Verlag: Poppy J. Anderson Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2014

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E-Book-Beschreibung Auszeit für die Liebe - Poppy J. Anderson

Sieg auf der ganzen Linie! Quinn Atherton hat alles, was ein Mann braucht, um ein verdammt cooler Typ zu sein. Zum einen lebt er den Traum eines jeden Amerikaners – er ist Profi-Footballspieler und kassiert Millionen dafür, dass er mit einem Lederball unter dem Arm über ein Spielfeld rennen darf, während ihm Tausende von begeisterten Zuschauern zujubeln. Zum anderen umschwärmen ihn heiße Groupies, die schneller ihre BHs öffnen können, als er das Wort Touchdown überhaupt über die Lippen bringen kann. Doch Quinn hat ein Problem. Er hat nämlich keine Lust, sich die Zeit mit Groupies zu vertreiben, sondern will seine Frau zurück - seine entzückende und streitlustige Frau Bryce, die ihn vor die Tür gesetzt und die Scheidung eingereicht hat. Eigentlich hat er keine Probleme, das weibliche Geschlecht um den Finger zu wickeln, doch Bryce stellt die Ohren auf Durchzug und ignoriert seine Entschuldigungen rigoros. Aber die Liebe ist wie ein Footballspiel. Wenn man eine Chance sieht, zögert man nicht lange und rennt einfach los.

Meinungen über das E-Book Auszeit für die Liebe - Poppy J. Anderson

E-Book-Leseprobe Auszeit für die Liebe - Poppy J. Anderson

Table of Contents

Title Page

Impressum

Newsletter

Prolog

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

Epilog

Leseprobe „Hände weg vom Quarterback“ (Band 9)

Die New York Titans-Reihe

Die Ashcroft-Saga

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebesroman

 

 

 

Auszeit für die Liebe

 

 

 

 

 

 

Poppy J. Anderson

 

 

 

 

 

 

Band 8

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Auflage Mai 2014

 

 

Copyright © 2014 by Poppy J. Anderson

Covergestaltung: Catrin Sommer rausch-gold.com

Unter Verwendung von © BeauSnyder – istockphoto.com

Korrektorat: SW Korrekturen e.U.

 

 

 

www.poppyjanderson.de

 

 

poppyj.anderson@googlemail.com

 

 

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Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin. Personen und Handlung sind frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Markennamen sowie Warenzeichen, die in diesem Buch verwendet werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer.

 

 

 

 

 

Impressum

 

Poppy J. Anderson

c/o copywrite Literaturagentur

Georg Simader

Woogstr. 43

60431 Frankfurt

 

 

 

 

 

 

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Eure Poppy

 

 

P.S. Verpasst am Ende des Buches nicht die Leseprobe vom nächsten Band!

 

 

 

 

 

 

 

Prolog

 

 

Quinn Atherton war genervt!

Und zwar war er so genervt, dass er kurz davor war, die Wände hochzugehen oder irgendjemanden zusammenzuschlagen. Da er Footballspieler war, erledigten sich seine Wutanfälle meistens von allein, schließlich hatte es seine Vorteile, wenn man berufsbedingt andere in den Boden rammen konnte. Als Footballspieler konnte er nicht nur seinen Frust abbauen und sich körperlich verausgaben, sondern bekam dafür auch noch einen Haufen Kohle. Einen großen Batzen dieser Kohle hatte er für ein edles Penthouse mitten in Manhattan ausgegeben, in dem er nun am liebsten Amok gelaufen wäre. Sein Problem war nicht nur, dass jetzt Februar war und er seine Wut nicht mehr beim Training abreagieren konnte, da die Saison vorbei war und er eigentlich Urlaub hatte, sondern dass sich anscheinend die Hälfte der weiblichen Bevölkerung New Yorks dazu entschieden hatte, ihn in den Wahnsinn zu treiben!

Diese Frauen waren einfach überall. Natürlich war er es als Footballspieler gewöhnt, dass er ständig erkannt und angesprochen wurde, aber momentan war es nicht etwa so, dass ihn dickbäuchige Footballfans auf sein letztes Spiel oder auf die Chancen auf den nächsten Superbowl ansprachen. Nein, momentan liefen die Frauen regelrecht Amok, warfen sich vor sein Taxi oder rannten ihm die gesamte Fifth Avenue hinterher, während sie ekstatisch seinen Namen kreischten und verlangten, dass er ihnen die nackten Ärsche signierte.

Und das waren noch die harmlosesten Bitten gewesen!

Er verstand diesen Hype einfach nicht und flehte den Allmächtigen an, dass er ein Einsehen mit ihm hatte. Selbstverständlich wäre jeder Mann geschmeichelt gewesen, wenn unzählige Frauen einen zum Sexsymbol auserkoren hätten, aber Quinn hatte um diese Aufmerksamkeit nicht gebeten. Sie war ihm sogar sehr peinlich, auch wenn das absurd klang.

Obwohl es kein Geheimnis war, dass jeder Mann davon träumte, das Sexsymbol dutzender Frauen zu sein, die sich buchstäblich die Blusen aufrissen, um ihm ihre durchsichtige Unterwäsche bzw. das Fehlen jeglicher Unterwäsche vorzuführen, wurde es Quinn zu viel. Heiße Frauen, die ihn anlächelten und ihm ihre Telefonnummern zusteckten, schmeichelten ihm, aber wildgewordene Furien, die sich in sein Wohnhaus schlichen und plötzlich vor seiner Tür standen, um sich kreischend auf ihn zu werfen, sobald er die Tür öffnete, gingen ihm zu weit. Und das alles nur wegen eines albernen Gerüchts, dass er die Hauptrolle in irgendeiner Erotikverfilmung spielen sollte!

Leider hatte sich ein einziger Blogeintrag innerhalb kürzester Zeit zu einem regelrechten Hype entwickelt. Er wusste nur, dass sein Name ständig genannt wurde, wenn es um die Hauptrolle der Verfilmung eines Erotik-Bestsellers ging, in dem ein gelangweilter Milliardär perverse Spielchen samt Fesseln und Peitschen mit einer naiven Studentin trieb. Nichts gegen perverse Spielchen, aber Quinn trieb solche lieber im Verborgenen, anstatt seinen nackten Arsch in eine Kamera zu halten, damit Millionen von kreischenden Frauen diesen bewundern konnten. Abgesehen davon, dass er generell keine Lust hatte, einen Schauspieler zu mimen, immerhin war er Footballspieler, hatte er erst recht keinen Bock, von seinen Teammitgliedern verarscht zu werden, weil er das Pin-up ekstatischer Frauen war, die sich gerne den Hintern versohlen lassen wollten.

Außerdem bekäme seine Mom einen Herzinfarkt, wenn sie beim sonntäglichen Lunch im elitären Countryclub von ihren Freundinnen darauf angesprochen werden sollte, dass ihr Sohn nicht nur ein derber Footballspieler war, sondern der ganzen Welt auch noch seinen nackten Allerwertesten zeigte. Auch wenn sie stolz auf ihn war, wusste er doch, dass seine Berufswahl nicht unbedingt ihren Wünschen entsprochen hatte. Generell fand ziemlich viel, was er im letzten Jahr ausgefressen hatte, nicht die Billigung seiner Mom. Allein deshalb hatte er das Filmangebot rigoros abgelehnt. Er war ein bekannter Footballspieler, der nicht noch mehr Bekanntheit dadurch erlangen wollte, dass er in einem Film die Hosen herunterließ. Nach den üblen Gerüchten, die in Pittsburgh über ihn verbreitet worden waren, als er noch für die Steelers gespielt hatte, hegte er den Wunsch, all das hinter sich zu lassen. Diese schmierigen Reporter, die alle möglichen Lügen über ihn in die Welt gesetzt hatten, waren schließlich schuld daran, dass seine Ehe in die Brüche gegangen war.

Der Vorteil, ein Footballspieler zu sein, war vielleicht die große Auswahl an willigen Groupies, die sich einem an den Hals warfen und nur zu beglückt waren, wenn sie eine Nacht mit einem Star aus der NFL verbringen konnten. Quinn war nie ein Kostverächter gewesen und hatte solche Angebote früher gerne angenommen, aber das war gewesen, bevor er seine Frau kennengelernt hatte. Anschließend hatte er keinen Blick für schlampige Groupies mit aus dem Shirt herausragenden Titten oder mit Miniröcken gehabt, unter denen jegliche Unterwäsche anscheinend verloren gegangen war.

Dennoch hatte es immer wieder Gerüchte gegeben, dass er seiner Frau nicht treu gewesen sei. Anfangs hatte sie es noch mit Humor genommen und ihm vergnügt die neuesten Zeitungsartikel vorgelesen, während sie in der Badewanne gelegen und er am Waschbecken gestanden hatte, um sich zu rasieren. Ihr lautes Lachen war ansteckend gewesen, so dass sie sich beide prustend über seine angeblichen Affären amüsiert hatten. Irgendwann war ihr vergnügtes Lachen jedoch versiegt und sie hatte ihn misstrauisch gemustert, wenn er nach einem Auswärtsspiel nach Hause gekommen war, weil schon wieder irgendein Groupie eine wilde Behauptung in irgendeinem Klatschblatt von sich gegeben hatte.

Quinn spielte seit einigen Jahren in der NFL und war nicht blind. Viele Spieler vergnügten sich außerhalb der ehelichen Schlafzimmer, genossen das Leben als berühmte Sportler und feierten auf angesagten Partys mit jungen Frauen. Das Leben auf der Überholspur forderte jedoch einige Opfer. Wenn man seine Frau wiederholt mit jungen Hüpfern betrog, die das in die Welt hinausposaunten, weil sie hofften, dadurch einen Plattenvertrag, einen Modeljob oder einfach nur einen Platz im nächsten Dschungel-Camp zu bekommen, führte das meistens zu einem Termin beim Scheidungsanwalt, zu Alimenten und Besuchstagen der eigenen Kinder.

Was ihn betraf, hatten selbst dubiose Schlagzeilen in ebenfalls dubiosen Zeitungen dazu geführt, dass er Post vom Scheidungsanwalt seiner Frau bekommen hatte. Dabei hatte er nichts getan, was ihm vorgeworfen worden war.

Da er dafür berühmt war, sich mit Schiris anzulegen und vehement gegen deren Entscheidungen zu protestieren, war es natürlich zu lautstarken Auseinandersetzungen mit seiner Frau gekommen, als sie ihm Untreue vorgeworfen hatte. Sich wie ein zu Unrecht Angeklagter zu fühlen, hatte ihn rot sehen lassen. Obwohl sich Quinn vorgenommen hatte, ihr völlig ruhig zu erklären, dass er mit keiner Frau etwas am Laufen hatte und dass die Pressemitteilungen ein großer Scheiß waren, hatten ihre Vorwürfe ihn rasend gemacht. Normalerweise hatten ihre Streitereien immer damit geendet, dass sie sich nackt an der Wand wiederfanden und übereinander herfielen, bevor er ihr ins Ohr keuchte, wie heiß sie sei und wie sehr er sie liebte, und sie ihm nicht minder leidenschaftlich ihre Liebe gestand, doch an jenem Abend hatte er trostlos an die kahle Wand gestarrt, nachdem sie ein paar Taschen gepackt hatte und verschwunden war.

Sie war ein ebenfalls aufbrausender Mensch mit einem nicht zu unterschätzenden Temperament, daher war sich Quinn relativ sicher gewesen, dass sie nach ein paar Tagen wieder zurückkäme, wenn sie sich beruhigt hätte. Doch als er Post von ihrem Anwalt bekommen hatte, war ihm klargeworden, dass sie nicht scherzte. Dass er die beschissenen Papiere immer noch nicht unterschrieben hatte, hatte zwei Gründe.

Erstens wollte er sich nicht scheiden lassen.

Zweitens hoffte er, dass sie wütend genug werden würde, um bei ihm in New York aufzutauchen.

Denn wütend konnte sie werden. Oh ja!

Aber auch Quinn war wütend. Er tobte innerlich, da sein Concierge irgendwelche wildfremden Weiber ins Haus ließ, die ihn dann stalkten und dazu brachten, die Polizei zu rufen, weil sie vor seiner Tür campierten.

Wozu zum Teufel bezahlte er ein Heidengeld für einen Concierge und einen Wachdienst, wenn dennoch verrückte Fans völlig unbeteiligt ins Haus schlendern konnten?

Obwohl er sich selbst als umgänglichen Menschen beschrieben hätte, spielte er wirklich mit dem Gedanken, sich bei der Hausverwaltung über den Concierge zu beschweren, der mir nichts, dir nichts wildfremde Frauen ins Gebäude ließ.

Um sich ein wenig zu beruhigen, wollte er es mit etwas Training und lauter Musik versuchen. Nichts ging über schweißtreibendes Training und ohrenbetäubenden Rock. Normalerweise trieb er Sport lieber draußen an der frischen Luft, aber das fiel aufgrund des Schneeregens und der fanatischen Fans heute leider aus. Also verbannte er alle Gedanken an den heutigen Zusammenstoß mit einer kreischenden Fremden, betrat sein Fitness-Zimmer, drehte dort die Musik auf und stieg nur mit Sportschuhen und Boxershorts bekleidet auf sein Laufband, um etwas Dampf abzulassen.

Glücklicherweise half ihm der Sport immer dabei, den Kopf frei zu bekommen und sich zu motivieren. Als Profisportler war es besonders wichtig, einen klaren Kopf zu haben und Probleme in den hintersten Winkel seines Gehirns zu verbannen, da man sich ansonsten nicht auf seinen Job konzentrieren konnte. Es war also kein Wunder, dass er in den letzten Monaten extrem viel Sport getrieben hatte.

Gerade als er sich zu Linkin Park die Seele aus dem Leib lief und wie eine Dampflok keuchte, klingelte es Sturm an seiner Tür. Über die laute Musik hätte er das Klingeln kaum gehört, doch der penetrante Ton drang wie das Geräusch von Fingernägeln auf einer mit Kreide beschmierten Tafel zu ihm.

Genervt schaltete er das Laufband aus und machte sich nicht einmal die Mühe, nach einem Handtuch zu greifen, um sich den Schweiß von der Brust zu wischen, sondern lief angefressen durch seine Wohnung, während der laute Bass beständig durch die Räume hämmerte. Als er durch den Türspion spähte, sank seine gerade erworbene gute Laune ins Bodenlose.

Was zum Teufel war denn jetzt schon wieder los? Konnte ein Mann nicht ein einziges Mal seine Ruhe haben?

Mit einem aus tiefster Seele stammenden Brummen öffnete er die Tür, um dem nervös wirkenden Concierge den Kopf zu waschen. „Habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt, Paul? Sie sollen keine Weiber mehr ...“

Quinn stoppte mitten im Satz und starrte auf die langbeinige Frau, die neben dem beklagenswerten Concierge stand und ihn mit hochgezogener Augenbraue musterte.

„Es tut mir leid, Mr. Atherton“, sprudelte es aus Paul hervor. „Die Dame behauptet, Ihre Frau zu sein, und ließ sich nicht abwimmeln.“

Geistesabwesend nickte er und saugte sich am Gesicht seiner Frau fest, das mal wieder nichts preiszugeben schien. Lediglich ihre hochgezogene Augenbraue verriet ihm, dass sie leicht verärgert sein musste. Angesichts des hilflosen Gebrabbels des Concierge konnte sich Quinn allzu gut vorstellen, welchen Aufriss sie schon gemacht haben musste. Paul jedenfalls wirkte wie ein Mann, der bei vollem Bewusstsein eine Darmspiegelung über sich hatte ergehen lassen müssen. Quinn konnte es ihm gut nachfühlen.

Da seine Stimme nach einem Krächzen klang, räusperte er sich. „Schon gut, Paul. Sie ist tatsächlich meine Frau.“

Diese warf dem verdutzten Paul einen leicht belustigten Blick zu, bevor sie sich einfach an Quinn vorbei in die Wohnung quetschte und es ihm überließ, die Tür zu schließen oder den armen Paul zu verabschieden.

Mit klopfendem Herzen schloss Quinn die Eingangstür und lehnte sich einen Moment dagegen, um sich zu sammeln.

Doch bevor er eine Chance hatte, darüber nachzudenken, was sie hier in New York tat, oder ihr frisches Parfum aus der Nase zu bekommen, vernahm er bereits ihre anklagende Stimme.

„Du hast die Scheidungspapiere noch nicht unterschrieben.“

Er biss die Zähne zusammen und drehte sich um. „Es ist auch nett, dich zu sehen, Bryce.“

Mit einem Schnauben verdrehte sie die Augen und zog sich die graue Mütze vom Kopf, was dazu führte, dass sich ein Schwall haselnussbrauner Locken über ihren Rücken ergoss. Wie selbstverständlich zog sie ihre Winterjacke aus und warf sie über seine Couch, bevor sie nach einem Apfel griff und in diesen hineinbiss. Es sprach für Bryce, dass sie sich überall wie daheim fühlte und sofort ihr Revier markierte. Genauso sprach es für sie, dass sie Konzessionen an das Wetter machte und daher nicht in einem Kleid durch die Gegend lief, sondern Schneeschuhe, Jeans und einen Pulli trug. Auf der einen Seite fand Quinn es äußerst schade, dass sie sich nicht für ihn herausgeputzt hatte, aber auf der anderen Seite war es sehr beruhigend, dass sich nichts geändert hatte.

Sie kaute auf ihrem Apfel herum und musterte ihn neugierig, wobei ihr Blick nicht auf seiner nackten Brust ruhte, sondern seine Haare maß. Automatisch fuhr er sich durch die verschwitzten Strähnen, die er mittlerweile zu einem Zopf hätte binden können.

„Scheint so, als wärst du schon lange nicht mehr beim Friseur gewesen.“

Quinn runzelte die Stirn und verschränkte die Arme vor der Brust, während er auf sie zukam. „Wir haben uns fast acht Monate nicht gesehen und du willst mit mir über meine Frisur reden?“

„Nein“, erklärte sie mit undurchdringlicher Miene. „Eigentlich wollte ich gar nicht mit dir reden, aber da du dich weigerst, die Papiere zu unterschreiben ...“

Er unterbrach sie grob. „Entschuldige mal, Bryce, aber willst du mir wirklich vorwerfen, dass ich mich weigere, der Scheidung zuzustimmen? Du bist einfach aus unserem Haus verschwunden und wolltest anschließend kein Wort hören, das ich hätte sagen können!“

„Was gab es denn da noch zu bereden?“

Sofort brauste er auf. „Ich habe mit dieser Frau nicht geschlafen! Wie oft soll ich das denn noch erklären?“

Endlich kam etwas Leben in ihre braunen Augen. „Es ist mir ziemlich egal, was du mit dieser Schlampe getrieben hast, Quinn. Mach doch, was du willst! Mich interessiert das herzlich wenig, solange du nur endlich die Papiere unterschreibst!“

„Das werde ich nicht tun!“

„Doch das wirst du!“

Verständnislos schüttelte er den Kopf. Ganze acht Monate hatten sie sich nicht gesehen, nachdem sie kopflos aus ihrem gemeinsamen Haus geflohen war, und er wollte so viele Dinge gleichzeitig tun! Sie erwürgen, weil sie ihn durch die Hölle geschickt hatte, sie zur Vernunft bringen und ihr erklären, dass er sie niemals betrogen hatte, und er wollte sich am liebsten sofort auf sie stürzen und ihr die Klamotten vom Leib reißen.

Quinn würde diese Papiere nicht unterschreiben. Er war der festen Überzeugung, dass Bryce lediglich aus verletztem Stolz heraus so heftig reagiert hatte und eigentlich auch keine Scheidung wollte. Sie war nun einmal ein furchtbarer Sturkopf, der Schwierigkeiten damit hatte, seine Worte zurückzunehmen. Genau wie er.

„Warum hast du meine Anrufe nicht angenommen?“

„Weil ich es nicht wollte“, sie seufzte schwer auf. „Quinn, es ist vorbei ...“

Er schnaubte wütend. „Hör auf, dir das einzureden!“

„Ich meine es völlig ernst“, erwiderte sie ruhig. „Sieh doch bitte ein, dass es mit uns einfach nicht funktioniert hat.“

Aufgebracht ballte er beide Hände zu Fäusten. „Bryce, ich habe mit ihr nicht geschlafen. In unserer Ehe habe ich mit keiner anderen Frau geschlafen und nach unserer Trennung auch nicht!“

„Quinn“, stöhnte sie müde. „Darum geht es doch gar nicht.“

Überrascht riss er seine Augen auf. „Was? Worum geht es denn dann?“

Als sie den Kopf schüttelte, zog sich sein Magen zusammen.

„Es geht darum, dass du nicht einmal weißt, was du falsch gemacht hast.“

 

 

 

 

1. Kapitel

 

 

2 Jahre zuvor

 

 

Bryce Fitzgerald unterdrückte ein Gähnen und blinzelte heftig gegen die grellen Lichter an, die den Festsaal beleuchteten, der zum Bersten voll von Gästen und Journalisten war. Die beiden Gruppen waren gut zu unterscheiden, da sich die männlichen Gäste allesamt in Smokings geworfen hatten, während die weiblichen Gäste versuchten, sich mit ihrer Abendgarderobe gegenseitig auszustechen. Die Journalisten dagegen waren an den riesigen Kameras, den Mikrofonen und dem teilweise rücksichtslosen Verhalten zu erkennen, wenn sie sich gegenseitig durch die Gegend schubsten, um ein gutes Foto zu schießen oder einen Sportler zu interviewen.

Sie wusste wirklich nicht, wer ihr an diesen Abenden mehr auf den Keks ging. Eigentlich sollte man meinen, dass es beim Sport nicht um Selbstbeweihräucherung oder Selbstdarstellung ging, doch bei solchen Auszeichnungen innerhalb der Sportwelt hatte Bryce ständig das Gefühl, in das Glitzerleben Hollywoods geraten zu sein. Sportler, die normalerweise in verschwitzten Trikots zu sehen waren, standen wie brave Musterknaben in perfekt sitzenden Smokings auf der Bühne und benahmen sich, als wären sie zum Tee bei der englischen Königin eingeladen, und Sportlerinnen, die das ganze Jahr hart an ihren Karrieren arbeiteten, schienen an nichts anderes als an ihr Outfit und ihr Make-up zu denken. Doch Bryce wollte nicht zu schnell urteilen, immerhin hatte sie sich auch in ein Abendkleid geworfen und Reitstiefel gegen hohe Schuhe ausgetauscht, die sie bereits jetzt umbrachten. Seit dem vergangenen Weltcup war sie ständig auf solchen Events eingeladen und sah sich gezwungen, ihre Reitkleidung gegen vornehme Abendkleidung zu tauschen.

Es machte ihr nicht viel aus, ab und zu im Rampenlicht zu stehen und sich auf diesen Veranstaltungen blicken zu lassen, doch in den letzten Monaten häuften sich Abende oder Wochenenden, an denen sie unterwegs war und aus ihrem Training gerissen wurde. Das störte sie eigentlich am meisten – der Trainingsausfall. Vor allem jetzt hätte sie es sich eigentlich nicht leisten können, ihr Training schleifen zu lassen, immerhin trainierte sie momentan sehr intensiv mit ihrem neuen Springpferd, nachdem ihr siebzehn Jahre alter Wallach nach einer Verletzung im Training in Rente gegangen war. Ihr Holsteiner Hengst Cornet Duke war ein sehr temperamentvolles Tier, mit dem sie erst zu einem Team zusammenwachsen musste, wie sie es über Jahre mit ihrem Wallach Sir Wallace gewesen war. Ein kontinuierliches Training war deshalb besonders wichtig und es ärgerte Bryce, dass sie so oft von einem Event zum anderen fahren musste, anstatt sich auf ihr neues Springpferd zu konzentrieren.

Obwohl sie Cornet Duke schon seit geraumer Zeit ritt und mit ihm erfolgreich viele Turniere der letzten Monate absolviert hatte, hatte sie noch nicht das Gefühl, für die Olympischen Spiele gewappnet zu sein, die in wenigen Monaten anstanden. Eigentlich hatte sie mit ihrem Wallach antreten wollen, der nach den Spielen in London seine wohlverdiente Rente hätte genießen können. Seine Verletzung hatte ihren Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht, weshalb sie nun mit einem Jungspund von Hengst nach London fahren würde, der ausgesprochen talentiert und extrem temperamentvoll war. Die Entscheidung zwischen ihrer gutmütigen Stute Summerspring und ihrem Hengst Cornet Duke war ihr jedoch nicht schwergefallen. Summerspring war ein sehr zuverlässiges Pferd, das im Training eine konstante Leistung zeigte, doch in Turnieren fehlte ihr der gewisse Ansporn, alles aus sich herauszuholen. Cornet Duke dagegen konnte sich manchmal unberechenbar gebärden, doch blühte er auf, sobald er den Springplatz betrat, und er zeigte ein verwirrend hohes Maß an Ehrgeiz. Bei den Olympischen Spielen reichte eine konstante Leistung leider nicht aus, wie Bryce vor vier Jahren erfahren hatte. Man musste alles auf eine Karte setzen, weshalb sie sich für Cornet Duke entschieden hatte, der zwar ein Risiko darstellte, aber gleichzeitig genau die Arbeitsbereitschaft und den Geltungsdrang zeigte, den ein echter Champion besitzen musste.

Als eine geschäftige Betriebsamkeit im opulent geschmückten Saal aufkam, nahm Bryce ihr Champagnerglas in die Hand und machte sich zähneknirschend auf den Weg zu dem ihr zugewiesenen Tisch. Sie war gespannt, mit wem sie den heutigen Abend verbringen musste. Komischerweise hatten die Organisatoren solcher Abende keine Vorstellung, welche Gäste sie nebeneinander setzen konnten und wen sie lieber an weit voneinander entfernten Tischen platzieren sollten. Sie befürchtete, dass sie auch bei dieser Veranstaltung mit Sportlern zusammensitzen würde, mit denen sie nichts anfangen konnte. Bei dem letzten Event dieser Art hatte sie neben einem Golfer und einem Rennfahrer gesessen. Sie musste sicher nicht erwähnen, dass der Abend unwahrscheinlich langweilig gewesen war. Meistens zwang sie ihre beste Freundin Meg dazu, sie zu begleiten, damit sie nicht allein diesen langweiligen Abenden ausgesetzt war, aber Meg hatte ihr kurzfristig absagen müssen, da ihr Pferd an einer Kolik erkrankt war. Außer Eric war ihr niemand anderes eingefallen, den sie auf die Schnelle hätte fragen können, daher war sie allein hergekommen. Bevor sie Eric mitnahm, würde die Hölle gefrieren.

Es war nicht so, dass Eric kein interessanter Gesprächspartner war, immerhin konnte er sehr charmant sein und ein großartiger Trainer war er sowieso. Das einzige Problem war, dass Eric sich auch wie ein Vollidiot benahm, wenn er die Chance auf unverbindlichen Sex mit vollbusigen Frauen bekam, was ziemlich häufig passierte. Aufgrund seines notorischen Verhaltens, seine Hosen nicht anbehalten zu können, sobald er die Möglichkeit auf unverbindlichen Sex hatte, hatte sich Bryce dazu entschieden, sich privat von ihm zu trennen, auch wenn er sie weiterhin trainierte. Das funktionierte sogar ziemlich gut, wenn man davon absah, dass Eric immer noch gerne mit ihr flirtete und der Meinung war, sich in ihr Bett einladen zu können, wenn er Lust darauf hatte.

Vermutlich hatte Bryce ihn aus diesem Grund auch nicht gefragt, ob er sie nach Chicago begleiten wolle. Eric wäre sicherlich davon ausgegangen, das Hotelzimmer und das Hotelbett mit ihr zu teilen. Ein einziges Mal war Bryce schwach geworden und hatte mit ihm nach ihrer Trennung geschlafen. Das war sieben Monate her und noch heute bereute sie den Abend, an dem sie trostbedürftig und unglücklich gewesen war und Erics Einladung in sein Zimmer gefolgt war. Seither wahrte sie professionelle Distanz zu ihm und benahm sich ziemlich unterkühlt ihm gegenüber. Leider konnte er sehr dickfellig sein, wenn er wollte. Nach ihrer Trennung hatte Bryce sich dazu entschieden, das Privatleben zu vernachlässigen und sich allein auf ihre Karriere zu konzentrieren. Sie hatte keine Lust mehr, sich von ständigen Beziehungsschwierigkeiten ablenken zu lassen, sondern arbeitete ehrgeizig ihrem Ziel entgegen. Bei den letzten Olympischen Spielen war sie noch sehr jung und unbedarft gewesen. Mit dreiundzwanzig Jahren war sie im Vergleich zu ihren älteren und erfahreneren Teammitgliedern und Konkurrenten wie ein junges Küken gewesen, auch wenn sie in diese Welt hineingeboren worden war. Leider war ihre Teilnahme nicht sonderlich erfolgreich gewesen.

Heute wusste Bryce, dass sie viel zu große Erwartungen an ihre erste Olympiateilnahme gestellt hatte, obwohl sie damals noch nicht so weit gewesen war. In den vergangenen vier Jahren hatte sie hart daran gearbeitet, sicherer und ruhiger zu werden. Diese Erfahrungen und ihre konstanten Siege hatten sie nun auf einen sehr guten Weg gebracht. Mit siebenundzwanzig Jahren und einem Weltcuperfolg im letzten Jahr konnte sie das Projekt Olympia besonnener angehen.

Sie bahnte sich einen Weg zu ihrem Tisch und fasste nach dem schleppenartigen Rock ihres rosa schimmernden Kleides. Man konnte über ihre Stiefmutter Clarice sagen, was man wollte, aber eines stimmte: Sie hatte einen richtig guten Geschmack. Das vermutlich sündhaft teure Kleid hatte sie ihr erst vor kurzem zu Weihnachten geschenkt, als es zu dem typisch lieblosen Prozedere der Geschenkübergabe gekommen war. Seit ihr Vater seine neue Frau vor einigen Jahren geheiratet hatte, waren die Weihnachtsfeiertage nicht mehr das, was sie früher gewesen waren. Auch das letzte Weihnachtsfest war eine steife Angelegenheit gewesen. Das einzig Gute war tatsächlich das bodenlange Abendkleid mit den wunderschönen Perlenstickereien auf dem ärmellosen Oberteil gewesen, das sie heute trug.

„Hallo, Bryce! Meine Liebe, wie geht es dir? Gut siehst du aus.“

Höflich erwiderte sie das Lächeln einer Eiskunstläuferin, die sie bereits vor einigen Jahren auf einer ganz ähnlichen Veranstaltung kennengelernt hatte. Damals war sie der Star ihrer Sportart gewesen, doch nach einer Verletzung vor drei Jahren kämpfte sie verbissen um ein Comeback, das ihr bisher jedoch nicht geglückt war. Ehrlicherweise musste Bryce zugeben, dass sie die überkandidelte Eiskunstläuferin nicht besonders mochte. Als sie vor sechs Jahren die Goldmedaille gewonnen und sozusagen in den Sportlerolymp aufgestiegen war, hatte es keine überheblichere Sportlerin als sie gegeben, die auf alle anderen Kolleginnen und Kollegen von oben herabgesehen hatte. Nun, da kein Hahn mehr nach ihr krähte, war sie plötzlich zu allen superfreundlich und schleimte sich bei jedem ein. Vor allem bei Sportreportern, mit denen sie angeblich auch gerne ins Bett ging, wenn die Aussicht auf ein Interview bestand.

„Hi, Camille.“

„Ich liebe dein Kleid! Du siehst toll aus.“

Bryce lächelte knapp. „Danke ...“

„Diese Veranstaltung scheint ein voller Erfolg zu sein“, unterbrach Camille sie aufgeregt. „Ich habe gehört, dass sie sogar weltweit ausgestrahlt wird. Anscheinend ist NBC auch hier, um interessante Interviewpartner für das wöchentliche Sportmagazin zu finden. Glücklicherweise kennt mein Agent den Produzenten. Also wünsch mir Glück!“

„Viel Glück.“ Sie legte den Kopf bedauernd zur Seite. „Ich muss jetzt wirklich meinen Tisch finden ...“

„Mach das! Viel Spaß, meine Liebe.“

Der Affenzirkus war Bryce zuwider, aber sie machte gute Miene zum bösen Spiel und lächelte ihr zu, während sie hoffte, dass sie bald verschwinden konnte. Natürlich wusste sie, dass Sportler auf gute Presse angewiesen waren, allein damit ihre Werbepartner in sie investierten, trotzdem hatte Bryce wenig Interesse daran, sich bei Journalisten einzuschleimen. Leider wurde eine seriöse Berichterstattung immer seltener, da sich die Presse lieber auf Skandale anstatt auf sportliche Erfolge einschoss. Auch Bryce hatte am heutigen Abend wieder erlebt, wie unwichtig der Sport mittlerweile geworden war, wenn sie ein Interview gab. Der aufdringliche Widerling vom nationalen Sportmagazin hatte sie beispielsweise ganze zehn Minuten mit penetranten Fragen zu ihrem Privatleben gelöchert, bevor eine der Organisatoren des heutigen Abends ihn höflich weitergeschleust hatte. Bryce war dafür bekannt, Fragen aus dem Weg zu gehen und die Journalisten gerne abblitzen zu lassen, weshalb der schmierige Blondhaarige anscheinend die Gunst der Stunde genutzt hatte.

Mit einem Seufzen entdeckte sie endlich ihren Tisch, an dem es noch zwei freie Plätze gab, während die übrigen sechs bereits belegt waren. Ein Blick sagte ihr, dass die Organisatoren ganze Arbeit geleistet hatten. Sie hatte überhaupt keine Ahnung, mit wem sie da den Abend verbringen würde.

„Hallo“, resolut stellte sie ihr Glas ab und lächelte leicht gequält in die Runde, nachdem sie ihre Tischkarte gefunden hatte.

Bis auf eine Blondine in einem grellroten Kleid schauten die übrigen Gäste auf und nickten ihr zu. Wie es schien, war sie nicht die Einzige, die wenig Lust auf die Veranstaltung hatte.

Bryce verkniff sich jeden Kommentar und setzte sich auf ihren Stuhl, von dem sie einen wunderbaren Blick auf die Hinterköpfe der vorderen Tische hatte. Na, wunderbar!

Der dickbäuchige Mann zu ihrer Linken schnaufte und beugte sich zu ihr, wobei der wenig dezente Geruch von Brandy zu ihr wehte. Wer konnte es ihm verdenken, schoss es ihr durch den Kopf. Am liebsten hätte sie sich auch einen hinter die Binde gegossen, wenn sie nicht im Training gewesen wäre und morgen in aller Frühe zurück nach Ohio hätte fliegen müssen. Da sie spätestens gegen Mittag im Sattel sitzen wollte, konnte sie es sich nicht leisten, mit einem Kater aufzuwachen.

„Sie kommen mir so bekannt vor, Miss ...?“

„Fitzgerald“, sie schaute gespielt fröhlich in seine blutunterlaufenen Augen, die eine frappierende Ähnlichkeit zu den triefenden Augen der Bulldogge besaßen, die Bryce als Siebenjährige gebissen hatte. „Bryce Fitzgerald.“

„Sehr erfreut“, er reichte ihr eine feiste Hand. „Bill Cohen. Ich bin Sprecher des Sportverbandes von Michigan.“

„Nett, Sie kennenzulernen“, erwiderte sie und schüttelte ihm kurz die Hand.

„Fitzgerald“, murmelte er fragend. „Sind Sie Sportlerin?“

„Ja, Springreiterin.“

Überrascht zogen sich seine buschigen Augenbrauen in die Höhe. „Die Fitzgeralds aus Georgia?“

Mit einem angekleisterten Lächeln nickte Bryce. „Genau.“

„Ich erinnere mich an Los Angeles, als Ihre Mutter die Goldmedaille holte. Das waren noch Zeiten, als eine Amerikanerin der Konkurrenz haushoch überlegen war.“

Der Stich ging genau in ihr Herz und sie merkte, wie sie innerlich zusammenzuckte. Der Mann schien dies gar nicht zu bemerken.

Unbekümmert plapperte er weiter. „Ihr Bruder ist ein sehr erfolgreicher Dressurreiter, nicht wahr?“

Bryce knirschte mit den Zähnen und bemühte sich um einen höflichen Ton. „Braxton wird als Favorit für London gehandelt.“

„Was sagt Ihr Vater denn dazu, dass Sie nun Ihrer Mutter und Ihrem Bruder nacheifern?“

Auch wenn der dickbäuchige Mann es gutmütig und ein wenig onkelhaft gemeint hatte, sträubte sich buchstäblich ihr Nackenfell. Sie versuchte, diesem Thema so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen, und war mittlerweile hypersensibel, was ihre Familie betraf.

Glücklicherweise bekam sie keine Möglichkeit, ihrem Tischnachbar eine Antwort zu geben, weil jemand unabsichtlich ihren Arm streifte und mit dunkler Stimme genervt erklärte: „Hier, Sydney, deine Limo.“

„Ist das auch Diätlimo, Quinn? Du weißt, ich trinke nur Diätlimo.“

„Herrgott noch mal“, knurrte die Stimme unterdrückt. „Jetzt trink den Schrott endlich!“

Die leidende Stimme der aufgetakelten Blondine war kaum noch wahrzunehmen, weil sie anscheinend schmollte.

Interessiert verfolgte Bryce, wie der Besitzer der genervten Stimme sich neben sie setzte und sich währenddessen durch das dunkle Haar fuhr.

Wie es schien, hatte er bemerkt, dass sie ihn musterte, weil er ihr das Gesicht zudrehte und sie aus hellgrünen Augen anschaute.

„Hi.“

„Hi“, erwiderte sie wenig geistreich, was jedoch nicht verwunderlich war, wenn sie bedachte, dass ihr neuer Tischnachbar zu der Sorte Mann gehörte, die bei Frauen Atemnot und Ohnmachtsanfälle auslöste. Bryce’ unerträgliche Stiefschwester Annabelle hätte vermutlich zu kichern angefangen und mit ihrem blond gefärbten Haar gespielt, sobald er sie angesprochen hätte, aber Bryce behielt angesichts des stechenden Blicks und der amüsiert geschwungenen Lippen einen kühlen Kopf und benahm sich so, als würde sie nicht bemerken, wie heiß der Mann zu ihrer Rechten aussah.

Als er die Diätlimo trinkende Blondine links liegen ließ und sich mit seinem ganzen Körper, der in einem perfekt sitzenden Smoking steckte, zu Bryce drehte, um ihr seine Hand zu reichen, zog sich eine Gänsehaut über ihren Körper. Mit trockener Kehle schüttelte sie seine große Hand, die erstaunlich warm war.

Er schielte auf ihr Tischkärtchen und lächelte anschließend charmant. „Sie müssen Bryce sein. Ich bin ...“

„Quinn“, erwiderte sie belustigt und räusperte sich gespielt ernst. „Wenn mich nicht alles täuscht.“

„Richtig“, mit seinem dunklen Haarschopf deutete er salopp in Richtung Bühne und streckte sich ein wenig auf seinem Stuhl, was dazu führte, dass Bryce augenblicklich bemerkte, wie gut gebaut und groß ihr Tischnachbar war. „Warum müssen Sie sich diesen Quatsch antun, wenn ich fragen darf?“

Bryce gluckste kurz auf und blinzelte ihm zu. „Also sind Sie genauso begeistert wie ich, den Abend hier verbringen zu dürfen?“

Mit einem aus tiefstem Herzen kommenden Stöhnen verdrehte er die Augen. „Abgesehen davon, dass das Essen furchtbar ist und die Reden immer eine halbe Ewigkeit dauern, hasse ich es, stundenlang in meinem Smoking auf diesen unbequemen Stühlen zu sitzen. Aber meine Agentin würde mir die Hölle heiß machen, wenn ich heute geschwänzt hätte.“

Seine Antwort war so entwaffnend ehrlich, dass sie breit grinste. Es störte sie nicht einmal, dass der onkelhafte und nach Brandy riechende Sportsverbandssprecher neben ihr pikiert keuchte und sich mit seinem massigen Körper nach vorne beugte, um Quinn kritisch in Augenschein zu nehmen.

„Vergessen Sie die Photographen nicht, die ständig um die Tische herumscharwenzeln.“

„Wie könnte ich das“, sein Blick wurde neugierig, während er sie offen maß. „Jetzt sagen Sie schon, Bryce, was hat Sie hergeführt?“

Sie zuckte kurz mit der Schulter. „Nichts anderes als Sie. Mein Agent überfiel mich am Telefon mit Hinweisen auf meinen Sponsor, weshalb mir nichts anderes übrig blieb, als nach Chicago zu fliegen.“

Anscheinend hatte sie nun seine volle Aufmerksamkeit. Er legte einen Arm über seine Stuhllehne und ließ seine hellgrünen Augen über ihren Körper wandern, bis sie sich auf ihr Gesicht hefteten. „Jetzt bin ich neugierig. Sie sind also Sportlerin.“

„Scheint so.“

„Muss ich spekulieren oder verraten Sie mir so, welchen Sport Sie treiben?“

Irgendwie hatte sie den Eindruck, dass er mit ihr flirtete, aber das konnte auch täuschen, immerhin saß seine schmollende Begleitung neben ihm – auch wenn ihn dies nicht zu interessieren schien.

Bryce gab sich möglichst lässig, griff nach ihrem Glas und nippte an dem Champagner. „Ich bin Springreiterin. Und was machen Sie?“

„Autsch“, er verzog das Gesicht, das mit einem Mal lausbubenhaft wirkte. Doch Bryce konnte sich sehr gut vorstellen, dass das nur Fassade war. „Das wissen Sie nicht?“

Ihre Augenbrauen wanderten nach oben. „Sollte ich Sie kennen?“

„Wahrscheinlich sind Sie kein großer Footballfan, Bryce. Richtig?“

„Football“, sie schluckte den prickelnden Champagner hinunter und fragte gespielt ernst: „Ist das nicht die Sportart, bei der Männer in gnadenlos engen Hosen über ein Feld rennen und sich eine Rindslederblase unter den Arm klemmen?“

„Eigentlich ist es eine Schweinslederblase“, antwortete ihr Tischnachbar mit einem unterdrückten Lachen.

„Hatte ich denn Recht, was die Hosen betrifft?“

„Kommen Sie doch mal nach Pittsburgh, dann können Sie sich mit eigenen Augen überzeugen.“

Interessiert legte sie den Kopf schief. „Sie spielen in Pittsburgh?“

„Schon seit ein paar Jahren“, er griff nach seinem Wasserglas und nahm einen Schluck. „Wo trainieren Sie?“

„In Ohio, etwas südlich von Lancaster.“

„Schöne Gegend.“

„Sehr schöne Gegend“, erwiderte sie und fragte sich, warum sie so wenig geistreiche Antworten gab. Normalerweise war sie nicht auf den Mund gefallen.

„Wird Ihnen auf dem Land denn nicht langweilig?“

Sie rümpfte die Nase und spielte mit dem Saum der weißen Tischdecke, bevor sie ihn eher belustigt als empört fragte: „Langeweile? Anscheinend haben Sie keine Ahnung, wie hart die Arbeit mit Tieren ist.“

„Das würde ich nicht sagen“, grinsend zeigte er ihr eine Reihe strahlend weißer Zähne. „Ich habe einen Teamkollegen, der leicht als Gorilla durchgeht.“

Bryce starrte in seine Augen und wäre beinahe in prustendes Gelächter ausgebrochen, wenn die schmollende Blondine nicht befunden hätte, dass ihr Begleiter ihr lange genug die Aufmerksamkeit entzogen hatte.

„Quinn“, nörgelte sie mit endlos langgezogener Stimme. „Wann fängt die Show denn an?“

„Sydney, ich habe dir schon zehnmal erklärt, dass das keine Show ist“, gab er genervt von sich und drehte den Kopf zu seiner Begleitung.

„Und was passiert dann, bitte schön?“

Während er ihr erklärte, dass Reden gehalten und Preise übergeben wurden, nutzte Bryce die Gunst der Stunde und betrachtete ihren Tischnachbarn näher.

Sein dunkles Haar war zerzaust, was wohl auch daran lag, dass er ständig mit seinen Fingern durch seine Frisur fuhr und diese dadurch zerstörte. In seinem Gesicht fanden sich gleich mehrere faszinierende Eigenschaften, von denen die hellgrünen Augen, über denen dunkle Augenbrauen lagen, wohl am auffälligsten waren. Zusätzlich besaß er extrem markante Gesichtszüge und zeigte Grübchen in seinen hageren Wangen, wenn er lächelte. Im Gegensatz zu einem fast schon störrischen Kinn waren seine Lippen geradezu feingliedrig und auch seine Nase wirkte relativ schmal. Bryce konnte sich nur allzu leicht vorstellen, dass Quinn keine Probleme hatte, Frauen aufzureißen, zumal unter dem schwarzen Smoking ein beeindruckender Körper zu stecken schien. Immerhin ließen breite Schultern, schmale Hüften und muskulöse Beine darauf schließen.

Es war eine Schande, dass gutaussehende Männer wie er, die allem Anschein nach auch noch nette Gesprächspartner sein konnten, sich mit extrem hohlen Püppchen schmücken mussten, die vermutlich mehr Geld für ihre Silikonimplantate als für ihre Schulbildung ausgegeben hatten. Leider bestätigte er die Vorstellung, die Bryce bislang von Footballspielern gehegt hatte. Wenn sie bedachte, dass sich auch Eric gerne mit geistlosen Tittenwundern eingelassen hatte, musste Bryce ihre Feststellung revidieren. Nicht Footballspieler, sondern Männer allgemein achteten eher auf das Volumen von weiblichen Brüsten als auf deren Gehirnaktivitäten.

Sie war so in ihren Gedanken versunken, dass sie beinahe nicht mitbekommen hätte, wie er ihr wieder seine Aufmerksamkeit schenkte.

„Wofür trainieren Sie, wenn ich fragen darf?“

Es dauerte einen Moment, bis sie verstand, wovon er sprach. Hastig schluckte sie gegen ihre trockene Kehle an. „Im Sommer finden in London die Olympischen Spiele statt, daher stecke ich mitten im Training.“

Er schien beeindruckt zu sein, da sich seine Augen weiteten.

„Die Olympischen Spiele? Das heißt, dass Sie gut sein müssen.“

Lachend lehnte sie sich zurück. „Jedenfalls gebe ich mir viel Mühe.“

Sein Lächeln warf sie beinahe um. „Haben Sie manchmal auch einen freien Tag? Von Pittsburgh nach Ohio ist es nicht weit ...“

„Flirten Sie etwa mit mir?“ Verwundert rundeten sich ihre Augen.

Zwar blieb er ihr eine Antwort schuldig, doch sein Grinsen sagte ihr alles, was sie wissen musste.

Obwohl sich Bryce als abgebrüht und welterfahren beschrieben hätte, merkte sie, dass sie wie ein Teenager errötete, als der dunkelhaarige Footballspieler nicht den Blick von ihr nahm. Gerne hätte sie ihn empört darauf hingewiesen, dass er in Begleitung gekommen sei und sie daher nicht so offensiv anmachen sollte, doch alle Worte blieben ihr in der Kehle stecken, weshalb sie sich kurz räuspern musste. Natürlich machte das ihren gespielt lässigen Eindruck zunichte.

„Ich hoffe, Sie wissen, dass ich nicht mit Männern flirte, die samt Begleitung an meinem Tisch sitzen.“

Er schüttelte mit ernstem Blick den Kopf und beugte sich ein Stückchen näher, was dazu führte, dass der herbe Geruch nach sauberer Männerhaut in ihre Nase stieg und ein Prickeln in ihrer Magengegend auslöste.

„Würden Sie mir glauben, dass sie meine Schwester ist?“

Irritiert warf sie einen kurzen Blick zu der aufgetakelten Blondine, die ihre rot lackierten Fingernägel begutachtete und währenddessen auf ihren anscheinend aufgespritzten Lippen herumnagte.

Mit gerunzelter Stirn schüttelte Bryce den Kopf. „Nein.“

„Erwischt“, keineswegs eingeschüchtert gluckste er auf.

Sollte sie sich Gedanken machen, dass sie ihm sein in keinster Weise reumütiges Geständnis überhaupt nicht übelnahm, sondern am liebsten in sein Glucksen eingefallen wäre? Der dunkelhaarige Charmeur hatte etwas an sich, das es ihr schwer machte, ihm böse sein zu können.

„Wenn Sie mir Ihre Telefonnummer geben, verspreche ich Ihnen, dass ich keine Begleitung zu unserem Date mitbringe.“

„Zu unserem Date?“ Tatsächlich hatte sie keine Ahnung, ob er es ernst meinte oder sie nur auf den Arm nahm.

„Klar“, er nickte wie selbstverständlich. „Warum kommen Sie in der nächsten Woche nicht nach Pittsburgh? Die Footballsaison ist vorbei und ich könnte Ihnen die Stadt zeigen.“

Bryce schnaubte und schenkte ihm einen ironischen Blick. „Selbst wenn ich davon ausginge, dass Sie es ernst meinten, Quinn, muss ich Sie enttäuschen. Einen Trip nach Pittsburgh kann ich mir angesichts meines straffen Trainingsplans nicht leisten. Außerdem denke ich, dass Sie sich lieber um Ihre Begleitung kümmern sollten.“

Er tat, als hätte es ihre letzte Bemerkung gar nicht gegeben. „Wann hätten Sie dann etwas Zeit?“

Bryce verdrehte die Augen und sah ihn über den Rand ihres Glases an. „Im September.“

„Im September?“ Unbekümmert zuckte er mit der Schulter. „Ich denke doch, dass sich vorher noch etwas machen lässt.“

Da der offizielle Teil des Abends begann, kam Bryce nicht in die Verlegenheit, ihm antworten zu müssen. Stattdessen gab sie sich völlig konzentriert, als weitere dickbäuchige Sportverantwortliche auf der Bühne standen und sich gegenseitig in den höchsten Tönen lobten. Irgendwelche Auszeichnungen wurden verliehen, die das Publikum dazu zwangen, höflich zu applaudieren, während schmierig wirkende Photographen durch den Raum schlichen, um Bilder der Gäste zu schießen.

Nach und nach verlegte sich Bryce dazu, mit ihrem linken Sitznachbarn zu plaudern, auch wenn sie merkte, dass Quinn ihr zuhörte und sich ihr immer wieder zuwandte. Die Blondine neben ihm nörgelte ab und zu über das Essen, was Bryce ihr nicht einmal übelnahm, da das Hühnchen in Erdnusssauce schrecklich trocken war. Das Dessert war nicht viel besser, also erhob sich Bryce und entschuldigte sich kurz, um ein wenig Luft zu schnappen. Sobald sie den Gala-Raum verlassen hatte, setzte sie sich im Foyer auf einen Sessel und zerrte ihr Handy aus dem kleinen Abendtäschchen. Da sie weder einen Anruf noch eine Nachricht bekommen hatte, schob sie das Handy zurück in die unhandliche Tasche und lehnte frustriert den Kopf zurück.

Zum Glück neigte sich der Abend seinem Ende entgegen, was bedeutete, dass sie in den nächsten Minuten verschwinden könnte. Ihr Agent war zufrieden, ihr Sponsor war glücklich, wenn sie auf irgendwelchen Fotos zu sehen war, und Bryce war erleichtert, dass der Affenzirkus für dieses Mal überstanden war.

Zähneknirschend erinnerte sie sich an den Kommentar ihres Vaters, als sie sich vor einigen Monaten über solche Veranstaltungen beschwert hatte. Damals hatte er sie angeschaut, als wäre sie ein leicht beschränktes Kind, das keine Ahnung von der Welt hätte, um ihr dann in seinem typisch süffisanten und überheblichen Ton zu erklären, dass das Spiel nun einmal so laufe. Sie hatte sich maßlos geärgert, immerhin war sie nicht blöd und wusste, dass ihr Sponsor für das Geld, das er in sie investierte, auch Ergebnisse sehen wollte. Sie war erfolgreich und warb für seine Marke – da war es selbstverständlich, dass sie sich auf solchen Veranstaltungen zeigen musste. Doch das hieß nicht, dass sie Spaß daran haben musste.

Als sie die Schultern straffte und sich erhob, um zurück in den Saal zu gehen und sich zu verabschieden, kam ihr Quinn entgegen, der die Hände in den Taschen seiner Anzughose vergraben hatte.

Unsicher blieb sie stehen und hielt das Abendtäschchen wie einen Schutzschild vor ihrem Bauch. Da sie ihm nun zum ersten Mal gegenüberstand, bemerkte sie, dass er ziemlich groß war – selbst für einen Sportler. Jedenfalls musste sie den Kopf in den Nacken legen, als er vor ihr stehen blieb, um ihm ins Gesicht sehen zu können.

„Irgendwie habe ich den Eindruck, dass Sie mir böse sind, Bryce.“

Sie seufzte auf. „Natürlich nicht. Wieso sollte ich auch, schließlich kennen wir uns nicht.“

„Kommen Sie schon“, schmeichelte er mit einem kleinen Lächeln. „Sie nehmen es mir übel, dass ich mit Ihnen flirte, obwohl ich Sydney im Schlepptau habe.“

„Hören Sie, Quinn, Sie scheinen ein ziemlich netter Typ zu sein, mit dem ich mich für ein paar Minuten echt gut unterhalten konnte, aber das war es dann auch schon.“

Nicht im Geringsten eingeschüchtert griff er sich gespielt schmerzverzerrt an die Brust. „Das war jetzt der Todesstoß.“

„Quatsch“, lachte sie auf. „Nehmen Sie die Abfuhr bloß nicht zu schwer, immerhin wird Ihnen die Blondine den Abend sicherlich noch versüßen.“

„Mit Gesprächen über Diät-Limos?“

Überrascht blinzelte sie ihm zu. „Guter Gott, Sie planen für den weiteren Abend Gespräche mit ihr? Falls das wirklich so ist, muss ich meine Vorstellungen von Footballspielern tatsächlich überdenken.“

„Ach? Was haben Sie denn gedacht?“

„Sie brauchen gar nicht so dreckig zu grinsen“, hielt sie ihm vor. „Was soll mir schon durch den Kopf gehen, wenn ein Footballspieler ein ... ein ...?“

Da sie keine Ahnung hatte, wie sie Sydney halbwegs nett beschreiben sollte, hielt sie lieber die Klappe, doch Quinn schlug vor: „Ein blondes Dummchen?“

Bryce kniff die Augen zusammen. „Eigentlich wollte ich das netter formulieren ...“

Belustigt senkte er den Kopf. „Netter? Na, da bin ich ja gespannt, was Ihnen so vorschwebt.“

„Sie ist Ihre Begleitung“, wies sie ihn auf das Offensichtliche hin.

„Ihre Begleitung wäre viel netter, Bryce.“

„Pech“, erwiderte sie. „Vielleicht nehmen Sie zum nächsten Event einfach jemand Anderen mit. Außerdem ist es gar nicht nett, Sydney ein blondes Dummchen zu nennen.“

„Touché“, er verdrehte die Augen. „Ob Sie es glauben oder nicht, aber das ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Tatsächlich hatte ich keine Lust, den Abend allein zu verbringen, also ließ ich mich auf ein Blind Date ein, das einer meiner Teamkollegen organisierte.“

Da sie nicht wusste, ob sie lachen oder mit der Zunge schnalzen sollte, verschränkte sie einfach die Arme vor der Brust. „Ihr Teamkollege scheint Sie nicht leiden zu können.“

„Das denke ich auch“, stöhnte er gequält. „Also, Bryce. Wann kann ich Sie wiedersehen?“

Durch seine Offensive war sie für einen Moment aus der Bahn geworfen und starrte ihn schweigend an.

Er fasste dies als weitere Abfuhr auf, da er die unpersönliche Distanz von zwei Schritten zu ihr überwand und nun genau vor ihr zum Stehen kam. „Bis September möchte ich eigentlich nicht warten, aber wenn es gar nicht anders geht ...“

Bryce fuhr sich über die trockenen Lippen und senkte die Lider, während sie auf sein Kinn starrte, auf dem sie eine fast verblichene Narbe erkannte.

„Geben Sie sich einen Ruck. Ich beiße auch nicht ... jedenfalls nicht oft.“

Der Spruch war dermaßen schlecht, dass sie schnaubte und ihm in die Augen sah. „Aus welchem billigen Film haben Sie denn den Spruch?“

„Das verrate ich Ihnen, sobald Sie mit mir ausgehen.“

Seufzend zückte Bryce ihr Handy und tat so, als würde es sie Überwindung kosten, überhaupt über ein Date mit ihm nachzudenken. Innerlich jedoch machte sich eine aufgeregte Nervosität in ihr breit, die sie ihm zwar nicht zeigen wollte und doch so offensichtlich war. Anders konnte sie sich sein wissendes Grinsen nämlich nicht erklären.

„Gut, dann geben Sie mir Ihre Nummer. Ich rufe Sie an, wenn ich etwas Luft habe.“

Erwartungsvoll sah sie auf, um gleich darauf ohne Handy dort zu stehen, weil er es ihr einfach aus der Hand genommen hatte, um seine Nummer einzuspeichern.

„Was ...?“