötete ihm Rosmarie ins Ohr und umarmte ihren Adrian.
"Zwei Wochen sind ziemlich lange," antwortete er, "wir sollten vielleicht noch etwas vorarbeiten." flüsterte er ihr ins Ohr zurück. Sie lächelte ihn an und schob ihn langsam vor sich her, bis sie ihn der Länge nach rückwärts auf das Sofa schuppste. Adrian blieb liegen und sah seinen Schatz lüstern an. Rosmarie setzte sich breitbeinig auf seine Hüften und zog ihr T-Shirt aus. Adrians Antwort war eine Aufforderung zu viel mehr: "Du hast noch viel zu viel an." Rosmarie lächelte ihn an, zog auch ihren BH aus und küsste ihn. "Du hast immer noch zu viel an.“ Adrians Wunschliste ging immer weiter. So lange, bis die beiden einige romantische Zeiteinheiten später genug vorgearbeitet hatten und zufrieden, eng aneinander kuschelten. Einträchtig und ruhig durfte der Abend so ausklingen.
Am nächsten Abend ist Adrian alleine zu Hause. Rosmarie hatte sich am Morgen mit ihren Wölflingen ins Lager verabschiedet. Er starrte gelangweilt aus dem Fenster. Seinem Blick nach versuchte er gerade die unzähligen kleinen Regentropfen zu zählen, die vom Himmel herunter fielen um Wiese und Straße vor dem Haus langsam nass zu machen. Adrian war enttäuscht. Eigentlich sollten morgen früh gemäß seinen Recherchen Venus und Mond eine ganz nahe Konstellation zueinander haben. Und in einer der vielen Sagen zu den heimischen Bergen hatte er das Rezept für ein Jahr voller Glück gelesen. Wenn sich diese beiden Planeten fast berühren muss man am Grasberg durch die kleine Durchgangshöhle mit dem Namen "Das Auge Gottes" kriechen und man darf dabei die beiden Planeten nie aus den Augen lassen. Dann würde man ein ganzes Jahr Glück haben.
Allerdings machten ihm nach jetzigen Stand des Wetters dicke Regenwolken einen Strich durch die Rechnung. Ob sich die Wolken bis morgen noch weit genug verziehen würden? Dafür hatte er doch auch seine Rosmarie fahren lassen, damit er mal wieder etwas total Verrücktes machen konnte. So etwas entsprach dann seiner Vorstellung von sturmfreier Bude am meisten.
Aber Adrian war wegen des schlechten Wetters und weil er alleine war, depressiv gestimmt. Er dachte weniger darüber nach, was er mit seinem Jahresglück aus der Sage alles anstellen könnte, sondern mehr, was ihm mit seinem Jahrespech alles passieren würde, wenn er beim Durchkriechen den Blickkontakt zu den beiden Planeten verlieren würde oder er wegen der dicken Regenwolken erst gar nicht gehen brauchte.
Zum Beispiel könnte er sich einen dicken Kratzer in seinem schicken kleinen Sportwagen machen. Nicht dass die zehn Jahre alte Rostlaube schon genug davon hätte, aber dieser eine Kratzer mehr wäre dann schlimm, so richtig schlimm. Oder vielleicht hätte Rosmarie nach ihrer Rückkehr eine Woche oder einen Monat lang ihre abendlichen Migräneattacken. Und damit absolut keine Lust auf Sex. Diese Katastrophe hatte er in den letzten zehn Jahren schon mindestens an zwei Abenden erlebt. Oder vor ihm stünde eine volle Maß Bier und jemand hätte ihm die Hände auf dem Rücken zusammen gebunden. Es waren so richtige schwere, männliche Probleme, die er auf sich zukommen sah. So dümpelte der Abend vor sich hin und in seinen Tagträumen durchkroch er gefühlte eintausend und einmal die Höhle, stets erfolgreich.
Als er später auf dem Sofa eingeschlafen war, hatte er einen eigentümlichen Traum: Die geisterhafte Gestalt einer weißen Frau schwebte einen halben Meter über dem Boden in seinem Zimmer und …... wow, die hatte es in sich. Adrian musste sie sich genauer ansehen. Ein optischer Mix aus den hundert sexiest-Women-of-the-world. Nur weiß, halb durchsichtig und damit auch viel zu blass um die Nase. Aber ansonsten der Hingucker. Für diesen Traum genoss er sogar die Abwesenheit von Rosmarie. Die würde neben dieser engelsgleichen schwebenden Aphrodite doch ein wenig stören. Er bewunderte eine ganze Weile diese Erscheinung. Es dauerte nochmal eine ganze Weile bis er registrierte, dass das Wesen zu ihm sprach. Und was sie sagte versetzte ihn fast in das schönste Wachkoma, das sich ein Mann in seiner Fantasie vorstellen kann: „Adrian, ich warte auf Dich, du bist der Mann für mich, ich will dich spüren, komm zu mir." Wann hatte eine solche Hammerfrau ihm solche Worte ins Ohr gesäuselt? Genau genommen noch nie und er genoss es, als sie die Worte immer und immer wieder zu ihm sprach. Dann warf sie ihm sogar eine Rose ans Bett. Adrian wollte sie auffangen, aber er stach sich an ihren blöden Dornen und die Rose fiel auf den Boden. Nur gut, dass der Schmerz ganz schnell wieder von ihrem süßen Ruf geheilt wurde. Adrian schwebte im siebten Himmel, die musste er haben.
Auf einmal wurde dieser wunderschöne Traum jäh, böse und laut unterbrochen. Die Heavy Metallband ACDC brüllte ihr „Highway to hell“ in einer ohrenbetäubenden Lautstärke zu ihm auf das Sofa. Fuck, wann hatte er sich diesen brutalen Weckruf zu so früher Stunde eingestellt?. Und wann hatte er den Wecker überhaupt aus dem Schlafzimmer ins Wohnzimmer geholt? Erinnern konnte er sich an gar nichts mehr. Also schnell den Wecker ausschalten, umdrehen und weiter träumen……….. . So sehr er sich auch bemühte, die weiße Frau war weg. Dafür brüllte nur ein paar Minuten später wieder der Wecker mit dem selben Song und wieder in der gleichen Lautstärke. Adrian setzte sich ins Bett und griff missmutig nach dem nervigen Teil. Aber kaum saß er richtig, war der Weckruf aus. Etwas verschlafen drehte er seinen Radiowecker in alle Richtungen. Was war das? Das Ding war gar nicht eingesteckt und mit Batterien konnte man den Wecker gar nicht betreiben. Adrian war verwirrt. Er war sich ohnehin sicher, den Wecker bereits beim ersten Mal den Zugang zum Saft, sprich zur Steckdose entzogen zu haben. Warum weckte er ihn dann ein zweites Mal? Und noch dazu wieder mit einem Wecklied, dass er sich nie einstellen würde.
Adrian beschloss, diesen Alptraum mit einer Tasse Kaffee hinunter zu spülen. Also stand er vom Sofa auf und ging Richtung Tür. "Aua, sch…. was war das?" Wo war er jetzt mit einem seiner Füße reingetreten? Er sah nach unten und an seinem Fuß hing noch eine Rose, die eine ihrer Dornen in seinen großen Zeh gebohrt hatte. Adrian fand, dass der Tag für ihn ziemlich blöd begann.
Zuerst operierte er sich unter großen Schmerzen, aber tapfer wie er war, ohne Vollnarkose, diesen übergroßen Fremdkörper aus seinem blutüberströmten Bein, zumindest aus seiner Sicht. Objektiv betrachtet zog er nur kurz am Rosenstengel und ein ganz kleiner Blutstropfen kam aus seinem Zeh. Aber dann fiel ihm etwas ein. Er bewegte sich überhaupt nicht mehr. Vorsichtig lugte er aus den Augenwinkeln heraus in jede Ecke seines Wohnzimmers. Wo könnte die verstecke Webcam verborgen sein oder wann würde eine grölende und lachende Meute aus dem Wandschrank springen. Aber nichts davon geschah. Niemand kam und er entdeckte auch keine versteckte Kamera. Langsam begann er wieder, sich aus seiner Starre zu lösen und zu bewegen, aber noch blieb er vorsichtig und prüfte aufmerksam jeden Zentimeter.
Auch noch, als er nach dem Kaffee sich entschloss, dem Ruf "Schlaf auf mir" seines Sofas wieder zu folgen. Sein Blick wanderte dabei durch das ganze Wohnzimmer. Häähh??? Jetzt hockte diese weiße Lichtgestalt mitten auf seinem Sofa. Adrian fiel vor Schreck und Überraschung rückwärts halb auf seinen Stuhl, wollte sich am Tischtuch festhalten und zog mit einem lauten Gescheppere die kompletten Reste seines Abendessens herunter. Eine halbe, kalte und ölige Pizza, die übrig gebliebene dunkle Balsamico Salatsoße und ein paar angerunzelte Eissalatblätter ergossen sich über ihn. Der Teller war zerbrochen, die Salatschüssel lag umgedreht auf dem Teppich und vom Tisch tropften ihm auch noch die letzten Reste aus dem umgekippten Rotweinglas auf den Kopf.
Ok, Adrian dachte er sich, jetzt ganz, ganz ruhig, Augen schließen, bis drei zählen und dann ist alles wieder gut, es war nur ein böser Traum. Aber es funktionierte nicht. Beim ersten Mal nicht, beim zweiten Mal nicht und auch der dritte Versuch brachte nicht den erhofften Erfolg. Die Schweinerei war und blieb Realität, nur die weiße Frau war jetzt weg.
Ding dong, ding dong schellte jetzt auch noch die Wohnungstüre. "Was kommt jetzt noch?" dachte sich Adrian und schlich langsam zur Türe und öffnete. Vor ihm stand mitten in der Nacht, im alten verwaschenen Bademantel die Nachbarin mit einem ziemlich bösen Blick. Optisch war sie die Mischung aus einer dreitausend Jahre alten ägyptischen Mumie und einer terminatorähnlichen Kampflesbe. Er sah sie schon zur Schimpftirade einatmen, aber dann stockte ihr aus irgendeinem Grund der Atem. Wo blieb das erwartete Donnerwetter? Dafür hörte er nur „Hör zum kiffen auf und geh ganz ruhig wieder ins Bett. Und diesmal bleibt es ganz leise klar! Euch Männer kann man wirklich nicht alleine lassen. Ach ja und viel Spaß beim Putzen.“ Vor allem aus den letzten Worten klang eine unüberhörbare Schadenfreude mit. Adrian schloss die Türe. Blöde Zicke, dachte er, selbst ungeöffnet zurück gehen, aber das bessere Geschlecht mitten in der Nacht vom Schlaf abhalten.
Adrian schlich langsam ins Badezimmer. Allerdings gab sein Spiegelbild dort nicht ganz das wieder, was er sich erwartet hatte. Seine naturgegebene Schönheit hatte unter der Pizza und der Salatsoße etwas gelitten. Er ärgerte sich, weil er insgeheim dem schon halb kompostierten Werwolf von nebenan auch noch Recht geben musste. Das einzige was er im Moment in seinem Leben knapp an der Perfektion hatte, war die Schweinerei, die sich in seinem Wohnzimmer verteilte.
Also an die Arbeit, dachte er sich. Als erstes zog er die Vorhänge auf. Was für ein Zettel klebte da am Fenster? Ein gelbes Postit mit ein paar handgeschriebenen Sätzen war am Fenster befestigt. Adrian nahm den Zettel ab und las: "Du hast das Zeichen der Liebe mit deinem Blut getränkt. Damit sind unsere Seelen verbunden. Ich warte auf Dich in der Schleife der Zeit."
"Oh nein", entfuhr es ihm, "diese Waschmittelerscheinung war ja auch noch da, oder besser war dagewesen." Meinte die jetzt mit seinem Blut den Stich in die Hand den er glaubte nur geträumt zu haben oder den Stich in seinem Zeh?
Er sah sich nochmals im Wohnzimmer um. Aber außer dem Chaos war nichts mehr da. Eines wurde ihm aber schnell klar. Wenn jetzt Rosmarie kommen würde, hätte er in einer Nacht mit der dritten Frau Ärger. Blöde Weiber, für heute reicht es wirklich. „Ich habe gesagt, ihr könnt mich alle mal“ brüllte er halblaut durchs Wohnzimmer. Aber niemand fühlte sich angesprochen. Adrian begann jetzt vorsichtshalber systematisch noch einmal jeden Winkel der Wohnung abzusuchen. Das Schlafzimmer, die Küche, das Bad, das Wohnzimmer. Aber er fand nichts, gar nichts. Dann riss er, immer noch sauer auf alles, den Vorhang zur Balkontüre auf. Auch diesen musste er kontrollieren. Auch hier nur ein leeres Nichts, nicht mal ein zweites Postit. Er sah nach draußen auf die Straße, auch sie war leer. Niemand, keine Leute, keine weißen Geister, keine weiblichen russischen Kampfschwadronen wie die von nebenan oder ähnliches wollten sich an seinem Leid erheitern.
Er wollte schon etwas enttäuscht die Balkontür schließen, da viel ihm der Mond auf. Und er sah auch die Venus, die sich dem Mond näherte. Adrian blickte verstohlen auf die Uhr. Sakradi, der Regen war weg, die Regenwolken waren weg und mit ein bisschen Tempo könnte er es noch rechtzeitig auf den Heuberg schaffen. Sein Blick begann zu wandern. Vom Mond zur Schweinerei, hin und her, immer wieder. Was sollte er jetzt machen? In die Berge gehen oder putzen. Putzen oder in die Berge gehen? Rosmarie würde frühestens in einigen Tagen wieder kommen, die Schweinerei wäre heute Nachmittag auch noch da, nur die Chance auf den Mond mit der Venus wäre in ein paar Stunden vorbei. Gut, für die im Teppich eingetrocknete Salatsoße müsste er sich noch eine plausible Erklärung einfallen lassen, aber denken könnte er ja nach dem Berg gehen, wenn er wieder zu Hause ist.
Adrian entschied für sich, "Flott, ab in die Berge! Und zum ersten Mal in dieser Nacht fühlte er sich wieder gut. Putzen ist ja auch eher was für Frauen. Schnell wie sonst nur ganz selten, packte er seinen Rucksack. Den ganzen Laib Brot, um sich ein paar Scheiben abzuschneiden hatte er keine Zeit mehr, eine Plastikflasche mit Wasser, ein paar schon abgelaufene Würste für die Hand, ein übrig gebliebenes Brotzeitei, eine Flasche Bier, seine Berg-Tex-Multifunktionsjacke, Bergwanderkarten, sein Smartphone und sein GPS-Gerät, seine Bergschuhe und ab zum Auto. Diesmal musste er auch nur einmal umkehren um nochmal in den zweiten Stock in die Wohnung laufen. Ohne Autoschlüssel bockte sein Auto zu sehr beim anlassen. Aber ansonsten war alles dabei und es versprach mehr und mehr ein perfekter Morgen in den Bergen zu werden. Auf dem Weg von der Stadt zum Berg überlegte er nur noch, wofür eigentlich die Flasche Bier genau war, aber eigentlich machte man doch mit einer Flasche Bier im Rucksack nichts verkehrt. Frauen hätten doch auch überall ihren Lippenstift dabei um sich zu schminken und das Bier schminkte in halt innerlich. Adrian war zufrieden mit sich und seiner Welt.
Und es flutschte erst einmal so weiter, bis zum Wanderparkplatz hinter dem kleinen Weiler. Von dort ging es zu Fuß weiter Richtung Gipfel. Vorbei an den zwei Almen, die wegen der nächtlichen Stunde logischerweise noch nicht geöffnet waren. Den eigentlichen neunzig Minuten-Weg bis zum Eingang des Auge Gottes, schaffte er sogar fünfzehn Minuten schneller als sonst. Er erreichte den Eingang der kurzen Durchkriechhöhle viel zu früh. Dafür ziemlich schnaufend und mit pochendem Puls. "Erst einmal kurz durchatmen und zum Himmel sehen. Geschafft, top, super," dachte er sich. Für eine letzte Konzentration blieben noch gut zehn Minuten Zeit. Dann hätten Mond und Venus den nahsten Stand zueinander erreicht und würden ihre jeweiligen Kräfte nun gebündelt auf die Erde schicken. Sein Herz klopfte zusätzlich vor Freude. Er war nur zu sehr außer Atem, um sich die vielen erhofften Glücksmomente wirklich auszumalen.
Mit einem fragenden Blick studierte er das Profil der kurzen Kriechstrecke. Die Höhle war zwar etwas kleiner als er sich das gedacht hatte, aber es sollte eigentlich gut gehen. Er musste immer mit dem Blick auf die beiden Planeten durch das Loch kriechen. Der Boden war zwar nicht wirklich sauber und links gleich am Anfang musste er an einer kleinen Wasserpfütze vorbei, aber das störte ihn nicht. Ein bisschen Opfer muss man bringen und die Waschmaschine brauchte schließlich auch ihre Daseinsberechtigung.
Adrian wartete noch einige Minuten, seine Augen wanderten vom Himmel zum Höhleneingang, zur Armbanduhr und wieder zurück, immer wieder. Seine Ohren registrierten jedes kleine Geräusch. Bei jedem kleinen Vogelgezwitscher hatte er Angst, dass noch jemand kommen würde und ihn um seine Chance bringen könnte. Oder nur um dumm daher reden zu können. Dann hatte er das Gefühl, jetzt ist der perfekte Moment gekommen. Der Moment an dem er seinem Leben einen riesigen positiven Anstoß geben wollte.
Er bückte sich auf alle viere, sah durch die kurze Höhle auf seine Zielpunkte am Himmel und hielt kurz den Atem an. Dann betonierte er förmlich seinen Blick auf die beiden Zielpunkte. Vorsichtig setzte er die rechte Hand um vielleicht dreißig Zentimeter nach vorne. Passte. Dann das linke Knie auch nach vorne. Passte auch…. oder was war das? Oh nein, Volltreffer in die kleine Dreckpfütze. Aber er blieb mit seinen Augen stur voraus am Himmel. Nur unten fühlte er, wie seine Hose langsam aber sicher das dreckige und vor allem kalte Wasser aufsaugte. Adrian dachte nur für sich: Ruhig bleiben und durch. Die linke Hand nach vorne, diesmal war der Boden vorsichtig gesagt etwas unbequem, weil ein kleiner aber spitzer Stein im Weg war. Den konnte er noch ohne Blickkontakt zum Boden wegräumen. Der rechte Fuß folgte und blieb sogar trocken. Entweder war die Pfütze nicht groß, oder seine Hose hatte schon alles aufgesogen. Wieder ging die rechte Hand nach vorne, einen ganzen Durchgang ging alles gut. Das letzte Stück, jede Hand und jedes der beiden Beine noch einmal und es würde geschafft sein. Wieder zuerst die rechte Hand. Sie griff in eine nasse, glitschige, klebrige Masse, die auch noch ziemlich übel nach verfaulten zu riechen begann. Adrian feuerte sich jetzt selbst an: "Bleib stark, nicht nachlassen." Er blieb stark, auch als sein rechtes Knie ganz zum Schluss nochmal in der selben Matsche aufsetzte. Geschafft und der Blick war immer ganz fest auf Mond und Venus geblieben.
Ein dicker Seufzer der Erlösung entfuhr ihm. Adrian stand erleichtert auf. Rums, nein, es war doch noch nicht ganz geschafft. Sein Kopf rammte mit voller Wucht den Rand der Höhle über ihn. Der harte Fels gab nicht nach und gewann das Duell. Adrian sackte benommen zusammen, griff sich an den Kopf und hatte für einen kurzen Moment das Gefühl, viele kleine Sterne und Engelchen würden um seinen Kopf tanzen. Außerdem glaubte er Rosmarie zu sehen, wie die ihm zur Strafe noch mit einem Kochlöffel nachjagte. Dabei wusste er gar nicht, dass er überhaupt einen hölzernen Kochlöffel besaß. Hatte Rosmarie am Ende neues Mobiliar gekauft?
Er blieb liegen, bis sich sein Kopf wieder besser anfühlte. Wow, war die Sonne jetzt schnell aufgegangen. Adrian verstand das helle Licht nicht gleich und blickte verstohlen auf seine Uhr. 10 Uhr 10. Vormittags? Stunden später, ach du Schreck, da war er wohl eine Zeit lang bewusstlos gewesen oder eingeschlafen, oder beides. Ganz egal, der Tag musste weiter gehen. Also hoch.
Als erstes diagnostizierte er die glitschige Masse an seiner rechten Hand, die er sich zwischenzeitlich beim Griff auf den Kopf auch noch in seine Haare geschmiert hatte, als großen, verfaulten Steinpilz. Eine dicke Nacktschnecke hatte er ins Reich des Todes befördert, aber ihre Innereien hingen gut verteilt am Knie seiner Hose und sein Kopf brummte noch ziemlich. Vorsichtig reinigte er sich die Wunde mit seiner Flasche Wasser. Beim Abtasten erwies sich die Wunde zwar als heftige Beule aber nicht als große Platzwunde. Die glitschige Masse daran war nur eine zweite Nacktschnecke, die wenigstens noch lebte. Adrian ärgerte sich über seine Dummheit. Wie sollte er das bloß Rosmarie erklären? Er hatte ihr versprochen, nicht alleine in Höhlen oder ähnliches zu gehen. Da war der Ärger schon mal vorprogrammiert.
Erst jetzt bemerkte er, dass er in ungewohnt hohem Gras vor der Höhle saß. So hoch hatte er es am Grasberg noch nie gesehen. Überhaupt schien der Bewuchs mit Bäumen und Sträuchern auf dieser Seite der Höhle wesentlich dichter zu sein als er es von der anderen Seite kannte. Der Wald war hier auch viel mehr dichter Mischwald und es gab nur wenige Fichten. Dafür mehr Wildnis, mehr abgestorbene Äste und Bäume am Boden. Eigentlich ein nicht ganz typischer Bergwald hier drüben. Komisch, das war ihm so noch nie aufgefallen. Einen richtigen Blick dafür hatte Adrian aber nicht. Er wollte erst einmal runter zu den beiden Almen und sich dort etwas erholen. Weil sie außen nicht zu umgehen waren, musste er in der Gegenrichtung wieder durch die kurze Höhle. Diesmal schaffte er den kurzen Weg sogar unfallfrei. Wirkte der Mond-Venus-Glücks-Zauber aus dem Auge Gottes tatsächlich schon? Oder lag es nur daran, dass er auch auf den Boden und die Höhlendecke schauen durfte? Adrian wusste nicht, ob er die Prüfung jetzt bestanden hatte oder ob er noch nicht ganz durch gewesen war.
Am oberen Ende der Höhle angekommen, suchte er, noch etwas benommen, den Weg, auf dem er in der Nacht herauf gekommen war. Aber es schien, als wäre dieser Weg einer rasend schnell und wild wuchernden Vegetation zum Opfer gefallen. Innerhalb von ein paar Stunden? In der Nacht konnte er sich doch nicht so verlaufen haben, denn sein Ziel hatte Adrian ja erreicht. Obwohl der den Weg nach unten auch nicht mehr fand, machte sich Adrian jetzt einfach bergab Richtung Almen auf. Und tatsächlich wurde nach ein paar Minuten weiter unten auch das erste Dach einer der beiden Almhütten sichtbar. Adrian vermisste zwar die Gäste, die normalerweise um diese Zeit schon die Holzterrasse bevölkerten, aber irgendwie war es heute sowieso ein komischer Tag. Sicher gab es dafür eine Erklärung. Adrian ging langsam und wegen seines Kopfes sehr vorsichtig, nach unten.
Sein Weg wurde jäh gestoppt. Kurz vor den Hütten blieb er versteinert stehen. Er musterte jetzt genauer die beiden ihm wohl bekannten Almhütten von oben. Er schwor jeden Eid, dass dies nie „seine“ beiden Hütten sein konnten. Er drehte sich um, aber der markante und ihm ebenfalls wohlbekannte Felsgipfel mit der kleinen Höhle lag eindeutig hinter ihm. Nur die beiden Almen lagen verlassen vor ihm. Auch den Zustand der Hütten hatte er um Welten besser im Kopf. Was er da sah, war für ihn vorsichtig gesagt, ziemlich herunter gekommen. Bei einer der beiden Almen fehlte die ganze obere Etage. Sie war nur noch ebenerdig. Was war hier los?
Adrian setzte sich ratlos ins Gras und beobachtete die beiden Almen. Erst nach einer geraumen Zeit hatte er eine Idee. Das GPS-Gerät würde ihm sagen, wo er tatsächlich war. Adrian nahm seinen Rucksack herunter und suchte sein GPS-Gerät heraus. Zum Glück hatte er zuhause noch frische Akkus eingelegt. Er startete es und bekam eine Fehlermeldung: Kein Satellit gefunden. „Blödes Gerät“ dachte er. Er startete ein zweites Mal, wieder die gleiche Fehlermeldung. Auch ein dritter Versuch scheiterte. hatten die sich mit Rosmarie verbündet? Auch über das Smartphone scheiterten alle Versuche, eine Verbindung aufzubauen. Kein Empfangssignal, wie wenn es plötzlich nicht mal ein Netz geben würde.
Ratlos und frustriert legte er beide Geräte wieder in den Rucksack zurück. Jetzt fiel ihm ganz oben ein kleiner gelber Zettel auf. Den hatte er vorher nicht gesehen. Adrian nahm ihn, klappte ihn auf und las den Satz: „Tränke das Zeichen der Liebe mit deinem Blut und dir wird meine Hilfe zuteil.“ Das war für den Moment zu viel für Adrian, er wähnte sich schon im Reich der Irrgewordenen und sah sich schon, dass er in einer Zwangsjacke den Berg hinunter geführt wurde. Er saß frustriert im Gras und schüttelte zu sich selbst nur noch den Kopf.
Es dauerte eine ganze Weile, bis er wieder anfing, seine Gedanken zu ordnen. Was konnte bei der Mond-Venus Konstellation passiert sein, als er vielleicht doch den Blickkontakt verlor? Rationell zu erklären war das alles nicht mehr. Von unten sah Adrian jetzt einen Mann herauf kommen. Er trug eine große Sense in der Hand, wirkte ansonsten aber, zu seinem Glück, ziemlich „normal“ menschlich. Je näher er kam, desto eigentümlicher wurde er jedoch wieder. Die Kleidung, die der Senner trug, schien Adrian wie aus einem anderen Jahrhundert zu kommen.
Als er auf etwa auf seiner Höhe angekommen war, sprach Adrian den Mann an: "Grüß Gott, darf ich sie fragen wie die Almen da unten heißen?" Der alte Mann erschrak. Er hatte Adrian bisher nicht bemerkt. Sein Gesicht war zerfurcht von Sonne, Wind und Arbeit. Und er riss seine Augen so weit auf, dass Adrian fast Angst bekam, sie würden aus den Augenhöhlen fallen. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit der Starre bekam Adrian stotternd eine Antwort. „Des is die Enzianalpe vom des Huber-Bauern zu Hepfendorf stammelte er (übersetzt: Das ist die Enzianalm. Sie gehört dem Landwirt Huber aus Hepfendorf). "Aha", sagte Adrian "und welchen Tag haben wir heute?". "Heit is da Dog da heiligen Kunigunde" (übersetzt: Heute ist der Namenstag der heiligen Kunigunde, also der sechzehnte Juni). Der Mann blieb noch einen Moment vor Schreck wie angewurzelt stehen, schmiss seine Sense ins Gras und rannte laut schreiend den Berg hinunter: "Marei ins Haus, da herom is a Geist." (übersetzt: Maria, der Name seiner Frau, ins Haus, hier oben ist ein Geist).
Adrian drehte sich Richtung Berg um. So ganz sicher war er nicht, ob wirklich er gemeint war. Aber er sah keinen anderen Geist und deshalb musste wohl wirklich er gemeint sein. Was war an seiner zugegeben sehr farbfrohen Multifunktionskleidung so geisterhaft? Adrian nahm seinen Rucksack und ging etwa fünfzig Meter weiter nach rechts zu ein paar Sträuchern auf einer kleinen Anhöhe. Von hier aus konnte man ihn nicht mehr sehen, er konnte selbst aber alles überblicken. Adrian kramte nochmal in seinem Rucksack. Auf seiner Bergwanderkarte sollten die Namen der Almen eingetragen sein. Und wirklich fand er seine Almen. Er war richtig und die Almhütte, die er nur als Mangeibräu-Alm kannte, war in der Karte als Enzianalm eingezeichnet. Adrian erinnerte sich, dass der Kalender in seinem Handy auch offline funktionieren müsste. Und tatsächlich zeigte dieser bei den Namenstagen für den heutigen Tag auch die Kunigunde an.
Der Tag stimmte also, jetzt wäre nur noch das Jahr interessant. Sollte er nochmal Fragen? Der Typ war zwar etwas komisch, aber fragen kostete ja wirklich nichts. Adrian übte sich bei diesem Gedanken in Sarkasmus. Mit einem erheblichen Grummeln im Bauch ging er hinunter zur Almhütte, in die der alte Senner verschwunden war. Die Alm schien wie aus einem Bauernhausmuseum. Niedrig, massive Holzbalken und die Holzschindeln am Dach wurden von großen, schweren Steinen gehalten. Die ebenfalls massive Holztür schien zwar ein wenig zu klemmen, aber Adrian brachte sie doch auf und trat ein. In der Mitte eine große, offene Feuerstelle und dahinter zwei zitternde alte Menschen, die ängstlich laut den Rosenkranz herunter rasselten.
Adrian trat etwas zur Seite, sah die beiden an und fragte sie: „Welches Jahr haben wir heute?“ Mehr wollte er ja nicht wissen. Vier weit aufgerissene Augen starrten ihn an und es schien, als hätten beide ihre Sprache verloren. Irgendwann stammelte die alte Frau langsam und kaum verständlich: "Des Jahr des Herrn 1797". Sein erster Gedanke sagte ihm, wer eine blöde Frage stellt, kriegt eine blöde Antwort. Adrian ließ seinen Blick durch die Hütte schweifen. Der Museumsnachbau war wirklich perfekt. Auch der Mief des alten Gebäudes war nicht sonderlich einladend. Mit einem immer schlechter werdenden Gewissen drängte es ihn aus der Hütte hinaus. Er stammelte nun selbst zu den beiden Alten ein "Danke" und ging rückwärts vorsichtig Schritt für Schritt aus der Hütte.
Draußen drehte er sich um und begann in die Richtung zu laufen, wo nach seiner Meinung der Weg hinunter ins Tal zum Parkplatz verlaufen sollte. Und da er zumindest einen schmalen Waldpfad fand, lief er auf diesem so schnell es seine Beine hergaben bergab. Mehrmals drehte er sich um. Er wollte sicher sein, dass ihm niemand folgte, aber er blieb auf seinem Weg alleine. Und für dieses Mal war er für die Einsamkeit dankbar. Auch wenn er noch nicht so recht einordnen konnte warum. Eine halbe Stunde Mix aus laufen, umdrehen und schnell weiter gehen später, erreichte er die Stelle, wo eigentlich der Parkplatz inklusive seinem Auto sein sollte. So richtig überrascht war er angesichts der letzten Erlebnisse nicht, dass auch der Parkplatz nicht mehr da war. Adrian stand unschlüssig und verunsichert im Wald. Er beschloss, sich zu konzentrieren und suchte sich einige Meter abseits am Waldrand eine versteckte Stelle um zu überlegen.
Mittlerweile schien ihm die Sonne angenehm warm ins Gesicht. Aber Adrian spürte sie nicht. Er überlegte krampfhaft, was passiert war und welche Optionen er für sich jetzt zum Handeln hatte. Dass das kein Gag mit der versteckten Kamera war, wurde ihm mehr und mehr klar. Spätestens die auf breiter Ebene veränderte Landschaft der Hochebene vor ihm bestätigte diese Gewissheit. Er überlegte: "Was habe ich gemacht? Ich bin gemäß der Sage als sich Mond und Venus fast berührten, durch das Auge Gottes gekrochen, später wieder in der Gegenrichtung zurück. Ihm fielen jetzt auch wieder die beiden Nachrichten auf den gelben Zetteln ein. Adrian kramte den zweiten Zettel aus seinem Rucksack. „Tränke das Zeichen der Liebe mit deinem Blut und dir wird meine Hilfe zuteil.“ Er sezierte die Worte fast, nur um sicher zu gehen, dass er den Sinn richtig verstand.
Irrationale Situationen würden vielleicht irrationales Handeln erfordern. Er könnte noch einmal zur Höhle gehen und noch einmal durch das Auge Gottes kriechen. Aber mittlerweile war es Tag und weder Mond noch Venus waren zu sehen. Außerdem waren die beiden Planeten schon so weit auseinander, dass er sie mit den Augen nicht mehr zusammen erfassen könnte. Diese Option versprach damit wenig Aussicht auf Erfolg. Blieb die Alternative aus der Zettelnachricht. Woher kamen sie und was für ein Zeichen der Liebe? Eventuell könnte er sich mit etwas Glück eine rote Rose aus einem der Gärten vom nahen Weiler klauen. Falls die im Garten Rosen hatten. Zumindest schien diese Alternative den geringeren Aufwand und die größere Erfolgschance zu bringen. Also suchten Adrians Augen einen Weg zum Weiler, auf dem er am wenigsten gesehen werden konnte. Dann machte er sich auf den Weg.
Adrian schlich sich langsam an das Gebäude heran. Südlich von der schmaleren Hausfront mit der Eingangstüre war ein Bauerngarten. Was er sah freute ihn, denn unter anderem blühte dort ein großer Strauch mit roten Rosen. Ganz vorsichtig schlich er sich die letzte Strecke bis zum Rosenstrauch an. Wie wenn er Winnetou und die Blumen feindliche Indianer oder eine riesengroße menschenfleischfressende Pflanze wären. Je näher er kam, desto mehr drohte ihm sein Herz laut schlagend aus dem Hals zu springen, so nervös wurde Adrian. Er machte noch während dem Anschleichen sein Taschenmesser bereit, um ganz schnell eine Blüte abzuschneiden und gleich wieder weglaufen zu können. Nicht dass er doch noch von diesen roten Blütenmonstern angebissen wurde. Die Eingangstüre zum Bauernhaus ließ er dabei nicht aus den Augen.
Adrian erreichte tief geduckt den Rosenstrauch. Schnell schnitt er eine Rose ab und vorsichtshalber noch eine zweite. Man konnte ja nicht wissen, nicht dass die erste gerade Masern hatte oder unpässlich war. Adrian huschte gerade um das hintere Hauseck und sprang in letzter Sekunde wieder zurück. Von etwas weiter oben kamen zwei Menschen auf den Bauernhof zu. Mist, auf welcher Seite würden die um den Hof gehen? Wo konnte er sich verstecken, um nicht entdeckt zu werden? Adrians Adrenalinspiegel stieg weiter an, auch wenn das schon fast nicht mehr möglich war. Der Blutanteil in seinem Adrenalin war mittlerweile schon in den Promillebereich gesunken. Er beobachtete die beiden Leute, um möglichst früh abschätzen zu können, wie herum sie zur Eingangstüre gehen würden. Aber sie wollten sich nicht entscheiden, zumindest nicht frühzeitig. In fast letzter Sekunde war sich Adrian sicher, dass sie ausgerechnet auf seine Seite gingen. Also musste er jetzt vorne herum an der Türe vorbei auf die andere Seite des Hauses rennen. Und er gab richtig Gas.
Aber Adrian wäre nicht Adrian, wenn das alles gut gehen würde. Genau an der Türschwelle zur Eingangstüre stolperte er, als wollte er den Rest des Weges fliegen. Er blieb an einer der hölzernen Schwellen am Eingang hängen, als er sie seitlich querte. Der Flug war viel zu kurz, die Landung umso härter und vor allem um so lauter. Mit einem Knall krachte er aufs Holz. Verborgen blieb er so sicher nicht mehr. Und von hinten näherten sich die zwei Besucher auch noch. Um sich selbst zu bemitleiden, blieb keine Zeit. Leider für Adrian. Er hechtete wieder in die Höhe. Im Schweinsgalopp rannte er jetzt mit großen Schritten weiter um aus Sichtweite zu kommen. Sekundenbruchteile nach dem er um die Ecke war, ging die Haustüre auf. Adrian hörte ein fragendes „Grias God“ (Grüß Gott). Leicht irritiert gaben die Besucher Antwort, die mittlerweile auch um die hintere Hausecke gebogen waren. "Grias de Bäuerin." (Grüß Gott Bäuerin). Warum die Bäuerin sie schon erwartete und welchem Krach sich die Besucher angekündigt hatten, ging in der allgemeinen Freude über den Besuch zum Glück für Adrian schnell unter. Die Bäuerin bat die Beiden ins Haus und hinter ihnen fiel die Türe wieder ins Schloss.
Adrian stand immer noch bewegungslos einen Meter hinter dem Hauseck. Aber sein Körper streikte, sein Knie streikte, seine Hand schmerzte und irgendwoher tropfte Blut auf den Boden. Er musste hier weg, es war nur eine Frage der Zeit bis zum nächsten Ärger. Adrian drehte sich um und erschrak fürchterlich. Hätte er sich nicht ohnehin schon halbtot gefühlt, spätestens jetzt stand er einem Herzinfarkt näher als jemals zuvor. Keine zwei Meter vor ihm starrten ihn bewegungslos zwei Kinder an. Ein Mädchen und ein Junge, beide um die acht oder zehn Jahre. Diesmal reagierte Adrians Verstand schnell. Er wusste, die beiden musste er schnellstens loswerden. Er richtete sich auf wie ein Gorilla und fauchte seine grausigste Erinnerung an das Brüllen eines Tyrannosaurus. Es half, sie bekamen zuerst einen Schreianfall und rannten dann weg. Adrian aber auch. Zuerst noch hinter ihnen her, um sicher zu sein, dass sie ihn nicht aus Neugier verfolgen würden. Aber schnell sprang er ungesehen hinter einen dichten Busch. Von dort hetzte er weiter in die Richtung, aus der er gekommen war.
Adrian rannte, blieb stehen, suchte mit seinen Augen die Umgebung nach Verfolgern ab und rannte weiter. Erst als er seinen vorherigen Platz nahe dem eigentlichen Parkplatz erreicht hatte, blieb er stehen. Hier fühlte er sich halbwegs sicher um die Lage zu sondieren. Bei allem Unglück, das er in der letzten halben Stunde hatte, war eines sein großes Glück: Sein enormer Dickkopf. Der hatte ihm verboten, die beiden Rosen loszulassen. Die hielt er immer noch verkrampft und bombenfest in seiner rechten Hand. Sie waren zwar ein klein wenig lädiert, aber für den ihnen zugedachten Dienst sollte es reichen.
Adrian saß schnaufend eine Weile in seinem Versteck, bis ihn eine aufkommende Panik zum weiter machen mahnte. Im Moment konnte er mit der Gesamtsituation alles andere als zufrieden sein. Adrian nahm eine der beiden Rosen. Mit seiner linken Hand umschloss er fest den Stiel mit seinen Dornen. Erst beim dritten Versuch hatte er die Dornen so platziert, dass sie sich schmerzhaft in seine Hand bohrten. Sch…., das tat weh. Er versuchte nicht zu früh loszulassen und als er nach unendlichen Jahrhunderten unerträglicher Schmerzen los ließ, tropfte aus zwei kleinen Wunden Blut. Nur weiter passierte noch nichts. Adrian überlegte. Bisher war ihm diese weiße Frau immer im Traum erschienen. Vielleicht müsste er schlafen. Er war zwar ziemlich aufgewühlt, aber wenn es nicht anders ginge? Adrian zog die unteren Zweige des dichten Busches neben ihm auseinander. Darunter schien es ihm sicher genug. Er platzierte seinen Rucksack unter dem Busch und richtete sich so gut wie möglich eine Schlafgelegenheit her, die von außen nicht entdeckt werden konnte.
Adrian lag eine ganze Weile mit dem Rucksack als Kopfkissen unter dem Busch. Aber der Schlaf kam erst, als er seinen knurrenden Magen mit etwas Futter aus dem Rucksack beruhigt hatte.
Einige Stunden später als es gerade dämmerte, wachte er wieder auf. Noch schlaftrunken versuchte er, sich an einen Traum zu erinnern. Aber es war keine Erinnerung da. Er hatte keinen Traum gehabt. Kein Traum, keine weiße Gestalt. Adrian saß ratlos unter seinem Busch. Er wollte überprüfen, ob sich während des Schlafes vielleicht etwas verändert hatte und kroch unter seinem Busch hervor. "Guten Morgen oder wohl besser Guten Abend". Ein Riesenschreck durchfuhr seinen Körper. Wie viele dieser Fast-Herzinfarkte konnte er noch überleben? Aber er war wach. Vor ihm saß eine alte Frau und grinste ihn aus einem zahnlosen Mund an. Einen großen Korb mit einer Decke darüber hielt sie in der Hand. "Servus", mehr brachte er erst einmal nicht heraus.
Die alte Frau schien in zu kennen. "Da hast du dir ja eine schöne Suppe eingebrockt" sprach die Alte.
"Ja, ich weiß, aber wer bist du und wo bin ich?" Adrian wusste nicht, was er zuerst fragen sollte.
"Das ist alles gar nicht so einfach. Erst einmal der Reihe nach. Ich bin die Tante, meine Nichte hast du ja schon kennen gelernt." Adrian fiel ihr ins Wort: "Diese weiße Frau ist deine Nichte?" "Ja" war die Antwort der alten Frau, "sie kann eine ziemliche Zicke sein und hat sich auch nicht immer im Griff. Aber sie ist die Einzige die dir helfen kann. Du musst sie suchen und um Hilfe bitten." "Ok" war Adrians erste Antwort, "und wie dann weiter?"
"Sie trägt ein Amulett an einem Lederband um den Hals, das brauchst du. Nimm dieses Amulett und wandere damit an der Südseite des großen Sees am Ufer entlang. An der Stelle wo es zu leuchten beginnt, gehst du ins Wasser und schwimmst auf die mittlere der drei Inseln. Und zwar genau zum westlichsten Ausläufer. Dort gehst du an Land. Auf dem kleinen Hügel am Ufer steht ein großer alter Baum. Dieser Baum war einst ein heiliger Baum und der Hügel hat heute noch die Kraft, dich wieder zurück zu bringen. Berühre seine Rinde und du bist wieder sicher in deiner Zeit. Bevor du ins Wasser gehst, musst du unter allen Umständen das Amulett mit dem weißen Stein darin zerstören, bis nichts mehr davon übrig ist. Und du darfst dich von dem Augenblick an, wo du ins Wasser gehst, bis zum Baum auf der Insel kein einziges Mal umdrehen. Ganz egal was passiert, ganz egal was du hörst, ganz egal welche Worte dir nachgerufen werden. Sonst wirkt der Zauber nicht. Kannst du dir das merken, ohne die Hälfte zu vergessen?"
"Woher kennt mich die Alte?" dachte Adrian. Aber er fragte lieber noch mal nach: "Und wo ist der Haken?" „Es gibt natürlich ein paar Probleme". Wenn Du meiner Nichte das Amulett abnimmst, musst du wissen, dass ohne dieses Amulett sehr bald ihre dunklen Kräfte zum Vorschein kommen. Sie wird dich töten. Finde einen Weg das zu verhindern. Das Amulett wird dir nur in deiner eigenen Hand die richtige Stelle zeigen. Handle so, wie es dir dein Herz befiehlt, nicht immer ist der Verstand der bessere Ratgeber. Und halte dich von allen Menschen fern, es ist besser so. Mehr kann ich dir dazu nicht sagen." Adrian wollte mehr wissen. „Wie bin ich hier her gekommen und wo bin ich?"
"Als du die beiden Planeten aus den Augen verloren hast, sind die Kräfte von Mond und Venus voll auf dich getroffen, ohne sich gegenseitig ausgleichen zu können. Dadurch bist du in der Zeit zurück gefallen, ins Ende des achtzehnten Jahrhunderts. Aber dieses Zeitvakuum ist sehr instabil. Und prüfe unbedingt wenn du wieder zurück bist, ob alles so ist wie es sein soll. Bis dahin haben auch deine Träume ebenfalls starke Kräfte, die eine Menge Unheil anrichten können. Schusselig genug für fast alles bist du ja wohl."
"Wo finde ich deine Nichte?" Die Antwort war erst einmal keine. "Ach ja, und das wirst du wohl auch brauchen." Die alte Frau mühte sich auf und reichte Adrian den Korb. Er schob die kleine Decke zur Seite und sah viele Leckereien. Speck, Brot, Milch, einiges weitere zum Essen und einen kleinen schmutzigen Stoffbeutel mit stinkendem Inhalt. Adrian roch daran. "Das ist nicht für dich". "Für wen?" fragte er, bekam aber keine Antwort. Dafür sah sie ihn verschmitzt an. "Nimm die Rose und suche nach dem Eingang zur Wohnhöhle. Entzünde im hintersten Teil der Höhle ein Feuer und verbrenne die Rose. Der Rauch wird den Eingang freigeben.“ Dann war die alte Frau weg, spurlos verschwunden. Adrian rief mehr ins Nichts "Wo ist das?" Ein letzte, kaum noch hörbare Antwort von weit weg kam noch: "Der Eingang liegt zehn Musketenschüsse westlich von hier, hinter dem Feld der alten Geister. Achte auf die Geister. Sie sind Besuchern nicht immer wohlgesonnen." Adrian fand, dass Frauen nicht weniger vergesslich waren. Schließlich hatte sie ihm nicht gesagt, für was der übelriechende Stoffbeutel war.
Adrian hatte mehr Antworten, mehr als er wirklich verarbeiten konnte. Er war verwirrt, richtig verstehen konnte er das Ganze immer noch nicht und trotzdem musste es gelingen So saß er noch eine ganze Weile regungslos unter dem Busch und tat nichts. Außer dass er hoffte, jeden Moment wieder aufzuwachen und nur einen langen, bösen Traum gehabt zu haben.
Mehr und mehr begann Adrian wieder rationell zu denken. Er packte die ganzen Essensachen in seinen Rucksack noch während er fieberhaft überlegte. Von seinen Recherchen über eine Einsiedelei in der Nähe wusste er, dass ein Musketenschuss etwa zweihundert Meter waren. Zehn Musketenschüsse waren dann etwa zwei Kilometer. Westlich von hier kannte er in ungefähr dieser Entfernung tatsächlich eine kleine Halbhöhle, im Volksmund Fuchsloch genannt. Zum ersten Mal entkam ihm ein kleines Lächeln. Laut einer Mischung aus geschichtlichen Überlieferungen und Sagen war diese Halbhöhle im Mittelalter der Wohnort eines alten Ritters, der sich aus Angst, vom Blitz erschlagen zu werden, dorthin zurückgezogen hatte. Das Feld der Geister konnte der am Ortsende von Hepfendorf gelegene alte Friedhof der Kelten sein. Über hundert keltische Gräber verteilten sich dort auf heutigen Kuhweiden. Adrian war durch diese Wiesen schon oft gegangen. Die einzigen Probleme die er dort bisher hatte, waren die Kühe und der Elektrozaun, über den man steigen musste. Das Fuchsloch lag zwanzig Gehminuten südlich oberhalb der Gräber. Er war sich sicher, dass diese Halbhöhle der richtige Ort war. Es war aber auch die einzige Höhle, die er dort kannte. Von dort wo er jetzt war konnte Adrian über das kleine Mühlbachtal Hepfendorf gut erreichen.
Adrian entschloss sich, morgen gleich mit den ersten Sonnenstrahlen aufzubrechen. Er richtete sich seinen Rucksack wieder als Kopfkissen her und schlief bald ein. Dass er dabei das mit seinem Namen gravierte kleine Taschenmesser verlor, bemerkte er nicht. Daran würde er viel später noch schmerzlich erinnert werden. Aber das ist eine ganz neue Geschichte, weit in der Zukunft.
Ausnahmsweise wachte Adrian am nächsten Morgen von alleine früh genug auf. Zuhause hätte er dazu ohne Wecker keine Chance. Er hatte Hunger. Eine ganze Nacht mit dem Kopf auf geräuchertem Speck und frischem Brot zu schlafen, war ein Generalanschlag auf seinen Magen. Also frühstückte er ein wenig, bevor er sich auf den Weg machte. Obwohl er sehr vorsichtig war und immer versuchte, Bäume, Büsche und sonstiges als Sichtschutz zu verwenden, wurde er eine ganze Zeit lang beobachtet. Aber davon bemerkte er nichts.
Nach drei Stunden hatte er das Mühlbachtal erreicht. Der Weg im Tal war in seiner Zeit eine Teerstraße, die er in maximal einer halben Stunde durchwandert hätte. Aber hier gab es keinen Weg. Zeitweise gab es nur einen kleinen Trampelpfad, aber auch dieser verlief immer wieder im Bachbett. Adrian war übervorsichtig und immer auf der Hut. Er musste weit vorausschauend gehen. Er wusste, dass vor einigen Jahrhunderten hier im Mühlbachtal Gipssteine gesammelt und in kleinen Stollen abgebaut wurden. Diese wurden dann im Dorf in den Stampfmühlen gemahlen und das Mehl zu Gips gebrannt. Und tatsächlich, an einem der kleinen Stollen musste Adrian gut zwei Stunden versteckt im dichten Wald warten, bis die Körbe der Sammler voll waren und diese den mühsamen Abstieg zurück ins Dorf begannen. Dafür zeigten sie ihm so den besten Weg und Adrian folgte ihnen vorsichtig.
Um die erste Mühle musste er einen großen weiten Bogen rechts herum machen. Der Umweg kostete ihm einiges an Zeit. Aber Adrian erinnerte sich, dass zumindest in seiner Zeit Hepfendorf sehr nahe ans Mühlbachtal heran gebaut war und es würde nicht einfach sein, durch dieses Nadelöhr zu kommen. Also entschloss er sich, gleich den ganzen Ort weitläufig zu umwandern. Er musste weit weg genug bleiben um sicher zu sein, dass ihn niemand entdecken konnte. Am südlichen Ende des Ortes warteten dann das Gräberfeld und der Weg hinauf Richtung Berg.
Er verlor bis zum Gräberfeld viel Zeit, so dass es begann, bereits dunkel zu werden. "Na super" dachte er, „jetzt im Halbdunkel durch das alte Gräberfeld. Eigentlich nicht das Problem, aber wenn ich jetzt die Kühe übersehen würde?“ Die Geister bereiteten ihm dabei noch das kleinere Problem, denn an die glaubte er nicht, eigentlich nicht.
Tief geduckt und teilweise auf allen Vieren schlich Adrian durch das Gräberfeld. Die Grabhügel nutzte er dabei als Sichtschutz. Adrian kam schneller und einfacher durch das Feld, als er sich das vorgestellt hatte. Er stolperte nicht, wurde nicht entdeckt und alles ging gut. So gut, dass Adrian, als er durch war, es nicht glauben konnte und er sich nochmal in Richtung der Gräber umdrehte. Er riss die Augen auf. Im Halbdunkel sah er zwei geisterhafte Gestalten, die ihm höhnisch zuwinkten. Adrian hatte es nicht mit Geistern, an die er eigentlich gar nicht glaubte und machte sich lieber still und leise aus dem Staub. Die ersten Schritte ging er noch ganz langsam rückwärts, dann drehte er sich um und rannte so schnell er konnte.
Er kam aber nicht weit, schon nach dem dritten oder vierten Schritt knallte er voll gegen etwas. Aber gegen was? Adrians Augen versuchten das Dunkel zu durchdringen. Es wurde noch schlimmer für ihn. Das "etwas" begann zu ihm zu sprechen: "Hast du nicht was vergessen?" Adrian überlegte. In Sekundenbruchteilen kamen seine Gehirnzellen in Höchstform. Schuhe, Jacke Rucksack, alles da. Nein, er hatte alles dabei und eigentlich auch nichts verloren. Aber irgendwie schien ihm Nein als Antwort nicht geeignet. Er konnte sich vorstellen, dass die Stimme etwas anderes hören wollte. Also fragte er lieber mal nach: "Was denn?" Adrian konnte die undeutliche Gestalt ihm gegenüber nicht definieren. "Den Zoll für das queren unseres Ahnenfeldes. Gib deine Seele oder gib das Seelenfett." Seelenfett? Häh?, was meinte dieses Gegenüber? Moment, Adrian fiel der kleine komische Stoffbeutel mit dem vermeintlichen Schmalz wieder ein, das so furchtbar stank. Den hatte ihm die alte Frau in den Korb gegeben, ohne zu sagen wofür er war. Vielleicht wäre dieses undefinierbare Etwas vor ihm damit ja zufrieden. "Ich bezahle gerne, Moment". Adrian nahm den Rucksack ab und suchte im Rucksack nach dem Stoffbeutel. Sein Blick wanderte dabei abwechselnd zwischen seinem Rucksack und der Gestalt hin und her. Aber der Rucksack war für Adrian das selbe, wie eine Handtasche für Frauen, alles ist drin aber nichts findet man. Als er den Beutel schließlich doch noch gefunden hatte, streckte sich eine Hand Richtung Adrian aus um ihn entgegen zu nehmen. Was er sah ließ ihn für einen Moment zu Stein erstarren. Eine skelettierte Knochenhand kam aus den zerrissenen Stofffetzen hervor. Adrian vergaß sogar, den Beutel loszulassen. "Was ist, hast du es dir anders überlegt?" fragte die Stimme. "Nein, nein, hier bitte“. Adrian übergab der Hand den Beutel und ging einen großen Schritt zurück. "Dann gehe jetzt deinen Weg, die Sterne werden dir den Weg nicht mehr lange leuchten. Wasser wird wieder vom Himmel fallen und Blitz und Donner werden kommen. Es ist die Zeit, in der ihr Sterblichen besser in euren Hütten bleibt.“
Adrian ließ die Gestalt keinen Augenblick aus den Augen. Erst als die Entfernung und die Dunkelheit die Erscheinung mit der hereinkommenden Nacht zur Unkenntlichkeit verschmolzen hatten, drehte er sich um. Er lief mit laut klopfenden Herzen den Anstieg zum Fuchsloch hinauf. Die Halbhöhle war an der tiefsten Stelle vielleicht zwei Meter tief. Von ganz hinten vergewisserte er sich sehr genau, dass er wirklich alleine war. Für diese Gewissheit starrten seine Augen lange und viele Löcher in die Landschaft.
Er schnaufte einige Male tief durch und suchte sich dann rund um die Höhle trockenes Holz und Laub für ein Feuer zusammen. Als es brannte, legte Adrian eine der beiden Rosen vom Weiler hinein. Das Feuer begann zu rauchen und innerhalb weniger Augenblicke wurde hinter dem Rauch der Eingang in eine Höhle sichtbar, wo vorher nur eine Felswand war. Adrian fasste vorsichtig mit der Hand hinein, um sicher zu gehen, dass da wirklich ein Loch war. Er vergewisserte sich noch mal, dass ihn niemand beobachtete und holte er die Rose aus dem Feuer bevor sie ganz verbrannt war. Vielleicht würde er sie ja nochmal brauchen.
Dann trat Adrian in die Höhle ein. Der Eingang war nur eineinhalb Meter hoch aber breit genug. Leicht gebückt erreichte er nach wenigen Metern einen großen Wohnhöhlensaal. In der Mitte loderte in einer rund gemauerten Feuerstelle ein kleines Feuer. Darüber hingen Töpfe und Wasserkessel. Auch die restliche Einrichtung der Höhle zeigte, dass sie bewohnt war.
"Na, du hast aber lange gebraucht". Eine ihm bekannte Stimme säuselte ihm verführerisch entgegen. "Komm zu mir". Adrian suchte nach dem Ursprung der Stimme. In einer großen Nische seitlich lag ein mindestens doppelbettgroßer Berg an Tierfellen und darauf lag …… die weiße Frau. Allerdings diesmal nicht in weiß als geisterhafte Erscheinung. Sondern richtig in Fleisch und Blut. Wow, Adrian hielt den Atem an. Die war ja in Natura noch heißer und schöner als er sie aus seinem Traum in Erinnerung hatte. Hoffentlich war dieses Wesen jetzt nicht wieder ein Geist.
"Du hast lange gebraucht, lass mich nicht länger warten, mach was du am meisten willst". Gut, dachte sich Adrian. Wo ist dein Kühlschrank mit dem kalten Bier? Aber er antwortete diplomatisch, während er langsam seinen Rucksack vom Rücken nahm: "Reden wir über….." Die Frau unterbrach ihn, „reden können wir später sehr viel, mach doch das, was du jetzt wirklich am meisten willst." Der verführerische Ton war unüberhörbar, mit dem sie Adrian auf die Felle locken wollte. Adrian überlegte, er war sich sehr unsicher. Das kalte Bier spukte ihm ziemlich im Hinterkopf herum.
Sie fragte nochmals nach: "Na, woran denkst du jetzt, sei ehrlich? Adrian stand immer noch stocksteif in der Mitte der Höhle und überlegte. Ehrlichkeit war jetzt wohl nicht gefragt. Aber würde nach einem solchen Tag einem richtigen Mann eine solche Frau nicht zustehen?. Aber so ganz ohne kaltes Bier und eigentlich war er wegen ganz etwas anderem hier.
Also beschloss er, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das Vergnügen musste warten. Er überlegte, wo eine Frau ihren Schmuck aufbewahren würde. Natürlich im Bad …… und geduscht hätte er jetzt eigentlich auch gerne. Adrian roch an seiner Jacke. Warum nicht das eine mit dem anderen verbinden? Das Amulett suchen und sich dabei etwas von Schweiß und Dreck säubern. "Ich würde mich gerne noch etwas frisch machen.“ Adrian setzte dabei ein sehr verführerisches Lächeln auf. Zumindest das kam gut an, denn sie lächelte zurück. "Ah, das verstehe ich. Komm mit mir." Sie stand auf, nahm seine Hand und Adrian schwebte jetzt schon im siebten Himmel hinter ihr her. Dafür hätte er jetzt fast auf sein kaltes Bier verzichtet, aber doch nur fast. Sie führte ihn in eine Ecke des Raumes zu einem kleinen Brunnen und reichte ihm einen Holzkübel. "Ich freue mich schon auf dich". Ihre zarten Finger strichen sanft um sein Kinn. Dann ging sie, ihn immer wieder verführerisch anlächelnd, zurück auf ihren Schlafplatz und streckte sich wieder in ihrer ganzen Länge quer über die Felle. Bekleidet war sie mit einem weißen, fast nachthemdähnlichen Leinen, das bis über die Knie hinunter ging, aber das bemerkte er nur so ganz am Rande.
Adrian begann zu überlegen, wie er weiter machen wollte, während er sich betont ausführlich sein Gesicht wusch. Immer wieder wanderte sein Blick zu dieser fleischgewordenen Aphrodite. Er zermarterte seinen Verstand, denn er musste das Amulett finden. Aber allzu lange konnte er weder nein sagen noch überhaupt widerstehen. Das Weib war wirklich der Wahnsinns-Oberhammer und setzte gerade dazu an, sogar sein kaltes Bier zu überholen. Ihr schien das Waschen etwas zu lange zu dauern. Sie stand nochmal auf und ging auf Adrian zu. "Na, bist du schüchtern?" Adrian versuchte irgendwie Zeit zum Überlegen zu gewinnen und antwortete mit einem knappen schüchternen "Ja".
"Na das musst du gar nicht, komm, das kriegen wir hin". Sie legte seine Hand auf ihre Schulter, drehte sich um und begann ihn langsam zu den Fellen zu ziehen. Adrian folgte, er wusste auch nicht mehr, wie er jetzt aus der Nummer rauskommen sollte, oder ob er überhaupt rauskommen wollte. Mann, war die heiß. Adrian musterte ihre Rückseite und ihre anmutigen Bewegungen, als sie mit ihm langsam zum Bett ging.
Adrian riss seine Augen auf. Aus ihrem weißen Leinentraum lugte hinten am Hals ein schwarzes Lederband hervor. „Sie trägt das Amulett um den Hals“, dachte er sich. Jetzt war das Bier endgültig überholt. Er musste alles, was er an Energie und Einfallsreichtum hatte, in sein nächstes Handeln stecken. "Warte" sagte er und stoppte die Frau. Dann zog er sie ganz nah zu sich heran. Über ihre Schulter flüsterte er ihr ins Ohr: "Du wirst gleich den Himmel auf Erden erleben. Ich verspreche einen Schritt ins Paradies, wie du ihn noch nie gemacht hast. Vor dir steht nicht nur der richtige Mann sondern auch der Beste." Wie zum Unterstreichen zog sich Adrian seine Jacke und seinen Pullover aus.
"Lass dich in meinen Bann fallen und du wirst die nächsten Stunden für mindestens zweihundert Jahre nicht vergessen." Adrian versetzte sich selbst in einen Rausch aus Größenwahn, Überlegenheit und Großspurigkeit. Er gab alles, die Hoheit über sie und in der Folge über das Amulett zu bekommen. Er musste jetzt ein richtiger Mann sein, oder werden, oder zumindest so tun als ob. Und ein kaltes Bierchen danach sollte dann auch schmecken.
Adrian stand immer noch hinter ihr, hielt ihre Hand, wanderte mit seinen Lippen von ihrem Hals auf die Wangen. Er drückte seinen Körper an ihren Rücken während er mit seinen Lippen ihren Hals liebkoste. Berechnend wie er war, wollte er damit in erster Linie das schwarze Lederband genauer untersuchen. Er umfasste ihre Taille und küsste sie innig am Nacken. Der dicke Leinenstoff gab von hinten etwas nach vorne geschoben einen guten Einblick in ihr Dekolleté und natürlich auch etwas tiefer. Aber Adrians Blick blieb am Amulett hängen. Jetzt sah er es. Sie hatte es umhängen und er musste es bekommen. Da er sich aber nicht sicher war, wie schnell sich ihre angebliche Verwandlung vollziehen würde, durfte er nicht zu früh handeln und keine Gewalt anwenden. Es musste alles zueinander passen.
Sie genoss seine Küsse am Hals. Ihr Kopf war weit nach hinten zu ihm auf die Schulter gelegt und die Augen hielt sie genießerisch geschlossen. Wenn er jetzt nicht noch einen saublöden Fehler machte…… . So wie jetzt, würde er ihr schon mit seinem Vorgeplänkel die Sinne verwirren. Er könnte alles mit ihr anstellen. Und ihr vor allem das Amulett abnehmen. Adrian hatte eine Idee um sie dabei zusätzlich zu sichern. Das müsste hinhauen.
Auf recht viel mehr hatte er es auch nicht abgesehen. Für Adrian war es eher die Frage, wie weit er gehen musste, um sein Ziel zu erreichen. Na ja, und vielleicht konnte man der getanen Arbeit ja auch noch das Vergnügen folgen lassen, mal sehen was sich ergeben würde. Adrian begann richtig aufzublühen.
Aber erst musste er die nächste Phase einläuten. Er streichelte von hinten mit seinen Händen ihre Hüften. Langsam und genüsslich wanderten sie dann über ihren Bauch nach oben. Das dicke Leinen machte das Tasten noch etwas schwierig. Es gab nicht jede Körperrundung eins zu eins wieder, aber Adrian hatte bald ein gutes Gefühl, wo das Amulett hing. Und seine Hände liebkosten immer mehr und mehr ihre Körperrundungen, so wie sie durch den dicken Stoff zu spüren waren. Während sich seine Lippen dabei in ihren Hals vergruben.
