An Weihnachten verdient die Liebe eine Chance - Norma Banzi - E-Book
Beschreibung

Kann die schwule Beziehung zwischen einem SEAL und einem Admiralssohn gutgehen? Seit der Wahl des neuen US-Präsidenten ist der Soldat Dylan mehr denn je davon überzeugt, sich in der Navy nicht offiziell outen zu können. Wenn nur nicht immer die ständigen Festtagseinladungen zu den Eltern seines Freundes Chris wären. In dieser Geschichte denkt ein Admiral aufgeschlossener als der Lover seines Sohnes, und Freunde helfen einem komplizierten Paar auf die Sprünge. Alle sind der Meinung: An Weihnachten verdient die Liebe eine Chance.

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Seitenzahl:102

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Norma Banzi

An Weihnachten verdient die Liebe eine Chance

Gay Christmas

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Herausgeber

AN WEIHNACHTEN VERDIENT DIE LIEBE EINE CHANCE

 

© Norma Banzi

 

Bildquelle:

depositphotos

 

Gestaltung des Covers:

Norma Banzi

 

Edition Banzini

Kurvenstraße 25

22043 Hamburg

www.banzini.de

 

 

 

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Vorab bemerkt

 

Dieser Kurzroman ist ein belletristisches Werk. Er wurde von den aktuellen Ereignissen und der echten US Navy (nur) inspiriert. Hält man sich die Regelungswut der Militärs in aller Welt vor Augen, könnten die Bestimmungen, die ich erwähne, sogar tatsächlich existieren. (Leute, ich schreibe der US Navy doch keine Mails und frage an, ob es für dieses und jenes Kleinklein dort ein Formular gibt.)

 

Was bisher geschah

 

In Die Scherben der Kindheit und das brüchige Glück der Gegenwart gehört der Navy SEAL Dylan Rowe zum Befreiungsteam, das den verschleppten Admiralssohn Chris Bannister aus den Fängen eines sadistischen Drogenbarons rettet. Es ist seine Aufgabe, sich um den verängstigten jungen Mann zu kümmern.

 

Dylan ist mit John Bannister befreundet, dem Bruder von Chris. Als John seine Verlobte Kate heiratet, lädt er sein gesamtes Platoon zur Feier ein. Für Dylan wird es immer schwieriger, den Avancen des süßen Chris zu widerstehen, und es kommt zu einer heißen Verabredung im Bootshaus.

 

Dylan hat gute Gründe, sich nicht zu outen. Ob und wie die beiden Liebenden damit zurechtkommen, erzählt die nachfolgende Geschichte.

 

Eins

 

Nervös saugte Navy SEAL Dylan Rowe an seiner Zigarette und schaute auf sein Handy. Nix, nada, njiente! Feiges Arschloch, beschimpfte er sich in Gedanken zum wiederholten Male selbst, seit er die Einladung der Bannisters zu Thanksgiving ausgeschlagen hatte, der Eltern seines heimlichen Freundes Chris. Für ihn fühlte sie sich an wie die Einladung. Ja, er kannte die Bannisters flüchtig von der Heirat seines SEAL Kollegen John, Chris` älterem Bruder. Aber es gab sooo viele Gründe, als Lover von Chris Distanz zu dessen Eltern zu wahren. Natürlich sah dieser das ganz anders und antwortete auf keine von Dylans Nachrichten mehr.

Um eine Ausrede zu haben, besuchte Dylan einen für ihn ganz und gar irrelevanten Kochkursus der Navy in New York. Wie man sich von Maden, Insekten, Pilzen, Wildkräutern und Moos ernährte, wenn man von der Versorgung abgeschnitten war, wusste er, seit er vor Jahren mit seinem Team Gast bei der französischen Fremdenlegion gewesen und von deren Offizieren durch den Dschungel gehetzt worden war. Seitdem hatte er einen irren Respekt vor den Froschschenkelfressern und konnte perfekt auf Französisch fluchen. Dylan hätte den Kursus selbst geben können, und der Dozent hatte seltsam geschaut, als Dylan in den Raum spazierte. Sie kannten sich flüchtig von einem Einsatz und einem darauf folgenden One Night Stand. Nakoma ließ ihn weitgehend in Ruhe. Gelegentlich forderte er Dylan auf, eine Anekdote über die seltsamen Nahrungsmittel zu erzählen, mit denen Navy SEALs im Einsatz im Laufe ihrer Dienstjahre konfrontiert wurden. So entstand der Eindruck bei den anderen, jüngeren Kursteilnehmern, dass sie eigentlich von zwei Dozenten unterrichtet wurden.

Heute, am Tag vor Thanksgiving, kochte Nakoma mit ihnen ein Thanksgiving-Menü auf indianisch. Der Dozent war kein Mann, der ihnen mit der groben Kelle einschenkte, wie wenig die meisten indigenen Amerikaner das von den Eroberern dominierte Fest mochten. Er machte sie einfach subtil mit den Speisen vertraut, die in seiner Familie zu Festtagen auf den Tisch kamen.

„Fuck!“, fluchte Dylan.

„Schlechter Zeitpunkt für mich zum Rauchen?“, hörte Dylan eine ihm bekannte sexy dunkle Stimme, die einem Mann gehörte, an dessen Freundschaft mit Extras er sich gerne erinnerte. Mittlerweile lebte James Carter in einer festen Dreierbeziehung mit seinem Ehemann Sam und einer tollen Rothaarigen namens Brooke.

Da sie beide in der Raucherecke alleine waren, gönnte sich Dylan, dem Impuls nachzugeben und James zu umarmen – also nicht nur freundschaftlich-kumpelhaft, sondern so richtig eng mit Kontakt an den richtigen Stellen.

„Hey Kumpel, was ist los?“, fragte James mitfühlend und streichelte Dylan sanft über die Wirbelsäule, bevor er sich vorsichtig von ihm losmachte.

Dylan seufzte und bot James eine seiner Zigaretten an. Nachdem James sie sich angezündet hatte, fragte Dylan: „Was machst du überhaupt hier?“

„Ich war im Verwaltungsbüro und brachte Lernmaterial vorbei. Hätte auch einen Boten schicken können, aber so konnte ich dem Personal Werbegeschenke unterjubeln. Meine Firma stellt hier zwei Dozenten, mich und einen meiner Computerspezialisten. Keine Ahnung, ob wir im nächsten Jahr wieder beauftragt werden. Jetzt, wo Trump gewählt worden ist, platzen vielleicht einige Deals mit der Navy.“

„Wird es schwer für deine Sicherheitsfirma?“

„Hm, ich hoffe nicht. Nachdem die Rechten verdauten, dass Tyler mit Richy einen farbigen Mann heiratete, kuscheln sie sich geschäftlich wieder an ihn ran. Da Richy ein Kriegsheld ist und einen weißen Vater hat, betrachten sie ihn mittlerweile als eine Art Joker, denke ich. Die laden das Paar mittlerweile sogar zu ihren Partys ein. Außerdem hilft es, dass Ty immer noch ziemlich konservative Ansichten vertritt. Der posaunt doch tatsächlich in die Welt hinaus, er hätte Trump gewählt.“

„Ach wirklich?“

„Yup! Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es lediglich eine Geschäftstaktik von ihm ist oder tatsächlich stimmt. Hoffentlich hilft es wenigstens unseren gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen. Richys Mutter redete eine Woche nicht mit ihrem Schwiegersohn. Er stimmte sie mit einer großen Spende an eine Einrichtung für LGBT-Jugendliche wieder gewogen. Wen hast du gewählt, auch Trump? Viele Soldaten wählen die Republikaner, komme, wer da wolle, auch so eine …“ James räusperte sich … „Gestalt wie Trump.“

„Nahh, ich wählte grün. Ist so was wie eine demonstrative Enthaltung. Ich kann Clinton nicht ausstehen, aber Trump?“ Dylan spuckte auf den Boden.

James schmunzelte und eine Weile blieb es still zwischen den Männern, bis James sagte: „John meinte, du würdest an Thanksgiving zu den Bannisters rausfahren, und nun sehe ich dich hier.“

„Ach Scheiße!“, platzte Dylan heraus. „Admiral Bannister ist eines der höchsten Tiere der Navy. Über ihm kommen nicht mehr viele. Wenn Chris eine Frau wäre, könnte es gehen. Aber der schwule Schwiegersohn eines Admirals zu sein … Das bringe ich einfach nicht, auch wenn keiner der Bannisters von mir erwartet, mich für Chris zu outen. Und jetzt, wo Trump der neue Präsident wird, bläst der Wind für Schwule und Lesben wieder rauer.“

James hob beschwichtigend die Hände. „Schon gut! Bist du morgen bei deiner Familie?“

Dylan zuckte mit den Schultern. „Die neue Frau meines Dads kann mich nicht leiden und Mom reist mit ihrem Lover durch die Karibik.“

„Dann kommst du eben zu uns. Wir feiern im Gästehaus unserer Familie. Ich simse dir die Adresse. Sei um fünfzehnhundert Uhr dort. Kleidung bequem, aber ordentlich. Also keine verwaschenen Jeans. Hast du eine dunkle Hose dabei?“

„Aye Sir!“, antwortete Dylan mit einem Schmunzeln. „Krawatte?“

„Nope! Hemd und Strickjacke sind völlig okay.“ James drückte seine Zigarette im Aschenbecher aus und nickte Dylan zu. „Ich muss los.“

Er drehte sich um und öffnete die Tür ins Gebäude, als Dylan ihm hinterherrief: „Danke!“

„Keine Ursache!“

Dylan beobachtete, wie die Schwingtür hinter James zuglitt. Erneut schaute er auf sein Handy. Nix! Verdammt! Er schluckte seinen Stolz herunter, schließlich war er die Ursache für Chris` mürrisches Schweigen, und rief ihn an. Mailbox, wie die acht Male zuvor. Shit! „Chris … Darling … bitte ruf mich an oder sende mir wenigstens eine SMS!“ Hm, das klang bettelnd. Im Grunde seines Herzens wusste Dylan, wenn er weiter den Kopf in den Sand steckte, verlor er Chris. Betteln hatte früher geholfen, aber es nutzte sich mit der Zeit ab. Das Dumme an der Sache war, er liebte den jüngeren Mann von ganzem Herzen. Dylan gab, was er konnte, und er war Chris sexuell treu. Weshalb konnte das nicht genügen? Weshalb, zum Teufel, wollte Chris unbedingt, dass Dylan sich familiär engagierte? Weshalb verliebte sich Dylan ausgerechnet in den jüngsten Sohn eines Admirals? Es gab so viele attraktive Männer auf der Welt, und Dylan landete zielsicher an der absolut falschen Stelle.

Das Handy plingte und hoffnungsvoll rief Dylan die Nachricht auf. Leider war es nur Nakoma, der ihm zwar die lange Leine ließ, aber ihm disziplinarisch nicht alles durchgehen lassen konnte. Immerhin unterstand diese Einrichtung der Navy.

Komme!, simste Dylan zurück und machte sich auf den Weg zur Lehrküche. Kochen gehörte nicht zu seinen Lieblingsbeschäftigungen, aber es lenkte ab. Außerdem sah Nakoma mit seinen langen, schwarzen Haaren sexy aus, die er wachsen lassen durfte, seit er aus dem aktiven Dienst ausgeschieden war und als Dozent arbeitete, den Sonderregeln für native Amerikaner sei Dank. Als aktiver SEAL hatte Nakoma dieselbe zackige Kurzhaarfrisur getragen wie die meisten Kameraden, bis er nach dem Bruch beider Hüften nicht mehr als Fallschirmspringer eingesetzt werden konnte. Ein SEAL, der keine Freigabe für Air erhielt, war nur ein halber. Daher konnte Dylan die Entscheidung seines Kameraden nachvollziehen, sich anderen Aufgaben zu widmen. Jedenfalls machte Nakoma auf Dylan keinen unglücklichen Eindruck. Als Dylan den Klassenraum betrat, lächelte ihm Nakoma einladend entgegen. Da ging was, wenn Dylan es wollte. Nakoma forcierte es nicht, drängte sich nicht auf. Dennoch ahnte Dylan, dass diese Tür für ihn offen stand.

Dylan seufzte innerlich. So sexy er Nakoma auch fand, er brachte es nicht über das Herz, Chris mit ihm zu betrügen. In Nakomas Bett zu steigen war kein Ausweg aus seiner Misere und würde Chris noch mehr verletzen. Dabei hatte Chris es schon schwer genug. Mit knapp achtzehn war er in die Fänge eines mexikanischen Sadisten geraten. Nur die Tatsache, dass sein Vater ein Admiral war und ein SEAL-Team zu seiner Rettung nach Mexico geschickt hatte, verdankte Chris sein Leben. Dylan gehört damals zum Befreiungsteam und kümmerte sich persönlich um den traumatisierten jungen Mann. Sich zu verlieben, hatte nicht auf Dylans Agenda gestanden, und doch war genau das passiert.

In dunklen Momenten argwöhnte Chris, dass sich Dylan deshalb nicht zu ihm bekannte, weil Chris HIV-Medikamente nehmen musste, deren Dosis mittlerweile nach und nach heruntergefahren wurde. Seinem mächtigen Vater sei Dank, hatte er nach seinem positiven HIV-Test eine experimentelle Behandlung bekommen. Da zwischen seiner Infektion und seiner Rettung nur wenige Wochen vergangen waren, hofften seine Ärzte, ihn komplett mit dem anfänglichen Medikamentencocktail geheilt zu haben. Ob sich diese Hoffnung bestätigte, würden sie in acht Jahren nach dem kompletten Abschluss der Behandlung wissen. In Chris ließ sich kein HIV mehr nachweisen. Dennoch bekam er wie jeder andere HIV-Patient in Behandlung weiterhin seine Medikamente, nur waren die von Chris anders zusammengesetzt. Bisher ging alles gut, aber eine Garantie gab es nicht.

Safer Sex betreiben zu müssen, war wirklich nicht Dylans Problem. Er hatte Ambitionen, wollte bei der Navy Karriere machen. Im neuen Jahr bot sich ihm die Möglichkeit, auf die Offiziersakademie zu gehen, komplett finanziert von der Navy. Niemand, der sich für diesen Karriereschritt beworben hatte, lebte offen schwul. Dylan hatte das nachgeprüft. Vielleicht konnte man sich mittlerweile outen, wenn man das Offizierspatent in der Tasche hatte, vorher hielt Dylan es für einen verdammt schlechten Zeitpunkt.

Gut, Chris verlangte von ihm kein Outing, sondern nur zwei Tage Aufenthalt auf dem Anwesen der Bannisters. Da er und John Bannister im selben Platoon dienten, hätten Dylan und Chris sogar eine Ausrede. Bestimmt luden viele Soldaten einsame Kameraden zu sich zu Thanksgiving ein und waren mit diesen nicht romantisch involviert. Die John-Ausrede hatte schon einige Male herhalten müssen.

In erster Linie ging Dylan Admiral Bannister aus dem Weg, mit dem er keine Karrieregespräche in privater Atmosphäre führen wollte.

Nope!

Wahrscheinlich zog Bannister bereits einige Strippen für ihn im Hintergrund. Das war für Dylan okay, weil er es doch nicht ändern konnte. Aber sich mit dem Mann hinzusetzen und ein Strategiegespräch über seine Zukunft zu führen, konnte er sich einfach nicht vorstellen. Schon bei dem Gedanken daran wurde ihm schlecht. Was er bisher erreicht hatte, war seine eigene Leistung, und so sollte es bleiben. Bei einer derartigen Protektion verlor er den Respekt vor sich selbst.

Ob Bannister ihn überhaupt zu einem solchen Gespräch auffordern würde, wusste er natürlich nicht. Doch weshalb lief es für Dylan die letzten zwei Jahre auffällig smooth? Da steckte doch Bannister dahinter! Wie machte man einem Admiral klar, dass man zwar seinen Sohn liebte, aber nicht gedachte, mit ihm über seine Karriere zu sprechen? Fuck! Bis Dylan eine Antwort auf diese Frage hatte, blieb er den Festivitäten der Bannisters fern.

Feige Memme!, grummelte Dylan in sich hinein und verletzte sich fast beim Gemüse schneiden.