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In Aus gutem Haus gilt es vier Morde zu klären. Unter den Eisenbahn Viadukt in Aldgate macht ein spielender Knabe einen erschütternden Fund - den in Zeitung und Packpapier eingewickelten Torso einer Frau. Inspektor Pontius Lestrade von Scotland Yard in dieser Woche mit den nächtlichen Inspektionen der Wachstuben Aldgates an der Reihe, ist mit dem grässlichen Fall betraut. Die Spuren des grausamen Mordes führen aus einem feinen Haus Mayfairs zu barbarischen Kindermorden tief in die Slums des Eastend von London.
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Seitenzahl: 306
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Grace Madisson
Aus gutem Haus
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Inhaltsverzeichnis
Titel
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Impressum neobooks
Der Dichter und Raucher Klub in der Newburry Street unweit dem Bahnhof Paddington in Westminster ist einer der freundlichsten Orte in ganz London, den sich Lestrade vorstellen konnte. Dorthin konnte er gehen, wenn er das Bedürfnis hatte, jemandem von seinen seltsamen Empfindungen zu erzählen, oder etwas kundzutun das ihn belastete. Er erzählte von Mord und Totschlag von Leichen, die unentdeckt seit Wochen in einem Zimmer lagen und deren Anblicke ihn verfolgten. Im Gegenzug hörte er etwas von einem sehr guten Zahnchirurgen den Mister Burello in Hoxton entdeckt hatte, natürlich ein Deutscher, aus einem tieferen Sinne geborene Dentisten. Im DR-Klub konnte Lestrade, mit klarem Verstand seine Fallakten schreiben und der rhythmische Lärm der wie die Gezeiten auf und abschwoll und alles mit einem summenden Gemurmel erfüllte, störte ihn nicht sondern es gab ihm das Gefühl am Leben teilzuhaben.
Stille gibt es nicht und es gilt als ausgesprochen unfein sich den stillen Gedanken hinzugeben, man verlangt Scherze und Geselligkeit und das Teilen der Wasserpfeifen, während der Klub Stewart damit beschäftigt ist, die Pfeifenköpfe zu füllen. Mister Burello der Klubpräsident achtet auf die Heiterkeit und kümmert sich um die zweihundert Mitglieder des Klubs, bei, denen es nicht auf die Herkunft ankommt.
Nach den Klubregeln sind verboten, sich zur Politik zu äußern oder sich über die Pünktlichkeit der Eisenbahnen oder den täglichen wahnsinnigen Verkehrsstaus in der City zu beschweren. Humorvolle Episoden sind erwünscht und dazu ist jedes Mitglied verpflichtet, einmal im Monat ein Gedicht oder eine philosophische Erkenntnis oder ein erlebtes Fiasko zum Besten zu geben. Diese Deklamationen finden im Rauchsalon statt und sind der Höhepunkt nach den opulenten Diners der Klubgeselligkeit. Niemand ist aufgrund seiner Herkunft seiner Hautfarbe oder wegen seiner Religion von einer Mitgliederschaft ausgeschlossen, ausgenommen sind die polnisch russischen – die neuen Juden sowie Politiker.
Die Kandidaten müssen von einem Mitglied zur Mitgliedschaft nominiert werden und dann eine Prüfung bestehen, deren Natur die Eignung des Kandidaten auf Standhaftigkeit und Niveau zu testen erfüllt. First class Scotland Yard Inspektor Pontius Lestrade, oblag es splitterfasernackt nur mit einem Diensthelm auf dem Kopf den Verkehr für mindestens fünf Minuten auf einer der Hauptverkehrsadern Londons, der Whitechapel High Road zu lenken und zu dirigieren.
Mister Burello und die Sekundanten in fantasievoller Kostümierung gekleidet überwachten den Eignungstest. Lestrade wurde nach sieben Minuten verhaftet und am nächsten Tag von einem Mitglied des Klubs, dem ehrenwerten Polizei Richter Owens bei der Strafanhörung zum Mitglied ernannt. Das milde Urteil wegen groben Unfugs von fünf Pfund übernahm die Klubkasse. Das Aufnahmeritual ist so streng das der Dichter und Raucher Klub zu den exklusivsten Klubs gehört, die in Londons so fruchtbarer Klublandschaft existieren. Prominente gestalten wie Lord Victor Nelson wurden mangels Courage abgelehnt dafür aber der bekannte Geschäftsmann William Henry O Blunt, Besitzer mehrerer Fischgeschäfte in Whitechapel und eines Obst und Gemüseladen in Paddington zu einem der Sekundanten des Klubs ernannt. William Blunt hatte keine standesgemäße Herkunft aber dafür Eignung, sein Test war das Ausborgen von drei Polizeihelmen, die um Punkt Mitternacht im Klub zu sein hatten. Mister Blunt bewältigte diese Aufgabe mit Bravour, er brachte vier Polizeihelme. Er warf sich als Spring Helen Jack verkleidet von hinten auf die Polizisten und zog ihnen schnellstens die Helme vom Kopf und steckte seine Geschäftskarte in die Manteltaschen der völlig überrumpelten Polizisten mit der Bitte dieses Ausborgen nicht persönlich zu nehmen. Sich den Helm um 2:30 Uhr im Klub abzuholen, wo sie für die arge Unannehmlichkeit entschädigt würden. Blunt hatte einige Präsentkörbe mit Fisch und exotischem Obst bereithalten lassen. Er war ein Gentleman von Kopf bis zu den Sohlen, wenn man es an seinen Manieren auch nicht sofort erkannte oder an seiner Sprache vermutet haben würde.
Mit Lestrade befanden sich Frederick Hampton, William Samuel und Mister Burello an diesem Abend im Afghanen Zimmer. Saßen zusammen in den Sesseln rauchten Haschischpfeifen und unterhielten sich über die Verderbtheit der menschlichen Natur, die humoristischen Aspekte dieser Verderbtheit. Dieses Zimmer mit seinen getäfelten Wänden, gedämpften Lampen und schweren hellblauen Vorhängen war, der gemütlichste von dem runden halben Dutzend Zimmern die jedes nach einer Herkunftsangabe der Rauchdrogen benannt waren. Lestrade trank sein Glas Bier und hatte damit begonnen, seinen Klubfreunden eine kleine Begebenheit zu erzählen, deren Zeuge er gestern um die Mitternachtszeit an der Polizeistation Aldgate High Street geworden war, eine ausgesprochen merkwürdige Geschichte, die ihn persönlich in den dichten Nebel der Church Street gebracht hatte.
Eine ziemlich miese Gegend totenstill, ein Klub auf der einen Seite und ein fast unbewohnter Square, in dem vor über einem Jahr Jack the Ripper gemordet hatte. Als er nachts ankam, alarmiert von dem Polizisten auf Streifengang stand Lestrade, in einer der einsamsten Straßen Londons und sah die Leiche einer Frau. Toter als ein Türnagel, mit einem Klappmesser in der Vorderseite, die quer auf der Straße lag. Während in der Nähe ein Mann stand umringt von der Bürgerwehr und Polizisten und sich nicht bewegte. Lestrade hatte ihn gefragt, ob er noch etwas anderes tun, könne als Frauen in der Nacht zu ermorden.
Der Mörder habe geantwortet: »Warum mischen sie sich ein Sir? Warum mischen Sie sich in den Wortwechsel zwischen Mann und Ehefrau ein? Sie hat verdient, was sie gekriegt hat, Sir.«
Burello lachte schallend auf, er klopfte sich auf die stämmigen Schenkel und rief begeistert, »Verdient, was sie bekommen hat, hahaha das ist gut, das muss ich mir merken hahaha.«
Sir Frederick Hampton nickte anerkennend. »Ich frage mich, wie sie mit diesem grässlichen Elend und Leid umgehen. Der Mensch der kriminellen Klasse verursacht er ihnen keine Albträume Inspektor?«
»Nein man gewöhnt sich an sein Gewerbe, wenn man in der nicht beneidenswerten Lage ist, für seinen Lebensunterhalt arbeiten zu müssen. Der Boulevard mag tönen London sei ein Moloch, aber er ist ein friedlicher Moloch. Betrunkene und Diebstähle. Mord kommt höchst selten vor, 1890 gerade einmal 21 Morde und 17 davon innerhalb der Familie.«
Frederick Hampton nickte, der Inspektor war sein Klub Sekundant das bedeutete, er hatte ihn mit den Gepflogenheiten im Klub vertraut zu machen. Es gab sehr gewöhnungsbedürftige Bräuche. Am Freitag verpflichteten sich die Mitglieder auf Vorschlag von Mister Blunt prinzipiell nur Fisch, in all seinen Variationen zu verzehren. Ein Klubmitglied, das die Rolle des Sekundanten spielte, verpflichtete sich seinem Schützling beizustehen und Frederick Hampton zog Lastrades Namen aus der Lostrommel, ein Melonenhut. Ein Sekundant zu sein galt als ausgesprochen ehrenvolle Aufgabe.
»Ich muss gestehen ich, finde den Beruf eines Polizisten spannend das andere London, dass der elenden Gassen und der boshaften heimtückischen Verbrecher«, sagte Frederick entspannt und blies einen Rauchkringel an die Zimmerdecke.
Lestrade fand, dass er zu viel Kriminalromane las, seit Doyle die Naturwissenschaft in die Kriminalistik gebracht hatte versuchte es jeder mit Deduktion.
»Die meisten Verbrecher lassen sich fangen, weil sie strohdumm sind. Weit und breit kein Professor Moriaty der kongeniale Widerpart des Beliebten Mister Holmes in Sicht. Verbrecher sind gefasst worden, weil sie zu dumm zu guten Verbrechern sind.« Der Inspektor überlegte, »Gentlemen mit Stil trifft man sehr selten in den Zellen der Victoria Embankment in Scotland Yard. Die Guten lassen sich nicht so einfach erwischen. Ich nenne da als Beispiel die Juweleneinbrüche von Kingston. Sauber und schnell, kommen am Abend binden das Schutzgitter an eine gestohlene Droschke, reißen das Gitter heraus zerschlagen die Schaufenster und raffen zusammen, was zu raffen ist. Der Constable, der die Route abläuft, in einer vorgeschriebenen Geschwindigkeit von zwei eineinhalb Meilen die Stunde kommt meistens zu spät und der Fixpunkt, an denen von 6 Uhr bis 1 Uhr nachts ein Polizist anwesend sein muss, steht zu weit weg.«
Der ehrenwerte Klubpräsident George Burello nickte er hatte davon in den Zeitungen gelesen.
»Man schreibt, dass der letzte Einbruch Gold und Juwelen im Wert von 900 Pfund eingebracht hat.«
Lestrade schlürfte an seiner Pfeife und die behagliche Wärme der Geborgenheit und des Leichten breiteten sich in ihm aus.
»Nein mein lieber Barry multiplizieren sie das Mal zehn, die Versicherung will es nicht an die große Glocke hängen aus Angst vor Nachahmungstätern, aber ein 4-Karat-Diamant dürfte an die Tausend Pfund wert sein.«
Burello nickte und verzog sein pausbäckiges Gesicht zu einer ernsteren Miene. Durch die vielen Gespräche mit Lestrade geschult, meinte er, »ein Vertrauter mit der Örtlichkeit und den Geschäftsgepflogenheiten?«
Lestrade nickte er persönlich stimmte der Einschätzung zu, die Täter wussten, wann sich ein Einbruch lohnte. Der Neue im Klub wirkte nervös, an diesem Abend hatte Frederick Hampton seinen ersten großen Moment im großen Raucherzimmer dem Allerheiligsten waren bereits die Mitglieder versammelt und trommelten mit allem was ihnen zur Verfügung stand gegen die kleinen Rauchertische.
»MARY ... MARY ... MARY«, skandierten die Mitglieder den Spitznamen des zweiten Sohnes eines der unbedeutenden Lords, seine Aufnahmeprüfung war delikat gewesen. Als fette Prostituierte verkleidet hatte er sich auf der London Bridge tapfer geschlagen, die wenigsten hatten ihm das zugetraut und seitdem war sein Spitzname Mary. Er erhob sich faltete sein geometrisches Gedicht auseinander und schien zufrieden. Zugleich mit ihm erhoben sich die anderen und führten ihn wie in einer Prozession zur Bühne des Raucherzimmers.
Der Klubvorsitzende rief laut: »Gentlemen Mary Hampton eine Ode an die Unvergänglichkeit!«
Frederick schwankte die Stufen zum Rednerpodest empor und blinzelte in den verrauchten Qualm.
»Gentleman es, ist mir eine Ehre ihnen die Geburt eines Gedichts anzukündigen.«
Freddy verneigte sich nach drei Seiten und begann mit hoher Stimme zu deklamieren. »Die Steinherzen finden, aus den Augen grinst der Verrat. Äste würgen Stämme. Knochen stechen Haut. Berge stechen Wälder Fleisch Natur Steinwald Bergfleisch Steinherz Tod! Und nicht ein Kommata«, deklamierte er mit ausdrucksvollen Gesten und einer pantomimischen Darbietung die Lachsalven im Saal der berauschten Männer los stieß.
Lestrade klatschte begeistert wie die anderen die eine Zugabe verlangten dann sah er auf seine goldene Taschenuhr, und stand auf, er verabschiedete sich mit einem deprimierten Lächeln von Burello und erklärte bedauernd: »mein leidiger Dienst. Ich muss meine Inspektoren Runde durch die Wachhäuser Spitalsfield machen!«
Ein Spaziergang tat ihm gut, es war noch nicht spät erst kurz nach 10 Uhr abends. An der Paddington Railway Station wimmelte es von geschäftigen Menschen. Kaffeebudenbesitzer bauten ihre Kupfer Samoware auf, Pastetenverkäufer postierten sich um den Gehweg. Frittierte Kartoffeln zischten im Öl Sieb, Apfelverkäufer, Sandwichverkäufer. Die Hauptstraßen von London waren stets überfüllt von Fahrzeugen und Menschen. Droschken ratterten vorbei, andere Kutschen warteten an der Haltestelle vor der Paddington U-Bahn auf Passagiere. Hansom Cabs schlängelten sich elegant durch den zähen Verkehr. Die vollen Paddington Omnibusse in Richtung Kennington warteten hinter Fuhrwerken auf der verstopften Straße, zwei Constables bemühten sich, Ordnung in den dickflüssigen künstlichen Leib des Londoner Nahverkehrs, zu bringen. Die Luft war erfüllt von Geschrei der Händler, ein Paar Zeitungsjungen sprangen in die Omnibusse und verkauften ihre Illustrierten. Das Jahrhundert neigt sich deutlich dem Ende zu. Das Zeitalter der Dampfmaschinen wird nach und nach ersetzt durch die unsichtbare Kraft der Elektrizität. Das Embankment war bereits mit elektrischem Straßenlicht ausgestattet the Strand würde folgen, helleres klares Nachtlicht, es würden schwere Zeiten für die Verbrecher anbrechen.
Lestrade stieg auf den Bahnsteig der 1863 erbauten und somit der ersten U-Bahn der Welt, die von Paddington zur Farlington Road fuhr, mittlerweile gab es weitere Linien nach Kensington und Chelsea. Es war erstaunlich das unter Londons Gehwegen und Häusern tiefe Tunnel gegraben waren, die von einer Million Leute am Tag befahren wurden. Lestrade stieg in einen rumpelnden und quietschenden hölzernen Waggon nach Whitechapel und las die Werbeplakate. Patentierte Leberpillen Doktor Oxus, antriebsarm Müde lustlos, ganz lustlos ganz klar sie haben Leberprobleme 100.000 verkaufte Dosen Times Leser bedanken sich bei Doktor Oxus en duzend 2 Shilling. Zu bestellen Postbox 456-OXO Times. Er war in den Vierzigern, hatte eine beginnende Glatze, unter einer alten speckigen Melone versteckt. Ein glattes, leeres Gesicht und einen dunkelroten Schnurrbart. Im ersten Moment wusste man ihn nicht unterzubringen. Dann aber erinnerte etwas an seinem Gang und der ansonsten tadellosen nicht sehr teuren Kleidung an einen Beamten einen Polizisten er sah ungewöhnlich gewöhnlich aus. Er trug einen grauen Anzug, einen hellblauen Pigotts Mantel über dem Arm und einen Stock in der Hand. Er hatte ein ziemlich einfältig wirkendes Gesicht, mit breiter Boxernase das zur Unterschätzung geradezu heraus forderte. Lestrade hatte eine unaufdringliche, heisere Stimme und einen starken Cockney Akzent er war klein und sehr kräftig gebaut. Es waren die großen graublauen Augen in seinem pummeligen Schläger Gesicht, die wachen Intellekt verrieten. Strähniges und zu langes rotes Haar klebte feucht um die Stirn und verstärkte noch die Ähnlichkeit mit einem plumpen Landmann, den es in die große Stadt verschlagen hatte.
Das Eastend Londons war die Hölle der Armut einer der vergessenen Kreise in Dantes göttlichen Komödie irgendwo zwischen dritten und sechsten Kreis, Wollust und Zorn. Genau dort stieg er, mit dem Drang sich Doktor Oxus patentierte Leberpillen kaufen zu müssen aus. Wie ein schwarzer Riesenkrake lag es dort, die Armut Londons in lauernder Stellung. Die linke Seite der Themse, Rotherhite, Deptford, Peckham, Camembert, Lambeth, das andere London. Das East end war eine Welt für sich, getrennt vom Westend, wie der Hofhund vom Haus seines Herrn. Man liest selten vom anderen Teil, zuweilen, ist es nur eine weit entfernte Kolonie, mit fremden Sitten und Gebräuchen. Lestrade verließ die U-Bahn in Aldgate High Street dann drängte er sich durch die Menschen der Eingangshalle zu. An das Gitter des Eingangs gelehnt, eine Armee schreiender Newsboys, Schuhputzer, Blumenmädchen, Verkäufer aller Art und jeden Alters. Die Eile und das Gedränge des Lebens schienen sich verzehnfacht zu haben. Kaum vermochte er es sich durch das Gewühl von Menschen, Karren, die auf dem Gehweg standen, und entladen wurden, Lastwagen, deren Kutscher nicht von der Stelle kamen, von eiligen, Scharen von, Angestellten, Boten, Zeitungsjungen, Arbeitern sich von der High Street in Höhe des Three Nuns Hotel zur nahen Wache durchzudrängen.
Müde Arbeiter mit alten blauen speckigen Schirmmützen auf den Köpfen saßen in den Volksrestaurants und aßen schnell in überfüllten Räumen, mancher las die neueste Zeitung. Der gelbe Omnibus, Richtung Liverpool Street Station ratterten vorbei. Die Omnibusse schoben sich langsam, die Aldgate High Street empor. An den Haltestellen war das Menschengedränge enorm es wurde geschupst und gestoßen der Bus fuhr nach Holborn hinein. Der feuchte Nebel verschluckte die weniger interessanten Details in einen Mantel aus gnädiger grauer Milch. Das obere Drittel der High Street war bereits von ihm umhüllt. Die auf dem nassen Straßenpflaster stampfenden Pferdehufe entfernten sich. Alles eilte, nach Hause, zur Ruhe, zum Abendessen zur Familie in den Klub. Menschen jagten durcheinander, getrieben vom Wunsch schnell das tröstliche Heim zu erreichen. Junge Angestellte, kleine Lehrlinge, in den Uniformierungen des Eastend von London, grobes Wollzeug oft geflickt eine blaue Schirmmütze auf den Kopf ein Taschentuch um den Hals gebunden. Darunter einige Buchhalter, Geschäftsleute, Herren mit Zylinder in tadellosen schwarzen Gehröcken, mit Backenbart und einem Gesichtsausdruck, gemixt aus Hochmut und Erschöpfung sie hielten einem Gehstock in der Linken. Die Omnibusse hielten hier länger. Massen stieg aus und ein. Lestrade lief weiter vorbei an erschütterter Biederkeit bog in einen armseligen Straßenwinkel, in denen sich baufällige Häuser und viktorianische Anständigkeit schamhaft gegenüberstanden. Im Bricklayer Pub saßen die Geschlechter schon wieder lustig beisammen. Trinken war das natürliche nächtliche Vergnügen der Armen. Hemdsärmelige Halbwüchsige und Mädchen mit befedertem Hüten, den Ale, Gin oder Rum vor sich auf dem Plankentisch stehend, die Pfeife oder den qualmenden Zigarrenstumpen zwischen den Zähnen im Munde, die 1,5 Pence für das nächste Glas in der Tasche. Armut macht trunken und laut.
Mrs. Threody war erhitzt und außer Atem. Ihr Korsett engte sie ein, als steckte sie in einem mittelalterlichen Foltergerät, das ihr die Luft aus den Lungen quetschen sollte. Ihr ausladendes Kleid mit Rüschen und der Tournüre verlieh Mrs Threody von hinten das Aussehen eines Shire Brauereigauls.
»George Clarence Threody!«, rief Mrs. Threody wütend aus.
Ihr Sohn der achtjährige Clarence, ein blonder gelockter Engel im Matrosenhemd hörte nicht auf sie, er jagte weiter durch die Unterführung des Eisenbahntunnels in der Backchurch Lane als seien die Buren hinter ihm her. Es war eine unheimliche dunkle Gegend, in der es abscheulich stank, Mrs Threody verzog die Nase, es stank nach Urin, nach menschlichen Abwässern.
»Clarence! Sofort kommst du hierher! Du hörst, wenn deine Mutter dir etwas befiehlt!«
Aber Clarence, der Engel dachte nicht daran mit einem Ast in der Hand stürmte er von Pfeiler zu Pfeiler und seine Schritte knallten auf dem feuchten Pflaster wie Pistolenschüsse dabei machte er so komische summende Geräusche das Mrs Threody sich unwillkürlich fragte, ob ihr Sohn geistig zurückgeblieben sei. Mrs. Threody war leicht verärgert, wo gab es denn das eine Mutter ihren Sohn in aller Öffentlichkeit an sein Benehmen erinnerte. Musste an Mr Threody, liegen er war kein Gentleman und das vererbte sich ja bekanntlich in der Familie. Ihre Mutter hatte schon recht gehabt sie hatte weit unter ihrem Stand geheiratet ihre Mutter war immerhin Haushälterin bei einem Bischof gewesen eine Lordschaft. Aber Mister Threody war ein Gentleman geistlichen Standes ein Sprengelvikar, auch wenn die wenige Arbeit mit einem hervorragenden Gehalt ihm zu viel Zeit ließ, an seinem Geschichtswerk die Geschichte der schmutzigen Witze zu arbeiten. Es war nicht immer angenehm ihren Mann allein im Arbeitszimmer sitzend zu wissen und sein Lachen durch das Haus schallen zu hören. Was sollten um Gotteswillen die Dienstboten von ihm denken?
Sie keuchte und wedelte sich mit der flachen Hand Luft ins breite Gesicht. Ihr breiter Hut mit der Straußenfeder hielt ihre Augen beschattet. Ein Lächeln huschte verstohlen über ihr Gesicht, Clarence gehorchte. Zumindest hatte er seine Raserei beendet und stand mit offenem Mund vor der Mauer zu einem Werkhof der London Railway und pikste mit seinem Ast nach einem in Stoff und Zeitungspapier gewickeltes Bündel. Clarence machte dabei hysterische glucksende Geräusche, es klang besorgniserregend, ob sie mit ihm nicht doch lieber einmal zu einem Arzt ging?
»Ughh ... Ughh ... Ughh!«
Und dann schrie der Knabe, wie Mrs Threody noch nie zuvor ein Kind hatte schreien gehört. Sie Pfiff auf die Würde raffte ihre Röcke und rannte zu ihm. Es hatte geregnet und das Paket war aufgeweicht, ein übler Geruch wehte durch die Eisenbahnunterführung. Es war braunes Packpapier, wie man es in den billigen Lebensmittel Läden verwendete. Darum war eine rote Hanfschnur gebunden.
»Aus Clarence sonst gibt es heute kein Nachtisch und du magst doch Stachelbeertorte!«, befahl Mrs. Threody ihrem Jungen.
Clarence ignorierte sie. Der Ast in Clarence Faust riss ein großes Stück Papier ab und vergrößerte die Öffnung, braun wie von getrocknetem Blut. Sie sah genauer hin, tätowierte Haut von einem Menschen, weiß und weich es konnte keine alte Haut sein. Sie schrie, nachdem langsam und grauenhaft klar wurde, was der verdammte Clarence gefunden hatte.
Inspektor Pontius Lestrade sah vom Schreibtisch der Wache in Aldgate auf, der von Papieren übersät war. Er suchte nach Fällen, die in den Bereich des Yards gehörten, ihn interessierten nicht die Festnahmen der Betrunkenen.
»Was gibt es?«
Police Constable Hutt stand im Türrahmen, das Gesicht blass und die Augen ein bisschen rot unterlaufen auf dem steifen Kragen stand in goldenen Lettern seine Dienstnummer 447-H. Er sah das glänzende, strohfarbene, über seiner fliehenden Stirn glatt zurückgekämmte Haar, die unschöne, dünne gebogene Nase und das etwas einfältige Lächeln. Hutt blinzelte mit den Augen und räusperte sich.
»Es tut mir leid, Sir, aber vielleicht haben wir etwas für sie, wir haben eben eine Meldung über Ruhestörung in der Backchurch Lane, den Eisenbahnaquädukten in Spitalsfield erhalten. Eine Person ganz offenbar weiblichen Geschlechts hat einen hysterischen Anfall. Eine respektable Erscheinung und bekannte Persönlichkeit in Spitalsfield. Die weibliche Person ist offenbar nicht betrunken und eine große wachsende Menschenansammlung ist bereits dort versammelt. Ihr Ehemann ist Mister Threody der Vikar der Gemeinde.«
Lestrade versuchte daraus schlau zu werden, er zuckte mit den breiten Schultern, »Vielleicht ist sie krank? Oder vielleicht säuft sie heimlich? Dafür braucht man nur einen Constable und nicht das Yard, oder?«
»Nun, Sir.« Hutt wirkte verlegen. »Sieht so aus, als sei ihr Junge gelaufen und hat ein Paket hinter den Eisenpfeilern gefunden, und jetzt glauben, die Leute da wäre ein Mensch drin. Deswegen ist es auch bestimmt zur Ruhestörung durch ihren hysterischen Anfall gekommen vermute ich, Sir.«
»Was? Was meinen Sie verdammt sie haben einen Menschen gefunden?«, Lestrade war gereizt. Er mochte den abendlichen Routine Gang durch die Reviere des H-Bezirks, solange es Routine blieb.
»Was ist in diesem Paket?«
»Nun, Sir Inspektor. Der Constable, der dort Streife geht, sagt, er will nichts anrühren, bevor nicht Sie und der Polizeichirurg eintreffen. Aber nach seiner Meldung, die so eben mit einem Boten kam, ist es der Oberkörper einer Verstorbenen. Gewickelt in Papier und Stoff.«
Hutt wirkte ganz offensichtlich peinlich über die Abartigkeit berührt. Lestrade stand auf, und ordnete die Papiere auf dem Schreibtisch.
»Spitalsfield, hier vergnügte sich der abscheulichste Abschaum an Verbrechern«, brummte der Inspektor und fragte sich wo waren die guten alten Zeiten geblieben, klares Motiv und nur ein Mindestmaß an Grausamkeit?
Der elegante Teil des Empires lebte nur einen Steinwurf mit der U-Bahn entfernt und doch von den Elendsvierteln, dass vor Armut dem Laster und das Verbrechen auseinander barst, wollte niemand etwas wissen. Verrottende Mietskasernen mit drei Höfen hintereinander, mit Kellern, die mit fauligem Stroh gefüllt waren und an die Obdachlosen vermietet wurden, wollte niemand etwas wissen. Mister Bagster der Polizeichirurg des Bezirks meinte, das hier zwölf Menschen auf zehn Quadratmeter kamen, im Zuchthaus standen offiziell jedem Häftling vier Quadratmeter zu. Für manchen Verbrecher musste die Haftstrafe wie ein Umzug in eine große Wohnung sein. Die Menschen versuchten nicht zu lebten sie versuchten nicht sofort zu sterben. London war schockierend barbarisch.
»Dann lassen sie uns besser gehen und nachsehen«, erwiderte er und ignorierte die Unordnung um sich herum, die er geschaffen hatte.
Er setzte seine Melone schräg auf den Kopf.
»Jawohl, Sir«, Hutt salutierte und hielt ihm die Tür auf.
Lestrade folgte dem Constable über den Korridor, vorbei an den, nach erbrochenen riechenden überfüllten Zellen, die Treppe hinab auf die schwarze regenfeuchte Straße hinaus. Ein leerer Krankenwagen erwartete sie bereits. Ein Constable hielt die Zügel in der Hand.
»Auf zum Killing Fields, Mister Trimble!«, sagte Hutt höflich zum Kutscher und kletterte hinten hinein.
»Killing Fields? «, fragte Lestrade Constable Hutt.
»Ja Sir, die Aquädukte in der Backchurch Lane, wir haben da eine Menge Vorfälle in letzter Zeit. Gehen schon doppelte Streife aber das Messer sitzt dort recht locker Sir.«
»Aha«, sagte Lestrade bei dem Spitznamen hatte er sich schon eine ähnliche Geschichte gedacht.
Der Constable auf dem Kutschbock ließ die Peitsche pro forma knallen und sie fuhren ab. Das Leben um sie herum verstummte verlor sich im Gleichklang der Geräusche einer vier Millionen Metropole. Die Straßen wurden enger, düsterer, farbloser; der Schmutz immer größer. Hier und da noch ein Laden mit Kleinkram und Trödel, Pfandleiher und Pubs der untersten Stufe. Nichts als verschlossene Werkstätten, deren Milchglasscheiben zerschlagen waren und nicht ersetzt wurden. Sie durchfuhren Straßen dann, nach einer scharfen Biegung schien es etwas Heller zu werden die Gaslaternen brannten. Sie standen auf einem kleinen ziemlich schäbigen Platz. Lestrade hatte die Menschenansammlung mit den überforderten Constables in ihrer Mitte gesehen. Der rote Backstein der Werkstätten die Eisenkonstruktion der Brücke. Auf der anderen Straßenseite ein paar trostlose Mietskasernen.
»Was gibt es hier?«, fragte Lestrade und teilte die aufgeregte Menschenmenge.
Lestrade befahl Constable Hutt und seinen Kollegen von jedem Schaulustigen die Adressen und Namen aufzuschreiben und niemanden wegzulassen dessen Angaben nicht bestätigt waren. Der Constable deutete mit dem Kopf hinter sich zwischen einem Strebepfeiler und der vom Kohlerauch schwarzen Mauer der Eisenbahnwerkstatt. Sein Gesicht war kalkweiß, als hätte er ein Gespenst gesehen. Er schwitzte, obwohl es nicht mehr als zehn Grad sein mochte.
»Sie sehen aber so richtig elend aus«, begrüßte ihn Lestrade. »Was haben wir?«
Der Constable nickte, »Oberteil Sir der Torso einer Frau, Sir.« Er schluckte. »Ziemlich übel, nein nicht ziemlich, es ist absolut grässlich. Sie war zwischen dem Pfeiler und der Mauer.«
»Wer und wann entdeckt?«
»Eine Mrs. Amelia Threody und ihr Sohn, sie waren in der Suppenküche helfen und wollten nach Hause mit der U-Bahn nach Chelsea.« Constable 343-H öffnete sein Dienstbuch. »20. September 1890, 10:05 p. m. Backchurch Lane, hysterische Frau.«
»Wo ist sie jetzt?«, fragte Lestrade.
»Sie sind im Kaffeehaus auf der anderen Straßenseite, Sir. Sie sind ziemlich durch den Wind, und ich hab’ ihr gesagt, ihr Mann kann sie mitnehmen, sobald sie mit der Befragung fertig sind.«
»Gut gemacht«, stimmt Lestrade ihm zu. »Wo ist der Torso jetzt?«
»Wo es der Knirps gefunden hat, Sir! Ich hab es nicht angerührt, die Gegend gesichert und die Kollegen gerufen, wollte warten, bis der CID da ist.«
Lestrade trat unter die Eisenbahnbrücke. Sie war aus schwerem Gusseisen und ruhte auf steinernen Sockeln. Festgeklemmt, hinter einem Pfeiler und einer beschmierten Mauer. Das Paket war 70 Zentimeter lang und etwa 50 cm breit und lag da, wo Clarence es gefunden hatte. Das Papier war zerrissen der Stofffetzen aus Wolle war abgerissen und gab den Blick auf Fleisch und weißer tätowierter Haut frei, es war eine Rose darunter standen die Buchstaben NM die mit getrocknetem Blut verschmiert waren. Fliegen summten um das Fleisch. Er musste das Stück nicht näher betrachten, um sagen zu können, dass es eine weibliche Brust war. Er richtete sich von den Knien auf. Ihm wurde übel, er atmete tief ein und aus, ein und aus und hörte, wie ein Constable schwankend davon stolperte, und sich in den Rinnstein übergab. Lestrade zwang sich, wieder hinzusehen. Es gab Details, die zu notieren waren und mit den Details konnte man, das ganze ausklammern. Die Farbe des Papiers normales Wachspackpapier, wer verwendet solches? Jeder Markthändler jeder Metzger, die Schnur, mit der es umwickelt war, die Art der Knoten war fest, der Verpacker war auf Nummer sicher gegangen. Der Knoten war normal keiner der typischen Dockerknoten oder Seemannsknoten. Es war ein Knoten den Menschen hinterließen die sich nie ernsthaft mit dem, binden von Schnüren beschäftigt hatten. Er kniete nieder, um das Paket zu untersuchen, und drehte es vorsichtig um. Es war braunes gewachstes Packpapier. Wer auch immer den Körperteil einwickelte, hatte Stofffetzen, ein wollenes Lacken oder dünnes Betttuch um den Torso gewickelt, bevor er das ganze in Papier gerollte hatte. Eine Schicht Zeitungspapier er las die Worte Stratford upon Avon News als Blutaufsauger. Die Schnur war gewöhnliche grobe Hanfschnur, nur die rote Farbe war etwas ungewöhnlich. Die Schnur war ein paar Mal um das Paket in Höhe und Breite gewickelt an jeder Überschneidung fest verknotet. Dann änderte sich die Laufrichtung und verlief ein paar Mal in der Höhe. Er nahm sein Notizbuch hervor und schrieb seine Beobachtung auf. Hutt kam zurück und tupfte verlegen, mit einem weißen Taschentuch seinen Mund. Er wusste nicht was er sagen, sollte ihm war so furchtbar übel und er schmeckte Galle in seinem Hals.
Lestrade sagte: »Es muss noch mehr geben. Telegrafieren sie an jede Polizeistation und fragen sie nach Leichenteil Funden. Und hier, will ich das jeder verfügbare Mann sich auf die Suche macht. Es muss noch mehr Teile geben.«
Hutt schluckte. »Noch mehr Pakete? ... Ja logisch, Sir. Ich werde die Eisenbahnbrücke nehmen, wenn ich vom Wachhaus komme.«
»Wahrscheinlich kommt der Mörder aus der Gegend wer schleppt schon Leichenteile durch die Straßen, die er nicht kennt. Hier ist kein besonders guter Ort seine Leichen zu verstecken! Na ja vielleicht hatte er keinen Keller für seine Leiche.«
Lestrade stand auf und nahm die Melone ab. »Solche Sachen trägt man nicht lange unter dem Arm geklemmt herum. Mit Sicherheit nicht weiter als man die Kraft und den Mut zum Laufen hat. Nur ein Paket hier. Er hat keine private Kutsche oder Fuhrwerk und da er keine Zeugen braucht die sich an den Mann mit dem großen Paket in einem Omnibus oder Zug erinnern könnten war er zu Fuß. Sagen wir der Torso hat 25 Pfund dann sucht im Umkreis von einer halben Meile. Ich will die unbewohnten Häuser und Keller kontrolliert haben.«
»Ja, Sir.« Hutt war erleichtert, dass er etwas tun konnte, das ihn erst einmal von dort wegbrachte. »Sie sind noch hier? Schicken Sie eine Nachricht die Spitalsfield Wachen sollen alle verfügbaren Männer schicken, mit ihren Lampen. Der Polizeichirurg ist unterwegs? Ach ja, bevor ich es vergesse, versuchen sie dem Yard ihren Spurenhund abzufuchsen sagen Sie Inspektor Lestrade will die Hunde heute noch hier sehen.«
»Ja, Sir.«
Hutt drehte sich um und trapste davon. Lestrade ging zwischen den Eisenpfeilern umher, dann seufzte er und überquerte die Straße zum Kaffeehaus. Die Tür stand offen, und drinnen war es warm. Eine große Frau von etwas über eins siebzig saß an einem der Tische zusammengesunken, ihr zerknautschter Hut lag auf der Tischdecke. Ein Constable ließ niemanden aus und ein. Der Sohn schlief, lag mit dem Kopf auf den Tisch und atmete ruhig. Lestrade betrachtete Sie, ein Junge wie viele mit einer Mutter, die Wert darauf legte, dass seine blonden Locken zur Geltung kamen und den Bengel in einen lächerlichen Matrosenanzug steckte. Der Inspektor konnte Kinder in Matrosenanzügen nicht ausstehen und gab daran die Schuld den Müttern, die ihre Kinder kostümierten wie die kleinen Äffchen, die im Hydepark Nüsse verkauften und Kunststücke vorführten. An dem kleinen Tisch saß nun kerzengerade die korpulente Dame, wie er sie hässlicher kaum gesehen hatte. Eine mittelmäßige Hässlichkeit ohne Charakter ohne Würde. Die Dame saß sehr aufrecht, was ihre gute Erziehung verriet. An ihrem Hals hing ein Collier aus Perlen, die nach der Qualität ihrer Kleidung nach echt war. An ihrer Hand ein goldener Ehering mit einem Stein.
»Mrs. Threody?«
Sie starrte ihn mit aufgerissenen blauen Augen an. »Ja sie wünschen bitte?«, fragte sie höflich mit befehlsgewohnter Stimme.
Also mehr als einen Dienstboten in ihrem Haushalt bei der kirchlichen Stellung ihres Gatten Mister Threody tippte Lestrade auf vier inklusive der Köchin. Lestrade lächelte er hatte schon viele Mrs. Threody kennengelernt, und er wusste, dass ihre Albträume bald vergessen waren. In spätestens zwei Wochen war ihr Fund ein interessanter Gesprächsstoff bei den Dinnereinladungen und nicht mehr.
»Sie müssen sehr erschrocken sein ich werde mich also schnell fassen ihr Mann wartet draußen bereits mit ihrem Kutscher. Wann haben Sie dieses Paket entdeckt?«
Sie hatte natürlich keinen gesehen, der vor ihr war, nichts Verdächtiges bemerkt und ihr Sohn hatte das Paket entdeckt, weil er Slalom um die Brückenpfeiler gerannt war. Das war 10 p.m in etwa. Er ließ nach der Befragung Mr Threody kommen und seine Familie nach Hause bringen, vermutlich würde sie nie wieder einen Schritt nach Spitalsfield setzen. Es war halb ein Uhr morgens und die flackernden Lichter der Polizistenlaternen huschten in Entfernung die Straßen entlang. Licht blitzte in den dunklen engen Gassen. Gegen sieben Uhr hatten sie vieles gefunden und die Teile nach der fotografischen Ablichtung und der ersten Vorortuntersuchung durch Doktor Bagster in den Krankenwagen gebracht.
Es war eine dreckige Suche. In zwei Mann Teams die Treppen der verlassenen Abrisshäuser hoch und hinabzusteigen, die Abfallberge in den Hinterhöfen zu durchsieben in Hausflure und Brachen zu sehen. Das schlimmste Paket lag in einer schmalen stinkenden Gasse, etwas mehr als vierhundert Meter von der Backchurch Lane entfernt, im verwahrlosten Abwasserkanal, der aus einer Gerberei der Firma Svenson Leder kam. Es waren die Hüften und die Oberschenkel, zumindest konnte daraus Dr. Bagster die Höhe des Opfers schätzen und aus der gekrausten intimen Behaarung auf die Haarfarbe schließen, das Opfer war blond. Der lange Freitag graute früh. Lestrade schleppte sich von Tür zu Türbefragung, die Backchurch Lane entlang, aber niemand hatte etwas Erwähnenswertes gesehen. Da war kein einziger Fremder und hatte braune Pakete getragen, niemand hatte seinen Karren angehalten und sich unter die Brücke gestohlen niemand hatte es im entferntesten eilig gehabt außer die Pendler, die hier aus dem Omnibus der City Line stiegen und den 7 p.m 50 Vorortzug rennend erreichten. Lestrade war wieder auf dem Revier in der Aldgate High Street, als die Sonne goldgelb über den Dächern stand. Im Revier herrschte nur die Notbesetzung. Die meisten Constables waren noch mit der Suche beschäftigt. Noch fehlten Arme und Hals und Kopf und die Beine unterhalb der Knie.
Der Polizeichirurg Dr. Bagster wartete auf ihn, er trug nur ein zerknittertes weißes Hemd und seine Weste hing am Garderobenständer. Er sah erschöpft aus und er gähnte. Mit seinen immer hochgezogenen Schultern, als sei ihm immer kalt. Der langen Nase aus dem sich das dunkle Nasenhaar kräuselte und den halb geschlossenen Augenlidern ähnelte er einem Landgeistlichen, der grübelnd vor der Herzlosigkeit seiner christlichen Dorfgemeinde steht.
»Schon irgendetwas herausgefunden?«, fragte Lestrade.
»Junge Frau 22 bis 27 Jahre.« Bagster setzte sich auf den Schreibtisch des diensthabenden Sergeanten und fuhr fort. »Blondes Haar helle Haut eine Tätowierung eine Rose auf der linken Brust dazu die Buchstaben NM. Soweit man das beurteilen kann, war sie etwa 1 Meter 60 vielleicht plus minus 2 oder drei Zentimeter. Wir haben die unteren Extremitäten noch nicht gefunden. Schöne Figur und gepflegte Haut sie könnte zu ihren Lebzeiten recht hübsch gewesen sein. Mit Sicherheit war sie keine Bettlerin und hat sich nicht viel im Freien aufgehalten sehr feinporige Haut. Die Arme Fehlen leider noch aber ich nehme stark an, bei ihrer Schultermuskulatur hat sie keine sehr schwere Arbeit gemacht. Meine erste Vermutung wäre eine teure Prostituierte aber das nur aufgrund der Tätowierung.«
Lestrade setzte sich auf die Eichenholz Publikumsbank und schlug die müden Beine übereinander, sein Hosensaum war verschmutzt.
»Wie alt war, das Opfer sagten sie Doktor?«
»Zwischen zweiundzwanzig und siebenundzwanzig aber nageln sie mich nicht darauf fest! Ich untersuche eine Leiche in einem Dutzend Teilen, fast wie von einem Schlachter. Halten sie die Augen nach den teuren Prostituierten auf, sie arbeitete nicht auf der Straße. Ich werde ihnen mehr sagen, wenn ihre Leute den Kopf und die Innereien gefunden haben. Es ist schwer zu sagen, wie sie starb, ich weiß es zum jetzigen Zeitpunkt nicht!« Bagster sprang vom Tisch, »Sie war eine junge Frau, wahrscheinlich blond, und irgendein Wahnsinniger hat sie in Stücke zersägt und über Spitalsfield und Bethnel Green verstreut. Von den tausend verschiedenen Möglichkeiten, jemanden zu ermorden und loszuwerden, warum ausgerechnet zersägen?«
Lestrade fielen spontan mehrere Gründe dafür ein, aber der wahrscheinlichste war auch der Gemeinste.
»Ich nehme an, dem Mörder machte es einfach Freude! Ich wünschte mir auch hin und wieder einen sauberen Mord ein Schlag über den Schädel, aber sobald ich nach Spitalsfield gerufen werde, sind es die grausamen Morde. Sie kennen doch die billigen Logierhäuser und Pensionen mit dreihundert Betten die Mietskasernen von der Dorset Street? Die letzte Leiche, die ich mir angesehen habe, war ein Mädchen von ihrem Vater vergewaltigt und erschlagen ... «, er hielt inne und zählte bis zehn, keine Gefühle, er war eine Eisscholle und trieb im Nordmeer war ein Eisblock kalt und unnahbar.
Das Mädchen lag, da in ihrem Blut so zusammengeschlagen das ihr ganzer Körper eine einzige schwarze Schwellung war. Der Mörder saß mit einem Bier auf dem Bett und beklagte sich das seine Faust schmerzte. Jetzt jammerte er um Gnade und seine Zelle lag mit Blickrichtung des Galgens im Newgate Zuchthaus. Tag um Tag starb der Mistkerl vor Todesangst und Minute um Minute tickte die Uhr gnadenlos seinem Hinrichtungstermin näher. Mister Barlow würde dem Säufer den rauen Strick um den Hals legen. Mister Barlow der ehrenwerte Henker vom Newgate Zuchthaus war bekannt für seine Aphorismen, die er den Delinquenten mit auf dem letzten Weg gab. Wenn Sie in der Hölle sind, Sir, richten sie dem Satan aus Mister Barlow schickt ihm am nächsten Freitag einen Raubmörder. Bagster klopfte Lestrade auf die Schulter und marschierte hinaus. Lestrade beschloss nach Hause zu gehen, er brauchte ein Bad.
»In zwei Stunden soll mir Constable Hutt den vorläufigen Bericht aus dem Schauhaus holen! Mageninhaltsanalyse, wenn es machbar ist, vielleicht kannte man das Opfer in den Pubs. Lassen sie das Hutt machen Inspektor!«
Der CID-Inspektor des Spitalsfield Wachhauses nickte, er saß mit offenen Türen in seinem Büro und befragte einen verhafteten Messerstecher. Lestrade hörte ihn den Verhafteten einen Idioten schimpfen. Anscheinend war der Kerl gerade seit einer Woche aus dem Zuchthaus und hatte schon wieder einen Mann in einem Wirtshausstreit niedergestochen.
»Er hat einfach nicht die verdammte Klappe gehalten!«, erklärte der Messerstecher, der die nächsten fünfzehn Jahre im Zuchthaus in seiner Zelle 4 Meter lang 2 Meter breit über seine Tat nachdenken konnte, wenn sein Opfer nicht starb, denn dann würde man ihn aufhängen.
