Beschreibung

Zeelona Bonathoo und ihre Schwester sind ein unzertrennliches Team. Zusammen haben Sie schon manches Ding gedreht, aber um in den engeren Kreis derer zu gelangen, die Anrecht auf eine Führungsrolle innerhalb der Piraten-Bruderschaft geltend machen können, fehlt Zeelona eine weitere Großtat, um sich den Respekt der erfahrenen Piraten zu verschaffen. Als Ziel ihrer Unternehmung hat sie sie den reichen Industriellen und Sammler Culver Coleman gewählt. Einen Mann, umgeben von vielen Geheimnissen und Legenden, der Zeelonas Pläne allerdings vereiteln könnte ... (11.350 pgz)

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Allan J. Stark

ASGAROON

Die Piratenkönigin

www.papierverzierer.de

Vollständige E-Book-Ausgabe des mehrteiligen ASGAROON-Zyklus‘

Die Piratenkönigin

Copyright©2015 Allan J. Stark

Deutsche Erstausgabe 2015 by Papierverzierer Verlag, Essen

Covergestaltung:©Allan J. Stark

Herstellung, Lektorat: Papierverzierer Verlag

ISBN 978-3-944544-66-3

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Inhaltsverzeichnis
ASGAROON - Die Piratenkönigin
Impressum
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Allan J. Stark

Nichts spornt mehr an als die Aussicht auf Ruhm.

Ovid

Kapitel 1

Der leicht untersetzte Mann im verdunkelten Büro seufzte laut auf. »Oh nein, nicht schon wieder ihr beiden.« Er schob sich seine getönte Brille auf die Stirn und starrte die beiden schlanken Frauen entsetzt an, die gerade den Raum betreten hatten. Die beiden Schwestern hatten lange, rabenschwarze, leicht krause Haare und dunkle Augen – einander so ähnlich, dass man sie hätte für Zwillinge halten können. Sie waren sportlich, durchtrainiert und wussten, dass selbst die abgewetzten Pilotenkombinationen, die sie trugen, ihre weiblichen Rundungen nicht verbergen konnten.

»Hallo, Kym«, sagte die Ältere der beiden Schwestern und trat näher an den Beamten heran. Ihr Gang hatte etwas Sinnliches und Aufreizendes an sich.

»Hallo, Zeelona.« Er schluckte und sah zu der jüngeren Frau hinüber, die noch neben der Tür stand. »Hallo, Yadina.«

Zeelona setzte sich auf die Tischkante und blickte dem Mann tief in die Augen. Das Licht der Nachmittagssonne fiel in langen Strahlen zwischen den Jalousien hindurch. Auf Kyms Gesicht glitzerten Schweißperlen. Natürlich konnte dies an der hohen Raumtemperatur liegen. Bei der Hitze, die dieser extrem heiße Sommer in den Schluchten der Stadtwelt erzeugte, wäre das nicht weiter verwunderlich. Die Klimaanlage hatte längst aufgegeben und nur ein summender Deckenventilator vollführte tapfer seinen Dienst. Doch es war wohl eher die Anwesenheit der zwei ungebetenen Besucherinnen, die ihm hauptsächlich den Schweiß auf die Stirn trieb, als jene Sommersonne, die unbarmherzig auf das endlose Häusermeer herunterbrannte.

»Du musst uns einen Gefallen tun«, sagte Zeelona schließlich.

Kym hatte anscheinend mit einer solchen Bitte gerechnet. »Ich habe euch doch schon einen Gefallen getan!«, entgegnete er und fuhr flüsternd fort, als habe ihn seine eigene Stimme erschreckt. »Vier Gefallen sogar, wenn man es genau nimmt. Und ich habe gute Arbeit geleistet. Niemand hat etwas bemerkt. Alles ist dicht geblieben. Lassen wir es dabei bewenden.«

Mittlerweile war Yadina hinter seinen Sessel getreten und setzte sich auf die Lehne zu seiner Rechten. Sie legte ihm einen Arm auf die Schulter und blickte auf Kym herab. »Das wissen wir«, pflichtete sie ihm bei. »Deswegen sind wir ja auch wieder zu dir gekommen. Man soll erfolgreiche Kontakte pflegen. Das ist eine der wichtigsten Geschäftsregeln. Und darüber hinaus ist es ein Kompliment.«

»Und du hast recht«, ergänzte Zeelona. »Von deinen Gefälligkeiten wissen nur wir drei. Wir möchten auch, dass das so bleibt.« Sie machte eine Pause. »Besonders du möchtest, dass das so bleibt. Nicht wahr?«

Kym schluckte und sah die Schwestern abwechselnd an. Mehrfach versuchte er, einen Satz zu beginnen, brachte aber kein einziges Wort heraus.

»Ich vermute, auf dich wartet kein Schiff, keine Mannschaft«, fuhr Zeelona mit gespieltem Mitleid fort, »die dich von hier wegbringen würde, wenn es brennt.«

»Bestimmt nicht«, antwortete Yadina für ihn. »Ich denke, unser lieber Kym ist ein kurzbeiniger Beamter, der nicht wüsste, wohin er laufen sollte, wenn es eng wird.«

»Ich bin doch kein Trottel.« Kym riskierte einen Ausfall, aber schon einen Moment später verstummte er wieder. Er tastete in der Gesäßtasche nach einem Tuch, fischte es heraus und tupfte über Augen und Stirn. Der Schreck, der ihm beim plötzlichen Auftauchen der zwei Schlangen, wie er sie oft genannt hatte, in die Glieder gefahren war, hatte offenbar etwas nachgelassen.

»Ich bin nicht blöd«, wiederholte er und ließ das Taschentuch in der Hosentasche verschwinden. Er machte einen tiefen Atemzug und setzte ein resigniertes Gesicht auf. »In Ordnung. Ich hab mich auf euch eingelassen und ich befürchtete von Anfang an, dass weitere Besuche folgen würden.« Dabei lehnte er sich erschöpft zurück und der Sessel kippte nach hinten.

Yadina hopste von der Armlehne wie ein aufgeschrecktes Kätzchen, ging mehrere Schritte durch den Raum, setzte sich dann auf die Fensterbank und sah angestrengt hinaus. Ihr Blick schweifte über den Himmel, die benachbarten Gebäude und die steil abfallende Fassade hinuntergeblickt hatte. Dann betätigte sie einen Schalter am Fensterrahmen und ließ die Jalousie noch ein Stück herunter. Zwar lief der endlos dahinströmende Luftverkehr auf weit entfernten Trassen ab, doch vor neugierigen Augen konnte man nie völlig sicher sein. Das musste auch Kym Merrick klar sein, denn immer wieder lösten sich Gleiter aus den Hauptverkehrsadern, tauchten in die Häuserschluchten ein und sausten dicht an den Fenstern vorbei.

»Was soll ich für euch tun?«, fragte Kym und lies die Schultern hängen.

»Wir brauchen einen gültigen Gewerbeschein«, sagte Zeelona mit heiterer Stimme. »Es geht um den Transport verschiedener Güter und Waren. Einfuhr, Ausfuhr. Ausgestellt für fünfzig Transporter der Velocityklasse. Wir brauchen auch Frachtpapiere, die laufend aktualisiert werden und den dazugehörigen Freigabestempel haben. Wir wollen nicht, dass sich Polizei und Zoll die Mühe von aufwendigen Kontrollen machen müssen. Die Kennungen der Schiffe lassen wir dir noch zukommen.«

»Und weiter?«

»Dann benötigen wir Besitzurkunden über drei leerstehende Hallen, die zum Verkauf freigegeben sind.« Zeelona holte ein Papier hervor, auf dem einige Daten aufgekritzelt waren. »Hier in diesen Gebieten.«

Kym speiste die Angaben in seinen Computer ein und fand Informationen über drei Gebäude, die einmal der kaiserlichen Flotte gehört hatten. Nach Verlegung des Stützpunktes waren sie von der Stadtverwaltung gekauft worden, die augenscheinlich nur wenig Verwendung dafür hatte. Inzwischen standen sie leer. Nach einigen Minuten waren die Hallen in Yadinas und Zeelonas Besitz und wurden laut Melderegister als Unterstand für Transportraumer genutzt. Einige Augenblicke darauf hielten die beiden Schwestern die dazugehörigen abgestempelten und beglaubigten Dokumente in den Händen.

»Wollt Ihr am Ende noch seriös werden?«, fragte Kym, der mit schnellen Handbewegungen den Rechner ausschaltete. »Ihr hättet jetzt alles, um neu anzufangen. Ich könnte alles legal machen. Zumindest so wasserdicht, dass Ihr für lange Zeit unbehelligt aggieren könnt.«

Zeelona war überrascht. »Hast du den Eindruck, wir wären unseres Lebensstiles überdrüssig?«

»Transportgeschäfte sind doch wirklich zu langweilig«, ergänzte Yadina. »Nein, das wäre nichts für uns.«

»Warum dann das Ganze?«

Zeelona schüttelte den Kopf. »Willst du wirklich das Wagnis eingehen, dich damit zu belasten? Uns ist klar, wie schwach dein Nervenkostüm ist. Wir müssten uns ständig Sorgen um dich machen. Wie sollten wir dir unter diesen Umständen noch vertrauen können?«

Kym knabberte an seiner Unterlippe. Ihm war bestimmt deutlich anzumerken, dass er nur zu gerne gewusst hätte, was die beiden Schwestern im Schilde führten. Letztendlich war Neugier ein Grund für ihn gewesen, die Beamtenlaufbahn einzuschlagen. Auf diese Weise war es wenigstens möglich, ein kleines Stück weit in die gut gehüteten Geheimnisse der Stadtwelt Einblick zu nehmen. Aber hinter die Geschäfte der zwei Schlangen zu kommen, war ihm dann doch etwas zu heiß. Er hatte sich ohnehin schon viel zu weit aus dem Fenster gelehnt.

»Wir haben viele schöne, schwarz-gelbe Schiffchen«, sagte Zeelona mit einem Lächeln. »Sie werden den Himmel über Vanetha bald sehr bereichern.«

»Und unsere Taschen füllen«, ergänzte Yadina.

Kapitel 2

Tatsächlich waren die bulligen schwarz-gelben Transporter, auf denen deutlich sichtbar das Emblem von »Convoy Inc. Waren- und Gütertransport« prangte, bald allen Bewohnern Vanethas gut bekannt. Die Piloten verstanden ihr Handwerk außergewöhnlich gut. Scheinbar hatten die Schiffe immer freie Bahn und steckten nie in einem der üblichen Staus fest. Fast nie stand eines bewegungslos herum, um betankt oder repariert zu werden, und darum waren sie genauso selten ein Ärgernis für die örtliche Verkehrsüberwachung oder die Polizei. Sie waren immer in Bewegung und machten damit deutlich, dass die Geschäfte außerordentlich gut liefen. Kunden, die die Dienstleistung von Convoy Inc. in Anspruch nehmen wollten, erhielten meist die Antwort, alle Schiffe seien bis auf weiteres ausgebucht. Die Logistik käme im Augenblick nicht nach, aber man würde bald Erweiterungsmaßnahmen treffen – so lautete die stets gleiche Antwort, wenn jemand nachfragte. Jenen, denen es gelang, einen Transport zu buchen, mussten mehrere Tage warten und dann hohe Preise bezahlen. Die Kunden jedoch, die das Glück hatten, eines der Schiffe zu buchen, zeigten sich mit der erbrachten Leistung vollends zufrieden. Mitunter sorgte das verwegene Aussehen von Piloten und Mannschaft für reichlich Gesprächsstoff, was dazu beitrug die Bekanntheit des Unternehmens zu fördern. Außerdem mussten es tollkühne Menschen sein, die diese Jobs übernahmen. Immerhin führte ihre Arbeit sie zuweilen bis in die entlegensten Winkel Asgaroons, wo es Piraten und anderes Gesindel gab. Und Piloten, die damit fertig werden konnten, stellte man sich eben genau so vor. Es hatte sich bald herumgesprochen, dass Convoy Inc. Lieferungen auch in umkämpfte und unsichere Gebiete machte. Bald galt es unter den Vanethern als schick, diesen Kurierdienst zu ordern, speziell wenn es um heiße Ware ging, die man einem etablierten Dienst nicht anvertrauen wollte.

Während die fünfzig Schiffe von Convoy Inc. unentwegt auf den Verkehrsrouten Vanethas umherflogen und durch ihr auffallendes Äußeres viel Aufsehen erregten, tauchten zur selben Zeit in der höheren Gesellschaft und im mondänen Nachtleben Vanethas zwei äußerst attraktive junge Frauen auf, die, ohne dass man ihnen viele Hindernisse in den Weg stellte, Einlass in die exklusiven Clubs und damit in die besseren Kreise dieser Welt fanden. Dort wurden sie als exotische Attraktionen herumgereicht, wie Wanderpokale. Eine Einladung folgte der anderen. Die Damen der feinen Gesellschaft fanden in den beiden Frauen starke Konkurrenten in Modeangelegenheiten, denn niemals tauchten sie zweimal in denselben Kleidern auf und sie ließen sich diese Extravaganz offenbar eine Menge kosten. Und wie sich bald herumsprach, waren sie gute Kunden von einem der einflussreichsten Modedesigner auf Vanetha. Es bestand kein Zweifel: die Zwei waren schön, hatten Geschmack, waren geschäftstüchtig und ihr Unternehmen erfolgreich. Nichts würde sie aufhalten, um ihren Aufstieg in die Reihen der vornehmsten Bürger der Stadtwelt fortzusetzen.

Kapitel 3

Es dauerte nicht lange und die beiden Schwestern hatten Zeff Coleman kennengelernt. Den ältesten Sohn von Culver Coleman, der zu den einflussreichsten und bedeutendsten Kunstsammlern und Industriellen Vanethas gehörte, der auf diesem Planeten und auf anderen Metropolwelten, Museen und Galerien besaß. Sie trafen ihn zuerst auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung, im mondänen Oregon Bezirk der Stadtwelt, und hatten sehr schnell seine ungeteilte Aufmerksamkeit. Er war groß und schlank, seine Schultern breit, die Haut braun gebrannt. Beides verriet, eine gewisse Eitelkeit und eine Lebensweise, bei der die Arbeit nicht die Hauptrolle spielte. Das blonde Haar war streng nach hinten gekämmt und zu einem kurzen Zopf zusammengebunden, der von einen schwarzen Lederband gehalten wurde. Man konnte durch den weißen Gehrock erkennen, dass er seinen Körper bei intensiven sportlichen Aktivitäten trainiert hatte. Der junge, gutaussehende Mann ahnte vermutlich nicht, dass er dieses erste Treffen keineswegs dem Zufall zu verdanken hatte und war ganz Augenscheinlich so angetan vom Aussehen und dem Charme der beiden Frauen, dass er sie zu diesem Ball einlud, der heute auf dem Dach des Coleman Firmengebäudes stattfinden sollte.

Yadina dachte gerne an diesen Abend zurück. Der junge Mann hatte ihr gefallen und eine Zeit lang bedauerte sie es, dass er lediglich ein Teil ihrer Planungen war und sie ihn danach nie wiedersehen würde.

Ein schnittiger Gleiter stand vor dem Portal des kleinen, leerstehenden Hochhauses, das den Schwestern als Wohnung und als Stützpunkt ihrer florierenden Firma diente. Eine schlanke, bildhübsche Frau stieg aus, gekleidet in eine adrette grausilberne Uniform.

Zeelona und Yadina stiegen in ihren eleganten Abendkleidern ein und das Gefährt sauste davon. Nach einem kurzen Flug über das endlose Häusermeer kam der Turm der Coleman Company in Sichtweite. Die gläserne und verchromte Fassade schillerte wie ein Diamantkollier im Licht der Abendsonne. Die Party fand auf dem weitläufigen Dachgarten des Gebäudes statt. Der Garten war sicherlich das Werk eines talentierten Künstlers und Architekten, denn er war kunstvoll in Terrassen angelegt worden und schloss auch Teile der steil aufragenden Fassaden mit ein, so dass man glauben konnte, die dichte Vegetation fließe in Kaskaden wie ein grüner Wasserfall an den Wänden herab.