Angels & Devils - Drucie Anne Taylor - E-Book

Angels & Devils E-Book

Drucie Anne Taylor

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Beschreibung

Helenas Welt liegt in Scherben. Die illegalen Geschäfte ihres Vaters wurden aufgedeckt und haben das FBI auf den Plan gerufen, das nun gegen ihre ganze Familie ermittelt. Sogar sie steht im Fadenkreuz der Ermittlungen und der Presse, die kaum ein gutes Haar an Helena und ihren Verwandten lässt. Als Adrian eine zweite Chance will, weiß sie nicht mehr, wo ihr der Kopf steht. Nach einem kurzen Kampf gegen ihr Herz lässt sich Helena erneut auf ihren charismatischen Chef ein. Doch kann es gut gehen, wenn Adrian ihr von vornherein seine Treue verwehrt und sich ihnen einige Widerstände in den Weg stellen?

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WHITEMAN INC.

ANGELS & DEVILS

WHITEMAN INC.

BUCH 2

DRUCIE ANNE TAYLOR

INHALT

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Über die Autorin

Weitere Werke der Autorin

Copyright © 2018 Drucie Anne Taylor

Korrektorat: S.B. Zimmer

Satz & Layout © Modern Fairy Tale Design

Umschlaggestaltung © Modern Fairy Tale Design

Auflage: 01 / 2023

Alle Rechte, einschließlich das, des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. Dies ist eine fiktive Geschichte, Ähnlichkeiten mit lebenden, oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Alle Markennamen, Firmen sowie Warenzeichen gehören den jeweiligen Copyrightinhabern.

DIESES BUCH

Helenas Welt liegt in Scherben. Die illegalen Geschäfte ihres Vaters wurden aufgedeckt und haben das FBI auf den Plan gerufen, das nun gegen ihre ganze Familie ermittelt. Sogar sie steht im Fadenkreuz der Ermittlungen und der Presse, die kaum ein gutes Haar an Helena und ihren Verwandten lässt.

Als Adrian eine zweite Chance will, weiß sie nicht mehr, wo ihr der Kopf steht. Nach einem kurzen Kampf gegen ihr Herz lässt sich Helena erneut auf ihren charismatischen Chef ein. Doch kann es gut gehen, wenn Adrian ihr von vornherein seine Treue verwehrt und sich ihnen einige Widerstände in den Weg stellen?

1

Ich sitze in meiner Wohnung.

Noch immer belagern Journalisten den Eingangsbereich des Hauses. Seit jenem Abend bei Adrian habe ich nicht mehr mit ihm gesprochen, auch nicht mehr gearbeitet, da ich meine Überstunden genommen habe. Ich habe nicht lange als seine Assistentin gedient – anders kann man es nicht nennen –, dennoch habe ich es auf so viele Zusatzstunden gebracht, dass ich mir eine Woche Urlaub nehmen konnte. Das Geld könnte ich besser gebrauchen, aber ich wollte ihm nicht begegnen, deshalb habe ich den Abstand gewählt.

Nächste Woche werde ich zum Arzt gehen und mich krankschreiben lassen, damit ich diverse Vorstellungsgespräche wahrnehmen kann. Ich möchte nicht mehr für Adrian arbeiten. Es ist besser, wenn sich unsere Wege schnellstmöglich trennen und wir geschiedene Leute sind. Ich kaufe ihm die Nummer nicht ab, dass er bloß helfen wollte, zumal seit zwei Tagen ein Bericht den anderen jagt. Dad wurde festgenommen und sitzt im Gefängnis, mein Elternhaus wurde mit all seinem Inventar gepfändet und meine Geschwister rufen mich pausenlos an. Ich stelle mich derzeit tot, einfach, um nicht in die Sache hineingezogen zu werden. Es ist sowieso schon schlimm genug, dass ich eine Spielfigur auf diesem großen Schachbrett der Giganten bin.

Hoffentlich vergisst die Welt mich wieder, damit mir nicht ewig der Ruf meines Vaters anhaftet. Es wundert mich, dass Tristan Maxwell mich überhaupt noch mal zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen hat, obwohl es nur reißerische Artikel über mich gibt. Sogar die Geschäftsreise nach Paris wurde bekannt und auch, dass ich bei der Spendengala zusammengebrochen bin. Weil Adrian mich danach aus dem Saal getragen hat, heißt es nun, dass er und ich ein Paar seien. Wenn die Journalisten in einem sehr gut sind, dann darin, Lügen zu verbreiten. Hoffentlich bekomme ich irgendwann wieder einen Fuß auf den Boden, aber noch mehr hoffe ich darauf, dass nicht bekannt wird, dass ich mich verschuldet habe, nachdem meine Eltern und ich miteinander gebrochen haben. Man könnte mir unterstellen, dass ich Adrian möglicherweise motiviert habe, Johnson Trust aufzukaufen, aber dem ist nicht so. Ob er die Firma gekauft hat oder nicht, weiß ich nicht, da ich sofort den Fernseher ausschalte, sobald das Thema auf meine Familie gelenkt wird. Ich hatte keine Ahnung, was er vorhat, bis ich die Akte auf seinem Schreibtisch entdeckte.

Mir ist bewusst, dass ich ihn nicht ausreden ließ, aber was hätte ich tun sollen?

Ihm danken?

Adrian ist durch und durch Geschäftsmann, er lässt sich nicht von seiner persönlichen Assistentin beeinflussen, mehrere Millionen Dollar zu sparen. Den Einfluss hätte vielleicht seine Familie auf ihn, aber ich nicht.

Es klingelt. »Ms. Johnson, sind Sie zu Hause?«, ruft jemand energisch.

Ich stehe auf und gehe im Bademantel zur Wohnungstür. »Wer ist da?«

»Mein Name ist Shane Murdoch, ich komme vom FBI. Wenn Sie die Tür öffnen, zeige ich Ihnen meinen Ausweis.«

Ich schiebe die Kette vor, dann öffne ich die Wohnungstür den Spalt, den die Metallkette zulässt.

Agent Murdoch zeigt mir seinen Dienstausweis. »Das ist mein Kollege Ryan Winchester.« Er sieht mich mitleidig an. »Dürfen wir reinkommen, wir haben ein paar Fragen an Sie.«

»Ja, Augenblick.« Ich schließe die Tür, löse die Kette und lasse die FBI-Agenten hereinkommen. »Was kann ich für Sie tun?«, erkundige ich mich, nachdem sie meine Wohnung betreten haben.

»Wir kommen wegen der Vorwürfe, die der Staat Florida und die Börsenaufsicht gegen Ihren Vater erheben«, erwidert Agent Murdoch.

»Ich habe keine Ahnung von den Geschäften meines Vaters. Vielleicht wissen Sie nicht, dass meine Eltern und ich seit vier Jahren kein Wort mehr miteinander gewechselt haben.«

»Sie sollten doch die Firma übernehmen«, meint Agent Winchester misstrauisch und lässt seinen Blick durch mein Wohnzimmer schweifen.

Ich deute zur Couch. »Setzen Sie sich doch.«

Murdoch nickt. »Danke, Ms. Johnson.«

Die beiden gehen zum Sofa und nehmen Platz, ich hingegen setze mich in den Sessel. »Ich hatte wirklich keine Ahnung, dass mein Vater andere Menschen um ihr Geld betrügt. Erst vor Kurzem habe ich erfahren, dass die Immobilien sowie das gesamte Inventar zwangsliquidiert wurden.«

»Warum arbeiten Sie für Adrian Whiteman und nicht für Johnson Trust?«, fragt Agent Murdoch und holt einen Notizblock heraus.

»Ich habe Wirtschaft studiert, als es hieß, dass ich an Stelle meiner Schwester Elisabeth die Firma meines Vaters übernehmen soll. Nachdem ich das Studium erfolgreich und mit Bestnoten abgeschlossen hatte, fuhr ich nach Hause. Mein Vater hat mir eröffnet, dass er nicht genug Vertrauen in mich hat, wenn es um die Leitung von Johnson Trust geht, weshalb ich als seine Nachfolgerin nicht mehr in Betracht gezogen wurde. Am nächsten Tag packte ich meine Sachen und zog nach New York, um hier mein Glück zu finden«, erkläre ich ihm.

»Und seitdem arbeiten Sie für Whiteman Inc.?«

»Nein, ich habe vorher in mehreren kleinen Firmen gejobbt, bis ich die Chance hatte, bei Maxwell Inc. oder Whiteman Inc. anzufangen. Ich wollte meinen Eltern beweisen, dass ich es allein schaffen kann, ohne ihr Geld. Na ja, ich war pleite und habe bei einem Freund gewohnt, bis er mich rausgeworfen hat. Danach habe ich mir diese Wohnung hier genommen, all die Möbel auf Raten gekauft und zahle sie immer noch ab.«

Winchester hebt eine Augenbraue. »Sie wollen uns erzählen, dass Ihr Vater Sie nicht unterstützt hat?«

»Ja, denn ich habe nicht mehr mit ihnen gesprochen, nachdem ich erfahren habe, dass ich nicht mehr als seine Nachfolgerin in Betracht kam«, erkläre ich. »Ich habe auch nicht für Whiteman Inc. gearbeitet, um ihm Betriebsgeheimnisse zuzuspielen, wie die Presse behauptet. Adrian Whiteman ist mein Boss und ich habe ihm gesagt, dass ich Aloysius Johnsons Tochter bin und wie mein Verhältnis zu meinem Vater aussieht, damit er nicht auf die Idee kommt, dass ich Industriespionage betreibe. Ich wollte nicht mehr mit meinen Eltern in Verbindung gebracht werden«, antworte ich aufrichtig. »Mein Vater hat mich damals zutiefst enttäuscht und er gehörte nie zu der besonders liebevollen Sorte, weshalb es mir nicht schwerfiel, den Kontakt abzubrechen.«

»Haben Sie noch Kontakt zu Ihren Geschwistern?«, fragen sie weiter.

»Wenig. Zu meiner Schwester vielleicht zwei- bis dreimal im Jahr und zu meinem Bruder monatlich oder alle zwei Monate, allerdings sprechen wir dann nicht über unsere Eltern, sondern darüber, wie es bei uns läuft.«

»Hatten Sie je Kenntnis darüber, dass ihr Vater nach dem Ponzi-Schema arbeitet?«, fragt Winchester ernst.

»Nein, ich hatte keine Ahnung. Wie ich bereits sagte, ich habe mich vor vier Jahren von ihm abgewandt, ebenso von meiner Mutter und Freunden der Familie, sonst hätte ich womöglich bei Preston Carmichael oder einem anderen angesehenen CEO gearbeitet.«

»Nun, seien Sie froh, dass Sie nicht für Preston Carmichael gearbeitet haben«, sagt Murdoch ruhig und schenkt mir ein Lächeln.

»Darf ich Sie etwas fragen?«, erkundige ich mich vorsichtig.

»Aber sicher«, antwortet Agent Murdoch.

»Was wird jetzt auf meinen Vater zukommen? Ich meine, wenn man sich an ältere Fälle erinnert, wurden die Beschuldigten zu drakonischen Gefängnisstrafen verurteilt«, sage ich leise.

»Ihr Vater hat seine Anleger um achtundvierzig Milliarden Dollar erleichtert und das ist nur der erste Wert, den wir ermitteln konnten, das heißt, dass er womöglich nie wieder aus dem Gefängnis herauskommen wird.«

»Wie viel davon kann mit der Liquidation des Familienbesitzes entschädigt werden?«, möchte ich weiter wissen.

»Es sind Peanuts im Vergleich zu dem Betrag, um den es geht«, meint Agent Winchester. »Die Frage ist nur, ob Sie wirklich nichts davon wussten.«

Ich lehne mich zurück. »Glauben Sie mir, ich hatte wirklich keine Ahnung. Sieht das hier so aus, als hätte ich etwas gewusst und womöglich davon profitiert?«

»Nein, es sieht keineswegs danach aus, Ms. Johnson. Sie gehören bisher auch nicht zum Kreis der weiteren Verdächtigen«, antwortet Agent Murdoch sachlich. »Bloß müssen wir die Vorschriften befolgen und jeden befragen, der in irgendeiner Beziehung zu Ihrem Vater steht.«

Ich nicke verstehend. »Haben Sie noch Fragen?«

»Nein, fürs Erste war das alles«, erwidert Agent Winchester. »Wir werden uns melden, falls wir weitere Fragen haben sollten.«

»Alles klar.« Ich atme tief durch. »Wenn Sie möchten, gebe ich Ihnen meine Handynummer, dann können Sie mich jederzeit erreichen.«

»Das wäre von Vorteil«, sagt Agent Murdoch.

»Okay.« Ich erhebe mich und hole einen Zettel, auf dem ich meine Handynummer notiere. Ich reiche sie ihm.

Die beiden stehen ebenfalls auf. »Es tut uns leid, dass wir Sie überfallen haben, Ms. Johnson. Aber nachdem Mr. Whiteman uns mitgeteilt hatte, dass Sie schon seit einigen Tagen nicht gearbeitet haben, hatten wir den Verdacht, dass Sie in die Sache involviert sind.«

»Schon in Ordnung. Ich hoffe, dass ich Ihnen einigermaßen weiterhelfen konnte.«

Die beiden verabschieden sich. Ich schließe die Tür hinter ihnen, dann laufe ich zum Fenster, um auf die Straße zu schauen. Noch immer tummeln sich Reporter vor meiner Wohnung und ich bin der Verzweiflung nahe. Wenn die Presse jetzt noch spitzkriegt, dass das FBI bei mir war, wird es ein gefundenes Fressen sein, mich in die Sache hineinzuziehen. Ich sehe mich in einer Endlosschleife aus Stress, falschen Verdächtigungen und jeder Menge Hass. Achtundvierzig Milliarden Dollar wurden von meinem Vater durchgebracht. Ich will gar nicht wissen, wie vielen Menschen er geschadet hat.

Ich setze mich auf die Couch und starre ins Leere. Es kann doch nicht sein, dass Dad wirklich so viele Menschen ruiniert hat. Er war immer so betroffen, wenn er vom Leid anderer erfahren hat, weshalb er viel Geld gespendet hat. Nun scheint es so, als wäre es gar nicht seines gewesen.

Ob er mein Studium auch von diesen Mitteln bezahlt hat?

Achtundvierzig Milliarden Dollar sind mehr als nur eine Stange Geld, was heißt, dass er hunderte von Menschen übers Ohr gehauen haben muss – oder Firmen. Seufzend versuche ich, die düsteren Gedanken zu verwerfen. Bei dieser Summe muss sein Betrug über Jahrzehnte unbemerkt geblieben sein, aber nun hat man ihn aufgedeckt. Mein Vater sitzt im Gefängnis und wartet darauf, dass ihm der Prozess gemacht wird. Wenn man sich an andere Fälle erinnert, weiß man, dass er eine horrende Haftstrafe zu erwarten hat. Ich verstehe nicht, warum die Börsenaufsicht nichts unternommen hat, immerhin war Johnson Trust an der Börse und auch Adrian gehört zu den Geschädigten, da er einige Aktien am Unternehmen meiner Familie hält oder gehalten hat. Womöglich hat er es wirklich gekauft, aber das ist nicht mehr wichtig.

Mir brennen Tränen in den Augen, sie fühlen sich wie Säure an und machen mich wahnsinnig. Wann immer ich sie wegwische, folgen ihnen neue.

Womit hat man es verdient, in so eine Familie hineingeboren zu werden?

Ich sollte unbedingt Elisabeth und Lucas anrufen, um sicherzugehen, dass auch sie nichts von Dads Aktivitäten wussten. Entschlossen greife ich nach meinem Handy, rufe Elisabeths Nummer auf und starte den Anruf.

»Johnson?«, meldet sie sich nach kurzer Zeit.

»Hey, ich bin's, weißt du es schon?«, erwidere ich heiser.

»Helena?«

»Ja, ich bin's«, entgegne ich und kneife die Augen zu, weil sie brennen.

»Wovon weiß ich?«, fragt sie irritiert.

»Von Dads Verhaftung.«

»Oh das … Ja, und ich habe versucht, dich zu erreichen. Ich hatte gestern Besuch von der deutschen Polizei, die im Auftrag des FBIs gehandelt hat. Weißt du, wie es Lucas geht?«

»Nein, ich habe noch nicht mit ihm gesprochen.« Anschließend räuspere ich mich. »Hast du schon mit Mom telefoniert?«

»Ich erreiche sie nicht, aber ich denke, dass sie nun versucht, ihren Hals aus der Schlinge zu ziehen. Wenn jemand von Dads Betrügereien wusste, dann höchstwahrscheinlich sie«, sagt sie und ich merke, dass sie ebenso bestürzt ist wie ich. »Aber dein Boss hat wohl die Firma gekauft, mit dem Geld werden schon einige Investoren entschädigt.«

»Wirklich?«, hake ich nach.

»Ja.« Sie seufzt. »Hör zu, Hel, Mom und Dad hatten immer so viel Geld, dabei hat er nicht einmal annähernd so viel gearbeitet wie andere Firmenchefs … Ich habe immer gedacht, dass etwas faul daran ist. Die Börsenaufsicht hat ein paarmal gegen ihn ermittelt, als ich noch zu Hause gewohnt habe … Ich schätze, die haben damals schlampig gearbeitet, sonst wäre die Sache schon viel früher aufgeflogen.«

»Weißt du, um wie viel Geld Dad diese Leute betrogen hat?«

»Achtundvierzig Milliarden«, erwidert sie. »Und das ist eine ganze Stange Geld. Wichtig ist jetzt, dass wir nicht ins Fadenkreuz geraten, denn ich bin nicht besonders scharf darauf, dass meine Konten eingefroren werden, obwohl ich nichts davon wusste«, fährt meine Schwester fort. »Ich habe mir mein Leben in Deutschland selbst aufgebaut und ich will nicht, dass Dads Machenschaften dafür sorgen, dass ich enteignet werde.«

»Darauf bin ich auch nicht besonders scharf.«

»Wirst du Lucas anrufen oder soll ich?«, erkundigt sie sich.

»Kannst du ihn anrufen und mir danach Bescheid geben?«, antworte ich niedergeschlagen. »Ich muss die Sache erst mal verdauen und zusehen, dass ich irgendwie an der Presse vorbei nach draußen komme.«

»Du lebst in New York, richtig?«, fragt sie.

»Ja, und ich werde seit Tagen verfolgt. Ich schaffe es kaum nach draußen, geschweige denn nach drinnen.«

»Gibt es bei dir keine Feuerleiter, über die du dich absetzen kannst?«, hakt sie nach.

»Leider führt die auf den Innenhof, womit sie unnütz ist. Ich bin mir nicht sicher, was ich tun soll, um nach draußen zu kommen.«

»Zieh irgendwas an, das normalerweise nicht deinem Stil entspricht, Hel, Jeans, Shirt, Hemd drüber. Eine große Sonnenbrille und färb deine Haare, damit sie dich nicht so schnell wiedererkennen.«

»Am besten lasse ich mir vom Schönheitschirurgen noch ein vollkommen neues Aussehen verpassen«, halte ich trocken dagegen.

Sie kichert. »Sorry, ich weiß, dass das nicht zum Lachen ist.« Elisabeth atmet tief durch. »Ich rufe Lucas an und checke die Lage. Ich glaube, er ist momentan bei Mom. Ich melde mich später bei dir.«

»Alles klar, danke dir, Liz.«

»Bis dann, Hel.«

»Bye.« Ich lege auf und wieder starre ich ins Leere. Es wäre schön, wenn ich hier rauskäme, um mit Alec und Jo in irgendeine Bar zu gehen, um dort quatschen zu können – und mich hemmungslos zu betrinken, um alles zu vergessen. Allerdings weiß ich nicht, ob meine Freunde überhaupt noch etwas mit mir zu tun haben wollen. Seufzend wähle ich Jos Nummer.

»Endlich meldest du dich. Ich habe dich tagelang nicht erreicht. Ist alles okay?«, meldet sie sich.

»Hey, nein, ganz und gar nicht. Hast du Zeit? Kannst du herkommen? Ich glaube, ich komme nicht aus meiner Wohnung raus, weil der Hauseingang von der Presse belagert wird«, erkläre ich.

»Klar, ich sage Alec Bescheid, dass wir heute Abend nicht ausgehen, und komme zu dir.«

»Ihr wolltet ausgehen?«

»Wir wollten miteinander essen gehen und über Vegas sprechen, der Ausflug war die totale Katastrophe«, erwidert sie. »Ich bin in spätestens einer Stunde bei dir, okay?«

»Klar.« Ich schlucke den Kloß in meinem Hals herunter. »Könntest du Alkohol mitbringen? Bitte Unmengen davon.«

»Sicher, was möchtest du?«

»Weiß- oder Roséwein, aber keinen roten, von dem kriege ich Kopfschmerzen.«

»Ich hole ein paar Flaschen, danach komme ich zu dir. Möchtest du auch Schokoladeneis?«

»Schokoladen- und Vanilleeis.«

»Sollst du haben«, sagt sie und ich spüre, dass sie lächelt.

»Danke, Jo, du bist die Beste.«

»Nicht dafür, Hel. Bis gleich.«

Bevor ich noch etwas sagen kann, legt sie auf.

* * *

»Gott, diese Presseleute sind wie die Pest. Die lassen einen kaum durch und fragen, ob man dich kennt.«

»Was hast du gesagt?«

»Dass ich eine alkoholabhängige Mieterin bin, die noch nie deinen Namen gehört hat.«

Ich schnaube amüsiert. »Na super, ich will nicht wissen, was bald darüber in der Klatschpresse steht.«

»Du würdest dich wundern, was über dich geschrieben wird«, sagt sie mit verzogenem Gesicht. »Aber es wäre besser, wenn du es nicht liest. Die ziehen deine Familie ganz schön durch den Dreck.«

Ich verziehe ebenfalls die Miene und gehe zur Couch, um mich zu setzen. »Warum machen die das? Ich meine, ich wusste nichts von den Machenschaften meines Vaters, meine Schwester auch nicht und nun warte ich auf ihren Rückruf, um zu erfahren, ob Lucas etwas davon wusste.« Ich seufze schwer. »Ich hoffe nur, dass die nicht rauskriegen, wie tief ich in den Schulden stecke.«

»Deine Schulden werden deine Rettung sein. Du hättest keine, wenn du in irgendeiner Weise von den Geschäften deines Vaters profitiert hast«, gibt sie zu bedenken.

»Du hast recht«, entgegne ich. »Damit bin ich wirklich aus der Nummer raus.«

»Aber die werden es bestimmt ausschlachten, dass die Tochter des bitterbösen Aloysius Johnson Schulden machen musste, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.«

Daraufhin ziehe ich die Schultern hoch. »Ich werde es nicht ändern können.«

»Du vielleicht nicht, aber was ist mit Whiteman?«

»Was soll mit ihm sein?«, frage ich irritiert.

»Warte, ich hole den Korkenzieher und Weingläser, dann reden wir weiter.« Jo geht mit der Tüte in die Küche.

Ich stehe auf, um ihr zu folgen. »Wie meinst du das mit Whiteman?«, hake ich nach, als sie meine Schubladen nach dem Korkenzieher durchsucht.

Jo hält inne und sieht mich an. »Der Mann hat so viel Geld und Einfluss, dass er dir sicher helfen könnte, die Presse ruhigzustellen.«

Ich schüttle den Kopf. »Durch ihn habe ich erst davon erfahren, dass die Firma meines Vaters Bestandteil von Gerüchten ist.«

»Aber ist das nicht unlogisch?«

»Ich weiß es nicht, Jo. Die ganze Sache kommt mir teilweise inszeniert vor, aber ich weiß nicht, ob es an meinem Vater oder einem missgünstigen Geschäftspartner liegt. Das FBI sagte, dass er mit seinen Betrügereien achtundvierzig Milliarden Dollar erwirtschaftet hat. Ich weiß nicht, wo der Haken liegt.«

»Vielleicht hat er die Firmengelder zur Seite geschafft und wollte sich mit deiner Mutter absetzen«, sinniert sie.

»Glaubst du wirklich?«

Jo zuckt mit den Schultern. »Ich kenne deine Eltern nicht, aber wer so skrupellos ist, Menschen um so viel Geld zu betrügen, wird auch das Kapital einer Firma zur Seite schaffen.«

Ich setze mich auf einen der beiden Hocker, die an der Küchentheke stehen. »Ich sollte mir nicht den Kopf darüber zerbrechen, immerhin habe ich nichts mit der Sache zu tun.«

»Was sagt Whiteman dazu?«

Ich hebe eine Augenbraue. »Der war als Anteilseigner misstrauisch, weil die Firma pleite ist. Die Aktie fällt wohl seit Monaten immer wieder, erholt sich kurzzeitig und rauscht weiter in den Keller. Ich habe vor ein paar Tagen Unterlagen darüber in seinem Büro gefunden, seitdem haben wir nicht mehr miteinander gesprochen.«

Jo betrachtet mich nachdenklich. »Vielleicht solltest du mit ihm darüber sprechen, um zu erfahren, warum er Unterlagen hatte.«

»Er meinte, er hat sie sich besorgen lassen, weil er zwanzig Prozent der Aktien hält und mit jedem Tag Geld verliert, weil sie ständig abstürzen. Ich bezweifle, dass er etwas von den Betrügereien meines Vaters wusste.«

»Davon gehe ich auch nicht aus. Whiteman ist ein Arschloch, wie du ihn so nett beschrieben hast, aber er ist kein Betrüger. Eher ein knallharter aber ehrlicher Geschäftsmann.«

»Mag sein.«

Jo stellt drei Flaschen Wein in den Kühlschrank, eine vierte öffnet sie. Damit und mit zwei Gläsern kommt sie zu mir. Sie setzt sich auf den anderen Barhocker und sieht mich an. »Was ist passiert?«

»Was meinst du?«

»Wir haben seit Tagen nicht miteinander telefoniert. Ich will wissen, was sonst noch zwischen dir und Whiteman vorgefallen ist.«

Ich hole tief Luft. »Erinnerst du dich an den Abend, als ihr in Vegas wart und ich Alec angerufen habe?«

Sie nickt. »Ja, was ist damit?«

»An diesem Tag bin ich früher von der Arbeit abgehauen, weil er seinem Bruder sagte, dass er mich daten soll, obwohl Adrian und ich miteinander geschlafen haben. Ich war sauer, habe ihm meine Meinung gesagt und schließlich auf dem Flur geohrfeigt. Vor der Firma wurde ich von der Presse überrannt und von seinem Chauffeur gerettet. Malcolm, also sein Fahrer, hat mich hergebracht, aber der Eingang wurde ebenfalls von Journalisten belagert. Ich habe mich von ihm zwei Blocks weiter fahren lassen und bin bis zur Ecke zurückgelaufen, um mich ins Café zu setzen. Irgendwann ist Adrian aufgetaucht und hat mir angeboten, dass ich bei ihm übernachte. Ich bin nach kurzem Hin und Her mit zu ihm gefahren, bis dahin lief alles gut, danach meinte er, ich soll meine Größe aufschreiben, damit sein Fahrer mir Kleidung besorgen könnte, weil ich nichts aus meiner Wohnung holen konnte.«

Jo hebt eine Augenbraue. »Klingt irgendwie abgedreht.«

»Na ja, wir sind in sein Büro gegangen und dort habe ich die Akte mit den Unterlagen über Johnson Trust gefunden.« Ich räuspere mich. »Ich habe ihn unterbrochen, als er Ich habe mich in dich sagte und nun weiß ich nicht, ob er mir sagen wollte, dass er sich in mich verliebt hat oder nicht. Andererseits sagte er auch, dass ich keine Treue zu erwarten hätte, weil er nicht treu sein könnte«, erzähle ich weiter. »Und er hat meine Spiele durchschaut. Er wusste, dass ich ihn in den Wahnsinn treiben will, meinte sogar, dass ich gewonnen hätte, aber warum fühle ich mich dann wie eine Verliererin?«

Meine beste Freundin sieht mich ratlos an. »Bist du in ihn verliebt?«

»Ich weiß es nicht.«

Nun hebt sie eine Augenbraue. »Wieso weißt du es nicht? Man weiß doch, ob man in jemanden verliebt ist.«

»Schon, aber bei Adrian bin ich mir nicht sicher. Ich meine, der Kerl ist ein Womanizer und ich bezweifle, dass er sich je auf mich einlassen würde.«

»Ah.« Jo nickt. »Dann weiß ich, warum du es nicht weißt.«

»Warum denn nicht?«, hake ich nach.

»Weil du nicht verletzt werden willst. Du weißt genau, was Whiteman für ein Kerl ist, aber dein Herz hängt schon an ihm, deshalb redest du dir ein, dass du nicht weißt, ob du in ihn verliebt oder nicht.«

Meine Augenbraue flippt in die Höhe. »Wie bitte?«

Jo wiederholt es, aber ich bin immer noch verwirrt. »Glaub mir, du willst einfach nicht verletzt werden. Und wenn du schon sagst, dass er womöglich sagen wollte, dass er sich in dich verliebt hat, du aber keine Treue erwarten kannst, liegt es auf der Hand … Du willst dich vor ihm und deinen Gefühlen schützen.«

»Ah ja«, stoße ich überfordert aus und nehme mein Weinglas hoch. »Cheers.«

»Cheers. Darauf, dass Frauen die besseren Menschen sind«, sagt sie grinsend.

Schmunzelnd stoße ich mit ihr an, dann trinke ich einen großen Schluck des Weißweins. Jo weiß genau, welchen Wein ich gern trinke, weshalb sie meinen Favoriten mitgebracht hat. »Sind wir wirklich die besseren Menschen?«

»Na na, sind wir diejenigen, die andere verarschen, um sie flachzulegen?«, hakt sie nach.

»Es gibt sicher auch solche Frauen.«

»Aber zu denen gehören wir nicht.«

»Stimmt auch wieder«, sage ich leise und betrachte sie. »Du wolltest mir von eurem Vegas-Trip erzählen. Was war denn so schlimm?«

»Zuerst hat Alec nur ein Doppelzimmer gebucht, statt zwei Einzelzimmer, wie er mir versprochen hatte. Abends sind wir ins Casino gegangen und er hat dreihundert Dollar beim Roulette verzockt, hatte danach nur noch Scheißlaune, sich dem Alkohol zugetan und am Ende hat er im besoffenen Kopf versucht, mich ins Bett zu kriegen. Ich bin dann an die Rezeption gegangen und habe mir ein Einzelzimmer geben lassen, weil ich nicht in einem Bett mit ihm schlafen wollte.«

Meine Augenbrauen flippen in die Höhe. »Aber er hat sich hoffentlich entschuldigt?«

»Ja und mir dann gesagt, dass er sich in mich verliebt hat.« Jo seufzt. »Ich mag Alec, aber ich kann mir nicht vorstellen, eine Beziehung mit ihm zu führen. Er ist so nett und lieb, aber auch ein spießiger Anzugträger, obwohl er lange Haare hat.« Sie räuspert sich. »Ich meine, wir passen gar nicht zusammen. Stell dir vor, ich lerne seinen Boss kennen und der sieht einen Punk in mir, weshalb Alec keine weiteren Aufstiegschancen mehr bekommt.«

»Jo, es ist doch vollkommen egal, was Tristan Maxwell in dir sehen wird. Wichtig ist, ob du etwas für Alec empfindest oder nicht.«

»Ich mag ihn sehr, aber nicht auf diese Weise.«

»Hast du es ihm erklärt?«, möchte ich wissen.

Sie nickt. »Ja, er versteht es auch, aber seitdem ist es irgendwie komisch zwischen uns.«

Ich lehne mich zurück. »Gib ihm etwas Zeit. Alec muss mit dem Korb zurechtkommen, in ein paar Wochen ist er wieder ganz der Alte.«

Jo verzieht ihre Lippen zu einem Lächeln. »Meinst du wirklich?«

»Absolut. Ich kenne Alec gut genug, um zu wissen, dass ihn ein Korb nicht umbringen wird.«

Ein Kichern entsteigt ihrer Kehle. »Ich hoffe, du hast recht.«

»Ich weiß, dass ich recht habe, immerhin kenne ich Alec schon ein paar Jahre.«

»War er früher auch schon so?«, fragt sie dann.

»Wie? Anhänglich, eigenbrötlerisch, ein Spinner und trotzdem charmant?«, hake ich nach.

»Unter anderem, aber ich meine, ob es ihm schon öfter passiert ist, dass er sich in eine Freundin verliebt hat«, sagt Jo nachdenklich.

»Nein, bisher ist es nicht vorgekommen. Ich glaube nicht, dass Alec jemand ist, der sich schnell verliebt, eigentlich weiß ich es sogar, denn er hat damals ewig gebraucht, bis er mit seiner Ex zusammenkam.«

»Warum haben sich die beiden getrennt? Als ich ihn gefragt habe, ist er dem Thema aus dem Weg gegangen«, meint sie, anschließend trinkt sie einen Schluck Wein.

»Ich glaube, weil sie beruflich nach Washington gegangen ist und Alec nach New York, aber ich weiß es nicht mehr genau. Damals hat es ihn sehr verletzt, dass sie ihre Beziehung unter den gegebenen Umständen nicht weiterführen wollte.«

»Wen würde es nicht verletzen?«, entgegnet sie seufzend. »Es tat mir richtig leid, dass ich ihm einen Korb gegeben habe.«

»Du willst wirklich nichts von ihm, hm?«, hake ich nach.

»Nicht die Bohne. Im Studio hat ein neuer Tätowierer angefangen, den ich seit ein paar Wochen treffe, an ihm bin ich interessiert, weil er genauso freiheitsliebend ist wie ich. Er ist nicht spießig, sondern so ein Paradiesvogel wie ich und total heiß.«

Skeptisch sehe ich sie an. »Alec ist doch nicht spießig.«

»Nein, aber er ist Anzugträger. Wir passen einfach überhaupt nicht zusammen. Sieh doch mal, ich bin Tätowiererin, Alec der stellvertretende Personalleiter eines Multimilliardendollar-Unternehmens. Er arbeitet den ganzen Tag, ich nur, wenn ich Bock habe.« Jo räuspert sich. »Wir sind leider total verschieden.«

»Gegensätze ziehen sich bekanntlich an«, sinniere ich.

»So wie Whiteman und du, was?«

Ich verdrehe die Augen. »So verschieden sind Adrian und ich gar nicht, bloß springe ich nicht mit jedem x-beliebigen Kerl ins Bett, so wie er es mit Frauen macht. Und ich habe keine weltweit erfolgreiche Firma von meinem Vater übernommen.«

»Aber fast und wenn man davon absieht, dass dein Vater sein Vermögen durch Betrügereien angehäuft hat, kommt ihr aus einer Welt.«

Daraufhin schnaube ich. »Adrian kommt aus einer viel wohlhabenderen Familie als ich, abgesehen davon ist er noch reich, während ich arm wie eine Kirchenmaus bin, weil beinahe mein ganzes Gehalt für meine Wohnung und meine Schulden draufgeht. Wenn ich nicht vergünstigt in der Kantine essen könnte, wäre ich vermutlich schon verhungert.«

Jos Kinnlade klappt hinunter. »Ich wusste ja, dass du Schulden hast, aber dass es so schlimm ist, habe ich nicht mal im Traum erwartet.«

»Ich habe vielleicht ein wenig übertrieben«, entgegne ich peinlich berührt. »Ich bin nicht arm wie eine Kirchenmaus, aber ich habe nicht so viel Geld zur Verfügung. Ich komme über die Runden, manchmal mit Ach und Krach, aber ich packe das.«

»Wie hast du das geschafft, bevor du Whitemans Assistentin wurdest?«, möchte Jo wissen.

Ich senke den Blick auf mein Weinglas. »Ich habe öfter mal versäumt, eine Rate zu bezahlen, damit ich überhaupt etwas zu essen im Kühlschrank hatte. Ich weiß, dass das nicht richtig war, aber was hätte ich tun sollen? Ich konnte ja schlecht von Luft und nichtvorhandener Liebe leben.«

Jo sieht mich mit mitleidigem Ausdruck an. »Jeder andere wäre zu seinen Eltern zurückgekrochen oder hätte seine Freunde um Hilfe gebeten, aber du nicht.« Anschließend legt sie ihre Hand auf meine. »Die Wohnung ist richtig teuer, nicht wahr?«

Ich nicke. »Ja, aber ich habe bisher keine andere gefunden.«

Lächelnd legt sie den Kopf schief. »Mein Mitbewohner ist ausgezogen und ich habe das große Apartment in Williamsburg für mich allein. Wenn du willst, kannst du bei mir einziehen. Bis die Presse dich dort gefunden hat, sind Monate vergangen.«

»Die werden sicher dem Umzugswagen folgen.«

»Dann mieten wir zwei, einer von uns fährt einen Umweg und hängt sie auf dem Weg zu mir ab.«

Ich lege den Kopf schief. »Wie hoch soll die Miete bei dir sein?«

»Schlappe vierhundert Dollar im Monat. Das Apartment ist wirklich günstig, weil ich schon ewig darin wohne und mein Vermieter sich vertraglich verpflichtet hat, die Miete nicht zu erhöhen«, sagt sie grinsend.

Ich verziehe meine Lippen zu einem Lächeln. »Das klingt super, aber glaubst du, das würde auf Dauer gutgehen?«

»Du arbeitest von früh bis spät, ich genauso, ich neige nicht dazu, Männerbesuch mit nach Hause zu bringen oder Partys zu feiern … Wir wären ein ideales Team.«

Lachend lege ich meine Hand auf ihre. »Das ist so süß von dir, aber ich will dir nicht zur Last fallen.«

»Bist du bescheuert? Du fällst mir doch nicht zur Last. Du bist meine beste Freundin und wärst meine Traummitbewohnerin, weil ich genau weiß, dass du nie im Leben so eine Sau wie Justin bist.« Jo lacht leise. »Der Kerl war sogar schlimmer als ich.«

»Und ich liebe meine eigenen vier Wände. Ich bin wirklich nicht dafür geeignet, in einer Mädels-WG zu leben.«

»Und wenn es nur für den Übergang ist? Ich meine, damit hättest du die horrende Miete für deine Wohnung gespart und könntest deine Schulden schneller abzahlen. Sobald du die losgeworden bist, kannst du dir immer noch eine neue Bleibe suchen«, schlägt sie vor. »Ich will dich nicht überreden, Hel, aber es wäre eine Möglichkeit, schneller von deinen Verbindlichkeiten loszukommen.«

Ich nicke verstehend. Jo hat ja recht, aber könnte es auf Dauer gut gehen, dass wir zusammenwohnen?

Sie ist meine beste Freundin und ich weiß, dass sie chaotisch ist, ich hingegen bin ordnungsliebend. Allein das würde sicher für Streit sorgen. Ich will unsere Freundschaft nicht auf die harte Probe stellen, weil wir der Meinung sind, eine Wohngemeinschaft zu gründen.

»Überleg es dir einfach, okay? Wenn du Nein sagst, ist es kein Problem für mich, dann schalte ich nächste Woche eine Onlineanzeige, um nach einem neuen Mitbewohner zu suchen«, meint sie.

»Warum brauchst du überhaupt einen Mitbewohner?«

Sie kichert. »Weil ich gern Gesellschaft habe und genauso gern spare.«

Ich lache auf. Es tut gut, mit Jo zu sprechen. Wir hatten viel zu lange keine Möglichkeit, allein miteinander zu quatschen, weil Alec immer dabei war oder dazu kam. Ich mag ihn, keine Frage, aber manchmal möchte ich nur mit meiner besten Freundin zusammen sein, ohne dass noch ein Mann dabei ist. Ich merke, dass wir die Themen immer sofort wechseln, wenn er zu uns stößt, oder wir sprechen sie gar nicht erst an, weil er dabei ist.

* * *

Wir unterhalten uns stundenlang über Gott und die Welt, was mir dabei hilft, den Frust der vergangenen Tage und die Gedanken um meinen Vater zu vergessen. Ich bin froh, dass ich sie habe. Sie ermutigt mich sogar dazu, nächste Woche wieder arbeiten zu gehen, weil ich mich Adrian stellen muss. Jo ist der Ansicht, dass es nichts bringt, vor ihm wegzulaufen, und dass ein Probearbeiten bei Maxwell Inc. nur seinen Verdacht verstärken würde, dass ich illoyal bin, wie er in Paris vermutet hat.

---ENDE DER LESEPROBE---