Arztromane 9 - Sissi Kaipurgay - E-Book

Arztromane 9 E-Book

Sissi Kaipurgay

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Beschreibung

Die Arztromane gehen in die 9te Runde. Diesmal finden Daniel und Bryan, die bereits in Band 8 dabei waren, ihr Glück auf Mallorca.   Urologen sind definitiv keine Herzspezialisten Daniel, Urologe aus Hamburg, hat eine Stelle in einer Praxis auf Mallorca angenommen. Erstmal ist diese befristet auf ein Jahr, mit Option auf Verlängerung. Er musste raus aus der Kälte und mal etwas anderes sehen, nachdem seine On-Off-Beziehung mit George vorüber war. Außerdem wollte er Bryan, seinen aktuellen Lover, loswerden. Der ging ihm nämlich gehörig auf den Keks. Insofern war der Umzug eine Win-Win-Entscheidung. ~ * ~ … und Physiotherapeuten sind auch nicht besser Bryan ist Daniel, der eine Auszeit auf Malle nimmt, gefolgt. Leider verläuft ihr Wiedersehen ganz anders als erhofft. Das - und eine ohnehin negative Grundstimmung - sind schuld, dass Bryan etwas den Boden unter den Füßen verliert. ~ * ~ ca. 31.000 Worte Achtung: Das Produkt enthält Spuren von Eiweiß und Nüssen. Für Allergiker nur bedingt geeignet.

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Seitenzahl: 138

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Sissi Kaipurgay

Arztromane 9

Mallorca Spezial

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Arztromane 9 - Mallorca Spezial

Arztromane 9 - Mallorca Spezial

Anmerkung: Die Wartezeit zwischen den Behandlungen bei einer Tattoo-Entfernung (6-8 Wochen) wurde aus dramaturgischen Gründen gekürzt.

Sämtliche Personen, Orte und Begebenheiten sind frei erfunden, Ähnlichkeiten rein zufällig. Der Inhalt dieses Buches sagt nichts über die sexuelle Orientierung des Covermodels aus. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder eine andere Verwertung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin. E-Books sind nicht übertragbar und dürfen nicht weiterveräußert werden. Bitte respektieren Sie die Arbeit der Autorin und erwerben eine legale Kopie. Danke!

Text: Sissi Kaiserlos

Foto von shutterstock, depositphotos – Design Lars Rogmann

Korrektur: Aschure. Danke!

Kontakt: http://www.bookrix.de/-sissisuchtkaiser/

Urologen sind definitiv keine Herzspezialisten

Daniel, Urologe aus Hamburg, hat eine Stelle in einer Praxis auf Mallorca angenommen. Erstmal ist diese befristet auf ein Jahr, mit Option auf Verlängerung. Er musste raus aus der Kälte und mal etwas anderes sehen, nachdem seine On-Off-Beziehung mit George vorüber war. Außerdem wollte er Bryan, seinen aktuellen Lover, loswerden. Der ging ihm nämlich gehörig auf den Keks. Insofern war der Umzug eine Win-Win-Entscheidung.

~ * ~

1.

„Unsere Devise lautet zwar, fang niemals etwas mit einem Patienten an.“ Dr. Angelina Mendoza, Daniels Kollegin, seufzte inbrünstig und rührte in ihrem Espresso. „Aber was soll ich denn nur machen? Hugo hat den dicksten Schwanz, den ich je gesehen habe.“

Daniel feixte. „Als ob es auf die Größe ankommt.“

„Außerdem hat er traumhafte Plüschaugen.“

„Wie fast alle Spanier.“

„Er hat mich schon wieder zum Essen eingeladen.“ Angelina führte ihre Tasse an die Lippen, trank einen Schluck und leckte sich den Schaum von der Oberlippe. „Und ich hab wieder abgelehnt.“

„Dafür verdienst du eine Medaille“, erwiderte Daniel trocken. „Wie geht’s überhaupt Hugos Darm?“ Seit Wochen war dieser Patient Thema bei ihrem Mittagessen, daher kannte er dessen Beschwerden in- und auswendig.

„Wesentlich besser, seit er keinen Zucker mehr isst.“

„Wenn sich doch alle Probleme so einfach lösen ließen.“ Er leerte seine Tasse, schaute auf die Uhr und winkte den Kellner herbei. „Wir müssen los.“

Auf dem Weg zurück in die Praxis schwieg Angelina. Vielleicht dachte sie an Hugos Riesendödel. Selten hatte Daniel eine Frau getroffen, die derart auf Schwänze fixiert war. Als Urologin ein Vorteil, schließlich musste sie jeden Tag etliche davon angucken; als Frau hingegen sollte sie doch eigentlich auf andere Dinge Wert legen. Wie sagte Berit, die Praxis-Kollegin von seinem Ex George, immer so schön? „Achte vor allem auf innere Werte, wie Immobilien, Sparguthaben und andere Geldanlagen.“ Das war natürlich Quatsch. Angelina verdiente selbst genug und Berit übrigens auch.

Apropos Berit: Manchmal vermisste er seine alten Kontakte. Einige hatten ihren Besuch angedroht, aber bisher war es dabei geblieben. Was er nicht vermisste: Hamburgs Wetter. Es gab zwar Leute, denen der ewige Sonnenschein auf den Sack ging, doch er gehörte nicht dazu. Eventuell kam das ja noch, was er jedoch anzweifelte. Er war schon immer ein Sonnenfanatiker gewesen. Einer der Streitpunkte mit George.

In der Praxis angekommen ging er in sein Sprechzimmer und holte sich die Daten der nächsten Patienten auf den Bildschirm. Anfangs hatte er überwiegend Touristen behandelt, entweder wegen einer akuten Erkrankung oder solche, die den Urlaub nutzten, um zur Vorsorge zu gehen. Inzwischen hielt sich das Verhältnis Ortsansässiger zu Urlaubern die Waage. Viele Patienten seines in Ruhestand befindlichen Vorgängers, die zu den Kollegen gewechselt hatten, waren zu ihm zurückgekehrt.

Auf eine Frau mit Blut im Urin, einen Mann mit Inkontinenzproblem und einen Teenager mit Phimose, folgte Dr. Alonso Wille, Zahnarzt, zur Krebsvorsorge. Der Mann, eigentlich Angelinas Patient, hatte um einen Termin bei ihm gebeten.

Als Dr. Wille ins Sprechzimmer kam, staunte Daniel nicht schlecht. Der Typ erinnerte ein bisschen an George Clooney, mit den grauen Schläfen, markantem Kinn und Schokoaugen. Zweifelsohne der attraktivste Patient seiner beruflichen Laufbahn. Kleine Fältchen in den Augenwinkeln und ein hübsches Lächeln rundeten den Eindruck ab.

„Setzen Sie sich“, bat Daniel, die Hände auf dem Schreibtisch gefaltet. „Haben Sie irgendwelche Beschwerden oder handelt es sich um einen Routinecheck?“

Wille nahm Platz und schlug ein Bein übers andere. „Keine Beschwerden.“

In den Unterlagen stand, dass der Patient aufgrund von Erkrankungen in der Familie seit Jahren zur Vorsorge kam. Die Frage war daher eigentlich überflüssig, zumal Wille sehr entspannt wirkte. Allerdings hatte Daniel schon Patienten gehabt, die ihn, trotz eines fremden Gegenstands im Darm, breit anlächelten. Okay, doofes Beispiel, aber ihm fiel spontan kein anderes ein.

„Waren Sie zum Leberfleck-Screening?“, erkundigte er sich.

„Ähm … nein. In meiner Familie gab es nie Hautkrebs.“

Daniel lehnte sich zurück, bereit, einen Vortrag über die Gefahren von zu viel Sonneneinstrahlung zu halten, doch Wille hob beide Hände, bevor er anfangen konnte.

„Zugegeben, das ist kein Argument.“ Wille setzte einen astreinen Welpenblick auf. „Können Sie das nicht durchführen?“

„Rein zufällig hab ich eine Spezialausbildung. Dann machen Sie sich mal frei.“ Er wies auf einen Paravent und wandte sich dem Monitor zu.

Während er tippte, hörte er hinter dem Sichtschutz Kleidung rascheln. Ganz unprofessionell freute er sich darauf, den Patienten in ganzer Pracht zu Gesicht zu bekommen. Nachdem er den Eintrag beendet hatte, nahm er ein paar Latexhandschuhe und streifte sie über. In dem Moment, in dem er nach einer Lupe griff, kam Wille im Adamskostüm hinter dem Paravent hervor.

„Bitte stellen Sie sich da hin“, forderte Daniel, wobei er auf die Untersuchungsliege zeigte.

Gehorsam begab sich Wille davor in Stellung, beide Hände an die Seiten gelegt, wie ein Soldat. Daniel verkniff sich ein Schmunzeln. Als Arzt waren solche Regungen unangemessen.

Derweil er Willes Vorderseite - im wahrsten Sinne des Wortes - unter die Lupe nahm, begann er zu plaudern. „Sie sind also Zahnarzt?“

„Mit Leib und Seele. Es gibt nichts schöneres, als ein gesundes Gebiss.“

Wille erzählte, wie es zu dieser Berufswahl kam. Daniel lauschte nur mit halbem Ohr, da er völlig auf den anbetungswürdigen Körper konzentriert war. Die Brust war behaart, Unterarme und Schenkel von dunklem Flaum überzogen. Willes Haut wies einen goldenen Ton auf. Der helle Streifen in der Leibesmitte zeugte von Badekleidung beim Sonnen und betonte das männliche, geschätzte achtzehn Zentimeter lange Attribut. Dahinter hing ein imposantes Paar Glocken. Willes Füße waren dem Rest ebenbürtig: Ausnehmend hübsch geformt, mit gepflegten Nägeln.

„Bitte umdrehen“, verkündete Daniel, als er sich wieder aufrichtete.

Wille wandte sich zur Liege. Der Rücken wies mehr als die Vorderseite Leberflecken auf. Daniel beäugte die großen genauer und arbeitete sich langsam nach unten. Beim Anblick der straffen Arschbacken stöhnte er innerlich auf. Allmählich merkte er, dass er schon eine ganze Weile zölibatär lebte.

„Ich muss mir noch Ihre Kopfhaut angucken“, erklärte er, nachdem mit den Beinen fertig war. „Bitte setzen Sie sich.“

Wille, der ihn um einige Zentimeter überragte, hockte sich auf die Liege und beugte das Haupt. Die schwarzen Locken fühlten sich erstaunlich weich an. Merkwürdig, was man als untervögelter Mann alles erotisch fand. Rasch brachte Daniel die Untersuchung zu einem Ende, damit er nicht der Versuchung erlag, die seidigen Strähnen zu streicheln.

„Kein Befund.“ Er legte die Lupe weg. „Legen Sie sich bitte hin.“

Es folgte das Abtasten von Schwanz und Hoden. Dass Wille dabei eine Erektion bekam, wertete er nicht als Kompliment. Nahezu jeder Mann wurde steif, wenn man an ihm rumfummelte. Als letztes kontrollierte er die Prostata, wobei Wille die Lippen aufeinanderpresste und Augen zukniff, angesichts der zuckenden Latte aus Genuss. War da noch jemand lange nicht flachgelegt worden?

„So, das war’s auch schon.“ Er zog die Handschuhe aus, warf sie in den Mülleimer und ging zum Schreibtisch. „Bei Ihnen ist alles in bester Ordnung.“

Wille begab sich hinter den Paravent. Einen Moment saß Daniel da, noch gefangen von den Eindrücken geballter Männlichkeit, bevor er anfing, die Ergebnisse in den Computer einzugeben.

Als Wille, wieder vollständig bekleidet, auf dem Stuhl vor seinem Schreibtisch Platz nahm, war er gerade fertig geworden. Das lag an seiner mangelnden Konzentration, nicht an der Schnelligkeit des Patienten.

„Ich würde sagen, wir sehen uns in einem Jahr wieder.“ Daniel stand auf und umrundete den Tisch, um Wille die Hand zu schütteln, doch der blieb sitzen. Normalerweise verstanden Leute den Wink mit dem Zaunpfahl.

Wille sah zu ihm hoch. „Darf ich Sie bei nächster Gelegenheit auf einen Kaffee einladen?“

Ah, daher wehte der Wind. „Tut mir leid, aber ich treffe Patienten nie privat.“

Wille stand auf, fischte dabei eine Visitenkarte aus der Brusttasche des Hemdes und hielt sie ihm hin. „Falls Sie es sich anders überlegen.“

Daniel steckte das Kärtchen in seine Kitteltasche. „Ich werde darüber nachdenken.“

Nachdem sie sich die Hand geschüttelt hatten, verließ Wille den Raum. Langsam kehrte Daniel zu seinem Sessel zurück. Dr. Alonso Wille stellte eine große Versuchung dar, doch der gedachte er nicht nachzugeben. Es brachte nur Ärger ein, Beruf und privat zu vermischen. Vielleicht hatte ihm sogar Angelina Wille auf den Hals gehetzt, um seine Standfestigkeit zu testen. Manchmal saß seiner Kollegin der Schalk im Nacken. Soweit kannte er Angelina inzwischen schon.

Gegen sieben verließ er die Praxis. Die letzte Stunde hatte er mit seinem Kollegen Dr. Walter Campazona, 57, dreimal geschieden und nun überzeugter Single, verplaudert. Walter war inzwischen auf junge Urlauberinnen spezialisiert, bevorzugt aus Skandinavien oder Holland. Die wären am freizügigsten, behauptete er. Diese Klientel jagte er stets am Ballermann, wo es - laut seiner Einschätzung - am meisten Frischfleisch dieser Sorte gab. Einmal und nie wieder hatte Daniel seinen Kollegen bei solcher Tour begleitet. Ansonsten verstand er sich prima mit Walter, dessen tolerante Ansichten ihm sehr gefielen.

Der vierte im Bunde war Dr. Nathan Eckes, 45, verheiratet, drei Kinder. Nathans Interessen lagen entsprechend auf völlig anderen Gebieten. Bei ihm drehte sich alles um den Nachwuchs und die Gattin. Da Nathan damit weder bei Angelina, Walter oder ihm auf ein offenes Ohr stieß, hielt sich ihr privater Kontakt in Grenzen.

Dann gab es noch fünf Sprechstundenhilfen: Agnes, Melina, Maria, Carmen und Aglaia, allesamt junge Frauen. Sobald eine von ihnen schwanger wurde und dadurch ausschied, stellte Walter das nächste Mädel ein. So blieb der Altersdurchschnitt stets erhalten.

In seinem Appartement duschte Daniel und setzte sich, lediglich mit Shorts bekleidet, auf den Balkon. Die Wohnung lag inmitten von Palmas Altstadt, fünf Gehminuten vom Strand entfernt. Sie gehörte Angelina, die eigentlich an Urlauber vermietete und war demgemäß ausgestattet: Mit pflegeleichten Möbeln und folkloristischem Dekor. Daniel nannte es schlicht primitiv, aber das war bestimmt Ansichtssache. Er mochte nun mal keine Bilder mit Landschaftsmotiven und das Kruzifix, das überm Bett hing, hatte er gleich in den Nachtschrank verbannt.

Solange er nicht wusste, ob sein Engagement von Dauer war, wollte er in der kargen Unterkunft bleiben. Sollte er sich für einen Daueraufenthalt entscheiden, plante er eine Finca in den Bergen zu erwerben. Dafür müsste er seine Wohnung in Hamburg, die derzeit untervermietet war, verkaufen. Das Gleiche galt für seinen Praxisanteil, den er benötigte, um einen Miteigentumsanteil an der hiesigen Praxis zu bezahlen. Derzeit war er bloß Angestellter und erhielt ein Festgehalt.

Was die Umgebung und das Wetter betraf, hatte Daniel keinerlei Bedenken für immer zu bleiben, doch seine sozialen Kontakte bereiteten ihm Sorgen. Bislang beschränkten sich diese auf Angelina, mit der er ab und zu privat etwas unternahm. In die örtliche schwule Szene hatte er zwar reingeschnuppert, aber in den Clubs zählte er zu den Grufties und könnte maximal auf einen Mitleidsfick hoffen. Zudem - Asche auf sein Haupt - waren seine Spanischkenntnisse mehr als dürftig, was Unterhaltungen erschwerte. Mit seinen Patienten und Kollegen redete er deutsch oder englisch, daher hatte er einen Sprachkurs bisher für unnötig befunden. Auf Dauer würde er aber wohl nicht drum herum kommen, um mit Einheimischen zu kommunizieren. Schließlich machte es keinen Sinn, mit irgendwelchen Touristen, die nach einigen Wochen wieder abreisten, Freundschaften zu schließen.

Daniel beobachtete das bunte Treiben auf der Straße und überlegte, ob er Essen gehen oder selbst etwas zaubern sollte. Er entschied sich für die zweite Variante. Allein im Lokal zu sitzen war doof, außerdem hatte er bereits mittags mit Angelina etwas Warmes gegessen.

Kurz darauf stand vor ihm ein Teller mit Oliven, ein paar Scheiben Weißbrot, Schafskäse und Peperoni. Dazu trank er ein Gläschen Rotwein. Seine Füße hatte er auf den gegenüber stehenden Stuhl gelegt. So ließ es sich aushalten. Fehlte nur ein bisschen angenehme Gesellschaft. Wie aufs Kommando vibrierte sein Smartphone. Allerdings stand auf dem Display Bryans Name, den er nicht unbedingt zu den erwünschten Personen zählte. Da ihm im Moment sein Alleinsein mächtig auf den Zeiger ging, nahm er das Gespräch dennoch an.

„Hi. Wie geht’s?“

„Gut soweit. Und selbst?“, antwortete Bryan.

„Es könnte schlechter sein. Ich genieße den mallorquinischen Sommer.“

„Du hast es gut. Hier regnet es mal wieder.“ Bryan seufzte. „Ich wünschte, wir hätten wieder so einen Jahrhundertsommer wie letztes Jahr.“

Großartig. Nun redete er schon mit seinem Ex-Lover übers Wetter, wie ein Tattergreis. „Tja. Man kann nicht alles haben.“

„Demnächst hab ich Urlaub und überlege, ob ich mal kurz zu dir rüber jette.“

Was sollte das denn? Sie hatten sich vor seiner Abreise offiziell getrennt. „Ähm … ich bin wohntechnisch gar nicht auf Besuch eingestellt.“

„Das meinte ich natürlich nur im übertragenen Sinne. Ich wollte ein Pauschalangebot buchen.“

„Ach so. Okay. Nette Idee. Sag mal Bescheid, wenn du einen festen Termin hast.“ Er freute sich tatsächlich darauf, ein bekanntes Gesicht zu sehen, auch wenn es Bryans war.

„Das mach ich. Dann noch einen schönen Abend“, verabschiedete sich Bryan.

„Dir auch.“ Daniel beendete die Verbindung und legte das Gerät zurück auf den Tisch. Nachdenklich steckte er sich eine Olive in den Mund. War er zu freundlich zu Bryan gewesen? Ach, Quatsch. Schließlich hatte er deutlich gesagt, keinen Übernachtungsbesuch zu wünschen.

Was ihm das Gespräch noch deutlich gemacht hatte: Er brauchte dringend ein bisschen Ablenkung. Seine Gedanken wanderten zu Dr. Alonso Wille, dessen Visitenkarte sich in seiner Jackentasche befand. Eigentlich hatte er sie wegwerfen wollen, doch aus einem Impuls heraus eingesteckt. Was sprach überhaupt dagegen, mit dem Mann ein bisschen rumzumachen? So lange von vornherein klare Linie herrschte, konnte doch nichts schiefgehen.

Daniel beschloss, eine Nacht darüber zu schlafen. Sollte er am nächsten Tag immer noch dieser Meinung sein, würde er Alonso anrufen.

2.

Offiziell war freitags um eins Sprechstundenende. Abwechselnd boten jedoch sein Sozius, Dr. Alfredo Iglesias, und er Termine für Notfälle oder Privatpatienten an. Heute war sein Praxispartner damit dran, trotzdem blieb Alonso noch, um ein bisschen Papierkram zu erledigen. Leider schweiften seine Gedanken immer wieder ab, so dass er kaum vorankam, bis er schließlich ganz aufgab und sich in seinem Sessel zurücklehnte.

Würde sich Daniel melden? Er betete darum. Als er letzte Woche in der Urologie-Praxis war, um sich einen Termin zu holen, hatte er Daniels Foto in der Anmeldung gesehen. Dort hingen Bilder aller Mitarbeiter sowie die gerahmten Diplome von Dr. Eckes und Campazona. Amors Pfeil hatte wie ein Blitz bei ihm eingeschlagen. Seitdem träumte er von Daniels Lächeln und natürlich einigen unanständigen Dingen. Zu allem Überfluss hatte bei ihrer ersten Begegnung sein Gaydar voll ausgeschlagen. Insofern war alles möglich.

Er hätte nie gedacht, dass es ihn nochmal derart heftig erwischen würde. Seit der Trennung von Ralf, mit dem er sieben Jahre fest liiert gewesen war, dümpelte er emotional an der Oberfläche herum. Dieser Zustand dauerte inzwischen vierzehn Jahre. Damals hatte er räumlichen Abstand gebraucht und war nach Mallorca, der Heimat seiner Mutter, gezogen.

Mittlerweile hatte er Wurzeln geschlagen, obwohl ihn kaum etwas mit der Insel verband. Es gab keinen Kontakt zu der Familie mütterlicherseits, die gegen die Verbindung mit seinem Vater war. Ein bisschen konnte er das sogar verstehen. Sein Vater, ein reicher deutscher Industrieller, war ein Tyrann, wie er im Buche stand. Selbst mit fast achtzig schikanierte sein Alter alles und jeden. Seine Eltern waren inzwischen geschieden und lebten getrennt; seine Mutter in einer schicken Wohnung an der Spree, sein Vater in einer Seniorenresidenz. Das arme Personal bemitleidete Alonso nur aus der Ferne. Wenn er mal in Berlin war, dann lediglich, um seine Mutter zu besuchen.

Seufzend vertrieb er die Erinnerungen, räumte seinen Schreibtisch auf und verabschiedete sich von Alfredo. Der wartete gerade darauf, dass bei einem Notpatienten die Betäubungsspritze wirkte.

„Schönes Wochenende. Wir sehen uns Montag.“

„Wünsch ich dir auch. Hast du was vor?“, erwiderte Alfredo, genau wie er ein Produkt deutsch-spanischer Eltern, neunundzwanzig Jahre alt und frisch verlobt mit der liebreizenden Eustacia.

„Ausspannen, wie üblich.“

„Dann viel Erfolg dabei.“ Alfredo zwinkerte ihm zu und ging zurück in den Behandlungsraum.

Berta, die seinen Kollegen unterstützte, schenkte ihm ein Lächeln und folgte Alfredo. Sie beschäftigten drei Zahnarzthelferinnen, gestandene Frauen Mitte vierzig. Das besaß den Vorteil, keinerlei Probleme mit anstehenden Kinderwünschen zu haben, denn die drei waren schon Großmütter. Außerdem verbreiteten sie eine angenehme Atmosphäre, mit ihrer stets gleichbleibenden Freundlichkeit und hohen Kompetenz.

Gerade hatte er seinen Wagen erreicht, als sein Smartphone vibrierte. Er fischte das Gerät aus seiner Hosentasche und runzelte die Stirn. Eine unbekannte Nummer. Er nahm das Gespräch an. „Wille.“

„Hi, hier ist Daniel Rüter. Gilt Ihre Einladung noch?“

Die Götter hatten ihn also erhört. Alonso schickte einen dankbaren Blick gen Himmel. „Selbstverständlich.“

„Okay. Wann und wo?“

Zu seiner Finca, die oberhalb Cala Majors lag, benötigte er - je nach Verkehrsaufkommen - ungefähr eine halbe Stunde. Es war inzwischen kurz vor drei. Fuhr er erst nach Hause, konnten sie sich frühestens gegen vier treffen. „Wie wäre es mit jetzt gleich?“, schlug er vor.

„Das passt mir gut. Und wo?“

„Gute Frage. Wo wohnen Sie denn?“ Daniel nannte einen Straßennamen. „Das liegt ja ganz in der Nähe. Wie wäre es, wenn ich Sie abhole? In der Umgebung gibt es einige schöne Cafés.“

„Einverstanden.“

„Gut. Dann bin ich in circa zehn Minuten da. Bis gleich.“ Alonso legte auf und kehrte in die Praxis zurück, wo er im Bad sein Aussehen kontrollierte. Nachdem er seine Haare gekämmt und einen Tropfen Rasierwasser aufgetragen hatte, machte er sich zu Fuß auf den Weg. Wie in den meisten Metropolen kam man auf diese Weise schneller ans Ziel, weil man keinen Parkplatz suchen brauchte. Die waren absolute Mangelware.

Daniel wohnte in einem Altbau mit restaurierter Front. Auf sein Läuten hin knarzte die Gegensprechanlage. Blechern ertönte Daniels Stimme: „Ich komm runter.“

In Alonso machte sich Nervosität breit. Unruhig wanderte er auf und ab, bis die Haustür aufsprang und Daniel ins Freie trat. Wie konnte ein Mensch bloß so unglaublich blaue Augen haben? Oder handelte es sich um farbige Kontaktlinsen?

„Ich schlage vor, dass wir zum Du wechseln“, ergriff Daniel das Wort. „Oder hast du Einwände?“

Stumm schüttelte Alonso den Kopf. Sein Sprachzentrum hatte sich kurz verabschiedet und sein Herz klopfte so heftig, dass man es garantiert hörte.

„Wo lang?“, fragte Daniel und schaute die Straße rauf und runter.

Mit dem Kinn wies Alonso in Richtung Hafen. Sie setzten sich in Bewegung, wobei sie oft hintereinander gehen mussten, wenn parkende Fahrzeuge oder andere Passanten den Weg versperrten. Mofas knatterten vorbei. Aus vielen offenen Fenstern schallte Musik oder lautstarkes Gerede. Alonso mochte die spanische Mentalität, so lange er ihr nicht ständig ausgesetzt war. Seine Finca befand sich daher etwas außerhalb, umgeben von hohen Mauern.