Alsuna Jasmin - Sonnenblume - Bridget Sabeth - E-Book

Alsuna Jasmin - Sonnenblume E-Book

Bridget Sabeth

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Beschreibung

Das Leben von Jasmin Winzer wird völlig aus der Bahn geworfen, als ihre Mutter Natascha ermordet wird und das Heimathaus in Flammen aufgeht. Kaum etwas wurde vom Feuer verschont, doch Jasmin findet ein altes Bild von ihrer Mutter und einem unbekannten Mann, stehend vor einem Sonnenblumenfeld. Könnte das ihr Vater sein, den sie nie kennenlernen durfte? Und weshalb trug die Mutter so kurz vor ihrem Tod gerade dieses Bild bei sich? Jasmin begibt sich auf Spurensuche nach dem Mörder ihrer Mama. Noch mysteriöser wird es, als sie erfährt, dass ihre Mutter über achtundzwanzig Jahre Geld auf ein Schweizer Konto transferiert hat. Diese Zeitspanne ist mit Jasmins Lebensalter identisch. Wer und was steckt dahinter? Wird Jasmin die Wahrheit erfahren? Dabei macht ihr selbst die Polizei kaum Hoffnung auf die Lösung dieses Falles, da das Feuer sämtliche Beweise vernichtet hat.

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Bridget Sabeth

Alsuna Jasmin - Sonnenblume

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog – Bad Radkersburg 1990

Nächtlicher Anruf – Ende Juni 2019

Intensivstation – Landeskrankenhaus Graz

Besuche

Befragung – Anfang Juli

Heimkehr in die Knittelfelder Wohnung

Onkel Willi

In Sorge

Ein schmerzlicher Abschied

Polizeirevier Knittelfeld

Unerfreuliches

Aufbruch nach Graz

Parkplatz – Schlafplatz

Unverständnis

Auf der Suche

Hinweise

Neue Bekanntschaften – Mitte Juli

Beim Konfuzius

Kasimir

Wetterumschwung

Wo ist Jasmin?

Unterschlupf

Vermutungen

Überraschungen

Dableiben, weitersuchen oder heimwärts fahren?

Ein neuer Hinweis

Ein guter Plan?

Mein Vater

Heimreise

Sturer als ein Esel

Endlich bei Mara und Paul

Erinnerungen

Besuch

Slowenien – Gornja Radgona

Ergebnisse – Ende Juli 2019

Wahrheiten

Oma Olga – Anfang August 2019

Mamas Tagebuch

Das Baby wächst

Besuchstermin im Gefängnis – Ende August 2019

Eine neue Zukunft? September 2019

Epilog April 2020

Weitere Werke der Autorin Bridget Sabeth

Impressum neobooks

Prolog – Bad Radkersburg 1990

Alsuna Jasmin

Sonnenblume

Bridget Sabeth

Geblendet von den Sonnenstrahlen, die sich durch das kleine Fenster in das zehn quadratmetergroße Zimmer verirrten, kniff Natascha Winzer die Lider zusammen. Oh Gott, wie spät ist es?! Genauso rasch, wie sie sich aufsetzte, sackte sie stöhnend in das Kissen zurück. In ihrem Schädel hämmerte es. Der gesamte Körper schmerzte, als ob eine heftige Verkühlung im Anmarsch wäre.

Sie massierte sich die Schläfen. Jetzt aber! Bedeutend langsamer schob sie die Beine aus dem Bett und schielte zum Wecker auf der Nachtkommode, der halb neun anzeigte. Verschlafen! Ich muss mich beeilen! Natascha versuchte, ihre Wehwehchen zu unterdrücken, atmete tief durch, ehe sie nach der vorbereiteten Kleidung am Stuhl griff und in diese hineinschlüpfte. Sie huschte in die Küche, die sie mit ihrer Zimmerkollegin Petra teilte. Natascha war erst vor zwei Wochen in das kleine Wohnheim gezogen, dass vom Hotelinhaber, für den sie beide arbeiteten, billig zur Verfügung gestellt wurde. Obwohl sie die Zimmerkollegin bloß flüchtig kannte, fanden sie einander sympathisch.

Petra würde sich in einigen Monaten in den Mutterschutz verabschieden, und es war geplant, dass Natascha ihre Dienststelle als Vertretung übernehmen sollte. Im Normalfall hatten sie beide unterschiedliche Schichtzeiten, was ein Aufeinandertreffen weiter reduzierte. Den Job als Schwangerschaftsvertretung in der Restaurantküche hätte Natascha nie bekommen, wenn sie bei der Einstellung ehrlich gewesen wäre, denn auch ihre Tage waren inzwischen seit ein paar Wochen überfällig. Der Schwangerschaftstest aus der Apotheke, den sie vorgestern gemacht hatte, war positiv ausgefallen. Doch darüber sprechen wollte sie erst, wenn sie Gewissheit durch den Frauenarzt hatte!

Natascha klappte eine Schranktür nach der anderen auf. Statt zu frühstücken, suchte sie ein Schmerzmittel. Endlich stieß sie auf einen Korb mit Medikamentenschachteln, die Petra gehörten. Paracetamol, las sie. Geht das eigentlich für Schwangere?

Natascha nestelte den Beipackzettel hervor. »Falls erforderlich, können die Tabletten in strenger Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses während der Schwangerschaft eingenommen werden.«

Das klang für Natascha nicht allzu besorgniserregend. Sie wollte keinesfalls krankfeiern, da heute im Hotel ein Hochzeitsfest mit hundertfünfzig Gästen anstand. Jede Kraft war gefragt, und ein Fernbleiben würde ihre Arbeitskollegen und vor allem den Chef verärgern. Im Großen und Ganzen unterschieden sich die Arbeiten nicht von ihrer vorherigen Stelle. Doch ihre Tätigkeit wurde besser bezahlt und dazu hatte sie mehr Möglichkeiten, ihren Liebsten zu treffen, da sie näher an der jugoslawischen Grenze untergebracht war. Janusz und sie waren noch nicht lange ein Paar, ein knappes Vierteljahr. Einige Wochen nach ihrem achtzehnten Geburtstag hatten sie sich beim Schwimmen am Teich kennengelernt. Inzwischen schmiedeten sie Zukunftspläne, träumten von einem Haus mit Garten und vielen Kindern. Wie Janusz wohl reagiert, wenn er erfährt, dass ich schwanger bin? Bestimmt rührend und liebevoll! Natascha wurde gleich ein Stück wärmer in der Brust. Entschlossen steckte sie sich das Schmerzmittel in den Mund, spülte es mit einem Glas Wasser hinunter. Vorsichtshalber schob sie die restliche Packung in ihre Handtasche.

Es gab nur ein Problem: Ihre Eltern! Begeistert würden Herr Papa und Frau Mama nicht sein, sondern sie hörte schon jetzt ihre dummen Vorurteile! Ein Jugoslawe? Ausländer können sich nicht an unsere Gepflogenheiten anpassen! Sind grob und ungebildet! Was weißt du mit achtzehn Jahren von der Liebe?

Natascha fröstelte es. Die Eltern hatten keine Ahnung davon, wie lieb Janusz zu ihr war. So zärtlich und aufmerksam! Seine funkelnden lebenslustigen Augen schauten bis in ihr Innerstes. Und wenn er sprach, mit seiner tiefen Stimme gepaart mit dem leicht fremdländischen Akzent, hätte sie ihm ewig zuhören können. Zum ersten Mal in ihrem Leben fühlte sie sich geliebt, nicht so wie daheim, wo ein hartes Regime herrschte, es kein nettes Wort gab. An eine liebevolle Umarmung der Eltern konnte sie sich nicht erinnern! Das oberste Ziel lag darin, Leistung zu erbringen, keine Schwäche einzugestehen. Besonders nachdrücklich machte das ihr Vater, der den Bruder Willi und sie mit einem Lederriemen verdrosch, wenn sie eine schlechtere Note als einen Dreier heimbrachten. Mutter schaute dabei stets weg! So wollte Natascha niemals werden!

Sie legte ihre Hand an den Unterbauch! Dich, mein Schatz, werde ich lieben! Immer! Bald habe ich eine neue Familie, kann die alte endgültig hinter mir lassen! Ich gehe nie mehr nach Zuhause zurück! Dieser Gedanke gefiel ihr. Sie musste es bloß schaffen, dass die Eltern mit der Verbindung einverstanden waren. Gewiss würden sie einer Hochzeit zustimmen, auch wenn sie noch nicht volljährig war und bevor das Kind unehelich aufwachsen müsste. Dann wäre sie befreit von der Last ihrer Eltern!

Ein flüchtiges Lächeln huschte über Nataschas Lippen. Sie stand unter Janusz’ Zauber, seit sie sich das erste Mal geliebt hatten, mitten im kühlen Wasser des Sees. Über ihnen hatte das Sternenzelt in der lauen Sommernacht geglitzert. Gut sah er mit seinem athletischen Körper obendrein aus!

So, beeil dich! Träumen kannst du später genug!, tadelte sich Natascha stumm und zog sich eine Jacke über. Sie fror trotz der ansprechenden herbstlichen Temperaturen, die jetzt, Ende Oktober, noch einmal herrliche Plusgrade aufboten. Gähnend kam ihre Zimmerkollegin Petra, die erst am Nachmittag in das Hotel musste, aus dem angrenzenden Raum. Sie machte aufgrund ihrer Schwangerschaft nur kurze Dienste und keine Nachtschichten mehr.

Petra stoppte. »Guten Morgen, heute bist du aber spät dran. Und du siehst ein bisschen blass aus.«

»Hab verschlafen. Dafür bist du aber früh auf. Zufall oder hast du vor der Arbeit noch etwas vor?« Natascha umschiffte bewusst das Thema ihres eigenen Befindens, obwohl ihr Kopf dröhnte und sie sich kränklich fühlte.

Petra langte lächelnd an ihren Bauch. »Ich treffe mich mit Joschi. Wir sind zu einem späten Frühstück verabredet. So eine Fernbeziehung ist schon komisch. Aber in wenigen Monaten wohne ich wieder fix im Haus meiner Mutter, und das ist groß genug, da kann er gleich miteinziehen.«

Natascha stierte auf das Bäuchlein ihrer Kollegin, das kaum erkennen ließ, welch süßes Geheimnis sich darin verbarg. Sie unterband den Impuls, sich ebenso über ihren zu streicheln. »Viel Spaß euch. Vielleicht können wir ja mal zu viert etwas unternehmen. Nun muss ich aber wirklich los.« Natascha fand Petra nett, und spürte, dass sich daraus eine richtige Freundschaft entwickeln konnte.

»Ja, sehr gerne. Bis später. Und nicht zu viel Stress!« Petra zwinkerte ihr zum Abschied zu.

Natascha beeilte sich. Ihr Gehweg ins Hotel dauerte knapp fünf Minuten. Dabei wurde ihr wärmer und das Zittern ließ nach. Außer Atem trat sie in die Großküche ein, die mit vielen Edelstahlflächen ausgestattet war. Der monströse Herd mit mehreren Kochplatten stand mittig. Angrenzend gab es Arbeitsflächen, an denen meist der Küchenchef persönlich hantierte.

»Ja, wird’s bald, du wirst nicht bezahlt, um dir Extra-Freiminuten zu gönnen!«, wurde sie forsch vom Chef angeschnauzt. Er hatte die Augen zu schmalen Schlitzen zusammengekniffen und fuchtelte mit einem überdimensionalen Messer, mit dem er dabei war, das Fleisch in passende Stücke aufzuschneiden. Die anderen Mitarbeiter sahen kaum auf, sondern werkelten an ihren zugedachten Plätzen.

Natascha biss sich auf die Unterlippe. Das war der Nachteil des neuen Jobs, der raue Ton! Und dieser Kerl, der sie an einen wütenden Pitbull erinnerte. Aber bald musste sie ohnehin nicht mehr hier arbeiten! Dann hatte sie ein Kind mit ihrem Traummann! Janusz! Ihr Herz machte einen Sprung, als sie an sein blondes Haar und die seeblauen Augen dachte. Sie war bis über beide Ohren verliebt. Erst letztes Wochenende waren sie über die Grenze nach Slowenien gefahren, wo er mitten in einem Sonnenblumenfeld ein romantisches Picknick für sie arrangiert hatte. Die Stunden waren viel zu schnell verflogen!

»Was ist, zwei linke Hände, oder weißt du nicht mehr, wie man sich die Schürze bindet?«, brummte der Chef mit hochrotem Kopf.

»Entschuldigung!« Natascha band schnell die losen Enden der Schürze in ihrem Rückenbereich zusammen. Vor ihr wartete ein riesiger Berg Kartoffeln, der geschält werden musste. Sie griff nach der ersten Knolle. Die Arbeit ging ihr langsamer als für gewöhnlich von der Hand. Ihr wurde heißer. Auf ihrer Stirn bildete sich ein feuchter Film, und der Schweiß sickerte beständig in die Kleidung. Ihre Hände wurden schweißnass, sodass das Abwischen an der Schürze nicht lange nutzte. Ihr Mund fühlte sich sonderbar trocken an, während die Kopfschmerzen kaum mehr spürbar waren, dafür breitete sich ein dumpfer Schmerz in ihrem Unterbauch aus.

Als sich der Chef wegdrehte, holte sich Natascha rasch ein Glas Wasser, aber auch das half ihrem Kreislauf kaum. Ihr wurde zusehends schwindliger, während sich der Berg Kartoffeln vor ihr nur unmerklich verkleinerte. Da entwischte ihr eine Knolle, schlitterte den Boden entlang.

»Entschuldigung!« Natascha hastete ihr nach, um sie von den Fliesen aufzuheben.

»Verdammt noch einmal! Reiß dich zusammen!«, ertönte es ungehalten vom Chef.

Natascha richtete sich zu rasch auf, ihr Kreislauf rebellierte und sie sank mit tanzenden grauen Punkten hinab auf den kühlen Boden.

»Geht es dir nicht gut?« Eine Kollegin trat näher, fühlte ihre Stirn. »Du glühst ja. Warum sagst du denn nichts? Werner, sie ist krank!«

Der Chef stieß einen Fluch aus. »Dann schau, dass du zum Arzt kommst! Krankes Personal kann ich nicht gebrauchen! Abmarsch!«

Die Kollegin reichte Natascha die Hand, half ihr hoch. »Du hast es gehört, leg dich ins Bett. Oder besser noch, geh zu einem Arzt. Soll dich jemand begleiten?«

»So weit kommt’s noch!«, mischte sich der Küchenchef ein. »Heute benötige ich jede Hand!«

»Danke Sandra. Nein – es ist nicht weit bis zu meiner Unterkunft.« Natascha legte die Schürze ab und war froh, den zornigen Blicken des Chefs zu entkommen. Sie ging langsam auf die Toilette, spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht. An ihrem Spiegelbild erkannte sie, dass sie blass und krank aussah. Ihre Finger tasteten nach dem Schmerzmittel. Nein, solange lag die letzte Einnahme nicht zurück, da wollte sie kein Risiko für das Ungeborene in ihrem Bauch eingehen. Sie beließ die Packung in ihrer Tasche.

Dafür wirkte der Wunsch, sich ins Bett zu legen und lange Zeit nicht mehr aufzustehen, irrsinnig verlockend. Zuvor musste sie jedoch dem verdächtigen Drang in ihrem Unterleib nachgeben. Sollte sie etwa einen Harnwegsinfekt ausbrüten? Konnte das gefährlich für eine Schwangerschaft sein? So genau wusste Natascha das nicht.

Kaum hatte sie ihr Höschen hinuntergezogen, blickte sie erstarrt auf einen frischen Blutfleck. »Aber … das Kind! Unser Kind! Das kann kein Harnwegsinfekt sein!«

Verzweifelt knüllte sie reichlich Klopapier zwischen Slip und Hose. Sie musste dringend zum Arzt, nein, am besten direkt ins Krankenhaus!

Entschlossen stapfte sie los, lief bei dem Hinterausgang des Hotels hinaus! Im Normalfall benötigte sie kaum eine Viertelstunde bis zur Klinik. Sie trat zur Bushaltestelle, schaute am zugehörigen Schild auf die Abfahrtszeiten. Der nächste Bus fuhr erst in dreißig Minuten! Da war sie zu Fuß schneller! Die Angst, um ihr Ungeborenes pumpte heißes Adrenalin durch ihre Adern, weckte ungeahnte Kräfte in ihr.

Sie querte die Straßenseite, kam an einer Hecke vorbei, als ein Stich im Unterleib sie zusammenkrümmen ließ. Natascha atmete zischend durch. Das fühlte sich alles andere als in Ordnung an! Was hatte das zu bedeuten? Hoffentlich ging es dem Baby gut! Dem kleinen Wesen, das sie schon jetzt über alles liebte! Auf das sie alle Zukunftshoffnungen setzte!

Der Herbstwind trug ihr ein männliches vertrautes Lachen zu. Janusz! Sie reckte den Kopf, um ihn zu suchen. Wenn er in der Nähe war … könnte er ihr helfen!

Da entdeckte sie ihn, auf der gegenüberliegenden Straßenseite sitzend vor einem Café. Er hielt ein anderes Mädchen im Arm! Mit blondem Haar!

Als er sich nach einem Kuss etwas zurückneigte, erkannte Natascha die Frau. Petra … ihre Zimmerkollegin.

Natascha würgte. Sie wich zurück in den schützenden Schatten, wollte nichts mehr sehen, kämpfte mit dem Begreifen! Janusz und Joschi waren dieselbe Person! Wie konnte das sein? Hatte er all die Monate ein doppeltes Spiel getrieben?

Mit verschwommenem Blick eilte sie weiter. Ja – so musste es sein! So viel hatte Natascha mitbekommen, dass Petra und ihr Joschi über Jahre miteinander verbunden waren. Sie kannten sich seit ihrer Kindheit, wuchsen im selben Ort auf, hatten sich quasi als Kinder einander versprochen. Waren somit seine Liebe und die Versprechungen bloß hohle Phrasen gewesen, Natascha für ihn ein Abenteuer?

Ein Schluchzen trieb aus ihrer Kehle. Sie stützte sich an der Mauer eines Hauses ab, tastete sich daran weiter entlang. Wollte sie überhaupt das Kind eines Hallodris? Sie horchte in sich hinein. Ja, sie empfand bereits jetzt eine bedingungslose Liebe für das Baby in ihrem Bauch. Unschuldig und rein! Natascha wollte geliebt werden, und endlich Liebe weitergeben! So viel davon trug sie in ihrem Herzen. Notfalls, auch ohne einen Kerl an ihrer Seite zu haben! Egal, wie aufgebracht die Eltern wären!

Sie blinzelte zum Krankenhaus, das sich als riesiger Komplex vor ihr erhob. Bald würde sie beim Eingang sein, in ärztlicher Obhut! Ein neuer krampfartiger Schmerz breitete sich tobend in ihr aus. Sie keuchte auf. »Bitte … bitte … bleib da, verlass mich nicht – nicht du auch noch!«

Nächtlicher Anruf – Ende Juni 2019

Es erklang das vertraute gurgelnde Geräusch, als ich auf den Knopf des silbernen Kaffeevollautomaten drückte. Sogleich lief die dunkle heiß dampfende Flüssigkeit in den vorbereiteten Becher. Ein herbes vollmundiges Aroma zog in meine Nase.

»Bitte, Jasmin, mach mir auch gleich einen«, rief mir meine Kollegin Bernadette zu, die emsig auf die Tasten des Laptops drückte, um die aktuellen Ereignisse der ersten Nachtrunde einzutragen und abzuhaken. Wir hofften beide darauf, dass die Bewohner im Seniorenheim gut schliefen, denn das bedeutete für uns einen ruhigen Dienst.

»Mach ich.« Ich tauschte den Becher. Während der nächste Kaffee heraussickerte, nippte ich vorsichtig am heißen Getränk. »Herrlich. Perfekt, um wach zu bleiben.« Ich griff nach der Kaffeetasse für Bernadette und stellte diese an ihrer Seite ab.

»Bin ja neugierig, ob Frau Huber heute wieder im Zwanzig-Minuten-Takt läutet.« Bernadette seufzte und unterließ die Eintragungen. »Gestern war sie bis zwei Uhr im Schlummerland, ehe sie ständig zur Glocke gelangt hat. Und sobald man drinnen ist, braucht sie nichts und schaut dich mit großen verständnislosen Eulenaugen an. Dafür verschläft sie dann meist den gesamten Vormittag. So geht das nicht weiter.«

Ich ließ mich auf dem Stuhl vor dem Computer nieder, um ebenso mit der Dokumentation zu beginnen. »Ich denke, wir sollten etwas Geduld haben, sie ist ja erst seit zwei Wochen bei uns, da muss sie sich eingewöhnen. Vielleicht sollten wir ausprobieren, dass Frau Huber am Abend später mit der zweiten Partie niedergelegt wird. Dennoch werde ich bei der nächsten Visite mit dem Arzt die bestehende Medikamentenliste durchsehen, vielleicht können wir da etwas anpassen.«

»Das ist eine gute Idee. Schlimm, wenn Menschen in ihrer Demenz so verloren sind, nicht mehr realisieren, wo sie sich befinden und was überhaupt los ist.«

Ich nickte. Manchmal spürte man die Ängste der Bewohner bis direkt ins eigene Herz hinein. Sie waren gefangen in ihrer Welt. Da halfen keine Erklärungen, die ohnehin nicht zu ihnen vordrangen. Oft fragte ich mich, was für ein Entsetzen sie in ihrem Kopf wieder und wieder durchmachen mussten. War es das Detonieren von Bomben im Krieg? Oder weil sie an Lederriemen versuchten, ihren Hunger zu stillen, wenn es nichts zu essen gab? Die sterbende Mutter? Oder das Lieblingstier, das geschlachtet wurde? …

Meine Fragen blieben unbeantwortet. Aber allein aus den gesammelten Daten in den Biografien wusste ich, dass die Mehrheit der Menschen in unserem Heim ein karges Leben geführt hatten. Geprägt vom Krieg und der Nachkriegszeit, Altlasten, die sie jetzt, am Lebensende mitunter verfolgten. Das einzige Mittel, das letztlich half, war Nähe: eine Umarmung, ein summendes Lied, Zeit – die meist zu kurz kam und in all unseren Dokumentationen nicht eingeplant wurde.

So eine Zeile mit dem Text: Heute eine halbe Stunde Nähe geschenkt, das müsste für mich bindend hinein und in der Pflegestufe miteingerechnet werden. Aber nein, der Alltag sah ganz anders aus und war gefüllt mit lauter Verpflichtungen, die es abzuhaken und zu dokumentieren gab: Betten machen, passende Kleidung bereitlegen, Dinge wegräumen, beim Essen helfen, in der Körperpflege unterstützen, Telefonanrufe entgegennehmen, Medikamente vorbereiten, Verbände wechseln, auf das WC setzen, mit Angehörigen sprechen, Bedarfsmittel auffüllen … und gefühlte tausend andere Dinge. Wobei sich diese Tätigkeiten pro Bewohner multiplizierten. Dennoch liebte ich den Job und die alten Menschen, die für mich über die Jahre ein Stück Familie waren.

Dumpf erklang ein Klingelton, der mich aufhorchen ließ. »Wer möchte um diese Zeit etwas von mir?« Ich eilte zu meiner Handtasche, die ich in einem Schrank verstaut hatte und zog das Handy hervor. Am Display stand Mama. Seltsam, normalerweise vergisst sie meine Dienste nie! »Hey, was gibt’s? Du, ich habe Nachtd…«

»Komm, komm bitte schnell!«, ertönte es atemlos.

»Mama, was ist los? Ich kann nicht … und ich verstehe dich schlecht.«

»Er ist wieder da!«

Ich hörte etwas zerschmettern. Die Tür, ein Fenster, oder war sie hingefallen? So genau konnte ich das nicht sagen. Innerhalb einer Sekunde griff die Panik meiner Mutter auf mich über. Mama war weder überängstlich, noch machte sie irgendwelche derben Scherze.

»Hilfe! Will … will mich umbringen! – Huch!«, stieß sie geschockt aus.

»Hast du die Polizei gerufen?!«

Statt der erhofften Antwort brach das Gespräch ab. Hektisch drückte ich auf die noch aufscheinende Telefonnummer meiner Mutter, um zurückzurufen.

»Was ist los? Du bist so bleich!« Bernadette suchte irritiert meinen Blick.

Unruhig wanderte ich im Dienstzimmer hin und her. Nach dem Piepen sprang bloß die Mobilbox an. »Irgendwer bedroht meine Mama, und nun hebt sie nicht ab! Ich muss zu ihr und nachsehen!«

»Bist du verrückt, du willst mich allein lassen? Das geht nicht!«, entgegnete Bernadette ihrerseits leicht schrill. »Das ist gesetzlich verboten! Wie soll ich sechzig Bewohner alleine versorgen! Wenn davon die Chefin Wind bekommt, fliegst du!«

»Hast du mir nicht zugehört? Meine Mutter ist in Gefahr, so wichtig kann kein Job der Welt sein! Verstehst du das nicht?«

»Geh nicht gleich vom Schlimmsten aus.«

»Ich ruf die Polizei!« Die Nummer? In meinem Kopf rotierte es. Feuerwehr ist eins, zwei, zwei – dann hat die Polizei eins, drei, drei! Ich fluchte, als ich mich in der Hektik vertippte.

Bernadette presste die Lippen unwillig zusammen, ohne etwas zu entgegnen.

»Probiere am besten einen Ersatz für mich zu bekommen! So spät ist es noch nicht, da erreichst du bestimmt jemanden von den Kollegen. Ich halte diese Ungewissheit nicht aus!« Es schien, als würde mir die Zeit davonlaufen. Hektisch nestelte ich den Autoschlüssel meines Skodas hervor. »Sorry!« Ich stürmte zur Tür hinaus, gefolgt von einem wütenden: »Du bist verantwortungslos!«, wie es mir Bernadette hinterherschickte.

Mein Herz pochte wild. Ich blieb gleich in meiner Schwesteruniform, stieg in den Wagen, der direkt neben dem Eingang parkte. Erneut wählte ich die Nummer der Polizei. Dann platzierte ich das Handy mit lautgestelltem Lautsprecher auf meinem Schoß und hoffte auf eine Verbindung. Mit durchdrehenden Reifen brauste ich los, während das Wartesignal im Telefon hörbar war.

Nach einer scheinbaren Ewigkeit erklang endlich eine männliche Stimme: »Polizeidienststelle Knittelfeld, Gruppeninspektor Berger, was kann ich für Sie tun?«

»Meine Mutter wird bedroht. Sie hat mich gerade angerufen, aber die Verbindung wurde unterbrochen. Im Hintergrund habe ich gehört, wie etwas zerschmettert ist, und ich erreiche sie nicht mehr! Bin auf den Weg zu ihr!« Ich bog von der Seitengasse in die Landesstraße ein, in wenigen Minuten würde ich mein Heimathaus in Kobenz erreichen.

»Können Sie mir den Namen Ihrer Mutter bitte nennen, und wo sie wohnhaft ist.«

Ich nickte, schalt mich eine Millisekunde später gedanklich dafür, dass ein Nicken durch das Handy nicht sichtbar und ein Beweis für mein angespanntes Nervenkostüm war. »Natascha, Natascha Winzer.« Ich drückte auf das Gaspedal, scherte mich nicht um die Geschwindigkeitsbegrenzung von siebzig Kilometer pro Stunde, während ich fast hundert draufhatte. Linksseitig vor mir lag die Abzweigung. So spät wie möglich trat ich auf die Bremse, ehe ich, ohne zu blinken, mit quietschenden Reifen die Spur wechselte.

»Sie wohnt Stockerweg 3. In Kobenz.« Ich folgte der asphaltierten Abkürzung durch den Wald, den häufig Ortsansässige benutzten und obendrein eine beliebte Fahrradstrecke war. Zum Glück musste ich nachts kaum mit einem Radler rechnen!

»Und mit wem spreche ich?«

»Jasmin Winzer – ich meine Alsuna, aber alle nennen mich Jasmin.«

»Hat Ihre Mutter sonst noch etwas gesagt?«

»Nein.«

»Ich werde sogleich eine Streife losschicken. Seien Sie vorsichtig, falls Sie vor uns eintreffen sollten. Warten Sie am besten im Wagen.«

»Pff«, entließ ich unwillig. Seine nett gemeinten Ermahnungen halfen mir gar nichts. Wenigstens kannte ich jeden Meter und jede Kurve dieser Straße. Bald hatte ich die alleeartig angeordneten Bäume, die links und rechts emporragten, hinter mir.

»Und fahren Sie nicht zu schnell, nicht das Ihnen etwas passiert!«

»Mist!« Ich bremste irritiert ab. Das Handy rutschte von meinem Schoß in den Fußraum.

»Hallo, sind Sie noch dran?«, erklang es bedeutend dumpfer.

Ich starrte auf einen immer größer werdenden hellen Schein. »Oh Gott! Ich glaub, unser Haus brennt!« Ich beschleunigte den Wagen.

»Es brennt?«

»Ja – Ja! Wir brauchen Feuerwehr, die Rettung, das volle Programm!!!«

Der Schotter knirschte unter den Reifen, als ich eine Vollbremsung hinlegte. Ich sprang aus dem Wagen, stürmte auf das Haus zu.

»Mama? Mama! Mama!« Ich rüttelte an der Tür. Verschlossen! Reserveschlüssel! Zum Glück wusste ich, wo sich der befand. Ich bückte mich seitlich zum Blumentopf, in dem weiß-pinkfarbene Fuchsien wuchsen, hob ihn hoch. Erleichtert griff ich danach, und steckte den Schlüssel in das Schloss. Mama musste sich noch drinnen im Gebäude befinden, denn wenn sie gekonnt hätte, wäre sie sicher vor dem Feuer geflohen und außerhalb zu sehen.

»Das ist zu gefährlich! Ich hab die Feuerwehr bereits verständigt!«

Mir tippte jemand auf die Schulter. Ich blinzelte ins Gesicht des Nachbarn, der sich von hinten genähert hatte. In der Hand hielt Hubert Grabner einen Feuerlöscher. Er wirkte genauso atemlos wie ich.

»Ich muss rein!« Entschlossen stieß ich die Tür auf. Ein Windzug fuhr durch, Feuer loderte hoch und ein beißender Geruch schlug uns entgegen. Ich zog den Kasack meiner Schwester-Uniform über die Nase, während sich Hubert nach vorne wagte, gnadenlos den Schaum auf die aufbäumenden Flammen hielt.

Meine Augen tränten. »Mama?«, krächzte ich, ohne eine Antwort zu erhalten. Womöglich ging sie auch im Knistern der Flammen unter. Hitze schlug mir entgegen, aber ich konnte nicht dastehen und tatenlos zusehen! Tief sog ich die Luft ein, ehe ich, ohne länger zu zögern, hineinlief. Ich versuchte, mich im Inneren zu orientieren, querte den Gang, um zu der hinten gelegenen Stiege zu kommen. Mama, wo bist du? Hatte sie Zuflucht gesucht? Im Keller? Oder im oberen Stock? Vielleicht auch im Bad?

Ich hatte kaum Zeit, um darüber nachzudenken, folgte dem Weg, der so halbwegs frei war. Meine Lungen brannten, als ich unweigerlich Rauch einatmete. Huberts Feuerlöscher erstarb.

Seinem Fuchteln nach zu urteilen, wollte er, dass ich mit hinauskäme. Ins Freie! Ich konnte nicht umdrehen! Nicht Mama im Stich lassen! … Viel Zeit bliebe mir nicht mehr! Es war stickig, die Augen brannten. Ein Husten lauerte in meiner Kehle, den ich gewaltsam unterdrückte, damit ich nicht noch mehr von dem Qualm inhalierte.

Ich stolperte, bemerkte ein Bündel zu meinen Füßen, dass ich halb blind im Feuernebel und mit den brennenden Augen nicht gesehen hatte. Ich fiel auf die Knie, ertastete einen menschlichen Leib. Mama! Ich hatte sie gefunden, erkannte sie klar an ihrer feingliedrigen Statur. Der Qualm war wie ein dunkelgrauer Teppich, der sich dicker werdend nach oben hin absetzte. Ringsum knisterte es. Wie aus dem Nichts durchfuhr mich am Rücken ein stechender Schmerz. Ich schrie auf, brauchte einige Momente, ehe ich begriff, dass sich ein Stück Holz von der Deckenvertäfelung gelöst hatte. Ächzend wandte ich mich unter dem brennenden Brett heraus, kämpfte um Atem.

Wir mussten hinaus! Rasch! Die Badezimmertür in der Nähe stand im Vollbrand, somit gab es nur eine Möglichkeit, ich musste es zurück zum Eingang schaffen.

Verzweifelt fasste ich einen Fuß meiner Mutter, zog sie über den Boden, mit einer Kraft und Entschlossenheit, die ich nie für möglich gehalten hätte. Da kamen mir Männer in Feuerwehrmontur und Atemschutz entgegen.

»Jasmin«, erklang es dumpf und ich war mir sicher, dass es Paul sein musste. Der Mann meiner Freundin Mara.

Kurzerhand hob er mich in seine Arme empor, während ein anderer nach dem leblosen Körper griff. Kaum waren wir im Freien, wurden Schläuche direkt auf den Eingangsbereich gehalten und entließen Wasser, versuchten zu retten, was noch zu retten war.

In ausreichender Entfernung setzte mich Paul auf dem Rasen ab. »Bleib da, schau, da kommt schon die Rettung. Ich gebe Mara Bescheid, ja?«

Ich nickte flüchtig. Die Hitze erinnerte mich an einen riesigen Wärmestrahler, auch wenn sie in der entfernteren Stelle erträglicher wirkte. Wie in Trance bemerkte ich den Notarztwagen mit Blaulicht, aus dem ein Arzt heraussprang und Richtung meiner Mutter hastete. Er schob irgendeinen Stoff von ihrem Gesicht herunter, und beugte sich über sie.

»Helfen Sie ihr!«, krächzte ich, versuchte aufzustehen, um an Mamas Seite zu gelangen.

Statt zu helfen, legte er kaum später den Stoff an die vorherige Stelle zurück. Nein!, wollte ich schreien, doch als der Doktor mich anblickte, erstarb jedes Wort in meiner Kehle. Ich sackte auf den Boden zurück, las die Antwort an seinen Augen ab. Ich war zu spät gekommen!

Ein heiseres Schluchzen vermischte sich mit einem Hustenanfall. Tränen schossen aus meinen Augen.

Der Arzt trat an mich heran. »Sie gehören ins Krankenhaus, haben Sie Schmerzen?«

Ich schüttelte abwehrend den Kopf, obwohl es keinen Millimeter an mir gab, der mich nicht quälte. Der Rücken brannte wie Feuer und der Druck in meiner Brust verstärkte sich zusehends.

»Ihre Wunde gehört versorgt, und mit einer Rauchgasvergiftung ist erst recht nicht zu spaßen. Ich helfe Ihnen in den Wagen«, sprach ein Rettungssanitäter, der hinzugekommen war und mir auf die schwankenden Beine half.

»Ich muss Mama noch einmal sehen«, flüsterte ich, schaffte es gerade so mit meiner Stimme, das Tosen des Wassers und das Knistern des Feuers zu überdecken.

»Das ist keine gute Idee«, entgegnete der Sanitäter.

»Jasmin, besser nicht.« Paul stellte sich mir in den Weg.

Wieso? In meinem Beruf hatte ich schon viele Tote gesehen! Ich brauchte diesen letzten Blick, um es zu begreifen! Stur drückte ich mich an ihm vorbei, schwankte mit zittrigen Beinen auf meine Mutter zu. Ich zog den Stoff herunter! Mein entsetzter Schrei klang unnatürlich rau. Irritiert blickte ich auf eine klaffende Wunde, einen gespaltenen Schädel! An den Wangenseiten gab es getrocknetes Blut. Das … diese Verletzung musste ihr vor dem Feuer zugefügt worden sein!

Will … will mich umbringen!, schoss es durch meine Gedanken, das hatte Mama am Telefon gesagt. Derjenige hatte es geschafft! Ermordet!

Meine Finger krallten sich in den Stoff, den ich nach wie vor hielt. Ich keuchte. Da zog mich jemand zurück und drückte mir eine Maske ins Gesicht. »Das ist Sauerstoff. Tief durchatmen, ganz tief durchatmen!«

Das Rauschen in meinen Ohren nahm zu. Ich spürte, wie mir schwindlig wurde, sich die grauen Punkte um mich herum dunkler färbten und mit dem hellen Schein des Feuers vermischten. Bald darauf war es schwarz.

Mara bremste ihren VW abrupt ab. Sie war ganz nach vorne bis zur Absperrung gefahren, sprang heraus. »Paul! Paul?! Paul!«, schrie sie. »Wie furchtbar!« Wasserschläuche wurden auf das Haus gehalten, von dem Rauchsäulen aufstiegen. Qualm hing in der Luft. Obwohl die Außenmauern emporragten, erkannte sie, dass es kaum noch eine Rettung für das Gebäude gab. All das, was das Feuer verschont hatte, wurde nun mittels Wasser ertränkt.

»Paul?«, klagte sie jämmerlich.

Endlich löste sich jemand aus der Gruppe der Feuerwehrmänner. »He, Süße, warte bitte, du darfst hier nicht weiter«, stoppte er Mara ab, und drückte seiner Frau rasch einen Kuss auf den Mund. »Ich musste dir einfach Bescheid geben.«

»Ja, sicher! Wenn du es nicht getan hättest, würde ich kein Wort mehr mit dir sprechen!«, entgegnete Mara impulsiver als beabsichtigt. Hektisch schaute sie sich um. »Sag, wo ist Suni? Geht es ihr gut? Und ihrer Mutter?«

Paul wusste als Maras Ehemann, dass sie ihre Freundin stets mit ihrem Kosenamen Suni ansprach, außer, wenn sie sauer war, dann wechselte Mara ebenso auf Jasmin. »Deine Freundin ist auf den Weg ins Krankenhaus. Sie sind erst wenige Minuten fort. Hast du den Rettungswagen nicht gesehen?«

Mara schüttelte den Kopf. »Suni hat heute Nachtdienst. Was machte sie dann hier?«

»Ich denke, sie ist direkt von ihrer Arbeitsstelle losgefahren, zumindest trug sie noch die Schwesternuniform.«

»Oh! – Und … und ist sie schlimm verletzt?«

»Soweit ich mitbekommen habe, hat sie eine Wunde am Rücken und mit Sicherheit eine Rauchgasvergiftung. Ich habe den Sanitätern deine Telefonnummer mitgegeben. Du bist ja quasi ihre nächste Angehörige.«

»Dann … dann …« Mara wagte nicht, es laut auszusprechen. Das konnte nur bedeuten …

»Natascha ist tot«, hörte sie Paul sagen.

»Oh Gott!« Mara presste sich schluchzend an Pauls Körper. Er roch nach ätzendem Rauch. Nicht so wie sonst nach dem feinen Tabakgeruch seiner Pfeife, den sie an ihm liebte. Sie blickte in sein kantiges Gesicht empor, bemerkte, dass er mit den Emotionen kämpfte.

»Wie … wie?«

»Ich weiß es nicht. Es ist alles ziemlich mysteriös.«

»Mysteriös?«

Da räusperte sich jemand hinter ihr. »Entschuldigen Sie, sind Sie Mara Gruber?«

»Ja«, bestätigte sie, als sie sich umgewandt hatte und einen Polizisten erblickte.

»Inspektor Berger. Ich würde gerne unter vier Augen mit Ihnen reden. Hubert Grabner, der Nachbar, hat mich grad auf Sie hingewiesen, Sie sollen eine sehr enge Freundin der Familie sein.«

»Das stimmt.«

»Ich muss eh hinüber zu meinen Jungs und helfen. Bis bald. Ruf mich am Handy an, wenn du etwas brauchst. Ich komm heim, so rasch es geht.« Paul gab ihr einen Kuss auf die Wange und drückte noch einmal zärtlich ihre Hand.

Mara sah ihm nicht hinterher, sondern visierte den Beamten an. »Wie kann ich helfen?«

Berger schöpfte nach Atem. »Offenbar wurde Natascha Winzer bedroht. Ihre Freundin hat sich telefonisch bei mir gemeldet, wir waren im Gespräch, als sie hierhergefahren ist.«

»Ich verstehe gar nichts mehr. Paul, mein Mann hat mir erzählt, dass Suni noch ihre Schwesternuniform trug. Sie muss von ihrer Arbeit direkt losgefahren sein.«

»Suni?«

»Jasmin – Alsuna Jasmin, meine Freundin.«

»Können Sie mir sagen, wo Ihre Freundin normalerweise arbeitet?«

»Ganz in der Nähe. Im Seniorenheim in Knittelfeld.«

»Gut, dem werde ich nachgehen. Gibt es sonst noch eine Verwandtschaft? Herr Grabner hat einen Willibald Winzer erwähnt.«

»Ja Willi, Sunis Onkel. Er wohnt etwa einen halben Kilometer entfernt, in einer Mini-Wohnung. Nun … er ist arbeitslos, schon ewig, zumindest, seit Suni und ich befreundet sind. Das sind mittlerweile auch schon dreizehn Jahre. Natascha hat ihm häufig etwas Geld zugesteckt und zum Essen gegeben, oder mal neue Kleidung gekauft. Er ist … war … der Bruder.« Mara hielt inne. Sie plapperte immer gerne und zu viel, das gehörte zu ihren Angewohnheiten. Wenn sie aufgeregt war, verstärkte sich diese Eigenart.

»Hat Ihre Freundin in letzter Zeit irgendetwas Ungewöhnliches erwähnt? Dass die Mutter in Gefahr wäre, oder Ähnliches?«

Mara verneinte. In ihrem Kopf ratterte es. Paul hatte auch so herumgedruckst! »Sie denken also, dass das Feuer kein Unfall war?«

Berger kratzte sich am Kinn. »Wir stehen erst am Anfang unserer Ermittlungen.«

»Bitte, weichen Sie mir nicht aus.«

»Ein Unfall, liebe Frau Gruber, ist ausgeschlossen.«

Mara entließ ein keuchendes Geräusch. Brandstiftung? Das war noch schlimmer! Wer, bitteschön, wollte Sunis Mama etwas antun? Sie konnte es sich nicht erklären. Niemals hier in der Pampa!

»Ein Kollege wird den Wagen ihrer Freundin an die Wohnadresse bringen.« Er zog einen Notizblock heraus. »Sandgasse 4a.«

»Das ist richtig.«

»Im Fußraum lag ein Handy, ich denke, dass es Ihrer Freundin gehört.« Er zog es aus seiner Tasche, war inzwischen von einem Plastikbeutel umschlossen.

Mara erkannte es sogleich an der schwarz-goldenen Hülle. »Kann ich es mitnehmen? Ich möchte Suni so schnell wie möglich besuchen. Wissen Sie, wo sie hingebracht wurde?«

»Das Handy, leider nein. Wir werden es sicherheitshalber überprüfen, aber ich denke, bis gegen Mittag sind wir damit fertig, und Sie können es bei mir am Revier abholen.«

Mara schluckte. Untersuchen? Galt Suni als Verdächtige?

»Laut dem Notarzt wird Ihre Freundin direkt in das Landeskrankenhaus Graz gebracht, dort sind sie spezialisiert auf Rauchgasvergiftungen.«

Graz! Wie schlimm war sie tatsächlich verletzt? Mara konnte ihr nicht einmal schreiben, anrufen oder beistehen! Sie musste so schnell wie möglich versuchen, in der Klinik etwas in Erfahrung zu bringen. Aber allein die Fahrt nach Graz dauerte mit Blaulicht mindestens eine halbe Stunde, dann die Untersuchungen … Geduld zählte nicht zu Maras Stärken. »Danke«, flüsterte sie dennoch rau.

»Nichts zu danken, wir tun nur unsere Pflicht. Entschuldigen Sie, es stehen noch einige Befragungen an.« Berger tippte auf seine Kappe und verschwand.

Mara setzte sich in den Wagen. Sie starrte auf die Ruine, hell erstrahlt durch die Scheinwerfer, die von der Feuerwehr aufgestellt worden waren, um zu erkennen, ob sich noch irgendwo ein Glutnest verborgen hielt.

»Lass Suni rasch wieder okay sein«, sprach Mara erstickt. Obwohl sie mit eigenen Augen das Ausmaß der Zerstörung sah, konnte sie es kaum fassen. Sie startete den Wagen, wollte heim in den Nachbarort Seckau, in das gemeinsame Häuschen von Paul und ihr, um dort Zuflucht zu suchen, für Suni zu beten – und später in der Klinik anzurufen!

Intensivstation – Landeskrankenhaus Graz

Es brannte in meiner Kehle und in der Brust gleichermaßen. Ich blinzelte, versuchte dennoch, ruhig und gleichmäßig zu atmen. Langsam realisierte ich die Umgebung, die weißen Wände, hörte ein regelmäßiges Piepsen. Der Nebel klärte sich in meinem Kopf, Bilder purzelten durcheinander. Das Haus in Flammen, der klaffende Kopf meiner Mutter, tot.

Hektisch setzte ich mich auf, rang nach Atem, obwohl ich eine Sauerstoffbrille umgelegt hatte. Das Piepsen im Hintergrund beschleunigte sich. Ich trug einen Pulsoxymeter am Finger und eine Manchette am Oberarm, die sich in regelmäßigen Abständen aufblies. Statt der Schwesternuniform war ich mit einem Krankenhaushemd bekleidet, das im Nackenbereich zwei Bänder zum Verschnüren aufwies. Nach wie vor roch ich wie ein geräucherter Speck und hätte eine Komplettreinigung dringend nötig. Da bemerkte ich seitlich eine Bewegung, ein Krankenpfleger trat zu mir.

»Wie schön, Sie sind wach. Ich bin Pfleger Mario, und darf mich um Sie kümmern.«

Ich entgegnete nichts, von schön war ich weit entfernt. Ich lag im Krankenhaus, während sich meine Mutter wahrscheinlich in der Pathologie befand. Ob sie bereits untersucht wurde?

»Sie befinden sich auf der Grazer Intensivstation. Für die Überstellung hat Ihnen der Arzt ein Schlaf- und Schmerzmittel injiziert. Ihre Verletzung am Rücken wurde bereits versorgt.«

Traurig neigte ich den Kopf, sah zum Fenster hinaus. Es zeigte sich dunkle Nacht. Wie lange war ich weggetreten gewesen? Ich schluckte die Frage hinunter, da es zu sehr in meiner Kehle brannte.

»Kommen Sie, trinken Sie einen Schluck. Das wird Ihnen guttun und das Kratzen sowie die Schmerzen lindern.«

Folgsam umklammerte ich den Becher, nippte an der Flüssigkeit, die ein wenig den Brandgeschmack im Mund vertrieb. »Und nun?« Meine Stimme klang ungewohnt kratzig und fremd.

»Wir werden als Nächstes einige Untersuchungen machen müssen. EKG, Lungenfunktionsprüfung … der behandelte Arzt möchte Sie danach in die Druckkammer bringen. Es wird bereits alles vorbereitet.«

»Ich … ich …«

»Das ist zu Ihrem Besten. Eine Kohlenmonoxidvergiftung ist nicht zu unterschätzen, kann zu Schäden im Gehirn oder im Herz führen. Die hyperbare Sauerstofftherapie wirkt dem entgegen. Sie hilft dabei, die Giftstoffe aus ihren Bindungen im Körper zu verdrängen und unterbindet damit gleichzeitig die Folgeschäden. Je früher wir damit starten können, umso besser.«

Die Stimme des Pflegers klang sonor und tief, wirkte beruhigend auf meine verwundete Seele. »Einverstanden«, presste ich hervor und sackte matt auf das Kissen zurück. Dabei zischte ich schmerzhaft auf, fühlte einen Verband am Rücken und verlagerte rasch mein Gewicht etwas auf die schmerzfreie Seite.

»Machen Sie sich keine Sorgen, Sie werden sehen, es wird Ihnen bald besser gehen. In meinen Unterlagen ist eine Mara Gruber als Ihre Kontaktperson angegeben, und dass ein gewisser Willibald Winzer ebenso verständigt wird. Ist das richtig? Oder sollen wir noch jemanden informieren?«

Mama! – Nein, sie ist tot! Nichts ergab einen Sinn. Ich schluchzte auf. Das Gesicht des Pflegers verschwamm vor mir.

Mario drückte sanft meine Hand. »Eine schreckliche Sache, was passiert ist. Ich wünschte, ich könnte mehr für Sie tun.«

Eine heiße Träne rann spürbar über meine Wange. Ich fühlte mich zu matt, um diese wegzuwischen. Nun war ich Waise! Keine Mutter, keine Geschwister, kein Vater!

In meinem Schmerz mischte sich eine wehmütige Sehnsucht, weil ich den leiblichen Vater nie kennengelernt hatte. Er blieb seitens meiner Mama ein gut gehütetes Geheimnis. Das Wissen um ihn hatte sie mit in den Tod genommen. Zudem gab es genauso wenig irgendwelche Ersatzväter. Meine Mama Natascha hatte in dieser Beziehung wie eine Nonne gelebt, alle Avancen abgewehrt. Dabei war sie hübsch und gerade mal neunzehn Jahre älter als ich. Manche dachten, sie wäre meine ältere Schwester, obwohl wir uns optisch kaum ähnelten. Sie war klein, zierlich, dunkelhaarig, während ich sie fast um einen Kopf überragte, dazu blondes Haar hatte und blauäugig war. Das einzige männliche Wesen in ihrem Leben war Onkel Willi, Mutters Bruder. Ich empfand Willi bezüglich Männerwelt als ein abschreckendes Beispiel. Man konnte kaum eine intensive Bindung zu einem alkoholabhängigen Messie aufbauen! Ich rieb mir die Schläfen, in meinem Schädel wummerte es.

»Ich werde rasch alles in die Wege leiten. Wenn etwas ist, einfach läuten. In wenigen Minuten komme ich wieder, dann helfe ich Ihnen dabei, sich frisch zu machen und umzuziehen.«

»Bitte«, sprach ich erstickt. Obwohl ich total groggy war, sehnte ich mich danach, den anhaftenden Rauchgeruch bald loszuwerden.

Der Pfleger drückte ein Kissen unter meinen Rücken, um mein linkes Schulterblatt freizulagern. »So befinden Sie sich nicht direkt auf der Brandwunde. Bis zur nächsten Schmerzdosis dauert es noch eine Weile, aber wenn Sie zu unerträglich werden, geben Sie bitte Bescheid, dann halte ich Rücksprache mit dem Doktor, ob wir eher etwas verabreichen können.«

Ich nickte. Der Schmerz, der in meinem Herz tobte, würde sich mit keinem Medikament wegspritzen lassen. Ich schloss die Augen, hasste es, meinem schwachen Körper ausgeliefert zu sein, während es keine Erklärung für das Feuer und den Tod von Mama gab. Doch bald forderte nicht nur mein Geist hartnäckig weiteren Schlaf ein, sondern auch mein Körper, der gegen meine Vergiftung und die Verletzung ankämpfte.

Ein nicht gesprächiger Transportdienst brachte mich in einem Rollstuhl Richtung Druckkammer. Ich fühlte mich, als wäre ich in einem falschen Film oder in einer anderen Zeit gelandet. Die Zeiger der Uhr im Gang standen auf der Zwei. Normalerweise würde ich im Seniorenheim grad eine neue nächtliche Runde durch die Bewohnerzimmer drehen. Ob Bernadette einen Ersatz gefunden hatte? Wusste meine Kollegin Bescheid darüber, was vorgefallen war? Eigentlich sollte ich mich bei ihr melden! Doch mit was? Ich hatte nicht einmal gefragt, wo sich meine persönlichen Gegenstände befanden. Das Handy lag vermutlich nach wie vor im Fußraum meines Wagens. Abgestellt vor meinem Heimathaus, das inzwischen wohl nur mehr eine Brandruine war.

Ein schlechtes Gewissen regte sich in mir. Es war nicht meine Art, alles stehen und liegen zu lassen. Und die Leute im Pflegeheim alleine zu betreuen, war ein absoluter Wahnsinn! Zudem hatte es nichts gebracht.

Mama ist tot! Erneut drängten in mir Tränen nach oben. Zittrig wischte ich mir einen Tropfen aus dem Augenwinkel und verbannte mit aller Gewalt meine Emotionen in die Tiefen zurück. Ich starrte auf das rote T-Shirt und eine schwarze Jogginghose, die aus dem Fundus des LKHs entstammten und mir zu weit waren.

Pfleger Mario war, wie versprochen, mir bei der Körperpflege behilflich gewesen. Statt Qualm roch ich bedeutend frischer. Doch jeder Atemzug wirkte, als würde eine zentnerschwere Last auf meinen Brustkorb drücken, und ich war spürbar kraftloser. Sei froh, dass du nicht bewusstlos oder im Koma bist! Obwohl aktuell fand ich ein Vergessen fast erstrebenswerter. Ich tastete über mein feuchtes blondes Haar, das sich an manchen Stellen versengt anfühlte und nachlässig zu einem Pferdeschwanz zusammengefasst war.

»Bis später!«, stieß der Transportdienst aus, er ließ die Haltegriffe des Rollstuhls los.

Ich schaute ihm hinterher, wie er davoneilte. Ob er einen nächsten Patienten wohin karren musste, oder doch auf etwas nächtlichen Schlaf hoffte, wusste ich nicht. Bald darauf kam eine Krankenschwester aus dem angrenzenden Raum und brachte mich zu einem Stuhl in der Druckkammer. Ich fand Schwester Resi, wie sie sich vorstellte, auf Anhieb sympathisch. Ihre tiefliegenden braunen Augen wirkten vertrauensvoll. In ihrem rundlichen Gesicht waren etliche Fältchen eingegraben, die bewiesen, dass sie in ihrem Leben viel gelacht, aber wohl auch gelitten oder mitgelitten hatte. Bestimmt fehlten ihr bis zum Ruhestand nur wenige Monate. Selbst ich durfte als Achtundzwanzigjährige bereits neun Dienstjahre an Berufserfahrung sammeln.

»Schauen Sie, hier über die Maske können Sie den hundertprozentigen Sauerstoff einatmen. Wenn Sie diese abnehmen, atmen Sie hingegen die ganz normale Raumluft ein. Über dieses Bullauge dort haben wir ständig Sichtkontakt, auch ein Arzt wird bald dort sein. Wenn es ein Problem gibt, einfach reden, wir können draußen alles hören. Wir werden am Anfang langsam den Druck erhöhen. Sind Sie einverstanden, wenn wir etwas Musik spielen?«, bemerkte Schwester Resi freundlich.

Ich stimmte nickend zu. Musik konnte nicht schaden, und vertrieb hoffentlich ein wenig die schrecklichen Bilder aus meinem Kopf. Ich musterte die Kammer, registrierte Stühle in unterschiedlichen Farben, die zum großen Teil zusammengestapelt waren. Insgesamt bot die Kammer für zwölf Menschen Platz, doch bei dieser Not-Behandlung würde ich offensichtlich allein bleiben. Die Wände waren in einem Grün gestrichen, und irgendwie fühlte ich mich, als wäre ich in einem Unterwasserboot und würde bald abtauchen. Ich unterdrückte ein Ächzen. Ein Abtauchen wäre wundervoll – fort aus dieser schrecklichen Realität und der Frage, aus welchem Grund meine Mutter bedroht und umgebracht worden war.

»Wie lange wird es dauern?«, hakte ich nach. Dabei spielte Zeit für mich grad gar keine Rolle.

»Voraussichtlich eine dreiviertel Stunde. Aber wir geben Ihnen die Zeit noch genauer durch. Ist auch abhängig davon, ob Ihre Werte stabil bleiben und wie lange es für Sie geht.«