Anna & Anto - Gerlis Zillgens - E-Book

Anna & Anto E-Book

Gerlis Zillgens

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Beschreibung

Körpertausch mal anders – Eine turbulent-lustige Zwillingsgeschichte für Mädchen und Jungs ab 11 Jahren. Anna und Anto Anders sind Zwillinge – und gehen sich schrecklich auf die Nerven. Die Phase in Mamas Bauch mitgerechnet sind sie nun schon 15 Jahre gezwungen, ihr Leben zu teilen. Als Anna immer häufiger dieses Kribbeln verspürt, wenn sie Antos besten Freund Maxim sieht, spitzt sich die Lage zu. Gerne würde sie mehr Zeit mit Maxim verbringen. Alleine. Ohne Anto. Und da passiert es plötzlich! Anna steckt im Körper ihres Bruders! Und Anto in dem seiner Schwester. Gab es vorher schon viel Verwirrung, geht's jetzt erst so richtig los. Überraschend, witzig und mit Tiefgang.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Das Buch

Das, was ich im Spiegel sah, verschlug mir den Atem.

Ich war nicht Anna.

Ich war Anto.

Ich steckte im Körper meines Bruders.

Anna und Anto sind Zwillinge – und gehen sich schrecklich auf die Nerven. Bis zu dem Tag, als Anna in Antos Körper aufwacht, und Anto in Annas. Schock! Fragen über Fragen!

Mädchen? Junge? Wer bin ich und wer bist du? Auf einmal purzelt für die beiden alles durcheinander.

Eine furiose Reise in die völlig fremde Welt des jeweils anderen – überraschend, witzig, tiefgehend!

Die Autorin

© privat

Gerlis Zillgens war Schauspielerin und Regisseurin, hat fürs Fernsehen gearbeitet und ist mit Leib und Seele Autorin! Wortgewandt und mit fantastisch-komischen Dialogen bringt sie ihren Lesern und Leserinnen so richtig viel Freude am Lesen. Wenn sie nicht gerade schreibt, geht sie auf Lesetour. Oder tanzt Tango und Salsa. Oder turnt herum. Manchmal auch auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Mehr über Gerlis Zillgens: www.zillgens.de

Der Verlag

Du liebst Geschichten? Wir bei Planet! in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH auch!

Wir wählen unsere Geschichten sorgfältig aus, überarbeiten sie gründlich mit Autoren und Übersetzern, gestalten sie gemeinsam mit Illustratoren und produzieren sie als Bücher in bester Qualität für euch.

Deshalb sind alle Inhalte dieses E-Books urheberrechtlich geschützt. Du als Käufer erwirbst eine Lizenz für den persönlichen Gebrauch auf deinen Lesegeräten. Unsere E-Books haben eine nicht direkt sichtbare technische Markierung, die die Bestellnummer enthält (digitales Wasserzeichen). Im Falle einer illegalen Verwendung kann diese zurückverfolgt werden.

Mehr über unsere Bücher, Autoren und Illustratoren: www.planet-verlag.de

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Viel Spaß beim Lesen!

Für Eileen und ihre Familie

Babyalarm

»Ihr bekommt ein Baby!«, sagte Frau Kleingedank-Mücke und ihre Augen funkelten vor Freude.

»Nein!«, rief mein Bruder erschrocken.

»Fuck«, jaulte der beste Freund meines Bruders.

Beide starrten entsetzt auf unsere Biologielehrerin. Einen Wimpernschlag lang herrschte Totenstille. Dann brach Tumult in der Klasse aus. Gellendes Gelächter. Schenkelklopfen. Rudi rutschte von der Stuhlkante und landete auf den Knien.

»Anto und Maxim kriegen ein Kind!«

»Halleluja!«, frohlockte Lotte. »Ein Wunder, ein Wunder!« Sie sprang auf, riss die Arme in die Höhe und stieß dabei die Lostrommel um. Die darin befindlichen Kugeln kullerten unter Stühle und Tische, ein paar Jungs stürzten ihnen johlend hinterher, um sie wieder einzusammeln, anderen liefen vor Lachen schon Tränen die Wangen hinunter.

Frau Kleingedank-Mücke versuchte vergeblich, das Chaos wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Da man sie in dem ganzen Getöse nicht mehr hören konnte, sah sie mit ihren wedelnden Händen, dem auf- und zuklappenden Mund und den aufgerissenen Augen aus wie eine verstörte Mischung aus Fisch und Stummfilmstar.

Die Klingel erlöste sie. »Eure weiteren Projekte losen wir dann nach der Pause aus«, quetschte sie zwischen zusammengepressten Lippen hervor, griff gierig nach ihrer Tasche und machte sich im Laufschritt, ohne sich nur noch ein einziges Mal umzusehen, auf ins rettende Lehrerzimmer.

»OH! MEIN! GOTT! Das war die beste Biologiestunde ever. Ich schwör«, rief Mia und sah mit ihrer verlaufenen Wimperntusche aus wie ein lustiger kleiner Pandabär.

»Du bist da immer noch ganz schwarz!« Ich tippte Mia auf den Wangenknochen unter ihrem rechten Auge. Sie wischte mit ihrem Handrücken darüber, musste aber schon wieder so lachen, dass neue Wimperntusche nachfloss.

Wir hockten auf den alten Traktorreifen in unserer Lieblingsecke, von der aus man einen guten Überblick sowohl über den Schulhof, als auch direkt ins Parterre gelegene Lehrerzimmer hatte. Was logischerweise auch den Lehrern und Lehrerinnen unserer Astrid-Lindgren-Superschule einen prima Blick auf uns erlaubte. Was wiederum erklärte, dass dieser Platz wenig begehrt und selten besetzt war, und Mia und ich ihn in fast jeder Pause nutzen konnten. Dass die Lehrer gute Sicht auf uns hatten, nahmen wir gern in Kauf für die eigene Aussicht. Wenn man sich taktisch geschickt setzte, konnte man uns auch nur von hinten oder ein wenig von der Seite sehen.

»Maxim und Anto sind voll fertig.« Mias Pandaaugen wurden schmaler, je breiter sie grinste. Sie winkte zur anderen Ecke des Schulhofs rüber, in der die beiden ihre Köpfe zusammensteckten und aufgeregt miteinander tuschelten.

»Anto wird ’ne Weile brauchen, um das zu verkraften. Die beiden wollten sich so gern um das Aufpimpen vom Fußballplatz kümmern. Und nun hat das Losglück ausgerechnet seine doofe Schwester Anna und deren coole Freundin Mia damit beschenkt.«

Mia legte einen Arm um meine Schulter und drückte mich an sich. »Ich komm immer noch nicht drüber weg. Wie die beiden geguckt haben, als die Mücke die Loskugel geöffnet und die Namen der beiden vorgelesen hat.« Sie schaute mich an. »Glaubst du, die kriegen das hin mit so einem Babysimulator?«

»Nö. Schon deswegen nicht, weil Anto nachts immer pennt wie ein Murmeltier, das ’ne Extra-Portion Schlaftabletten verputzt hat. Um den morgens zu wecken, braucht es eine trompetende Elefantenkuh samt brüllendem Löwenmännchen. Mindestens.«

Mia konnte gar nicht mehr aufhören zu kichern. »Leider kann man bei Elefanten und Löwen die Weckzeit nicht einstellen.«

Unsere Wohnung lag direkt am riesigen Zoo der Stadt. Und von Antos Zimmer konnte man gut aufs Gelände gucken. Deswegen hatte ich, schon seitdem ich denken konnte, die Zimmer tauschen wollen, aber mein Zwillingsbruder hatte sich immer erfolgreich dagegen gewehrt. Er mochte das Zimmer zum Zoo genauso gern wie ich. Selbst wenn es bei offenem Fenster manchmal mächtig nach Elefantenkacke duftete.

Am Fenster des Lehrerzimmers tauchte die Mücke auf und öffnete es. Sicher hatte sie auch oft das Gefühl, von einer Horde wilder Tiere umgeben zu sein. Sie warf keinen Blick hinaus, sondern nahm mit halb geschlossenen Augen ein paar tiefe Atemzüge, um es dann wieder zu schließen und im Raum zu verschwinden.

Dafür näherten sich nun Bruderherz und Maxim. Wie immer, wenn Maxim mir so nah kam, dass ich seine knallgrünen Augen sehen konnte, begannen meine Füße zu kitzeln, meine Hände zu schwitzen und mein Gesicht war schockgefrostet.

Mein Bruder deutete mit ausgestrecktem Zeigefinger erst auf mich, dann auf Mia, dann wieder auf mich. »He, ihr zwei Hübschen.« Er sprach ungefähr eine Oktave tiefer als sonst und stellte sich betont breitbeinig hin. Das sah ziemlich albern aus und genauso hörte es sich auch an. Wie eigentlich fast alles, was mein Bruder tat. »Maxim und ich hatten gerade eine coole Idee.«

»Kann ich mir kaum vorstellen«, schoss es augenblicklich aus Mia heraus. Sosehr meine beste Freundin mich lieb hatte, so doof fand sie meinen Bruder. Er hatte sich bei ein paar vergeblichen Datingversuchen ein bisschen danebenbenommen, seitdem war er für sie wie ein rotes Tuch für einen Stier.

Ich brachte, wie immer, wenn Maxim mir so nah kam, dass ich seine süßen abstehenden Ohren sehen konnte, kein Wort heraus.

»Wie wär’s, wenn wir in der Kümmerwoche tauschen«, schlug Anto vor. »Ihr kriegt das Baby, und wir kümmern uns um den Fußballplatz.«

Mia tippte sich an die Stirn. »Nicht knusper in der Pastete, oder was? Denkfabrik pleitegegangen? Zu viel Handy-Strahlung abgekriegt?«

»Wir würden euch auch zu ’nem leckeren Eis einladen.« Maxim lächelte.

Mia gähnte. »Wow, is ja ’n mega Angebot!«

Ich hätte für ein Eis mit Maxim den beiden sofort den Fußballplatz überlassen und das Baby lebenslang adoptiert. Ich brachte aber, wie immer, wenn Maxim mir so nah kam, dass ich das kleine Grübchen in der Wange, direkt über dem linken Mundwinkel sehen konnte, kein Wort heraus.

»’ne Pizza wär auch noch drin«, erhöhte Maxim das Angebot. »Mit freier Wahl. Darf auch eine mit Serrano-Schinken sein.«

Die mit Serrano-Schinken war in unserer kleinen Pizzeria am Zoo immerhin drei Euro teurer als die Margherita.

»Ich bin Vegetarierin. Ich ess keinen Schinken.«

Puh, endlich hatte ich auch mal einen vernünftigen Satz herausgebracht, obwohl Maxim mir so nah war, dass ich seine knallgrünen Augen, die abstehenden Ohren und das süße Grübchen sehen konnte. Meine Gesichtstemperatur wechselte allerdings unmittelbar danach von tiefgefroren zu pizzaofenheiß.

»Selbst wenn wir wollten …«, Mia gähnte demonstrativ, »wird das nichts nützen. Glaub kaum, dass die Mücke uns so lange tauschen lässt, bis wir das Projekt haben, was wir am liebsten machen wollen.«

»Was meinst du denn dazu?«, fragte Maxim und sah mich an.

Augen, Ohren, Grübchen. In meinem Gehirn rollte ein Tsunami von einer Seite zur anderen. Er riss jegliche Form menschlicher Intelligenz mühelos mit sich. Zurück blieb ein unentwirrbares Chaos an Panikwellen, Gedankenfetzen und Gefühlsdusel.

Diesmal war ich es, die durch die Pausenklingel erlöst wurde. Schneller als die Zoo-Gazellen düste ich los Richtung Schuleingang.

Esszimmer-Drama

»Und, wie war’s in der Schule?« Mein Vater zog die Schüssel mit dem Brokkoliauflauf zu sich heran, bohrte den Löffel tief hinein und legte mir ungefragt eine riesige Portion nach.

»Ich bin satt, Papa.«

»Du hast kaum was gegessen.«

»Papa! Bei irgendeinem Mittagessen platze ich, und meine Familie wird von meinen blutigen, dampfenden Innereien vollgespritzt, bevor ich röchelnd krepiere.«

»Alter!« Anto verzog das Gesicht.

Mein Vater sah mich strafend an. »Du kannst einem ganz schön den Appetit verderben, Anna.« Wieder ungefragt tauschte er meinen vollen Teller mit seinem leer geputzten. »Und, wie war’s nun in der Schule?«

Bevor mein Bruder oder ich antworten konnten, ging die Esszimmertür auf, meine Mutter stöckelte auf ihren Arbeits-High-Heels durch den Raum, küsste meinem Vater ein kleines grünes Brokkoliröschen von den Lippen und gab es Gott sei Dank an Antos Stirn weiter, bevor sie mich auf die Wange küsste.

Das Küssen war Ritual. Papa Mund, Anto Stirn, ich Wange. Vermutlich schon seit dem Augenblick, als Anto und ich vor vierzehneinhalb Jahren mit einem Abstand von vierzehneinhalb Minuten das Licht der Welt in der Familie Anders erblickt hatten.

Papa schob auch Mama einen Teller mit einem Berg Brokkoliauflauf hin. Er ging immer davon aus, dass jeder Mensch auf der Welt so viel essen sollte wie er. Dass ein deutlich runder Bauch ihm aber täglich erzählte, dass er selbst zu viel aß, überhörte und übersah er gern, auch wenn Mama es viel Freude bereitete, ihn darauf hinzuweisen.

Mama hatte eine knappe Stunde Mittagspausenzeit, bevor sie wieder in den Hauptbahnhof und dort genervte Reisende über Verspätungen, Ersatzzüge und Entschädigungen informieren musste. Papa arbeitete freiberuflich und sein Schreibtisch stand zu Hause. Deswegen war er grundsätzlich fürs Essen zuständig. Und natürlich nicht nur fürs Essen: Papa bekam in dieser Familie, weil er immer zu Hause war, einfach viel mehr mit als Mama. Er war es, der uns früher bei unseren Hausaufgaben geholfen hat. Er war es, der uns Pflaster auf verletzte Knie klebte und tröstete. Und er war es auch, der unsere Freunde und Freundinnen besser kannte als Mama.

»Und, wie war’s in der Schule?«, fragte Mama.

Ich überlegte, ob es einen Satz gab, den meine Eltern in den letzten acht Jahren häufiger gesagt hatten. Außer vielleicht Anto, räum bitte endlich dein Zimmer auf!, fiel mir keiner ein.

Bruderherz verdrehte die Augen. Er sah immer noch so genervt aus wie in der Biostunde und der Pause danach. Nur, dass das Brokkoliröschen in der Mitte seiner Stirn ihn jetzt lustiger machte. »Doofer Tag. Ich krieg ein Baby, und Anna und Mia wollen sich nicht drum kümmern.«

»Warum sollten wir auch? Wenn das Schicksal will, dass Anto ein Kind kriegt, müssen Mia und ich das doch nicht ausbaden, nur weil wir Mädchen sind.«

Der Bericht über unser Schulprojekt ließ ziemlich merkwürdige Dinge am Mittagstisch geschehen. Mamas Unterkiefer klappte fast bis auf ihren Busen herunter. Papa ließ die Gabel mit grünem Brokkoliauflauf auf seine hellen Jeans fallen. Mama riss die Augen so weit auf, dass man fast nur noch weiß darin sah. Papas Kinnlade folgte der von Mama, rutschte ebenfalls eine Etage tiefer und entließ dabei weiteres Grünzeugs. Das alles sah reichlich unappetitlich aus. Wir waren es, von unseren eher auf gutes Benehmen bedachten Eltern, nicht gewohnt, dass sie sich am Tisch aufführten wie zweijährige Kinder bei ihren ersten selbstständigen Essversuchen.

Dann stiegen sie unvermittelt in einen dramatischen Theaterdialog ein:

Mama:(verstört) Was?

Papa:(tonlos) Was?

Mama:(krächzend) Anto!

Papa: (heiser) Anto!

Mama:(hysterisch rufend) Du bist vierzehn!

Papa:(fassungslos flüsternd) Vierzehn Jahre!

Mir schien, ich hatte selbst in der Kita schon gehaltvollere Theaterdialoge gehört. Anto schaute ratlos zu mir rüber und zuckte mit den Schultern. Ich zuckte zurück.

Manchmal waren Eltern einfach seltsame Wesen.

Mama schnappte nach Luft, riss die Augen noch weiter auf (wer hätte gedacht, dass das möglich war) und setzte zur Abwechslung mal zu einem längeren Monolog an, der inhaltlich aber wenig mehr hergab als der Kleinkind-Dialog mit Papa vorher.

Mama: Vierzehn Jahre! Ich glaub das nicht, das kann ich nicht glauben, ich hab ja nicht mal gedacht, dass du überhaupt schon … aber wenn … du weißt doch … du bist doch aufgeklärt, wir haben doch …

Papa holte Luft und wollte auch etwas sagen. Mama textete unbeeindruckt weiter.

Mama: … über alles schon vor Ewigkeiten gesprochen, und nicht nur einmal – oft, sehr oft … ich habe euch doch alles erklärt … wie konnte das denn …

Papa holte Luft und wollte auch endlich etwas sagen. Mama textete unbeeindruckt weiter.