Beschreibung

Nachdem Eric und seine beiden Schwestern den Kontakt zu Nea verloren haben beginnt für sie eine Odyssee als Geiseln eines Piratentrupps. Gleichzeitig befinden sich jedoch auch Gothreks an Bord. Schnell wird klar, dass der Status quo nicht aufrechterhalten werden kann, und auch die drei Kinder fürchten um ihre Leben. Höchste Zeit, über sich hinauszuwachsen.

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Seitenzahl: 93

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Allan J. Stark

ASGAROON

Unter Piraten

www.papierverzierer.de

Vollständige E-Book-Ausgabe des mehrteiligen ASGAROON-Zyklus‘

Unter Piraten

Copyright©2014 Allan J. Stark

Deutsche Erstausgabe 2014 by Papierverzierer Verlag, Essen

Covergestaltung:©Allan J. Stark

Lektorat: Michaela Harich

Herstellung: Papierverzierer Verlag

ISBN 978-3-944544-76-2

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Inhaltsverzeichnis
Unter Piraten
Titel
Informationen
Zitat
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
ASGAROON
Allan J. Stark
Weitere Titel

Kapt. Manuel Taggart: „Ich bin ein freier Mann,

und ich habe das gleiche Recht, gegen die ganze Welt Krieg zu führen, wie einer, der hundert Schiffe auf See und eine Hunderttausend-Mann-Armee im Felde hat;

und das sagt mir mein Gewissen...“

Kaiser Alexander III: „Du bist ein Mörder und ein Dieb.“

Kapt. Manuel Taggart: „Ich tat im Kleinen nichts Anderes, als du im Großen -

aber mich nennst du deshalb abfällig einen Verbrecher?!

Manuel Taggart (White Ghost), Zitiert nach: Donald C. Seitz: “Under The Black Flag - Exploits of the Most Notorious Pirates“

Item 29346267 -Vanetha Expositions

Kapitel 1

Eric war auf die Rettungskapsel geklettert, die sanft auf dem asphaltierten Boden aufgesetzt hatte und nun wie ein Insekt auf vier dünnen Landebeinen hockte.

Er spähte über die weite Ebene, von der an vielen Stellen dichte, schwarze Rauchsäulen aufstiegen und den blauen Himmel verdunkelten. Weit entfernt glaubte er, ein Gebäude zu erkennen. Einen hohen Turm, der weit über den Horizont hinausragte. Im Dunst war vermutete er ihn mehr, sah ihn aber kaum. Er zeichnete sich lediglich als fahle, silbrige Nadel in einer grauen Wolke ab, die wie eine Nebelbank wirkte.

»Siehst du was?«, wollte Salaya wissen. »Kommt da jemand?« Eric antwortete nicht auf ihre Fragen. Verärgert und mit trotzigem Gesicht kletterte Salaya zu ihm hinauf. Die Fläche, auf der sie standen, bot kaum ausreichend Platz für die beiden. Salaya ahmte ihren Bruder nach, hob die Hand über die Augen und begann ebenfalls die Umgebung abzusuchen. Ihr Blick war energisch und auf ihrer Stirn bildete sich eine steile Zornesfalte.

»Was ist das?«, fragte Salaya, als sie den Turm in der Ferne entdeckte.

»Ein Haus«, antwortete Eric.

»Sind da Menschen?«

»Weiß nicht.«

Salaya sah sich noch in anderen Richtungen um, als sie Eynie bemerkte, die eine kleine Kiste aus der Rettungskapsel geschleppt und geöffnet hatte. Sie beschäftigte sich mit deren Inhalt, den sie über den Boden verteilte, als säße sie inmitten ihrer Spielsachen. Darunter erkannte Salaya ein Fernglas, das Eynie zwar hervorgeholt, aber achtlos beiseitegelegt hatte. Schnell sprang sie von der Rettungskapsel herunter und nahm es an sich. Eynie beachtete Salaya nicht weiter, sondern vertiefte sich indes in ein undurchschaubares Spiel, in dem sie ihren Stofftintenfisch durch ein Labyrinth aus den verstreuten medizinischen Utensilien und silberglänzenden Nahrungsmittelpäckchen wandern ließ.

Salaya richtete das Fernglas auf den undeutlich erkennbaren Turm. Zuerst fiel es ihr schwer, das Gebäude vor die Linse zu bringen. Immer wieder wanderte es allein durch die Bewegung ihres Atmens aus dem Blickfeld heraus. Zudem war das Fernglas schwerer, als sie zuerst gedacht hatte, und war nicht einfach zu halten. Schließlich hielt sie die Luft an und das unruhige Bild stabilisierte sich ein wenig, blieb aber unscharf.

»Gib her!«, hörte sie Eric rufen. »Du kannst das nicht.«

Sie ignorierte ihren Bruder und versuchte weiterhin, das Bild deutlicher einzustellen. Anfangs schien es zu gelingen, aber dann war der Turm verschwunden. Schließlich wurde ihr das Gerät zu schwer und sie bekam das Gebäude nicht mehr vor die Linse.

»Nun gib schon her!«, drängte Eric ärgerlich. »Lass mich das machen.«

Sie gehorchte widerwillig, stellte sie sich auf die Zehenspitzen und reichte ihm das Fernglas hinauf.

»Da hast du es!« Die Worte schnellten wie ein Klappmesser hervor.

Mit viel Mühe hatte Eric das Gerät bald perfekt eingestellt und konnte eine Menge Details in der Ferne erkennen.

»Der Turm brennt«, sagte er knapp. »Direkt unter der Spitze. Da ist alles kaputt.«

Salaya hob gleichgültig die Schultern, wandte den Blick ab und sah zu Eynie hinüber, die in ihr seltsames Spiel vertieft war. Sie bezweifelte, dass Eynie Eric gehört hatte. Und selbst wenn, so hätte sie der Bedeutung seiner Worte bestimmt keine große Aufmerksamkeit geschenkt. Eynie schien seit dem Angriff der Piraten, in ihrer eigenen Welt abgetaucht zu sein.

»Da sind auch Schiffe, die um den Turm herumfliegen«, fuhr Eric fort und starrte wie gebannt durch das Okular. »Sie feuern aufeinander.«

Salaya, die ihre kleine Schwester beobachtete, nahm aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahr. Sie wandte ihren Blick von Eynie ab und sah ein Fahrzeug heranrasen. Ein großes, panzerähnliches Gefährt, das auf sechs walzenförmigen Rädern daherrollte. Ein grimmig dreinblickender Geschützturm ragte auf dem Rücken des Fahrzeugs empor. Beinahe lautlos kam es näher und schien auf der warmen flimmernden Luft zu schweben. Es sah bedrohlich aus. Wie ein Untier aus ihren Märchenbüchern.

»Eric!«, rief Salaya voller Entsetzen und ihr Bruder wirbelte herum.

Er machte große Augen, als er das unförmige Vehikel sah. Das Brummen, der sich rasch nähernden Maschine wurde vernehmbar, bis es wie ein dumpfer, rumpelnder Donner in den Ohren dröhnte und den Asphalt erbeben ließ.

Eric sprang von der Rettungskapsel herunter, hob Eynie vom Boden auf, die reflexartig ihr Stofftier ergriff und mit einem leisen Wimmern protestierte.

»Rein ins Schiff!«, befahl er Salaya.

Ohne sich über seinen harschen Tonfall zu beklagen, kam sie seinen Worten nach, schlüpfte an ihm vorbei und durch die enge Luke hinein in die Kapsel. Eric reichte ihr Eynie durch die Öffnung und kroch hinterdrein. Er holte seine Pistole aus dem Holster und gab sie Salaya, die sie mit zitternden Händen annahm. Eric machte sich inzwischen an einem Gewehr zu schaffen, das hinter der Rückenlehne eines Sitzes festgemacht war. Es war nicht einfach, es aus der Halterung herauszubekommen, aber als er es geschafft hatte, legte er sich damit an der Tür auf die Lauer.

Mittlerweile war das Panzerfahrzeug zum Stillstand gekommen. Es war so dicht herangekommen, dass es das gesamte Blickfeld einnahm. Es war haushoch und übersät mit vielen schmalen Luken. Überall ragten Kanonen und Gewehrläufe heraus, wie die kurzen Stacheln am Körper eines Insekts.

Ein wüst aussehender Trupp kam näher. Eric sah eine Menge Menschen, einige Akkato und etliche andere Spezies, die ihm größtenteils unbekannt waren. Dazu eine Schar grotesker Wesen, die leicht abseits der Hauptgruppe gingen. Seltsame Geschöpfe mit scharfen Zähnen und Klauen, die schwere, altertümlich wirkende Rüstungen trugen und sogar größer waren, als die hünenhaften Akkato. Auch sie hielten Gewehre in den Händen.

Eric nahm allen Mut zusammen und ging hinter dem Türrahmen in Deckung. Er schob den Lauf des Gewehres hinaus.

»Bleibt stehen!«, rief er und erschauerte, als er seine eigene Stimme hörte. Er war überrascht, wie viel Kraft und Mut man aufbringen musste, um in einer solchen Situation einen einfachen Satz zu bilden und ihn dann laut auszusprechen.

Tatsächlich blieb die Truppe stehen, aber er konnte auf den Gesichtern der Menschen erkennen, dass sie sich über ihn amüsierten. Offenbar sahen sie in ihm keine große Gefahr und das ärgerte ihn. Er beschloss, ihnen noch eine Drohung entgegen zu schleudern, und es gelang ihm diesmal besser. »Keinen Schritt weiter!«

Die Typen blieben stehen und redeten kurz miteinander. Einige Momente lang geschah nichts. Irgendwie schienen sie ihren Spaß an ihm zu haben. Ein paar steckten die Köpfe zusammen und tauschten ganz offensichtlich witzige Bemerkungen aus, wie Eric an ihren Gesichtern erkennen konnte.

Dann legte ein hochgewachsener Mensch seine Kampfwerkzeuge auf den Boden, ein recht ansehnliches Arsenal, von Projektil, Strahlen und Stichwaffen. Das dauerte eine Weile und er ließ sich dabei ungewöhnlich viel Zeit. Eric konnte sich gründlich davon überzeugen, mit welch gut ausgerüsteten Kriegern er es zu tun hatte und schluckte. Dann griff der Mann mit überraschtem Gesichtsausdruck hinter seinen Rücken und zog, mit gespieltem Erstaunen, ein langes, barbarisches Messer hervor. Er ließ es gekonnt um seine Hand wirbeln, bevor er es zu den anderen Waffen auf den Boden legte. Eric wurde dabei unruhig. Seine Hände begannen zu schwitzen, seine Lippen waren trocken, der Atem kam stoßweise.

»Was passiert da?«, wollte Salaya wissen, die Eynie fest umklammert hielt.

»Da kommt einer«, wisperte Eric. Seine Stimme zitterte.

Der Mann breitete seine Hände aus, die in speckigen, löchrigen Handschuhen steckten.

Er war nicht mehr ganz jung, aber er wirkte kraftvoll und stark. Der wache, durchdringende Blick seiner blauen Augen flößte wohl jedem, den er traf, eine gewisse Scheu ein. Eric empfand das ebenso, aber er erkannte darin auch eine Art von Stärke, die ihn eher anzog, als ängstigte. Die blonden Haare waren streng nach hinten gekämmt und zu ein paar kurzen Zöpfen gebunden, schwarze Perlen waren darin eingeflochten. Die Züge in seinem gebräunten Gesicht waren hart, aber es zeigten sich freundliche Fältchen um seine Augenwinkel.

»Mutig, mutig, kleiner Mann«, bemerkte er.

»Bleiben Sie, wo Sie sind!«, erwiderte Eric barsch, der sich seltsamerweise wieder etwas stärker fühlte.

Der Mann machte mehrere Schritte und legte eine Hand an sein rechtes Ohr. »Was hast du gesagt?«

»Sie sollen nicht näher kommen«, wiederholte Eric.

»So müssen wir aber schreien, um uns zu unterhalten«, er ging weiter. »Ich will nicht herumbrüllen und das willst du doch auch nicht, oder? Wir sind doch keine Wilden.« Dann blieb er stehen, etwa fünf Meter entfernt. »Da, wo ich herkomme, gilt es als grobe Unhöflichkeit, sich nicht vorzustellen. Selbst unter Feinden.«

»Sie zuerst«, entgegnete Eric.

Der Mann zeigte sich amüsiert »Ich heiße Julius Ashrey. Meine Leute nennen mich einfach Jul.«

Eric befeuchtete seine Lippen, das Gewehr wurde unerträglich schwer in seinen Händen. Er musste Luft holen; er hatte das Atmen vergessen

»Mein Name ist Eric Nathanael Korren«, sagte er entschlossen.

»Und die anderen?«, fragte Jul Ashrey.

»Welche anderen?« Eric setze ein ratloses Gesicht auf.

»Du bist zwar sehr umsichtig, aber wir haben euch schon eine ganze Weile beobachtet«, sagte Jul grinsend. »Ich nehme an, die Mädchen sind deine Schwestern.«

»Ja«, gab Eric zu. »Salaya Rebekka Korren und Anaea Rahel Korren, aber wir nennen sie Eynie.«

Jul überlegte einen Augenblick, dann begann er, Eric zu fragen, ob sie die Landung heil überstanden hatten, ob es ihnen gut ginge und ob sie hungrig seien. Dabei bemerkte Eric, dass er in der Tat sehr hungrig war und auch einen starken Durst verspürte. Seinen Schwestern würde es bestimmt nicht anders gehen. Bis jetzt hatte er noch nicht nachgesehen, was die Überlebensrationen der Rettungskapsel hergaben, aber natürlich würde dieser Vorrat sehr begrenzt sein. Immerhin machte der Mann nicht den Eindruck, dass er es darauf abgesehen hätte, ihm und seinen Geschwistern ans Leben zu wollen.

In diesem Moment wurde Eric die Waffe entrissen. Mächtige Pranken packten den Jungen und schleuderten ihn mit enormer Kraft hinaus ins Freie.

Salaya schrie auf und krabbelte zur Luke.

Eric schlitterte einige Meter über den Asphalt und kam eine Armlänge vor Jul zu liegen. Als er sich aufrappeln wollte, griff sich Jul den Jungen und hielt ihn fest.

»Keine Dummheiten«, mahnte er ihn. »Für den dort kann ich nicht garantieren.«