Balthazar - Claudia Gray - E-Book

Balthazar E-Book

Claudia Gray

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Beschreibung

Jeder Vampir träumt davon, wieder ein Mensch zu sein ...

Das Blut der 16-jährigen Skye verfügt über eine einzigartige Macht. Wenn ein Vampir davon trinkt, wird er in die Zeit zurückversetzt, in der er noch lebte. Diese Erfahrung macht den Blutsauger beinahe sofort abhängig. Da ist es nicht überraschend, dass der brutale Vampir Redgrave alles daran setzt, Skye in seine Gewalt zu bekommen. Denn wer Skyes Blut kontrolliert, beherrscht auch die Abhängigen. Nur der Vampir Balthazar nimmt den Kampf gegen Redgrave auf. Doch was anfangs lediglich Beschützerinstinkt und Rebellion gegen seinen vampirischen Erzeuger ist, entwickelt sich rasch zu mehr, als Balthazar erkennt, was Skye wirklich ist: die andere Hälfte seiner Seele.

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Claudia Gray

Roman

Deutsch von Marianne Schmidt

Die Originalausgabe erschien unter dem Titel»Balthazar« bei HarperTeen, New York.

1. AuflageCopyright © der Originalausgabe 2012 by Amy VincentPublished by arrangement with HarperCollins Children’s Books, a division of HarperCollins Publishers.Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30827 Garbsen.Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2013 by Penhaligon Verlagin der Verlagsgruppe Random House GmbH, MünchenRedaktion: Werner BauerLektorat: Holger KappelHerstellung: Sabine Müller Satz: Uhl + Massopust, AalenISBN 978-3-641-10265-4www.penhaligon.de

1

Ständig war sie gezwungen, Menschen beim Sterben zuzusehen.

Skye Tierney umklammerte die Zügel ihres Pferdes mit ihren behandschuhten Händen und kniff fest die Augen zusammen, um so dieses Gefühl loszuwerden. Aber es nützte nichts. Ob sie nun die Bilder sehen konnte oder nicht – sie wusste, was ganz in ihrer Nähe geschah. Das Entsetzen war so greifbar und wahrhaftig wie der graue Winterhimmel über ihrem Kopf.

Nicht hinzuschauen machte die Sache aber nur noch schlimmer. Skye holte tief und zitternd Atem und zwang sich, die Augen wieder zu öffnen, um zuzusehen, wie eine Frau um ihr Leben rannte.

Sie hatte geglaubt, er würde ihr nicht bis hierher folgen. Er war seit seinem Sturz vor zwei Monaten nicht mehr derselbe; es war, als ob alles Gute aus ihm herausgeströmt wäre, als er mit dem Kopf aufgeschlagen war, und als ob etwas anderes – etwas Dunkleres – stattdessen eingedrungen wäre. Sie hatte geglaubt, er würde sie gar nicht mehr beachten, aber das stimmte nicht. Er hatte sie ständig beobachtet, und das tat er auch jetzt.

Ja, er ist hier bei ihr, und seine Finger bohren sich tief in ihren Arm, als er davon spricht, dass sie aufgehalten werden müsse.

Es ist anders als bei seinen früheren Anfällen. Er jagt ihr eine solche Angst ein, dass ihre Kehle trocken wird und sie sich auf den Boden fallen lassen und sich tot stellen will wie ein vor Schreck erstarrtes Tier, sodass er vielleicht in seinem benebelten Zustand von ihr ablässt. Aber sie kann sich nicht einmal so weit von ihm lösen, dass sie sich hinwerfen könnte; er ist einfach zu groß und zu stark. Mit zitternder Stimme sagt sie zu ihm, dass er nicht mehr klar denken könne und dass es ihm leidtun werde, wenn er wieder zu sich käme. So verzweifelt will sie sich von ihm losreißen, dass er seine Finger nur noch tiefer in ihr Fleisch gräbt, bis ihre Haut aufzureißen droht. Ihre Füße rutschen auf den Herbstblättern aus, als sie mit ihrer freien Hand nach ihm schlägt.

Er lächelt, als hätte er gerade etwas Schönes gesehen, und er wirbelt sie im Kreis um sich herum wie ein Kind, das mit einer Freundin Karussell spielt. So hat er sich mit ihr herumgedreht, als sie beide noch Kinder gewesen waren, nur dass er sie dieses Mal über den Klippenabhang schleudert und dann loslässt.

Sie schreit und schreit, ihre Arme und Beine rudern und strampeln in der vorbeirauschenden Luft, doch nichts kann ihr jetzt noch helfen. Der Sturz dauert lange, so lange, und sie fällt immer schneller …

Skye taumelte rückwärts und prallte mit Eb zusammen. In ihren Adern rauschte das Adrenalin, und ihre Kehle war wie zugeschnürt. Das Bild verblasste, aber das Entsetzen ließ nicht nach.

»Er geschieht noch immer«, flüsterte sie. Niemand konnte sie hören außer ihrem Pferd, und Eb wandte ihr seinen großen, schwarzen Kopf zu; der Ausdruck in seinen Augen war sanft. Ihre Eltern sagten immer, sie würde Eb Gefühle zuschreiben, die er weder haben noch verstehen könne. Aber die beiden hatten einfach keine Ahnung von Pferden. Skye lehnte ihren Kopf an Ebs dicken Hals und versuchte, wieder zu Atem zu kommen. Trotz ihres warmen Mantels und des dicken Pullis, den sie trug, fand die kalte Luft einen Weg bis auf ihre Haut, sodass sie zitterte. Der Wind riss an ihren kastanienbraunen Locken, die unter ihrem Reiterhelm hervorlugten, und das erinnerte sie daran, dass schon bald die Nacht hereinbrechen würde und die winterliche Schönheit des öffentlichen Reitpfades hinter ihrem Haus einer schneidenden, heimtückischen Kälte würde weichen müssen. Aber trotzdem schaffte sie es nicht, sich in Bewegung zu setzen.

Die beiden, die sie eben gesehen hatte, hatten Worte in einer Sprache gewechselt, die Skye nicht beherrschte, ja die sie, wie sie glaubte, noch nie zuvor gehört hatte. Aus ihrer Kleidung und ihren Frisuren hatte sie geschlossen, dass es sich bei ihnen um Indianer gehandelt haben müsste. Lag das, was sie gesehen hatte, bereits fünf- oder sechshundert Jahre zurück? Trugen ihre Visionen sie so weit in die Vergangenheit? Oder gar noch weiter? Es fühlte sich an, als würden sie überhaupt keine Grenzen kennen.

So unglaublich es auch schien: Die aufsteigenden Bilder von Todesfällen aus längst verflossenen Zeiten, die Skye nun schon seit fünf Wochen plagten – seit dem Tag des Falls der Evernight-Akademie –, verschwanden einfach nicht mehr. Skye hatte keinen Augenblick daran gezweifelt, dass es das Sterben, das sie sah, tatsächlich und nicht nur in ihren Albträumen gegeben hatte. Diese … geistige Fähigkeit, oder wie auch immer man es nennen mochte, war zu einem Teil ihrer selbst geworden.

Es war nicht so, dass sie vor diesem Winter an nichts Übernatürliches geglaubt hätte; das Zuhause, in dem sie aufgewachsen war, war von Geistern heimgesucht worden. Der Geist auf ihrem Dachboden war für sie stets ebenso real gewesen wie ihr großer Bruder Dakota; man konnte es ihm ganz genauso zutrauen, dass er ihr Lieblingsspielzeug versteckte, nur um sie ein bisschen zu ärgern. Sie hatte sich nie vor dem Geistermädchen im Stockwerk über ihr gefürchtet; denn irgendwie war ihr klar gewesen, dass es jung war und nur mit ihr spielen wollte. Seine Streiche waren lustig und harmlos; es nahm zum Beispiel heimlich Skyes rosafarbene Socken und versteckte sie in Dakotas Kommode, oder sie klopfte an das Bettgestell, wenn Skye kurz vor dem Einschlafen war. Dakota hatte den Geist schon vor ihr »kennengelernt«, und er war es gewesen, der ihr versichert hatte, sie bräuchte sich nicht zu fürchten; denn Geister seien vermutlich ebenso natürlich wie Regen, Sonnenschein oder sonst irgendetwas Reales. Und so hatte sie niemals daran gezweifelt, dass etwas jenseits der Welt existierte, die jeder mit den Augen sehen konnte.

Trotzdem hatte Skye niemals vermutet, wie viel näher das Übernatürliche rücken und als wie viel gefährlicher es sich erweisen könnte.

Seit ihrem ersten Highschooljahr war sie Schülerin der Evernight-Akademie gewesen, die, soweit sie wusste, eines von mehreren Elite-Internaten in den Bergen von Massachusetts war. Sicherlich gab es da einige seltsame Regeln, und einige ihrer Mitschüler kamen ihr sehr viel älter vor, als sie es den Jahren nach waren, aber das war nicht allzu ungewöhnlich … hatte sie immer geglaubt.

Nein, sie hatte nicht vermutet, dass in Evernight etwas nicht stimmte. Als ihr guter Freund Lucas sie warnte, dass es dort für sie gefährlich sein würde, weil es sich bei Evernight um eine Schule für Vampire handelte, hatte sie geglaubt, er wolle sie nur aufziehen.

Bis dieser verrückte Vampirkrieg ausgebrochen war.

Eb stupste sie mit dem Kopf an, als ob er sie ins Hier und Jetzt zurückholen wollte. Skye entschied, dass er recht hatte. Nichts half ihr so sehr wie das Reiten.

Sie suchte im Schnee nach sicherem Stand, ehe sie einen Fuß in den Steigbügel steckte und sich in den Sattel hievte. Eb wartete reglos, bis sie bereit war. Er gehörte ihr, seit sie als Zwölfjährige ihren Eltern verkündet hatte, sie wolle unbedingt ein schwarzes Pferd mit einer weißen Blesse haben.

Das ist albern, hatte Dakota gesagt. Er war damals sechzehn und ihr in einer empörenden Weise überlegen gewesen, die sie ganz krank machte, aber gleichzeitig war er derjenige gewesen, den sie mehr als jeden anderen beeindrucken wollte. Man sucht sich ein Pferd nicht nach der Farbe aus. Das ist doch nicht wie bei deinen Sammelfiguren. Aber er hatte dabei gelächelt, und sie hatte ihm sofort verziehen … Doch nein, sie würde jetzt nicht über Dakota nachdenken.

Nun gut, sie war albern gewesen. Damals hatte sie noch nicht gewusst, worauf man bei einem Pferd achten musste: auf Verlässlichkeit, Ausgeglichenheit und auf die Fähigkeit, die Person auf dem Rücken besser zu kennen, als es je ein anderer Mensch können oder wollen würde. Eb erfüllte all diese Kriterien, und er hatte einen weißen Fleck.

Ich sollte mich beeilen, falls Mom oder Dad einen Kontrollanruf machen, dachte sie. Selbst in ihren eigenen Ohren klangen die Worte hohl. Ihre Eltern waren in Albany und arbeiteten hart. Wahrscheinlich lag das daran, dass ihre anspruchsvollen Tätigkeiten ihnen das abverlangten – was auf jeden Fall stimmte. Skye wusste das. Aber sie wusste auch, dass sich die beiden im letzten Jahr noch mehr in die Arbeit gestürzt hatten, weil auch sie nicht über Dakota nachgrübeln wollten. Skye war lange nicht aufgefallen, wie weit sie es hatten kommen lassen, bis sie vor fünf Wochen aus dem Internat zurückgekehrt war. Ihr war auch nicht klar gewesen, wie sehr sie sich danach sehnen würde, ihre Eltern bei sich zu Hause zu haben.

Aber sie würden alle auf ihre eigene Weise bezüglich dieser Sache mit Dakota klarkommen müssen. Und wenn das für sie, Skye, bedeutete, dass sie alles mit sich allein würde ausmachen müssen, dann sollte es eben so sein.

Skye schnalzte mit der Zunge und drückte Eb sachte die Fersen in die Flanken. Seine Hufe knirschten im Schnee. Jetzt lag dieser nur etwa zehn Zentimeter hoch, was besser war als alles, worauf man in New York im Januar hoffen durfte. Schon bald würde der Schnee so heftig fallen, dass er dreißig Zentimeter oder sogar einen halben Meter hoch und höher liegen bleiben würde. Überall um sie herum reckten sich die kahlen Äste der blattlosen Bäume den tiefhängenden Wolken am grauen Himmel entgegen.

»Jetzt wissen wir also, dass wir den Hang meiden sollten«, sagte sie laut, und ihr Atem gefror in der kalten, spätnachmittäglichen Luft zu kleinen Wölkchen. »Noch ein Ort, um den wir einen Bogen machen müssen. Aber wir werden schon noch eine schöne, lange Strecke im Wald ausfindig machen, auf der niemand je gestorben ist und die wir jeden Tag entlangreiten können. Dann werde ich nicht mehr so etwas Gruseliges mit ansehen müssen.«

Doch unterdessen hatte Skye das Gefühl, dass es ihr nie mehr gelingen würde, der Nähe von Sterbenden zu entgehen.

In Evernight hatte es begonnen, und zwar an jenem entsetzlichen, letzten Tag. Die Vampire hatten miteinander gekämpft und eine Art Clanschlacht ausgefochten, die sie nie verstanden hatte, während die Geister, die in der Schule gefangen gehalten worden waren, befreit wurden. Einer von ihnen – Lucas’ tote Freundin Bianca, war jedoch eingeschlossen geblieben. Skyes loyale Freundschaft zu Lucas hatte sie dazu bewogen, ein spontanes Angebot zu machen, nämlich Bianca in sich aufzunehmen und ihr damit zu erlauben, von ihr Besitz zu ergreifen, um ihr so zur Flucht zu verhelfen.

Skye hatte allerdings nicht damit gerechnet, wie es sich anfühlen würde, den Körper mit einer toten Person zu teilen, und wie entsetzlich furchteinflößend das war, selbst wenn es sich um jemanden handelte, dem man instinktiv vertraute. Und ihr war auf keinen Fall klar gewesen, dass sie nach der Inbesitznahme für alle Ewigkeiten für die Geister der Toten geöffnet bleiben würde.

Während Eb sie durch den dichten Wald trug, fragte sich Skye, ob außer ihr noch jemand je solche Visionen gehabt hatte. Ob sonst noch irgendjemand wusste, dass im ganzen Tal von Darby, auf den Straßen und in den Gebäuden, ja selbst draußen im Wald die Welt widerhallte von jedem einzelnen Tod.

Ein Geräusch ganz in ihrer Nähe, als ob etwas zurückschnellte, erschreckte sie, jedoch nur kurz; es war nicht ungewöhnlich, dass man auf Füchse stieß, die durch den Schnee huschten, vielleicht auf der Spur von Wild, denn viel Nahrung blieb ihnen zu dieser Jahreszeit nicht mehr. Skye kam es beinahe gelegen, auf diese Weise aus ihren Gedanken gerissen zu werden – es wäre besser, sich ganz auf den Moment einzulassen, auf die Wärme von Eb, seinen Rhythmus und die Schönheit des Waldes rings um sie herum. Deshalb schaute sie eher mit Erleichterung denn mit Sorge in die Richtung, aus der dieses Geräusch gekommen war … bis sie erkannte, dass das Schnappen nicht von einem Tier, sondern von einem Mann hervorgerufen worden war.

Dort stand er in seinem braunen Mantel und starrte sie an. Wenn er gelächelt, gewinkt oder Hallo gerufen hätte, dann hätte sich Skye nichts dabei gedacht. Schließlich befand sie sich auf öffentlichem Gelände, und auch wenn sie und Eb zu dieser Zeit des Jahres die Wege häufig für sich hatten, war sie nicht die Einzige, die den Wald im Winter wunderschön fand.

Aber der Mann tat nichts dergleichen. Er starrte ihr einfach nur mit einem unergründlichen, beinahe hochmütigen Blick entgegen, der ihr verstörend vertraut vorkam.

»Komm schon, Eb.« Skye trieb ihr Pferd zu einer etwas schnelleren Gangart an, noch immer nur wenig beunruhigt. Dieser Typ, wer auch immer es sein mochte, sah ihr wenig vertrauenerweckend aus, doch als Reiterin würde sie weitaus schneller als er sein.

Das jedenfalls dachte sie.

Eb begann zu traben, und alle Muskeln in Skyes Körper spannten sich, um sie sicher im Sattel zu halten. Zweige brachen unter den Hufen des Pferdes, Eis knirschte, aber sie konnte noch mehr als das hören. Hinter ihnen erklangen Schritte.

Skye warf einen Blick über ihre Schulter zurück und sah den Mann im braunen Mantel, der sie beobachtet hatte und der ihnen nun hinterherkam, ungewöhnlich sicher auf dem rutschigen Boden. Der verstörende Ausdruck auf seinem Gesicht hatte sich nicht verändert, aber der Mann hatte nicht mehr länger die Hände in seinen Taschen. Stattdessen beugte und streckte er die Finger, immer und immer wieder, als ob er sich auf eine besonders anstrengende Aufgabe vorbereiten würde. Zum Beispiel, jemanden zu erwürgen. Was, wie Skye entschied, eine vollkommen paranoide Vorstellung war. Sie konnte nicht zulassen, dass sich ihre Visionen in jeden ihrer wachen Gedanken mischten. Sie blickte wieder auf den Weg, der vor ihr lag, und fragte sich, ob sie es wagen konnte, Eb noch weiter anzuspornen. Der Boden war steinig und schneebedeckt, aber nicht allzu schlimm. Und so stieß sie Eb die Hacken in die Flanken, aber nicht grob, sondern nur um ihm anzuzeigen, dass es Zeit wäre, sich etwas schneller zu bewegen. Was Eb dann auch tat.

Wieder blickte Skye über ihre Schulter. Der Mann rannte hinter ihnen her. Und er wollte mehr als nur mithalten.

Dies war real. Es war keine Paranoia und auch keine übernatürliche Vision von einem Toten oder eine hysterische Halluzination, angefacht durch das, was sie in Evernight durchgemacht hatte. Diesen Mann gab es wirklich. Und er wollte ihr etwas tun!

Skye grub ihre Absätze in Ebs Flanken und ließ die Zügel schnalzen, was für ihn das Signal war, in Galopp zu verfallen. So tückisch der Untergrund auch sein mochte, Eb reagierte sofort und stürmte los. Skye beugte sich nach vorne, um nicht von einem zurückschnellenden Ast der Bäume, an denen sie nun vorbeirasten, im Gesicht getroffen zu werden. Ihr Atem ging jetzt rascher, und die Luft war so entsetzlich kalt, dass ihre Kehle schmerzte. Angst stieg in ihr auf, aber auch ein Zorn, der heftig genug war, um beinahe sogar ihre Furcht zu überlagern. Wie konnte dieser Kerl es wagen, ihr nachzustellen? Er war ein abscheulicher Mistkerl, und sie wünschte sich, sie hättte ihm einfach eins mit der Pferdepeitsche überziehen können. Aber ihr war klar, dass sie stattdessen alles dransetzen musste, ihn abzuschütteln.

Über ihr in den Bäumen hörte sie ein seltsam dumpfes Geräusch. Als ihr Blick nach oben schoss, konnte sie den Umriss des Mannes erkennen, allerdings durch die Bewegung nur verschwommen. Er war über ihr. Mindestens fünf Meter hoch …

O mein Gott, dachte sie. Er ist ein Vampir.

Eb stolperte so unvermittelt, dass nicht einmal mehr Skyes Profisattel ihr Halt geben konnte. Sie wurde Hals über Kopf vornüber abgeworfen und landete so hart auf dem gefrorenen Boden, dass es ihr den Atem verschlug.

Benommen rappelte sie sich wieder auf. Ein Stückchen von ihrem Helm lag abgesplittert im Schnee; aber wenn sie den Helm nicht getragen hätte, wäre es ihr Schädel gewesen, den es zerschmettert hätte. Ihre linke Hand war aufgerissen, und das Blut tropfte heftig hinab. Einen Moment lang sah sie zu ihrem Pferd, das sich nicht mehr gerührt hatte, seit es gestolpert war, als ob es angewurzelt wäre. Wenn es sich das Bein gebrochen hätte, würde man es töten müssen, o Gott, nein, nicht Eb …

In diesem Augenblick landete der Vampir nur wenige Schritte von ihr entfernt.

Skye stürzte so schnell davon, wie sie nur konnte, aber er war flinker. Mit einem Satz war er vor ihr, sodass sie abrupt abbremsen musste. Verzweifelt riss sie sich den Helm vom Kopf und hielt ihn vor ihre Brust – der einzige Schild, den sie hatte –, doch der Vampir brach in Gelächter aus.

Er lachte sie aus. Spielte mit ihr. Und es gab, verdammt noch mal, nichts, was sie dagegen hätte tun können.

»Hast du dir wehgetan?«, fragte er. Seine Stimme war weich und angenehm. Er sprach, als habe er sie gerade eben verletzt gefunden und sei gewillt, ihr zu helfen. Natürlich konnte er ihr nichts vormachen, und das wusste er ganz genau. Es war nur ein Spiel, das er genoss.

Nun, sie würde einen Teufel tun, bei dieser Posse mitzumachen. »Verschwinde.«

Der Vampir bückte sich und tauchte zwei seiner Finger in die kleine, rote Lache, die ihre Blutstropfen im Schnee hinterlassen hatten. »Es sieht wunderschön auf dem Weiß aus, nicht wahr?«, fragte er verträumt. »Wie rote Rosen in einem Hochzeitsstrauß.« Dann hob er die beiden Finger an die Lippen und leckte das Blut ab.

Und plötzlich geschah etwas mit ihm. Sein Blick wurde trüber, und seine Kiefer wurden schlaff; sein ganzer Körper war mit einem Mal reglos. Es war vollkommen bizarr, aber es war eine Chance, und Skye hatte vor, sie zu nutzen.

Sie schoss zurück zu Eb. Wenn er sich wirklich etwas getan hatte, dann – nein, daran durfte sie nicht denken. Wenn er aber unversehrt war, dann konnte sie vielleicht wieder aufsitzen und leise von hier fortreiten. Skye schwirrte der Kopf, während sie schneller und schneller lief und nach Ebs dunkler Gestalt in den tiefer werdenden Schatten des Nachmittags suchte. Bald schon würde die Nacht hereinbrechen. Sie rannte, bis sie eine Hand an ihrem Ellbogen spürte, die so kräftig an ihr riss, dass sie aufschrie. Als Skye herumwirbelte, sah sie, dass der Vampir nicht länger verwirrt war. Sein Griff war kräftig und schmerzte, und obwohl sie mit aller Macht versuchte, sich zu befreien, war daran überhaupt nicht zu denken.

»Lass uns rote Rosen in den Schnee malen«, flüsterte er.

Sie dachte: Jetzt werde ich sterben.

Doch in diesem Augenblick griff jemand von hinten an ihr vorbei nach dem Vampir, riss ihn von ihr fort und schleuderte ihn weg – schleuderte ihn buchstäblich, weiter und kräftiger, als es irgendein Mensch gekonnt hätte –, sodass er gegen einen Baumstamm in fast zehn Metern Entfernung prallte, ehe er auf dem Boden landete.

Skye drehte sich blitzschnell herum, um ihren Retter anzusehen, und keuchte. Dort, das markante Profil vom schwachen Schein der untergehenden Sonne beschienen, stand ein anderer Vampir, und zwar einer, den sie kannte.

Sein Name stahl sich als Flüstern von ihren Lippen. »Balthazar.«

2

Balthazar war hierhergekommen, um nach Skye Tierney zu sehen. Durch Lucas hatte er gewusst, dass sie in Schwierigkeiten war, aber er hatte nicht damit gerechnet, dass er geradewegs in einen Kampf gegen einen anderen Vampir geraten würde. Genauso wenig allerdings war sein Gegner darauf gefasst gewesen – und zu einem Gegner würde der Typ werden, ob ihm das nun gefiel oder nicht. Balthazar hatte vor, dafür zu sorgen, dass es ihm ganz und gar nicht gefallen würde.

»Balthazar.« Skyes weit aufgerissene Augen waren voller Angst und Erstaunen. »Was machst du denn hier?«

»Jetzt, in diesem Augenblick? Ich werde dem Typen da in den Hintern treten. Geh ein paar Schritte zurück und halt dich raus, falls du das schaffst.« Dankbar kam sie seiner Aufforderung nach und brachte sich ein Stückchen weiter weg in Sicherheit, denn so würde er sich nicht darum kümmern müssen, sie zu beschützen. Stattdessen würde er sich ganz darauf konzentrieren können, den anderen Untoten dazu zu bringen, es bitter zu bereuen, dass er sich je dazu entschlossen hatte, das Blut eines hilflosen Mädchens im Wald trinken zu wollen.

Sein Gegner richtete sich wieder auf und war vom Aufprall lediglich ein wenig benommen. Das hatte Balthazar erwartet. So schnell er konnte, stürmte er auf den Mann zu. Das Überraschungsmoment war alles, was er auf seiner Seite hatte. Er trank nicht oft menschliches Blut, offenbar ganz im Gegensatz zu seinem Gegner. Außerdem wusste Balthazar aus irgendeinem Grund, dass der andere Vampir älter als er selber war. Stärker. Mächtiger.

Der unerwartete Angriff machte sich bezahlt. Es gelang ihm, Skyes Verfolger umzurennen, sodass dieser zu Boden stürzte. Balthazar sah sich rasch nach einem kurzen Ast um, der ihm als Pflock würde dienen können. Auch wenn er es hasste, Leute seinesgleichen zu töten, und es vermied, wann immer es ging, bedeutete die Alternative in diesem Fall, eine Bedrohung für das Leben anderer Menschen ungeschoren davonkommen zu lassen. Und das kam nicht in Frage. Doch gerade als Balthazar den Pflock in seinen Händen über den Kopf hob, um den tödlichen Stich auszuführen, geschah etwas, womit er nicht gerechnet hatte.

Er erkannte den Vampir.

»Lorenzo«, sagte er. Dass er ihm vertraut war, war nur noch ein Grund mehr, ihn zu pfählen. Aber das Erstaunen darüber, auf diesen Vampir zu stoßen – den er aus den entsetzlichsten Augenblicken seiner Vergangenheit kannte –, ließ ihn beinahe erstarren, während er den Pflock weiterhin mit seinen Fingern umklammert hielt. »Was zur Hölle machst du hier?«

»Das Gleiche könnte ich dich fragen.« Lorenzo wirkte genauso schockiert wie er selbst. Dieses Zusammentreffen war lediglich ein schrecklicher Zufall, sonst nichts. Die Unsterblichkeit schien die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Aufeinanderstoßens zu steigern, selbst wenn man es unbedingt vermeiden wollte.

»Lass dieses Mädchen in Ruhe. Warum bist du hinter ihm her?«

»Weil es ein Mensch ist und weil wir Vampire sind – etwas, was du leider nur allzu häufig vergisst. Und nun frag mich, was du wirklich wissen willst«, sagte Lorenzo. »Frag mich, ob ich mit Redgrave hier bin.«

Er sprach den Namen so zärtlich aus, als handele es sich bei dem Genannten um seinen Vater oder seinen Geliebten. Soweit Balthazar wusste, traf beides in gewisser Weise zu. Der Klang des Namens jagte ihm noch immer einen eisigen Schauer über den Rücken und erfüllte ihn halb mit Entsetzen, halb mit Hass. Redgrave.

»Wo ist er?«, fragte Balthazar. Seine Stimme klang jetzt beinahe wie ein Knurren.

»Nicht nahe genug, um dir beim Sterben zuzusehen.«

Ein mächtiger Stoß rammte Balthazars Brust. Dieser Angriff war mit beiden Händen ausgeführt worden, die Finger waren dabei weit gespreizt gewesen, und es steckte so viel Kraft darin, dass er Balthazar beinahe die Rippen gebrochen hätte. Dieser wurde davon nach hinten geschleudert, nicht weit, aber doch weit genug, sodass Lorenzo sich sammeln konnte. Augenblicklich waren sie beide wieder auf den Füßen und standen einander gegenüber. Noch immer umklammerte Balthazar den Pflock; auf einen weiteren Vorteil würde er von nun an nicht mehr bauen können.

Lorenzo de Aracena, aus dem Spanien des sechzehnten Jahrhunderts, war ein Möchtegerndichter und ein hinterhältiger Kämpfer. Häufig war er der Handlanger seines Erschaffers – Redgrave, des dunkelsten Vampirs, den Balthazar in der Vergangenheit je kennengelernt hatte, und er hoffte, dass er auch in Zukunft keinen zweiten wie ihn treffen würde. Lorenzo war ebenso oft in eigener Sache unterwegs. Manchmal hatte sein Erschaffer Gründe dafür, ihn von sich wegzustoßen, aber immer kam Lorenzo am Ende zu ihm zurückgekrochen, so sehr sehnte er sich nach jemandem, der ihm sagte, was er tun, denken und wen er töten sollte. Er würde immer irgendjemandes Sklave sein, doch so erging es am Ende wohl den meisten Vampiren.

Bei Balthazar war das anders. Er wusste zwar nicht, ob er stark genug sein würde, Lorenzo zu töten, aber er war wild entschlossen, es zumindest zu versuchen.

»Willst du das Mädchen etwa für dich selber haben?«, fragte Lorenzo mit einem Lächeln, und seine Stimme klang beinahe höflich. »Ich fürchte, das wird nicht möglich sein.«

»Sie wird auch nicht die deine werden«, erwiderte Balthazar. Es gelang ihm ebenfalls, seine Stimme ruhig zu halten. Im Innern jedoch war er verunsichert. Es war seltsam, dass Lorenzo ihn ausgerechnet wegen Skye herausforderte. Für sie beide reichte das bloße Zusammentreffen vollkommen aus, um es auf einen Kampf ankommen zu lassen. Warum also erhob er zusätzlich auch noch Anspruch auf Skye? Sie war doch nur ein Mädchen und nichts als ein leichtes Opfer, das er sich zufällig ausgesucht hatte.

Das war sie doch, oder?

»Es gibt noch mehr Möglichkeiten«, sagte Lorenzo. »Noch mehr Gelegenheiten. Viel zu viele, um es auf einen Kampf mit dir ankommen zu lassen.« Und damit war er verschwunden.

Es war, als hätte er sich in Luft aufgelöst – eine Fähigkeit, die einige Vampire mit der Zeit erwarben, jedoch immer erst im Laufe von vielen Jahrhunderten, fast Jahrtausenden. Lorenzo verfügte nicht über diese Gabe; er war einfach nur geräuschlos in die Nacht davongeglitten. Balthazar drehte sich um und rannte in die Richtung, die Skye eingeschlagen hatte.

Er hatte nichts über Lorenzos Plan in Erfahrung gebracht, abgesehen von der Gewissheit, dass er nichts Gutes im Sinn gehabt hatte und dass Skye noch immer schutzbedürftig war.

Es dauerte nicht lange, bis er sie fand: Sie war bei einem großen, dunklen Pferd stehen geblieben, das offenkundig ihr gehörte, und kniete vor seinen Vorderhufen. Lorenzo war nirgends zu sehen, und der Wald um sie herum war still. Die Gefahr schien für den Augenblick vorüber, aber das hatte Skye nicht wissen können. Deshalb bemerkte Balthazar: »Du hättest lieber wegrennen sollen.«

»Wenn du den Kampf gewonnen hättest, dann hätte ich nicht fliehen müssen. Und wenn du verloren hättest, dann hätte es mir auch nichts genützt. Der andere Vampir war schneller als ich.«

Damit hatte sie eigentlich vollkommen recht. Balthazar gefiel es, wie ruhig sie im Angesicht der Gefahr blieb. »Hat sich dein Pferd verletzt?«

»Ich glaube, mit Eb ist alles in Ordnung.« Skye klang sehr erleichtert. »Aber ich will ganz sichergehen. Und ich bin so durcheinander, dass ich nicht weiß, ob das Zittern von mir oder von ihm ausgeht.«

»Lass mich mal sehen.« Balthazar schnalzte mit der Zunge. Das war eine alte Angewohnheit, die er schon beinahe vergessen gehabt hatte, aber sie tat ihm noch immer gute Dienste. Eb ließ zu, dass Balthazar seine Fesseln abtastete, die unversehrt waren. »Du hast recht. Er hat sich nichts getan, sondern nur einen mächtigen Schreck bekommen.«

Erst jetzt sah Balthazar Skye richtig an. Ihre langen Haare, die tiefbraun waren, wenn seine Erinnerung stimmte, wirkten nun in der hereinbrechenden Nacht beinahe schwarz. Ihr Atem ging noch immer schnell, aber ansonsten war sie erstaunlich gefasst angesichts dessen, was ihr gerade widerfahren war – und in Anbetracht der Tatsache, wie viel schlimmer alles hätte enden können. Ihre Wangen waren von der Anstrengung der Verfolgungsjagd noch gerötet.

»Wir müssen von hier verschwinden«, sagte sie. »Kannst du reiten?«

»Bevor das Auto erfunden wurde, war das eine sehr praktische Fähigkeit.«

»Oh. Ach richtig.« Das brachte sie nur ganz kurz aus der Fassung. »Bis zum Stall kann Eb uns beide tragen. Los, komm.« Skye sah in den dunkler werdenden Himmel hinauf, als hätte sie Angst, dass sich jede Sekunde der nächste Vampir auf sie stürzen könnte. Balthazar spürte zwar keine weiteren Vampire in der Nähe, aber er hielt es ebenfalls für eine gute Idee, diesen Ort so schnell wie möglich zu verlassen.

Als Skye sich in den Sattel schwang, zögerte Balthazar nicht. Kaum, dass sie sich richtig hingesetzt hatte und Eb wieder ruhig dastand, bot Skye Balthazar den linken Arm an. Die Zügel hielt sie in der rechten Hand. Nur mithilfe dieser merkwürdigen Verständigung zwischen Mensch und Tier hatte sie das Pferd so gut unter ihrer Kontrolle, dass sie mit den Füßen aus den Steigbügeln schlüpfen und Eb trotzdem ruhig an Ort und Stelle halten konnte. Balthazar schob seinen Fuß in einen der Steigbügel und saß mühelos auf. Das hatte er schon lange nicht mehr getan, aber seine Muskeln erinnerten sich noch an das letzte Mal, und schon befand er sich hinter Skye. Sie saßen so eng beisammen, dass sie einander berührten, Oberschenkel an Oberschenkel und Schulter an Schulter, und einen Moment lang konnte er an nichts anderes denken als daran, wie warm sie war und wie rasch ihr Herz noch immer pochte.

»Warte«, sagte sie und angelte mit den Füßen nach den Steigbügeln, sodass sie wieder die Kontrolle über alles hatte.

»Ich bin so weit.«

Mit diesen Worten trieb sie Eb an, und das Pferd setzte sich in Bewegung und brachte sie zurück in die Zivilisation. Zurück in die Sicherheit, hätte Balthazar gerne gesagt, aber im Augenblick war er nicht ganz überzeugt davon, dass das so stimmte.

Skyes Atem hinterließ in der bitterkalten Luft weiße Nebelwolken. Vor Balthazars Mund war dagegen nichts zu sehen.

Es stellte sich heraus, dass es sich bei den Ställen nicht um eine der üblichen Einrichtungen handelte, die im Amerika des einundzwanzigsten Jahrhunderts gang und gäbe waren. Stattdessen entdeckte Balthazar ein kleines Gebäude aus breiten Holzplanken, nicht weit hinter Skyes Zuhause. Auch wenn es elektrisch und nicht durch Kerzen beleuchtet wurde, weckten die schweren, schwarzen Laternen alte, angenehme Erinnerungen. Hinzu kam noch der Duft von frischem Heu.

Als sie näher kamen, fragte er: »Werden deine Eltern herauskommen? Müssen wir vor ihnen verheimlichen, wer ich bin und was ich hier will, oder irgendetwas in der Art?«

»Die beiden sind in Albany. Sie sind Lobbyisten, und einer ihrer Gesetzesvorschläge wird gerade diskutiert. Seit Weihnachten habe ich sie kaum mehr als zehn Minuten am Tag zu Gesicht bekommen.«

»Das ist ja nicht gerade viel.«

»Sie haben ihre Gründe.« In Skyes Blick blitzte Belustigung auf, als sie Balthazar einen Blick zuwarf. »Und warum sollten wir ihnen nicht die Wahrheit sagen? Du bist ein alter Schulfreund, der gekommen ist, um Hallo zu sagen.«

»Wissen sie über Evernight Bescheid? Ich meine: Wissen sie, was Evernight in Wahrheit war?«

»Nein. Ich habe behauptet, ich würde mein Abschlussjahr lieber an der Schule in meiner Heimatstadt beenden als in einem Irrenhaus. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, dass es da einen Unterschied gibt.« Sie seufzte, während sie abstieg.

»Ist denn sonst jemand zu Hause? Hast du noch Geschwister?«

Bei dieser Frage erstarrte Skye, und Balthazar zögerte, unsicher darüber, ob er vielleicht einen wunden Punkt bei ihr berührt hatte. Skye antwortete kurz angebunden: »Mein Bruder ist letztes Jahr gestorben. Jetzt gibt es nur noch mich.«

»Das tut mir leid, davon wusste ich nichts.«

»Ist schon in Ordnung. Ich bin jetzt zwar allein, aber ich kann selbst für mich sorgen.«

Ganz offensichtlich wollte sie dieses Thema nicht weiter ausführen. Also stieg Balthazar schweigend von Eb ab. Er führte ihn in den warmen Stall und begann damit, ihm den Sattel abzunehmen. Noch ein weiteres Pferd, eine Stute mit rötlichem Fell, stand in einer der Boxen und wieherte, wie um sie willkommen zu heißen. Skye ließ Balthazar gewähren und sah ihm dabei zu, wie er das Zaumzeug abnahm und Eb striegelte. Erst als sie sich davon überzeugt hatte, dass Balthazar wirklich wusste, wie man sich um ein Pferd kümmert, begann sie wieder zu reden. »Okay, also wie bist du darauf gekommen, einfach so im Wald aufzutauchen? Rennst du herum und suchst nach Leuten, die in Schwierigkeiten sind, wie … ein Vampir-Batman oder so?«

Er musste lächeln. »Ich wünschte, so wäre es. Nein, Lucas hat mir erzählt, dass du Ärger hast, und er hat mich gebeten, nach dir zu sehen. Allerdings hat er nichts von Vampirüberfällen gesagt.«

»Es gab auch keine. Bis heute, meine ich. Ich habe ihm nur geschrieben, dass …« Offenbar fiel es ihr schwer, darüber zu sprechen. »… ich Visionen habe. Dass ich sehe, wie Leute getötet werden.«

»Dann haben sie also nicht nachgelassen?« Lukas hatte ihm schon berichtet, dass sie anscheinend mit Geistern Probleme hatte. Anstatt jedoch nur ab und an heimgesucht zu werden, musste Skye in grellen Farben jedes Detail von früheren Morden mit ansehen – und zwar immer wieder.

Balthazar war der Meinung, dass sie zuerst versuchen sollten, ein Muster herauszufinden. »Geschieht es jetzt öfter? Passiert es nachts, am Tag, nachdem du etwas getan oder gelassen hast …?«

Skye schüttelte den Kopf. Der Schein der Laterne fiel auf ihr dunkles Haar und brachte die rötliche Spur unter dem Braun zum Vorschein. Bislang hatte Balthazar sich kaum je erlaubt, das zu bemerken, aber sie war ein wirklich wunderschönes Mädchen. »Es hat nichts zu tun mit dem, was ich mache oder nicht mache. Es hängt nur damit zusammen, wo ich mich befinde. Wenn ich an einem Ort bin, an dem jemand gestorben ist, dann sehe ich das. Aber es ist mehr als nur sehen: Ich weiß, wie diejenigen sich gefühlt haben. Das Opfer und der Mörder, wenn es denn ein Mord war.«

»Es waren nicht alles vorsätzliche Tötungen?« Geister entstanden nur durch Morde; wenn Skye auch andere Arten von Todesfällen sah, dann hatten die Geister nichts damit zu tun.

»Manchmal schon. Manchmal tritt der Tod aber auch nur … plötzlich ein. Gewaltsam. Kein einziger von ihnen war friedlich.« Skye verschränkte die Arme vor der Brust, als wolle sie unbewusst einen Schutzschild schaffen. »Der erste Todesfall, den ich gesehen habe, war auf der Heimfahrt von Evernight. Wir standen auf der Autobahn im Stau, und während wir uns irgendwie die Zeit vertrieben, sah ich plötzlich diesen Unfall … die Nachwirkungen davon … diesen zusammengekrümmten Körper … Ich dachte, ich wäre völlig durchgedreht, und dass all diese verrückten Dinge in Evernight mich irgendwie um den Verstand gebracht hätten. Aber als ich den Unfall immer wieder sah, zuschaute, wie dieser Bursche starb, es hörte, es sogar roch, da wusste ich, dass es Wirklichkeit war.« Ein Schauder lief durch ihren Körper. »Wusstest du, dass man im Qualm Blut riechen kann? Das kann man nämlich.«

»Ja, das wusste ich.« Es war wohl besser, nicht weiter nachzufragen, woher er dieses Wissen hatte. »Also hast du diese Visionen, wann immer du in die Nähe eines plötzlichen Todesfalls gerätst?«

»Ja, es ist, als ob die Toten meine Aufmerksamkeit suchen. Als wenn sie mich dazu bringen wollen, das alles mit ihnen zusammen zu durchleiden. Wenn es geschieht, dann muss ich mich zwingen, mich daran zu erinnern, wer ich bin und wo ich mich befinde. Ich will aus den Visionen aufwachen, aber manchmal gelingt mir das nicht. Ist das …? Hat Lukas dich deshalb hierhergeschickt, weil du etwas darüber weißt?«

»Leider nein.« Balthazar striegelte Eb weiter; er hatte ganz vergessen, wie sehr ihm diese einfachen, wiederholten Bewegungen dabei halfen, sich zu konzentrieren. Ein Auto zu waschen machte Spaß, aber es war nicht damit zu vergleichen, ein Pferd zu versorgen. »Lucas und Bianca wären ja selbst gekommen, aber sie haben in letzter Zeit eine Menge Ärger mit dem Schwarzen Kreuz.«

»Dem Schwarzen Kreuz?«

»Oh. Ich hatte ganz vergessen, dass du nichts davon weißt.« Zum ersten Mal erinnerte sich Balthazar wieder daran, dass Skye noch immer eine Außenseiterin in der Welt des Übernatürlichen war. Trotz allem, was sie gesehen und getan hatte, war ihr ein Großteil seiner Welt ein völliges Rätsel. »Vampirjäger. Keine Sorge: Bianca und Lucas geht es gut. Stattdessen wirst jetzt du von einem Vampir gejagt.«

Skye schob sich eine Haarlocke hinters Ohr und versuchte sichtlich, sich zu konzentrieren, obwohl all das überwältigend für sie sein musste. »In Ordnung …! Also dann gibt es überall Vampire. Nicht nur in Evernight.«

»Nicht nur in Evernight. Viele von uns versuchen nach Kräften, ganz normal zu leben und klarzukommen, aber es gibt auch gefährliche Vampire da draußen. Und mit einem bist du vorhin zusammengestoßen. Mit Lorenzo, und mit dem ist nicht zu spaßen.«

Nicht zu spaßen: was für eine Untertreibung. Aber Balthazar wollte ihr nicht sofort die ganze Wahrheit sagen, wenn es nicht unbedingt notwendig war, denn das würde sie nur in Panik versetzen. Außerdem wollte er nicht in die ganzen Verwicklungen seiner eigenen, langen Vergangenheit eintauchen, die wie ein einziges Labyrinth waren.

»Wird er denn wiederkommen?«, fragte sie. »Oder hat er mich nur … durch Zufall ausgewählt?«

»Das weiß ich nicht.« Und diese Unsicherheit gefiel ihm gar nicht. »Ich werde ein paar Tage hierbleiben, um sicher zu sein, dass er wirklich verschwunden ist. Also mach dir nicht zu viele Sorgen. Und reite nach Sonnenuntergang nicht mehr durch den Wald, hörst du?«

»Keine Angst. Ich bin nicht scharf darauf, diese Erfahrung so bald zu wiederholen.« Einen kurzen Moment lang sah sie ihm beinahe schüchtern in die Augen. Er verstand nicht, warum; immerhin kannten sie sich schon beinahe drei Jahre lang. Zugegebenermaßen hatten sie immer nur ein paar Worte gewechselt, und einmal hatte er sich von ihr ihre Notizen für den Kurs Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts geborgt, aber sie waren keine Fremden. Und sie war ihm immer aufgefallen, weil sie so aufgeschlossen und geradeheraus war … ja, sogar ausgesprochen mutig.

Schließlich wurde ihm aber alles klar, als sie sagte: »In Ordnung, ich kenne zwar die Antwort auf diese Frage, aber ich muss sie dir trotzdem stellen. Du bist … du bist also auch ein Vampir, richtig?«

»Richtig.« Er suchte in ihrem Gesicht nach einem Anzeichen von Furcht oder Abscheu, aber sie wandte ihren Blick nicht ab.

»Macht dir das was aus?«

»Nicht so viel, wie es vermutlich sollte.« Sie musste selbst lachen. »Ich meine, ich wusste es ja sozusagen schon. Ich schätze, ich wollte es einfach nur aus deinem Mund hören.«

Vielleicht würde Skye ihm gegenüber jetzt misstrauisch sein, was er ihr nicht würde verübeln können. »Ich trinke kein Menschenblut. Bei mir hast du nichts zu befürchten.«

»Das weiß ich. Und selbst wenn ich es bisher nicht gewusst hätte, wäre ich mir spätestens seit heute sicher.«

»Egal, was du über diese ganze Sache wissen willst, du kannst mich alles fragen. Vielleicht habe ich dann auch mal keine Antwort, aber wenn doch, werde ich sie dir geben. Du musst ab jetzt nicht mehr länger im Dunkeln tappen.«

»Okay. Gut zu wissen.« Sie fuhr sich mit einer Hand durchs Haar, und Balthazar konnte sehen, dass sie noch immer leicht zitterte. Obwohl sie versuchte, nach außen hin tapfer zu wirken, hatte Lorenzos Angriff sie wohl doch ziemlich mitgenommen.

Balthazar legte ihr eine Hand auf die Schulter und sagte: »Hör zu. Geh hinein und wärm dich erst mal richtig auf. Schlaf ein bisschen, wenn du kannst. Ich werde die ganze Nacht hier draußen bleiben, und morgen können wir uns dann weiter unterhalten.«

»Morgen.« Sie zog eine Grimasse. »Das ist der erste Schultag. Das hätte ich fast vergessen. Ich meine, ich habe ihn die ganze Zeit mit Grausen näher kommen sehen. Aber diese Geschichte mit der Vampirattacke hat plötzlich alles in ein anderes Licht gerückt.«

»Warte ab, so schlimm wird es schon nicht werden. Und ganz ehrlich: Heute Nacht musst du keine Angst haben. Er wird dich nicht noch einmal belästigen.«

»Willst du mit hineinkommen? Es dauert noch Stunden, bis meine Eltern wieder zu Hause sind, also werden sie es nicht erfahren und sich nicht darum kümmern. Es ist ganz schön kalt hier draußen.«

»Ich kann das Haus nur von hier draußen im Auge behalten. Aber mach dir keine Gedanken. Vampire fühlen die Kälte nicht so stark wie Menschen.«

Skye sah zu ihm hoch, und ihr Gesicht verriet mehr als alle Worte ihre Verletzlichkeit und Dankbarkeit. Einen Augenblick lang spürte Balthazar eine Welle von Beschützerdrang – und noch etwas anderes …

Keine Menschen, dachte er. Das war eine alte Regel von ihm.

»Danke, dass du mich gerettet hast«, sagte sie. »Das hätte ich vorhin schon sagen sollen.«

»Aber dafür bin ich doch da.« Balthazar hatte seine Worte beinahe scherzhaft gemeint, aber es war eigentlich ganz gut, so von sich selber zu denken. Jedenfalls war das ein besserer Grund für sein Dasein als alle anderen, die er hatte.

Er blieb noch eine Stunde draußen im warmen Glanz des Fensters, das zu Skyes Schlafzimmer gehören musste. Von ihren Eltern fehlte weiterhin jede Spur, ebenso – was noch entscheidender war – von Lorenzo.

Sie haben schon früher hier in dieser Gegend gejagt, hatte Balthazar sich gesagt und sich die Arme um den Körper geschlungen, denn sein schwarzer Stoffmantel bot ihm mitten im Januar in der eisigen Kälte im ländlichen Teil New Yorks nur wenig Schutz. Ja, es ist zwar mindestens ein Jahrhundert her, aber trotzdem: Dies ist ein Gebiet, das Lorenzo bestens kennt. Also kann er gut und gerne aus eigenem Antrieb hierhergekommen sein. Vielleicht war Skye einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen.

Diese Erklärung gefiel Balthazar am besten, denn sie bedeutete, dass Skye bereits in Sicherheit war. Lorenzos Vorhaben war erst mal vereitelt worden, und er wusste, dass Balthazar in der Nähe war, um auch alle weiteren Jagdpläne zunichtezumachen. Er würde irgendwo anders hin weiterziehen und Skye nicht noch einmal in Gefahr bringen.

Aber vielleicht war die Sache doch nicht so einfach.

Er schaute zu Skyes Fenster hinauf, und einen Moment lang konnte er ihre schlanke Silhouette vorbeihuschen sehen. Selbst ihr volles Haar, das ihr über die Schultern fiel, war deutlich zu erkennen und überraschend verlockend. Gerade als Balthazar das schuldbewusste Gefühl hatte, ihr eher nachzuspionieren als sie zu bewachen, schaltete sie das Licht aus.

Sofort wurde er wachsamer. Wenn Lorenzo zurückgekommen wäre, dann wäre dies der Moment, in dem er zuschlagen würde – nämlich dann, wenn er glaubte, sie arglos vorzufinden. Balthazar umrundete das Haus: ein großes, modernes Gebäude, augenscheinlich an den Ausläufern der Stadt. Er lauschte aufmerksam, nicht nur mit seinen Ohren, sondern mit all seinen Sinnen einschließlich jenem, der einem Vampir verriet, wenn jemand seinesgleichen in der Nähe war.

Nichts.

Schließlich entschied er, dass er das Risiko eingehen konnte, sich selbst etwas zu essen zu besorgen. Auch wenn er es weder Skye noch sonst jemandem gegenüber – nicht einmal einem anderen Vampir – laut zugegeben hätte, war sein Appetit geweckt, seitdem er in Skyes Nähe gewesen war, während sie blutete.

Wie er das hasste! Ein hübsches, junges Mädchen anzusehen, sie zu mögen, ihr helfen zu wollen, und doch nicht vergessen zu können, dass ein Teil von ihm sie als Beute betrachtete.

Balthazar marschierte ein Stück in den Wald unmittelbar hinter dem Grundstück ihres Elternhauses hinein und sog die kalte Winterluft ein. Er roch Kiefern, Erde, eine Vielzahl von Vögeln – zumeist Eulen und Spatzen, die sich nur schwer fangen ließen und beim Verzehr nicht viel Vergnügen bereiteten –, den Schweiß des Pferdes von den vergangenen Anstrengungen, eine Spur von Skyes zartem Parfüm, und noch etwas Animalischeres, das nach Moschus roch. Dort. Wild. Und zwar ganz in der Nähe.

Hunger nagte an Balthazar, und er drang tiefer in den Wald ein; dann begann er zu rennen, wobei er sich so vorsichtig wie möglich bewegte, um seine Beute nicht aufzuschrecken. Er malte sich bereits aus, wie das dickflüssige Blut seinen Mund ausfüllte, ihn bis aufs Mark erwärmte und ihm wieder den Schatten von Leben zurückgab, nach dem er sich so entsetzlich sehnte …

Aber er konnte das Blut in dem Körper des Rehs nicht riechen, wie es eigentlich der Fall sein sollte. Balthazar blieb ein paar Schritte vor dem Kadaver stehen, der in der mitternächtlichen Dunkelheit beinahe unsichtbar war. Das tote Tier lag im Schnee, den Hals in unnatürlichem Winkel verdreht. Es war kein Herzschlag zu hören.

Obwohl Balthazar die typische Enttäuschung eines Jägers verspürte, dem seine Beute durch die Lappen gegangen war, kniete er sich neben das verendete Reh, um es sich genauer anzusehen. Sein Hals war aufgerissen worden, und zwar vermutlich schon vor Stunden, und nur die strenge Kälte hatte den Verwesungsprozess so weit verlangsamt, dass Balthazar den Geruch von Verwesung noch nicht hatte wittern können. Jeder einzelne Tropfen Blut war ausgesogen worden.

Als er die Hand über das Fell des Rehs gleiten ließ, konnte er Bissspuren ertasten: Dutzende davon. Und das Blut war durch diese Male getrunken worden. Es war nicht nötig gewesen, die Kehle zu öffnen. Derjenige, der das Tier getötet hatte, hatte Freude daran gehabt. Es war etwas, was er schon viele Male zuvor getan hatte.

Balthazar ballte die Hände zu Fäusten zusammen, als er an den Vampir dachte, der diesen Clan anführte und dessen Handschrift er in dem zerfetzten Fleisch vor sich wiedererkannte:

Redgrave.

Er war also hier.

3

Wie üblich erwachte Skye vom Klingelton ihres Handys. Alles andere als üblich war dagegen die Tatsache, dass ihr ganzer Körper schmerzte, als sie sich herumrollte, um den Alarmton abzuschalten. Zunächst war sie nur zu dem erschöpften Gedanken fähig: . Dann erinnerte sie sich an den Grund dafür, und sie setzte sich kerzengerade im Bett auf, während sie sich das weiße Laken vor die Brust presste.

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