Angst vor Lyrik - Moritz Hürtgen - E-Book

Angst vor Lyrik E-Book

Moritz Hürtgen

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12,99 €

Beschreibung

Angst macht Angst, Angst macht Politik und Angst macht Auflage. Ein Gedichtband, der Fürchten lehrt – und unterhält. Ein Leben in Angst: alle Menschen führen es. Vollkommen unmöglich, den Ängsten zu entkommen. Kaum ist eine Angst verdrängt, kommt die nächste um die Ecke, springt aus dem Schrank oder lauert nachts unterm Bett. Es wäre ein aussichtsloses Unterfangen, alle Über- und Unterängste zu klassifizieren, die Urängste zu suchen und ihnen Angststammbäume zuzuordnen. Vorgebliche Angstforscher sind oft -hasen, die es nicht ­wagen, die Sinnlosigkeit ihrer Arbeit und die Übermacht der Angst anzuerkennen. Der Lyriker und Titanic-Chefredakteur Moritz Hürtgen hat aus Angst bzw. aus diversen Ängsten (Bedeutungslosigkeit, Armut, Prosa) einen Gedichtband geschrieben, der gar nicht erst versucht, Angst zu definieren oder Ängste zu bannen. Nein, er hat sich von besonders schönen und fürchterlichen Ängsten­ heimsuchen lassen, um sie zu beschreiben, zu loben und sie ­ mutig genug! – wenigstens kurzzeitig in lyrische Form zu ­sperren. Ob das gut ausgehen kann?

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Seitenzahl: 37

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Angst macht Angst, Angst macht Politik und Angst macht Auflage. Ein Gedichtband, der Fürchten lehrt – und unterhält.

Ein Leben in Angst: alle Menschen führen es. Vollkommen unmöglich, den Ängsten zu entkommen. Kaum ist eine Angst verdrängt, kommt die nächste um die Ecke, springt aus dem Schrank oder lauert nachts unterm Bett. Es wäre ein aussichtsloses Unterfangen, alle Über- und Unterängste zu klassifizieren, die Urängste zu suchen und ihnen Angststammbäume zuzuordnen. Vorgebliche Angstforscher sind oft -hasen, die es nicht wagen, die Sinnlosigkeit ihrer Arbeit und die Übermacht der Angst anzuerkennen.

Der Lyriker und Titanic-Chefredakteur Moritz Hürtgen hat aus Angst bzw. aus diversen Ängsten (Bedeutungslosigkeit, Armut, Prosa) einen Gedichtband geschrieben, der gar nicht erst versucht, Angst zu definieren oder Ängste zu bannen. Nein, er hat sich von besonders schönen und fürchterlichen Ängsten heimsuchen lassen, um sie zu beschreiben, zu loben und sie – mutig genug! – wenigstens kurzzeitig in lyrische Form zu sperren. Ob das gut ausgehen kann?

»Moritz Hürtgen ist nicht nur der jüngste der guten deutschsprachigen komischen Dichter, sondern auch der beste der Jungen.« Thomas Gsella

Über den Autor

Moritz Hürtgen wurde 1989 geboren und ist seit Anfang 2019 Chefredakteur des Satiremagazins Titanic. In dieser Position vermittelt er regelmäßig Falschmeldungen an die Bild, den Focus und sogar die Nachrichtenagentur Reuters. Für seine Bachelorarbeit verglich er zwar erfolgreich die Dichter Robert Gernhardt und Thomas Gsella (unentschieden), das Germanistikstudium in München schloss er aus Faulheit im Nebenfach aber trotzdem nicht ab.

MORITZ HÜRTGEN

ANGST

VOR LYRIK

Mit Bildern von Leo Riegel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verlag Antje Kunstmann

 

 

 

 

Für Lisa und Fritzi

ZUM GELEIT

Angst vor Terror, Krebs und Spinnen.

Angst, das Schreiben zu beginnen.

Angst vor einem weißen Blatt,

Angst des Dorfdepps vor der Stadt.

Fürchtet Mörder und Ganoven,

Fürchtet Schlaue wie die Doofen.

Doch wer fürchtet, der vergisst,

Dass die Angst am schlimmsten frisst,

Wenn es Angst vor Lyrik ist.

ANGST VOR…

… DEM VERSAGEN

Schlips und Kleid, da sitzen sie,

Nur um mir zu lauschen.

Hände weich und Zitterknie.

Will wer mit mir tauschen?

Himmel hilf! Es ist so weit,

Später feines Essen.

Leute, ich bin nicht bereit,

Hab den Text vergessen.

Mama! Papa! Oma! Ihr

Seht mich doch verzagen.

Heiligabend, ich bin vier –

Angst vor dem Verssagen!

… DEM FLIEGEN

Nach Kontrolle

In die volle

Röhre mit den vielen Plätzen.

Dort mit Grauen

Zeug verstauen

Und sich auf sein Plätzchen setzen.

Ewig warten,

Endlich starten,

Niemand zieht noch eine Miene.

Draußen Regen,

Nicht bewegen,

Kräftig wummert die Turbine.

Bald ein Knallen!

Kreisch, wir fallen!

Durch das Fenster schlagen Flammen.

Beten, büßen,

Liebste grüßen.

Schnurstracks in den Boden rammen.

… MUTTER

Mutter, als ich vor dem Sarg

Weinte »Du sollst wiederkommen!«,

Hast du mich, sei mir nicht gram,

Leider viel zu ernst genommen.

Mutter, schrei doch nicht so arg!

Ja, ich werd dich immer lieben.

Warum bist du – Ich? Infam? –

Nicht im Totenreich geblieben?

Mutter, tut mir leid, du riechst.

Nein, du wirst nie mehr genesen.

Bitte, so begreife doch:

Du bist tot und am Verwesen.

Wie du hier als Zombie kriechst –

Untot bist du ungelogen.

Huch, wer klopft? Sag, hast du noch

Vater aus dem Grab gezogen?

… VATER

Wenn du schläfst in tiefer Nacht,

Wird er in die Küche schleichen

Und im Dunkeln heimlich dann

Toast in Schokomilch einweichen.

Vater schmatzt und Vater lacht

Und er denkt sich, seinesgleichen

Wären vielviel besser dran,

Wären Frau und Kinder Leichen.

Lies die Zeitung! Jeden Tag

Tun sie’s nüchtern wie betrunken.

Niemals planlos und naiv,

Alle Väter: Mordshalunken.

Bis ein Vater meucheln mag,

Braucht es oft nur einen Funken.

Manchmal reicht schon als Motiv:

Toast in Schokomilch eintunken.

… KINDERN

Die da sabbernd vorwärtskriechen …

… wollen in dein Schlafgemach,

Weil sie ständig fiebernd siechen.

… heißen Mäx- oder Mariechen,

Ihre Zähnchen wachsen. Nach

Ein paar Jahren ziehn sie aus,

Dann falln dir die Beißer raus.

… GESPENSTERN

Sie kommen niemals schon zur Geisterstunde,

Um zwölf schläft heutzutage keine Sau.

Da macht dein alter Nachbar noch die Runde

Mit seinem Hund, und der macht fröhlich Wau.

Um vier jedoch, da geht kein Köter kacken,

Nur du wirst wach und musst mal pinkeln gehn.

Auf halbem Weg streift kalt was deine Hacken,

Du schrickst herum und kannst Gespenster sehn:

Sie tanzen stumm in bleichen Leichenhemden,

Aus toten Augen starrend um dein Bett.