7,99 €
Marie, Buchhändlerin Mitte vierzig, lebt sehr bieder mit Ehefrau Irene und Hund Suse im Heidelberger Reihenhäuschen. Sie ist eine unsichere Person, immer bestrebt, es allen recht zu machen. Aus heiterem Himmel bekommt sie plötzlich rätselhafte Briefe, die Informationen über ihre Eltern enthalten. Marie fühlt sich manches Mal beobachtet, sie hat keine Vorstellung, wer der Absender der Nachrichten sein kann. Ihre Mutter ist tot, ihr Vater, dessen liebloser Umgang mit ihr tiefe Spuren in ihrer Seele hinterlassen hat, lebt dement im Pflegeheim. Marie, die zu ihren Eltern nie ein gutes Verhältnis hatte, sich stets unzulänglich vorkam, ist von den Briefen, die sie Irene gegenüber verschweigt, gleichermaßen in Angst versetzt wie fasziniert. Immer tiefer gerät sie in den Bann eines Spiels, in das der oder die BriefeschreiberIn sie verwickelt. Nach dem Prinzip des Geocachings werden für Marie kreuz und quer in Deutschland kleine Plastikdosen versteckt, deren Inhalt nach und nach ein dunkles Familiengeheimnis enthüllt. Es hat mit ihren Eltern und deren Flucht aus der DDR zu tun.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 207
Veröffentlichungsjahr: 2014
Jule Blum, Elke Heinicke
Inhaltsverzeichnis
Titelseite
Auf der Spur
Zum Buch
Glossar
Startkoordinaten
Stage 1
Stage 2
Stage 3
Stage 4
Stage 5
Stage 6
Stage 7
Stage 8
Stage 9
Stage 10
Stage 11
Stage 12
Stage 13
Stage 14
Stage 15
Stage 16
Stage 17
Stage 18
Stage 19
Stage 20
Final
Zu den Autorinnen:
Weitere Thriller aus unserer Thrillerreihe
Impressum
konkursbuch Verlag Claudia Gehrke
Buchhändlerin Marie lebt ein ruhiges Leben in einer Heidelberger Reihenhaussiedlung.
Plötzlich bekommt sie rätselhafte Briefe, ohne Absender, ohne Briefmarke. Sie enthalten verwirrende Informationen über ihre Eltern, Anleitungen und Koordinaten. Waren ihre Eltern wirklich die Menschen, die sie kannte?
Marie lebt mit Frau und Hund, ihr Leben war bisher wenig aufregend, ausgeglichen, die Beziehung stabil.
Dann erhält sie diese unheimlichen Briefe. Fühlt sich außerdem beobachtet. Dass ein Stalker es ausgerechnet auf sie abgesehen hat, kann sie sich nicht vorstellen. Die Briefe beinhalten Fotos und Andeutungen über ihre Eltern aus der Zeit vor ihrer Geburt. Marie hat keine Idee, wer ihr solche Nachrichten schicken könnte. Ihre Mutter ist tot, ihr Vater, dessen liebloser Umgang mit ihr tiefe Spuren hinterlassen hat, lebt dement im Pflegeheim. Von den Briefen, die sie ihrer Frau Irene gegenüber verschweigt, ist sie gleichermaßen in Angst versetzt wie fasziniert. Ein Abenteuer beginnt, das ihr bisheriges Leben auf den Kopf stellt.
Immer tiefer gerät sie in den Bann des Spiels, in das der oder die unbekannte BriefeschreiberIn sie lockt. Nach dem Prinzip des Geocachings werden für Marie kreuz und quer in Deutschland kleine Plastikdosen versteckt, die sie in ihre Vergangenheit führen. Doch das Spiel wird immer gefährlicher.
Der Geocaching-Thriller!.
GPS: handliches Navigations- und Ortungsgerät, mit dem anhand von Koordinaten bestimmte Orte gefunden werden können
Waypoint: Wegpunkt, der durch die Angabe von zwei Koordinaten genau bestimmt ist
Koordinaten: Beschreibung jedes beliebigen Punktes auf der Erde durch die Angabe von geografischer Breite und Länge
Geocaching: elektronische Schatzsuche mit GPS, Näheres unter www.geocaching.com
Lost Places: verlassene, oft verfallene Orte oder Gebäude, an denen ein Cache versteckt ist
Multi: ein Geocache, der aus mehreren Abschnitten/Stationen/Stages und dem Finale/Final besteht
Stage: Station eines Multicaches
Nachtcache: Cache, bei dem die Stationen oft mit kleinen Reflektoren gekennzeichnet sind und der deshalb nur nachts gesucht werden kann
Publishing: Veröffentlichung eines Caches im Internet
Mystery: Cache, bei dem die Koordinaten durch das Lösen von Rätseln gefunden werden müssen
Geländewertung: die Erreichbarkeit eines Caches wird mit einem (mit Rollstuhl zu bewältigen) bis fünf (spezielle Ausrüstung wie Kletter- oder Tauchausrüstung erforderlich) Sternen bewertet
Final: Versteck am Ende eines Multicaches, wo dann das Logbuch zu finden ist
Logbuch: Heft, Buch, Papierstreifen o.Ä. in jeder Cachedose, in das sich Cacher nach dem Fund einschreiben. Dieser Eintrag ist Voraussetzung für den Logeintrag im Internet
Tradi (traditional cache): Cachebehälter, meistens aus Plastik, in verschiedenen Größen, dessen Versteckkoordinaten direkt im Listing angegeben sind
Loggen: meint sowohl den Eintrag im Logbuch wie auch den im Internet
Listing: Beschreibung eines Caches im Internet
Finster ist es um sie, tintige, undurchdringliche Schwärze. Ängstigendes Dunkel, ihr ist heiß und sehr übel. Beklemmende stickige Enge, sie kann sich kaum rühren. Sobald sie versucht, den Kopf nach vorne zu drehen, stößt sie mit der Nase an die Decke ihres Gefängnisses. Die Arme, gegen die Rippen gepresst, drücken ihr die Brust zusammen. Das Atmen fällt schwer, es riecht beißend. Benzin und Abgase kratzen im Hals. Sie müsste husten, die Lunge frei bekommen. Doch sie ist so müde. Unendlich müde. Immer wieder dämmert sie weg, fort aus dieser Bedrängnis, der Finsternis. Immer wieder weicht die erstickende Angst für einen Augenblick friedlicher, heller Weite, Sonne, Luft.
Oh, bitte, Luft, sie hat das Gefühl zu ersticken, muss würgen, zum Glück ist der Magen leer, und nur ein wenig bittere Galle steigt die Kehle hinauf. Ruhig sein soll sie, Dutzende Male wurden diese Worte wiederholt, ruhig, still wie ein Mäuschen, sonst geschehe ein Unglück. Nicht nur für sie, sondern auch für alle anderen. Also bleibt sie stumm, schluckt jeden Laut hinunter, zusammen mit dem widerlichen Geschmack in ihrem Mund, der Angst und ihrem brennenden Verlangen nach Luft.
Urplötzlich wird es laut, ein quälendes, dumpfes Klopfen, das stetig näher kommt. Jemand hämmert direkt über ihrem Gesicht, es fühlt sich an, als schlage man ihr auf die Stirn. Und schon im nächsten Augenblick wird es gleißend hell. Die Augen schmerzen, sie kneift sie fest zusammen.
Luft, wunderbar kühle, frische Luft, mit der sie gierig ihre Lungen füllt. Als der hölzerne Deckel ihres Käfigs zerbirst, ritzt ein scharfkantiger Splitter ihre Wange. Warmes Blut quillt aus der Wunde, wie die Tränen aus ihren gequälten Augen. Kräftige Arme in rauem Uniformstoff greifen nach ihr, heben sie hoch, sie hört barsche Stimmen und weiter entfernt den verzweifelten Schrei ihrer Mutter.
Noch ehe sie den Kopf wenden kann, kommt die Dunkelheit zurück, unaufhaltsam und rasch. Freundlich und sanft nun, wie eine gütige alte Amme, legt sie ihr lindernd schwarze Hände auf die schmerzenden Augen und zieht sie sachte aus Lärm und Hitze hinüber in lichtlose Weiten.
Dunkel geränderte blassgraue Wolken schieben sich betont gelangweilt über den Himmel. Es nieselt, und wäre es nicht ein wenig schwül, ließe sich fast vergessen, dass bereits Juni ist. Frühsommer, eigentlich. Marie trottet den ausgefransten Straßenrand entlang. Noch immer gibt es zwischen Bushaltestelle und Reihenhaussiedlung am Wäldchen keinen durchgehenden Fußweg. Versprochen war der noch für dasselbe Frühjahr, in dem sie eingezogen waren. Jahre ist das nun her. Allerdings wird hier ohnehin nur mit dem Auto gefahren, Papa mit dem Audi oder BMW in die Firma, Mama kutschiert mit dem Kleinwagen zum Einkaufen und die Kinder zum Reiten und Fußball, zur Musik- und Ballettschule. Nur Marie und Irene weigern sich standhaft, ein zweites Auto anzuschaffen. Stattdessen wird tagtäglich ausgehandelt, welche die besseren Gründe für die Nutzung hat. Heute hat Irene gewonnen, denn sie will gleich nach der Arbeit mit dem Hund zur Tierärztin. Die Impfungen müssen mal wieder aufgefrischt werden, eine Wurmkur steht auch an.
Der Weg scheint sich für Marie ins Endlose zu dehnen, und im Takt ihrer müden Schritte verspottet sie ein alter Reim ihrer Kindertage.
Marie, Marie, schnell ist sie nie.
Ihr Vater erfand für jede erdenkliche Situation den passenden Vers, königlich amüsiert über ihren vehementen Protest, der sich zu regelrechten Wutausbrüchen steigern konnte. Er stachelte sie auf, bis irgendwann die Mutter eingriff und sie beide mit wenigen kühlen Worten zurechtwies.
Marie, Marie, schnell ist sie nie.
Marie ärgert sich über den Vater in ihrem Kopf, kneift kurz die Augen fest zusammen. Lalala, tonlos singt sie gegen die Stimme an. Manchmal hilft das. Trotzdem treibt sie sich selbst etwas an, strebt ein klein wenig schneller heimwärts durch einen grauen Tag, der nichts Besonderes mehr verspricht. Und schon biegt sie in den Kastanienweg, an dem eigenartigerweise kein einziger dieser Bäume wächst. Von Weitem leuchtet der weiße Briefkasten an der Gartenpforte. Erst wenn man direkt davor steht, fällt die winzig kleine Regenbogenfahne auf, die Irene letzten Sommer draufgeklebt hat.
Sollen doch alle sehen, dass wir anders sind, ein bisschen wenigstens, hat sie gemeint.
Marie öffnet den Briefkasten. Die ihr entgegenstürzende Werbung ist das, was sie erwartet hat. Mit geübtem Griff fängt sie die Werbeflut auf, nur die Postkarte eines bekannten blaugelben Möbelhauses segelt zu Boden. Sie unterdrückt ein ärgerliches Schnaufen, bückt sich und bemerkt erst beim Wiederaufrichten einen im Kasten stecken gebliebenen wattierten Umschlag. Sie entsorgt die Werbepost direkt in die Papiertonne, zerrt den dicken Brief aus dem Kasten. Ein großes braunes Kuvert, mit Adressaufkleber, ohne Absender. Weder privat noch offiziell.
Im Flur reißt sie den Brief auf. Die Handschrift kommt ihr so gar nicht bekannt vor. Dabei ist sie recht markant, eckig und groß, weit ausholend, nimmt eine Menge Raum ein. Hätte Marie die Schrift bereits einmal gesehen, würde sie sich bestimmt daran erinnern. Viel hat der Absender allerdings nicht geschrieben, auf einem gefalteten karierten Blatt steht lediglich ein Datum, das ihr erst mal nichts sagt. 15. März 1961, das war Jahre vor Maries Geburt.
In dem Briefbogen liegt, sorgsam in eine Plastikhülle verpackt, ein Foto in Postkartengröße, ein Hochzeitsbild. Die Personen kommen Marie vage bekannt vor, oder bildet sie sich das nur ein? Doch. Auf den zweiten Blick ist sie so gut wie sicher: Das müssen ihre Eltern sein. Und könnte der 15. März ihr Hochzeitstag gewesen sein? Ihr fällt plötzlich auf, dass sie noch nie ein Hochzeitsfoto ihrer Eltern gesehen hat. Und nie haben die beiden ihren Hochzeitstag gefeiert.
Marie zieht fröstelnd die Schultern zusammen, als läge dieser heutige graue Tag im November und nicht im Juni. Was für ein merkwürdiger Brief. Schlagartig wird sie sich der immer noch halb offen stehenden Haustür bewusst und wirft sie mit einem Knall ins Schloss. Dumpf hallt es durch das leere Haus. Irene, Suse, wo bleiben sie nur? Selten hat sich Marie so einsam gefühlt in dem kleinen Reihenendhaus im Kastanienweg mit dem winzigen Regenbogenaufkleber am Briefkasten.
Der heutige Tag gehört Marie. Nur ihr. Manchmal hat der Job durchaus seine Vorteile. Auch wenn sie ihn regelmäßig verflucht, sobald sie am Samstag früh aus den Federn muss, während Irene sich noch einmal genüsslich umdreht. Für alle anderen beginnt das Wochenende spätestens am Freitagabend. Nur eben für Marie als Buchhändlerin nicht.
Wenigstens hat sie inzwischen eine Fünftagewoche. Lange genug war sie selbst Inhaberin eines Frauenbuchladens, hat am Ende nur noch allein im Geschäft gestanden, jeden Tag, jede Woche von Montag früh bis Samstagnachmittag. Den Sonntag füllten Buchhaltung und Papierkram. Als sie am Monatsende trotz allem immer häufiger rote Zahlen geschrieben hatte, war von Irene ein Machtwort gekommen. Erst war Marie sauer, aber nun ist sie längst froh, dass sie damals den Absprung geschafft hat, ohne sich völlig zu verschulden.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
