Aus dem Weg geräumt - Horst Bieber - E-Book

Aus dem Weg geräumt E-Book

Horst Bieber

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  • Herausgeber: BookRix
  • Kategorie: Krimi
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2019
Beschreibung

Kriminalroman von Horst Bieber Der Umfang dieses Buchs entspricht 107 Taschenbuchseiten. Michael Dammberg, erfolgreicher Unternehmensberater in München, will seinen alten Schulfreund Stephan Henschel besuchen, der in einem Nest an der Ostsee lebt. Dammberg und seine neue Freundin Sabine Köhler wollen auf dem Weg in einen gemeinsamen Skandinavien-Urlaub bei Henschel übernachten. Sabine Köhler erscheint pünktlich, aber Dammberg kommt nicht. Tagelang kein Lebenszeichen von ihm, aber auch kein Hinweis auf einen Autounfall. Sabine Köhler, Stephan Henschel und Dammbergs Sekretärin telefonieren tagelang vergeblich hinter ihm her. Dann wird Dammbergs Auto in einem Wald am Schliersee gefunden, mit Blutspuren auf dem Fahrersitz. Der Frauenheld Dammberg bleibt verschwunden. Es gibt eine Reihe von früheren Bekannten, die mit ihm noch größere oder kleinere Hühner zu rupfen hätten. Man fängt an, sich gegenseitig zu verdächtigen...

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Seitenzahl: 113

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Horst Bieber

Aus dem Weg geräumt

Cassiopeiapress Kriminalroman

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Aus dem Weg geräumt

Kriminalroman

von HORST BIEBER

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 107 Taschenbuchseiten.

 

Michael Dammberg, erfolgreicher Unternehmensberater in München, will seinen alten Schulfreund Stephan Henschel besuchen, der in einem Nest an der Ostsee lebt. Dammberg und seine neue Freundin Sabine Köhler wollen auf dem Weg in einen gemeinsamen Skandinavien-Urlaub bei Henschel übernachten. Sabine Köhler erscheint pünktlich, aber Dammberg kommt nicht. Tagelang kein Lebenszeichen von ihm, aber auch kein Hinweis auf einen Autounfall. Sabine Köhler, Stephan Henschel und Dammbergs Sekretärin telefonieren tagelang vergeblich hinter ihm her.

Dann wird Dammbergs Auto in einem Wald am Schliersee gefunden, mit Blutspuren auf dem Fahrersitz. Der Frauenheld Dammberg bleibt verschwunden. Es gibt eine Reihe von früheren Bekannten, die mit ihm noch größere oder kleinere Hühner zu rupfen hätten. Man fängt an, sich gegenseitig zu verdächtigen...

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / Cover: polifol/123RF, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

Personen

Stephan Henschel: Autor, lebt in dem kleinen Ort Leukesdorf an der Schleswig-Holsteinischen Ostseeküste

Michael Dammberg: Unternehmensberater in München, ein alter Schulfreud Henschels

Mania Sänger: Dammbergs „frühere“ Freundin, noch früher mal mit Henschel liiert

Ulrike Andersen: Dammbergs Sekretärin in München

Sabine Köhler: Dammbergs „neue“ Freundin

Lore und Gerd Jantusch: Freunde von Henschel, haben ein Wochenendhaus in Leukesdorf

Pepe: Spielt den Laufburschen für einen Rotlichtfürsten, genannt Pascha, aus Hannover, den die sexy Schwestern Belinda und Melinda an die Küsten ziehen

Puco: Pepes arbeitsloser Bruder, Tagelöhner und Jobber, unter anderem Zeitungsausträger und Auslieferer für den Supermarkt

Jens Peters: Dorfpolizist in Leukesdorf

Alle Namen und Taten, Personen und Ereignisse, Geschäfte und Organisationen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

Erstes Kapitel

Es würde ein wunderschöner Sommertag werden, wolkenlos und warm. Die Sonne war im Osten schon über den Horizont geklettert. Auf der Landstraße fuhren nur wenige Autos noch mit Licht. Die Häuser links und rechts lagen noch im Dunkel. Stephen Henschel war müde und übernächtigt, unrasiert, er gähnte während des Fahrens und hatte Last, das Steuer ruhig zu halten. Wach hielt ihn vor allem der Gedanke, dass es sich gelohnt hatte. Er wäre auch noch länger geblieben, wenn nicht bei der letzten Pinkelpause zwei Topless-Damen frische Getränke gebracht und die vollen Aschenbecher weggeräumt hätten. Belinda und Melinda kannte er aus seinem Dorf und wo sie waren, konnte ihr Boss nicht fern sein. Und dem begegnete Henschel ausgesprochen ungern.

Auf der Straße kam ihm der Zeitungsbote Puco auf seinem Moped entgegen. Sie winkten sich zu. Henschel hatte es nicht mehr weit. Sein Haus lag noch vor dem Ortseingang, ein alter, aufgegebener und teilweise umgebauter Hof. Die ehemalige Scheune diente jetzt unter anderem als Garage.

Er fuhr das Auto in die Garage, holte seine Reisetasche heraus, und schloss das Haus auf. Dabei summte er zufrieden vor sich hin und bückte sich, um die Tageszeitung aufzuheben. Puco war immer pünktlich, was man von seinem Bruder Pepe nicht sagen konnte.

Henschel hing seine Jacke an der Garderobe auf, holte die Brieftasche heraus, fischte aus ihr und aus den Jackentaschen zahlreiche Geldscheine. In seinem Arbeitszimmer musste er noch das Licht anknipsen. Der Anrufbeantworter verzeichnete drei Gespräche, die er abhörte.

Während die Gespräche abliefen, ordnete er alles Geld aus der Reisetasche und der Brieftasche, zählte es flüchtig.

„Hallo, Stephan, hier spricht Michael. Ich möchte mich gerne bei dir einladen, das heißt, mich und meine Freundin Sabine. Sabine Köhler heißt sie. Wir fahren nach Norden, in den Urlaub, und würden gern die Nacht von Montag auf Dienstag bei dir verbringen. Nimm dir für den Montagabend bitte nichts vor, ich freue ich mich auf ein ordentliches Bier. Tut mir leid, dass ich dich so ohne Vorwarnung überfalle, aber den Grund erkläre ich dir am Montag. Tschüss.“

Das Gerät knackte, Henschel schüttelte nur den Kopf. Das war Michael Dammberg, wie er ihn seit der Schulzeit kannte: Monatelang absolute Funkstille, und dann ein Überfall ohne Vorwarnung.

Der zweite Anrufer gefiel ihm nicht besser:

„Guten Tag, Herr Henschel, Mellrich hier. Ich wollte Sie nur daran erinnern, dass Ihr Manu in der nächsten Woche bei uns eintreffen sollte. Sie hatten es mir fest versprochen, wir haben uns alle auf diesen Termin eingerichtet. Wiederhör'n.“

„Verdammt, ja, das hätte ich glatt vergessen.“ Wenn man allein lebte, durfte man auch Selbstgespräche führen.

Über den nächsten Anruf konnte er sich dann freuen: „Hei, Stephan, hier ist Lore. Wir haben dich heute morgen leider nicht angetroffen, aber wenn du heute rechtzeitig nach Hause kommst, schau' doch mal zum Essen bei uns vorbei. Gruß, auch von Gerhard.“

Henschel begann das Geld zu zählen, das er mitgebracht hatte, und zu kleinen Häufchen zu ordnen, es waren mehrere tausend Euro in meist Hundertern, Zweihundertern und vier Fünfhundertern. Er schloss das Geld in einer Schreibtischschublade ein, verließ das Arbeitszimmer und steuerte sein Schlafzimmer an.

Zweites Kapitel

Ungefähr zur selben Zeit saß Ulrike Andersen im Büro am Computer und tippte einen Brief vom Band ab. Auf dem Schreibtisch häufte sich Arbeit. Sie blätterte in dem Pultordner zur nächsten Korrespondenz und wollte gerade das Tonband weiterlaufen lassen, als die Tür zum Zimmer aufgerissen wurde. Mania Sänger stürmte herein, sichtlich geladen und wild fuchtelnd.

Ulrike setzte den Kopfhörer ab. Ihr Gesicht verriet, dass sie über den Besuch alles andere als erfreut war: „Guten Morgen, Frau Sänger.“

„Guten Morgen, Frau Andersen. Wo ist Michael?“

„Der Chef ist nicht da.“

„Das weiß ich selbst. Wo ist er?“

„Ich hab' keine Ahnung.“

„Was soll das heißen? Keine Ahnung? Sie werden doch wohl wissen, wo ihr Chef ist.“

„Nein, tut mir leid. Er ist in Urlaub gefahren.“

„Wie bitte?“

„Ja, in Urlaub. Er hat sich Freitagabend verabschiedet.“

„Und warum weiß ich nichts davon?“

„Das kann ich Ihnen nicht sagen.“

„Das ist doch – wohin ist er gefahren?“

„Nach Skandinavien – nein, nein, wirklich, Frau Sänger, er hat kein festes Ziel. Er will zwei Wochen durch Schweden und Norwegen bummeln, und in vierzehn Tagen muss er nach New York fliegen.“

Darauf trat eine Pause eine Pause. Mania lehnte sich auf dem Stuhl zurück; sie kochte vor Wut.

„Ich glaub' Ihnen kein Wort.“

„Was wollen Sie damit ...“

„Ich kenn' doch Michael. Der nimmt sein Handy mit ins Bett und unter die Dusche. Und Sie wollen mir einreden, er bummele einfach so durch die Weltgeschichte? Wo man ihn nicht erreichen kann?“

„Ich rede Ihnen gar nichts ein, sondern ... „

„Wir waren am Samstagabend verabredet. Aber wer nicht erschienen ist, war der liebe Michael. Einfach nicht gekommen. Ans Telefon geht er nicht, ruft auch nicht an, obwohl ich ihm den halben Anrufbeantworter und eine halbe Mailbox vollgeredet habe. Über sein Handy meldet er sich nicht. Bei ihm zu Hause öffnet keiner. Die Nachbarn wissen nicht, wo er ist.“

„Von einer Verabredung mit Ihnen weiß ich nichts, Frau Sänger, ich habe ihn am Freitagnachmittag zum letzten Mal gesehen und gesprochen, als er aus dem Büro ging.“

„Warum kann ich ihn über das Handy nicht erreichen?“

„Vielleicht hat er es abgestellt?“

„Abgestellt? Michael?“

„Er möchte im Urlaub nicht gestört werden.“

„Ach nein! Und das soll ich Ihnen glauben?“

„Warum nicht?“

„Für Ihren Chef würden Sie doch jeden Meineid schwören.“

„Das verbitte ich mir!“

„Ach was, regen Sie sich nicht auf! Sie wissen doch ganz genau, wo Michael steckt.“

„Da irren Sie sich.“

„Michael und einfach so durch Schweden und Norwegen bummeln! Das glauben Sie doch selber nicht.“

Ulrike rang mit sich, Manias Vorwürfe und Unterstellungen hatten sie doch erregt.

„Er war urlaubsreif.“

„Ach ja?“

„Und so, wie Sie sich hier aufführen, versteh' ich das sehr gut.“

Das hatte gesessen, Mania wurde bleich vor Zorn und sprang auf.

„Was fällt Ihnen ein?!“

„Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Und nun habe ich zu arbeiten, Frau Sänger.“

„Das wird Ihnen noch leid tun. So können Sie mich nicht ...“

„Am besten erzählen Sie das dem Chef, wenn er wieder zurück ist. In drei Wochen.“

„Das werde ich, darauf dürfen Sie sich verlassen. So nicht, liebe Frau Andersen.“

Sie schnappte sich ihre Handtasche und tobte aus dem Zimmer. Die Tür krachte ins Schloss.

Ulrike grinste schadenfroh. Nach einer Weile griff sie zum Telefon, drückte eine Kurzwahltaste und wartete eine Zeit lang.

„Guten Morgen, Chef, Ulrike hier. Es ist Montag, 11 Uhr 15. Falls Sie den Anrufbeantworter abhören: Mania Sänger war gerade im Büro und hat eine große Szene hingelegt, weil Sie sie am Samstagabend versetzt haben. Sie hat mir nicht geglaubt, dass ich Sie nicht erreichen kann. Schönen Urlaub noch! Ach, halt, vergessen Sie bitte die Verträge mit Gebrüder Wenger nicht. Wenger Senior hat schon zweimal angerufen, er ist sehr ungeduldig. Lutz hat einen Terminplan hingekriegt. Und denken Sie bitte daran, dass ich nur noch bis Freitag im Büro bin. Tschüss.“

Sie legte auf und fuhr mit dem Schreiben fort.

Drittes Kapitel

In Supermarkt hatten sich kleine Schlangen vor den Kassen gebildet. Henschel stand mit einem vollbeladenen Einkaufswagen hinter einer Frau, die gerade umständlich mit Münzgeld und vielen kleinen Scheinen zahlte, und packt seine Sachen schon auf's Band.

An der Kasse saß eine sehr junge Frau, eine Aushilfe, Schülerin oder Studentin.

Die Kundin vor Henschel war endlich fertig und ging.

Die Kassiererin grüßte ihn: „Hallo, Herr Henschel.“

„Tach, Kerstin.“

„War Ihr Kühlschrank endgültig leer?“

„Nee, ich kriege Besuch.“

„Hoffentlich netten.“

„Es geht.“

Sie hatte während des Dialogs die Ware ohne Unterbrechung über das Code-Lesegerät geschoben, er füllte einen Korb und zwei Netze.

„Alles gut gegangen?“

„Ja, alles glatt, vielen Dank, Kerstin. Und wenn Sie Pepe treffen – er hat einen Schein bei mir gut.“

„Nächstes Wochenende wieder?“

„Wahrscheinlich ja. Ich komme noch einmal vorbei.“

„Belinda und Melinda sind heute morgen gekommen.“

„Der Pascha auch?“

„Den habe ich noch nicht gesehen.“

Auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt schleppte Henschel den Korb und die beiden Netze stöhnend zu seinem Auto. Es war sonnig und warm. Die Frau, die vor ihm an Kerstins Kasse gezahlt hatte, packte noch immer umständlich den Kofferraum ihres Autos voll.

Viertes Kapitel

Auf der Bank neben der Haustür saß eine junge Frau und sonnte sich, als Henschel zurückkam. Ihr Auto, einen sehr betagten, beulenreichen und schon rostenden Kleinwagen, hatte sie mitten auf dem Hof abgestellt. Henschel parkte seinen Wagen direkt neben der Rostlaube. Nach einem Blick auf das Kennzeichen wusste er, dass der Besuch schon eingetroffen war. Sie stand auf und ging ihm entgegen: „Herr Henschel?“

„Ja, ich bin Stephan Henschel. Guten Tag.“

„Guten Tag, ich bin Sabine Köhler.“

„Michael hat Sie schon angekündigt. Freut mich, Sie kennenzulernen.“

„Michael ist noch nicht da?“

„Nein. Wollten Sie nicht zusammen kommen?“

„Ich hab' über's Wochenende meine Eltern besucht. Es wurde Zeit, mich bei ihnen mal wieder blicken zu lassen. Aber Michael wollte am Nachmittag hier sein.“

„Wenn Sie mit Michael befreundet sind, wissen Sie doch, dass er das Wort 'pünktlich' nicht buchstabieren kann. Manchmal habe ich den Eindruck, er kann auch die Uhr nicht lesen.“

„Da haben Sie leider Recht.“

„Er wird’s auch nicht mehr lernen, fürchte ich. Dann wollen wir mal.“

Er holte Korb und Netze aus seinem Wagen.

Sie nahm einen Koffer und eine Reisetasche aus ihrem Auto.

„Sie können Ihren Wagen in der Scheune abstellen.“

„Gerne.“ Er fuhr voran in die Scheune und sie folgte mit ihrem Zwergen-Methusalem. Gemeinsam gingen sie ins Haus. Dort verschwand er mit seinen Einkäufen in der Küche und nach kurzem Zögern ging sie ihm nach. In der Küche musterte er sie aufmerksam: „Sie sehen aus, als könnten Sie auch einen Kaffee gebrauchen.“

„Und wie!“

„Kaffee und Filtertüren sind in dem Schrank da oben.“

Sie füllte die Kaffeemaschine auf. Als sie fertig war, setzte sie sich an den Tisch und schaute ihm zu, wie er auspackte und seine Einkäufe in Kühlschrank und Tiefkühler einräumte.

„Ich hab' fast acht Stunden gebraucht.“

„Von wo?“

„Von Mettmann, das liegt bei Düsseldorf.“

„Acht Stunden? Wie viele Staus haben Sie denn erlebt?“

„Einen einzigen. Von Duisburg Kaiserberg bis hierher.“

„Großartig. Es wird immer schlimmer auf der Autobahn.“ Dabei gähnte er.

„Ich bin mal gespannt, wann Michael eintrudelt.“

„Wenn er heute morgen aus München weggefahren ist ...“

„Nein, nein, nicht aus München, er hatte über's Wochenende etwas in Karlsruhe zu erledigen.“

„Das ist auch nicht viel besser.“ Danach musste er wieder gähnen, und sie betrachtete ihn amüsiert, was ihm nicht entging, er lachte entschuldigend: „Ich war zwar nicht auf der Autobahn, bin aber auch erst heute morgen nach Hause gekommen.“

„Das tut mir ... und wir überfallen Sie so einfach.“

„Erstens werde ich's überleben, und zweitens bin ich bei Freund Michael nichts anderes gewöhnt.“

Sie kicherte nervös.

„Dann zeige ich Ihnen mal Ihr Zimmer. Womit sich die Frage erhebt, ob Sie ein oder zwei Zimmer belegen.“

Sie verstand seinen Satz nicht sofort, staunte ihn einen Moment an, schaltete endlich: „Ach, ich denke, mit Blick auf die Arbeit, die wir Ihnen machen, reicht ein Zimmer für uns.“

„Das ist ein sehr überzeugendes Argument.“

Er lachte sie an, was sie offen erwiderte.

In der Diele schnappte er sich ihren Koffer und die Reisetasche, viel hatte sie nicht eingepackt.

Auf dem Flur im ersten Stock setzte er die Sachen ab, öffnet eine Tür. „Ihr Bad.“

Sie nickte nach einem flüchtigen Blick.

An der nächste Tür ließ er sie vorangehen.

In einem großen Gästezimmer stand ein Doppelbett.

„Hoffentlich gefällt es Ihnen.“

„Das ist ja ein richtiger Palast.“

„Oh ja, und im Winter ist er auch so kalt wie eine Ritterburg.“

„Dagegen helfen Wärmflaschen und Zipfelmützen.“

„Die Anschaffung hab' ich mir bis jetzt aufgespart. Ich bin unten und warte mit dem Kaffee auf Sie; wenn was fehlt – laut rufen!“

„Mach' ich, danke.“

Henschel hatte den Kaffee und Tassen in einen großen Parterre-Raum gebracht, halb Wohnzimmer, halb Arbeitszimmer. Eine Front bestand aus Glastüren, die er jetzt weit öffnete. Sie führten auf eine geflieste Veranda, gleich dahinter lag ein großes Rasenstück. Auf der Veranda beschattete ein Sonnenschirm einen Tisch mit zwei Gartensesseln.

Henschel setzte sich an seinen Schreibtisch vor den Computer. Der Drucker daneben arbeitete und spuckte Blatt für Blatt aus. Unter der Tür erschien Sabine, stutzte, räusperte sich dann sehr laut.

Er drehte sich nach ihr um: „Nur herein. Der Kaffee ist fertig.“

Sie goss sich einen Becher voll. „Danke.“

„Wenn Sie sich raussetzen möchten – ich muss leider diesen Job hier noch ...“

„Gerne, lassen Sie sich nicht stören.“

Sie ging an ihm vorbei nach draußen und warf einen neugierigen Blick auf den Computer.

Der Druckauftrag war bald beendet, er sicherte und schaltete die Geräte aus. Dann schnappte er sich seinen Becher und ging nach draußen. Als er sich setzte, stöhnte er erleichtert: „So, das wäre auch geschafft.“

„Darf ich mal neugierig sein?“

„Aber immer!“

„Was haben Sie denn da gerade ausgedruckt?“

Er seufzte übertrieben: „Zwei Szenen aus einem Drehbuch.“

„Drehbuch? Sie schreiben Drehbücher?“

„Unter anderem, ja.“

„Toll.“

„Oh je, toll!“

„Wie meinen Sie das?“

„Toll ist gut! Sklavenarbeit, Fronarbeit ist das.“

„Na, na ...“

„Nein, wirklich, das ist harte Arbeit und kein Vergnügen. Hier wird nicht gedichtet oder die Welt verändert, hier wird produziert.“

Sie zweifelte an seinen Worten, wollte es aber nicht ausdrücken und lächelte ungläubig.