Angelfall - Susan Ee - E-Book

Angelfall E-Book

Susan Ee

4,8
9,99 €

oder
Beschreibung

Wenn die Engel die Bösen sind

Die Engel sind auf die Erde gekommen, doch sie haben nicht Frieden und Freude, sondern Elend und Zerstörung mit sich gebracht: Weltweit liegen die Städte in Trümmern, und die Menschen trauen sich vor Angst kaum noch auf die Straße. Als eine Gruppe Engel die kleine Schwester von Penryn entführt, haben sie sich jedoch mit der Falschen angelegt. Die Siebzehnjährige zieht los zum Hauptquartier der Engel, um ihre Schwester zu befreien. Aber dafür braucht sie Hilfe – und die kommt ausgerechnet von Raffe, einem flügellosen Engel ...

Penryn ist die Starke in der Familie: Seit ihr Vater sie verlassen hat, kümmert sie sich in jeder freien Minute um ihre siebenjährige Schwester Paige, die im Rollstuhl sitzt, und um ihre Mutter, die seit der Trennung mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen hat. Doch seit einigen Wochen ist Penryns Aufgabe immer schwieriger geworden – wenn nicht sogar unmöglich. Die Engel sind gekommen, und mit sanftmütigen, himmlischen Geschöpfen haben die überhaupt nichts gemein! Ganz im Gegenteil – sie zerstören Städte auf der ganzen Welt und machen Jagd auf Menschen. Als Paige von Engeln verschleppt wird und ihre Mutter spurlos verschwindet, bleibt Penryn allein zurück. Die Siebzehnjährige ist wild entschlossen, das Leben ihrer Schwester zu retten, doch dazu muss sie nach Aerie gelangen, dem Hauptquartier der Engel, das auf den Trümmern San Franciscos errichtet wurde. Auf ihrer Reise durch das verwüstete Kalifornien wird sie von Raffe begleitet, einem wunderschönen gefallenen Engel. Raffe, dem seine Flügel genommen wurden, hat mit Paiges Entführern noch eine Rechnung offen und erklärt sich bereit, Penryn zu helfen. Penryn weiß, dass sie ihre Schwester ohne Raffes Unterstützung nicht befreien kann, aber soll sie einem Engel in diesen dunklen Zeiten wirklich vertrauen?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 436




Susan Ee

Angelfall

Fürchteteuchnicht

Roman

Aus dem Amerikanischen

von Kathrin Wolf

Die Originalausgabe erscheint unter dem Titel Angelfall

bei Amazon’s Childrens Publishing, Las Vegas

Copyright © 2012 by Feral Dream LLC

Copyright © 2013 der deutschsprachigen Ausgabe

by Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Redaktion: Christina Neiske

Umschlaggestaltung: t.mutzenbach Design, München

Satz: Leingärtner, Nabburg

ePub-ISBN 978-3-641-11242-4

www.heyne-fliegt.de

1

Auch wenn es ironisch klingt: Seit den Angriffen sind die Sonnenuntergänge herrlich. Vor dem Fenster unseres Wohngebäudes lodert der Himmel in kräftigem Orange, Rot und Lila wie eine aufgebrochene Mango. Die Wolken flammen in den Farben des Sonnenuntergangs auf, und fast habe ich Bedenken, diejenigen von uns, die unter ihnen gefangen sind, könnten ebenfalls Feuer fangen.

Die Wärme auf meinem Gesicht schwindet allmählich, und ich versuche, an nichts anderes zu denken als daran, meine Hände vom Zittern abzuhalten, während ich den Reißverschluss des Rucksacks schließe.

Ich ziehe meine Lieblingsstiefel an. Früher mochte ich sie, weil Misty Johnson mir ihretwegen mal ein Kompliment gemacht hat. Es würde super aussehen, wie die Lederriemen leiterartig an den Seiten herabliefen. Misty ist – war – ein Cheerleader und bekannt für ihren ausgesuchten Modegeschmack. Also dachte ich, die Stiefel seien ein Mode-Statement, auch wenn sie von einer Firma für seriöse Wanderbekleidung hergestellt wurden. Jetzt mag ich sie, weil die Riemen eine ausgezeichnete Messerhalterung abgeben.

Ich schiebe noch ein geschärftes Steakmesser in die Tasche an Paiges Rollstuhl. Nach kurzem Zögern bringe ich ein weiteres in Moms Einkaufswagen im Wohnzimmer unter. Ich lasse es zwischen einen Stapel Bibeln und einen Haufen leerer Wasserflaschen gleiten. Als sie nicht hinschaut, breite ich ein paar Kleider darüber aus und hoffe, sie wird nie erfahren müssen, dass es sich dort befindet.

Bevor es vollständig dunkel wird, rolle ich Paige durch den Korridor zu den Treppen. Da sie lieber einen gewöhnlichen Rollstuhl wollte als einen elektrischen, kann sie sich selbst fortbewegen. Doch ich merke, dass sie sich sicherer fühlt, wenn ich sie schiebe. Der Fahrstuhl ist inzwischen völlig nutzlos, es sei denn, man möchte es riskieren, stecken zu bleiben, wenn, wie so oft, der Strom ausfällt.

Ich helfe Paige beim Aufstehen und trage sie auf dem Rücken, während unsere Mutter den Rollstuhl die Treppe hinunterbugsiert. Es gefällt mir nicht, wie knochig sich meine Schwester anfühlt. Sogar für eine Siebenjährige ist sie inzwischen viel zu leicht, und das ängstigt mich mehr als alles andere zusammen.

Nachdem wir in der Empfangshalle angekommen sind, hieve ich Paige zurück in den Stuhl. Ich streiche ihr eine Strähne ihres dunklen Haars hinters Ohr. Mit ihren hohen Wangenknochen und den mitternachtsblauen Augen könnte sie fast mein Zwilling sein. Ihr Gesicht ist feenhafter als meins, doch noch zehn Jahre und sie wird genauso aussehen wie ich. Trotzdem würde uns nie jemand verwechseln, selbst wenn wir beide siebzehn Jahre alt wären, genauso wenig wie man weich und hart oder warm und kalt verwechselt. So sehr sie sich auch ängstigt, ihre nach oben gezogenen Mundwinkel lassen sogar jetzt die Andeutung eines Lächelns erkennen. Sie macht sich mehr Sorgen um mich als um sich selbst. Ich lächle zurück und versuche, Zuversicht auszustrahlen.

Wieder eile ich die Treppe hinauf, um Mom dabei zu helfen, ihren Einkaufswagen nach unten zu befördern. Wir kämpfen mit dem unförmigen Ding, und während der Wagen mit uns die Treppe hinunterschwankt, macht er alle möglichen scheppernden Geräusche. Zum ersten Mal bin ich froh, dass niemand mehr in dem Gebäude ist, der es hören könnte. Der Wagen ist randvoll mit leeren Flaschen, Paiges Babydecken, Zeitschriftenstapeln, Bibeln und mit sämtlichen Shirts, die Dad nach seinem Auszug im Schrank gelassen hat. Und – natürlich – befinden sich auch die Kartons mit ihren kostbaren faulen Eiern darin, die sie zusätzlich noch in jede Tasche ihres Sweaters und ihrer Jacke gestopft hat.

Kurz ziehe ich in Erwägung, den Einkaufswagen einfach stehen zu lassen, doch der Streit mit meiner Mutter würde sehr viel länger dauern und sehr viel lauter ausfallen, als wenn ich ihr einfach helfe. Ich hoffe nur, dass mit Paige alles in Ordnung ist, während ich damit beschäftigt bin, den Wagen nach unten zu befördern. Ich könnte mich ohrfeigen, dass ich den Wagen nicht zuerst runtergebracht habe. Oben wäre es für Paige relativ sicher gewesen, sicherer zumindest, als in der Lobby auf uns zu warten.

Als wir endlich den Gebäudeeingang erreichen, schwitze ich und bin mit den Nerven am Ende.

»Denk dran«, sage ich. »Egal was passiert, renn einfach weiter den Camino entlang, bis du Page Mill erreichst. Wenn wir uns verlieren, treffen wir uns oben auf den Hügeln, okay?«

Wenn wir uns verlieren, besteht wenig Hoffnung, dass wir uns noch irgendwo treffen, aber ich muss weiter Hoffnung vortäuschen, denn sie ist alles, was wir haben.

Ich lege mein Ohr an die Eingangstür unseres Wohnhauses. Nichts. Kein Wind, keine Vögel, keine Autos, keine Stimmen. Ich ziehe die schwere Tür einen Spalt breit auf und spähe nach draußen.

Abgesehen von ein paar einsamen geparkten Autos sind die Straßen verlassen. Das schwindende Licht verwäscht die Farben von Beton und Stahl zum Abglanz eines matten Grau.

Der Tag gehört den Flüchtlingen und den Raubzügen der Gangs. Doch nachts verschwinden sie, bei Anbruch der Dämmerung lassen sie die Straßen menschenleer zurück. Um diese Zeit herrscht eine große Furcht vor dem Übernatürlichen. Beide, die tödlichen Jäger und ihre Beute, scheinen übereingekommen zu sein, ihren archaischen Ängsten zu gehorchen und sich bis Sonnenaufgang versteckt zu halten. Selbst die gefürchtetsten Straßengangs überlassen die Nacht den Kreaturen – welche auch immer das sein mögen –, die in der Dunkelheit dieser neuen Welt umherstreifen.

Zumindest haben sie das bislang getan. Irgendwann wird der Verzweifeltste unter ihnen den Schutz der Nacht trotz aller Gefahren für sich nutzen. Ich hoffe, wir sind die Ersten da draußen, die Einzigen, und sei es nur, damit ich Paige nicht mit Gewalt davon abhalten muss, jemandem zu helfen, der in Not geraten ist.

Mom packt mich am Arm, als sie in die Nacht hinausstarrt. Ihr Blick ist intensiv und voller Furcht. Seit Dad uns letztes Jahr verlassen hat, hat sie so viel geweint, dass ihre Augen ständig geschwollen sind. Besonders vor der Nacht hat sie Angst, doch dagegen kann ich nichts tun. Gerade will ich ihr sagen, dass alles gut wird, doch die Lüge bleibt mir im Hals stecken. Es ist sinnlos, ihr ein Gefühl von Sicherheit vermitteln zu wollen.

Ich hole tief Luft und reiße die Tür auf.

2

Sofort fühle ich mich ausgeliefert. Meine Muskeln spannen sich an wie in der Erwartung, jeden Moment angeschossen zu werden.

Ich packe Paiges Stuhl und rolle sie aus dem Gebäude hinaus. Forschend tasten meine Blicke den Himmel und die Umgebung ab, als wäre ich ein Hase auf der Flucht vor Jägern.

Die Schatten über den verlassenen Gebäuden, Autos und dem vertrockneten Buschwerk, das seit sechs Wochen nicht gegossen worden ist, werden schnell dunkler. Irgendein Graffitikünstler hat einen wütenden Engel mit riesigen Flügeln und einem Schwert an die Mauern unseres Wohnhauses gesprüht. Ein gewaltiger Riss in der Mauer läuft in einer Zickzacklinie durch sein Gesicht und verzerrt es zu einer irren Fratze. Darunter hat ein Möchtegernpoet die Worte Wer wacht über die Wächter? gekritzelt.

Mit Schwung schiebt meine Mutter den Einkaufswagen durch die Tür auf den Bürgersteig. Das scheppernde Geräusch lässt mich zusammenzucken. Wir knirschen über zerbrochenes Glas, was mich in der Annahme bestärkt, dass wir uns länger in unserem Haus versteckt gehalten haben, als gut für uns ist. Die Fenster im ersten Stock sind zerborsten.

Und jemand hat eine Feder an die Tür genagelt.

Nicht eine Sekunde glaube ich, dass es sich um eine echte Engelsfeder handelt, auch wenn es ganz offensichtlich so aussehen soll. Keine der neuen Gangs ist so stark oder wohlhabend. Noch nicht zumindest.

Die Feder wurde in rote Farbe getaucht, die nun am Holz hinuntertropft. Zumindest hoffe ich, dass es sich um Farbe handelt. Das Symbol der Gang habe ich die letzten paar Wochen immer wieder an Supermärkten und Drug Stores gesehen, wo sie menschliche Aasgeier abschrecken sollten. Es wird nicht lange dauern, bis die Mitglieder der Banden kommen, um für sich einzufordern, was auch immer sich in den oberen Stockwerken befindet. Tja. Zu schade, dass wir dann nicht mehr da sein werden. Im Moment sind sie noch damit beschäftigt, ihre Gebietsansprüche geltend zu machen, bevor ihnen rivalisierende Gangs zuvorkommen.

Wir sprinten zum nächsten Auto und gehen dahinter in Deckung.

Ich muss mich nicht umdrehen, um zu wissen, dass Mom mir folgt. Ich merke es am Rattern des Einkaufswagens. Rasch blicke ich mich nach allen Seiten um. In den Schatten rührt sich nichts.

Zum ersten Mal, seit ich diesen Plan für uns geschmiedet habe, fühle ich Hoffnung in mir aufflackern. Vielleicht ist heute so eine Nacht, in der nichts auf den Straßen passiert. Keine Banden, keine Überreste verspeister Tiere, die man am Morgen findet, keine Schreie, die durch die Nacht hallen.

Meine Hoffnung wächst, als wir von einem Auto zum nächsten springen, denn wir kommen schneller vorwärts, als ich erwartet habe.

Wir biegen in den Camino Real ein, einer Hauptverkehrsader des Silicon Valley. Mein Spanischlehrer hat gesagt, El Camino Real würde »der königliche Pfad« bedeuten. Der Name passt, wenn man bedenkt, dass selbst die örtlichen Herrscher, die Gründer und höchsten Mitarbeiter der innovativsten Hightech-Unternehmen der Welt, dass diese Herrscher genau wie jeder andere hier im Verkehr stecken geblieben sind.

Geparkte Autos haben die Kreuzungen lahmgelegt. Bis vor sechs Wochen habe ich hier im Valley noch nie einen Verkehrsstillstand erlebt. Die Fahrer waren immer alle so zuvorkommend wie nur möglich. Doch was mich wirklich davon überzeugt, dass uns die Apokalypse erreicht hat, ist das Knacken der Smartphones unter meinen Füßen. Nur das Ende der Welt würde unsere umweltbewussten Technikfreaks dazu bringen, ihr neuestes Spielzeug einfach so auf die Straße zu werfen. Auch wenn die Geräte mittlerweile nur noch totes Gewicht bedeuten, ist das fast schon frevlerisch.

Ich hatte kurz darüber nachgedacht, auf den schmaleren Straßen zu bleiben, doch die Gangs werden sich dort verstecken, wo sie weniger exponiert sind. Wenn wir sie in ihrer eigenen Straße herausfordern, könnten sie für einen Einkaufswagen voller Diebesgut das Risiko eingehen, ihre Deckung aufzugeben, auch wenn es Nacht ist. Aus dieser Entfernung werden sie wahrscheinlich nicht erkennen, dass es sich nur um einen Haufen leerer Flaschen und Lumpen handelt.

Gerade will ich mich hinter einem SUV aufrichten, um unseren nächsten Sprung zu planen, als sich Paige durch eine offene Autotür lehnt und nach etwas auf dem Sitz greift.

Ein Energieriegel. Ungeöffnet.

Er liegt mitten zwischen ein paar vereinzelten Zettelhäufchen, die aussehen, als seien sie aus einer Tasche gefallen. Das Schlaueste wäre, ihn sich einfach zu schnappen und wegzurennen, um ihn an einem sicheren Ort zu essen. Doch in den letzten paar Wochen habe ich gelernt, dass sich der Bauch ziemlich leicht über den Verstand hinwegsetzt.

Paige reißt die Packung auf und bricht den Riegel in drei Teile. Sie strahlt, als sie die Stücke herumreicht. Ihre Hand zittert vor Hunger und Aufregung. Und trotzdem reicht sie uns die viel größeren Stücke und behält das kleinste für sich.

Ich breche meines entzwei und gebe Paige eine Hälfte, Mom macht das Gleiche. Paige wirkt niedergeschlagen, als würden wir ihre Geschenke ablehnen. Ich lege meinen Finger auf die Lippen und blicke sie streng an. Widerstrebend akzeptiert sie unser Angebot.

Seit sie drei Jahre alt war und wir zusammen den Streichelzoo besucht haben, ist Paige Vegetarierin. Obwohl sie fast noch ein Baby war, konnte sie die Verbindung zwischen dem Truthahn, der sie zum Lachen gebracht hat, und ihrem Sandwich herstellen. Bis vor ein paar Wochen – bevor ich darauf bestand, dass sie alles isst, was ich von der Straße kratzen kann – haben wir sie unseren kleinen Dalai Lama genannt. Zurzeit ist ein Energieriegel das Beste, was ich für sie tun kann.

Erleichtert entkrampfen sich unsere Gesichtszüge, als wir in den knusprigen Riegel beißen. Zucker und Schokolade! Kalorien und Vitamine.

Einer der Papierzettel segelt vom Beifahrersitz herunter, und ich erhasche einen Blick auf das, was da geschrieben steht:

Frohlocket! Der Herr ist nah! Schließt euch New Dawn an und seid die Ersten, die ins Paradies kommen.

Es ist ein Flyer irgendeines dieser apokalyptischen Kulte, die seit den Angriffen wie Pickel auf fettiger Haut sprießen. Darauf abgebildet sind verschwommene Fotos der glutroten Zerstörung Jerusalems, Mekkas und des Vatikan. Der Flyer sieht aus, als hätte ihn jemand in Heimarbeit eilig zusammengebastelt, als würde noch immer jemand Nachrichtenvideos abfotografieren und die Bilder auf einem billigen Farbdrucker ausdrucken …

Wir schlingen unser Essen hinunter, doch ich bin zu unruhig, um den süßen Geschmack zu genießen. Wir sind fast in der Page Mill Road angelangt, die uns durch eine mehr oder weniger unbesiedelte Gegend auf die Hügel führen wird. Ich schätze, wenn wir erst einmal in der Nähe der Hügel angekommen sind, werden unsere Überlebenschancen dramatisch steigen. Inzwischen ist es tiefe Nacht. Der Halbmond taucht die verlassenen Autos in ein unheimliches Licht.

Irgendetwas an dieser Stille macht mich nervös. Wenigstens ein paar Geräusche sollten doch zu hören sein. Eine herumwuselnde Ratte, ein Vogel oder eine Grille – irgendwas. Sogar der Wind scheint sich vor seiner eigenen Bewegung zu fürchten.

In der Stille hallt das Geräusch des Einkaufswagens besonders laut wider. Ein Gefühl von Dringlichkeit steigt in mir auf, wie als Reaktion auf die Aufladung vor einem Blitzschlag. Wir müssen es einfach bis Page Mill schaffen!

Ich laufe schneller, hetze im Zickzack von Auto zu Auto. Moms Atem hinter mir geht schwerer. Paige ist so still, dass ich fast vermute, sie hält die Luft an.

Etwas Weißes segelt langsam zur Erde herab und landet auf ihr. Sie greift danach und dreht sich zu mir, um es mir zu zeigen. Alles Blut ist aus ihren Wangen gewichen. Ihre Augen sind riesengroß.

Ein flaumiges Stück Daune. Eine schneeweiße Feder. Eine, die aus einer Gänsedaunendecke herausgefunden haben könnte, nur ein bisschen breiter.

Auch ich werde bleich.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit …?

Meistens zielen sie auf die großen Städte. Silicon Valley ist nur ein läppischer Streifen mit niedrigstöckigen Gebäuden und ein paar Siedlungen am Stadtrand zwischen San Francisco und San José. San Francisco wurde schon getroffen, wenn sie also sonst noch einen Ort in der Gegend angreifen wollten, wäre das San José und nicht das Valley. Es war sicher nur ein Vogel, der vorübergeflogen ist. Mehr nicht.

Doch schon jetzt keuche ich vor Angst.

Ich zwinge mich, nach oben zu blicken. Nur ein unendlicher, dunkler Himmel liegt über mir.

Aber dann sehe ich doch etwas. Eine zweite, noch breitere Feder segelt träge nach unten auf meinen Kopf zu.

Schweiß kribbelt in meiner Augenbraue. So schnell ich kann, sprinte ich los.

Hinter mir rattert Moms Wagen wie verrückt, während sie mir verzweifelt folgt. Man muss ihr nichts erklären und sie nicht anfeuern, damit sie rennt. Ich habe Angst, dass eine von uns hinfällt oder dass Paiges Stuhl umkippt, doch ich kann nicht stehen bleiben. Wir müssen ein Versteck finden – jetzt, jetzt, jetzt!

Das Hybridauto, das ich angesteuert hatte, bricht plötzlich unter einer Last zusammen, die auf den Wagen gestürzt ist. Der donnernde Krach des Zusammenstoßes erschreckt mich fast zu Tode, doch zum Glück übertönt er Moms Schrei.

Ich erhasche einen Blick auf gebräunte Gliedmaße und schneeweiße Flügel.

Ein Engel.

Ich muss blinzeln, um sicherzugehen, dass er wirklich echt ist.

Ich habe noch nie einen Engel gesehen, jedenfalls nicht leibhaftig. Natürlich kennen wir alle die filmische Endlosschleife vom gold-geflügelten Gabriel, von Gottes Boten, wie er über den Trümmern, die einst Jerusalem waren, abgeschossen wird. Oder die Bilder der Engel, die einen Militärhubschrauber einfach so vom Himmel pflücken und in Peking in die Menge werfen. Oder das verwackelte Video der Menschen, die unter einem Himmel voller Rauch und Engelsflügel aus dem lodernden Paris flüchten.

Doch beim Fernsehen konnte man sich immer gut einreden, dass die Bilder nicht echt seien, selbst wenn sie tagelang in jeder Nachrichtensendung gezeigt wurden.

Jetzt aber lässt es sich nicht leugnen – das hier ist echt. Männer mit Flügeln. Engel der Apokalypse. Übersinnliche Geschöpfe, die die moderne Welt in Schutt und Asche gelegt und Millionen, wenn nicht Milliarden Menschen getötet haben.

Und hier nun der leibhaftige Horror – direkt vor mir.

3

Fast bringe ich Paige zum Umkippen, als ich herumwirble, um die Richtung zu ändern. Hinter einem Umzugswagen kommen wir schlingernd zum Stehen. Ich spähe dahinter hervor, unfähig, den Blick abzuwenden.

Fünf weitere Engel schießen auf den mit den schneeweißen Flügeln hernieder. Ihrer aggressiven Haltung nach zu urteilen ist es ein Kampf, ein ungleicher Kampf, fünf gegen einen. Es ist zu dunkel, um ihre Landung im Detail zu verfolgen, doch einer von ihnen sticht besonders hervor, ein Riese, der über dem Rest aufragt. Etwas an der Form seiner Flügel scheint von der der anderen abzuweichen. Doch die Engel legen ihre Schwingen zu schnell an, als dass ich sie mir genau ansehen könnte, und am Ende frage ich mich, ob ich mich nicht doch getäuscht habe.

Wir ziehen die Köpfe ein. Meine Muskeln erstarren und verweigern es mir, mich aus dem relativen Schutz des Lkw-Reifens zu entfernen. Bislang scheinen uns die Engel nicht zu bemerken.

Plötzlich flackert ein Licht über dem zermalmten Hybridauto auf und leuchtet dann voll. Wir haben wieder Strom. Die Straßenlaterne ist eine der wenigen, die nicht zerborsten sind. Der einsame Lichtkegel wirkt übertrieben hell und schaurig. Eigentlich verschärft er eher die Kontraste, als dass er die Umgebung erhellt. Hinter ein paar leeren Fensterhöhlen entlang der Straße wird es ebenfalls hell. Das Licht reicht aus, um die Engel ein bisschen besser zu sehen.

Sie haben verschiedenfarbige Flügel. Der, der in das Auto gekracht ist, hat schneeweiße, der Riese nachtfarbene, und die der anderen sind blau, grün, rostfarben und getigert.

Sie alle tragen keine T-Shirts, die muskulöse Form ihrer Körper spannt sich bei jeder Bewegung an. Ebenso wie die Flügel unterscheiden sich auch ihre Hauttöne. Der Engel mit den schneeweißen Flügeln, der das Auto plattgewalzt hat, hat eine helle, karamellfarbene Haut, der mit den nachtfarbenen Schwingen ist so blass wie ein Ei. Der Teint der Übrigen rangiert von Gold bis Dunkelbraun. Alle Engel sehen aus, als müssten sie eigentlich von Kriegswunden gezeichnet sein, doch stattdessen haben sie eine makellose, unversehrte Haut, für die Highschool-Ballköniginnen im ganzen Land ihre Ballkönige töten würden.

Unter Schmerzen wälzt sich der schneeweiße Engel von dem zerquetschten Auto herunter. Trotz seiner Verletzungen geht er halb in die Hocke, bereit, anzugreifen. Seine athletische Anmut erinnert mich an einen Puma, den ich mal im Fernsehen gesehen habe.

An der Art, wie sich ihm die anderen vorsichtig nähern, merke ich, dass er ein ernst zu nehmender Gegner sein muss, selbst wenn er verletzt und den anderen zahlenmäßig unterlegen ist. Obwohl auch die anderen muskulös sind, wirken sie im Vergleich zu ihm ungeschliffen und plump. Sein Körper ist der eines olympischen Schwimmers, straff und kräftig. Er sieht aus, als wäre er bereit, mit bloßen Händen zu kämpfen, auch wenn fast alle seine Feinde mit Schwertern bewaffnet sind.

Sein eigenes Schwert liegt ein paar Meter von dem Auto entfernt, wo es während seines Sturzes gelandet ist. Wie die anderen Engelsschwerter ist es kurz und hat eine ungefähr 60 Zentimeter lange zweischneidige Klinge, mit der man ohne Probleme eine Kehle aufschlitzen könnte.

Er erblickt das Schwert und macht eine Bewegung, wie um es sich zu schnappen, doch der Engel mit den rostfarbenen Flügeln tritt danach. Gemächlich schlittert es über den Asphalt, weg von seinem Besitzer, aber die Strecke, die es zurücklegt, ist erstaunlich kurz. Es muss schwer sein wie Blei. Und dennoch ist es nun weit genug weg, um sicherzustellen, dass der mit den weißen Flügeln keine Chance hat, dranzukommen.

Ich setze mich, um mir die Hinrichtung des Engels anzuschauen, denn es besteht kein Zweifel am Ausgang der Sache. Der Schneeweiße schlägt sich wacker. Er tritt den Getigerten und schafft es, sich gegen die anderen beiden durchzusetzen. Doch gegen alle fünf kommt er nicht an.

Die vier setzen sich praktisch auf ihn, und als sie es schaffen, ihn niederzudrücken, kommt der Nachtriese auf ihn zu. Wie ein Todesengel stolziert er herbei, und ich schätze, er könnte tatsächlich einer sein. Ich habe den Eindruck, dass es sich hier um den Höhepunkt vieler vorangegangener Kämpfe handelt. An der Art, wie die beiden einander ansehen, wie der Nachtfarbene am Flügel des Schneeweißen zerrt und ihn abspreizt, erkenne ich, dass sie eine Vergangenheit haben. Er nickt dem Getigerten zu, woraufhin dieser sein Schwert über den Schneeweißen erhebt.

Vor dem finalen Hieb will ich die Augen schließen, doch ich kann nicht. Sie bleiben wie angeklebt geöffnet.

»Du hättest unsere Einladung akzeptieren sollen, als du die Gelegenheit dazu hattest«, sagt der Nachtblaue, während er sich gegen den Flügel des Schneeweißen stemmt, um ihn von dessen Körper wegzuhalten. »Aber selbst ich hätte kein solches Ende für dich vorausgesehen.«

Wieder nickt er dem Getigerten zu. Das Schwert saust herunter und schlägt den Flügel ab.

Zornig brüllt der Schneeweiße auf. Die Straße ist erfüllt vom wütenden Echo seiner Todesqualen.

Blut spritzt nach allen Seiten und regnet wie eine Dusche auf die anderen hernieder. Mit aller Kraft versuchen sie, ihn am Boden zu halten, doch das viele Blut lässt ihn glitschig werden. Der Schneeweiße windet sich und versetzt zweien seiner Peiniger einen harten Tritt. Zusammengekrümmt rollen sie über den Asphalt. Während die beiden anderen Engel versuchen, den Weißen unten zu halten, glaube ich für einen Moment, dass er es schafft, sich freizukämpfen.

Aber der Nachtblaue tritt mit seinem Stiefel auf den Rücken des Schneeweißen, mitten hinein in die frische Wunde.

Der Weiße faucht schmerzerfüllt, doch er schreit nicht. Die anderen nutzen die Gelegenheit, nehmen wieder ihre Plätze ein und drücken ihn zu Boden.

Der Nachtblaue lässt den abgetrennten Flügel fallen. Wie ein totes Tier schlägt er dumpf auf dem Asphalt auf.

Der Schneeweiße hat einen wilden Gesichtsausdruck. Noch immer hat er Kampfgeist in sich, doch der sickert genauso schnell aus ihm heraus wie sein Blut, das seine Haut durchweicht und sein Haar verfilzt.

Der Nachtblaue greift nach dem anderen Flügel und spreizt ihn mit Gewalt ab.

»Wenn es nach mir ginge, würde ich dich laufen lassen«, sagt er. In seiner Stimme liegt genügend Bewunderung, um mich glauben zu machen, dass er es wirklich ernst meinen könnte. »Doch wir alle haben unsere Befehle.« Trotz seiner Bewunderung zeigt er kein Bedauern.

Das Mondlicht spiegelt sich in der Klinge des Getigerten, die über dem Flügelgelenk schwebt.

In der Erwartung eines zweiten blutigen Hiebs erschauere ich. Hinter mir entfährt Paige ein leises, mitleidiges Wimmern.

Der Rostfarbene wendet plötzlich den Kopf und blickt direkt in unsere Richtung.

Ich sitze noch immer zusammengekauert hinter dem Lastwagen und erstarre. Mein Herz setzt einen Schlag aus und beginnt dann dreimal so schnell zu pochen wie vorher.

Der Rostfarbene steht auf und entfernt sich von dem Blutbad.

Er kommt direkt auf uns zu.

4

Mein Verstand macht vor Angst dicht. Das Einzige, an das ich denken kann, ist, den Engel abzulenken, bis Mom Paige weggeschoben hat – in Sicherheit.

»Renn!«

Das Gesicht meiner Mutter wird starr vor Schreck, ihre Augen sind weit aufgerissen. In ihrer Panik dreht sie sich um und läuft ohne Paige davon. Sie muss angenommen haben, ich würde den Rollstuhl schieben. Paige blickt mich an. Ihr Feengesicht wird von erschrockenen Augen beherrscht.

Sie schwenkt herum und rollt so schnell sie kann hinter Mom her. Meine Schwester kann ihren Stuhl zwar selbst bewegen, aber natürlich nicht annähernd so schnell wie jemand, der sie schiebt.

Ohne ein Ablenkungsmanöver wird keiner von uns lebend davonkommen. Da ich keine Zeit habe, die Vor- und Nachteile abzuwägen, treffe ich im Bruchteil einer Sekunde eine Entscheidung.

Ich renne hinaus ins Ungeschützte, geradewegs auf den Rostfarbenen zu.

Irgendwo im Hintergrund registriere ich undeutlich einen schmerzerfüllten Schrei. Sie schlagen ihm den zweiten Flügel ab. Wahrscheinlich ist es schon zu spät, doch ich habe die Stelle, an der das Schwert des Schneeweißen liegt, erreicht und keine Zeit mehr für einen anderen Plan.

Also ziehe ich es dem Rostfarbenen förmlich unter den Füßen weg. Auf ein schweres Gewicht gefasst, packe ich es mit beiden Händen, aber das Schwert ist leicht wie eine Feder. Ich werfe es dem Schneeweißen zu.

»Hey!«, schreie ich aus Leibeskräften.

Beim Anblick des Schwerts, das über seinen Kopf hinwegzischt, duckt sich der Rostfarbene überrascht. Natürlich handelt es sich um einen verzweifelten und nicht durchdachten Schachzug meinerseits, vor allem da der Engel wahrscheinlich kurz davor ist zu verbluten. Doch das Schwert fliegt sehr viel besser als erwartet und landet – fast als wäre es geführt worden – mit dem Heft voran in der ausgestreckten rechten Hand des Schneeweißen.

Ohne auch nur einen Moment innezuhalten, schwingt der flügellose Engel sein Schwert und richtet es gegen den Nachtblauen. Trotz seiner schweren Verletzungen agiert er blitzschnell und wütend. Mit einem Mal kann ich verstehen, weshalb ihm die anderen zahlenmäßig überlegen sein mussten, um ihn in die Ecke zu drängen.

Die Klinge schlitzt den Bauch des Nachtblauen auf. Blut strömt aus ihm heraus und vermischt sich mit der purpurroten Lache auf dem Boden. Mit einem Satz ist der Getigerte bei seinem Boss und fängt ihn auf, bevor er fällt.

Der Schneeweiße strauchelt, als er versucht, ohne seine Flügel das Gleichgewicht wiederzuerlangen. Ströme von Blut fließen seinen Rücken hinab. Wieder gelingt es ihm, mit dem Schwert auszuholen. Er trifft den Getigerten, der mit dem Nachtblauen im Arm flieht, am Bein. Doch das hält die zwei nicht auf.

Die anderen beiden, die zurückgewichen sind, als es hässlich wurde, hasten herbei, um den Nachtblauen und den Getigerten zu packen. Während sie mit den Verletzten davonrennen, breiten sie ihre kräftigen Flügel aus. Als sie in die Nacht fliegen, lassen sie eine auf die Erde herabtropfende Blutspur zurück.

Mein Ablenkungsmanöver war schockierend erfolgreich. Hoffnung brandet in mir auf, dass meine Familie in der Zwischenzeit ein neues Versteck gefunden hat.

Dann explodiert die Welt um mich herum, als mir der Rostfarbene mit dem Handrücken einen Schlag versetzt.

Ich fliege nach hinten und krache auf den Asphalt. Meine Lunge zieht sich so stark zusammen, dass nicht mal ansatzweise an Atemschöpfen zu denken ist. Alles, was ich tun kann, ist, mich wie ein Knäuel zusammenzurollen und zu versuchen, ein kleines bisschen Luft in mich hineinzubekommen.

Der Rostfarbene dreht sich nach dem Schneeweißen um, den man jetzt nicht mehr als schneeweiß bezeichnen kann. Er zögert, all seine Muskeln sind angespannt, als würde er seine Chancen abwägen, gegen den verletzten Engel zu gewinnen. Der Schneeweiße schwankt, flügellos, blutüberströmt, und ist kaum in der Lage, sich auf den Beinen zu halten. Doch sein Schwert ist fest auf den Rostfarbenen gerichtet. Die Augen des Weißen brennen vor Zorn und Entschlossenheit, wahrscheinlich das Einzige, was ihn noch aufrecht hält.

Der blutende Engel muss einen Ruf wie Donnerhall haben, denn trotz seines Zustands stößt der kerngesunde, bullige Rostfarbene sein Schwert zurück in die Scheide. Er wirft mir einen angewiderten Blick zu, sprintet die Straße hinunter, und nach ungefähr einem halben Dutzend Schritte tragen ihn seine Flügel durch die Lüfte davon.

In dem Moment, als sein Feind ihm den Rücken zuwendet, fällt der verletzte Engel zwischen seinen abgetrennten Flügeln auf die Knie. Sieht aus, als würde er einigermaßen zügig verbluten, und ich bin mir ziemlich sicher, dass er in ein paar Minuten elendiglich verendet sein wird.

Endlich schaffe ich einen ordentlichen Atemzug. Die Luft brennt in meiner Lunge, doch meine Muskeln entspannen sich, als sie endlich wieder Sauerstoff bekommen. Ich spüre alle Wonnen der Erleichterung. Langsam löst sich mein Körper aus der Verkrampfung, ich drehe mich um und blicke die Straße hinab.

Was ich da sehe, durchfährt mich wie ein Stromstoß.

Paige rollt sich mühsam die Straße entlang. Der Rostfarbene hält in seinem Aufstieg inne, kreist wie ein Geier über ihr und setzt zu einem Sturzflug an.

Schon bin ich wieder auf den Füßen und rase in Lichtgeschwindigkeit auf die beiden zu.

Meine Lunge schreit nach Sauerstoff, doch ich ignoriere sie.

Der Rostfarbene blickt mich selbstgefällig an. Sein Flügelschlag peitscht mein Haar zurück, während ich weiter auf ihn zusprinte.

So nah, so nah. Nur ein bisschen schneller. Meine Schuld. Ich habe ihn so sehr verärgert, dass er Paige aus reinem Groll etwas antun würde. Mein Schuldgefühl versetzt mich nur noch mehr in Panik. Ich muss sie retten.

Der Rostfarbene ruft: »Lauf, du Affe, lauf!«

Hände greifen nach unten und schnappen sich Paige.

»Nein!«, schreie ich und strecke die Arme nach ihr aus.

Sie wird in die Luft gehoben und brüllt meinen Namen: »Penryn!«

Ich erwische den Saum ihrer Hose, klammere mich an den Baumwollstoff, auf den Mom einen Strahlenkranz genäht hat, um sie vor bösen Mächten zu schützen.

Einen Moment lang lasse ich die Hoffnung zu, dass ich sie zurückziehen kann. Einen Moment lang spüre ich schon die Erleichterung, und die Anspannung in meiner Brust lässt nach.

Dann entgleitet der Stoff meiner Hand.

»Nein!« Ich springe hoch, um an ihre Füße zu kommen. Meine Fingerspitzen streifen ihre Schuhe. »Bring sie zurück! Du willst sie nicht! Sie ist nur ein kleines Mädchen!« Am Ende bricht meine Stimme.

Innerhalb kürzester Zeit ist der Engel zu hoch, um mich überhaupt noch zu hören. Trotzdem schreie ich ihm weiter hinterher, jage die beiden auch dann noch die Straße entlang, als Paiges Schreie in der Ferne verklingen. Bei dem Gedanken, dass er sie aus dieser Höhe fallen lassen könnte, bleibt mir fast das Herz stehen.

Die Zeit dehnt sich ins Unendliche, als ich schwer atmend auf der Straße stehen bleibe und zusehe, wie der kleine Fleck am Himmel zu einem Nichts zusammenschrumpft.

5

Lange nachdem Paige in den Wolken verschwunden ist, wende ich mich um und halte nach meiner Mutter Ausschau. Nicht, dass sie mir nicht wichtig wäre. Es ist nur: Zwischen uns ist es schwieriger als in der üblichen Mutter-Tochter-Beziehung. Die rosige Liebe, die ich für sie empfinden sollte, ist durchsetzt von Schwarz, gesprenkelt mit diversen Grautönen.

Keine Spur von ihr. Ihr Einkaufswagen liegt auf der Seite, der Ramsch ist neben dem Lastwagen verstreut, hinter dem wir uns versteckt haben. Ich zögere, bevor ich rufe:

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!