Verlag: Books on Demand Kategorie: Sachliteratur, Reportagen, Biografien Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

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Sicherung: Wasserzeichen

E-Book-Beschreibung Ägyptomanie - Arnold Lamm

Die Idee zu dieser Biografie entstand durch das unermüdliche Fragen meiner Enkel. Die Fragen waren oft so verblüffend, dass ich spontan keine Antwort geben konnte. Durch eine ausführliche Recherche meiner Lebensabschnitte konnte ich erste Antworten erarbeiten. Erst einmal gestartet wurde die Recherche weiter intensiviert. Ein Teil der Biografie zeigt die Nachkriegsphase, bis mich die Ägyptomanie packte. Das Weihnachtsgeschenk 1978 von eurem Vater und eurer Tante (Kunst- und Reiseführer "ÄGYPTEN") von der berühmten Ägyptologin Frau Prof. Dr. Emma Brunner-Traut, entfesselte solch eine Begeisterung von der antiken Kultur, die bis heute anhält. Frau Prof. Dr. Emma Brunner-Traut hat später über meine ersten Pyramiden Bücher (Band 1 & 2) eine Rezension geschrieben und eine kurze Bemerkung aus der Rezension unserer Bücher und Bauzeichnungen von ihr sei kurz erwähnt: "Es gibt nichts Vergleichbares". In den 70er Jahren wurde unter Gleichgesinnten ein Verein gegründet (Hobby-Ägyptologen e.V.) und wir fuhren über 30 Jahre jährlich ein bis zweimal nach Ägypten, Sudan, Israel und Jordanien, zwecks Erforschung der Bauwerke, Steinbrüche und Kupferminen. Durch Vermessungen der Bauwerke, Steinbrüche und Nekropolen und der Erstellung der dazugehörigen Bauaufnahmen und Bauzeichnungen wurde die bauliche Situation erfasst und mittels Bücher archiviert.

Meinungen über das E-Book Ägyptomanie - Arnold Lamm

E-Book-Leseprobe Ägyptomanie - Arnold Lamm

Bild-Cover Vorderseite

Dahschur, Sesostris III. Pyramide (12. Dyn. um 1878 v. Chr.): Der von der Westseite angelegte Eingangsschacht geht 10 m senkrecht in die Tiefe und dann waagerecht weiter bis zur ersten Gangkammer. Der Boden ist mit polierten Rosengranitblöcken ausgelegt und die Wände und Decken aus schneeweißen Tura-Kalksteinblöcken gemauert und die Decke ist stark gewölbt. Durch den Nordgang geht es rechts in die Vorkammer. Rechter Hand, in Richtung Westen, liegt die Grabkammer mit dem an der Westwand befindlichen Sarkophag aus Rosengranit und 15 Scheintüren (siehe Bild). Links des Vorraumes geht es in das Serdab, in dem sich ein von Grabräubern geschlagenes Loch in der Wand befindet. Bei der Suche nach der Grabkammer meißelten diese vom Schachteingang der Prinzessinnen-Gräber unterhalb der Pyramide einen Gang bis in das Serdab; entdeckt wurde der Gang 1894 von Jacques de Morgan bei der Freilegung der Prinzessinnen-Gräber und somit der bis dahin unbekannten Pyramideneingang auf der Westseite.

Bilder-Cover Rückseite: Spalte oben, von links

Fritzlar (Hessen): In der Nähe lagen mein Geburtsort und die Edertalsperre. 1943 wurde die Edertalsperre durch Bomben der Royal Air Force zerstört und meine Mutter wohnte nur 10 km von der Flutwelle entfernt.

Eure Oma, als ich sie kennenlernte.

Opa, als ich Oma kennen lernte.

Einer der schönsten Tourgeschichten.

Ein Kunstwerk (Replikat) der besonderen Art.

Mehr erfahrt ihr im Buch.

Aachen: Die heißen Quellen von Aachen war der Grund von Karl dem Großen Ende des 8. Jahrhunderts hier eine Winterpfalz zu errichten. Sie wurde ständig ausgebaut, bis sie als Residenz diente. Hiervon steht noch ein Wehrturm, den die Aachener Granusturm nennen. Links das Standesamt, in dem Oma und Opa 1965 standesamtlich geheiratet haben.

Inhaltsverzeichnis

VORWORT

NACHKRIEGS PHASE

1.1 Glücksmoment 1 (Evakuierung)

1.2 Glücksmoment 2 (9 m Fallhöhe)

1.3 Glücksmoment 3 (Bombenfunde)

1.4 Glücksmoment 4 (Oma)

1.5 Schmuggler Phase

1.6 Heiz Phase

1.7 Eisen Phase

1.8 Mutproben Phase

1.9 Familien Phase

1.10 Hormon Phase

1.11 Auswanderungs Phase

1.12 Bundeswehr Phase

1.13 Montage Phase

1.14 Eifel Phase

KUNST PHASE, INSPIRIERT DURCH DIE ÄGYPTOLOGIE

2.1 Der Kosmos oder die Vertreibung aus dem Paradies

2.2 Die fünf Weltmusikanten

2.3 Von Mose bis Moses, 4000 Jahre Christentum

2.4 Brot und Spiele

2.5 Die Ruhestätte der Tränen

2.6 Die Schutzmächte des blauen Planeten

2.7 Das Felsen-Naos der Heilung

2.8 Die vier Weisheiten

2.9 Schmuck, Schutz und Machterhalt

2.10 Die Sinnlichkeit

2.11 Der Fall der Berliner Mauer

2.12 Die Ägyptologie

2.13 Die Sintflut

2.14 Die Opferung für das Jenseits

2.15 Kemet, Land der schwarzen Erde

2.16 Die letzte Ruhestätte

2.17 Salbgefäß aus dem Grabschatz von Pharao Tut Anch Amun

2.18 Road to Cairo

2.19 Modell der Cheops-Pyramide, M 1:50, Gewicht 700 Kg, H 4,0 m, B 5,0 m, T 2,5 m

2.20 Cheops-Pyramide, 3 Modelle nach 10-, 20- und 30 jähriger Bauzeit, M 1:500

2.21 Modell des Kalabscha Tors, H 3,5 m, B 2,5 m, T 1,2 m

SCHRIFTSTELLER PHASE

3.1 Band 1 & 2 – Zwei Pyramiden Bände über die antiken ägyptischen Bauwerke

3.2 Band 3 „ÄGYPTISCHE – NUBISCHE PYRAMIDEN“ von Alexandria bis Khartum

3.3 LEGO® Sammlerkatalog, 853 verschiedenartigen LEGO® Star War’s™ Figuren

SELBST ERLEBTE TERROR PHASE IN ÄGYPTEN

SELBST ERLEBTE GEFAHRENQUELLEN BEI TOUREN IN ÄGYPTEN UND IM SUDAN (BAKTERIEN, VIREN)

SCHLUSSWORT

LITERATURHINWEISE ÄGYPTOLOGIE

BERECHNUNG DER ALTERSRENTE

VORWORT

Diese Biografie ist meinen Enkeln Andre und Angelina gewidmet

Die Idee zu dieser Biografie entstand durch das unermüdliche Fragen meiner Enkel. Die Fragen waren oft so verblüffend, dass ich spontan keine Antwort geben konnte. Durch eine ausführliche Recherche meiner Lebensabschnitte konnte ich erste Antworten erarbeiten. Erst einmal gestartet wurde die Recherche weiter intensiviert.

Ein Teil der Biografie zeigt die Nachkriegsphase, bis mich die Ägyptomanie packte. Das Weihnachtsgeschenk 1978 von eurem Vater und eurer Tante (Kunst- und Reiseführer „ÄGYPTEN“) von der berühmten Ägyptologin Frau Prof. Dr. Emma Brunner-Traut, entfesselte solch eine Begeisterung von der antiken ägyptischen Kultur, die bis heute anhält. Frau Prof. Dr. Emma Brunner-Traut hat später über meine Pyramiden Bücher (Band 1 & 2) eine Rezension geschrieben und eine Bemerkung aus der Rezension über unsere Bücher und Bauzeichnungen von ihr sei kurz erwähnt: „Es gibt nichts Vergleichbares“.

In den 70er Jahren wurde unter Gleichgesinnten ein Verein gegründet (Hobby-Ägyptologen e.V.) und wir fuhren über 30 Jahre jährlich, ein bis zweimal nach Ägypten, Sudan, Israel und Jordanien, zwecks Erforschung der Bauwerke, Steinbrüche und Kupferminen. Durch Vermessungen der Bauwerke, Steinbrüche und Nekropolen und der Erstellung der dazugehörigen Bauaufnahmen und Bauzeichnungen wurden die baulichen Situationen erfasst und mittels Bücher archiviert.

Ich wünsche mir, dass ihr solch eine Begeisterung für irgendwelche Dinge des täglichen Lebens ebenfalls entwickelt und dass man das gehörte und das geschriebene Wort, ob es in Büchern oder insbesondere bei Facebook aufgenommen wird, immer kritisch hinterfragt.

Wie ihr wisst, habe ich bereits zahlreiche Bildbände erstellt, die immer imposante und schöne Dinge aufzeigen. Sie zeigen aber nicht was passieren kann, wenn man in die Länder wie Ägypten oder in den Sudan reist. Es ist zwar nicht verkaufsfördernd für dieses Buch, wenn man über eine Terror Phase, bzw. über Bakterien und Viren spricht, die aus eigener Erfahrung einem begegnen können, wenn man diese Länder bereist. Insbesondere, wenn es sich um tödliche Gefahren handelt. Ich sehe es aber als meine Pflicht an, euch auch über diese Gefahren zu informieren.

1| NACHKRIEGS PHASE

1.1 Glücksmoment 1 (Evakuierung)

Viele Kinder, insbesondere der Jahrgang 1944, dem ich angehöre, wurden in der Evakuierung geboren. Geboren wurde ich in Fritzlar (Hessen). Man nannte mich Arnold (Aachener Mundart, Nöll) nach dem berühmten Sänger und Musiker von Karl dem Großen. Er lebte im 8/9. Jahrhundert in Ginnizweiler, heute Düren-Arnoldsweiler bei Aachen. Er ist ein Heiliger der katholischen Kirche und Musiker (Harfenspieler und Sänger) am Aachener Hof von Karl dem Großen um 800 n. Chr.

Meine Mutter mit ihren vier Kindern wurde Anfang 1943 nach Fritzlar (Hessen) in der Nähe Edertalsperre evakuiert. Kurze Zeit nach der Evakuierung wurde am 17. Mai 1943 die Edertalsperre durch Bomben der Royal Air Force zerstört. Die enorme Flutwelle ging durch den Kreis Fritzlar bis nach Kassel (50 km entfernt). Die Opfer wurden auf 2000 bis 3000 geschätzt. Wenn der damalige Wohnort eurer Uroma, nur 10 km näher ans Edertal gelegen hätte, könnte diese Biografie von mir nicht geschrieben werden, weil ich 1 Jahr später geboren wurde. Ferner wäret ihr ebenfalls nicht auf der Welt.

Beim Einmarsch der amerikanischen Soldaten in meinen Geburtsort war ich wenige Monate alt. Meine Mutter, meine 3 Schwestern und mein Bruder hatten eine fürchterliche Angst vor den schwarzen Soldaten, bedingt durch die Nazi Propaganda. Sie behaupteten, dass schwarze Soldaten kleine Babys essen. Die Angst eurer Uroma ist heute noch nachvollziehbar, als ein schwarzer Soldat mich aus meinem Kinderbett (Leiterwagen) hochhob. Aber besonders die schwarzen Soldaten waren sehr kinderlieb, wie meine Schwestern berichten. Sie waren freigebig mit Kaugummi und Corned Beef Dosen. Einige Monate nach diesem Vorfall machte sich meine Mutter mit 5 Kindern (ich im Leiterwagen) zu Fuß von Fritzlar (Hessen) in Richtung unserer Heimatstadt Aachen auf (ca. 250 km).

Durch die Recherche für dieses Buch war ich nach 72 Jahren zum ersten Mal in meiner Geburtsstadt. Erstaunt musste ich erkennen, dass es nicht nur eine Dom- und Kaiserstadt ist, sondern auch eine der schönsten Kleinstädte, die ich je gesehen habe. Fritzlar ist mit einer sehr gut erhaltenen 2,7 km Stadtmauer versehen, die den mittelalterlichen Stadtkern umfasst. Eine weitere Besonderheit zählt das gut erhaltene mittelalterlich geprägte Stadtbild mit den zahlreichen Fachwerkhäusern. Die Gründung geht auf Bonifatius, der spätere Apostel der Deutschen, zurück. An diesem Standort fällte er 723 eine Eiche, die dem Gott Donar geweiht war. Die erste Bezeichnung für Fritzlar war Friedeslar (Ort des Friedens). Bonifatius errichtete eine kleine Kirche, aus der bis zum 13. Jahrhundert ein stattlicher Dom entstand. Das Rathaus entstand 1109 und ist somit das älteste urkundliche erwähnte Amtshaus in Deutschland.

Fritzlar, Marktplatz

Fritzlar, Dom St. Peter

Altes Fenster im Dom St. Peter

Heutige Edertalsperre

1.2 Glücksmoment 2 (9 m Fallhöhe)

Unsere alte Wohnung (Im Mariental) lag mitten in Aachen, zwischen dem Polizeipräsidium und dem Aachener Dom. Dieses Stadtviertel war bis zu 80 % zerstört. In unserer Wohnung im 2. Stock war im Kinderzimmer der Erker zum Teil eingestürzt und durch ein Deckenloch konnte man den Himmel sehen. Im Vergleich zu den anderen Wohnungen in unserem Viertel war diese Wohnung noch gut erhalten. Das Dach und der Erker wurden mit Nachbarschaftshilfe und einer braunen Presspappe (Kunststofffolie war noch unbekannt), sowie Holzbalken abgedichtet. Die Materialien waren in den Ruinen und Trümmern zahlreich vorhanden. Trotz Abdichtung war es im Winter 1945/46, insbesondere bei Wind, im Kinderzimmer sehr kalt. Heizung kannten wir nicht, sodass mein Bruder und ich in einem Bett geschlafen haben. Mit 3 Jahren geschah es, als ich auf unseren Balkon im 2. Geschoss zum Hof spielte und mich über das Geländer lehnte, um nach anderen Kindern zu schauen, die unten spielten. Ich stürzte 9 m kopfüber in den Hinterhof und zum Glück in einen nassen Grasboden hinein. Ich hatte keine Gehirnerschütterung und nur eine 5 cm große Platzwunde am Kopf. Das heute noch existierende Krankenhaus „Luisenhospital“ am Boxgraben lag direkt in der Nähe. Hier wurde ich als Wunder von Aachen durch den Frauensaal (20 - 25 Betten) herumgeführt. Das einzige was in Erinnerung haften geblieben ist, ich bekam von einer Frau eine Apfelsine geschenkt und wusste nicht, was ich damit anfangen sollte. Die Krankenschwester schälte sie mir und zeigte, dass sie essbar ist. Zum Krankenhaus ist zu sagen, es gab in der damaligen Zeit keine Einzelzimmer, sondern nur große Säle für Männer und Frauen. Das weibliche Pflegepersonal waren zu jener Zeit katholische Nonnen. Deshalb war die Anrede immer Schwester. Auch wenn es heute keine Nonnen mehr in den Krankenhäusern gibt, die Anrede Schwester ist geblieben.

Die Ecke des Erkers, der damals eingestürzt war, im heutigen Zustand

9 m Absturzstelle im 2. OG in einem 2 m tiefer gelegenem Hinterhof

1.3 Glücksmoment 3 (Bombenfunde)

Unser Viertel war ein Abenteuerspielplatz, soweit das Auge reichte. Wir konnten zum Dom (3 km) oder zum Kaiserplatz (4 km) nur über Trümmer oder durch Ruinen gehen. Nur die Straßen waren von Trümmern befreit. Im Viertel gab es drei Feuerlöschteiche. Der größte Teich war an der Hauptpost am Kapuzinergraben. Ein herrlicher See für unsere Floßfahrten und Piratenspiele. Meine Mutter sagte immer: „Vorsicht vor den Libellen, deren Stich kann tödlich sein.“ Sie wollte uns nur Angst machen, weil bereits in den Löschteichen Kinder ertrunken waren. Erst als junger Mann habe ich erfahren, dass Libellen keinen Stachel haben und nicht stechen können.

Als wir einen Armeeklappspaten in den Trümmern entdeckten, fing die Zeit der unterirdischen Entdeckungen an. Der Aufbau der Häuser war aus Ziegelsteinen und Holzbalkendecken. Nur die Kellerdecken und die Kellertreppen waren aus Beton. Als die Häuser wie Kartenhäuser zusammenfielen, waren die Kellerräume noch gut erhalten. Wir brauchten nur die Kellertreppe freizulegen und konnten uns dann im Keller frei bewegen. Wir dachten noch Leichen zu finden und wollten diese für die Bestattung bergen. Zur damaligen Zeit wussten wir nicht, dass die Häuser durch Mauerdurchbrüche verbunden waren und man beim Einsturz ins Nachbarhaus flüchten konnte. Bedingt durch die Buddelarbeiten wurde auch Munition gefunden. Beim Fund einer Flakgranate wurde diese sofort ins Polizeipräsidium gebracht. Es war ein Samstag, da musste man schellen und der Wachmann kam an die Türe und schloss auf. Onkel wir haben etwas gefunden und zeigten im Stolz unseren Fund. Kreidebleich schrie er, wir sollten sie vorsichtig hinlegen und uns entfernen. Aus sicherer Entfernung sahen wir, wie die komplette Wachmannschaft herauskam und die ganze Kreuzung für Autos und Fußgänger sperrte. Der Aachener nennt diese Kreuzung „Das drei Räuber Eck“. An einer Ecke ist das Polizeipräsidium, an der gegenüberliegenden Ecke das Finanzamt und da gegenüber die Villa vom Bischof. Nach kurzer Zeit kam der Opel-Blitz von der Entsorgungsstelle und nahm die Granate mit. Normalerweise darf ich es euch nicht erzählen. Wir haben in einer Ruine aus 6 m Höhe die Granate mehrmals runtergeworfen, bevor wir sie abgegeben haben. Als nichts passierte, haben wir sie bei der Polizei abgegeben. Nach 62 Jahren ist die bronzene Klingel am Eingang heute noch zu sehen. Wenn ich dort vorbeifahre, kann ich es nicht unterbinden und muss sie anschauen.

Einer der schönsten Eingangstüren von 1910 vom früheren Polizeipräsidium, das den Krieg überstanden hat. Als ich die berühmte bronzene Klingel fotografieren wollte, war sie durch eine moderne Rufanlage ausgetauscht worden. Aber das Tor und die Eingangsstufen sind noch genauso wie vor 63 Jahren. Nur die Granate auf der Stufe fehlt.

Nicht nur die Trümmer waren ein Spielparadies, sondern auch die Straßen. So gab es kein parkendes Auto und die Straßenteerdecken waren auch noch nicht vorhanden. Die Straßen waren mit Katzenköpfen (Pflastersteine) bedeckt. Dadurch konnten wir 4 Pflastersteine entfernen, um dort zwei selbst gezimmerte Tore einzusetzen. Im Mariental war auch das Eingangstor der Polizei, aus dem die Einsatzwagen zum Einsatz fuhren. Wenn das Tor aufging und das Tatütata erklang, zogen wir die Fußballtore aus der Straßenpflasterung heraus. Nachdem der grüne VW-Käfer der Polizei vorbeigefahren war, wurden die Tore wieder eingesetzt.

Über eine Verhaftung muss ich euch auch berichten. Wie bereits vorher erwähnt, liegt an der Kreuzung das drei Räuber Eck (wie die Aachener sagen). Vor dem Finanzamt war ein großer Vorplatz, auf dem wir oft Fußball gespielt haben. So geschah es, dass der Ball an einem Samstag durch die Fensterscheibe geschossen wurde und in den Räumen des Finanzamtes verschwand. Ohne Überlegung wurde eine Menschenleiter gebildet und einer der Gruppe stieg ins Finanzamt ein und holte den Ball heraus. Es dauerte noch keine 5 Minuten und wir waren von Polizisten umzingelt. Es folgte ein ausführliches Verhör. Die Scheibe mussten wir bezahlen, wobei der Vorfall als Bagatelldelikt gelöscht wurde.

In der Franzstraße, wo heute der Media Markt steht, hatte man damals ein Trümmergelände entfernt und darauf einen Parkplatz errichtet. Durch einen Stacheldraht abgezäunt, lag dahinter ein ebenes, aber noch mit Schutt übersätes Gelände. In wochenlanger Arbeit haben wir den Schutt entfernt, zwei Tore errichtet und so hatten wir einen tollen Bolzplatz. Es dauerte nur wenige Wochen, da war der Stacheldrahtzaun entfernt und auf unserem Bolzplatz standen die geparkten Autos.

Es wurde nicht nur Fußball gespielt, sondern wir haben auch die Olympischen Spiele organisiert. Das Trümmergelände im Mariental, neben dem Polizeipräsidium, hatte man entfernt. Auf diesem Gelände errichtete man später das alte Arbeitsamt. Dort fanden die Olympischen Spiele statt. Nicht nur die Sportarten der Leichtathletik wurden durchgeführt, sondern auch ein Reitturnier. Natürlich ohne Pferde. Aber eine Sportart, die ausgeführt wurde, ist bis heute einzigartig in der olympischen Geschichte. Es wurde ein Dart Turnier durchgeführt. Meine Schwester, die in Wales (Großbritannien) verheiratet war, hatte mir eine Dartscheibe mit drei Pfeilen zugeschickt. Auf dem freigeräumten Platz stand eine riesige Kastanie. An dieser wurde die Dartscheibe befestigt. Stolz waren wir, als diese Aktion mit Bildern in der Aachener Volkszeitung stand. Der Chefredakteur der Zeitung, der angrenzend am Platz wohnte, hatte diese Aktion veröffentlicht.

Aachener Dom

Wir haben viel mehr Straßenschlachten durchgeführt als die Jugendlichen heute. Im Sommer wurden samstags oder auch sonntags nach der Messe unsere Schilder und Schwerter (Stöcke) hervorgeholt und andere Straßen angegriffen. Jede Straße hatte eine Gang, wie man heute auf Neudeutsch sagt. Die heutige Brutalität von Jugendlichen ist aber erschreckend. Bei unseren zahlreichen Schlachten kam es nie vor, wenn jemand auf dem Boden lag, ihn dann noch zu treten, was heute normal ist. Aber die heutigen Jugendlichen haben keine Schuld und in einem Punkt hat Karl Marx recht, die Umwelt formt den Charakter. Man sieht es tagtäglich im Internet und im Fernsehen. Ich spreche nicht vom privaten Fernsehen (hier müsste man 50 % vom gezeigten verbieten), sondern vom öffentlich rechtlichen Fernsehen. Man betrachte nur den Tatort. Hier wird alles detailgetreu im Zeitlupenhorror gezeigt und so viel Liter Blut verspritzt, so viel Blut hat ein Mensch gar nicht. Und immer wieder sieht man Szenen, wie ein am Boden liegender Mensch getreten wird.