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Studienarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Politik - Thema: Entwicklungspolitik, Note: 2, Karl-Franzens-Universität Graz (Institut für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte), Veranstaltung: Seminar Ökonomie der Entwicklungsländer, Sprache: Deutsch, Abstract: Die vorliegende Arbeit behandelt in der Folge das Thema Schulden - konkret die Auslandsschulden bzw. die Auslandsverschuldung der Entwicklungsländer. Anfangs folgt eine kurze Einführung in den Problemkreis – wie ist der geschichtliche Hintergrund der Auslandsverschuldung, warum gibt es sie, wie ist sie entstanden und gibt es in diesem Zusammenhang Probleme. In Kapitel 2 "Klassifikation der verschuldeten Entwicklungsländer" werden die Kriterien der Weltbank zur Kreditvergabe vorgestellt, anhand deren eine Klassifikation der Länder durchgeführt wird. Wie die Entwicklung der Auslandsverschuldung der Entwicklungsländer in den letzten 20-25 Jahren aussieht, ist Inhalt des 3. Kapitels "Entwicklung der Verschuldung". Kapitel 4 soll einen Ausblick in die Zukunft geben, Chancen und Risiken aufzeigen und Lösungsansätze des Problems aufzeigen.
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Veröffentlichungsjahr: 2008
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Inhaltsverzeichnis
I Tabellenverzeichnis
II Abbildungsverzeichnis
III Abkürzungsverzeichnis
1 Einleitung und Hintergrund
2 Klassifikation der verschuldeten Entwicklungsländer
2.1 Geographische Klassifikation
2.2 Klassifikation mittels Verschuldungsindikatoren
3 Entwicklung der Verschuldung
4 Lösungsansätze
5 Zusammenfassung
Quellenverzeichnis
Literaturquellen
Internetquellen
Tabelle 1: Klassifikation der Entwicklungsländer (1998) anhand von Pro-Kopf Einkommen und Verschuldungsindikatoren
Tabelle 2: Klassifikation der Entwicklungsländer 1998 (SILICs, SIMICs, MILICs, MIMICs)
Tabelle 3: Gesamtverschuldung der Entwicklungsländer 1980 - 2000
Tabelle 4: Durchschnittlicher Anstieg der gesamten Auslandsverschuldung per anno
Abbildung 1: Wachsende Verschuldung der Entwicklungsländer 1980 - 1997
„Das einzige, was man ohne Geld machen kann, sind Schulden.“[1]
Die vorliegende Arbeit wird in der Folge das Thema Schulden behandeln. Genauer gesagt die Auslandsschulden bzw. die Auslandsverschuldung der Entwicklungsländer.
Anschließend folgt eine kurze Einführung in den Problemkreis – wie ist der geschichtliche Hintergrund der Auslandsverschuldung, warum gibt es sie, wie ist sie entstanden und gibt es in diesem Zusammenhang Probleme. In Kapitel 2 Klassifikation der verschuldeten Entwicklungsländer werden die Kriterien der Weltbank zur Kreditvergabe vorgestellt, anhand deren eine Klassifikation der Länder durchgeführt wird. Wie die Entwicklung der Auslandsverschuldung der Entwicklungsländer in den letzten 20-25 Jahren aussieht, ist Inhalt des 3. Kapitels Entwicklung der Verschuldung. Kapitel 4 soll einen Ausblick in die Zukunft geben, Chancen und Risiken aufzeigen und Lösungsansätze des Problems aufzeigen.
Warum verschulden sich Staaten eigentlich im Ausland? „Auslandsverschuldung ist grundsätzlich ein Mittel, den Engpaß einer zu geringen Kapitalbildung im Inland durch Rückgriffe auf Auslandskapital zu mildern und sich über eigene Exporterlöse hinaus Devisen, also Geld in fremden Währungen, für den Import zum Beispiel ausländischer Investitionsgüter (Maschinen usw.) zu verschaffen.“[2]
Großteils fließt im internationalen Kreditmarkt Kapital in Form von Krediten von den Industrieländern in die Entwicklungsländer, da zwischen den zwei großen Staatengruppen eine wirtschaftliche Ungleichheit besteht.
Diese wirtschaftliche Ungleichheit zwischen den Industrieländern und den Entwicklungsländern hat ihren Ursprung schon in der Kolonialzeit,[3] wo die heutigen Entwicklungsländer als Rohstofflieferanten ausgebeutet wurden. Doch die Auslandsverschuldung in dem Maße, wie sie heute existiert, begann erst im 20. Jahrhundert nach dem 2. Weltkrieg.
Bereits Ende der sechziger Jahren im Zeitalter der Dollarschwemme („dollar overhang“) begann der Anstieg der Verschuldung der Entwicklungsländer. Damals wurden bis zu zwei Drittel der veröffentlichten Kredite von Entwicklungsländern aufgenommen. Zu diesem Umstand führten einerseits eine hohe internationale Liquidität und andererseits eine zurückhaltende Nachfrageentwicklung in den Industriestaaten. Durch die Vielzahl an Krediten an Entwicklungsländer wurde versucht, in den Industriestaaten Arbeitsplätze – vor allem in der exportorientierten Industrie wie z.B. der Maschinen- und Chemieindustrie – zu sichern.[4]
Später (ab 1973/74) trugen die gestiegenen Ölpreise (= gestiegene Ölimportpreise) zu einer weiteren Erhöhung der Gesamtverschuldung bei und führten andererseits auch zu einer Erhöhung der Liquidität der Ölexporteure, die damit wieder leichter Kredite vergeben konnten. Anscheinend wird aber der Einfluss der Ölpreiserhöhungen auf die Auslandsverschuldung überschätzt, da der Schuldenzuwachs in den Jahren 1974-76 und auch in der „Zweiten Ölkrise“ 1978-81 nur zu einem geringen Anteil aus den Ölhandel resultiert.[5]
Als Zeitpunkt des Ausbruches der Schuldenkrise (also der exorbitanten Steigerungen der Auslandsverschuldung) wird im Allgemeinen der 20. August 1982 angesetzt, als die mexikanische Regierung gegenüber ihren Gläubigern eingestehen musste, dass sie nicht mehr in der Lage ist, die Schulden vertragsgemäß zu bezahlen. Dieser Umstand wurde durch einen Verfall der Rohstoffpreise zu Beginn der achtziger Jahre sowie ein gleichzeitig stark gestiegenes internationales Zinsniveau herbeigeführt.[6]
Der Verfall der Rohstoffpreise konnte die Entwicklungsländer nur deshalb so hart treffen, da sie in der Weltwirtschaft strukturell benachteiligt sind und ihnen vielfach die Rolle als Rohstofflieferant festgeschrieben wird. Ebenso ist die Exportpalette der meisten
Entwicklungsländer sehr einseitig mit einem überwiegenden Anteil agrarischer und mineralischer Rohstoffe und nur einem geringen Anteil an Halb- und Fertigprodukten und Industrieerzeugnissen zusammengesetzt. In einigen Fällen stammt der überwiegenden Teil der Exporterlöse nur aus dem Export eines Produktes, was naturgemäß die Abhängigkeit und Empfindlichkeit dieser Staaten auf internationale Nachfrageschwankungen extrem erhöht. Durch den Preisverfall bei Rohstoffen verschlechterten sich auch die Terms of Trade, das in gleichen Währungen ausgedrückte Verhältnis von Importen und Exporten eines Landes. Das bedeutet, dass die durch das Sinken der Rohstoffpreise geringeren Exporterlöse entweder durch die wertmäßige Abnahme der Importe oder durch die Aufnahme von Krediten kompensiert werden musste.[7]
Die gesunkenen Rohstoffpreise bedeuteten z.B. für Mexiko als Rohstoffexportland geringere Deviseneinnahmen und auf der anderen Seite hatte der Staat, dessen Kredite zum Großteil in Dollars mit variablen Zinssätzen aufgenommen worden waren, sprunghaft gestiegene Zinszahlungsverpflichtungen.[8]
Der Auslöser für den Zinsanstieg war eine restriktive Geld- sowie eine defizitäre Fiskalpolitik der Vereinigten Staaten von Amerika unter Präsident Reagan. Dieser Fall zeigt deutlich, welche nachhaltigen Auswirkungen die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Industrieländer auf die Entwicklungsländer haben können.[9]
Doch ist die rasante Zunahme der Auslandsverschuldung, die ab dem besagtem 20. August 1982 in eine Schuldenkrise mündete, nicht nur ein Problem der Fremddeterminierung der Entwicklungsländer durch die Industriestaaten. Viele Probleme sind auch durch innerstaatliche Misswirtschaft entstanden, wodurch letztlich gesagt werden kann, dass die Schuldenkrise bzw. das Verschuldungsproblem durch ein Zusammenspiel von internen und externen Faktoren hervorgerufen wurde. Schon allein die internen Faktoren, die in der Folge behandelt werden, zeigen, wie komplex die Zusammenhänge der unterschiedlichen Funktionen sind.
Im Prinzip ist das System relativ trivial: Ein Entwicklungsland nimmt einen Kredit bei einem Industriestaat, einer Bank oder einem sonstigen Investor auf, mit dem Ziel, die eigene Situation zu verbessern, indem in verschiedenste Projekte investiert wird. In vielen Fällen waren diese Investitionen jedoch nicht rentabel; d. h. die Erträge daraus erreichten die Höhe der Zins- und Tilgungszahlungen oft bei weitem nicht, was vor allem bei Infrastrukturprojekten der Fall war, die nicht die erwarteten und benötigten Devisenmehreinnahmen einbrachten. Gründe dafür waren oft einfach Fehlplanungen, wobei die Wirtschaftlichkeit der Projekte nicht ausreichend überprüft wurde. Auch wurde in den Planungen teilweise zu ehrgeizig kalkuliert und diese Planzahlen dann nie erreicht. In einigen Fällen wurde in Prestigeprojekte investiert, die letztendlich dann nur den Zulieferfirmen in den Industriestaaten dienten, die davon profitierten.[10]
Die Situation wurde oft noch durch Verschwendung und Korruption zusätzlich verschärft. Teilweise flossen (in einigen extremen Fällen) aufgenommene Kredite direkt auf Privatkonten der Führungselite. Als Beispiele seien hier Mobutu (ehemaliger Präsident der Demokratischen Republik Kongo), Suharto (ehemaliger Präsident der Republik Indonesien) sowie Marcos (ehemaliger Präsident der Republik der Philippinen) genannt. Hier kommt hinzu, dass diese Umstände den Industriestaaten bekannt waren und geduldet wurden, um die Finanzgeschäfte nicht aufs Spiel zu setzen, oder in der Zeit des Kalten Krieges, um bestimmte Regime an der Macht zu halten. Viele Kredite flossen auch direkt in die Rüstungswirtschaft, wo großteils Unternehmen aus den Industriestaaten und somit indirekt wiederum die Industriestaaten profitierten. In vielen Fällen war auch die nationale Wirtschafts- und Finanzpolitik der Entwicklungsländer schlichtweg falsch und verschlimmerte so die Schuldenproblematik. Auswirkungen waren vielerorts eine enorme Kapitalflucht aufgrund unattraktiver Zinsen, unsicherer Anlagemöglichkeiten, Abwertungsbefürchtungen und auch aufgrund der herrschenden politischen und wirtschaftlichen Instabilität.[11]
Die umfangreichsten und detailliertesten Daten zur Verschuldung der Entwicklungsländer gegenüber ihren ausländischen Kapitalgebern enthalten die von der Weltbank veröffentlichten Statistiken. Hierbei werden die Daten für die einzelnen Staaten getrennt ausgewiesen, wie auch zu Staatengruppen aggregiert.[12]
Hierbei gibt es vom Ausmaß der Verschuldung unabhängig eine geographische Klassifikation. Die Weltbank unterteilt in folgende Regionen:
Europa und Zentralasien,
Ostasien und pazifischer Raum,
Lateinamerika und karibischer Raum,
mittlerer Osten und Nordafrika,
Südasien,
Sub-Sahara Afrika.[13]
Diese Einteilung hat jedoch keine weitere praktische Relevanz, wenn es um weitere Kreditvergabe oder Bonitätsprüfungen geht.
Eine genauere und zur weiteren Verwendung sinnvollere Einteilung der Entwicklungsländer erfolgt schon seit einigen Jahrzehnten mittels so genannter Verschuldungsindikatoren, die von der Weltbank berechnet und veröffentlicht werden.
Die Weltbank nimmt eine Differenzierung der Länder seit den World Debt Tables 92-93 anhand folgender Kennzahlen vor:
Verhältnis des Barwertes (present value) der Schuldendienstverpflichtungen aus langfristigen Kreditbeziehungen zum gesamtwirtschaftlichen Produktionsergebnis (BSP) – PV/BSP
Verhältnis des Barwertes (present value) der Schuldendienstverpflichtungen aus langfristigen Kreditbeziehungen zu den laufenden Exporteinnahmen – PV/X
Beträgt dieser present value of scheduled debt service entweder mehr als 80 % des BSP oder mehr als 220 % der erzielten Exporterlöse, wird der jeweilige Staat von der Weltbank als severely indebted ausgewiesen. Werden diese beiden Schwellenwerte nicht überschritten, ist aber der present value of scheduled debt service größer als 48 % des BSP oder größer als 132 % der erzielten Exporterlöse, erfolgt die Einstufung als moderately indebted country. Liegen die Werte darunter, ist der Staat less indebted.[14]
Zusätzlich zu dieser Klassifikation wird noch die erzielte jährliche Pro-Kopf Wirtschaftsleistung (BSP/Kopf) herangezogen, wobei Staaten mit einem Wert von
≤ 785 US-$ (für 1997) als low-income countries
und Staaten mit einem Wert von
>785 US-$ ≤ 9.655 US-$ (für 1997) als middle-income countries
klassifiziert werden.[15]
Demnach gibt es vier Kategorien von Staaten, wie in Tabelle 1 dargestellt.
Tabelle 1: Klassifikation der Entwicklungsländer (1998) anhand von Pro-Kopf Einkommen und Verschuldungsindikatoren
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Mestel (1999), S. 11.
Die folgende Tabelle (Tabelle 2) zeigt eine Zuordnung der Entwicklungsländer, wie sie von der Weltbank anhand des Zahlenmaterials des Jahres 1998 erfolgte.
Tabelle 2: Klassifikation der Entwicklungsländer 1998 (SILICs, SIMICs, MILICs, MIMICs)
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Mestel (1999), S. 12.
Um die Entwicklung der Auslandsverschuldung der Entwicklungsländer beschreiben zu können, werden Daten über die ausstehenden Kreditvolumina benötigt. Auch für die Entwicklungsländer selbst stellen diese Zahlen eine wichtige Größe dar, wird doch daraus ebenso die Kreditwürdigkeit abgeleitet, die ihrerseits wiederum die Konditionen für etwaige neu aufzunehmende Mittel determiniert. Die Datenermittlung erfolgt durch folgende unabhängige Organisationen:
BIZ (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich AG)
IWF (Internationaler Währungsfonds)
OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development): CRS (Creditor Reporting System)
Weltbank: DRS (Debtor Reporting System)
Der Unterschied zwischen dem von der OECD betreuten CRS und dem DRS der Weltbank liegt in der Herkunft der Daten. Im Rahmen des CRS liefern 22 Staaten, die sich zum DAC (Development Assistance Committee) zusammenschlossen – Ziel dieses Entwicklungshilfeausschusses ist es, die Position der Entwicklungsstaaten im globalen Wirtschaftssystem zu stärken – Daten über die von ihnen gewährten Finanzhilfen, über von den Staaten unterstützten Kreditvergaben und über die Höhe von Exportkrediten. Die Informationsgrundlage für das DRS bilden Angaben, die direkt von den Schuldnerstaaten mittels Formularen an die Weltbank gesendet werden. Natürlich entstehen hier immer wieder Differenzen.[17]
Die Gesamtverschuldung der Entwicklungsländer stieg besonders in den achtziger Jahren (auch bekannt als „Dekade der Verschuldungskrise“) zum Teil dramatisch an. In diesen zehn Jahren verdoppelte sich das gesamte Schuldenausmaß, wo einer durchschnittlichen jährlichen Zuwachsrate von 6,8 % entspricht. Allerdings schwächte sich der Zuwachs im letzten Drittel der achtziger Jahre ab, was zu einer Entschärfung der 1982 begonnenen Schuldenkrise führte. Dennoch kam es nicht zu einem Abbau der Schulden, sondern nur zu geringeren jährlichen Zuwachsraten.[18]
Die darauf folgenden neunziger Jahre brachten allerdings keine weitere Entspannung der Situation, wiewohl sich die Dynamik der achtziger Jahre nicht fortsetzte. Das Gesamtausmaß der Auslandsverschuldung stieg weiter beständig an, eine Abnahme der Gesamtverschuldung konnte nicht erreicht werden.[19]
Die folgende Graphik zeigt sehr plakativ den Anstieg der Gesamtverschuldung von 1980 bis 1997 nach Kontinenten bzw. Regionen geordnet.
Abbildung 1: Wachsende Verschuldung der Entwicklungsländer 1980 - 1997
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Evangelischer Pressedienst, http://www.epd.de/entwicklungspolitik/dwi/dwi98_16.pdf, Zugriff am 14. 11. 2004.
Hierbei kann sehr gut der Anstieg und die Aufteilung der Schulden gesehen werden. Der Großteil der offenen Kreditvolumina betrifft Lateinamerika (678 Mrd. Dollar), jedoch auch Südostasien (512 Mrd. Dollar).
Eine Aufstellung der Entwicklung der Gesamtauslandsverschuldung der Entwicklungsländer erstellt sich als überaus schwierig, da in der Literatur teilweise starke Abweichungen in den Angaben vorzufinden sind. Eine Gesamtaufstellung 1980 – 2000 mittels einer Auflistung aller gefundenen Quellen und der Berechnung eines jährlichen arithmetischen Mittels zeigt Tabelle 3 auf der folgenden Seite.
Tabelle 3: Gesamtverschuldung der Entwicklungsländer 1980 - 2000
Quelle: Eigene Darstellung mit Daten aus Mestel (1999), S. 35, Andersen, U., http://www.bpb.de/-publikationen/07894368384812776978945205507946,1,0,Grundlegende_Probleme_der_Entwick-lungsl%E4nder.html, Zugriff am 16. 11. 2004, Welthaus Bielefeld, http://www.welthaus.de/bildung-/bsp-7.htm, Zugriff am 17. 11. 2004, Evangelischer Pressedienst, http://www.epd.de/entwicklungspol-itik/-dwi/dwi98_16.pdf, Zugriff am 14. 11. 2004, Inkota e. V., http://www.inkota.de/inland/entschuld-ung/-hintergrund01.htm, Zugriff am 17. 11. 2004, Bewegung gegen den Krieg, http://widerspruch.at-/oebg-dk/infos/html/179info.html, Zugriff am 17. 11. 2004 und Twele (1995), S. 110.
Hier ist sehr deutlich zu sehen, dass die Gesamtverschuldung von 1980 bis 1990 um mehr als das Doppelte (140 %) stieg, von 1990 bis 2000 aber nur mehr um 68 % und von 1999 auf 2000 sogar geringfügig abnahm. Eine andere, interessante Darstellung ist die Aufstellung des durchschnittlichen Anstiegs per anno, die Mestel (1999) auf Seite 36 verwendet.
Tabelle 4: Durchschnittlicher Anstieg der gesamten Auslandsverschuldung per anno
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Mestel (1999), S. 36.
Die auffälligste Entwicklung stellt hierbei die Abnahme der Dynamik der Auslandsverschuldung bei den ärmsten Ländern (SILICs und MILICs) dar. Hatten diese Staaten in den achtziger Jahren noch deutlich höhere Zuwachsraten als die SIMICs und MIMICs, gelang es hier, diesen Trend umzukehren und den Schuldenzuwachs dieser Ökonomien beinahe zu stoppen. Diese Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da die absolute Höhe der Auslandsverschuldung keinen Hinweis auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der jeweiligen Volkswirtschaft und damit die Fähigkeit, seinen Rückzahlungsverpflichtungen nachzukommen, gibt. Es kann also trotz absoluter Abnahme der Verschuldung zu Zahlungsschwierigkeiten kommen. Hier wären Relationen bezogen auf das BSP oder die Exporterlöse aussagekräftiger. Ebenso geben diese Zahlen keine Auskunft über die Struktur der Gläubiger und somit die Konditionen der Kredite oder auf die Fristigkeiten der aufgenommenen Finanzmittel. [20]
„Es ist vorbei. (...) Der Nord-Süd-Dialog ist so tot wie der Ost-West-Konflikt. Die Idee der Entwicklung ist tot. Es gibt keine gemeinsame Sprache mehr, nicht einmal einen Wortschatz für die Probleme. Süd, Nord, Dritte Welt, Befreiung, Fortschritt, all diese Ausdrücke ergeben doch keinerlei Sinn mehr.“[21] So drastisch sah 1996 der ägyptische Schriftsteller Mohammed Sid Ahmed die Situation rund um die Schuldenkrise bzw. die steigende Auslandsverschuldung der Entwicklungsländer. Doch ist die Situation wirklich so aussichtslos bzw. welche Anstrengungen werden unternommen, um die Lage zu entschärfen?
Schon bald nach dem Ausbruch der Schuldenkrise 1982 wurden Konzepte erarbeitet, um das Schuldenproblem zu lösen. So stellte der damalige US-Finanzminister James Baker im Oktober 1985 den später nach ihm benannten „Baker-Plan“ vor, dessen Zielgruppe aus 15 insbesondere gegenüber den westlichen Banken hoch verschuldeten Staaten mittleren Einkommensniveaus bestand. Dieser Aktionsplan sollte eine Absicherung der Schuldendienste sowie eine Wiederbelebung vor allem des lateinamerikanischen Marktes bringen – beides zum Vorteil der USA. Spätestens 1988 wurde der Baker-Plan als gescheitert angesehen.[22]
1989 trat der nächste US-Finanzminister, Nicholas Brady, auf den Plan und stellte seinen Plan zur Beseitigung der Überschuldungsprobleme der großen lateinamerikanischen Staaten vor, den „Brady-Plan“. Hier enthalten ist auch erstmals eine freiwillige Schuldenreduktion der Geschäftsbanken, nachdem sich im Juni 1988 die G-7-Staatschefs auf einen Teilerlass der öffentlichen Forderungen gegenüber überschuldeter Staaten geeinigt hatten.[23]
Mitte der neunziger Jahre lagen über 200 Vorschläge zur Lösung des Schuldenproblems vor, was beweist, dass es nicht an Ideen, sondern am politischen Willen mangelt, solche Ideen in die Tat umzusetzen. Die Kernfrage ist, wer die Belastungen tragen soll. Die Bevölkerung in den Entwicklungsländern, die Banken, die, so ein Argument, schon an den Zinszahlungen und Risikoaufschlägen genügend Geld verdienten, oder die Steuerzahler in den Industrieländern, wenn diese stützend eingreifen. Sobald darüber ein Konsens gefunden wird, werden wohl einige der Pläne in die Tat umgesetzt werden.[24]
Eine immer wieder geforderte Maßnahme ist ein globaler und pauschaler Schuldenerlass, d. h. ein allgemeines Streichen der Schulden. Jedoch darf das nicht zur Illusion führen, dass dadurch alle Probleme der Entwicklungsländer mit einem Schlag gelöst sind. Einerseits würden damit die korrupten Staatsapparate, die Geld abgezweigt oder für teure Rüstungsimporte verwendet hatten, „belohnt“ werden, andererseits wäre es ein Entschuldigungsgrund für die westlichen Industriestaaten, in Zukunft keine Entwicklungshilfe mehr zu leisten. Darüber hinaus ändert ein genereller Schuldenerlass die Strukturen, die zur Verschuldung geführt hatten, nicht und einer neuerlichen Verschuldung in absehbarer Zeit wären Tür und Tor geöffnet.[25] „Ein totaler Schuldenerlaß wäre nur ein vergiftetes Geschenk.“[26]
Jedoch wurden zum Teil schon partielle Schuldenerlässe zugesichert und auch durchgeführt. Weltbank, Internationaler Währungsfond (IWF) und der Pariser Club der staatlichen Gläubiger der Industriestaaten sagten sieben der 41 HIPC-Ländern[27] (Bolivien, Uganda, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Guyana, Mali und Mozambique) im Herbst 1998 einen teilweisen Erlass bi- und multilateraler Schulden im Laufe von drei Jahren zu. Diese Maßnahme führte zu einer Verringerung der Gesamtschulden in einer Größenordnung von sechs bis 57 Prozent. Die Staaten sicherten zu, die Ersparnis bei den Zins- und Tilgungszahlungen für z.B. Alphabetisierungsprogramme oder den Aufbau von Gesundheitsdiensten zu verwenden.[28]
Die Problematik der Auslandsverschuldung der Entwicklungsländer ist ein sehr weitläufiges und komplexes Thema, was eine vollständige Bearbeitung des Gebietes im Rahmen einer Seminararbeit unmöglich macht. Die vorliegende Arbeit versucht, die Eckpunkte der Problematik bzw. des Themenbereiches abzustecken und eine grundlegende Einführung in die Begrifflichkeiten und Modelle zu geben.
„Wie entstand das Problem?“
„Wie werden die verschuldeten Länder klassifiziert?“
„Wie entwickelte sich die Verschuldung?“
„Wie sehen Lösungsansätze aus?“
Die Beantwortung dieser Fragen ist Ziel der Arbeit. Der Leser erhält fundamentale Antworten auf diese Fragen und wird für das Thema sensibilisiert.
Martin, H.-P., Schumann, H., Die Globalisierungsfalle, 1. Auflage, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1996
Mestel, R., Auslandsverschuldung der Entwicklungsländer in den 90er Jahren,
1. Auflage, Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden, 1999
Raffer, K., Internationale Verschuldung: Entstehung, „Management“ und Lösungsansätze, in: Zapotoczky/Griebl-Sehata (Hrsg.) Weltwirtschaft und Entwicklungspolitik, 1. Auflage, Brandes & Apsel Verlag, Frankfurt a.M. (1996), S. 41-57
Twele, C., Die Entwicklungspolitik der Weltbank-Gruppe vor dem Hintergrund der Schuldenkrise der „Dritten Welt“ seit Beginn der achtziger Jahre, 1. Auflage, Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt a.M., 1995
Udeani, Ch., Das Verschuldungsproblem der Dritten-Welt-Länder angesichts der Globalisierung in der Weltwirtschaft, in: Zapotoczky/Griebl-Sehata (Hrsg.) Weltwirtschaft und Entwicklungspolitik, 1. Auflage, Brandes & Apsel Verlag,
Frankfurt a.M. (1996), S. 114-129
Andersen, U., http://www.bpb.de/publikationen/078943683848127769789452055-
07946,1,0, Grundlegende_Probleme_der_Entwicklungsl%E4nder.html, Zugriff am
16. 11. 2004
Bewegung gegen den Krieg, http://widerspruch.at/oebgdk/infos/html/179info.html, Zugriff am 17. 11. 2004
Evangelischer Pressedienst, http://www.epd.de/entwicklungspolitik/dwi/dwi98_-16.pdf, Zugriff am 14. 11. 2004
Inkota e. V., http://www.inkota.de/inland/entschuldung/hintergrund01.htm, Zugriff am 17. 11. 2004
Südwind e. V., http://www.suedwind-institut.de/3-011-02.htm, Zugriff am
15. 11. 2004
Welthaus Bielefeld, http://www.welthaus.de/bildung/bsp-7.htm, Zugriff am
17. 11. 2004
[1]Heinz Schenk (*1924), dt. Schauspieler, Conferencier u. Schriftsteller.
[2] Andersen, U., http://www.bpb.de/publikationen/07894368384812776978945205507946,1,0,Grundlegende-
_Probleme_der_Entwicklungsl%E4nder.html, Zugriff am 16. 11. 2004.
[3] Vgl. Südwind e. V., http://www.suedwind-institut.de/3-011-02.htm, Zugriff am 15. 11. 2004.
[4] Vgl. Zapotoczky/Griebl-Sehata (1996), S. 41 f., übereinstimmend vgl. ebenda, S. 117 f.
[5] Vgl. ebenda.
[6] Vgl. ebenda, S. 41.
[7] Vgl. Südwind e. V., http://www.suedwind-institut.de/3-011-02.htm, Zugriff am 15. 11. 2004, übereinstim-
mend vgl. Andersen, U., http://www.bpb.de/publikationen/07894368384812776978945205507946,1,0,-
Grundlegende_Probleme_der_Entwicklungsl%E4nder.html, Zugriff am 16. 11. 2004.
[8] Vgl. Zapotoczky/Griebl-Sehata (1996), S. 41 f.
[9] Vgl. ebenda, übereinstimmend vgl. Südwind e. V., http://www.suedwind-institut.de/3-011-02.htm, Zugriff
am 15. 11. 2004.
[10] Vgl. Südwind e. V., http://www.suedwind-institut.de/3-011-02.htm, Zugriff am 15. 11. 2004.
[11] Vgl. ebenda.
[12] Vgl. Mestel (1999), S. 9.
[13] Vgl. ebenda.
[14] Vgl. ebenda, S. 9 f.
[15] Vgl. ebenda, S. 10.
[16] Vgl. Mestel (1999), S. 11 f., übereinstimmend vgl. Twele (1995), S. 114 ff.
[17] Vgl. Mestel (1999), S. 14 ff. und Twele (1995), S. 109.
[18] Vgl. Twele (1995), S. 109 ff.
[19] Vgl. Mestel (1999), S. 35.
[20] Vgl. ebenda, S. 36 f.
[21] Martin/Schumann (1996), S. 40.
[22] Vgl. Twele (1995), S. 180 ff.
[23] Vgl. Mestel (1999), S. 192 f.
[24] Vgl. Zapotoczky/Griebl-Sehata (1996), S. 126.
[25] Vgl. ebenda, S. 126 f.
[26] Ebenda, S. 127.
[27]
