Apokalypse Grönland - René Deter - E-Book

Apokalypse Grönland E-Book

René Deter

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Beschreibung

  DÄMONENHAMMER 2 widmet sich den Zombies. Oder sind es gar keine Zombies, die sich hier tummeln? Das Z-Wort fällt nur sehr sporadisch, und eigentlich sind Namen ohnehin nur Schall und Rauch. René Deter hat zu diesem großen Thema drei verstörende Novellen geschrieben, die euch zeigen werden, »die, deren Namen man nicht nennt« lauern nicht nur in Form von staksenden Leichen, die »Gehirn …« brabbeln – sie haben inzwischen auch andere Gestalten angenommen. Andere Wege, sich fortzupflanzen. Ihre Mission ist dieselbe geblieben: Sie brauchen Menschenfleisch!  

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René Deter, Azrael ap Cwanderay

Apokalypse Grönland

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Impressum / Vorwort / Inhalt

 

 

 

 

 

 

 

APOKALYPSE

GRÖNLAND

 

von

 

René Deter

 

 

 

 

 

 

 

Vollständige Ausgabe 2021

Copyright © Hammer Boox, Bad Krozingen

Lektorat:

Hammer Boox, Bad Krozingen

Korrektorat: Doris E. M. Bulenda

(Fehler sind völlig beabsichtigt und dürfen ohne Aufpreis

behalten werden)

Titelbild: Azrael ap Cwanderay

Satz und Layout: Hammer Boox

 

Copyright © der einzelnen Beiträge bei den Autoren

 

5 / 21 – 26

 

 

 

 

EINE BITTE:

 

Wie ihr vielleicht wisst, ist HAMMER BOOKS noch ein sehr junger Verlag.

Nicht nur deshalb freuen wir uns alle, wenn ihr uns wissen lasst, was ihr von diesem Roman haltet.

Schreibt eine Rezension, redet darüber,

fragt uns, wenn ihr etwas wissen wollt...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ihr Lieben!

 

Und hier ist sie also nun: die zweite Ausgabe unserer Story-Reihe DÄMONENHAMMER!

 

Wurde sie eigentlich ins Leben gerufen, weil man während der schweren Corona-Zeit ohnehin nicht viel anderes tun konnte, als zu lesen (es sei denn, man war »systemrelevant« und hatte – wie etwa die Leute aus der Pflege – viel zu viel zu tun), gingen wir davon aus, das böse C habe sich bis zu Band 2 von selbst erledigt.

Willkommen in der Realität!

Aber immerhin, die Zahl der Geimpften steigt. Und obwohl die Inzidenz grad wieder ebenfalls steigt, ist die Zahl der schweren Verläufe relativ niedrig. Hoffen wir, dass es so bleibt.

Heißt jetzt aber nicht, dass die Impfung einen komplett vor C bewahrt. Ich prognostiziere mal, früher oder später wird sich jeder von uns infizieren – und sei es in vielen Jahren. Dann kommt es nur darauf an, wie schwer der Verlauf sein wird.

Und ich hoffe, dass sich nicht so viele Varianten entwickeln, dass man mit dem griechischen Alphabet von vorn anfangen muss …

 

Aber ich schweife ab!

 

DÄMONENHAMMER 2 widmet sich den Zombies in all ihren Varianten.

Oder sind es gar keine Zombies?

 

Tatsache ist, der Begriff wird sehr sparsam verwendet. Aber vielleicht kommt es gar nicht auf Namen und Bezeichnungen an, denn bekanntermaßen sind die ohnehin Schall und Rauch.

 

René Deter hat dazu drei großartige Novellen geschrieben, die euch verstören und zeigen sollen, »die, deren Namen man nicht nennen«, lauern nicht nur in Form von staksenden Leichen, die »Gehirn …« brabbeln – sie haben inzwischen auch andere Gestalten angenommen. Andere Wege, sich fortzupflanzen.

Ihre Mission ist dieselbe geblieben:

Sie brauchen Menschenfleisch!

 

Viel Spaß bei diesem exorbitanten Vergnügen wünscht

 

Cassandra

 

 

 

 

 

 

INHALT

 

 

APOKALYPSE GRÖNLAND

 

GRAUEN IM IDYLL

 

SAAT DES VERDERBENS

 

 

 

 

 

 

 

DÄMONENHAMMER 2 widmet sich den Zombies.

Oder sind es gar keine Zombies, die sich hier tummeln?

Das Z-Wort fällt nur sehr sporadisch, und eigentlich sind Namen ohnehin nur Schall und Rauch.

René Deter hat zu diesem großen Thema drei verstörende Novellen geschrieben, die euch zeigen werden, »die, deren Namen man nicht nennt« lauern nicht nur in Form von staksenden Leichen, die »Gehirn …« brabbeln – sie haben inzwischen auch andere Gestalten angenommen. Andere Wege, sich fortzupflanzen.

Ihre Mission ist dieselbe geblieben:

Sie brauchen Menschenfleisch!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Apokalypse Grönland

 

Im Atlantischen Ozean vor Grönland

 

Das Meer, Lebensraum unendlich vieler Tiere. Manche größer, andere kleiner.

Dieses Wesen, das da gerade seine Bahn zog, gehörte zu den größten des Meeres. Obwohl es wie ein Fisch aussah, war es keiner. Und immer mal wieder gab es jemanden, der dies verwechselte.

Ein majestätischer Wal präsentierte sich im eisigen Wasser des Nordmeeres. So manchem Tierfilmer wäre vor Freude das Herzen aufgegangen, wenn er dieses wunderschöne Tier zu Gesicht bekommen hätte. Nur, hier in den eisigen Weiten des Ozeans, sah es niemand.

Vielleicht war es auch besser so, denn der Wal warf Fragen auf, die keine Antworten kannten. So majestätisch das Tier im Wasser seine Bahnen auch zog, desto seltsamer wirkte sein Inneres. Was immer es darstellen mochte, es versuchte, nach draußen zu kommen. Deutlich ließ sich erkennen, wie sich die Haut des Tieres immer wieder seltsam ausbeulte, als wolle eine überdimensionale Eiterblase aufplatzen. Allerdings deutete nichts in diese Richtung hin.

Irgendwann allerdings würde die Haut keinen Widerstand mehr gegen die seltsamen Angriffe aus dem Inneren leisten und das den Weg nach draußen finden, was der große Meeres-Säuger in sich trug.

Etwas Gutes schien es nicht zu sein …

 

***

 

Grönlandsee, Tage zuvor

 

Eisberge, steil aus dem Meer aufragend. Erhaben! Gefrorenes Potential von Jahrtausenden, feste Mahnmale längst vergangener Zeiten!

Doch die moderne Welt setzte den gefrorenen Riesen zu, die Stück für Stück ihren Widerstand auf- und sich der Wärme der neuen Zeit ergaben. Ein Knarren, Knirschen, Zerreißen begleitete die kalte, weiße Anmut, die zerbrechlicher als Glas wirkte.

Davor trieben im Wasser einsame kleine Schollen, Zeichen früherer Abbrüche, nur noch ein Schatten ihrer selbst. Bald würden sie vollends geschmolzen sein. Die Natur kannte keine Gnade. Wasser gesellte sich zu Wasser. Süß zu Salz! Es war eine unerbittliche, wenig förderliche Veränderung!

Da ertönte ein besonders lautes Krachen. Das Eis schien regelrecht zu erzittern, zu beben, als wolle es sich dagegen sträuben, was in Kürze unausweichlich Realität sein würde.

Sekunden später ertönte ein ohrenbetäubendes Kreischen. Ein Riss entstand im imposanten Eis, der sich immer größer und mächtiger zeigte. Er fraß sich durch dessen Jahrtausende alte Geschichte! Nichts hielt ihn auf!

Ein neuer Abbruch deutete sich an. Ein riesiger Eisberg würde ins offene Meer getrieben werden und eine tödliche Gefahr für jedes Schiff darstellen, das ihm zu nahe kam.

Immer weiter schritt der Prozess fort, begleitet von kreischendem Bersten. Dann brach der riesige Block von der großen Eismasse ab und ließ das Meerwasser in riesigen Fontänen aufspritzen. Einige Fische und ein Wal, die sich gerade in der Nähe aufhielten, suchten das Weite. Eine kleine Flutwelle machte sich auf den Weg ins offene Wasser.

Im Abbruch jedoch kam im gleichen Moment etwas zum Vorschein. Seit unzähliger Zeit gab es das ewige Eis wieder frei.

Unbemerkt von den Menschen zeigte sich etwas Absonderliches, was die ganze Welt allein schon durch das Auftauchen verändern konnte. Es war etwas Besonderes … eine Gabe … Doch nicht von dieser Welt!

 

***

 

Im Atlantischen Ozean, näher an Grönland

 

Der Wal bewegte sich auf elegante Weise im Meer fort, immer in Nähe der Küste schwimmend, als sei sie sein auserkorenes Ziel. Ab und zu stieß er kleine Fontänen aus, die ein bezauberndes Bild abgaben.

Doch dieser vermeintlich liebliche, äußere Anblick täuschte.

Eine unbekannte und doch zugleich starke innere Kraft trieb den Wal an. Sie kannte nur einen einzigen Befehl, dem das stolze Tier gehorchen musste. Ganz gleich, ob es wollte oder nicht!

Inzwischen gab es unter der dicken Haut keinerlei Bewegung mehr.

Das hatte einen guten Grund. Die Ursache der Bewegungen hatte mittlerweile den Weg nach draußen gefunden, sich ohne nennenswerten Widerstand durch die dicke, mit Fett verstärkte Haut gefressen und breitete sich im Meer aus.

Dennoch lebte der Wal und zog unverdrossen weiter. Ihn störte das größer werdende Loch in sich nicht. Vielmehr schien er fast erleichtert darüber zu sein, den »blinden Passagier« losgeworden zu sein.

Die Gabe begann zu erblühen …

Seine einstige Fracht hatte sich bisher nicht weit von ihm entfernt, sondern schwamm direkt mit ihm an Grönlands Küsten entlang, als sei der Meeressäuger der Messias, dem es zu folgen galt.

In gewissem Sinne stimmte das sogar. Doch brachte dieser Messias nicht die erhoffte Erlösung, sondern Verdammnis. Eine Verdammnis, die erblühen wollte.

Bald würde sie sich über das grüne Land ausbreiten, gleich dem inneren Befehl, dem es zu gehorchen galt.

Schließlich löste sich ein Teil davon. Ihr war eine andere Bestimmung zugedacht als dem Großteil der Fracht. Ihr Ziel war nicht das Meer, das die Küsten umspülte, sondern das Land selbst. Ein von der Gabe vor längst vergessener Zeit auserkorenes Land an der Nahtstelle zweier Kontinente. Alles schien gut geplant, nichts dem Zufall überlassen.

 

***

 

Grönland, vor der Küste

 

Die See war erstaunlich ruhig in den häufig sturmdurchtosten Gewässern nahe der grönländischen Küste. Normalerweise peitschte der Wind. Wasserfontänen und dunkle Wolken gaben der Szenerie einen düsteren Anstrich.

Doch an diesem Tag zeigte das Wetter, dass es auch anders konnte.

Fritjof freute es, denn so wurde sein schon ein wenig in die Jahre gekommenes Fischerboot nicht allzu sehr beansprucht. Es bedurfte einiger dringender Reparaturen, die er sich aber von den kargen Einkünften als Fischer kaum leisten konnte. Oft genug war er froh, wenn es reichte, seine Familie und ihn mit Essen zu versorgen. Große finanzielle Sprünge ließen sich da beim besten Willen nicht machen. Deshalb standen die Reparaturen des Bootes stets hinten an. Und solange es noch halbwegs treu den Dienst versah, wurden die dringenden Arbeiten weiter hinausgezögert.

Aber Fritjof jammerte nicht über sein bescheidenes Leben. Er ertrug es mit stoischer Ruhe, so wie es den meisten Fischern und eigentlich allen Grönländern im Blute lag. Mit Ruhe und Ausdauer ließ sich vieles einfacher ertragen, auch die Arbeit als Fischer in den oft sturmumtosten Gewässern.

Zudem gab es immer wieder Augenblicke, die ihm seine Arbeit versüßten. Solche Glücksmomente bestanden beispielsweise darin, wenn ihm ein besonders guter Fang gelungen war oder er den Fisch für gutes Geld verkaufen konnte. Die Menschen schätzten den fangfrischen Fisch des Fischers von nebenan.

Natürlich hatte andererseits die Fischerei-Industrie in der Gegend schon lange Einzug gehalten. Sie machte den kleinen Fischern das Leben schwer. Die Flotten vermochten weitaus effizienter zu fangen und konnten dadurch meist auch noch deutlich günstiger verkaufen. Trotzdem würde Fritjof nicht wie so viele seiner Kollegen auf- und sich den Fangflotten ergeben. Die treuen Kunden dankten es ihm. So nahm er alle Widrigkeiten und Unbilden in Kauf, auch wenn er damit nicht reich wurde.

In dem Bereich der See vor Grönland, in dem er sich heute befand, hatte er bisher immer einen guten Fang gemacht. Die Industriefischer waren hier nur selten anzutreffen und konnten deshalb die Bestände auch nicht gefährden. Er jedoch wusste um die besonders guten Fanggründe in diesen Gewässern, und wenn er sich die Kisten im Boot betrachtete, so war auch der heutige Tag bisher ganz gut gelaufen. Er würde den gefangenen Fisch zu einem sehr guten Preis verkaufen können.

Die Qualität stimmte, davon war er überzeugt. Leider war das nicht immer so. Die Vermüllung der Meere setzte natürlich den Fischen zu. Und auch ihm selbst war schon des Öfteren Plastik-Beifang vergönnt gewesen, den er dann aufwändig hatte entsorgen müssen. Andere hätten ihn einfach ins Wasser zurückgeworfen, aber er wünschte sich, dass das Meer auch noch zukünftige Generationen ernähren konnte.

Er war soeben dabei, das Netz einzuholen, um den nächsten Fang anzulanden, als etwas Seltsames seine Aufmerksamkeit erregte. Im Netz hing ein recht seltsamer Fisch in den Maschen.

Eigentlich war es gar kein Fisch mehr, stellte er beim zweiten Hinsehen fest, sondern lediglich der Kopf des Meerestieres. Der hintere Teil fehlte komplett. Das kam vor und hätte den Fischer normalerweise kaum verwundert. Doch im Gegensatz zu sonst, zappelte dieser Kopf putzmunter im Netz, so als gehe ihn der fehlende Teil seines Körpers nichts an.

Und das kam absolut nie vor!

Fritjof rieb sich mit seinen nach schmutzigen Fingern verwundert die Augen. Nein, es war keine Halluzination. Seine Augen trogen ihn nicht.

Dieser Fisch dürfte nicht mehr am Leben sein! Trotzdem war er es offenbar! Ebenso munter wie die anderen, die sich im Netz verfangen hatten.

Es faszinierte ihn, das Schauspiel mit anzusehen, und er beschloss, den seltsamen Fang zu befreien und genauer zu betrachten. Schließlich kam ihm etwas Derartiges höchst selten in die Hände.

 

***

 

Grönland, eine versteckte Bucht

 

Marita und Ingar freuten sich, dass sie trotz des schönen Wetters ganz alleine waren. Eigentlich war die kleine Bucht dafür bekannt, trotz oder gerade wegen ihrer von den Siedlungen abgeschiedenen Lage ein beliebter Treffpunkt für Pärchen aller Art zu sein. Und doch schienen die beiden an diesem sonnigen und windstillen Tag ganz für sich zu sein.

Schon seltsam, aber es war ihnen durchaus recht. Umso mehr und umso intensiver ließ sich die gemeinsame Zeit genießen. Sie konnten das gut gebrauchen, um ihrer im Entflammen begriffenen Liebe ein wenig mehr Feuer zu verleihen, auf dass es nicht mehr ausgehen möge.

»Siehst du, wie ruhig das Meer heute ist?«, fragte Ingar bei seiner Freundin nach, die sich ihm in ihrem verhältnismäßig dünnen Kleidchen stolz präsentierte und so dafür sorgte, dass er sie am liebsten sofort vernascht hätte. Das war eines der vielen Dinge, die er an ihr liebte: Sie versteckte nicht, was sie zu bieten hatte.

»Ja, schon seltsam, Ingar«, entgegnete sie. »Aber dadurch auch irgendwie romantisch. Findest du nicht auch?« Marita schmachtete förmlich dahin.

Natürlich fand es Ingar romantisch. Er war nicht umsonst mit ihr hierhergekommen, denn er hoffte auf mehr, als nur auf ein zartes Küsschen. Dieses drückte ihm seine Angebetete gerade auf die Wange.

»Ja, herrlich. So richtig zum Träumen. Und sogar zum Baden!«

»Baden? Ich glaube, du spinnst, Ingar. Das Wasser ist bestimmt eiskalt.« Marita verzog ihr Gesicht.

Doch er lächelte sie nur an. Natürlich war das Wasser kalt, das ließ sich nicht abstreiten. Aber wenn er Marita mit diesem Vorhaben dazu brachte, sich zu entkleiden, kam er der Erfüllung seiner Hoffnung ein ganzes Stückchen näher.

Ihre Küsschen fühlten sich zwar wunderbar an, doch ein wenig mehr wünschte er sich durchaus. Zumindest wollte er erst einmal ihren nackten Körper spüren. Das wäre etwas Tolles gewesen, denn bisher kannte er sie im Wesentlichen nur bekleidet. Lediglich ihre wunderschönen Brüste hatte er einmal heimlich beobachten können, ohne dass sie es damals bemerkt hatte. Seine Freude war groß gewesen. Sie hatte ihn mit dem unabsichtlichen Busenblitzer erst so richtig auf den Geschmack gebracht. Jetzt wollte er mehr!

»Es ist mir ernst mit dem Baden. Das härtet fürs Leben ab.«

Der junge Mann begann in die Vollen zu gehen und zog sich vor Marita einfach aus, bis er im Adamskostüm dastand und bei ihr für große, verwunderte Augen sorgte. Bisher hatte sie ihn noch nie so sehen dürfen.

Diese Miene von ihr gefiel ihm viel besser als die miesepetrige Grimasse, die sie gerade eben gezeigt hatte.

»Du meinst es wirklich ernst!«, stellte sie überrascht fest, wanderte dabei mit ihrem Blick über seine muskulöse Gestalt und seine halbaufgerichtete Herrlichkeit. »Vielleicht tut dir ein wenig Abkühlung auch wirklich gut!«

Dabei deutete sie verschmitzt auf sein bestes Stück.

Treffer! Sie hatte ihn ausgekontert.

Doch so schnell gab der junge Mann nicht auf. »Na ja, der kleine Ingar würde sich lieber in etwas anderes als dem Meereswasser vertiefen …«

»Du meinst, er würde gerne meine …«

Marita beendete den Satz nicht, denn ihre Aufmerksamkeit wurde von etwas im Meer abgelenkt.

»Schau mal!«, rief sie ihrem Freund zu.

Ingar drehte sich in Richtung Wasser und erkannte sofort, was ihren Blick mehr gefangen nahm als sein halbaufgerichtetes Glied.

Dort schwamm ein Wal.

Das war in diesen Breiten zwar nichts Ungewöhnliches, denn Grönlandwale hießen nicht umsonst so. Doch dieser Wal sah anders aus als alle, die sie bislang gesehen hatten. Dieser Wal durfte in seinem seltsam zerfetzt wirkenden Zustand dort eigentlich nicht mehr schwimmen! Oder spielten die Augen ihm einen üblen Streich? Es war eine gehörige Entfernung bis dorthin …

Doch Marita schien das Gleiche zu sehen wie er. Von daher musste es wohl stimmen. Sie konnten sich nicht beide gleichzeitig täuschen. So viel Zufall gab es nicht.

 

***

 

Grönland, im Norden

 

Zerfetzen, Zerstörung! Der Schnee rot gefärbt vom Blut wilder Raserei ohne jeden Grund!

Blinde Gier an einem unwirtlichen Ort.

Daneben stand ein Eisbär, das Maul blutig, das Fell besudelt. Was einst schneeweiß erschienen war, war jetzt rot gefärbt. Kaum noch wiederzuerkennen.

Die Beute hatte keine Chance gehabt. Nicht den Hauch davon.

Doch war diese lebende Kampfmaschine tatsächlich noch am Leben? Wer genauer hinsah, konnte deutlich herabhängende Fetzen von Fleisch erkennen, die ungeachtet der Kälte in Verwesung übergingen. Kein Zeichen des Lebens!

Den Bären störte das nicht. Im schleppenden Gang setzte er seinen Weg fort, getrieben von der Besessenheit nach weiterer Beute. Gehetzt durch etwas, was sich in seinem Geist festgesetzt hatte und ihm Befehle gab. Gierig nach Blut, gierig nach Fleisch und gierig darauf, etwas weiterzugeben, was Schrecken und Tod bedeutete.

Ein Aufhalten gab es nicht. Keine Toleranz. So war es fest verankert.