Amsterdam - Chris Ewan - E-Book

Amsterdam E-Book

Chris Ewan

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Beschreibung

Charlie Howard ist Krimiautor. Er ist außerdem ein Dieb. Seine Auftraggeber sucht er sich normalerweise ganz genau aus, aber dem merkwürdigen Angebot des Amerikaners kann er nicht widerstehen. Zwei völlig wertlose Gipsfiguren soll er stehlen. An zwei ganz unterschiedlichen Orten. In nur einer Nacht. Alles reine Routine. Doch dann findet Charlie die Leiche des Amerikaners ...

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Seitenzahl: 415

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Chris Ewan

AMSTERDAM

Ein Meisterdieb jagt seinen Schatten

Aus dem Englischen vonStefanie Retterbush

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabedes in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Für die Originalausgabe:

© 2007 by Chris Ewan

All Rights Reserved

Titel der englischen Originalausgabe:

»The Good Thief’s Guide to Amsterdam«

Originalverlag: Long Barn Books Ltd., Ebrington

Für die deutschsprachige Ausgabe:

© 2008 by Bastei Lübbe AG, Köln

Titelillustration: Harald Sund/getty-images

Umschlaggestaltung: Nadine Littig

Datenkonvertierung E-Book:

hanseatenSatz-bremen, Bremen

ISBN 978-3-8387-5652-3

Sie finden uns im Internet unter www.luebbe.deBitte beachten Sie auch: www.lesejury.de

FÜR JO

EINS

»Ich möchte, dass Sie etwas für mich stehlen.«

Diesen Satz hörte ich nicht zum ersten Mal. Wobei derjenige, der ihn äußerte, üblicherweise zunächst ein bisschen um den heißen Brei herumredete. Anders der Amerikaner. Der kam sofort auf den Punkt, völlig ohne Umschweife. Wäre ich ein Autor von Schundromanen, würde ich jetzt behaupten, bei mir hätten sämtliche Alarmglocken geschrillt oder es sei mir eiskalt den Rücken hinuntergelaufen. Tatsächlich aber hörte ich nur ein bisschen genauer hin als sonst.

»Da muss ein Irrtum vorliegen«, entgegnete ich. »Ich bin Schriftsteller, kein Einbrecher.«

»Schriftsteller, das ich nicht lache. Ich habe schon viel von Ihnen und Ihrer Arbeit gehört. Sie sind gut.«

Ich lächelte. »Ein Schreiberling mit teurer Schulbildung, mehr nicht.«

»Ja, als Schriftsteller vielleicht. Aber als Dieb – das ist ein ganz anderes Paar Schuhe. Sie haben Talent, mein Lieber, und das ist in dieser Gegend nicht leicht zu finden.«

Diese Gegend, das war Amsterdam. Genauer gesagt, eine schummerige Kneipe auf der Nordseite der Keizersgracht, zwanzig Gehminuten oder eine zehnminütige Fahrradfahrt von meiner Wohnung entfernt. Hier drinnen war es eng und stickig, und die Wärme rührte eher von der beklemmenden Enge im Raum her als von der Handvoll halb verglühter Kohlen im Kamin gegenüber unserem Tisch. Ich war sozusagen schon einmal hier gewesen, jedoch nur im Vorbeigehen, und als der Amerikaner die Kneipe als Treffpunkt vorgeschlagen hatte, sagte mir der Name zunächst überhaupt nichts. Nun aber war ich also hier, ein Glas holländisches Bier vor der Nase und ein verzwicktes Angebot auf dem Tisch.

Der Amerikaner hatte über meine Website Kontakt zu mir aufgenommen. Heutzutage haben ja die meisten Krimiautoren eine eigene Website, und auf meiner kann man sämtliche Informationen über mich und meine Arbeit nachlesen. Jedem meiner bisher erschienenen zahlreichen Kriminalromane ist eine eigene Seite gewidmet, und dazu gibt es eine News-Spalte, wo der geneigte Leser beispielsweise erfährt, was ich gerade in meiner Freizeit lese. Daneben findet man auch diverse andere Details aus meinem Privatleben, für die man sich als Fan vielleicht interessieren könnte – zum Beispiel meinen aktuellen Wohnort, wo ich gerade über meinem neusten Roman brüte. Darüber hinaus gibt es einen Link, über den man mir eine E-Mail schreiben kann, und auf diese Weise hatte der Amerikaner sich dann auch mit mir in Verbindung gesetzt.

Ein Auftrag für Sie, hatte er geschrieben. Ich zahle jeden Preis. Hören Sie sich mein Angebot unverbindlich an. Café de Brug, Donnerstag, 22h (morgen).

Ich hatte natürlich keinen Schimmer, wer dieser Amerikaner war, und noch weniger Grund, ihm zu trauen, aber andererseits war die Aussicht auf einen neuen Auftrag eine Verlockung, der ich schon lange nicht mehr zu widerstehen versuchte. Denn um ganz ehrlich zu sein, falls Sie nicht schon von allein darauf gekommen sein sollten: Ich schreibe nicht nur Krimis über einen gerissenen Berufsdieb – ich bin auch selbst einer.

»Dieses Talent, auf das Sie da anspielen«, sagte ich, »angenommen, das hätte ich wirklich.«

»Angenommen, das gefällt mir.«

»Nun ja, also nur mal angenommen, ich hätte tatsächlich dieses Talent – dann wüsste ich zu gern, wozu Sie es nutzen möchten.«

Der Amerikaner warf einen prüfenden Blick über meine Schulter, schaute dann zur Tür hinüber und drehte sich anschließend um und guckte zum anderen Ende der Bar. Als er sich davon überzeugt hatte, dass sein Hals sich einwandfrei in jede Richtung drehen ließ und vor allem niemand unser Gespräch belauschte, griff er in die Innentasche seiner Windjacke und nahm einen kleinen Gegenstand heraus, den er vor mir auf den Tisch stellte. Es war ein kleines Figürchen, ein Äffchen, ungefähr so groß wie mein Daumen. Der Affe saß in der Hocke, die Knie an die Brust gezogen, und er hielt sich mit den Händen die Augen zu. Den Mund hatte er vor Entsetzen weit aufgerissen, als hätte ihn das, was er im Inneren der Windjacke hatte mit ansehen müssen, zutiefst verstört.

»Nichts Böses sehen«, murmelte ich mehr zu mir selbst, und der Amerikaner nickte und verschränkte die Arme vor der Brust.

Ich griff nach dem Affen, um ihn mir etwas genauer anzuschauen. Dem Gewicht nach zu urteilen, und so trocken und kreidig, wie er sich anfühlte, musste es ein Gipsguss sein; das erklärte auch die fehlende Detailausarbeitung. Das Erstaunen, das ich dem Gesicht des Äffchens abzulesen glaubte, könnte ebenso gut als Ausdruck der Angst oder der puren Freude gedacht sein.

»Es gibt noch zwei weitere Affen«, erklärte der Amerikaner. Das wunderte mich nicht weiter. »Der eine hält sich die Ohren zu, und der andere den Mund.«

»Was Sie nicht sagen.«

»Die sollen Sie für mich stehlen.«

Ich legte den Kopf schief. »Angenommen, ich könnte sie … Ihnen beschaffen. Ich bin nicht sicher, ob sich das für mich rentieren würde.«

Der Amerikaner beugte sich vor und zog eine Augenbraue hoch. »Wie viel müsste es sein, damit es sich für Sie rentiert?«

Ich dachte nach, wie viel ich für eine Figur nehmen würde, und verdoppelte die Summe.

»Zehntausend Euro.«

»Wollen Sie das Geld gleich heute Abend?«

Ich lachte. »Aber die Figur ist doch wertlos«, wandte ich ein und warf dem Amerikaner nachlässig das Figürchen zu. Der fing es hektisch auf, ehe es auf den Tisch fallen konnte.

»Nicht für mich, mein Junge«, entgegnete er, wischte das Äffchen ab und steckte es dann wieder in die Innentasche seiner Windjacke. »Was meinen Sie?«

»Ich überlege es mir. Noch ein Bier?«

Ohne eine Antwort abzuwarten, stand ich auf und ging mit den Gläsern zur Theke, wo eine nicht unattraktive Blondine gerade ein paar kleine Schälchen mit Cashew-Kernen füllte. Sie war groß und schlank und leicht sonnengebräunt, und sie hatte irgendwie etwas leicht Skandinavisches. Mir wiederum gab es das Gefühl, entsetzlich britisch auszusehen. Man merkte gleich, dass sie es gewohnt war, von Vollidioten wie mir angequatscht zu werden, und sie sah mich an, als hätte sie bereits eine schon tausendmal benutzte Ausrede parat.

»Zwei Bier, bitte«, radebrechte ich auf Niederländisch und hielt vorsichtshalber zwei Finger hoch, als könnte die Tatsache, dass ich mit zwei leeren Gläsern vor dem Zapfhahn einer Theke stand, irgendwelche Zweifel an meinen Absichten lassen.

»Gern«, entgegnete sie knapp.

Sie strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr, dann nahm sie die Gläser entgegen und zapfte das Bier hinein. Währenddessen zerbrach ich mir den Kopf, was ich Originelles zu ihr sagen könnte, das nichts mit den Sommersprossen auf ihrem Nacken zu tun hatte. Am Ende grübelte ich darüber nach, wie der Amerikaner wohl auf mich gekommen war. Es war mir ein Rätsel, weil ich stets größten Wert darauf legte, meine Zweitkarriere als Dieb möglichst geheim zu halten – das war auch einer der Gründe, weshalb ich so viel reiste. Der einzige Mensch, mit dem ich über diese dunkle Seite meines Charakters reden konnte, befand sich in London. Hier in Amsterdam hatte ich in den letzten vier Monaten nur drei Jobs erledigt, und keiner davon hatte besonderes Aufsehen erregt. Gut, der eine war eine Auftragsarbeit gewesen, aber der Mann, der mich engagiert hatte, war Belgier und hatte mir die Anweisungen über meinen Pariser Mittelsmann zukommen lassen. Dem vertraute ich blind, und es erschien mir höchst unwahrscheinlich, dass es der Belgier war, der mich dem Amerikaner weiterempfohlen hatte. Schließlich waren wir uns nie persönlich begegnet. Wie also hatte der Amerikaner von meinem »Talent« erfahren? Und warum um Himmels willen wollte er, dass ich zwei wertlose Nippes-Figürchen klaute?

»Ihr Bier«, sagte die Blonde, strich den Schaum mit einem Plastikschaber von den Gläsern und knallte sie dann schwungvoll auf den Tresen.

»Dieser Mann«, murmelte ich und wies mit einem leichten Nicken in Richtung Amerikaner. »Haben Sie den schon mal hier gesehen?«

»Ja. Er ist Amerikaner.«

»Kommt er oft her?«

Sie verzog den Mund und überlegte. »Öfter, soweit ich weiß.«

»Wissen Sie, wie er heißt?«

»Nein«, antwortete sie und schüttelte den Kopf. »Aber er ist sehr höflich und gibt immer Trinkgeld.«

Na klar. Ich legte ein bisschen mehr Geld als nötig auf den Tresen und griff nach unserem Bier.

Der Amerikaner war schätzungsweise Ende fünfzig, obwohl es schwierig war, irgendwelche Vermutungen über ihn anzustellen. Er hatte dichtes graues Haar, eine etwas strubbelige, jugendliche Frisur, und für sein Alter wirkte er ziemlich fit. Die Windjacke stand ihm gut, er sah darin sehr sportlich aus, Typ Freizeitsegler. Gerade überlegte ich mir, auf seine Hände zu achten, ob ich vielleicht Hornhaut oder Schürfwunden von den Leinen entdecken konnte, als er mich unsanft aus meinen Gedanken riss. »Wenn Sie wissen wollen, wie ich heiße, brauchen Sie mich nur zu fragen. Ich heiße Michael.«

»Michael …«

»Kein Grund, so langsam zu sprechen.«

»Ich wartete auf den Nachnamen.«

»Darauf können Sie lange warten. Die Affen«, fuhr er fort, »befinden sich an zwei verschiedenen Orten. Es ist wichtig, dass Sie beide beschaffen. Es ist auch wichtig, dass Sie beide an einem Abend mitgehen lassen.«

»An zwei verschiedenen Orten?«

»Mhm.«

»In Amsterdam?«

»Ganz genau. Zwei verschiedene Orte, zu Fuß ungefähr fünfzehn Minuten voneinander entfernt.«

»Und beides Privatunterkünfte?«

»Privatunterkünfte«, wiederholte er spöttisch. »Mein Gott. Das eine ist eine Wohnung und das andere ein Hausboot, kapiert? Keine Sorge, es gibt keine Alarmanlagen, und es wird Sie auch niemand stören, denn an dem Abend, an dem Sie das durchziehen sollen, wird keiner der Bewohner zuhause sein.«

»Wie das?«

»Weil die beiden Herren, die diese Unterkünfte bewohnen, rein zufällig nicht zuhause sein werden, sondern beim Abendessen. Mit mir.«

Ich dachte kurz darüber nach. Was ich da hörte, gefiel mir nicht besonders.

»Klingt kompliziert«, entgegnete ich. »Warum lassen Sie die Affen nicht einfach selbst mitgehen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass man sie vermissen würde.«

»Zum einen«, erwiderte er und runzelte die Stirn, »weil der Typ mit dem Hausboot einen Tresor hat und, sagen wir, etwas zurückhaltend ist, was den Code betrifft. Und der andere, der hat eine Wohnung im Jordaan – im obersten Stock eines fünfgeschossigen Hauses, und der hat zufälligerweise drei Schlösser an der Tür.«

»Aber keine Alarmanlage.«

»Nein.«

»Ganz sicher?«

»Hören Sie, auf einem Hausboot kann man keine Alarmanlage installieren – würde auch nur ein einziger Kahn ein bisschen zu schnell vorbeischippern, würden allein die Wellen im Kanal den Alarm auslösen.«

»Und die Wohnung?«

»Wie gesagt, die ist im fünften Stock. Wie ich das sehe, glaubt der Kerl wohl, er braucht keine.«

»Diese Schlösser …«

»Sind für Sie kein Problem. Ich selbst habe weder das nötige Werkzeug noch Ihr Talent. Deshalb führen wir gerade dieses Gespräch.«

»Da fällt mir noch etwas anderes ein«, warf ich ein. »Angenommen, den beiden anderen Herren liegen ihre Figürchen genauso am Herzen wie Ihnen, nun, was ist, wenn sie dann nach dem Essen nach Hause kommen und die Figuren sind verschwunden – dann wird man doch automatisch Sie verdächtigen.«

Er schüttelte den Kopf. »Die beiden vertrauen mir.«

»Möglich. Aber sollte der Verdacht doch auf Sie fallen und sollten die beiden Sie dann in die Mangel nehmen, nun ja, dann könnte unter Umständen mein Name fallen – das müssen Sie doch zugeben.«

»Der kommt mir nicht über die Lippen.«

»Das sagen Sie jetzt. Aber das Ganze gefällt mir nicht.«

»Nun, sagen wir so: Ich habe nicht vor, mich später noch irgendwo herumzutreiben, wo die beiden mich finden könnten. Wir treffen uns um sieben, und um zehn sind wir fertig mit dem Essen – Ihnen bleiben damit also drei Stunden, um Ihren Job zu erledigen, was meiner Meinung nach mehr als genug Zeit sein sollte. Die Kneipe schließt um elf, und ich habe mir gedacht, wir treffen uns um halb elf, und Sie bringen die Figuren mit. Wenn alles nach Plan läuft, bin ich noch vor zwölf raus aus Amsterdam. Und ich habe nicht vor zurückzukommen.«

»Sie verlassen die Niederlande?«

»Na, so genau müssen Sie das ja auch nicht wissen, oder?«

Ich hielt inne und versuchte es auf eine andere Tour.

»Der Zeitplan ist ziemlich straff. Was, wenn ich den Tresor nicht aufbekomme?«

»Den bekommen Sie auf.«

»Oder ich das Figürchen in der Wohnung nicht finde.«

»Der Typ hat es unter dem Kopfkissen versteckt.«

Ich runzelte die Stirn. »Er schläft darauf?«

»Und wenn er damit schlafen würde, das wäre mir auch egal. Jedenfalls finden Sie es unter dem Kissen.«

Ich rückte ein bisschen von ihm ab und sah mich in der Kneipe um. Die Blonde war gerade damit beschäftigt, die Theke mit einem feuchten Tuch abzuwischen, und die Haare fielen ihr ins Gesicht. Die einzigen anderen Gäste waren drei Holländer, die an einem Tisch in der Nähe des Eingangs saßen und Bier tranken. Sie lachten, schlugen sich gegenseitig auf den Rücken und grinsten breit, als könne das Leben gar besser nicht sein. Hinter ihnen peitschte heftiger Regen gegen das Panoramafenster und ließ die Umrisse der beleuchteten Grachtenbrücke verschwimmen, sodass man sie gerade noch auf der anderen Seite der Scheibe ausmachen konnte. Ich seufzte und teilte ihm ohne Umschweife meine Entscheidung mit.

»Hören Sie«, setzte ich an, »ich muss leider ablehnen. Ich weiß nicht, wie Sie ausgerechnet auf mich gekommen sind, und das macht mir Sorgen. Und dass es unbedingt morgen Abend sein muss, bereitet mir ebenfalls Magenschmerzen. Ich hole gern Erkundigungen ein, ehe ich einen Auftrag annehme, und die Zeit lassen Sie mir nicht.«

Der Amerikaner verschränkte die Hände auf dem Tisch und tippte die Daumen aneinander.

»Sagen wir, ich verdoppele das Honorar?«

»Komisch«, entgegnete ich, »das beunruhigt mich umso mehr. Sehen Sie, jetzt muss ich annehmen, dass es für Sie, aus welchen Gründen auch immer, lebenswichtig ist, dass die Sache morgen Abend über die Bühne geht. Und die Tatsache, dass Sie mir zwanzigtausend Euro bieten, bringt mich zu der Annahme, dass das Risiko doppelt so hoch sein muss wie zunächst angenommen.«

»Risiko gehört doch dazu. Genau wie die Belohnung.«

»Die Antwort lautet dennoch nein.«

Der Amerikaner verzog das Gesicht und schüttelte müde den Kopf. Dann griff er in den Ärmel seiner Windjacke und nahm einen Zettel heraus. Er zögerte kurz, sah mir noch einmal in die Augen, und schob mir dann den Papierschnipsel zu.

»Junge, ich riskiere es. Hier sind die Adressen. Stecken Sie die ein. Nur für den Fall, dass Sie es sich bis morgen Abend um sieben vielleicht doch noch anders überlegen.«

»Ganz bestimmt nicht.«

»Eine Entscheidung, von der Sie anscheinend auch nicht abrücken wollen. Aber wie wär’s, wenn wir uns die Möglichkeit offenhalten, dass Sie doch noch zu einem anderen Schluss kommen? So haben Sie alle Infos, die Sie brauchen, und haben alles selbst in der Hand. Sie allein treffen die Entscheidung.«

Ich hielt seinem Blick stand, und dämlich, wie ich nun mal bin, griff ich nach dem Zettel und steckte ihn ein.

»So ist es recht, mein Junge«, knurrte er zufrieden. »Ich möchte doch bloß, dass Sie es sich noch mal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen.«

ZWEI

Und ob ich das tat. Die halbe Nacht und den ganzen nächsten Tag. Ich dachte darüber nach, während ich eigentlich das Manuskript überarbeiten sollte, das auf meinem Schreibtisch lag. Ich dachte über das Angebot des Amerikaners nach, als ich mittags einen kleinen Spaziergang machte, und während ich gegen drei ein Päckchen Zigaretten holen ging. Und der Blitz soll mich treffen, wenn ich nicht auch dann noch darüber nachdachte, als ich um sieben Uhr an diesem Abend gegenüber vom Café de Brug auf dem Bürgersteig stand und durchs Fenster hineinschaute.

Der Amerikaner war tatsächlich da, er saß am selben Tisch wie am Abend zuvor, und er war in Begleitung zweier Männer. Die beiden waren jünger als er, und ihrer Kleidung nach zu urteilen waren es Europäer. Aber ob es Holländer waren oder nicht hätte ich nicht mit Bestimmtheit sagen können, ohne sie sprechen zu hören. Sie trugen Lederjacken im Partnerlook und helle Jeans, sahen sich aber ansonsten überhaupt nicht ähnlich. Der Mann, der mir den Rücken zukehrte, war ziemlich kräftig gebaut, hatte einen Stiernacken und einen kahl rasierten Schädel. Sein Freund hingegen war dünn wie eine Bohnenstange, so hager, dass er fast schon krank aussah, und dazu hatte er ein spitzes, verkniffenes Gesicht, als hätte er zu lange an einer Zigarette gezogen und dabei das Ausatmen vergessen. Ob das die beiden Männer waren, die auf dem Hausboot und in der Wohnung im Jordaan wohnten? Und wenn ja, welcher war dann welcher? Der Dünne war sicher der Bootsbesitzer, denn ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er tagtäglich fünf Stockwerke hinaufschnaufte, ohne ein Ärzteteam an seiner Seite und eine Cheerleader-Truppe, die ihn von oben anfeuerte. Aber der Breite sah irgendwie auch nicht aus wie jemand, der sich eine Wohnung im Jordaan leisten konnte. Andererseits sollte man ja nicht nach Äußerlichkeiten gehen. Ich für meinen Teil hoffte jedenfalls inständig, nicht wie ein typischer Einbrecher auszusehen.

Die Hand in der Jackentasche, fingerte ich an dem Zettel mit den beiden Adressen herum. Kurz überlegte ich, alles noch einmal gründlich im Geiste durchzugehen, das Für und Wider abzuwägen – doch ehrlich gesagt war das müßig. Ich meine, wem wollte ich etwas vormachen, als ich da so vor dem Café stand und tat, als sei die Entscheidung noch zu treffen? Die Wahrscheinlichkeit, dass ich ein mitternächtliches Tête-à-tête mit der blonden Barkeeperin ausschlagen würde, war höher als die, dass ich diesen neuen Auftrag einfach sausen ließ. Also kehrte ich dem Fenster den Rücken zu, überquerte die Brücke über die Gracht und bog um diese und jene Ecke, bis ich kurze Zeit später die Straße verließ und das lackierte Metalldeck eines imposanten alten holländischen Kahns betrat.

Vermutlich ist es eine wenig bekannte Tatsache, die zu erfahren viele Menschen verwundern wird – nämlich dass die meisten Profidiebe es tunlichst vermeiden, mitten in der Nacht irgendwo einzubrechen. Klar sind dann weniger Leute unterwegs, aber wenn jemand sieht, wie man um drei Uhr morgens an einer verschlossenen Tür herumfummelt, ist es äußerst wahrscheinlich, dass der Betreffende misstrauisch wird. Nimmt man dasselbe Schloss allerdings, sagen wir, um halb acht abends in Angriff, besteht zwar an sich ein erhöhtes Risiko, entdeckt zu werden, doch die Chance, dabei unbehelligt zu bleiben, ist ungleich größer. Denn Einbrecher sind ja bekanntlich immer erst nach Mitternacht unterwegs, nicht wahr?

Wie sich herausstellen sollte, musste unser Einbrecher sich ohnehin keine Sorgen machen. Zum einen war es bereits dunkel, und der Wind war eiskalt und schneidend, so dass die meisten Leute es vorzogen, drinnen im Warmen zu bleiben und die Straßen zu meiden. Noch entscheidender aber war, dass es länger dauerte, meinen Mikroschraubenzieher und meinen Bund Dietriche aus der Tasche zu holen, als das müde alte Zylinderschloss an der Tür des Kahns zurückschnappen zu lassen.

Ich klopfte an und wartete lange genug, dass ein eventuell anwesender Hausbootbewohner Zeit gehabt hätte, zur Tür zu kommen, ehe ich sie ganz aufmachte. Drinnen rührte sich nichts. Man hörte keine Schritte, kein Gepolter, nichts, nicht den leisesten Mucks. Das überraschte mich nicht weiter, da es im Inneren des Kahns stockdunkel war, und ich wusste (oder zumindest zu wissen glaubte), dass der Hausherr anderweitig beschäftigt war und vermutlich gerade auf einem Minutensteak herumkaute. Ich klopfte noch einmal, und als ich mich hinreichend vergewissert hatte, dass wirklich niemand zuhause war, trat ich ein, verschloss die Tür hinter mir (was auch immer das nützen mochte) und knipste das Licht an. Vermutlich würde auch das einige Menschen wundern, aber um das zu verstehen, bedarf es schlicht und einfach gesunden Menschenverstands: Das Licht anzumachen signalisiert, dass man jedes Recht hat, sich an dem Ort aufzuhalten, an dem man sich gerade befindet, wohingegen auf fremdem Grundbesitz mit einer Taschenlampe herumzuleuchten ein todsicheres Zeichen dafür ist, dass man dort nichts verloren hat.

Das Innere des Kahns war geräumig und hatte einen offenen Grundriss. Die Einrichtung war ein Siebziger-Jahre-Mischmasch aus gelb gestrichenen Wandpaneelen, einem braunen Flokati und orangefarbenen Gardinen. Ich schloss die wenigen Vorhänge, die noch nicht zugezogen waren, und schaute mich dann kurz um. Möbel gab es nicht allzu viele, nur ein großes Bett am Bug des Schiffes, garniert mit zerknüllten Laken und schmutziger Wäsche, des Weiteren einen Plastikküchentisch, auf dem sich schmutziges Geschirr, leere Pizzakartons und Pappschachteln vom Lieferservice türmten, sowie eine abgewetzte Couch mit durchgesessenen Polstern. Sie stand vor einem Fernseher, der schätzungsweise noch aus der Zeit stammte, als der Kahn das letzte Mal renoviert worden war. Außerdem gab es in der einen Ecke des Zimmers jede Menge Einbauschränke und Sitztruhen mit Stauraum, teilweise mit karierten Kissen versehen, sowie eine Art Erker an einer Wand, in dem ich das Badezimmer vermutete.

Ich hob die Hände und ließ die Knöchel knacken, wie ein Konzertpianist, oder vielmehr wie ein Dieb mit leichter Arthritis. Dann streckte und knickte ich die Finger und wedelte damit in der Luft herum, als könne ich mich auf eine kosmische Schwingung einstimmen und so das Versteck des Tresors aufspüren. Meine Finger verursachten dabei ein leises Rauschen, weil ich meine Einmal-Gummihandschuhe aus der Vorratspackung von zuhause trug. Die hatte ich aus dem städtischen Krankenhaus mitgehen gelassen, dem ich bedauerlicherweise kürzlich einen Besuch hatte abstatten müssen (wegen meiner Arthritis, versteht sich). Die Handschuhe trug ich aus purer Gewohnheit – meine Fingerabdrücke waren außerhalb Großbritanniens nirgendwo registriert, und es war eher unwahrscheinlich, dass irgendwer auf die Idee kommen würde, dort nach ihnen zu fragen – aber Gewohnheit und Routine waren meine Freunde, der sicherste mir bekannte Weg, mich gegen solcherart Fehler abzusichern, die mich teuer zu stehen kommen könnten.

Aber ich schweife ab. Der Tresor.

Vom Fingerwackeln einmal abgesehen, war die beste Methode, ihn zu finden, eine planmäßige, systematische Suchaktion, angefangen vorne im Boot, dann die Seiten entlang, erst Backbord, dann Steuerbord. Keinen Küchenschrank und auch nicht den hintersten Winkel und das kleinste Eckchen würde ich auslassen, bis ich im Schlafbereich am hinteren Ende des Schiffs angekommen wäre, vorausgesetzt, ich müsste überhaupt so lange suchen. Und so würde ich auch vorgehen, jetzt gleich, nachdem ich zunächst noch verschiedene andere Dinge ausprobiert hatte.

Also, wäre ich ein Tresor, wo würde ich mich wohl verstecken? Auf Antigua? Na ja, wohl eher nicht. Im Badezimmer? Nein, da sicher auch nicht. In der Küche? Welcher Küche? Über dem Bett? Nichts zu sehen. Hinter dem nicht ganz gerade hängenden Bild mit dem Tulpenfeld an der Wand gleich oberhalb der Couch? Ach, wunderbar, danke sehr. Der Bootsbesitzer schreckte offenbar vor keinem noch so abgeschmackten Klischee zurück.

Und leider, zumindest aus meiner Sicht, war er auch kein Freund des klassischen Kombinationsschloss-Tresors. Ich muss nämlich zugeben, dass ich mehr Abende, als mir lieb ist, damit zugebracht habe, das Ohr gegen die Metalltür des einen oder anderen der gängigeren Modelle zu pressen und auf das verräterische Klicken der Kontaktpunkte der Zahlenscheibe zu lauschen, um dann die den Klicks entsprechenden Zahlen auf Millimeterpapier zu übertragen und auf diese Weise schließlich zu der Zahlenfolge zu gelangen, durch die sich die vormals unüberwindliche Tür öffnen lassen würde. In diesem Fall jedoch wäre das alles vergebene Liebesmüh, denn der Tresor, mit dem ich es hier zu tun hatte, verfügte über ein elektronisches Schloss. Zehn Ziffern insgesamt, von Null bis Neun, und zur Krönung eine Tastatur ohne jeglichen Firlefanz. Da konnte ich auf irgendein Klicken lauschen, bis ich schwarz wurde, denn elektronische Schlösser machen keine Geräusche. Oder ich könnte den Rest der Zeit, die mir auf dieser Erde noch verblieb, damit zubringen, jede nur erdenkliche Zahlenkombination auszuprobieren, obwohl ich sagen muss, dass mir dazu ein wenig die Geduld fehlte. Nein, ein elektronisches Schloss war ein wirklich kniffliger Kandidat, und ich kannte nur drei Arten, es zu knacken.

Die erste und gleichzeitig abschreckendste Methode ist, das Ding mit einem Schneidbrenner aufzuschweißen. Tresore, müssen Sie wissen, lassen sich im Allgemeinen in zwei Kategorien einteilen – entweder sie sind einbruchssicher oder sie sind feuersicher. So verblüffend das auch sein mag, man findet nur höchst selten einen Tresor für den Privatgebrauch, der diese beiden Eigenschaften in sich vereint, und zwar aus dem einfachen Grund, weil das gute Stück dann extrem kostspielig wäre. Während also einbruchssichere Safes dazu gedacht und gebaut sind, Einbruchsversuchen standzuhalten, fehlt es ihnen an Feuerschutz. Was ja schön und gut ist, mir aber nicht viel nützte, da ich nicht die Zeit hatte, einen kontrollierten Brand zu legen, der die erforderliche intensive Hitze entwickeln würde, um das Metall zu verbiegen. Was noch wichtiger ist, diese Vorgehensweise würde den Tresor in einen Backofen verwandeln und entsprechend den Gegenstand, den ich stehlen wollte, zu einem Häufchen Asche verglühen lassen.

Die zweite, der ersten vorzuziehende Methode, war die, den Kode zu benutzen. Sehen Sie mir nach, wenn ich Allgemeinplätze verbreite, aber es ist doch eine Tatsache, dass die meisten von uns, ganz gleich, wie oft und wie eindringlich man uns davor warnt, irgendwo die Geheimzahlen unserer Kreditkarten und Handys und ja, auch unserer Tresore, aufschreiben. Allen Warnungen zum Trotz tun wir es eben doch, und in vielen Fällen bewahren wir diese Geheimzahlen praktischerweise auch noch gleich neben den Dingen auf, die man eigentlich vor fremdem Zugriff schützen will. Also machte ich mich auf die Suche nach dem Kode. Ich schaute überall nach. Auf dem Tresor selbst, an der Wand neben dem Tresor, vorne und dann hinten auf dem Bild, das vor dem Safe gehangen hatte, in den Schränken und Schubladen gleich nebenan, in den Schränken und Schubladen etwas weiter weg, im Badezimmer, zwischen den schmutzigen Laken, unter dem Bett. Ich fand nichts. Keine einzige Ziffer. Aber einen Versuch war es trotzdem wert.

Damit blieb mir nur noch eine letzte Möglichkeit. Sie war der zweiten nicht unähnlich und doch sehr viel subtiler, obwohl sie auf den einfachsten Tatsachen beruht. Um ein elektronisches Schloss zu öffnen, muss man Zahlen in die Tastatur eintippen. Und wenn man Zahlen in die Tastatur tippt, na los, was bedeutet das? Fingerabdrücke, genau! Und zwar jede Menge. Und angenommen, man ändert den Kode nicht allzu oft (oder besser noch, nie), dann verraten die Fingerabdrücke dem findigen Einbrecher, welche Tasten er drücken muss. Allerdings leider nicht, in welcher Reihenfolge. Diese Falle kann man nur umgehen, indem man Handschuhe trägt – aber mal ehrlich, wer trägt zuhause schon Handschuhe, mal abgesehen vom freundlichen Einbrecher von gegenüber?

Hätte ich etwas mehr Zeit gehabt, hätte ich einen ganz besonders cleveren Trick angewandt und etwas ultraviolette Tinte auf eine Fläche in der Nähe des Tresors geschmiert, die der Besitzer des Safes mit hoher Wahrscheinlichkeit vor dem Öffnen des Tresors berührt hatte, wie beispielsweise den Bilderrahmen. Dann wäre ich ganz gemütlich mit einem Schwarzlicht zurückgekehrt (das übrigens ausgezeichnet zur restlichen Einrichtung gepasst hätte) und so an den Kode gekommen. Doch bedauerlicherweise spielte die Zeit gegen mich, also musste ich mich mit dem Nächstbesten begnügen – einem Set zur Sicherung von Fingerabdrücken.

Ich zog also aus der kleinen Sammlung von Einbruchswerkzeugen in meiner Tasche eine Kompaktpuderdose, die ich eigens vor ein paar Monaten mit Graphitpulver gefüllt hatte. Ich klappte das Puderdöschen auf, nahm den innen befestigten Pinsel heraus und machte mich daran, sorgsam jede einzelne Zahlentaste mit dem Pulver zu bestäuben. Als ich fertig war, pustete ich das überschüssige Pulver fort, dann knipste ich die Deckenbeleuchtung kurz aus und hielt die Taschenlampe aus verschiedenen Winkeln an die Tastatur, bis ich entdeckte, was ich suchte. Da waren sie – vier Tasten, über und über mit Abdrücken beschmiert – und sie lauteten 9, 4, 1 und 0. Nach erfolgreicher Anwendung dieses kleinen Zaubertricks schaltete ich das Licht wieder ein, wischte das Pulver so gut es ging von der Tastatur, und begann, die verschiedenen möglichen Kombinationen jener Ziffern einzugeben, die ich gerade herausbekommen hatte, immer von der Annahme ausgehend, dass der Kode tatsächlich nur aus diesen vier Ziffern bestand. Schätzungsweise zehn Minuten später, als ich gerade tief in die grausige Vorstellung versunken war, diese Tastatur bis mindestens nächsten Sonntag bearbeiten zu müssen, hörte ich endlich das lang ersehnte satte Klacken und gleich darauf das Surren des Schließmechanismus, und ehe ich mich versah, stand die Tresortür einladend offen.

Findiges Kerlchen, das ich bin, machte ich die Tür natürlich gleich ganz weit auf und spähte hinein. Der Safe war ziemlich klein, und es lagen nur vier Dinge darin. Zunächst ein zerknittertes Foto von zwei Männern, die vor einem schlammigen Fluss standen, Ruten und Angelboxen in den Händen, und in die Kamera lächelten. Einen der beiden Männer erkannte ich als den Dünnen aus dem Café, und der zweite auf dem Foto war sicher sein Vater. Darunter lag ein Bündel Euroscheine. Ich nahm es und zählte nach. Es waren Hundert-Euro-Scheine, und zwar sechzig an der Zahl. Ich legte die Scheine dahin zurück, wo ich sie gefunden hatte, gleich neben einen kleinen hellbraunen Riegel, der nach Cannabis aussah. Neben dem Haschisch lag die Affenfigur. Dieser Affe hielt sich die Ohren zu, als hätte er befürchtet, ich könne den Safe in die Luft sprengen. Ich nahm ihn heraus und wog ihn in der Hand, und er fühlte sich genauso an wie das Figürchen, das der Amerikaner mir gezeigt hatte. Ich stecke den Affen in die Tasche und musste erst einmal kurz innehalten und überlegen, was als Nächstes zu tun war.

Zunächst beschloss ich, das Geld einzustecken. Klar bekam ich eine Aufwandsentschädigung für meine Unannehmlichkeiten, aber das hieß ja nicht, dass ich eine kleine zusätzliche Finanzspritze verschmähen musste, wenn sie mir sozusagen in den Schoß fiel. Das Cannabis reizte mich nicht sonderlich – in Amsterdam konnte man es kaum gewinnbringend auf dem Schwarzmarkt verkaufen, und sollte ich je in der Stimmung für einen Joint sein, würde das billige Gras, das hier in zahllosen Coffeeshops gleich um die Ecke von meiner Wohnung angeboten wurde, mir sicher einen schöneren Rausch bescheren. Dennoch ließ ich auch die Drogen mitgehen. So würde der Dünne, sollte er nach seiner Rückkehr zufälligerweise einen Blick in seinen Tresor werfen, nicht gleich vermuten, dass der Einbrecher es auf sein Figürchen abgesehen hatte. So weit zumindest meine Theorie.

Nachdem ich den Safe bis auf das Foto geleert hatte, verschloss ich die Tür, hängte das Bild wieder so an die Wand, wie ich es vorgefunden hatte, und schaltete die Deckenbeleuchtung aus. Dann riss ich die vorhin zugezogenen Gardinen wieder zurück und machte mich auf den Weg nach draußen. Die Tür des Kahns zog ich hinter mir zu und streifte dann die Handschuhe ab.

Ich schaute auf die Uhr. Es war bereits Viertel vor neun, und ich würde mich beeilen müssen, um meine Verabredung einhalten zu können. Mit einer unauffälligen Handbewegung warf ich das Cannabis über die Reling des Kahns ins dunkle Wasser der Gracht, dann sprang ich an Land und machte mich auf die Suche nach einem Fahrrad.

DREI

In Amsterdam werden ständig Fahrräder geklaut. Das ist einer der Gründe, warum die meisten Fahrräder so alt und klapprig sind – niemand möchte in etwas investieren, das man jederzeit wieder los sein kann. Das Komische ist, dass die Einheimischen, ohne mit der Wimper zu zucken, ihre gestohlenen Räder durch andere, ihrerseits gestohlene Räder ersetzen, die sie den Fahrraddieben am Damplatz abkaufen – so dreht sich der Teufelskreis endlos weiter.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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