Aria - Sally Benneck - E-Book
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Beschreibung

„Überraschung“, flüsterte meine Mutter und nahm ihre Hände weg. Ich blickte auf eine weite Graslandschaft. Grün soweit das Auge reichte. „Willkommen in Aria“, sagte meine Mutter flüsternd. Ich drehte mich vollkommen perplex zu ihr um: „Aber… Das waren doch nur Gute-Nacht-Geschichten!“ Sie schüttelte lachend den Kopf. „So viel Fantasie besitze ich nicht. Das war alles die Wahrheit.“ 12 Jahre später - Katari läuft vor seinem Vater, dem König von Sverge weg, mit dem Wissen, dass er ihm etwas sehr wichtiges genommen hat. Er kann sich zwar nicht erinnern was es ist, denn seine Erinnerungen wurden gestohlen. Das Einzige was er hat, ist ein Brief seiner verstorbenen Mutter, die ihn bittet ein Amulett zu finden, um den Krieg zu beenden. Doch in seinem Land herrscht kein Krieg, lediglich ein paar Streitigkeiten. Auf der Suche nach dem Amulett, welches ihm plötzlich magische Kräfte gibt, findet er endlich heraus, was sein Vater ihm vor all den Jahren gestohlen hatte – seine Erinnerungen an das Parallelreich Aria, wo er der Anführer der Rebellion war.

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Sally Benneck

Aria

 

 

 

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- gekürzte Vorschau -

Inhaltsverzeichnis

Titel

ARIA

2

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4

5

6

7

8

9

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ARIA

Meine Mutter hielt mir ihre Hände vor den Augen und dirigierte mich durch die Hallen des Palastes. „Wie weit noch?“, fragte ich aufgeregt. Es war mein zehnter Geburtstag und sie wollte mir irgendwas zeigen. „Nur noch ein bisschen“ Wir gingen noch etwas und plötzlich hatte ich nicht mehr Stein unter den Füßen, sondern Gras.

„Überraschung“, flüsterte meine Mutter und nahm ihre Hände weg. Ich blickte auf eine weite Graslandschaft. Grün soweit das Auge reichte.

„Willkommen im Reich Elo von Aria“, sagte meine Mutter flüsternd. Ich drehte mich vollkommen perplex zu ihr um: „Aber… Das waren doch nur Gute-Nacht-Geschichten!“ Sie schüttelte lachend den Kopf. „So viel Fantasie besitze ich nicht. Das war alles die Wahrheit.“

Acht Jahre später

Keuchend und zitternd saß ich senkrecht in meinem Bett. Was war los? Was war geschehen? Doch da war nichts. Leere. Panik brach langsam in mir aus und ich zählte rückwärts von hundert nach unten. Ganz ruhig. Ich legte die Stirn in meine zusammengefalteten Hände und versuchte, mich zu erinnern, was in den letzten Stunden passiert war. Doch da war nichts. Leere. Ich wusste, dass ein Teil weg war. Ich wusste, dass mir irgendwas fehlte. Irgendwas Wichtiges. Aber was? Ich merkte nur, wie ich immer panischer, immer verzweifelter wurde weil es mir nicht einfiel. Irgendetwas hatte Vater mit mir gemacht. Ich atmete tief durch. Ich konnte mich noch an meinen letzten Auftrag erinnern, den ich vor mir gehabt hatte, aber was hatte er gesagt? Wieso war ich danach noch zu Vater gegangen? Ich hatte mich an irgendetwas erinnert, das ich vergessen hatte und jetzt war es wieder weg. Ich krallte meine Hände in meine Haare. Es durfte nicht weg sein. Es durfte nicht! Ich wusste nicht, was es war, aber ich wusste, dass es ein essenzieller Teil von mir war. Vater hatte irgendwas von mir abgetrennt, was mich ausmachte. Ich sprang aus dem Bett und blickte mich im Zimmer um. Ich konnte nicht mehr hierbleiben. Ich wusste, ich war früher oft genug abgehauen, hatte mich aber immer nach Hause zurückschleppen lassen von den LAY, die er hinter mir hergeschickt hatte. Aber ich wusste, wenn sie mich diesmal zurückholen würden, würde ich verrückt werden. Er würde mich vermutlich besinnungslos hauen oder noch schlimmer. Immer hektischer drehte ich mich im Zimmer. Was sollte ich mitnehmen? Schließlich befestigte ich meine beiden Messer an den Schienbeinen und zog mir meine Klamotten an. Ich packte eine kleine Tasche mir Ersatzklamotten. Meine Kette klirrte gegen einen der Knöpfe, als ich mich zur Tasche bückte und ich stockte. Sollte ich sie mitnehmen? Sollte ich sie hierlassen? In Sverge würde mich jeder wegen dieser Kette erkennen, aber sie war der Schlüssel für den Palast. Ich wog sie in der Hand und steckte sie mir schlussendlich unter die Veste. Wer wusste, wofür ich die gebrauchen konnte, auch wenn ich nicht vorhatte, hierher zurückzukehren. Mit einem letzten Blick schloss ich die Tür leise hinter mir. So leise wie ich konnte, schlich ich mich durch den Dienstbotenausgang nach draußen. Kaum war ich draußen, begann ich zu sprinten. Weg. Ich musste weg! Ich rannte durch den Regen, bis ich nicht mehr wusste, ob ich mich überhaupt noch in die richtige Richtung bewegte. Ich blickte mich um, doch die Fahne am Haus zeigte eindeutig: LAY. Ich musste weiter. Der schwarze Strich an einem der Häuser signalisierte mir, dass ich endlich im RIA-Gebiet angekommen war. Ich schaffte es nur noch, zwei Straßen weiter zu laufen, bevor ich schluchzend zusammenbrach. Ich wusste nicht wieso oder warum. Ich wusste nur, dass er mir irgendetwas genommen hatte, irgendwelche Erinnerungen oder Wissen, welches ich schmerzlich vermisste. Ich hob meinen Kopf zum Himmel und schrie. Ich wollte es wiederhaben. Ich wollte es zurückhaben! Und ich wusste noch nicht mal, was es war. Ich legte den Kopf auf meine Arme und heulte, wie ich schon seit zwei Jahren nicht mehr geheult hatte. Ich hörte plötzlich Stimmen und Schritte. Mein Kopf zuckte hoch, nur um am anderen Ende der Straße LAY zu sehen. Verzweifelt sprang ich auf und lief los. Sie durften mich nicht erwischen! Das wäre mein Ende! Wie hatte Vater so schnell entdecken können, dass ich weg war? Sie fingen hinter mir an loszurennen und ich versuchte meine Beine schneller zu bewegen. Ich hörte, wie sie nach Verstärkung riefen. Sie durften mich nicht wieder zurückschleifen! Ich schlitterte um eine Ecke und plötzlich griff mich eine Hand und zog mich in ein Haus. Verzweifelt schlug ich aus und ich wurde fallen gelassen. Ich schlug auf den Boden auf und drehte mich hastig um und starrte einen alten Herrn an.

„Komm mit! Beeil dich!“ Verwirrt starrte ich ihn an, als er sich umdrehte und den Gang entlang ging. Ich rappelte mich auf und lief ihm hinterher. Er führte mich durchs Haus und in den Garten. Er kam mit einem Messer auf mich zu. Ich wich zurück.

„Ich will dir nur die Haare abschneiden. Du bist zu auffällig mit den langen Haaren.“ Ich schaute auf meine langen Haare. Zögernd nickte ich schließlich. Er nahm meinen Zopf und machte kurzen Prozess mit ihm. Es tat weh, die langen Haaren zu verlieren. Er zeigte auf den Zaun: „Klettere dort über den Zaun. Aber lass dich nicht erwischen! Ich werde die hier vernichten.“ Ich nickte dankend und er scheuchte mich zum Zaun. „Wenn die LAY hinter dem Prinzen von Sverge her sind, kann das nichts Gutes bedeuten.“ Ich murmelte ein geschocktes: „Danke“ und rannte die letzten Meter bis zum Zaun. Ich lauschte am Zaun, konnte jedoch außer dem Regen nichts hören. Ich sprang hoch, packte die Kante und zog mich hoch. Unter mir stand direkt ein LAY-Söldner der hochschaute. Seine Augen weiteten sich als er mich entdeckte. Ich sprang ihn von oben an. Stöhnend ging er zu Boden. Ich drehte mich um, Messer in der Hand, doch er lag bewusstlos auf dem Boden. Ich rammte es wieder zurück in die Halterung und rannte in die entgegengesetzte Richtung. Schließlich verkroch ich mich in eine dunkle Seitengasse und hoffte, dass sie mich hier nicht finden würden.

„Alles klar bei dir?“ Ihr Kopf zuckte hoch, ihre Hand ging zu ihrem Bein und ich trat hastig ein paar Schritte nach hinten. Wir starrten uns an. Sie war ungefähr mein Alter, hatte schulterlange Haare und… ich kniff die Augen zusammen als ich ihn weiter betrachtete… Sie war eindeutig ein Er. Normalerweise sprach ich keine Jungs an, doch ich hatte gedacht, dass er ein Mädchen war.

„Alles klar bei dir?“, wiederholte ich schließlich die Frage, als er mir nicht antwortete. Seine Augen zuckten zu meinem Hals und er entspannte sich etwas. „Ja. Nein. Eigentlich nicht. Ich bin auf der Flucht vor meinem Vater, der mir die LAY auf den Hals gehetzt hat.“ Solche Geschichten hörte man hier zwar nicht alle Tage, aber doch leider zu häufig.

„Du kommst aus Sverge oder?“ Er nickte. „Komm mit, ich bring dich zum RIA.“ Er warf mir einen verzweifelten Blick zu, als irgendwas anderes über sein Gesicht schoss, doch schließlich nickte er und stand auf. Jeder hatte schon einmal irgendjemanden mit zur Kneipe gebracht. Dort wurde dann entschieden, was mit der Person geschah. Wenn sie zu jung waren, wurden sie an Mary gegeben, die schon einen kleinen Kindergarten hatten. Aber wenn sie in meinem Alter waren, blieben sie meistens im RIA selber und halfen.

„Ich bin Yara und du?“ fragte ich ihn, als wir Seite an Seite durch die Gassen gingen. Er öffnete den Mund und blieb stehen. Ich sah wie die Verzweiflung sich auf seinem Gesicht breit machte und er für einen Moment gefror, eine Statur purer Verzweiflung, bis sie bröckelte und er schließlich stockend antwortete: „Katari.“

Meinen Namen! Ich hatte fast meinen eigenen Namen vergessen! Und ich konnte ihr doch nicht sagen, dass ich Quotroi war. Wie viele hießen im Reich Quotroi? Man konnte sie vermutlich an einer Hand abzählen. Aber dass mir selbst der Name nicht mehr eingefallen war, wie ich mich schon seit Jahren genannt hatte… Ich war für einen Moment in dieselbe Panik verfallen, mit der ich aufgewacht war. Was auch immer Vater mit mir gemacht hatte, er würde das büßen! Aber dafür müsste ich erstmal wissen, was er mir überhaupt genommen hatte… Ich konnte mich nur erinnern, sein Foltermeister gewesen zu sein und dass er mich, jedes Mal, wenn ich keine Resultate bringen konnte, verprügeln ließ. Aber irgendwas fehlte da. „Es ist weg!“, flüsterte ich entgeistert. Ein kompletter Teil meines Gedächtnisses, weg!

„Alles klar?“, fragte das Mädchen das mich aufgesammelt hatte. Sie war etwas jünger als ich und schaute mich besorgt an. Ich merkte erst jetzt, dass sich meine Hände in meinen Haaren verkrampft hatten. „Es ist weg!“ Mehr schaffte ich nicht zu sagen. Sie wartete, ob ich noch etwas sagte und drehte sich schließlich um und ging weiter. Ich stolperte ihr hinterher. Einfach weg!

Ich hatte noch nicht sonderlich viel aus ihm herausbekommen können. Entweder er antwortete ausweichend oder er sagte, er könnte sich nicht erinnern. Ich wusste noch nicht was ich mit ihm anstellen sollte, aber ich fühlte, dass ich ihm gegenüber Beschützerich wurde. So als wäre er jünger als ich und ich müsste ihn vor den bösen Sachen der Welt beschützen bewahren. Was lachhaft war! So fühlte ich mich in der Gegenwart kleiner Kinder, aber nicht bei jemandem, den ich nicht kannte und der garantiert ein paar Jahre älter war als ich. Ich saß mit Peidra und ein paar anderen zusammen um einen Tisch und wir überlegten, was wir mit ihm machen sollten.

„Wir könnten ihn als Patrouille benutzen. Wenn wir ihm noch nicht vertrauen können, will ich ihn ungern direkt hier im Dienst haben. Aber als Patrouille wird er nicht schaden. Habt ihr die Dolche an seinem Bein gesehen? Man läuft nicht einfach mit solchen Waffen herum, wenn man nicht weiß, wie man damit umgeht“, sagte Peidra.

„Aber würde er uns damit nicht auch verraten können und sie direkt hierher

führen?“, warf Fred ein. Ich schüttelte den Kopf: „Er wurde von den LAY gejagt und ist aus Sverge geflohen. Ich glaube kaum, dass er sie freiwillig zu seinem Schlafplatz führen wird.“

„Aber wäre er dann als Patrouille nicht in Gefahr, wenn er noch immer von den LAY gejagt wird? Ich meine, dort könnte er doch am schnellsten wieder angegriffen werden“, protestierte Dree.

„Willst du ihn lieber mit zu dir nehmen?“ Sie schüttelte den Kopf.

„Dann haben wir entschieden. Er wird in der nördlichen Hälfte von RIA patrouillieren.“

„Aber, die grenzt doch direkt an Sverge und LAY an!“, widersprach ich.

„Das mag sein, aber dort fehlt uns jemand. Du kannst gern mit ihm gehen, wenn du so fürsorglich bist.“ Ich schaute ihn aus schmalen Augen giftig an. Peidra hatte mich zwar großgezogen und er war wie ein Vater für mich aber manchmal konnte er ein ziemlicher Kotzbrocken sein.

Es war gerade mal mein zweiter Tag auf Patrouille und schon sah ich zwei LAY auf mich zukommen. Ich hatte gehofft, siw würden länger brauchen, mich zu finden. Ich lehnte an einer Hauswand und ließ sie näherkommen.

„Was wollt ihr?“

„Ihr Vater schickt uns. Wir sollen Sie zurückbringen.“

Ich zeigte ihnen meinen Mittelfinger und lächelte: „Das ist meine Antwort. Die könnt ihr meinem Vater gerne ausrichten.“

„Das wird so leicht nicht funktionieren.“ Ich seufzte und stieß mich von der Wand ab. Sie waren jung und verunsichert. Nicht die beste Wahl, die er mir hatte schicken können. Und mit nur zwei LAY machte ich kurzen Prozess. Sie lagen stöhnend auf dem Boden und ich beugte mich zu ihnen runter: „Ihr könnt meinem Vater ausrichten, dass ich nicht wiederkomme. Mit besten Grüßen, sein Sohn!“ Ich trat einem gegen seine Schulter und wendete mich ab. Vater schickte also mal wieder LAY hinter mir her. Vielleicht musste ich meine Haare ganz kurz schneiden, damit sie mich nicht sofort wiedererkannten. Ich blickte auf meine schulterlangen Haare. Ich würde sie schon irgendwie vermissen.

„Du willst, dass ich dir die Haare ganz kurz schneide?“, fragte ich Katari verblüfft. Niemand hatte mich bis jetzt wegen so etwas gefragt. Er nickte. „Hast du eine scharfe Schere?“ Er griff zu seinem Scheinbein und zog seinen Dolch raus. Ich starrte drauf: „Sicher, dass du mir das anvertrauen willst? Ich glaube ich würde dir damit eher wehtun, anstelle dir die Haare zu schneiden.“ Er hielt es mir weiter hin und ich nahm es schließlich. Ich hatte keinerlei Übung mit Waffen. Etwas, das ich vermutlich lernen sollte.

„Fein! Beschwer dich aber nicht, wenn ich dich schneide.“ Er grinste mich plötzlich an. Den Ausdruck hatte ich noch nie auf seinem Gesicht gesehen. Er sah plötzlich sehr viel jünger und sorgenfreier aus.

„Ich vertrau dir da. Ich würde es ja selber machen, aber dann wird es nur noch schlimmer aussehen, als wenn du es machst.“ Ich plusterte mich auf: „Na, vielen Dank für die Blumen.“ Ich schwang das Messer und er duckte sich: „Vorsicht. Es ist scharf.“ Ich hielt sofort inne und er brach in Gelächter aus: „Ich mach nur Scherze. Versuch, nicht in meine Haut zu schneiden.“ Ich funkelte ihn an, aber ein Lächeln lag auf meinem Gesicht. Er schien schwer in Ordnung zu sein.

„Wie kurz willst du sie denn haben?“ Er zeigte mir einen Abstand mit den Fingern und ich begann. Die ersten paar Male schnitt ich mir selber in den Finger. Danach hatte ich den Dreh ungefähr raus.

Ich starrte in den Spiegel. Es war so komisch, kurze Haare zu haben und ich glaubte nicht, dass ich es mochte. Da waren selbst die schulterlangen Haare besser. Ich vermisste die langen Haare jetzt schon.

„Sind sie zu kurz?“, fragte Yara vorsichtig. Ich schüttelte den Kopf. Ich hatte Schwierigkeiten, mich selbst wiederzuerkennen. Daher war es wohl gut gelungen. Hoffentlich nutze dies auch was, um mir die LAY-Bastarde vom Hals zu halten.

„So erkennt man mich erst mal nicht wieder. Du hast gute Arbeit geleistet.“

„Jagt dich dein Vater immer noch?“

„Ich hatte erst heute wieder eine Begegnung mit LAY.“ Sie zuckte zusammen und starrte mich an: „Und da bist du unbehelligt wieder herausgekommen?“ Ich zeigte auf meinen Körper: „Sieht so aus, oder?“ Sie schüttelte den Kopf und gab mir das Messer wieder.

„Pass bloß auf dich auf. Die LAY sind brutal und herzlos.“

„Ich weiß.“ Ich hatte es selber schon oft genug mitbekommen. Allerdings war ich genauso, wenn ich es zuließ. „Brauchst du sonst noch etwas?“ Ich schüttelte den Kopf.

Ich boxte dem älteren LAY in den Magen, wirbelte herum und ließ meinen Ellbogen gegen die Nase des Jüngeren fliegen. Sie waren bereits die Fünften, die mich hatten angreifen wollen. Ich riss den Kopf des Älteren zurück und hielt mein Messer an seine Kehle. Ich starrte den Jüngeren herausfordernd an, doch er wagte nicht, sich zu bewegen.

„Habt ihr irgendwas anderes zu sagen, außer dass ich zurückkehren soll?“ Sie hatten mich trotz der kurzen Haare erkannt. Was mich nicht in eine allzu gute Stimmung getan hatte. Ich hatte meine langen Haare gemocht! Der Jüngere fing an, mit dem Kopf zu schütteln und kramte dann hektisch in seiner Tasche.

„Sera hat gesagt, ich sollte dir dieses hier geben.“ Ich beließ mein Messer dort, wo es war und griff nach dem Brief. Mein Name war in der Kursivschrift meiner Mutter auf dem Umschlag geschrieben.

„Das hier rettet dem hier das Leben. Sagt meinem Vater, dass die nächsten LAY, die er hinter mir herschickt nicht mehr wiederkommen werden.“ Sie nickten und ich ließ sie laufen. Ich starrte auf den Brief meiner Mutter. Ich ging ein paar Straßen weiter, bis ich eine Mauer fand, auf die ich klettern konnte. Ich setzte mich auf sie und öffnete den Brief. Ich musste ihn zweimal durchlesen, bis er überhaupt Sinn ergab.

Was für ein Amulett sollte König Mujeira haben und woher wusste Mutter davon? Und welchen Krieg sollte ich beenden? Wir hatten keinen Krieg im Moment. Die Lage war zwar angespannt, aber wir hatten keinen Krieg. Ich fand es schon fast rührend, dass sie mich bat, Thoran zu stoppen. Sie hatte wohl nicht mitbekommen, was er mit mir getan hatte. Nachdem Mutter vor zwei Jahren gestorben war, hatte er mich zum Foltermeister ausbilden lassen. Und die Strafen dafür, nicht erfolgreich zu sein, waren hart gewesen. Ein bitterer Zug lag um meinen Mund, als ich den Brief wieder zusammenfaltete. Das Amulett vom dunklen Reich.

Ich wusste, dass ich dort früher immer mit meiner Mutter war. Hatte ich dort gespielt? Es kam mir zumindest irgendwie bekannt vor. Aber was sollte mir ein Amulett helfen? Hatte es irgendwelche Kräfte? Ich durchwühlte meine Taschen und beförderte ein paar Goldmünzen zu Tage. Nicht genug um mir eine Gondelfahrt nach Pegordia leisten zu können. Mu wäre auch garantiert alles andere als begeistert, mich dort zu sehen. Ich steckte den Brief weg und starrte in den Himmel. Was sollte ich damit machen?

Ich klopfte an Yaras Zimmer und ging rein, als ich ihre Stimme hörte.

„Soll ich dir die Haare noch kürzer schneiden?“, fragte sie mich amüsiert. Ich schüttelte den Kopf. „Lust auf eine Schatzjagd?“ Sie schaute mich verwundert an.

„Schatzjagd? Wonach wird gesucht?“ Ich holte den Brief meiner Mutter hervor, um die genaue Beschreibung wiederzugeben. „Das Amulett vom Schwarzem Reich. Es soll sich offiziell im Palast von Pegordia sein.“

„Also eher Raub als Schatzjagd, wenn wir es aus dem Palast von Pegordia entwenden müssten.“ Ich zuckte mit den Schultern. Da hatte sie wohl recht: „Wieso willst du es denn plötzlich haben?“

„Meine Mutter ist vor zwei Jahren gestorben und ich hab diesen Brief von ihr bekommen, in dem sie danach fragt, dass wir dieses Amulett finden sollen. Ich werde mich eh auf die Suche machen, um es zu finden. Zu zweit wird es leichter. Also?“

Ein Amulett finden? Und ausgerechnet vom Schwarzem Reich? Es gab viele gruselige Gerüchte um das Reich. Aber die Neugierde hatte mich irgendwie schon gepackt.

„Klar wieso nicht. Wie machen wir es?“

Ein Jahr später schlichen wir uns tatsächlich in den Palast von Pegordia. Ich weiß nicht wie, Katari es hinbekommen hatte, herauszufinden, wo genau im Palast dieses Amulett versteckt war, aber irgendwie hatte er es hinbekommen. Im Keller waren erstaunlich wenig Soldaten unterwegs und bis jetzt kamen wir unbehelligt durch die Gänge.

„So und jetzt sollte es die dritte Tür sein“ Wir liefen zur dritten Tür und drückten dagegen. Verschlossen. Was sonst.

„Kannst du Schlösser knacken?“, fragte ich Katari. Er schüttelte den Kopf. „Hätte ich das richtige Werkzeug, könnte ich. Aber das liegt Zuhause.“ Wir hatten ein stilles Übereinkommen, nicht über die Zeit zu reden, bevor er nach RIA kam. Sie sei zu schmerzhaft, hatte er mir nach langem Schweigen gesagt und ich hatte es dabei belassen.

„Ich kann sie eintreten, aber dann müssen wir schnell sein, um wieder rauszukommen.“

„Wir sind jetzt soweit gekommen, jetzt umzukehren und noch mal wiederzukommen lohnt sich nicht.“ Ich trat zurück, als Katari aufstand. Er warf sich gegen die Tür und nach zwei Mal knackte sie fürchterlich.

„Spring mit mir dagegen, dann sollten wir es hinbekommen.“ Wir sprangen gemeinsam dagegen und stürzten durch die Tür. Der Raum war dunkel bis auf eine Podeste, auf dem das Amulett in einem Licht schwebte. Wir starrten es beide eine ganze Zeit lang an.

Ein Jahr lang hatte ich danach gesucht und da war es endlich. Es sah noch nicht mal sonderlich ausergewöhnlich aus. Ein dunkler Stein in Form eines Tropfens war in einer goldenen Fassung. Wow... Irgendwie war ich enttäuscht. Ich griff nach dem Amulett und das Licht ging aus. Ich lauschte. Noch hörte ich keine Art Alarm oder so.

„Lass uns zusehen, dass wir verschwinden“, sagte ich zu Yara und zog mir das Amulett über. Wir rannten den Flur entlang zurück und die Treppen nach oben. Das konnte nicht gut enden. Ich hörte bereits die ersten Schritte der Wachen. Wieso hatte ich Yara mitgenommen? Ohne sie hätte ich die Wachen einfach umbringen können und wäre ohne nach Probleme draußen gelangt. Aber ich wollte nicht, dass Yara mich so sah. Verdammter Stolz! Jemand griff nach meinem Arm und ich rammte ihn in seinen Solarplexus. Er klappte vornüber, nach Luft japsend.

„Schneller!“, rief ich Yara zu, riss mich los und hechtete ihr hinterher. Die Wachen an der Tür waren dabei die Türen zu schließen. Wenn wir nicht durch waren… Ich wollte es mir nicht vorstellen. Mu würde nicht glimpflich mit uns umgehen. Wir schafften es gerade eben noch durch die Tore zu schlüpfen. Das Holz schrammte an meiner Haut, als ich mich durchquetschte. Yara rannte weiter und ich war direkt hinter ihr. Doch ein Blick über die Schulter zeigte mir, dass sie die Tore wieder aufmachten und uns die Garde dicht an auf den Fersen waren. Wir hatten die Engstelle doch fast erreicht!

Ich sprang an der Engstelle über die Schlucht und wirbelte herum, als ich Katari hörte. Die Wachen hatten ihn eingeholt. Er würde es nicht schaffen. Er riss sich das Amulett vom Hals und warf es mir zu. „Lauf!“ Ich schaffte es gerade so, das Amulett aufzufangen, bevor es in die Schlucht fallen konnte. Einer der Wächter riss ihn zu Boden und ich blieb unschlüssig stehen, hin und hergerissen ob ich ihm noch helfen konnte und ob ich ihn einfach so daliegen lassen konnte, den Wächtern ausgeliefert. Ihn zu 90 Prozent in den Tod schickend. „Denk an RIA und beweg dich!“, schrie er mich an. Ich zuckte zusammen vor der Wut in seiner Stimme. Ich ging einen Schritt zurück, noch einen, doch mein Blick blieb auf seinem schmerzverzerrten Gesicht, als sie ihm den Arm verdrehten und ins Gesicht traten.

„Verdammt noch mal, flieh!“, flehte er mich an. Ich drehte mich um und lief, ohne mich noch einmal umzuschauen. Ich wusste, ich würde es mir nie verzeihen, wenn er jetzt tatsächlich sterben würde. Doch zumindest einer musste hier lebendig rauskommen! Ich hielt das Amulett fest in der Hand und hechtete über den nächsten Fluss. Das Sverge auch voll mit Flüssen sein musste! In der Regenzeit stand alles immer ein paar Zentimeter unter Wasser. trockene Schuhe waren hier eine Seltenheit. Ich rannte weiter. Ich war immer noch an der Grenze von Pegordia, zu nah am Gebiet der LAY. Und noch weit weg von der Sicherheit von RIA. Ich lief weiter und hoffte, dass es Katari irgendwie schaffte, lebendig dort rauszukommen.

Das Wasser klatschte in mein Gesicht. Nur langsam schaffte ich es die Augen zu öffnen. Selbst das Licht der Fackeln brannte in ihnen. Eine Hand traf wieder mein Gesicht, welches schmerzhaft zur Seite geworfen wurde. Ich hatte aufgehört zu zählen, wie oft sie mich bereits geschlagen hatten. Die Seile schnitten in meine Handgelenke, als ich mich schwerer dagegen lehnte. Meine Beine wollten mich nicht mehr halten.

„Wo ist das Amulett?“, knurrte mein Foltermeister. Als ich nicht sofort antwortete, schlug er mich wieder. Sie mussten schon einfallsreicher werden, bevor ich denen ‘ne Antwort gab. Das Amulett war mir dabei schon fast egal, aber nicht die Person, die es hatte. Solange Yara in Sicherheit war, war mir alles andere fast egal. Der nächste Schlag traf meine Magengrube und meine Beine klappten endgültig unter mir weg, als ich keuchend nach Atem rang. Wie gesagt, fast egal. So würde ich eine ganze Weile aushalten. Ich hatte schon viel Schlimmeres erlebt. Ich wusste nicht, wie lange sie brauchen würden, um zu sehen, dass es nicht effektiv war und sie zu anderen Mitteln greifen würden. Japsend zog ich meine Füße wieder unter meinen Körper und stellte mich hin. Meine Kette fiel gegen meine Brust. Ich hatte noch eine Trumpfkarte, auch wenn ich sie nicht benutzen wollte. Doch sie konnten nicht wissen, wie ich zu meinem Vater stand… Ich lächelte.

„Macht dir wohl Spaß, verhauen zu werden, wie?“ Ich hob den Kopf und schaute meinen Foltermeister an. Zwei andere standen in den Schatten am Ende des Raums. Die typischen Wachen. Ich war immer nur alleine gewesen. Ich hatte keine Wachen gebraucht. Hatte nie welche haben wollen.

„Was wollt ihr denn machen? Ihr könnt mich nicht verkrüppeln, da ich der Prinz von Sverge bin. Solltet ihr irgendwas tun, was bleibenden Schaden hinterlässt, seid ihr dran. Mein Vater zappelt nicht lange. Und ihr wollt nicht der Grund sein, warum wir euch den Krieg erklären.“ Der Foltermeister zögerte. Wenn sie mich verkrüppelten, würde er der Krieg erklären. Er suchte nur noch nach einem Grund. Die Lage war schon seit eh und je angespannt.

„Also? Wer ist hier in der schlechteren Position?“ Er schlug mich und ich schmeckte Blut. Oh, mein Vater wäre alles andere als erfreut, wenn er hiervon erfuhr. Er würde mich vermutlich selber noch mal verprügeln aber danach den Krieg erklären.

„Ich würde noch einmal gut darüber nachdenken, was ihr tut. Ich weiß, wer ihr seid. Ich kenne euren Namen und eure Gesichter. Wollt ihr wirklich in meiner Folterkammer landen? Meine Folterkammer ist ein bisschen besser ausgerüstet als eure mickrige Kammer hier. Soll ich sie euch beschreiben?“ Er holte aus, um zuzuschlagen, doch ich schnalzte. Er stoppte. Ah, die Angst. Wie ich sie liebte in meinen Gegenübern.

„Ich glaube nicht, dass du den durchziehen willst. Wir haben bei uns ein sehr schönes Gerät, das ganz automatisch geht und…“ Er zog durch und ich brauchte etwas, bis ich wieder zu Atem kam. Doch ich wusste, bald hatte ich sie soweit, dass sie genug Angst vor meinem Vater Angst hatten, als dass sie wagten, mir zu viel anzutun. Vielleicht würde ich doch noch hier lebendig herauskommen. Vielleicht war mein Vater tatsächlich mal für etwas nützlich.

Ich stolperte über eine Unebenheit und fiel hin. Ich war außer Atem und wollte am liebsten langsam weitergehen. Ich erlaubte mir noch ein paar Minuten auf dem Boden zu bleiben, bevor ich mich wieder aufrappelte. Sobald ich wieder zu Atem kam, joggte ich weiter. Ich war mittlerweile im Gebiet der LAY. Wenn die mich hier entdeckten, wäre das alles andere als gut. Nach einer gefühlten Ewigkeit stolperte ich plötzlich und fiel schmerzhaft auf die Knie. Ich stöhnte, als irgendwas an mir zerrte und mir die Kraft raubte. Keuchend, Schweiß über die Stirn rinnend, richtete ich mich schwankend auf. Nur noch ein bisschen weiter. Die LAY durften mich hier nicht entdecken! Es war nicht mehr weit bis zum RIA Gebiet. Nur noch ein bisschen weiter. Doch ich stolperte gegen die nächste Haustür um Atem ringend. Was zur Hölle ging hier vor? Ich hatte noch nie was von Fieberattacken gehört! Ich starrte auf das Amulett, das tiefrot leuchtete. Es färbte die Umgebung rot und ich bedeckte es schnell mit den Händen. Waren meine Hände Rot durch das Leuchten vom Amulett? Doch auch meine Arme waren rot. Was ging hier vor? War mit Katari alles okay?

Ich lächelte. Amateur. Ein paar Worten, und er war unsicher geworden. Aber er wollte halt keinen Krieg. Er hatte sich zu den anderen zwei Wachen zurückgezogen und sie diskutierten leise. Einer von denen zeigte auf die Kerzen und mein Lächeln geriet ins Wanken. Doch als sie mich wieder anschauten, lächelte ich nur wieder spöttisch. Feuer brannte höllisch. Und sie wussten, dass sie besondere Salben hatten, die die Wunden narbenlos wieder verheilen ließ. Sie drehten sich geschlossen zu mir um, die Fackel in der Hand. Wut brannte in mir auf. Diese verfluchten Amateure!

„Was sagst du jetzt, Prinzchen? Angst?“ Ich stellte mich gerade auf und nahm die Hände runter. Sie wichen vor mir zurück. Ich hob eine Augenbraue. Was war denn jetzt in sie reingefahren? Ich schaute auf meine Hände und stockte. Die Reste der Fesseln tropften gerade nach unten. Ich schaute nach oben und stellte fest, dass sie durchgeschmort waren. Erst jetzt nahm ich die rote Aura um mich herum wahr. Ich ballte die Hand zur Faust und sah einen Feuerball darum. Ich hatte keine Ahnung, was ich tat, oder woher das plötzlich kam, doch das mussten sie ja nicht wissen. Ich wusste nur, dass das Amulett dahinter stecken musste. Ich lächelte zufrieden „Seht ihr? Ich hab doch gesagt, ihr solltet Angst vor meinem Vater haben. Er ist meine Bitte nachgekommen und hat mir Kraft geschickt“, log ich und schob meine Hände nach vorne, als ob ich etwas wegschieben würde. Der Raum ging in Flammen auf. Kraft floss in mich herein und mein Lächeln wurde breiter. Die Wächter fluchten und liefen zu den Wasserbehältern, die sonst für die Folter benutzt wurden. Ich schnippte in die Richtung und die Holzbehälter zersprangen in winzige Funken. Die Wächter wurden von der Wucht der Explosion nach hinten geworfen. Mein Foltermeister schaute sich hektisch um und schrie mich dann panisch an: „Hör auf! Wir tun dir schon nichts weiter! Aber wenn du das Feuer nicht bald wieder löschst, gehst du auch drauf!“ Das war mir mittlerweile auch schon aufgefallen. Doch ich hatte keine Ahnung, was ich tun musste! Probeweise bewegte ich die Hand in einer kreisenden Bewegung, die den Raum mit einschloss und ballte sie zur Faust. Die Flammen im Raum verschwanden und leckten wieder um meine Faust. Doch nichts tat weh. Meine Haut verbrannte nicht. Ich blies auf meine Faust und die Flammen verschwanden. Mit ihr auch die Kraft, die mich zuvor erfüllt hatte. Ich fühlte mich plötzlich müde und erschöpft. Alles tat weh. Ich keuchte nach Luft und geriet ins Wanken. Waren das die Nebenwirkungen? Alles fing an sich zu drehen und es wurde schwarz vor Augen, bevor ich umkippte.

Ich atmete tief durch. Was auch immer gerade an meinen Kräften gezehrt hatte, war verschwunden. Die rote Aura war auch weg. Ich hoffte, dass mit Katari alles in Ordnung war. Er hatte das Amulett zuerst berührt. Der Stein selber war wieder Schwarz. Ich drückte mich erschöpft von der Wand ab und ging gedankenverloren durch die Straßen. Hände legten sich plötzlich auf meine Schultern und ich wirbelte herum. Ich blickte in ein Gesicht mit einer Tätowierung auf der linken Gesichtshälfte, genau über dem Auge. LAY! Wie hatte ich nur so unvorsichtig sein können? Ich hatte doch gewusst, dass ich noch mitten im LAY-Viertel war! Wer keine Erlaubnis von ihnen hatte, durfte nicht hinein. Und wenn man dann erwischt wurde, war man Freiwild. „Wen haben wir denn da? Hast du dich verlaufen, oder hast du eine Erlaubnis, kleines RIA-Flittchen?“ Seine Hand griff um mein Halstuch und zog mich damit näher zu sich. Wir, von der RIA hatten alle ein Halstuch in den unterschiedlichsten Farben aber immer in der gleichen Form. Seine andere Hand legte sich auf meinen Hintern und zog mich mit einem Ruck an seinen Körper. Widerlicher Bastard!

„Kennst du das richtige Passwort, damit wir dich wieder gehen lassen?“ Ich starrte ihn aus ängstlichen Augen an. Ich kannte es natürlich nicht. Mein Körper war starr vor Angst. Was sollte ich tun? Wo war Katari, wenn man ihn brauchte?

„Hast keins, wie?“ schnurrte er, sein Atem an meinem Hals, sein Bart kratzte ungemütlich über die Haut. Ich schaffte es noch nicht mal zu wimmern. Angst erdrückte meine Brust. Ich hatte die Geschichten gehört, was mit Leuten passierte, die hier unerlaubterweise eingedrungen waren. Und die Bilder schossen durch meinen Kopf, was meine Angst nicht verminderte. Der Gedanke, gegen ihn zu kämpfen, schoss durch meinen Kopf, doch ich verwarf ihn wieder. Ich sah noch mindestens zwei weitere LAY Leute im Hintergrund. Dennoch legte ich meine Hände gegen seine Brust und schob ihn mit aller Kraft die ich hatte weg. Ich wollte nicht so enden wie die anderen Opfer. Vielleicht würde ich Glück haben. Er stolperte zurück, seine Kleidung zerrissen und pitschnass. Ich starrte ihn an. Ich hatte ihn doch nur versucht wegzudrücken!

Ich stöhnte und rollte mich zusammen. Der Boden war kalt und ungemütlich. Ich fing an zu keuchen, als mir immer kälter wurde und ich zu zittern begann. Ich öffnete ein Auge. Es sah aus wie ein Gefängnis, auch wenn alles viel zu dunkel war, um irgendwas zu erkennen. Immerhin besser als die Folterkammer. Was auch immer dieses Amulett tat, konnte es nicht wenigstens auch die Kraft haben zu heilen? Mein Gesicht fühlte sich komplett geschwollen an. Zum Glück hatten sie noch nichts Ernstes mit mir gemacht. Irgendwas traf mich mit einer Wucht und ich fiel wieder in Ohnmacht.

Jemand packte mich und schmiss mich gegen die Wand. Mein Kopf prallte schmerzhaft dagegen und ich ging stöhnend zu Boden. Das Amulett fiel aus meiner Tasche und ich griff danach, bevor die anderen es entdecken konnten.

„Was haben wir denn da?“, fragte einer. Ich umklammerte es und versteckte es hinter meinen Rücken. Katari hatte vermutlich sein Leben hierfür geopfert. Ich würde es jetzt nicht verlieren. „Wagt es nicht!“, fauchte ich sie an. Ich wusste gar nicht woher ich den Mut nahm sie so anzufauchen. Ich war doch sonst nie so! Sie schauten mich spöttisch an.

„Sonst was? Zerfetzt du uns unsere Kleider?“ Er kam näher und ich hob meine Hand freie Hand. „Komm zu Onkel, er beschützt dich schon…“, flötete er und griff nach mir. Ich schlug panisch seine Hand weg und er flog gegen die Wand mit einem Platschen. Er fiel zu Boden und landete in einer Pfütze, die vorher noch nicht da war. Meine Hand wirkte bläulich und Kraft floss plötzlich in mich herein. Ich richtete mich auf. „Ich hatte euch gewarnt. Lasst mich gehen und ich greife euch nicht an.“ Ich hatte keine Ahnung was gerade passiert war. Es musste irgendwas mit dem Amulett zu tun haben. Warum hatte Kataris Mutter nicht gesagt, worum es sich handelte? Sie gingen einen Schritt auf mich zu und ich wischte mit der Hand. Sie schlugen alle zurück, während die Gasse plötzlich mit Wasser überflutet war und das Amulett bläulich hinter meinem Rücken leuchtete. Was ging hier vor? Bevor sich irgendwer von ihnen erholen konnte, machte ich kehrt und rannte, so schnell ich konnte, weg. Ich lief durch die Gassen und hoffte, bald im RIA Gebiet zu sein. RIA war ein ziemlich kleines Gebiet, weshalb wir jedes Haus an der Grenze mit einem schwarzem Strich markiert hatten. Wir hatten mal zu Sverge gehört so wie die LAY. Doch irgendwann war es zu einem Stützpunkt für Flüchtige und Rebellen geworden, die sich alle in der Bar RIA getroffen hatten. Nach einer Rebellion hatte das Stadtviertel dann uns gehört. Während der Rebellion hatte ich meine Eltern verloren. Die LAY nahmen es uns immer noch übel, dass wir nun ein eigenes Viertel und Reich waren, in das sie nicht ungestraft eindringen konnten. Also dasselbe, was sie getan hatten.

Die LAY waren Söldner. Sie dienten sowohl Sverge als auch Pegordia. Ihr Reich lag genau an den Grenzen und wurde auch verbotenes Reich genannt, da sie keine Außenseiter duldeten. Obwohl ich die schwarzen Markierungen bereits etwas länger passiert hatte, rannte ich weiter durch die mir mittlerweile bekannten Gassen. Ich erblickte das orange Neonlicht des Kneipenschilds.

Endlich. Ich hatte es endlich nach Hause geschafft. Doch was war mit Katari? Wann würde ich ihn wiedersehen? Ich schob die Gedanken erstmal zur Seite und stieß die Tür auf.

Ich rief ein allgemeines „Hallo!“ in die Runde, während ich ein Lächeln auf das Gesicht setze. Viele altbekannte Gesichter begrüßten mich und Akari kam auf mich zugelaufen. Ich hob ihn hoch und wirbelte ihn durch die Gegend. Mit seinen zehn Jahren war er das jüngste Mitglied das in der Kneipe blieb. Seine Eltern waren durch die LAY ermordet worden. Katari hatte ihn eines Tages mitgebracht und seitdem lebte er hier im Club, genauso wie Katari und ich.

„Da bist du ja wieder! Wo hast du Katari gelassen?“ Ich drückte ihn an mich und setzte ihn wieder auf seine Füße. „Erzähl ich dir gleich. Meinst du, du kannst Peidra fragen, ob er mir was zu essen in mein Zimmer bringen kann? Ich bin hundemüde.“ Er zog einen Schmollmund: „Aber nur, wenn du mir erzählst, wo ihr diesmal unterwegs war.“ Ich lächelte müde und strubbelte seine Haare. „Mach ich.“ Lächelnd rannte er zur Küche und ich schleppte meinen Körper nach oben in mein Zimmer. Katari würde schon wiederkommen. Wenn ich das oft genug wiederholte, würde es bestimmt wahr werden, oder? Ich ließ mich aufs Bett fallen und schloss die Augen. Ich kickte die Schuhe von meinen Füßen und seufzte auf. Sie taten weh. Es war lange her, dass ich so eine lange Strecke gerannt war. Bleierne Müdigkeit übermannte mich und ich bekam nicht mehr mit, wie jemand an meiner Tür klopfte oder wie Akari reinkam und ein enttäuschtes Gesicht machte, als er feststellte, dass ich schlief.

2

„Aufwachen!“ Jemand rüttelte an meiner Schulter. Ich stöhnte und drehte mich um.

„Nur noch ein paar Minuten…“, murrte ich. Es war zu früh. Viel zu früh. Und alles tat mir weh. Wieso tat mir alles weh? „Du bist nicht im Bett! Du bist vor seiner Majestät!“, schnappte irgendwer. Meine Augen flogen auf bzw. eines meiner Augen flog auf. Das andere war zugeschwollen. Was hatte ich diesmal getan, dass Vater mich so zusammengeschlagen hatte? Die Decke, die ich erblickte, gehörte weder RIA noch meinem Zimmer im Palast von Sverge. Langsam setzte ich mich auf und erkannte, in welchem Raum ich war. Es war lange her, dass ich im Audienzzimmer von Pegordia gewesen war. Seine Majestät wusste auf alle Fälle, wer ich war, auch wenn ich ihn das letzte Mal vor ein paar Jahren gesehen hatte und damals noch lange Haare und ein sehr viel schöneres Gesicht gehabt hatte, als mein jetziges zerschlagenes. Seine düstere Miene sagte mir genau, dass er wusste, was ich getan hatte. Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus.

„Mu! Wie schön dich wiederzusehen! Du hättest dir wirklich nicht die Mühe machen müssen mich persönlich zu wecken. Ein Eimer Wasser hätte es auch getan.“ Das Gesicht seiner Majestät Mujeira verfinsterte sich. Ich ballte meine Hand zur Faust, doch nichts geschah. Hatte ich mir das vorher alles nur eingebildet? War das alles nur ein Traum gewesen? Doch mein Gesicht fühlte sich noch genauso verschwollen an, wie gestern.

„Erklär mir mal, warum mein Foltermeister verängstigt zu mir kam und mir berichtete, dass du den Raum in Flammen hast aufgehen lassen. Oder wie du die Fesseln durchbrochen hast, oder was dein Vater damit zu tun hat!“ Seine Stimme wurde immer schärfer. Von dem Amulett sprach er überhaupt nicht. Ich setzte mich gemütlicher hin und lächelte ihn weiter unverschämt an.

„Ich hab keine Ahnung“, antwortete ich grinsend. Ich sagte ja sogar einmal die Wahrheit. Jemand schlug mich und ich ging stöhnend zu Boden. Ich starrte die Wache wütend an. Widerlicher LAY-Bastard. „Antworte ihm!“, zischte er mich an.

„Hab ich!“, zischte ich zurück und drehte mich wieder seiner Majestät zu. „Ach Mu, tut mir furchtbar leid, dass ich mit diesem Aufzug vor dir erscheine. Ich hätte mich ja gernf umgezogen, aber…“ Ich hatte seinen Namen früher nie aussprechen können. Und mein Vater hatte dann meine Abkürzung übernommen. Damals hatten wir uns noch gut verstanden. Und dann war Mutter krank geworden.

Mus Gesicht lief Rot an und er fing an mit keifen: „Werft ihn in den Keller! Holt mir endlich die Wahrheit aus diesem Kerl raus!“ Lächelnd stand ich auf. Der LAY-Bastard hielt mich an der Schulter fest und ich drückte beide Hände gegen seine Brust. Er ließ mich zischend los und ich schaute ihn mit spöttisch hochgezogenen Augenbrauen an. Seine schwarzen Klamotten glommen plötzlich rot und er begann zu schreien. Er zog hektisch seine Jacke aus. Sie fiel zu Boden und ging in Flammen auf. Stille kehrte in den Raum ein. Ich glaube wir alle starrten auf die Reste der Jacke. Ich räusperte mich: „Wollt Ihr mich wirklich wieder in den Keller werfen?“ Ich hatte zwar keine Ahnung, wieso es wieder da war, doch das würde ich mir nicht anmerken lassen. „Wollt ihr mich wirklich verprügeln und Krieg mit Sverge anfangen?“ Ich breitete meine Hände aus und die Feuerbälle lagen wieder auf meinen Händen und liebkosten sie. Ging doch. Mus Gesicht war blass und seine Hand ballte seine Hand zu einer Faust. Er sah fast frustriert aus. Der LAY-General, der neben ihm stand, beugte sich vor und flüsterte ihm hektisch was zu. Ich schob beide Hände nach vorne und die Feuerbälle flogen auf die Beiden zu. Sie sprangen hektisch auseinander und der Thron ging in Flammen auf. Ups.

Mein Grinsen musste von außen manisch erscheinen, als ich den nächsten Feuerball in meine Hand rief. „Wollt ihr mich immer noch einsperren? Ich will nicht wissen wie viele von euch dann draufgehen…“ Ich hob die Hand, als wollte ich einen Ball werfen und Mu rief: „Haltet ein! Ich lass dich gehen! Aber glaub mir, ich werde mit deinem Vater sprechen!“ Ich zog spöttisch die Augenbraue hoch: „Versuch’s doch.“

Ich schnippte und sie zuckten alle zusammen. Nichts passierte, außer dass der Feuerball sich kurz ausdehnte und dann wieder um meine Hand lag. Ich ging lachend zur Tür, die hektisch für mich aufgemacht wurde. Ich ging den Gang entlang zum Ausgang. Ich ließ die Flammen verschwinden und keuchte auf. Die zusätzliche Energie war wieder verschwunden und ich taumelte gegen die nächste Wand, mein Atem kam stoßweise. Ich atmete tief durch bis ich meinen Beinen wieder traute, dass sie mich halten würden. Zum Glück kannte ich den Weg. Mir tat alles weh. Und ich hatte keine Ahnung, was ich jetzt mit dem Amulett und den Kräften tun sollte.

Die Wachen an den Toren warfen mir komische Blicke zu, rührten sich aber nicht. Man griff halt des Nachbars Prinzen nicht einfach so ohne weiteres an. Wenn sie mich überhaupt ohne die langen Haare erkannten. Den weiten Weg nach RIA würde ich in diesem Zustand nie schaffen und sie hatten dort nicht die Medizin, die ich brauchte, um schnell wieder auf die Beine zu kommen. Ich ging zu einer Gondel zu und stieg ein.

„Zum Sverge Palast bitte. Bogen drei.“ Er schaute mich skeptisch an, fuhr aber los. Ich schloss die Augen und genoss den Wind und den Geruch des Wassers. Sehr viel besser als die muffigen Räume im Pegordia Palast.

„Können Sie das auch bezahlen?“, fragte der Gondolieri mich plötzlich. Ich öffnete das Auge, das nicht zugeschwollen war. „Werde ich sonst in den Fluss geworfen?“, fragte ich.

„Das mache ich normalerweise mit nichtzahlenden Gästen.“

„Die Palastwachen werden Euch bezahlen.“ Er stütze sein Kinn auf sein Paddel: „Die Ausrede habe ich noch nicht gehört, aber darauf kann ich nichts geben.“ Seufzend zog ich die Kette unter meinem halbzerrissenen Hemd hervor. Wie lange hatte ich sie nicht mehr benutzt? Sie waren so gütig gewesen sie mir nicht wegzunehmen. „Reicht das?“ Er erbleichte und sprang hastig auf. „Und jetzt fahr. Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit.“ Er verbeugte sich hastig und murmelte Entschuldigungen, doch ich winkte ab. Ich bemerkte dennoch den verächtlichen Blick den er mir zuwarf. Mein Gesicht wurde grimmig. Wenn sie nur wüssten…

„So! lang genug geschlafen! Erzählst du mir jetzt endlich was los ist?!“ Ich blinzelte gegen das Licht und schaute in Akaris forderndes Gesicht. Er saß auf meinem Bauch und schaute mich mit überkreuzten Armen an. Ich lächelte und rieb mir die Augen: „Sorry, ich bin gestern Abend wohl direkt eingeschlafen.“

„Bist du auch. Dein Essen steht noch da.“ Ich blickte rüber zum Tisch und tatsächlich stand es da noch. „Holst du es mir bitte?“ Er sprang von mir runter und ich setzte mich auf. „Ähm, Yara?“ Ich schaute ihn fragend an. „Hast du Fieber?“ Ich runzelte die Stirn. Ich hob die Hand und sah, dass sie rot glühte. Wie gestern. Plötzlich zerrte etwas wieder an mir und ich kippte vornüber. Keuchend rang ich um Atem als ich mich auf dem Bett abstützte.

„Alles okay?“, fragte Akari besorgt. „Das geht gleich wieder“, flüsterte ich in der Hoffnung, dass es stimmte. Was zur Hölle passierte jetzt wieder? Ich wusste, es hatte irgendwas mit dem Amulett zu tun. Verdammt! Ich brauchte Katari hier, um mit ihm darüber reden zu können! Nach ein paar bangen Minuten war es vorbei. Ich schaute Akari an, der etwas ängstlich in der Ecke stand, mit dem Teller in der Hand. Ich lächelte ihn zuversichtlich an.

„Gibst du mir das Essen? Sobald ich gegessen habe, erzähle ich dir, was passiert ist.“

Das Essen tat gut. Akari saß auf meinem Bett und wippte ungeduldig hin und her während ich den ersten Hunger erst einmal stillte. Dann ging ich an zu erzählen.

„Du hast ja von dem Brief mitbekommen, den Kataris Mutter ihm hinterlassen hat, richtig?“, fragte ich. Er nickte. Er war damals in mein Zimmer reingestürmt und hatte uns erwischt, als wir darüber gebrütet hatten. Kein anderer wusste von dem Brief oder dem Amulett. Katari vertraute nicht allen hier und hatte das ganze erst mal verschweigen wollen. „Wir sind also nach Pegordia und sind in den Palast eingebrochen.“

„Ihr habt mir nichts gesagt?“, unterbrach er mich entrüstet. Ich lächelte: „Wir hatten es keinem erzählt. Musst dich nicht verletzt fühlen. Wir sind auf Zehenspitzen durch die Gänge geschlichen und wurden mehr als einmal fast erwischt.“ Ich schmückte die Geschichte etwas aus und er hing an meinen Lippen. „Kann ich das Amulett mal sehen?“, fragte er mich und ich zog es von unter meinem T-Shirt hervor. Akari streckte die Hand danach aus und ich zog es hastig zurück. Er schaute mich fragend an und ich seufzte. Ich hatte ihm noch nicht erzählt, was ich schon herausgefunden hatte.

„Ich weiß nicht, wie sicher es ist, wenn du das Amulett berührst. Ich…“ Ich formte eine Hand zu einer Schale und stellte mir Wasser vor. Plötzlich war sie voller Wasser und Akari sprang zurück und starrte mich an. „A…Aber…Du…du wirkst blau…“ Ich schaute ihn verwirrt an und dann meine Beine und sie schimmerten tatsächlich blau. Das Amulett verfärbte sich in ein tiefes Blau, das schnell heller wurde, je mehr Wasser ich rief. Ich ließ das Wasser verschwinden und steckte das Amulett wieder zurück.

„Du siehst, was ich meine. Ich weiß nicht, wie sicher es ist, wenn du es berührst. Das Amulett scheint irgendwelche Kräfte auf seine Besitzer auszuüben. Es hat schon des Öfteren an meinen Kräften gezogen, obwohl ich nichts getan hatte. So bin ich auch in die Bande LAY geraten, ohne sie zu bemerken.“ Was auch immer mit dem Amulett los war, ich wollte nicht, dass er da in irgendwas nicht Beherrschbares hineingeriet. Ich wollte zuerst mit Katari herausfinden, was es mit dem Amulett auf sich hatte. Akari schaute etwas bedrückt drein, doch ein Lächeln breitete sich schnell wieder auf seinem Gesicht aus.

„Dann muss Katari einfach schnell wiederkommen. Als ob ein paar Pegordia Wachen ihn aufhalten würden. Du wirst sehen, er ist so stark wie ein Tiger!“ Ich lächelte ihn an und holte ein Brettspiel hervor. Akari vergötterte Katari. Er war sein Held. Ich würde ihm den Schein nicht nehmen, indem ich sagte, dass ich mir wirklich Sorgen machte. Doch Akari verjagte sie bald, durch sein ständiges Lächeln und Schwärmen. Es gab wohl einen Grund, warum seine Eltern ihn Akari genannt hatten. Es bedeutete Licht und Helligkeit. Und genau das brachte er mir, als ich das Gefühl hatte, vor Sorge um Katari in Trübsal versinken zu wollen.

Ich ließ Akari ausnahmsweise bei mir schlafen. Er hatte sich am Nachmittag mit irgendjemandem gestritten und weigerte sich, darüber zu reden. Ich hatte ihn in mein Zimmer gelassen, ihm schweigend den Riss auf seiner Wange gesauber gemacht und ihm Geschichten erzählt. Ich saß auf dem Fensterbrett und beobachtete ihn, als er in meinem Bett lag.

- Ende der Buchvorschau -