Anforderungsmanagement - Sascha Laibold - E-Book

Anforderungsmanagement E-Book

Sascha Laibold

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Beschreibung

Projektarbeit aus dem Jahr 2008 im Fachbereich Informatik - Wirtschaftsinformatik, Note: 1,7, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Veranstaltung: Projektmanagement, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Fähigkeit, schnell und effektiv auf wechselnde Anforderungen und neue Chancen in einem Marktumfeld wachsender Komplexität und zunehmender Dynamik zu reagieren, wird immer mehr zur zentralen Herausforderung moderner Unternehmen. Der intelligente Umgang mit den Ressourcen ist längst eine ökonomische Notwendigkeit. Zugleich ist die konsequente Umsetzung der Kundenanforderungen erfolgsentscheidend. In diesem Spannungsfeld stellt systematisches Anforderungsmanagement einen Ansatz dar, der enormes Potential aufweist, nämlich die Differenzierung im Wettbewerb durch Vorteile in den Dimensionen Zeit, Qualität und Kosten.

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Veröffentlichungsjahr: 2008

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Inhalt

 

1 Systematisches Anforderungsmanagement – ein Ansatz mit enormem Potential

1.1 Motivation

1.2 Situationsanalyse

1.3 Zielsetzung und Konzeption dieser Arbeit

2 Definition von Anforderung und Anforderungsmanagement

2.1 Der Anforderungsbegriff

2.2 Anforderungsmanagement

3 Ziele des Anforderungsmanagements

4 Klassifizierung von Anforderungen

4.1 Klassische Sichtweise

4.1.1 Funktionale Anforderungen

4.1.2 Nichtfunktionale Anforderungen

4.2 Ansatz nach Pohl

4.3 Anforderungen nach Kano

5 Anforderungsqualität

5.1 Qualitätskriterien für einzelne Anforderungen

5.2 Qualitätskriterien für Anforderungsdokumente

6 Haupttätigkeiten im Anforderungsmanagement

6.1 Steuerungstätigkeiten

6.1.1 Umsetzungs(-prozess-)management

6.1.2 Änderungsmanagement

6.1.3 Risikomanagement

6.2 Operative Tätigkeiten

6.2.1 Anforderungen erheben, analysieren und konsolidieren

7 Anforderungen im Kontext von Vorgehensmodellen

7.1 Monumentale vs. agile Prozess-Modelle

7.1.1 Monumentale Prozessmodelle

7.1.2 Agile Prozessmodelle

7.2 Vor- und Nachteile schwer- bzw. leichtgewichtiger Prozessmodelle

8 Erfolgsfaktoren im Anforderungsmanagement

8.1 Kundenbindungsintensität

8.2 Qualität der Kommunikation im Team

9 Anforderungsmanagement im Kontext methodischer Qualitätssicherung

9.1 Capability Maturity Model Integration als Qualitätsmanagementmodell

9.2 Kombination der Qualitätsmethode Quality Function Deployment mit dem Anforderungsmanagement

9.3 Metriken im Anforderungsmanagement

10 Fazit

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Glossar

Literatur

 

1 Systematisches Anforderungsmanagement – ein Ansatz mit enormem Potential

1.1 Motivation

Die Fähigkeit, schnell und effektiv auf wechselnde Anforderungen und neue Chancen in einem Marktumfeld wachsender Komplexität und zunehmender Dynamik zu reagieren, wird immer mehr zur zentralen Herausforderung moderner Unternehmen. Der intelligente Umgang mit den Ressourcen ist längst eine ökonomische Notwendigkeit. Zugleich ist die konsequente Umsetzung der Kundenanforderungen erfolgsentscheidend.

In diesem Spannungsfeld stellt systematisches Anforderungsmanagement einen Ansatz dar, der enormes Potential aufweist, nämlich die Differenzierung im Wettbewerb durch Vorteile in den Dimensionen Zeit, Qualität und Kosten.

1.2 Situationsanalyse

Besonders Großunternehmen sehen sich Herausforderungen gegenüber wie:

stärkere Kundenorientierung,

steigende Bedeutung softwareintensiver Systeme,

steigende Komplexität,

ständig steigende Anzahl von Stakeholdern,

stetige Zunahme des Zeit- und Kostendrucks,

zunehmender Verknüpfungsgrad von Software und Systemen,

zunehmende Vernetzung der IT-Systeme mit denen von Partnern oder Kunden,

gesetzliche Vorgaben,

Erfordernis einer immer flexibleren Unterstützung der Geschäftsprozesse,

Umstrukturierungen der IT-Organisation.

Ein zentrales Problemfeld stellen in vielen Unternehmen historisch gewachsene, starre Anwendungssilos dar. Diese wurden in der Vergangenheit für den Einsatz in einer stabilen, gleichbleibenden Umgebung erstellt. Unflexible Geschäftsprozesse richteten sich nicht selten nach der IT. Aus diesen Wurzeln hat sich eine vollkommen konträre Philosophie entwickelt. Heute wird eine anpassungsfähige Ausrichtung der IT an die geschäftsrelevanten Aufgaben angestrebt, um nicht zu sagen verlangt. Die fachliche Organisation der Anwendungslandschaft steht dabei im Vordergrund, wobei die Anwendungsarchitektur der Geschäftsarchitektur folgt und nicht umgekehrt. In diesem Zusammenhang hat das Thema Service Orientierte Architekturen (SOA) nicht an Aktualität verloren, weil viele Unternehmen inzwischen feststellen mussten, dass sie aufgrund ihrer starren IT-Infrastruktur so stark in ihrer Flexibilität eingeschränkt sind, dass sie dadurch an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen. Änderungen, die sich beispielsweise durch ökonomische Einflüsse, dynamische Umfeldentwicklungen und/oder fachliche Anforderungen ergeben, müssen innerhalb kurzer Zeit umgesetzt werden können. Die Etablierung einer SOA ist jedoch mehr als nur die Entwicklung einzelner Services. SOA-Umgebungen benötigen die Unterstützung des gesamten Software Development Lifecycle (SDLC). Eine Schlüsselrolle nimmt hier das Anforderungsmanagement in der Analysephase ein. Insbesondere bei einem hohen Verknüpfungsgrad sind die Auswirkungen von Änderungen sorgfältig zu analysieren. Werden Abhängigkeiten identifiziert, so geht mit dem Änderungsaufwand ein Koordinationsaufwand einher.

Nicht nur die gestiegene Komplexität spricht für einen veränderten Umgang mit Anforderungen, sondern auch die neuen Rahmenbedingungen, wie z.B. ggf. die Kommunikation über eine größere Distanz. Ein weiteres großes Problemfeld in diesem Zusammenhang stellt die Modifikation der Organisationsstrukturen in der IT dar. Diese geht häufig mit einem Verlust an Kommunikation zwischen Fachbereich und IT einher, weil sich deren Geschäftsbeziehungen verändern. Durch eine zunehmende Formalisierung wird die Kommunikation erschwert. Dies wiederum kann die Komplexität erhöhen. Zudem sollen die Steuerbarkeit der IT-Dienstleistungen verbessert und deren Leistungsfähigkeit gesteigert werden. „Unternehmensintern erbrachte IT-Serviceleistungen stehen auf dem Prüfstand. Sie werden zunehmend unter Kostenaspekten betrachtet und auf Transparenz getrimmt.“ [Reic06, S. 1]

Die Konzentration auf das Kerngeschäft ist eine Möglichkeit, durch Spezialisierung die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Outsourcing und Offshoring sind Themen, die in diesem Zusammenhang kontrovers diskutiert werden. Es ist die zunehmende Tendenz zu beobachten, dass Software nach wie vor im eigenen Unternehmen geplant, beauftragt und überwacht wird, aber keine Entwicklung mehr erfolgt. Umso mehr ist es von Bedeutung, dass die Anforderungen klar spezifiziert sind.

Desweiteren verläuft diversen Studien zufolge ein großer Teil der Softwareentwicklungs-projekte nicht erfolgreich. Eine Aufstellung über die zu dieser Thematik durchgeführten Studien findet sich in der Arbeit von Buschermöhle et al. (vgl.[Bus+06, S. 15]). Dort werden zudem die jeweils verwendete Forschungsmethode, das Untersuchungssubjekt bzw. -objekt und die ermittelte Erfolgsquote (falls ermittelt) übersichtsartig dargestellt.

Der aktuelle CHAOS Report der Standish Group kommt zu dem Ergebnis, dass weltweit nur 35 Prozent der Softwareprojekte, die in 2006 begonnen wurden, erfolgreich verliefen (vgl. [Rubi07]). Eine ähnliche Studie führte der F&E Bereich Sicherheitskritische Systeme des Oldenburger Forschungs- und Entwicklungsinstitut für Informatik-Werkzeuge und – Systeme (OFFIS) mit seiner Umfrage SUCCESS (SUCCESS AND FAILURE OF HARD- AND SOFTWARE PROJECTS) im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes VSEK (Virtuelles Software-Engineering-Kompetenznetz) in 2005/2006 durch. Ziel war die Identifikation aktueller Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren bei der Durchführung von Hard- und Softwareprojekten in Deutschland. Auf Basis der erhobenen Daten von 378 untersuchten Projekten wurde eine Erfolgsrate in Höhe von 50,7 Prozent ermittelt (vgl. [Bus+06, S.289]).

Die Studienergebnisse sind zwar, nicht zuletzt aufgrund des unterschiedlichen Studiendesigns, nur beschränkt miteinander vergleichbar, dennoch lassen sie das Optimierungspotential von Softwareentwicklungsprojekten, die nach heutigen Standards abgewickelt werden, erkennen.

Die beschriebene Situation lässt erahnen, dass die zum Teil rasanten Veränderungen im IT-Umfeld einen veränderten Umgang mit Anforderungen erfordern. Die genannten Herausforderungen haben zur Konsequenz, dass kontinuierliches und systematisches Anforderungsmanagement für eine erfolgreiche Produktentwicklung immer mehr an Bedeutung gewinnt.

1.3 Zielsetzung und Konzeption dieser Arbeit

Im Rahmen dieser Arbeit soll beleuchtet werden, welchen Beitrag das Anforderungsmanagement für die Differenzierung eines Unternehmens im Wettbewerb leisten kann.

Die Relevanz des Themas wurde in derSituationsanalysebereits vorgestellt.

Nach den Erläuterungen zurZielsetzung und Konzeption dieser Arbeitfindet eine Klärung der für diese Arbeit zentralen Begriffe Anforderung und Anforderungsmanagement statt. Darauf aufbauend werden dieZiele des Anforderungsmanagementsformuliert. Das4. Kapitel beschäftigt sich mit der systematischenKlassifizierung von Anforderungen. Nach der Betrachtung der Qualitätskriterien für Anforderungen und Anforderungsdokumente im5. Kapitel befasst sich das Kapitel6mit denHaupttätigkeiten im Anforderungsmanagement.

Im Kapitel7werdenAnforderungen im Kontext von Vorgehensmodellenbeleuchtet.  Um ein Gefühl für dieErfolgsfaktoren im Anforderungsmanagement

2 Definition von Anforderung und Anforderungsmanagement

 

Der Begriff des „Anforderungsmanagements“ bezeichnet ein Forschungsgebiet, das in den letzten Jahren in neueren Publikationen eine zunehmende Bedeutung erfahren hat.

 

Trotz der mittlerweile großen Anzahl an Veröffentlichungen ist eine einheitliche terminologische Basis nicht sichtbar geworden.

 

2.1 Der Anforderungsbegriff

 

Literaturrecherchen fördern zutage, dass es keine allgemein anerkannte Definition davon gibt, was man unter dem Anforderungsbegriff versteht.

 

Im Standard IEEE 610.12-1990 ist der Begriff Anforderung (engl. requirement) wie folgt definiert:

 

Eine Anforderung ist:

 

(1)  Eine Bedingung oder Fähigkeit, die von einem Benutzer benötigt wird, um ein Problem zu lösen.

(2)  Eine Bedingung oder Fähigkeit, die ein System oder eine Systemkomponente aufweisen muss, um einen Vertrag zu erfüllen oder einem Standard, einer Spezifikation, oder anderen formellen Dokumenten zu genügen.

(3)  Eine dokumentierte Darstellung einer Bedingung oder Fähigkeit gemäß (1) oder

 

(Vgl. [IEEE 610.12-1990], Übersetzung des Autors)

 

Sommerville und Sawyer definieren den Anforderungsbegriff wie folgt:

 

Anforderungen werden in den frühen Phasen einer Systementwicklung definiert als eine Spezifikation dessen, was implementiert werden soll. Sie sind Beschreibungen dessen, wie sich das System verhalten soll, Beschreibungen einer Systemeigenschaft oder Qualitätsmerkmale. Sie können eine Auflage im Entwicklungsprozess des Systems darstellen.

 

(Vgl. [SoSa97, S. 4], Übersetzung des Autors)

 

Von Grady Booch stammt folgende Definition im Rahmen des Rational Unified Process (RUP):

 

„Eine Anforderung ist eine Voraussetzung oder eine Fähigkeit, die ein System erfüllen muss.“

 

[KrBo99, S. 142]