Anlegen mit ETF - Brigitte Wallstabe-Watermann - E-Book

Anlegen mit ETF E-Book

Brigitte Wallstabe-Watermann

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Beschreibung

Renditechance nutzen | Wer bequem Geld anlegen und dabei hohe Renditen erzielen möchte, braucht diesen aktualisierten und überarbeiteten Bestseller der Stiftung Warentest. ETF sind ideal für Vermögensaufbau und Altersvorsorge. Sie sind einfach zu verstehen und haben auf lange Sicht die besten Renditechancen. Jeder Anleger kann mit kleinen Raten flexibel sparen oder größere Summen investieren. Finanztest verrät, wie Sie geeignete ETF finden, Anlagefehler vermeiden und dabei Risiken minimieren. Mit den Strategien von Finanztest können auch Anleger ohne großes Vermögen einfach in ETF anlegen. Fortgeschrittene erfahren, welche Strategien vielversprechend sind und wovon sie besser die Finger lassen sollten. Wer außerdem ethisch verantwortungsvoll anlegen möchte, erfährt, welche nachhaltigen ETF empfohlen werden.

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Brigitte Wallstabe-Watermann, Antonie Klotz,Dr. Gisela Baur, Hans G. Linder

Anlegen mit

ETF

Geld bequem investieren mitETF und Indexfonds

Inhaltsverzeichnis

Was wollen Sie wissen?

ETF verstehen

Was sind ETF? Der schnelle Überblick

ETF vertrauen auf wissenschaftliche Erkenntnisse

Grundregeln der Geldanlage

Mein großer Plan

Schluss mit falscher Geldanlage

Ohne Ziel kein Weg

Alle ETF im Überblick

Aktien-ETF: Es müssen nicht Dax oder Dow Jones sein

Renten-ETF sorgen für Stabilität

Spezial-ETF für besondere Anlageideen

Mein ETF-Plan

Bequem anlegen – die Pantoffel-Portfolios

Mit dem Pantoffel-Sparplan gut für das Alter vorsorgen

Geschenktes Geld vom Chef in ETF investieren

Im Alter noch sinnvoll anlegen

Nachhaltig und ethisch korrekt investieren mit ETF

Investieren in Krisenzeiten

Meinen ETF-Plan umsetzen

Gut und günstig – das passende Depot

Wie finde ich gute ETF?

Weitere Auswahlkriterien

ETF richtig kaufen

Das Depot richtig anpassen

Wenn ETF aufgelöst werden

ETF richtig versteuern

ETF für Fortgeschrittene

Geografisch: Länder und Regionen

Angesagt: Branchen und Themen

Trendig: Faktoren und Strategien

Andersartig: Rohstoffe und Edelmetalle

Kompakt: Paketlösungen

Echte und vermeintliche Risiken

Kritik an der Konstruktion von ETF

Angst vor dem Herdenverhalten

Hilfe

Fachbegriffe erklärt

Die großen Indexanbieter

Die großen ETF-Anbieter

Die günstigsten Depotanbieter auf einen Blick

Die Kosten für ETF-Sparpläne

Diese ETF sind 1. Wahl

Stichwortverzeichnis

Impressum

Was wollen Sie wissen?

ETF? Das haben Sie schon mal gehört, aber können sich nicht viel darunter vorstellen? Mit diesem Buch möchten wir das ändern. Denn ETF sind für Privatanleger der ideale Weg, um damit langfristig Geld anzulegen und zu vermehren. Sie sind zugleich sicher, günstig, transparent und vielseitig einsetzbar. Aber sehen Sie selbst !

Was bedeuteteigentlich „ETF“?

Zugegeben, der Begriff klingt ziemlich technisch. Die Abkürzung ETF steht für „Exchange Traded Fund“. Es handelt sich um börsengehandelte Indexfonds, eine Spielart von Investmentfonds. Diese sammeln das Geld vieler Anleger und stecken es dann in eine Vielzahl von Aktien, Anleihen & Co. ETF können Sie laufend an der Börse kaufen und verkaufen, Sie bleiben also flexibel. In aller Regel zeichnen ETF so genau wie möglich die Entwicklung eines Index wie zum Beispiel des Deutschen Aktienindex (kurz: Dax) nach: Legt der Dax um 6 Prozent zu, wird auch ein ETF auf den Dax 6 Prozent klettern. Es gibt ETF auf viele verschiedene Indizes, es gibt Aktien-ETF, Anleihen-ETF und vieles mehr. Die wichtigsten Formen stellen wir Ihnen in diesem Buch vor. Interessant zu wissen: Bestimmte ETF sind gerade für Privatanleger besonders gut geeignet. Denn sie sind einfach zu verstehen, kostengünstig und obendrein praktisch in der Handhabung. In diesem Buch erfahren Sie dazu alles Wissenswerte.

Sind ETF besser als„herkömmliche“ Fonds?

Meist ja, wie die Statistiken belegen. Bei herkömmlichen Fonds entscheidet der Fondsmanager, in welche Wertpapiere er investiert. Einem Großteil der Manager gelingt es aber nicht, besser abzuschneiden als der Vergleichsindex – schon gar nicht dauerhaft. Kaum einer hatte zum Beispiel nach der Finanzkrise das Kunststück geschafft, sowohl im Kursabschwung als auch im rasch einsetzenden Aufschwung besser zu sein als der allgemeine Markttrend. Mit ETF schneiden Anleger dagegen immer genauso schlecht oder so gut ab wie der Markt. Auch weisen sie deutlich günstigere Gebühren auf als aktiv verwaltete Fonds. Je geringer die Kosten einer Anlage, desto mehr „Ware“ bekommt man für sein Geld – und desto höher kann am Ende das Anlageergebnis ausfallen.

Ist es eine gute Idee,in einer BörsenkriseETF zu kaufen?

Börsencrashs kommen leider immer wieder vor, wie die Geschichte lehrt. Doch noch jeder Börsencrash konnte in den vergangenen Jahrzehnten nach einigen Jahren wieder aufgeholt werden, und die Kurse kletterten weiter nach oben. Wenn Sie also eine langfristige Anlageperspektive haben und daher beabsichtigen, Ihr Geld mindestens zehn, besser noch 15 Jahre und länger zu investieren, spricht nichts dagegen, auch in unsicheren Börsenzeiten einzusteigen. Wichtig: Sie sollten für sich zuerst klären, wie viel Risiko Sie eingehen können und wollen, und dann Ihr Investment international möglichst breit streuen. ETF auf gut diversifizierte globale Aktienindizes sind dafür besonders geeignet. Wie Sie dabei am besten vorgehen und wie Sie sich ein gut strukturiertes ETF-Portfolio aufbauen, all dies erfahren Sie in diesem Buch.

Mein Bankberater hat mirnoch nie ETF empfohlen.Warum?

Banken verdienen an ETF weniger: Beim Kauf eines ETF wird nur eine Ordergebühr wie bei Aktien fällig. Wenn Sie Kunde einer Direktbank sind, kostet Sie der Kauf von ETF-Anteilen im Wert von 5 000 Euro kaum mehr als 10 bis 20 Euro, bei Billiganbietern noch viel weniger. Bei herkömmlichen Fonds wird dagegen ein Ausgabeaufschlag fällig, der bei Aktienfonds schon mal 5 Prozent betragen kann. Im Beispiel wären das 250 Euro. Inzwischen räumen Direktbanken oft hohe Rabatte auf Ausgabeaufschläge ein. Ferner zahlen die Fondsgesellschaften den Banken jährlich Bestandsprovisionen dafür, dass deren Kunden ihre Fondsanteile behalten. Das gibt es bei ETF nicht, oder sie sind mickrig. Kurz gesagt: Banken haben mehr davon, wenn sie herkömmliche Fonds verkaufen.

Was ist der Vorteilvon Aktien-ETF?

Die Deutschen sind traditionell als Aktienmuffel bekannt. Doch unzählige Studien belegen, dass auf lange Sicht Aktienanlagen die einträglichsten Renditen bringen. Denn nur über sie lässt sich an unternehmerischem Erfolg und am allgemeinen Wirtschaftswachstum auf einfache Art und Weise teilhaben. Mithilfe von ETF können Sie gleichzeitig in viele verschiedene Unternehmen und Branchen investieren. Wenn es dann mal bei ein paar der Firmen nicht so gut läuft, ist das nicht so schlimm, weil Sie Ihr Anlagerisiko breit gestreut haben. Wichtig ist aber, dass Sie Ihr Geld langfristig, also mindestens zehn Jahre oder länger, an der Börse zur Arbeit schicken. Denn kurzfristig kann es dort schon mal ordentlich krachen. Außerdem sollten Sie nicht Ihr gesamtes Geld in Aktienanlagen stecken. Mehr dazu finden Sie im Abschnitt „Aktien-ETF“ ab S. 46.

Sind Aktien-ETF riskanter alsherkömmliche Aktienfonds?

Nein. Aktien-ETF und von einem Fondsmanagement aktiv gemanagte Aktienfonds sind vom Risiko her vergleichbar – vorausgesetzt, sie sind im selben Anlagesegment unterwegs und legen die Kundengelder zum Beispiel an den Aktienbörsen weltweit an. Wenn es zu einem Crash kommt, wird ein ETF auf einen Weltaktienindex prozentual in etwa genauso viel an Wert einbüßen wie der Index selbst. Bei einem aktiv gemanagten Weltaktienfonds kann der Verlust noch viel höher ausfallen, aber auch geringer. Keiner kann Ihnen im Vorhinein sagen, ob Sie genau auf einen der meist wenigen Glückspilz-Fonds gesetzt haben. Bei ETF ist das anders – sie entwickeln sich immer so wie der Markt selbst. Mehr dazu „Was sind ETF? Der schnelle Überblick“, S. 13.

Kann ich mit ETF bequemregelmäßig sparen?

ETF auf weltweite Börsenbarometer sind geradezu ideal, um auch als Börseneinsteiger regelmäßig und bequem Geld anzulegen – und auf diese Weise langfristig ein kleines oder großes Vermögen aufzubauen. Schon für geringe monatliche Anlagebeträge können Sie Ihr Geld damit sehr kostengünstig investieren. Vorausgesetzt, Sie haben einen langfristigen Anlagehorizont, sind Aktien-ETF als Sparplan höchst attraktiv. Auch deshalb, weil Sie anders als mit festen Verträgen den Plan jederzeit anpassen können: Sie können Ihre Raten erhöhen oder im Notfall auch aussetzen. Wie das ETF-Sparen genau funktioniert, erfahren Sie unter „Mit dem Pantoffel-Sparplan gut für das Alter vorsorgen“, ab S. 76. Besonders einfach wird es, wenn Sie sich dabei am Konzept des Finanztest-Pantoffel-Portfolios orientieren. Mehr dazu siehe „Bequem anlegen“, S. 70.

Sind ETF gut für dieAltersvorsorge?

Unbedingt ! Wenn Sie auf weltweit anlegende ETF setzen, haben Sie die Chance, zu sehr vertretbaren Kosten langfristig auskömmliche Renditen zu erzielen – und das bei langfristig überschaubarem Risiko. Näheres dazu erfahren Sie im Kapitel „Mein ETF-Plan“, ab S. 67. Wichtig ist, dass Sie Ihre private Altersvorsorge möglichst frühzeitig angehen. Wenn Sie dabei auch auf Aktien-ETF setzen, sollten Sie Ihr Geld mindestens zehn Jahre, besser 15 Jahre lang anlegen – und nicht unbedingt zu einem fixen Zeitpunkt das gesamte Geld benötigen. Denn sollte es an der Börse wieder einmal krachen, müssen Sie in der Lage sein, ein Tief aussitzen und auf höhere Kurse warten zu können.

Wie finde ichgute ETF ?

Es gibt rund 1 800 ETF in Deutschland, auf den ersten Blick macht das die Suche nach einem oder zwei guten Papieren erst einmal schwer. Doch keine Sorge, wir haben das riesige Angebot für Sie gesichtet und stellen in diesem Buch eine Reihe solider ETF vor. Darunter finden Sie sicherlich welche, die Ihre Anforderungen erfüllen. Gut zu wissen: Finanztest stellt das komplette ETF-Angebot regelmäßig auf den Prüfstand. Dabei werden alle Fonds nach festen Kriterien gefiltert und beurteilt. Die geeignetsten jeder Fondsgruppe erhalten die Auszeichnung „1. Wahl“. Eine Auswahl empfehlenswerter ETF haben wir für Sie in der Tabelle „Diese ETF sind 1. Wahl“, ab S. 166 zusammengestellt. Weitere Erläuterungen zur Auswahl von passenden ETF finden Sie im ganzen Buch und insbesondere im Abschnitt „Wie finde ich gute ETF?“ ab S. 103.

Wo kann ichETF kaufen?

Der Name deutet es schon an: Exchange Traded Fund steht für börsengehandelter Fonds. ETF werden also wie Aktien an der Börse gehandelt. Sie müssen sich aber nicht selbst aufs Börsenparkett begeben. Als Allererstes benötigen Sie dazu ein Wertpapierdepot bei einer Filial- oder Direktbank – egal, ob Sie auf einmal eine größere Summe anlegen oder regelmäßig mithilfe eines Sparplans in ETF investieren möchten. Das Depot ist der Dreh- und Angelpunkt für all Ihre Geschäfte mit Wertpapieren. Sie sollten jedoch nicht das erstbeste wählen, denn es gibt beträchtliche Kostenunterschiede, die die Rendite Ihrer Anlage in ETF nachhaltig beeinflussen können. Wie Sie ein passendes und günstiges Depot finden und einrichten, erfahren Sie im Kapitel „Meinen ETF-Plan umsetzen“, S. 97.

Kann ein ETF eigentlichpleitegehen?

Nein, ein ETF kann genauso wenig wie ein aktiv gemanagter Fonds pleitegehen. Das liegt daran, dass beide als „Sondervermögen“ konstruiert sind. Das Sondervermögen gehört stets den Käufern der Fondsanteile. Die rechtlichen Vorgaben schreiben vor, dass dieses Sondervermögen immer getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft oder des ETF-Anbieters bei einer Depotbank treuhänderisch verwaltet wird. Sollte die Fondsgesellschaft oder der ETF-Anbieter selbst Insolvenz anmelden müssen, bleibt daher das Vermögen der Anleger unberührt. Es ist und bleibt Eigentum der Kunden.

ETF verstehen

Indexfonds sind ideal für alle, die langfristig Vermögen aufbauen möchten – egal ob mit kleinen oder großen Beträgen. Denn ETF sind kostengünstig, flexibel, chancenreich und für Privatanleger einfach zu handhaben.

Große Enttäuschungen, das lehrt uns die Geschichte, waren oft Auslöser für bedeutende Veränderungen. Die „Erfindung“ von Indexfonds für Privatanleger im Jahr 1976 ist ein Paradebeispiel dafür. Wie kam es dazu? John C. Bogle, der Chef einer amerikanischen Investmentgesellschaft, war frustriert, weil er und seine hoch bezahlten Fondsmanager es nicht geschafft hatten, mit ihren Fonds dauerhaft besser zu sein als das wichtigste US-Börsenbarometer, der Aktienindex Standard & Poor’s 500. Für Bogle war klar: Es ist Zeit, neue Wege einzuschlagen.

So ähnlich mag es Ihnen auch gehen. Sie haben dieses Buch vermutlich gekauft, weil auch Sie Ihr Erspartes solide anlegen und mehren wollen. Gerade in Zeiten niedriger Zinsen ist dies wichtiger denn je. Und vielleicht haben Sie mit Ihren bisherigen Geldanlagen ähnliche Erfahrungen wie Bogle mit seinen Fondsmanagern gesammelt. Glückwunsch ! Denn mit diesem Buch erfahren Sie alles Wesentliche zum Thema Exchange Traded Funds, kurz ETF – von den wichtigsten Grundregeln über die geeignete Strategie bis hin zum Kauf und der Verwaltung der passenden Produkte. Ganz unabhängig davon, ob Sie Anfänger in Sachen Geldanlage beziehungsweise ETF sind oder bereits erste Erfahrungen gesammelt haben: In diesem Buch finden Sie viele praktische Tipps zum Thema. So stellen wir auch passende ETF vor, damit Sie sich aufwendiges Suchen sparen können.

HÄTTEN SIE’SGEWUSST?

Es klappt leider viel zu selten, dass Fondsmanager dauerhaft ein glückliches Händchen beweisen und stets überwiegend die Aktien kaufen, die sich besonders gut entwickeln.

Der US-Indexanbieter S & P Dow Jones Indices kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass in den 10 Jahren bis Mitte 2019 nur 12,1 Prozent aller aktiv gemanagten US-Aktienfonds das Kunststück gelungen ist, ihren Vergleichsindex zu schlagen.

In Europa schafften dies im gleichen Zeitraum sogar nur 8 Prozent der Fonds mit Schwerpunkt Eurozone.

Doch bevor wir uns all diesen Aspekten widmen, gilt es zwei Fragen zu klären: Was ist ein ETF, und was unterscheidet ihn von einem „normalen“ Fonds? Rein formal betrachtet sind beide Sondervermögen, die von einer Investmentgesellschaft verwaltet werden. Ein Sondervermögen stellt man sich am besten wie eine große Geldsammelbox vor – und jedem Fondsinhaber gehört ein Stückchen davon. Während sich bei einem herkömmlichen Fonds ein Team von Managern überlegt, wie es das Geld in der Box investiert, kommen in die ETF-Kiste sozusagen einfach nur die Papiere, die einem Wertpapierindex zugehörig sind.

Ein Index bildet die Entwicklung eines Wertpapiermarktes ab. Am bekanntesten sind Aktienindizes, aber es gibt auch Anleihen- oder Rohstoffindizes. Der Anbieter eines Index legt fest, welche Werte in einem Index vertreten sind. Im Deutschen Aktienindex Dax sind das zum Beispiel die 30 größten börsennotierten deutschen Firmen. Da sich für ein Indexinvestment wie ETF keine hoch bezahlten Manager den Kopf zerbrechen, welche Papiere gekauft werden sollen, sondern dies durch den Index vorgegeben ist, sind die Kosten weitaus niedriger. Und da trotz umfangreicher Analysen die Profis meist nicht schlauer sind als der Markt und daher häufig keine bessere Auswahl treffen, bleibt am Ende bei ETF nun mal für die Fondskäufer mehr übrig.

Genau das hatte Bogle Mitte der 70er-Jahre erkannt. Er gründete eine neue Fondsgesellschaft, nannte sie „Vanguard“ und wies seine Mitarbeiter an, künftig auf eine aktive Aktienauswahl völlig zu verzichten und nur noch den S&P 500-Index „passiv“ nachzubilden. Alle 500 dort gelisteten Aktien sollten exakt nach ihrem Gewicht im Index gekauft und die Aufteilung beibehalten werden, egal ob es mit den Kursen auf- oder abwärts ging. Mit seinem neuen Indexfonds gab er privaten Anlegern erstmals die Möglichkeit, äußerst kostengünstig in den Aktienmarkt einzusteigen. Denn sein Indexfonds auf den amerikanischen Leitindex, der „Vanguard 500 Index Fund“ entwickelte sich genau wie der Standard & Poor’s 500- Index. Der Vanguard-Chef war überzeugt davon, dass sein neuer Fonds langfristig klar besser laufen würde als die Mehrzahl der aktiv gemanagten Konkurrenzprodukte. Anleger mussten also nicht mehr auf die relativ geringe Chance wetten, einen der wenigen Fonds zu erwischen, die dauerhaft bessere Ergebnisse als ihr Vergleichsmaßstab erzielen. Bogle beschrieb das Prinzip später so: „Suche nicht die Nadel im Heuhaufen, kaufe einfach den Heuhaufen.“

Was sind ETF? Der schnelle Überblick

Mit ETF können Sie einfach einen kompletten Börsenindex kaufen – das bringt oft weit bessere Erträge als die meisten Fonds, die aktiv von Experten gemanagt werden.

Anders als herkömmliche Fonds verzichten Indexfonds darauf, vermeintliche Gewinneraktien auszuwählen. Sie suchen nicht nach günstigen Kauf- und Verkaufszeitpunkten, betreiben also kein „Timing“. Ob es raufgeht mit den Kursen oder runter, ist einem Indexfonds egal, er bleibt mit seinem gesamten Anlagevermögen investiert. Klettert der Index um 3 Prozent, legt auch ein Indexfonds um 3 Prozent zu, fällt er um 3 Prozent, gibt er entsprechend um 3 Prozent nach. Mit dieser sturen Nachbildung schnitt der Vanguard 500 schon bald besser ab als die meisten seiner aktiven Konkurrenten – übrigens auch als die meisten Privatanleger, die ihr Depot mit Einzelaktien bestücken. Das bessere Abschneiden ist aber nur einer von mehreren Vorteilen von ETF („5 wichtige Vorteile“ links): Ein weiterer Vorzug ist, dass ein Indexfonds auf den S&P 500 breit gestreut ist. Er vereint 500 Aktien aller wichtigen Branchen, während aktiv gemanagte Fonds selten mehr als 50 bis 100 Einzeltitel halten, private Anleger in der Regel noch viel weniger. Das senkt potenziell das Risiko. Denn Diversifikation, wie Streuung in der Fachsprache heißt, hat sich als beste Methode erwiesen, um allzu heftige Kursausschläge eines Aktiendepots zu dämpfen.

5 WICHTIGEVORTEILEVON ETF

1 Breite Streuung.Sie reduziert das Risiko und erhöht langfristig den Ertrag, da Anleger mit einem einzigen Produkt komplette Aktien- und Anleihenmärkte nachbilden können.

2 Geringe Kosten.Sie lassen vom Ertrag der Kapitalanlagen netto mehr übrig als normale Fonds, da die Gebühren bei Kauf und Verkauf sowie auch die laufenden Kosten günstiger ausfallen.

3 Bessere Performance.Sie bringen langfristig mehr Ertrag als vergleichbare Investments, wie zahlreiche Studien belegen.

4 Laufender Börsenhandel.Er sorgt für hohe Liquidität und Flexibilität, da Käufe und Verkäufe jederzeit getätigt werden können.

5 Transparenz.Die Index-Nachbildung bringt Berechenbarkeit, weil die Bestandteile eines Börsenbarometers stets einsehbar sind und der Kurs sich immer nahezu parallel zum Indexverlauf bewegt.

Die Hoffnung Bogles, mit seinem Indexfonds schnell Erfolg bei Anlegern zu haben, wurde allerdings bitter enttäuscht. Von einigen Kritikern wurde er für verrückt erklärt. Manche warfen ihm sogar „unamerikanisches Verhalten“ vor, weil er sich mit Durchschnittserträgen zufriedengab und nicht den Ehrgeiz entwickelte, den Aktienindex übertrumpfen zu wollen. Unterstützung erhielt Bogle von Wissenschaftlern, die aufgrund ihrer Forschungsergebnisse Indexfonds als überlegene Anlageinstrumente ansehen. Sie ermunterten ihn daher weiterzumachen.

Erst nach und nach wurde Bogle ernst genommen, und sein Indexfonds wurde tatsächlich zur Vorhut – wie die deutsche Übersetzung von „Vanguard“ lautet – einer weltweiten Entwicklung hin zum passiven Investieren, dem „Indexing“.

Einen entscheidenden Zusatzschub erhielt seine Idee 1993, als die US-Gesellschaft State Street erstmals einen Indexfonds an die Börse brachte. Er wird genauso gehandelt wie Aktien, deshalb erhielt er den Namen Exchange Traded Fund, übersetzt börsengehandelter Fonds und abgekürzt ETF. Dieser ETF bildete den US-Aktienindex S&P 500 nach. Der SPDR S&P 500 ETF, ausgesprochen „Spider“ (Spinne), ist seit Jahren der größte ETF der Welt. Anfang 2020 verwaltete er rund 320 Milliarden US-Dollar.

Gut zu wissen

ETF sind börsengehandelte Indexfonds. Sie bilden einen vorher festgelegten Börsenindex – wie den Dax – nach. Im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds „wetten“ sie nicht, dass bestimmte Aktien oder Anleihen besser laufen als der Durchschnitt, und sie investieren das Geld der Anleger immer komplett, egal ob die Börsenkurse steigen oder fallen.

Ein zusätzlicher Schub für Indexfonds kam nach der Finanzkrise 2008. Großanleger wie Versicherungen, Pensionsfonds und Stiftungen erkannten zunehmend die Vorzüge des Indexing, und auch Privatanleger entdeckten ETF. Der Börsencrash und der anschließende Wiederaufschwung der Kurse hatten den Anlegern vor Augen geführt, dass es nur wenigen Profis gelungen war, sowohl im Abschwung als auch im folgenden Aufschwung besser abzuschneiden als der Markt. Diejenigen, die frühzeitig Aktien verkauft und damit einen Teil der Crash-Verluste vermieden hatten, stiegen meistens zu spät wieder ein, als die Kurse ab März 2009 steil nach oben schossen.

Investiere 10 Prozent in kurzfristige Staatsanleihen und 90 Prozent in einen günstigen S&P-Indexfonds.

Warren Buffett

Bogles Vision hat sich zwar spät, aber dafür umso beeindruckender erfüllt. Ende 2019 umfasste der weltweite Markt für ETF und ETF-ähnliche Papiere ein Volumen von rund 6,3 Billionen US-Dollar. Sogar der Milliardär Warren Buffett, der als erfolgreichster aktiver Investor der vergangenen Jahrzehnte gilt, adelte ihn mit dem Rat an seine Erben: „Investiere 10 Prozent in kurzfristige Staatsanleihen und 90 Prozent in einen günstigen S&P 500-Indexfonds. (…) Ich bin überzeugt, dass diese Investmentstrategie langfristig zu Ergebnissen führen wird, die die Mehrheit der anderen Investoren in den Schatten stellen werden, die hoch dotierte Vermögensverwalter beschäftigen.“

In Deutschland sind für Privatanleger Indexfonds fast ausschließlich in der börsengehandelten Form als ETF erhältlich. Die Premiere ist noch nicht so lang her. Erstmals zugelassen wurden sie im April 2000 – bis Anfang 2020 kletterte die Zahl der an der Frankfurter Börse gehandelten ETF auf rund 1 800. Anders als klassische Fonds, für die es von der Fondsgesellschaft täglich nur einen offiziellen Preis gibt, werden ETF an der Börse wie Einzelaktien fortlaufend gehandelt.

HÄTTEN SIE’SGEWUSST?

Ende 2016 betrug der Wert aller Anlagen in ETF weltweit 3,42 Billionen Dollar, 2019 waren es bereits 6,3 Billionen – ein Plus von rund 85 Prozent binnen drei Jahren.

Rund 80 Prozent der 6,3 Billionen Dollar verwalteten die drei größten ETF-Anbieter der Welt, die US-Investmentfirmen BlackRock (in Deutschland iShares), Vanguard und State Street.

In Europa betrug Ende 2019 der Wert aller Anlagen in ETF gut eine Billion Dollar. Das entspricht weniger als einem Viertel des amerikanischen ETF-Marktes.

Ende 2016 lag die Zahl aller ETF-Produkte weltweit bei 4 808, Ende 2019 waren es über 7 800. In Deutschland konnten Anleger Anfang 2020 aus rund 1 800 Aktien- und Anleihen-ETF wählen.

Quellen: ETFGI, BlackRock, Deutsche Börse AG

Wie aber funktionieren ETF überhaupt? Und was sollten Sie als Anleger wissen, wenn Sie sich dafür interessieren? Der sperrige Begriff ETF steht ja für „Exchange Traded Funds“, also börsengehandelte Indexfonds. Sie weisen drei Hauptmerkmale auf: Sie folgen einem Index, sind Fonds und börsengehandelt. Was hat es damit auf sich? Fangen wir mit dem Index an, denn um ihn dreht sich alles.

Nur wenige Indizes eignen sich als Basis fürs Depot

ETF kopieren eine große Zahl an Börsenbarometern aus aller Welt. Wie aber funktioniert die Nachbildung? Und warum weisen weltweite Indizes für viele Privatanleger große Vorteile auf?

Wenn Sie sich darüber informieren wollen, wie sich die Aktienkurse in Deutschland entwickeln, schauen Sie vermutlich, wo der Deutsche Aktienindex, kurz Dax, steht. Der deutsche Leitindex spiegelt die durchschnittliche Kursentwicklung der 30 wichtigsten deutschen börsennotierten Unternehmen wider, von A wie Adidas bis W wie Wirecard. Am Dax lässt sich auf einen Blick der Börsentrend erkennen. Die Wertentwicklung eines bestimmten Zeitabschnitts – zum Beispiel eines Jahres – kann man dann ganz einfach durch den Vergleich von zwei Zahlen errechnen. Ausgangspunkt des Dax ist der 31. Dezember 1987, für diesen Tag wurde sein Niveau mit 1 000 Punkten festgelegt. Bis Mitte April 2020 kletterte er auf rund 10 700 Zähler, sein Wert hat in diesen gut 30 Jahren also mehr als das Zehnfache erreicht.

Da jeder ETF einen Börsenindex nachbildet, ist die Wahl des geeigneten Index ganz besonders wichtig, denn der Anlageerfolg hängt überwiegend davon ab. Das Börsenbarometer bestimmt die Chancen und Risiken des ETF. Erst später geht es darum, welche ETF-Anbieter die besten Produkte auf den jeweiligen Index offerieren.

Woraus ein Index genau besteht, können Sie leicht nachvollziehen, da die Regeln transparent sind und Sie die Zusammensetzung im Internet und in anderen Medien jederzeit verfolgen können. Wir haben die wichtigsten Informationen zu sinnvollen Indizes für Sie zusammengestellt. Die Übersicht finden Sie im Kapitel „Alle ETF im Überblick“, ab S. 45.

Für die Börsentendenz in Deutschland ist der Dax zwar das wichtigste Barometer, aber als Basis für einen ETF weist er erhebliche Mängel auf – zumindest mit Blick auf die Bedürfnisse langfristig orientierter Privatanleger: Er ist auf ein Land beschränkt und mit nur 30 enthaltenen Aktiengesellschaften nicht breit gestreut.

Mit einem ETF über 1 600 Aktien aus 23 Ländern kaufen

Indizes, die eine Vielzahl an Aktien oder Anleihen aus verschiedenen Ländern und Branchen enthalten, eignen sich deshalb besser als ETF-Basisinvestments. Finanztest versteht darunter Indizes, die in ihrem Anlagesegment keiner Ergänzung bedürfen.

Das beste Beispiel dafür ist der MSCI World, der mehr als 1 600 Aktien großer und mittlerer Unternehmen aus 23 Industrieländern umfasst und Wertpapiere aus allen wichtigen Branchen enthält (siehe die Grafik „Die Branchengewichtung im MSCI World“ auf S. 18). Er erfüllt damit alle Bedingungen für ein Basisinvestment. Noch besser geeignet ist der MSCI All Country World (ACWI), der zusätzlich noch die wichtigsten Aktien des Schwellenländer-Index MSCI Emerging Markets umfasst und insgesamt mehr als 3 000 Aktien aufweist.

Die meisten ETF-Anbieter in Deutschland verwenden die Indizes des Indexanbieters MSCI, wenn sie einen Weltindex nachbilden. Aber es gibt auch einen großen Konkurrenten: FTSE Russell. Zu diesem Indexanbieter, der zur Gruppe der Londoner Börse gehört, ist 2012 der ETF-Pionier Vanguard gewechselt. Ihm waren die Gebühren, die MSCI verlangt hat, zu hoch. Das Pendant zum MSCI World ist der FTSE Developed World, zum MSCI Emerging Markets der FTSE Emerging Markets und zum MSCI ACWI der FTSE All World. Diese drei FTSE-Indizes beinhalten sogar noch einige Hundert Aktien mehr als die entsprechenden MSCI-Indizes. Die Renditeentwicklung verlief in den vergangenen Jahren nahezu parallel zu derjenigen der MSCI-Indizes. Da Vanguard einen Teil seiner ETF Ende Oktober 2017 an der Frankfurter Börse eingeführt hat, spielen die FTSE-Indizes seither auch in Deutschland eine größere Rolle.

Die Branchengewichtung im MSCI World

Der MSCI World enthält Aktien aus allen wichtigen Branchen.

Quelle: Thomson Reuters. Stand 31.1.2020

Gute ETF auf die Welt-Indizes von MSCI und FTSE finden Sie im Kapitel „Alle ETF im Überblick“ ab S. 45. Neben ETF auf diese globalen Börsenbarometer gibt es zahlreiche ETF auf Aktienindizes von Ländern, Regionen, Branchen und zunehmend auch auf Themen und Strategien. Mehr dazu erfahren Sie im Kapitel „ETF für Fortgeschrittene“ ab S. 127.

Das Geld der Anleger ist gut geschützt

In „Indexfonds“ steckt auch das Wort „Fonds“. Es deutet darauf hin, dass ETF enge Verwandte von aktiven Investmentfonds sind. Die wichtigste Gemeinsamkeit ist die gleiche Konstruktion als Sondervermögen, denn sie bürgt für Sicherheit. Warum? Bei Sondervermögen gehören die Vermögenswerte den Käufern der Anteile an Fonds oder ETF. Es muss „abgesondert“ vom Vermögen der Fondsgesellschaft bei einer Depotbank verwahrt werden, im Fachjargon heißt das treuhänderische Verwaltung. Die Depotbank wacht darüber, dass die Fondsgesellschaft das Vermögen der Kunden nicht für eigene Zwecke verwenden kann.

Damit ist sichergestellt, dass das Sondervermögen im Falle von Verlusten oder gar einer Insolvenz der Investmentgesellschaft vor dem Zugriff der Fondsgesellschaft und deren Gläubigern geschützt ist. Das Sondervermögen ist und bleibt immer im Eigentum der Kunden, egal was passiert. Da ETF rechtlich Investmentfonds sind, werden auch bei ihnen die Anteile der Anleger als Sondervermögen strikt getrennt vom Vermögen der ETF-Anbieter aufbewahrt.

Ein ETF-Anleger trägt also nur das Risiko der Anlagen, die im Fonds stecken, aber nicht das Risiko, dass der ETF-Anbieter pleitegehen könnte.

ETF entwickeln sich meist besser als aktiv gemanagte Fonds

Wie herkömmliche Fonds eignen sich ETF besonders gut für Sparpläne, also fürs regelmäßige Anlegen. Das wird vor allem für die Altersvorsorge immer wichtiger. Aber auch bei anderen langfristigen Sparzielen, etwa beim Sparen für die Ausbildungskosten der Kinder oder Enkel, sind sie eine gute Wahl. Bei langfristigen Sparplänen wirken sich Renditeunterschiede aufgrund des Zinseszinseffekts gravierend aus – je länger die Anlagedauer ist, umso mehr.

Der Zinseszins

Der Zinseszinseffekt ist einer der wichtigsten „Verbündeten“ von Sparern. Erhält ein Anleger auf sein investiertes Geld eine Zinszahlung, die der Sparsumme hinzugefügt wird, wird die Zinszahlung beim nächsten Zahlungstermin mitverzinst. Auf diese Weise mehrt sich das Geld schneller als ohne Zinseszinseffekt. Je länger man spart, desto stärker kommt der Effekt zum Tragen.

Eine für jeden Sparer leicht nachvollziehbare Möglichkeit, mit ETF langfristig Vermögen aufzubauen, stellt das Pantoffel-Portfolio der Stiftung Warentest dar, das im Kapitel „Mein ETF-Plan“ ab S. 70 ausführlich beleuchtet wird.

Wenn Sie in einen ETF-Sparplan investieren, bleiben Sie, anders als beispielsweise bei einer Kapitallebensversicherung, jederzeit flexibel. Sie können die Sparrate monatlich oder in einem anderen Intervall überweisen und die Höhe beliebig anpassen. Wenn sich die Lebens- oder Einkommenssituation ändert, kann man auch einmal eine Weile ganz pausieren. Neben diesen Gemeinsamkeiten von ETF mit klassischen Investmentfonds gibt es aber wichtige Unterschiede.

Langfristig schneiden ETF im Schnitt besser ab als aktiv gemanagte Fonds. Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die dies belegen. Das gilt, weil die Kosten deutlich niedriger sind. ETF sind nicht nur in der Anschaffung wesentlich günstiger, sondern auch im Bestand: So weisen Standard-ETF pro Jahr Gesamtkosten von unter 0,1 Prozent bis ca. 0,5 Prozent auf. Aktive Aktienfonds dagegen berechnen im Durchschnitt 1,5 bis 2,0 Prozent. Auch die fondsinternen Handelskosten sind bei Standard-ETF viel niedriger, weil es in Indizes nur selten und meist nur kleine Anpassungen gibt. Langfristig summiert sich der Kostenvorteil zu erheblichen Beträgen.

Die Transparenz ist bei ETF größer als bei aktiven Fonds. Da ETF Indizes nachbilden, deren Zusammensetzung und Gewichtung jederzeit einsehbar sind, haben Anleger stets den Überblick. Bei aktiven Fonds wissen Anleger dagegen nicht, welche Wertpapiere das Management gerade kauft oder verkauft. Das erfahren sie bestenfalls im Nachhinein. Und sie sind nie vor Fehlentscheidungen der Fondsmanager gefeit, die viel Ertrag kosten können. Allerdings werden ETF den Index, den sie nachbilden, nie schlagen, wie es einer Minderheit der aktiven gemanagten Fonds mittel- und langfristig gelingt.

Wie lässt sich der Index nachbilden?

Wie werden ein Index und ein Fonds zum Indexfonds? Ganz einfach, könnte man meinen, indem alle Bestandteile eines Börsenindex eins zu eins gekauft werden und in das Sondervermögen übergehen. So hat es John Bogle 1976 vorgehabt, als er den ersten Indexfonds aus der Taufe hob. Seine Methode nennt sich daher „physische Nachbildung“. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten der Indexnachbildung, die ihre eigenen Vorzüge und Nachteile aufweisen. Details dazu erfahren Sie im Abschnitt „Weitere Auswahlkriterien“ ab S. 108.

Dividenden – auszahlen lassen oder ansammeln?

Einen erheblichen Teil der Erträge von Aktien steuern Dividenden, die regelmäßigen Ausschüttungen der Unternehmen, bei. Nach verschiedenen Untersuchungen machen sie je nach Land und Zeitraum langfristig zwischen einem Drittel und der Hälfte der Gesamterträge aus. Auf Dividenden haben ETF-Besitzer den vollen Anspruch. Denn ETF sind ja, wie wir gehört haben, Sondervermögen, die hundertprozentig den Käufern gehören.

Gut zu wissen

Wo können sich Anleger am besten über einzelne ETF schlau machen und sie miteinander vergleichen? Gesetzlich vorgeschrieben sind die „Wesentlichen Anlegerinformationen“, die im Internet auf der Homepage der Anbieter abrufbar oder bei Banken erhältlich sind. Sie müssen auf zwei Seiten die wichtigsten Fakten des ETF detailliert darlegen. Daten zur Fondszusammensetzung, den Kosten, der Anlagewährung, der Wertentwicklung in Fondswährung und der Behandlung von Dividenden stehen in den Factsheets, die meistens einmal monatlich aktualisiert werden und ebenfalls im Internet einsehbar sind. Noch einfacher: Die Stiftung Warentest bietet die wichtigsten Daten für viele Fonds und ETF gegen eine geringe Gebühr unter test.de/fonds.

Aber was passiert mit den Dividenden? Es gibt, wie bei aktiven Fonds, zwei Möglichkeiten: Sie werden regelmäßig an die Anleger ausgezahlt – von jährlich bis zu viermal pro Jahr –, oder sie werden automatisch wieder im ETF angelegt und erhöhen entsprechend den Wert des ETF. Der erste Weg wird als „ausschüttend“ bezeichnet, der zweite als „thesaurierend“.