Back to Black - Alexander Schuller - E-Book

Back to Black E-Book

Alexander Schuller

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Beschreibung

Die umfassende Biografie der größten Soulsängerin unserer Zeit.

Ausgestattet mit einer phänomenalen Soulstimme gelangte Amy Winehouse mit ihrem Album »Back to Black« zu Weltruhm. Wie keine zweite konnte sie ihren Liebeskummer in Melodien und Worte kleiden. Die fünffache Grammy-Gewinnerin mit der Bienenkorbfrisur und den Katzenaugen war eine gewaltige Erscheinung, wenn sie auf der Bühne stand, und zugleich eine labile junge Frau, die ihre selbstzerstörerische Seite nie in den Griff bekam. Schließlich wurde sie für ihre Abstürze ebenso berühmt wie für ihre Musik. Am 23. Juli 2011 endete ihr Leben. Amy Winehouse, die Musikgeschichte geschrieben hatte, wurde 27 Jahre alt.

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We only said goodbye with words I died a hundred times You go back to her And I go back to black

Amy Winehouse »Back to Black« (Island Records 2006)

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Inhaltsverzeichnis

InschriftBildquellenKapitel I - ▶ Back to BlackKapitel II - ▶ Love Is a Losing GameKapitel III - ▶ EstrogeniusKapitel IV - ▶ FrankKapitel V - ▶ RehabKapitel VI - ▶ To Know Him Is to Love HimKapitel VII - ▶ I Told You I Was TroubleKapitel VIII - ▶ Wake up aloneKapitel IX - ▶ ValerieKapitel X - ▶ Back to BlackEpilog - ▶ »Lioness«DanksagungCopyright

Kapitel I

▶ Back to Black

Einführung

Im »Hawley Arms« waberten Rauchschwaden durch die Luft. Aus der Jukebox dröhnten die Shangri-Las, die Chrystals, Martha and the Vandellas und Dinah Washington; Musik aus den 1960ern, wie immer, wenn die 21 Jahre alte Amy Jade Winehouse diesen In-Pub in Camden im Norden Londons mit ihrer Anwesenheit beehrte (und nicht selten gehörig durcheinanderwirbelte).

Amy war Stammgast. Eigentlich schneite sie täglich herein, wenn sie sich in ihrer »Hood« Camden aufhielt und keine anderen Termine wahrnehmen musste; keinen Auftritt, kein Interview, keine Party, kein Date, keine Kochsause mit Lovern, Bekannten oder Freunden, kein Lunch mit ihrer Mutter Janis, ihrem Vater Mitchell (genannt Mitch), ihrem Bruder Alex oder ihrer Großmutter Cynthia. Dann spielte sie Pool, trank, rauchte, baute Joints, fütterte die Jukebox, spielte wieder Pool, trank, rauchte.

Zu dieser Zeit schauten der Skandal-Sänger Pete Doherty und einige Mitglieder der Indie-Band Razorlight ebenfalls häufiger im »Hawley Arms« vorbei. Etwas seltener, aber dennoch regelmäßig, verirrte sich auch Sadie Frost hierher, die Exfrau des Schauspielers Jude Law und intime Freundin des Supermodells Kate Moss aus dem feineren Londoner »Primrose-Hill-Set«, die dann meistens einen ihrer »Toy Boys« im Schlepptau hatte. Irgendwas zu feiern gab es im »Hawley Arms« immer.

Es war Frühling 2005, und eineinhalb Jahre zuvor, am 20. Oktober 2003, war Amys Debütalbum »Frank« herausgekommen. Die Promotion und die Konzerte hatte sie erfolgreich abgehakt, und deshalb hatte sie jetzt auch nur wenige Verpflichtungen, dafür aber sehr viel Zeit zum Abhängen.

Ihr Management und ihre Plattenfirma Island Records warteten zu dem Zeitpunkt bereits mit nur mühsam unterdrückter Ungeduld auf etwas Neues – auf einen vielleicht noch genialeren Wurf ihrer sensationellen jungen, weißen Sängerin, die von einer himmlischen Macht mit einer schwarzen, göttlichen Stimme beschenkt worden war; einer unglaublich variablen Stimme, die man einer mindestens 40-, 50-jährigen Farbigen zuordnen mochte; einer Stimme, die rauchig und lasziv, kraftvoll und flüsternd oder auch rostig und dann wieder völlig klar und unschuldig klingen konnte. Je nach Amys momentaner Gemütsverfassung und dem jeweiligen Song, der dazu passte. Oder umgekehrt. So sang sie, und so schrieb sie auch ihre Songs, so nahm sie sie auf, und so trat sie auf. Jeder, der mit ihr im Studio oder auf der Bühne arbeitete, hatte inzwischen begriffen, dass ihr Seelenleben und ihr Soul untrennbar miteinander verbunden waren. Und daher wusste auch jeder, dass es vollkommen zwecklos war, in irgendeiner Weise Druck auf Amy auszuüben. Ihnen blieb also nichts anderes übrig, als sich zu gedulden und zu warten, bis sie von sich aus mit neuem Material ankam, mit Songs die jene auf »Frank« noch toppen sollten – was nicht leicht sein würde.

Ein Jahr zuvor – 2004 – war Amy für »Stronger than me« aus ihrem Debütalbum gleich mit dem begehrten »Ivor Novello Award« in der Kategorie »Best Contemporary Song« ausgezeichnet worden. Sie war zudem für den »Brit Award« (als »Best Female Singer«) nominiert gewesen, der aber an die Sängerin Dido gegangen war. Amy bedeutete der »Novello«, der nach dem walisischen Komponisten, Autor und Schauspieler (der eigentlich David Ivor Davies hieß) benannt ist und seit 1955 jährlich in London verliehen wird, aber ohnehin viel mehr.

»Es ist ein Preis für Songwriter«, hatte sie nach der Preisverleihung stolz gesagt, »und genau das ist es, was ich bin – eine Songwriterin. Ich versuche nicht, die beste Frau zu sein, ich versuche bloß, Songs zu schreiben.«

Von einigen Musikkritikern wurde sie da bereits mit der legendären amerikanischen Sängerin Billie Holiday verglichen.

Das relativ ruhige Pop-Album »Frank« mit seinen eher jazzigen und sparsam eingesetzten Soul-Elementen war zwar kein riesiger kommerzieller Erfolg gewesen, dafür aber als interessanter Geheimtipp für aufgeschlossene Musikliebhaber gehandelt worden. Vornehmlich in den gebildeten, erfolgreicheren jüngeren Kreisen der Yuppies und »Dinks« (»Double Income no Kids«) galt es als hip, Amy Winehouse zu kennen; diese angeblich ziemlich durchgeknallte Sängerin, von der es im Allgemeinen hieß, sie besäße ein gewaltiges künstlerisches und stimmliches Potenzial, das sie jedoch bis jetzt wahrscheinlich nicht mal zu einem Drittel abgerufen hätte.

Genau darauf hoffte auch Amys Plattenlabel Island Records und hielt an seiner Künstlerin fest, obwohl Amy hinter den Kulissen, im Studio, am Verhandlungstisch und auf den Konzertbühnen so manches Nervenkostüm mit ihrer Exzentrik arg strapaziert hatte.

»Mit Amy zu arbeiten? Ja, das war sehr, sehr anstrengend. Sie kam zu spät. Sie fühlte sich nicht gut, sie fühlte sich nicht in der Stimmung zum Komponieren … Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen«, schrieb ihr Entdecker und erster Manager Nick Godwyn 2011 in seinem Nachruf auf Amy in der »Times«. »Es war ein passiver Widerstand zu spüren, denn bei allem, was von ihr verlangt wurde, signalisierte Amy zunächst einmal ein sehr deutliches ›Nein‹. Immer schwebte ein Damoklesschwert über einem Termin mit ihr. Kommt Sie pünktlich? Kommt sie überhaupt? Geht sie an ihr Telefon? Wird sie die Leute im Studio wüst beschimpfen? Mit ihr befand man sich nervlich immer in einem Ausnahmezustand, und wenn man einen Tag mit ihr verbracht hatte, war man fix und fertig. Aber man war auch glücklich …«

Vom ersten Kontakt zwischen dem »Brilliant 19«-Management des britischen Pop-Tycoons Simon Fuller, für den Goldwyn arbeitete, bis zum Erscheinen ihres ersten Albums waren vier Jahre ins Land gegangen.

»Es ist eigentlich gegen alle Regeln des Musikgeschäfts, vier Jahre darauf zu verwenden, einen einzigen Künstler zu produzieren«, meinte Godwyn. »Es war zwar nicht besonders teuer, aber der ganze zeitliche Aufwand war einfach ein Witz: In den ersten drei Jahren schafften wir es nicht einmal, für sie einen Plattenvertrag an Land zu ziehen. Da war dieses junge, frische, neugierige Ding, mit ihren riesigen Augen und den sehr langen Wimpern; beinahe noch ein Backfisch, der viel kicherte und dessen große Zähne unübersehbar waren, wenn er lachte. Doch Amy war extrem begabt, und sie war anders als die anderen Mädchen. Sie hat nie versucht, anders zu sein. Sie war es einfach. Sie hatte eben andere Ansichten, sie las Dinge anders, sie schrieb Dinge anders auf, und sie verhielt sich anders. Sie war nicht anormal. Sie war einfach wunderbar anders, einzigartig, talentiert, beunruhigend aufgewühlt und eben auch noch sehr jung.«

In Großbritannien hatte es »Frank« immerhin bis auf Platz 3 der Album-Charts geschafft, in Österreich bis auf 5, in Deutschland bis auf 9, in der Schweiz bis auf 16 und in den USA bis auf Platz 33. Alles in allem sah es nach einer vielversprechenden Karriere aus.

Im Frühling 2005 musste also langsam mal ein zweites Album in Angriff genommen werden. Doch von Amy kam nichts, kein Ton, keine Zeile. Sie hatte keine Ideen, kein Konzept, keinen Plan. Und wenn doch, dann behielt sie dies offenbar für sich. Sie lebte einfach vor sich hin, rauchte ziemlich viel Gras und machte jedem etwaigen Antreiber unmissverständlich klar, dass sie sich diese Auszeit ganz bewusst gönnte. Ja, sich gönnen musste. Also spielte sie – weder vom Label noch von ihrem Manager unter Druck gesetzt – Pool, trank, baute Joints, rauchte, spielte wieder Pool, fütterte zwischendurch die Jukebox, rauchte, trank. Dann verließ sie, und das vermutlich gar nicht mal so selten, das »Hawley Arms« zusammen mit einer ihrer männlichen Eroberungen und kroch mit ihm in ihrer Wohnung oder sonst wo gemeinsam unter die Laken; manchmal nur für eine schnelle Nummer, manchmal aber auch für eine ganze Nacht mit anschließendem Frühstück oder sogar einem opulenten Mahl, mit dem sie nicht nur ihre Liebhaber, sondern auch ihre Freunde ganz gleich zu welcher Tages- oder Nachtzeit verwöhnte. Amy würde zeit ihres Lebens nie einen Hehl daraus machen, dass sie ihre Sexualität mit großer Lust und viel Engagement in vollen Zügen genoss. Sie stand zu ihrer ausgelebten Promiskuität, wobei sie der festen Überzeugung war, »Sex« von »Liebe und Sex« trennen zu können.

Ein vielleicht noch größeres leibliches Vergnügen bereitete ihr jedoch die Kocherei.

»Meat Balls waren ihr Leibgericht, und Amy machte sie wirklich fantastisch«, sagte ihr Friseur Alex Foden, der sich ein Jahr lang eine Wohnung mit ihr teilte.

Wenn sie in ihrer Küche wirbeln konnte, wenn ihre köstlichen Fleischbällchen in der Pfanne brieten oder ihr beinahe schon legendäres Brathühnchen im Ofen schmorte und die Weißweinflaschen um den von so vielen spontanen Gästen wie möglich bevölkerten Küchentisch kreisten, dann wäre sie immer ganz entspannt und ausgeglichen, ja, fast glücklich gewesen, sagen alle Menschen, die dies irgendwann einmal miterlebt hatten; zum Beispiel der Regisseur (und Amys letzter fester Freund) Reg Traviss, der an ihrem Todestag bereits vor dem Notarzt weinend vor ihrem Haus im Camden Square 30 gesehen wurde, oder der Musiker (und ehemalige Liebhaber) Kristian Marr, der wahrscheinlich die letzte SMS erhielt, die Amy an ihrem Todestag um 3.10 Uhr von ihrem Mobiltelefon aus gesendet hatte.

Amy verkörperte bei jeder sich bietenden Gelegenheit eine Art Übermutter, die sich aufopferungsvoll und extrem großzügig um all ihre Bekannten und Freunde kümmerte, sie versorgte, Anteil nahm, sie glücklich sehen wollte. Widerspruch oder Gegenwehr waren da zwecklos. Ob sie dann Runden im Pub schmiss, Frikadellen oder Hühnchen briet oder irgendwelchen Leuten aus einer finanziellen Klemme heraushalf, machte für sie keinen Unterschied. Außenstehende konnten daher leicht den Eindruck gewinnen, dass sich da jemand Zuneigung erkaufen wollte, »aber das«, so Foden, »ist reiner Blödsinn, denn Amy war einfach so.« Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da: Um jeden Preis helfen zu wollen und das eigene Wohlergehen dabei zu vergessen (oder vorsätzlich zu übersehen) gehörte zu Amys sonst so widersprüchlichem Leben einfach dazu.

Als ihr zweites Album »Back to Black« dann (endlich) am 4. Oktober 2006 erschien, wurde sie auf Pressekonferenzen und in Interviews häufig gefragt, was sie in der ganzen Zeit zwischen »Frank« und »Back to Black« eigentlich gemacht hätte? Amy antwortete auf diese Frage mit einem Satz, der bald zum Standard wurde:

»Ich hab mit dem Saufen angefangen und mich verliebt. «

Auf eventuelle Nachfragen hin erzählte sie dann freimütig, wie sie manchmal schon morgens, noch bevor das »Hawley Arms« geöffnet hatte, mit den Fäusten gegen die Tür des Pubs gedonnert hätte, weil sie einen Drink brauchte und keine Lust hatte, alleine in ihrer Wohnung zu versacken.

Amy verschwieg jedoch, dass sie damals selbstverständlich längst an »Back to Black« gearbeitet hatte, nur eben auf ihre Weise: Denn Amy hatte insgeheim nur darauf gewartet, dass ihr »etwas Neues passierte«. Etwas, das im besten Fall schiefging und sie emotional tief berühren würde. Sie fühlte es nicht nur, sondern wusste ganz genau, dass sie nur dann richtig arbeiten konnte, wenn sie in einer düsteren Phase war – wenn eine große Liebe zerbrochen war. Wie jene mit dem Journalisten Chris Martin, den sie ein paar Jahre zuvor während ihres dreimonatigen Praktikums bei der Showagentur »WENN« getroffen hatte – damals, als sie endlich ihren Schulabschluss geschafft hatte, aber vollkommen abgebrannt war. Auch wenn der sieben Jahre ältere Chris »zwar ein sehr netter Kerl, aber leider auch ein Weichei war, mit dem Amy nicht klarkommen konnte« (wie es ihr Vater Mitch in einem sehr emotionalen Interview mit dem CNN-Talkmaster Pierce Morgan am 12. September 2011, zwei Tage vor Amys Geburtstag, in New York formulierte), war die Trennung nach neun Monaten doch schmerzhaft genug gewesen, um bei Amy den entscheidenden kreativen Prozess in Gang zu setzen, an dessen Ende das Album »Frank« entstanden war.

Liebe war für Amy der Schlüssel. Der Schlüssel für alles. Aber eben nur dann, wenn diese Liebe unglücklich verlief und wehtat, wenn sie zurückgewiesen wurde oder »die Beziehung verkackte«, wenn sie rasant in eine Katastrophe hineinschlitterte und in eine seelische Krise geriet, in der sie verzweifeln, ja, vielleicht sogar zerbrechen könnte, und aus der es dann möglicherweise kein Entrinnen mehr geben würde (so heftig sie sich auch dagegen wehrte). Erst dann konnte sie ins Schwarze Loch abtauchen – »Back to Black« – aus dem sie sich nur mit ihren düsteren, authentischen und deshalb so berührenden Songs wieder befreien konnte.

Später würde sie mit ihrer entwaffnenden Ehrlichkeit und mit drastischen Worten erklären, dass sie in diesen merkwürdigen Monaten des vermeintlichen Stillstands an einer schweren Schreibblockade gelitten hatte, doch »what the fuck« hätte sie damals denn tun sollen? Amy sah sich zu diesem Zeitpunkt mit dem »beschissenen Problem« konfrontiert, dass sie einfach kein Problem hatte: »Frank« wurde von den Fachleuten kritisch gewürdigt und verkaufte sich nach wie vor passabel, die Songs wurden häufig im Radio gespielt, sie hatte viele Auftritte, bekam Anerkennung in Form von Preisen und Nominierungen und kratzte bereits am Big Business. Irgendwie schien in Amys Leben die ganze Zeit die Sonne, und von nirgendwo drohte ein schicksalhaftes, dunkles Unwetter. Dabei spürte sie selbst, dass es wieder an der Zeit war zu arbeiten. Ob ihrem Label oder Nick Goldwyn oder gar dem großen Simon Fuller die Geduldsfäden reißen würden oder nicht, ging ihr dabei allerdings »komplett am Arsch vorbei«. An dieser Einstellung würde sie ihr Leben lang festhalten.

»Ich wünschte, dass mich dieses Karrierezeugs endlich einmal interessiert«, erzählte sie im Juli 2007 dem Musikjournalisten Steffen Rüth, nachdem sie mit ihrem zweiten Album »Back to Black« längst zu den erfolgreichsten Künstlerinnen ihrer Zeit gehörte. »Ich weiß nicht, wie viele Platten ich verkauft habe oder wie reich ich bin. Im Moment ist es auf jeden Fall genug. Neulich habe ich vor einer Horde russischer Banker gespielt. Die werden wohl anständig bezahlt haben. Freien Wodka gab’s außerdem.« Amys Privatkonzert in Moskau soll dem russischen Multimilliardär Roman Abramowitsch übrigens eine Million Pfund wert gewesen sein.

Aber bis dahin würden nach Amys Besuch im »Hawley Arms« im Frühling 2005 noch eineinhalb Jahre vergehen.

»Ich schwöre, dass es irgendwann aus mir rauskommt«, ließ Amy ihr Management damals wissen, »und dann werde ich euch Songs schreiben wie der Teufel. Doch dafür muss ich erst einmal den richtigen Startpunkt finden.«

Deshalb hatte sie sich zurückgezogen; in eine Normalität, von der sie zumindest annahm, dass sie normal war. Sie wollte und musste dem Leben eine Chance geben, ihr in die Fresse zu hauen, »sonst hätte ich doch nichts gehabt, worüber ich schreiben könnte«, würde sie später erklären. Amy wollte nichts anderes, als einer negativen »self-fulfilling prophecy« etwas auf die Sprünge zu helfen.

Das »Hawley Arms« in der Castlehaven Road, mit seiner auffälligen, karminrot gestrichenen Fassade, diente ihr als Wohnzimmer, als ein Ort, der ihr half, ihre innere Leere zu betäuben, und die Jukebox diente ihr als Inspirationsquelle, denn im Grunde wusste sie schon damals ganz genau, was sie wollte: Ihr zweites Album würde mehr Soul und R&B-Elemente enthalten. Es würde fetziger und rauer klingen, aber auch zärtlicher und trauriger. Deshalb hörte sie all die Swing-, Motown- und Uralt-Rock’n‘Roll-Songs rauf und runter. Sie sog die Musik auf wie ein Schwamm, bis sie diese gefühlvollen Stilrichtungen – die sie seit ihrer Kindheit liebte – absolut verinnerlicht hatte. Vielleicht träumte sie insgeheim sogar davon, dieser ursprünglich amerikanischen Musik auf den Britischen Inseln eine neue Heimat geben zu können. Dies wäre für sie weder eine Frage des Geldes, noch des Ruhmes gewesen. Amy wollte Musik machen. Sie wollte diese Songs singen. Das war alles. Deshalb war sie sich auch nicht zu schade, einige Male im »Hawley Arms« aufzutreten. Das letzte dieser Minikonzerte fand im Oktober 2010 für den Nordoff-Robbins-Wohltätigkeitsverein statt – ein netter Überraschungsgig der sorgenden Übermutter.

Der Pub war außerdem ihre Tankstelle, wo sie mit den verschiedenen Bartendern (meistens traf es Craig Jones) im Laufe der vielen Tage und Nächte ihren Lieblingscocktail entwickelt hatte, den sie »Rickstasy« nannte; ein hochprozentiger Mix aus drei Teilen Wodka (Amy bevorzugte »Smirnoff«), einem Teil »Southern Comfort«, einem Teil Bananenlikör und einem Teil »Baileys«. Nach zwei Gläsern, meinte sie einmal, solle man lieber nicht mehr darauf hoffen, noch woanders hingehen zu können. Es sei klüger, einfach dort zu bleiben, wo man sich gerade befände, und sich hinzusetzen, bis die Vögel zwitscherten. Aber in Wahrheit schoss Amy sich häufiger mit Wodka ab, noch lieber trank sie »Jack Daniels« mit Coke und ein paar Jahre später würde es dann Weißwein sein, literweise.

Das »Hawley Arms« wurde letztlich zu dem Ort, an dem ihre gut sechs Jahre dauernde Metamorphose begann. Amy wurde zunächst zu einem Mega-Mega-Superstar, dann zur Junkie-Drama-Queen und am Ende zum zutiefst unglücklichen, physisch und psychisch schwer kranken Wrack. Diese tragische Verwandlung endete mit einem letzten Abtauchen ins Schwarze Loch, auf das sie unbewusst immer hinsteuerte. Aus dem sie dann aber nicht mehr herausfinden konnte – vielleicht aber auch nicht mehr herausfinden wollte.

Vor dieser Metamorphose musste sich 2005 aber erst einmal Amys Hoffnung auf Inspiration für ein zweites Album erfüllen: eine tragische neue Liebe.

Dies geschah auch, allerdings nicht in ihrer Stammkneipe, sondern beim zufälligen »Fremdgehen« in einen anderen Pub, gleich um die Ecke in der Inverness Road, den sie seltener besuchte – wahrscheinlich weil im »Good Mixer« vornehmlich »Brit-Pop« gespielt wurde.

Dort saß Amy eines Tages, im Frühling des Jahres 2005, rauchte und trank. Dann ging die Tür auf. Und Blake kam herein.

Dem (damals) 24 Jahre alten Blake Fielder-Civil, ein Scheidungskind aus gutbürgerlichen Verhältnissen (ein Schicksal, das er mit Amy teilte), eilte der Ruf voraus, in gewissem Maße unangepasst, ja, »rebellisch« zu sein. Dies könnte man jedoch auch als höfliche Umschreibung dafür deuten, dass der schlaksige »Hang around« aus der Londoner Musikvideo-Szene meistens pleite war und bis dahin noch nicht allzu viel im Leben auf die Reihe bekommen hatte. Reporter der »Daily Mail« meinten, dass er zeitweise »auch als Barmann gearbeitet hatte«, doch zu dem Zeitpunkt, als er und Amy sich kennenlernten, jobbte er als »Bestboy« an diversen Sets; als Hilfsbeleuchter und als ungelernter, aber offenbar talentierter Make-up- und Haarstylist. Letzteres dürfte ihm unangenehm gewesen sein, denn als er später erfuhr, dass Amy und ihr Bruder Alex ihrer Großmutter Cynthia früher als Kinder die Haare frisiert und die Fußnägel lackiert hatten, unterstellte er seinem Schwager öffentlich, »dass einer, der seiner Omi eine Pediküre verpasst, nicht besonders männlich sein könne.«

Meistens war Blake bei Drehs jedoch fürs Brötchenholen und die Getränke zuständig; vermutlich aber auch für die »illegalen Substanzen«, die an den Sets konsumiert wurden, denn er kannte sich in der Drogenszene aus. Als Abhängiger steckte er ja selbst tief drin. Er spritzte Heroin, schniefte Kokain, rauchte Crack und schluckte Amphetamine und Ecstasy.

In dem Moment, als er 2005 das »Good Mixer« betrat und ihre Blicke sich erstmals trafen, zählten für Amy allerdings andere Dinge: Blakes Körpergröße (1,80 Meter), sein Outfit (ein schmal geschnittener Anzug, ein kecker Borsalino auf dem Kopf und spitze Halbschuhe, sogenannte »Winklepickers«), seine auffälligen Tätowierungen, sein breites Grinsen und nicht zuletzt die Chuzpe, die große Amy Winehouse anzusprechen und ihr einen Drink zu spendieren. Normalerweise war es ja Amy, die alle ihre alten und neuen Bekanntschaften und Freunde aushielt und die recht unangenehm werden konnte, wenn sie nicht bezahlen durfte. Für sie war es jedoch die erhoffte Liebe auf den ersten Blick, da Blake genau ihrem Beuteschema entsprach. So blieb sie friedlich und ließ es zu, dass er die Getränke bezahlte. Es sollte jedoch das erste und einzige Mal sein, dass sie ihm dies gestattete.

»O ja«, erinnerte sich Blake später, »wir hatten sofort einen Draht zueinander. Das war Instant-Karma.«

Er hätte damals Glück gehabt und ein paar Pfund beim Wetten gewonnen. Das wollte er nun im »Good Mixer« feiern.

»Ich machte also die Tür auf und das Erste was ich sah, war Amy. Sie blickte zurück, und ich wusste sofort, zwischen uns war alles klar.«

Es war der Startschuss zu einer Marathonbeziehung, die trotz ihrer freiwilligen und unfreiwilligen Unterbrechungen bis zu ihrem Tod – zumindest von Amys Seite aus – bestehen bleiben sollte.

Nicht einmal einen Monat nach ihrer ersten Nacht ließ Amy sich Blakes Vornamen in die Haut über ihrer linken Brust stechen, knapp über ihrem Herzen – gefühlt natürlich mitten hinein. Denn wenn Amy etwas tat, dann tat sie es aus einer tausendprozentigen Überzeugung heraus. Dann war sie radikal.

Ihre (erste) wilde und stürmische Liaison dauerte nur etwa fünf Monate. Danach war erst einmal Schluss, und Blake kehrte zu seiner damaligen Freundin zurück. Eine am Boden zerstörte Amy, die später der »Sun« erklärte, dass diese »Wirbelwind-Beziehung« ein Fehler gewesen sei – denn »Blake war ja anderweitig gebunden, ein bisschen zu nah in der Nachbarschaft« –, war nun bereit und verzweifelt genug, um »wie der Teufel« genau die zwölf Songs zu schreiben und einzusingen, die auf einem der erfolgreichsten britischen Alben aller Zeiten zu hören sein würden.

Fünf »Grammys« sollte sie für »Back to Black« einheimsen, und sogar den schwierigen amerikanischen Musikmarkt würde die Sängerin erobern, was europäischen KünstlerInnen bis dahin höchst selten gelungen war. Aber es war ja auch ein Album, von dem jeder Musiker, jede Band träumt: ein Jahrhundertwerk der Popmusik; von seiner Bedeutung her etwa vergleichbar mit »Thriller« von Michael Jackson, »Purple Rain« von Prince, »Sgt. Pepper« von den Beatles, »Shine on your Crazy Diamond« von Pink Floyd, »Pearl« von Janis Joplin oder »Nevermind« von Nirvana. Diese Liste ist selbstverständlich unvollständig, aber »Back to Black« kann zweifellos einen unverrückbaren Platz in dieser Hall of Fame beanspruchen. Und so war es von den Kritikern nur konsequent, Amy nun nicht mehr bloß mit Billie Holliday zu vergleichen, sondern sie mit ihr und Aretha Franklin in einem Atemzug zu nennen.

Eigentlich war Amy bereits zu diesem Zeitpunkt unsterblich geworden. Sie hatte ihre Mission erfüllt.

Und ausgerechnet Blake Fielder-Civil soll nun der Mann gewesen sein, dem die Welt dieses grandiose Stück Popmusik zu verdanken hat? Demjenigen, der angeblich die Hauptschuld an Amys frühem Tod tragen soll? Mitch Winehouse (der an seiner ablehnenden Haltung dem Freund und späteren Schwiegersohn gegenüber bis heute festhält und ihm vorwirft, Amy das Tor zur Welt der harten Drogen weit aufgestoßen zu haben) meint zwar nach wie vor, Blake hätte sich nach dem ersten Schlussstrich wie ein Erbschleicher wieder an seine Tochter herangeschmissen (und das genau in dem Moment, als »Back to Black« wie die sprichwörtliche Bombe eingeschlagen war), er wisse allerdings auch, dass seine Tochter für ihr tragisches Ende, nach einem Selbstmord auf Raten, letztlich selbst verantwortlich sei. Von dieser Meinung wich er keinen Millimeter ab, so sehr ihn CNN-Moderator Pierce Morgan am 12. September 2011 auch löcherte. Nach dem Interview trocknete Amys Vater seine Tränen, verließ den Sender und setzte in einem New Yorker Tonstudio seine Bemühungen fort, weiter an seiner eigenen Karriere als Sänger zu feilen.

Tatsächlich wäre es etwas zu einfach, Blake Fielder-Civil als Urheber und Antriebskraft der Abwärtsspirale zu verdammen, in die Amy nur wenige Monate nach ihrem ersten Aufeinandertreffen zu taumeln begann, auch wenn er wenige Tage nach ihrem Tod gegenüber der umstrittenen Skandalpostille »News Of The World« bekannte:

»In ihrer Gegenwart Heroin zu spritzen, war der größte Fehler meines Lebens. Ich habe sie mit Heroin, Kokain und Selbstzerstörung bekannt gemacht. Ich fühle mich mehr als schuldig.«

Für den überwiegenden Teil der trauernden Fans hörte sich das stark nach falschen Krokodilstränen an. Das Interview wurde als peinlicher, degoutanter und untauglicher Versuch eines Kleinkriminellen und Habenichts gewertet, aus dem Tod seiner Exehefrau möglichst viel Kapital zu schlagen. Denn von ihrem Erbe (zumindest dem, was davon noch übrig war) würde Blake keinen Penny erhalten – diese Nachricht wurde bereits vor Amys Beerdigung beinahe triumphierend verkündet.

Blake hatte die Sympathien nie auf seiner Seite gehabt. Er gab den Medien und Fans von Amy allerdings auch genügend Grund dafür: So war er am 9. November 2007 erstmals verhaftet worden. Die Zeitungen hatten begierig die Fotos gedruckt, die eine tränenüberströmte Amy zeigten, die ihr mit Handschellen gefesseltes »Baby« küsste, das auf dem Weg ins Untersuchungsgefängnis war. Ihr Mann wurde der Körperverletzung und der Behinderung der Justiz beschuldigt. Nach neun Monaten Untersuchungshaft gestand er schließlich, am 20. Juni 2006 gemeinsam mit seinem Freund Michael Brown dem Barmann James King bei einer Schlägerei die Wangenknochen gebrochen zu haben. Danach hatte er hartnäckig versucht, sein Opfer davon zu überzeugen, keine Anzeige zu erstatten und ins Ausland zu verschwinden. Für diesen Gefallen sollte James King 200 000 Pfund erhalten, die – so kann man jedenfalls vermuten – von Amy aufgebracht worden wären. Für seine Vergehen wurde er schließlich zu 27 Monaten Gefängnis verurteilt, die Untersuchungshaft wurde angerechnet. Das versuchte Vertuschungskomplott war übrigens aufgeflogen, weil die Reporter des »Daily Mirror« einen Tipp erhalten und begonnen hatten, Blake zu observieren. Dabei hatten sie angeblich mehrere heimliche Treffen der beiden Täter mit ihrem Opfer gefilmt – und schließlich auch die Polizei informiert.

Nach einem Jahr war der »Bad Boy« Blake vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden, und hatte sich zum Drogenentzug sofort in eine Suchtklinik begeben. Damals – im Sommer 2009 – waren er und Amy bereits geschieden. Doch es war Blake gewesen, der diese Trennung gewollt hatte, und Amy sollte in regelmäßigen Abständen immer wieder den Kontakt zu ihm suchen, selbst als er mit der 32 Jahre alten Sarah Aspin, die er in der Suchtklinik kennengelernt hatte, längst eine neue Frau an seiner Seite hatte, die im Spätsommer des Jahres 2010 von ihm schwanger wurde.

Anfang des Jahres 2011, etwa vier Monate vor Amys Tod, schien Blake endlich auf dem richtigen Weg zu sein, doch da schnappte ihn die Polizei gemeinsam mit seinem Kumpel Christopher Sylvester in einem Auto mit gefälschten Nummernschildern. Bei der Überprüfung stellten die Beamten fest, dass Blake high war, was schon mal gegen seine Bewährungsauflagen verstieß. Im Kofferraum des Wagens fanden sie zu allem Überfluss auch noch einen Gasrevolver sowie Elektronikgeräte im Wert von ungefähr 4000 Pfund. Dabei handelte es sich um Diebesgut aus einem Einbruch in Leeds. Beide Männer wurden daraufhin dem Untersuchungsrichter vorgeführt, im Gerichtssaal war auch Sarah Aspin anwesend.

»Sie ist im siebten Monat schwanger. Ihr erstes Kind, ein Junge, soll im Mai auf die Welt kommen. Mein Mandant macht sich Sorgen, dass er bei der Geburt seines Kindes nicht dabei sein kann«, sagte Blakes Anwalt, Stuart Paige, dem Richter, doch der gab seinem Antrag, Blake auf Kaution freizulassen, nicht statt. Daraufhin brachen Sarah Aspin und Blake Fielder-Civil gemeinsam in Tränen aus. Kurz darauf, am 9. März 2011, wurde er erneut verurteilt, diesmal zu 32 Monaten Gefängnis. Der Richter stellte in der Begründung des harten Urteils fest, wie »tragisch es sei, dass der Verurteilte seine Sucht nicht in den Griff bekommen würde«.

Einmal Täter, immer Täter – so urteilte zumindest die breite Öffentlichkeit schon früh über Blake. Und die zarte, abgemagerte, depressive Amy, die begnadete Sängerin mit der verwundeten Seele an Blakes Seite, hatte in der Beziehung dementsprechend stets die Rolle des Opfers zugewiesen bekommen.

Betrachtet man den gesamten Verlauf ihres viel zu kurzen, tragischen Lebens jedoch aus dem entgegengesetzten Blickwinkel heraus, kann man auch zu der Überzeugung gelangen, dass Amy die einzige und eigentliche Urheberin ihres persönlichen Lebensdramas war. Denn sie sog – wahrscheinlich unbewusst, vielleicht aber auch ganz bewusst – aus allen Menschen, die ihr nahestanden, so viel kreative Energie heraus, wie nur irgend möglich. Auch aus Blake. Dabei ging sie rücksichtslos vor, manipulierend und maßlos, auch gegen sich selbst.

Blake hatte verstanden, was mit Amy, seiner Exfrau los war, was ihre Dämonen mit ihr veranstalteten und warum sie ihn selbst dann noch nicht loslassen konnte, nachdem sie bereits während seines ersten Gefängnisaufenthalts mit dem 22-jährigen britischen Schauspieler Josh Bowman auf St. Lucia vor den Kameras der Paparazzi herumgeknutscht hatte – der Scheidungsgrund. Sie sei über Blake hinweg, hatte Amy damals in einem »News Of The World«-Interview gesagt.

Doch Blake besaß hinter seiner coolen Fassade so viel Empathie, dass ihm längst klar geworden war, dass er trotz allem nur mit den Fingern hätte schnippen müssen, um mit Amy einen weiteren Tanz auf dem Vulkan beginnen zu können. Auf ihrem Vulkan natürlich, den stets nur er zur Eruption brachte. Er hatte nicht nur ihre kraftraubende Persönlichkeit erkannt, sondern er hatte auch begriffen, dass er eine der entscheidenden Antriebsfedern war, mit denen sie ihr kreatives wie selbstzerstörerisches System aufrechterhielt. Ein System, das im Frühsommer 2011 im Grunde längst kollabiert war.

»Ich muss sie gehen lassen, um ihr Leben zu retten. Ich mache das nicht, um sie fallenzulassen. Ich mache es aus Liebe«, sagte Blake und beendete damit aus dem Knast heraus per Interview die fatale Liebesbeziehung endgültig.

Blake sagte sich öffentlich von Amy los und zog einen definitiven Schlussstrich. Was von vielen als der theatralische Abschiedsgruß eines fiesen Herzensbrechers aus einem Groschenroman interpretiert wurde.

Ob geheuchelt oder nicht, es war das Ende einer Liebesbeziehung, die sechs Jahre zuvor im »Good Mixer« mit einem einzigen, kurzen Blickkontakt begonnen hatte.

Kapitel II

▶ Love Is a Losing Game

Kindheit

E