Augenbilder - Monika Held - E-Book
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Augenbilder E-Book

Monika Held

4,9

Beschreibung

Liza ist Fotografin und genießt ein Leben voller Intensität und Leidenschaft: Auf ihren Reisen um die Welt lernt sie verschiedene Kulturen kennen, geht neue Freundschaften ein und wird hin und wieder von fremden Männern verführt ... Eines Tages entdeckt Liza nach einer Reise auf einem Film ein Negativ von einem Bild, das ihr fremd ist, von dem sie genau weiß, dass sie es nicht gemacht hat. Unter ihrem Blick fängt dieses Bild an, eine ungeheuerliche, gleichwohl merkwürdig vertraute Geschichte zu erzählen. Obwohl sich Liza gegen diese immer häufiger über sie hereinbrechenden fremden Gedanken und Assoziationen wehrt, wird ihr allmählich klar, dass alles in ihrem Leben nach Veränderung drängt ... Ein Spiel mit weiblichen Identitäten, ein sprachlich furioser Roman voller Erotik und Körperlichkeit, voller Rätsel und Poesie, voller surreal verdichteter Bilder und einer Sprache, die gefangen nimmt. Eine neue Stimme, ein vielschichtiges literarisches Debüt.

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Seitenzahl: 288

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Inhalt

CoverÜber das BuchÜber die AutorinTitelImpressumWidmung123456789

Über das Buch

Liza genießt ein Leben voller Intensität und Leidenschaft. In ihrem Beruf als Fotografin reist sie von Auftrag zu Auftrag um die Welt,ihre wechselnden Beziehungen zu Männern sind lustvoll und bedingungslos, den Frauen ist sie eine ebenso treue wie anspruchsvolle Freundin. Eines Tages entdeckt Liza nach einer Reise auf einem Film ein Negativ von einem Bild, das ihr fremd ist, von dem sie genau weiß,dass sie es nicht gemacht hat. Unter ihrem Blick fängt dieses Bild an, eine ungeheuerliche, gleichwohl merkwürdig vertraute Geschichte zuerzählen. Obwohl sich Liza sich gegen diese immer häufiger über sie hereinbrechenden fremden Gedanken und Assoziationen wehrt, wird ihr allmählich klar, dass alles in ihrem Leben nach Veränderung drängt … Ein Spiel mit weiblichen Identitäten, ein sprachlich furioser Roman voller Erotik und Körperlichkeit, voller Rätsel und Poesie, voller surreal verdichteter Bilder und einer Sprache, die gefangen nimmt. Eine neue Stimme, ein vielschichtiges literarisches Debüt.

Über die Autorin

Monika Held: Aufgewachsen in Hamburg und Cuxhaven. Lehre als Verlagskauffrau, Volontariat bei der Hannoverschen Presse. Arbeit fürs Radio, Autorin der Zeitschrift Brigitte. Für ihre publizistische Arbeit über das Kriegsrecht in Polen und die Hilfstransporte zu den Überlebenden von Auschwitz wurde sie mit der polnischen Solidarnosc-Medaille ausgezeichnet. »Der Schrecken verliert sich vor Ort« ist ihr dritter Roman. Bei Eichborn erschienen »Augenbilder« und »Melodie für einen schönen Mann«. Monika Held lebt in Frankfurt am Main.

Monika Held

Augenbilder

Roman

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe

des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Copyright © 2003 / 2015 by Eichborn in der Bastei Lübbe AG, Köln

Lektorat: Doris Engelke

Covergestaltung: Jeannine Schmelzer unter Verwendung von Motiven von © Regina Kehn

E-Book-Produktion: Dörlemann Satz, Lemfröde

ISBN 978-3-7325-1658-2

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

1

Langsam schiebt ihr das Laufband ein Gesicht entgegen. Ein nackter Schädel. Strenge Augen. Der Mann sieht sie an, als erwarte er ihren Gruß. Für einen Augenblick ist sein Gesicht ihr nah. Ein spitzes Kinn. Ein sanfter Mund. Das Band zieht ihn an ihr vorbei zu den Flugzeugen, die in dieser Nacht noch starten werden. Sie sieht ihm nach. Sie weiß, dass der Mann sich umdrehen wird. Seine Stirn mit steilen Falten. Sein weißer Bart. Sie wird ihn nicht grüßen, aber sein Gesicht gehört nun ihr. Sie lächelt wie nach einem gelungenen Diebstahl.

Liza war ein kleines Mädchen, als sie entdeckte, dass sie Fotos mit den Augen machen kann. Auf den Jungen, der ihr im Kindergarten die Faust in den Magen schlug, hat sie gewartet, bis er eines Tages ohne seine Kinderfrau vor ihr stand. Dann warf sie ihm den Stein, den sie für ihn ausgesucht hatte, an den Kopf. Sein Gesicht verzerrte sich. Es sah vollkommen dämlich aus. Sie sah einen aufgerissenen Mund, eine lächerlich flatternde Zunge. Liza war fünf Jahre alt und hätte nicht erklären können, was sie in dieser Sekunde begriff: Die Welt besteht aus Bildern. Milliarden Motive, die nur darauf warten, dass sie den richtigen Ausschnitt wählt. Ihr war schwindlig vor Glück. Der aufgerissene Mund des Jungen, seine starren Augen, die flatternde Zunge – das waren ihre ersten Augenbilder. Dann muss er an ihrem Blick gesehen haben, dass sich an seinem Kopf etwas veränderte. Liza sah, wie sich die Augen des Jungen noch einmal veränderten, als er das Blut fühlte. Dann schrie er.

Liza, was hast du dem Peterle getan? Nichts, Mama, er lügt. Es hat nicht wehgetan, ich habe es genau gesehen. Es war nur Angst vor dem Blut. Du hast einen bösen Kern, mein Kind. Liza stellte sich einen weißen Kirschkern vor, den sie ausspucken kann, wenn sie ihn nicht mehr braucht. Zur Strafe schrieb sie hundertmal: Ich habe einen bösen Kern.

Sie zieht ihren Koffer mit der Kamera-Ausrüstung durch die große Halle zur Gepäckausgabe. Flüchtig streifen ihre Augen über die Werbeflächen, deren Motive auf jedem Flughafen der Welt die gleichen sind. Uhren, Autos, Computer, Kosmetik. Vor dem Plakat mit der wuchtigen Mauer bleibt sie einen Augenblick stehen. Die Mauer ist glatt und abweisend, als wollten sich die, die hinter ihr leben, vor aufdringlichen Besuchern schützen. Statt Zinnen sitzen schwarze Vögel auf der Mauer, starr wie Skulpturen. Liza liest: Besuchen Sie unsere Marmorstadt. Warum nicht? Der Auftrag, das hektische Tanger zu fotografieren, geht gerade zu Ende. Noch hat sie keinen Folgeauftrag. Warum soll sie nicht irgendwann Bilder von einer Stadt machen, die mit blanker Kälte wirbt.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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