Avelora - Das Internat der magischen Pferde - Amelie Benn - E-Book

Avelora - Das Internat der magischen Pferde E-Book

Amelie Benn

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Beschreibung

Pferde-Träume werden wahr am magischen Internat Avelora

Mit zauberhaften schwarz-weiß Illustrationen von Alina Brost

Als die 11-jährige Reena herausfindet, dass sie magische Pferde in ihrer wahren Gestalt sehen kann, steht ihre Welt Kopf. Niemals hätte sie gedacht, dass es Wasserpferde, Flammenpferde und Blütenpferde wirklich gibt! Kurz darauf erreicht sie eine Einladung in das geheime Internat Burg Avelora auf der mystischen Insel Galantis - ein sagenumwobener Ort, an dem Kinder lernen, mit Elementpferden umzugehen. Endlich erfährt Reena mehr über ihre seltene Gabe und die geheimnisvollen Pferde - und verbindet sich bei einem magischen Ritual mit ihrem Seelenpferd. Doch schon bald bedroht eine dunkle Magie das Internat, und gemeinsam mit ihrem Flügelpferd und ihren neuen Freunden muss Reena all ihren Mut zusammennehmen, um Avelora zu retten ...

Eine zauberhafte Geschichte über ein geheimes Internat, Pferdemagie, Freundschaft und Zusammenhalt

Das Abenteuer beginnt: Band 1 einer magischen Pferde-Internatsgeschichte ab 9 Jahren - Band 2 erscheint im Herbst 2026, Band 3 im Frühjahr 2027

Mit tollem Extra in der 1. Auflage: pferdestarker Stickerbogen - nur solange der Vorrat reicht

Dieser Titel ist bei Antolin gelistet.

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

CoverÜber dieses BuchTitelProlog123456789101112131415161718192021222324EpilogÜber die AutorinWelches Seelenpferd passt zu dir?AuswertungVorschauImpressum

Über dieses Buch

Pferde-Träume werden wahr am magischen Internat Avelora

Mit zauberhaften schwarz-weiß Illustrationen von Alina Brost

Als die 11-jährige Reena herausfindet, dass sie magische Pferde in ihrer wahren Gestalt sehen kann, steht ihre Welt Kopf. Niemals hätte sie gedacht, dass es Wasserpferde, Flammenpferde und Blütenpferde wirklich gibt! Kurz darauf erreicht sie eine Einladung in das geheime Internat Burg Avelora auf der mystischen Insel Galantis – ein sagenumwobener Ort, an dem Kinder lernen, mit Elementpferden umzugehen. Endlich erfährt Reena mehr über ihre seltene Gabe und die geheimnisvollen Pferde – und verbindet sich bei einem magischen Ritual mit ihrem Seelenpferd. Doch schon bald bedroht eine dunkle Magie das Internat, und gemeinsam mit ihrem Flügelpferd und ihren neuen Freunden muss Reena all ihren Mut zusammennehmen, um Avelora zu retten …

Eine zauberhafte Geschichte über ein geheimes Internat, Pferdemagie, Freundschaft und Zusammenhalt

Das Abenteuer beginnt: Band 1 einer magischen Pferde-Internatsgeschichte ab 9 Jahren – Band 2 erscheint im Herbst 2026, Band 3 im Frühjahr 2027

Mit tollem Extra in der 1. Auflage: pferdestarker Stickerbogen – nur solange der Vorrat reicht

Dieser Titel ist bei Antolin gelistet.

Band 1

Mit Illustrationen vonAlina Brost

Prolog

Der Morgen dämmerte, und die ersten Sonnenstrahlen krochen über die Felsen des Atrichon-Gebirges, als plötzlich auf einem der höchsten Gipfel ein Pferd mit langer weißer Mähne und seidenschimmerndem Fell erschien. Unruhig schüttelte es den Kopf und wieherte. Sein Wiehern hallte durch die Schluchten und brach sich hundertfach an den Steinwänden. Eine Zeit lang stand es mit hocherhobenem Haupt da und lauschte. Seine Ohren zuckten in alle Richtungen. Etwas lag in der Luft, das spürte es ganz genau.

Das Pferd sah hinunter ins Tal und beobachtete den Gewundenen Fluss, dessen glitzerndes Wasser sich gemächlich seinen Weg durch die blühenden Wiesen bahnte. Dann ließ es seinen Blick weiterwandern bis zum Gebiet der Wasser-Pferde, dort, wo das Galantische Meer an die ockerroten Küstenfelsen brandete. Sein Blick verharrte für einen kurzen Moment an den schmalen Zinnen einer Burg, die hoch oben auf einem der Felsen thronte. Schließlich schüttelte es seine Mähne, breitete seine mächtigen Schwingen aus – und hob ab.

Der Wind stand günstig, sodass es mit wenigen Flügelschlägen die Klippe erreichte, auf der das Internat Burg Avelora lag. Es hatte den Weg nach Avelora auf sich genommen wegen eines Bunds, der so alt war wie die Berge, aus denen es kam.

Alle im Internat schliefen noch, als das geflügelte Pferd am Himmel erschien und langsam seine Kreise über der Burg zog. Schließlich ließ es sich anmutig im Internatsgarten nieder, in dem Pflanzen in den verschiedensten Farben und Größen wuchsen. Leichtfüßig schritt das Flügelpferd über einen schmalen Pfad, bis es bei drei hohen, aufrecht stehenden Steinen ankam. Es umrundete den Steinkreis und stellte sich an den Rand des Plateaus, hinter dem die Küste steil abfiel.

Ruhig blickte es über das Meer und spitzte erneut die Ohren. Da war es wieder, dieses unerklärliche Etwas. Das Pferd spürte es bis in die äußersten Flügelspitzen. Dann wieherte es, noch lauter als zuvor, wie um das zu begrüßen, was noch in weiter Ferne lag, aber schon spürbar war und kommen würde.

Sein Wiehern wurde vom Wind aufgenommen und über das Meer getragen, dorthin, wo die Welt von Galantis endete und eine andere begann.

1

Es war noch früh am Morgen, als Reena von zu Hause aufbrach, um zum benachbarten Reiterhof zu radeln. Sie band sich ihre rotbraunen Locken zu einem niedrigen Pferdeschwanz, setzte den Reithelm auf und schwang sich auf den Sattel ihres heißgeliebten Rennrads.

Dichter Morgennebel lag noch über den Wiesen und Feldern und tauchte alles in ein milchig-graues Licht. Nur hier und da waren einzelne rot leuchtende Mohnblumen am Feldrand zu erkennen. Dass man den Weg kaum sah, störte Reena jedoch kein bisschen. Sie hätte auch im Schlaf zu Lindes Pferdehof gefunden, so oft wie sie den Pfad in den letzten Monaten schon entlanggefahren war. Außerdem mochte sie den Nebel, weil er alles so geheimnisvoll und mystisch erscheinen ließ.

Sie trat fest in die Pedale, denn sie wollte heute unbedingt als Erste im Stall ankommen, damit sie sich in Ruhe von allen Pferden verabschieden konnte. Die Sommerferien waren fast zu Ende, und ihre Mutter wollte die letzten Tage mit ihr zusammen eine Freundin an der Nordsee besuchen, die sie lange nicht gesehen hatte. Reena war schon ganz gespannt, weil ihre Mama erzählt hatte, dass ihre Freundin Dorie ein kleines Gestüt mit außergewöhnlichen Pferderassen führte. Und wenn es um Pferde ging, gab es für Reena kein Halten mehr!

Ihre Mutter wollte losfahren, sobald sie am Mittag mit der Arbeit fertig war. Reena hoffte, dass sie auch wirklich pünktlich wegkamen. Bei Mama weiß man nie!, dachte sie skeptisch.

Nur einige Minuten später bog sie in die Auffahrt von Lindes Pferdehof ein. Wie immer stellte Reena ihr Fahrrad am Brunnen ab. Sie warf einen kurzen Blick zum Wohnhaus: Die Fensterläden waren alle noch geschlossen. Ein leichter Wind kam auf, und Reena hielt inne, um die Brise zu genießen. Sie liebte das Gefühl von Wind auf ihrer Haut. Doch dann ging sie mit großen Schritten zum Stall hinüber und öffnete leise die Tür. Für einen kurzen Moment schloss Reena die Augen und sog den vertrauten Duft ein. Nichts auf der Welt roch für sie besser als das! Es war still, nur das leise Schnauben einiger Pferde war zu hören.

»Guten Morgen, meine Lieben!«, rief sie fröhlich in den Stall hinein.

Freudiges Wiehern kam als Antwort. Reena ging zur Futterkammer und schnappte sich ein paar Karotten aus einem Korb. Aus der ersten Box streckte der dunkelbraune Hengst Donner schon seinen Kopf heraus. Er war das älteste Pferd im Stall, und nichts und niemand konnte ihn aus der Ruhe bringen. Deshalb wurde er auch gerne für die Reitanfänger und Reitanfängerinnen eingesetzt, die jedes Jahr am Summercamp auf dem Hof teilnahmen. Reena half seit diesem Jahr überall mit, wo sie gebraucht wurde, und gab auch ab und zu Reitstunden für die Kleinen. Dafür ließ Linde – die Besitzerin des Pferdehofs – sie kostenlos mit den Pferden reiten. So war Reena abwechselnd mit Goldie, Merlin, Fee oder Bonita unterwegs, und es gab nichts, was sie glücklicher machte. Da Donner viel im Reitunterricht eingesetzt wurde, nahm Reena ihn nur selten für einen Ausritt.

Reena hielt dem Hengst über die Boxentür hinweg eine Karotte hin. »Hier für dich, mein Großer!« Sie strich ihm liebevoll über den Hals, während er genüsslich die Möhre mampfte.

Von der hintersten Box hörte sie auf einmal ein ungeduldiges Wiehern. »Zu dir komme ich auch gleich, Bonita!«, versprach Reena der sandfarbenen Haflinger-Stute, mit der sie heute ein letztes Mal vor dem Ferienende ausreiten wollte.

Sie ging die Stallgasse entlang, von Box zu Box, sprach mit jedem Pferd und verteilte Karotten und Streicheleinheiten, bis zuletzt nur noch Bonita übrig blieb. Bevor sie zu der kleinen Stute ging, holte sie in der Sattelkammer noch rasch Zaumzeug, Sattel, Putzkasten und einen der saftigen Äpfel, die in einer Kiste für die Pferde bereitlagen. Dann ging sie zu der hintersten Box, in der Bonita schon mit scharrenden Hufen auf sie wartete.

»So, meine Schöne! Jetzt bist du dran!« Reena hielt ihr den Apfel hin, und Bonita blähte die Nüstern. »Ein besonderes Leckerli nur für dich«, wisperte sie lächelnd und kraulte Bonita sanft hinter den freundlich gespitzten Ohren.

Reena bückte sich und begann geübt die Hufe auszukratzen. Bonita war noch mit dem Apfel beschäftigt und ließ deshalb alles ruhig über sich ergehen. Als Nächstes kämmte Reena die lange Mähne und den Schweif und fuhr anschließend in langen Strichen mit der Kardätsche über das Fell, bis es glänzte. Schließlich legte Reena Bonita die Trense an und sattelte auf.

»Ich muss in etwa einer Stunde wieder zurück nach Hause radeln, aber es bleibt noch genug Zeit für die Strecke zum Wald. Bereit für unseren letzten Ferienausritt?«

Die Stute warf freudig den Kopf auf und ab. Reena führte sie aus dem Stall zur Weide hinter dem Hof. Kaum war sie im Sattel, trabte Bonita bereits schnaubend los.

»Brrr«, korrigierte Reena das Tempo sanft, indem sie ein wenig die Zügel straffte. »Jetzt erst mal langsam, zum Aufwärmen. Nachher im Wald können wir dann etwas schneller werden.«

Schon nach wenigen Augenblicken verfiel die Stute in einen gemächlichen Schritt. Klapp-klapp-klapp-klapp – für Reena gab es nichts Beruhigenderes als den gleichmäßigen Takt der Pferdehufe. Eine Welle aus warmem Glück durchströmte sie, wie immer, wenn sie auf dem Rücken eines Pferds saß. Reena mochte Bonitas manchmal etwas wildes Temperament – mit ihr auszureiten war ein bisschen so, als würde man surfen: Man wusste nie, wann die nächste »Welle« kam und Bonita plötzlich an Tempo zulegte.

Es gab nur eine winzige Kleinigkeit, die sie störte. Sie fand Bonita zwar klasse, aber die Stute war eben nicht ihr Pferd. Da war nicht diese Seelenverbindung zwischen ihnen, wie Reena es schon in so manchem Pferdebuch gelesen hatte. Insgeheim war es ein großer Wunsch von ihr, eines Tages ein Pferd kennenzulernen, bei dem es gleich im ersten Moment Klick machte. So eine richtige Herz-zu-Herz-Verbindung. Sie seufzte. Ob mein Wunsch wohl jemals in Erfüllung geht?

Inzwischen brachen die ersten morgendlichen Sonnenstrahlen durch den Nebel. Obwohl die Sonne immer mehr an Kraft gewann, blieb es weiterhin ein kühler Morgen. Wie schnell der Sommer vergangen ist, dachte Reena. Erst letzte Woche hatten sie den Geburtstag ihrer Mama auf der heißen Terrasse zu Hause gefeiert, und jetzt war es schon bald Herbst. Nur noch eine Woche, und die Schule begann wieder.

Sie seufzte erneut. Seit sie vor etwa einem Jahr, kurz nach ihrem elften Geburtstag, wegen des Umzugs die Schule gewechselt hatte, war alles schwieriger geworden. Ihre Mutter hatte einen neuen Job angenommen, und deshalb waren sie in den Norden gezogen – weit weg von allem, was Reena vertraut gewesen war. Zwar hatten ihre Freundinnen hoch und heilig versprochen, sich immer zu melden und sie ganz oft besuchen zu kommen, aber das war nach und nach immer weniger geworden. In der neuen Schule wurde viel verlangt – mehr als es Reena gewohnt war. Plötzlich nicht mehr zu den Besten zu zählen, beschäftigte sie sehr. Und in ihrer Klasse hatte sie bis jetzt auch noch nicht so richtig Anschluss gefunden. Warum fiel es ihr bloß so schwer, auf andere zuzugehen …? Ihr Blick schweifte in die Ferne. Wenn ich doch nur schon erwachsen wäre, dachte sie. Dann könnte ich auf einem Gestüt arbeiten, Tag und Nacht mit Pferden zusammen sein und den Rest der Zeit lesen!

Bonitas lautes Schnauben riss sie aus ihren trüben Gedanken. Reena atmete einmal tief ein und aus. Der Geruch von feuchter Erde und taufrischen Blättern schlug ihr entgegen. Wie sie diesen Waldduft liebte! Das bedeutete, sie waren gleich an ihrem Ziel! Ihre Stimmung wurde schlagartig besser. Freudig ließ Reena Bonita in den Trab wechseln. Nur einen Moment später erreichten sie schon den Waldrand. Durch die Bäume fielen einzelne Sonnenstrahlen und malten Flecken aus Licht und Schatten auf den breiten Pfad. Auch Bonitas Fell war mit den Sonnenmustern übersät.

In den Wald verirrte sich nur selten ein Spaziergänger, und Reena konnte hier so schnell reiten, wie sie wollte. Deshalb verstärkte sie leicht den Druck ihrer Beine und schnalzte einmal mit der Zunge. Sie musste Bonita nicht weiter antreiben, die Stute verstand sie auch so und galoppierte los, tiefer in den Wald hinein. Reenas Herz schlug vor Begeisterung schneller, im gleichen Rhythmus wie Bonitas trommelnde Hufe. Immer weiter rasten sie zusammen unter dem tiefgrünen Blätterdach des Waldes dahin – wild und frei!

»Yiehaa!«, rief Reena so laut, dass ein paar Vögel erschrocken aufflogen. Sie breitete den linken Arm weit aus und stellte sich vor, wie sie gleich abheben würden. So hätte sie ewig weiterreiten können!

Doch dann hörte sie auf einmal etwas: ein Wiehern, wie aus weiter Ferne.

Überrascht bremste Reena Bonita etwas ab und ließ sie in Trab übergehen. Wo war das hergekommen? War zu dieser frühen Stunde etwa noch jemand mit einem Pferd unterwegs?

Da! Da war es wieder! Das Wiehern!

Reena brachte Bonita zum Halten und wandte sich im Sattel nach allen Richtungen um. Aber da war niemand. Seltsam, dachte sie. Habe ich mir das eingebildet? Sie lauschte noch eine Weile, aber es war nichts mehr zu hören.

Schließlich zuckte sie mit den Schultern. »Vielleicht ist es einfach nur eines der Pferde im Stall gewesen. Wobei die ja ziemlich weit weg sind … Was meinst du, Bonita?«, fragte sie und tätschelte ihr den Hals.

Die Stute schnaubte als Antwort.

»Ja, hast recht«, sagte Reena. »Es wird sowieso Zeit umzukehren.«

Kurz bevor sie den Stall erreichten, ließ sie Bonita noch einmal anhalten. Reena drehte sich um und blickte nachdenklich zurück. Irgendwie hatte sie das Gefühl, als ob ihr etwas Wichtiges entgangen wäre, aber sie konnte nicht genau sagen, was …

2

Wie Reena vermutet hatte, waren sie viel später losgekommen als geplant, weil ihre Mutter in der Kräuter-Gärtnerei, in der sie arbeitete, noch etwas Dringendes erledigen musste. Das kannte Reena schon, deshalb hatte sie sich auch den scharfen Kommentar verkniffen, der ihr auf der Zunge lag, als ihre Mama endlich zu Hause auftauchte. Rasch hatten sie alles Gepäck ins Auto verladen, und dann ging es schon los in Richtung Nordsee. Mit jeder Stunde Autofahrt, die verging, wurde Reenas Vorfreude größer.

Schließlich erreichten sie das winzige Dörfchen Talfecht, in dem Dorie wohnte. Das Dorf bestand nur aus wenigen alten Häusern und wirkte ziemlich verlassen. Sie folgten einem holprigen Weg entlang einer alten Steinmauer, bis sie an einem schmiedeeisernen Tor ankamen. Darauf prangte ein Wappen mit zwei gekreuzten Hufeisen, über denen in Schnörkelschrift das Wort POLARIS stand.

»Ich glaube, das hier ist es«, sagte Reenas Mutter und schaltete das Navi aus. »Es war ja klar, dass Dorie ihr Gestüt Polaris nennen würde«, meinte sie lächelnd.

Genau in dem Augenblick öffnete sich ächzend das Tor, beinahe wie von Zauberhand.

»Was heißt denn Polaris?«, wollte Reena wissen und blickte gespannt die Auffahrt hinauf.

»Polaris ist der Polarstern«, erklärte ihre Mutter, während sie in die lang gezogene Auffahrt einbog. »Er ist der hellste Stern im Sternbild Kleiner Bär. Da der Polarstern nahe dem Nordpol am Himmel steht und so gut sichtbar ist, dient er schon seit ewigen Zeiten als Wegweiser, vor allem in der Schifffahrt. Es ist der Stern, der dich zu deinem Ziel bringt. Ein Symbol für die Suche nach dem wahren Pfad. Das passt gut.«

Reena schaute ihre Mama fragend an. Aber ihr Blick war nach innen gekehrt, so als ob sie über etwas nachdenken würde. Reena räusperte sich. »Woher kennt ihr euch noch mal? Also du und Dorie?«

»Wir sind zusammen zur Schule gegangen und haben uns gleich in der ersten Klasse angefreundet«, erzählte ihre Mutter. »Allerdings hatten Dorie und ich sehr unterschiedliche Interessen. Sie mochte Pferde schon immer sehr gern – genau wie du! Und ich – nun ja, du weißt, wie sehr ich Pflanzen liebe, das war schon damals so. Wir waren zwar keine besten Freundinnen, haben aber immer wieder mal was zusammen gemacht.«

»Und warum habt ihr euch so lange nicht gesehen, wenn ihr Freundinnen wart?«, bohrte Reena weiter, während sie im Schritttempo die Auffahrt entlangfuhren.

»Dorie hat unsere Schule später verlassen und ist auf ein Internat auf einer weit entfernten Insel gegangen«, erklärte ihre Mutter. »Wir haben uns dadurch leider aus den Augen verloren. Jede von uns war mit etwas anderem beschäftigt, und so vergingen die Jahre. Ich bin gespannt, was du zu ihr sagst, wenn du sie gleich kennenlernst.«

Reena ließ ihren Blick schweifen. Der breite Kieselweg der Auffahrt war wie eine Allee von uralten, knorrigen Bäumen gesäumt. Dahinter erstreckten sich grasgrüne Weiden, so weit das Auge reichte. Ein richtiges Pferde-Paradies!, dachte sie begeistert. »Warum sind wir eigentlich nicht schon früher hierhergefahren? Warum erst jetzt?«

Ihre Mama wollte gerade etwas antworten, doch da tauchte auf einmal ein Pferd mit einer Reiterin vor ihnen auf dem Weg auf, und sie bremste scharf. Das Pferd zuckte nicht einmal, sondern kam völlig ruhig zum Stehen.

Reena stieß ein erschrecktes Keuchen aus – und konnte dann die Augen nicht mehr von dem Pferd abwenden. Es war unglaublich beeindruckend, mit rotbraun glänzendem Fell, langer geflochtener Mähne und stolzem Blick. Ein Vollblutaraber – als Pferdenärrin erkannte sie das sofort. Schon immer wollte Reena auf so einem Pferd reiten, aber da diese so selten und teuer waren, war es bisher ein Traum geblieben.

»Puh, das war knapp! Die Reiterin muss doch wissen, dass hier Autos vorbeikommen! Das muss ich Dorie berichten«, entrüstete sich Reenas Mama. »Jetzt steigt sie auch noch ab! Meine Güte!«

Reena hörte kaum zu, sie starrte immer noch wie gebannt auf das Araberpferd. Erst jetzt entdeckte sie, dass in dessen Mähne kleine Blüten eingeflochten waren.

Die Reiterin lief zur Fahrerseite, beugte sich hinunter und klopfte an die Scheibe.

Reenas Mama ließ stirnrunzelnd das Autofenster herunter. Dann weiteten sich plötzlich ihre Augen. »Na, ich glaub es nicht, das ist doch –«

»Hallo, Adele! Lange nicht mehr gesehen!« Die Frau lächelte breit.

»Ich hab dich fast nicht erkannt!«, erwiderte Reenas Mama. »Darf ich vorstellen, das ist meine Tochter. Reena, das ist Dorie.«

Erst jetzt nahm Reena die Reiterin so richtig wahr. Sie war ungewöhnlich groß, hatte lange blonde Haare, durchdringende grüne Augen, trug eine schicke dunkelblaue Reitjacke – und sie war ihr gleich auf den ersten Blick sympathisch.

»Hi!«, sagte Reena und hob grüßend die Hand. »Wie heißt denn dein Pferd?«

Dorie musterte Reena äußerst interessiert. »Endlich lerne ich dich kennen!« Dann wies sie auf den Vollblutaraber, der immer noch seelenruhig mitten auf dem Weg stand und nicht einmal mit den Ohren zuckte. »Das hier ist meine Araberstute Blossom Heart.«

»Blossom Heart – Blütenherz«, hauchte Reena. »Was für ein unfassbar schöner Name.«

»Herzlich willkommen auf meinem Gestüt Polaris, ihr zwei«, sagte Dorie. »Ich dachte, ich reite euch gleich entgegen – als Willkommensparade sozusagen.« Sie grinste. »Also, dann folgt mir mal zum Haupthaus. Ich hoffe, ihr habt Hunger mitgebracht. Meine Köchin bereitet gerade das Abendessen vor«, sagte sie, ging zurück zu ihrem Pferd, stieg schwungvoll auf und ritt voran.

Reena zappelte ungeduldig auf ihrem Sitz hin und her. Bestimmt gab es hier auf dem Gestüt noch mehr so beeindruckende Pferde wie Blossom Heart!

3

Während des Abendessens hatte Reena kaum still sitzen können und alles im Nullkommanichts hinuntergeschlungen. Die Kartoffelsuppe mit frischem Brot war wirklich lecker gewesen, aber sie wollte keine Zeit verlieren: Schließlich musste sie unbedingt noch auf Erkundungstour gehen, bevor es dunkel wurde! Dorie hatte zwar versprochen, sie gleich nach dem Essen herumzuführen, sich dann aber mit Reenas Mutter festgequatscht. Die beiden scheinen echt viel Nachholbedarf zu haben!, dachte Reena. Allerdings interessierten sie die Gesprächsthemen der beiden nicht das geringste bisschen. Also beschloss sie, schon mal alleine loszuziehen. Mit den letzten Sonnenstrahlen des Tages huschte sie hinaus.

Auf der großen Weide hinter dem Wohnhaus, die sie als Erstes ansteuerte, stand nur eine einzelne, friedlich grasende Stute mit ihrem Fohlen. Weiter hinten entdeckte Reena schemenhaft noch ein Pferd. Als sie näher an die Koppel heranging, bemerkte sie, dass das Fohlen komplett weiß war. Sie staunte nicht schlecht: So was kam nur ganz selten vor, denn normalerweise waren Pferde nicht von Geburt an weiß.

Reena schwang sich auf den Koppelzaun und ruckelte hin und her, bis sie eine einigermaßen bequeme Sitzposition gefunden hatte. Das Fohlen hatte Reena inzwischen wahrgenommen und sprang mit übermütigen Bocksprüngen auf sie zu.

»Hallo, du Schönheit!« Reena lächelte und beugte sich ein wenig nach vorne, um es zu streicheln.

Die Mutter des Fohlens hob nur kurz den Kopf, um zu sehen, ob alles in Ordnung war, und graste dann unbekümmert weiter. Auf einmal jedoch war vom hinteren Ende der Weide ein lautes Wiehern zu hören. Das Pferd, das dort stand, setzte sich in Bewegung. Jetzt sah Reena, dass es ein Rappe war, der in rasender Geschwindigkeit näher kam.

»Oh, das ist bestimmt dein Papa, der checken will, ob ich eine Gefahr für dich bin«, sagte Reena grinsend zu dem Fohlen. Ruhig blickte sie dem großen Hengst entgegen, der im orangen Licht des Sonnenuntergangs mit donnernden Hufen auf sie zu galoppierte.

Doch dann passierte etwas, womit sie nie im Leben gerechnet hätte. Das Pferd schüttelte sich schnaubend und entfaltete zwei große regenbogenfarbene Flügel, die ihm aus dem Rücken wuchsen. Auf seiner Stirn schimmerte ein weißer Kreis. Reena stockte der Atem. Erst kurz vor dem Zaun kam der Rappe zum Stehen und legte schützend einen seiner Flügel über das Fohlen.