Bär und Biene – Freunde sind das Allerbeste - Stijn Moekaars - E-Book

Bär und Biene – Freunde sind das Allerbeste E-Book

Stijn Moekaars

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Beschreibung

Große Gedanken für kleine Denker – 60 entzückend bunte Vorlesegeschichten, die jeder – und wirklich jeder – braucht Bär und Biene sind zwei, die gehören einfach zusammen. Und deshalb können sie auch über alles reden. Über ihre heimlichsten Gedanken zum Beispiel oder über das, was sie von ganzem Herzen froh macht. Und so sitzen Bär und Biene auf ihrem Nachdenkstein und sprechen über das Anderssein oder das große Glück, den anderen zu haben. Sie erzählen sich vom Alleinsein und ihren manchmal gar nicht so netten Gedanken. Sie reden über das Sterben und das Geborenwerden. Über Honigkuchen und Honig an sich. Und natürlich über das wichtigste Thema von allen: Freundschaft. 60 philosophische Vorlesegeschichten zum Schmunzeln und Nachdenken, zum Verschenken und Selber-haben-Wollen, die auch Erwachsenen riesigen Spaß machen. Denn ob groß oder klein: Freunde sind das Allerbeste!

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Seitenzahl: 149

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Stijn Moekaars

Bär und Biene – Freunde sind das Allerbeste

 

Aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler

 

Mit farbigen Bildern von Suzanne Diederen

Über dieses Buch

 

 

Große Gedanken für kleine Köpfe – 60 entzückend bunte Vorlesegeschichten, die jeder – und wirklich jeder – braucht.

 

Bär und Biene sind zwei, die gehören einfach zusammen. Und deshalb können sie auch über alles reden. Über ihre heimlichsten Gedanken zum Beispiel oder über das, was sie von ganzem Herzen froh macht. Und so sitzen Bär und Biene auf ihrem Nachdenkstein und sprechen über das Anderssein oder das große Glück, den anderen zu haben. Sie erzählen sich vom Alleinsein und ihren manchmal gar nicht so netten Gedanken. Sie reden über das Sterben und das Geborenwerden. Über Honigkuchen und Honig an sich. Und natürlich über das wichtigste Thema von allen: Freundschaft.

 

60 philosophische Vorlesegeschichten zum Schmunzeln und Nachdenken, zum Verschenken und Selber-haben-Wollen, die auch Erwachsenen riesigen Spaß machen. Denn ob groß oder klein: Freunde sind das Allerbeste!

 

 

Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de

Biografie

 

 

Stijn Moekaars, geboren 1964 in Bilzen, Belgien, wollte erst Pilot, Polizist oder Feuerwehrmann werden. Dann studierte er aber doch Sonderpädagogik und arbeitete als Lehrer, bevor er begann, Kinderbücher zu schreiben.

 

Suzanne Diederen, geboren 1974, hat an der Akademie für Bildende Künste in Maastricht studiert. Sie illustriert Kinderbücher und Bilderbücher, wenn sie nicht gerade Yoga macht oder etwas mit ihren beiden Kindern unternimmt. Mit dem Kinderbuchillustrator Mark Janssen teilt sie sowohl das Leben als auch das Atelier.

 

Weitere Informationen zum Kinder- und Jugendbuchprogramm der S. Fischer Verlage, auch zu E-Book-Ausgaben, gibt es bei www.blubberfische.de undwww.fischerverlage.de

Impressum

 

 

 

Erschienen bei FISCHER E-Books

 

Die niederländische Originalausgabe erschien 2015 unter dem Titel ›Beer en Bij.60 oorleesverhalen‹ bei © 2015 Clavis Uitgeverij, Hasselt – Amsterdam – New York

 

Für die deutschsprachige Ausgabe:

© 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, D-60596 Frankfurt am Main

Dieses Buch enthält die beiden Titel ›Bär und Biene‹ sowie ›Kein Tag ohne Bär und Biene‹. Die deutsche Erstausgaben erschienen 2000 und 2003 im Programm von FISCHER Sauerländer. © 1996 Beer en Bij, © 1998 Beer en Bij maken muziek

Covergestaltung: Norbert Blommel, Vreden unter Verwendung einer Illustration von Suzanne Diederen

 

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.

ISBN 978-3-7336-0269-7

 

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Hinweise des Verlags

 

 

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Inhalt

Bär

Freundin

Mond

Anders

Schwimmen

Weg

Geboren werden

Sterben

Irren

Regen

Museum

Dick

Höhle

Sterne

Dieb

Mantel

Poesie

Doktor

Taub

Zusammenarbeit

Brief

Denken

Alt werden

Haare schneiden

Teich

Seiltanzen

Messen

Beunruhigt

Morgen

Vergessen

Wettkampf

Traurig

Farbe

Meer

Verirren

Schatz

Fliegen

Zwei

Tagebuch

Geige

Blaubeeren

Hinterseite

Sturm

Lavendel

Sich trauen

Bauchweh

Violett

Tanzen

Kastanie

Immer

Hund

Böse

Post

Freunde

Segeln

Flügel

Theater

Aufräumen

Geduld

Neblig

Nachwort

Bär

Bär saß oben auf einem orangenen Hügel unter einem orangenen Baum auf einem orangenen Stein. Es waren eigentlich ein grüner Hügel, ein grüner Baum und ein grauer Stein. Aber Bär saß oben auf dem Hügel, als gerade die Sonne unterging.

Der Stein war sein Nachdenkplatz. Wenn Bär nicht mehr weiterwusste oder wenn er gerade besonders guter Dinge war, dachte er darüber nach, warum das so war.

Bär stützte seinen dicken Kopf auf die großen Pfoten. Er seufzte. Er zog die Schultern hoch und seufzte noch einmal tief auf.

Biene kam angeflogen. Biene war Bärs Freundin. Sie setzte sich neben Bär auf den orangenen Stein.

»Guten Tag, Bär«, sagte Biene.

»Tag«, murmelte Bär.

»Du sitzt so bedrückt auf deinem Nachdenkplatz«, sagte Biene. »Stimmt etwas nicht?«

»Ja«, antwortete Bär.

»Du kannst es mir erzählen, wenn du willst.«

»Hm«, seufzte Bär und starrte vor sich hin.

Biene blickte über das Tal. Eine Ente flog vorbei und landete in der silberorangenen Pfütze.

Wieder zog Bär die Schultern hoch und seufzte tief.

»Wenn ich …«, begann er. »Wenn ich ein Honigtopf wäre, würde ich dann überlaufen?«

Biene schaute schräg nach oben zu Bär und zitterte mit den Flügeln. »Natürlich würdest du überlaufen«, rief sie.

»Vielleicht sagst du das nur, weil du meine Freundin bist«, meinte Bär. »Bitte sag mir die Wahrheit. Du weißt doch alles über Honig.«

»Ich bin deine Freundin«, sagte Biene, »und ich weiß alles über Honig. Wenn du ein Honigtopf wärst, würdest du überlaufen.«

»Wirklich wahr?«, fragte Bär ein bisschen erleichtert.

»Wirklich wahr«, antwortete Biene. »Du kannst mir ruhig glauben.«

Bär setzte sich etwas aufrechter hin und dehnte seinen Rücken. »Aber woher weißt du das so genau?«, fragte er jammernd.

»Nun«, begann Biene, »du kannst fischen wie kein Zweiter. Du fängst mit deiner großen Pfote in null Komma nichts den dicksten Lachs.«

Der Bär lachte. »Ja, das stimmt.«

Und Bär fuhr mit seiner dicken Pfote durch die Luft, als hole er den dicksten Lachs aus dem Fluss.

»Weil du das so gut kannst«, fuhr Biene fort, »hast du Honig in deinem Topf. Verstehst du?«

»Nein, nicht so genau«, antwortete Bär mit gerunzelten Augenbrauen.

»Hör zu. Stell dir vor, du wärst der Topf, in den Honig reinkommen soll.«

»Ich bin also der Topf?«, fragte Bär.

»Ja«, sagte Biene. »Und alles, was du gut kannst, das ist der Honig. Du kannst gut fischen, also ist das der Honig in diesem Topf.«

»Ich kapiere es. Ich kapiere es wirklich!«, rief Bär erfreut. »Und ich kann schnell rennen. So kommt noch mehr Honig in den Honigtopf.«

»So ist es«, bestätigte Biene.

Mit einem Schwung richtete sich Bär auf und hob seine beiden Vorderpfoten in den orangenen Himmel. Um den Baum herum spielte ein Schwarm Mücken Fangen.

»Wenn du sagst … wenn du sagst, dass der Honigtopf überläuft«, sagte Bär langsam, »dann … dann kann ich also sehr viel.«

»Ja«, sagte Biene.

Bär schaute über das Tal. Er lächelte. »Hast du Lust auf eine Tasse Tee, bevor du schlafen gehst?«, fragte er.

»Gerne«, summte Biene.

Freundin

»Was tust du, Bär?«, fragte Biene, als sie über die Lichtung im Wald flog.

»Ich übe«, keuchte Bär. Er hüpfte durch das Gras und machte mit seinen braunen Pfoten große Bögen in der Luft.

»Und was übst du?«, summte Biene und setzte sich auf eine Klatschmohnblüte.

Bär hüpfte unverdrossen weiter und schwenkte seine dicken Pfoten nur noch heftiger.

»Ich übe, jemandem einen Schlag zu versetzen«, sagte Bär, »und ich übe zugleich, selbst keinen Schlag zu kriegen.«

»Oh«, sagte Biene. »Warum willst du jemandem einen Schlag versetzen?«

»Wenn ich mit jemandem nicht einer Meinung bin, haue ich ihm eine runter«, sagte Bär und hüpfte mit beiden Beinen in die Luft. »Deshalb übe ich.«

Die Sonne stand senkrecht über der Lichtung. Eine Grille zirpte im Gras am Rand. Biene flog kurz hoch und setzte sich dann auf eine weiße Grasrispe. Die bog sich tief nach unten. »Du haust also manchmal jemandem eine runter?«, fragte Biene verwundert.

Bär hielt einen Moment inne, blickte Biene an und nickte. »Ja, wenn ich mit jemandem nicht einer Meinung bin, dann haue ich ihm auf den Kopf.«

»Oh«, sagte Biene.

Bär zog weiter seine Kreise.

»Würdest du mir auch eine runterhauen?«, fragte Biene. »Nein, natürlich nicht«, sagte Bär. »Du bist doch meine Freundin.«

»Ach so, ja«, sagte Biene.

Die Grille am Rand der Wiese hörte auf zu zirpen.

»Aber wenn ich nicht mehr deine Freundin wäre«, fuhr Biene fort, »würdest du mir dann eine runterhauen?«

Bär blieb stehen. Er setzte sich ins Gras, neben die Grasrispe, auf der Biene saß. »Darüber muss ich erst nachdenken«, keuchte er und rieb sich mit der Pfote über die Stirn.

Biene schaukelte auf dem Grashalm hin und her. Bär legte sich hin, die großen Pfoten unter dem Kopf. Eine Wolke glitt still über den Himmel.

»Nein«, sagte Bär. »Nein, ich würde dir keine runterhauen. Ich würde dich fragen, warum du nicht mehr meine Freundin sein willst.«

Biene hörte ihm summend zu.

»Mit dir kann ich gut sprechen«, sagte Bär.

»Und ich höre dir gerne zu«, sagte Biene.

»Ich würde immer mit dir sprechen, statt dir eine runterzuhauen«, seufzte Bär und blickte der Wolke nach. »Immer.«

Am Rand der Waldlichtung fing die Grille wieder an zu zirpen.

Mond

Bär saß in seiner Höhle, in seinem Schaukelstuhl. Er schaute durch das Fenster hinaus. Der Mond schien hellgelb. Hellgelb mit kleinen Flecken.

Plötzlich klopfte jemand an die Tür. Ganz leise, aber Bär hatte es gehört.

»Herein«, rief er.

Die Tür ging auf, und Biene kam hereingeflogen.

»Guten Abend«, sagte Biene.

»Guten Abend«, sagte Bär. »So spät noch unterwegs?«

»Ja«, sagte Biene. Sie flog zum Tisch und setzte sich darauf. »Ich konnte nicht schlafen. Ich dachte: Bär sitzt jetzt bestimmt in seinem Schaukelstuhl und betrachtet den Mond.«

Bär nickte. »Das stimmt.«

In der Bärenhöhle roch es nach Honig. Nach Frühlingshonig von Apfelblüten.

Bär schaute wieder durch das Fenster hinaus zum Mond.

Auch Biene schaute durch das Fenster hinaus zum Mond. »Bär?«

»Ja?«

»Kann man den Mond fangen?«

»Hm«, brummte Bär. »Vielleicht schon, wenn er stillsteht.«

»Steht der Mond manchmal still?«, fragte Biene.

»Nein, nie«, antwortete Bär.

»Oh«, sagte Biene und zitterte mit den Flügeln.

Eine Weile war es still.

»Kann man den Mond mit einem Netz fangen?«, fragte Biene.

Bär nickte. »Vielleicht. Wenn man ein Netz mit einem langen Stock hat, dann vielleicht schon.«

»Aha«, sagte Biene.

»Aber der Stock muss sehr lang sein«, fuhr Bär fort. »Ein Stock bis zum Mond.«

»Hoho«, summte Biene, »bis zum Mond. Das ist sehr, sehr weit.«

»Ja«, sagte Bär und seufzte kurz auf.

Der Mond schien über den Wald. Hellgelb mit kleinen Flecken.

Anders

»Manchmal«, sagte Biene eines Morgens, als sie sich auf ein Waldveilchen setzte, »manchmal werde ich fleißiges Bienchen genannt.«

Bär saß an einem Baum und rieb sich den Rücken an der Baumrinde. »Manchmal sagen sie von mir, dass ich so stark bin wie ein Bär«, sagte er. »Trotzdem fühle ich mich ab und zu ganz schlapp. Dann habe ich keine Lust, meine Höhle zu verlassen. Auch nicht, wenn die Sonne auf den Fluss scheint.«

»Ja«, sagte Biene, »und ich bin auch nicht immer fleißig. Manchmal mag ich das Nichtstun und genieße es, gemütlich auf einer Blume zu schaukeln. Auf einem Waldveilchen oder so. Wie jetzt.«

»Warum sagen die Leute so was über mich?«, fragte Bär.

»Du bist doch ein Bär«, sagte Biene.

Bär schaute hinauf zum Baumwipfel. Ab und zu stachen die Sonnenstrahlen durch die Blätter. »Ja«, antwortete er. »Ich bin ein Bär.« Er betrachtete sein braunes Fell und seine dicken Pfoten.

»Manchmal«, fuhr er fort, »manchmal fühle ich mich wie eine Maus, eine ängstliche Maus.«

»Ach ja?«, fragte Biene erstaunt.

»Wenn es gewittert«, sagte Bär leise, »dann bin ich eine ängstliche Maus.«

»Das habe ich nicht gewusst«, sagte Biene.

Bär malte mit einer Pfote einen Kreis ins Gras.

»Manchmal«, sagte Biene, »manchmal bin ich wie eine Gans, eine dumme Gans.«

»Ach ja?« Bär starrte Biene erstaunt an.

»Wenn es regnet, fliege ich manchmal hinaus. Dann vergesse ich einfach, dass meine Flügel nass werden. Und dann kann ich nicht mehr fliegen.«

Biene summte verlegen. Die Blätter raschelten im leichten Windhauch.

»Du darfst ruhig manchmal eine dumme Gans sein«, sagte Bär. »Da ist nichts dabei.«

»Danke, Bär«, sagte Biene. »Und du darfst ruhig manchmal eine Maus sein.«

Bär lachte. »Danke, Biene.«

Die Sonne kitzelte ihn durch die Blätter hindurch an der Nase.

In Bienes Flügeln zitterte ein Regenbogen.

Schwimmen

»Kommst du mit schwimmen?«, fragte Bär seine Freundin Biene. »Das Wasser ist heute herrlich. Und vielleicht fange ich auch einen leckeren Fisch.«

Das Schilf rauschte leise im Sommerwind. An einem langen Halm hing eine Libelle.

»Ich kann nicht schwimmen«, sagte Biene.

»Würdest du es gerne können?«, fragte Bär.

»Ja, sehr gerne. Bringst du es mir bei?«

»Natürlich«, antwortete Bär.

Die Sonne glitzerte im Wasser des Teichs.

»Weißt du, was ich tun werde?«, sagte Bär.

Biene sah ein bisschen ängstlich aus.

»Nein.«

»Ich lege mich im Wasser auf den Rücken und lasse mich treiben«, sagte Bär. »Dann kannst du dir eine Stelle auf meinem Bauch aussuchen.«

»Wirklich?«, fragte Biene.

»Wirklich.«

Bär stapfte ins Wasser und legte sich auf den Rücken. »Das Wasser ist wunderbar«, rief er lachend und platschte mit seinen Bärenpfoten Löcher in die grüne Entengrütze. »Los, komm schon.«

»Ich trau mich nicht«, summte Biene ängstlich. »Hältst du mich auch gut fest?«

»So fest ich kann«, sagte Bär beruhigend.

»Also gut.« Biene flog zu Bär und suchte sich eine weiche Stelle auf seinem Bauch.

»Hast du Angst?«, fragte Bär.

Biene zitterte. »Hmhm …«

»Das brauchst du nicht«, sagte Bär. »Ich halte dich gut fest.« Sanft legte er einen dicken Bärenfinger auf Biene.

»So ist es besser«, sagte Biene. »So ist es schon viel besser.«

Bär ließ sich ein paar Runden im Teich treiben. Das Wasser sah aus wie eine grüne, wellige Wiese.

»Bär?«

»Ja.«

»Findest du, dass ich schwimmen lernen sollte?«

»Ach nein.«

Biene seufzte. »Ich finde es bei dir viel schöner.«

Und Bär ließ sich auf dem Wasser treiben, bis der Mond aufging.

Weg

»Wohin gehst du?«, fragte Biene eines Morgens ihren Freund Bär.

Der stellte gerade einen großen Koffer vor seine Höhle und schloss die Tür zu. »Ich gehe weg«, antwortete er.

»Das habe ich nicht gewusst«, sagte Biene erstaunt.

»Nein«, sagte Bär. »Niemand weiß, dass ich weggehe. Ich weiß es auch erst seit kurzem. Ich habe meinen Koffer gepackt, und jetzt gehe ich weg.«

Biene flog zum Brombeerstrauch neben Bärs Höhle. Sie zitterte mit den Flügeln. »Aber ich würde bald merken, dass du nicht mehr da bist«, sagte sie.

»Das ist wahr, du würdest es bald merken«, antwortete Bär. »Aber jetzt weißt du es ja schon.«

Er legte den Schlüssel zu seiner Höhle unter die Grasmatte vor seiner Tür. »So«, sagte er zu Biene, »nun weißt du, wo der Schlüssel liegt. Du kannst immer rein, wenn du Lust hast.«

Bär nahm seinen Koffer und schaute sich noch einmal um. Tief atmete er die Morgenluft ein.

»Was soll ich in deiner Höhle tun, wenn du nicht da bist?«, fragte Biene.

Bär blickte zurück zu seiner Höhle, dann schaute er Biene an. Er zuckte mit den Schultern. »Ja, was könntest du tun?«, sagte er. »Vielleicht in meinem Schaukelstuhl ein bisschen hin und her schaukeln. Wenn du willst, kannst du abends den Mond aufgehen sehen. Es ist sehr schön, wenn der Mond aufgeht.« Bär hob den Kopf und lächelte.

»Wenn ich in deinem Schaukelstuhl sitze«, sagte Biene leise, »dann muss ich an dich denken. Und dann vermisse ich dich.«

Wieder blickte Bär Biene an. Er dachte nach. »Vielleicht … vielleicht kannst du auf meine Honigtöpfe aufpassen?«, sagte er. »Jemand muss doch auf meine Honigtöpfe aufpassen.«

Die Blätter des Brombeerstrauchs raschelten im Wind.

»Aber wenn du nicht mehr zurückkommst, brauchst du die Töpfe doch nicht mehr«, antwortete Biene.

»Ja, das ist wahr«, sagte Bär und schlug vor: »Dann isst du eben den Honig auf.«

Biene seufzte. »Alleine Honig zu essen ist nicht gemütlich«, sagte sie. »Wenn man allein ist, schmeckt Honig nach nassen Tannennadeln. Und nasse Tannennadeln sind überhaupt nicht lecker.«

Bär stellte seinen Koffer hin. Er schaute Biene an, dann seine Höhle.

Es war sehr still.

»Ich … eh«, flüsterte Bär. »Dann bleibe ich doch lieber hier. Bei dir.« Er holte den Schlüssel unter der Grasmatte hervor.

Er machte die Tür auf und trug seinen Koffer hinein.

»Hast du Lust auf ein Bucheckernschälchen voll Honig?«, fragte er.

»Gern«, summte Biene.

Geboren werden

Oben auf dem grünen Hügel, unter dem grünen Baum, auf einem grauen Stein saß Biene. Sie starrte ins Tal. Dann betrachtete sie den blauen Himmel und murmelte: »Wie geht das eigentlich? Wie funktioniert das?«

Ein großer Reiher flog über den Teich im Tal. Er zog einen großen Bogen über dem Wasser.

»Hallo, Biene«, rief Bär schon von weitem, als er Biene auf dem Stein sitzen sah. »Ist irgendwas? Du sitzt auf dem Nachdenkstein.«

»Ach, guten Tag, Bär.« Biene seufzte. »Weißt du, wie das geht?«

»Was denn?«, fragte Bär.

»Wo kommst du eigentlich her?«, fragte Biene.

»Von unten, vom Fuß des Hügels«, sagte Bär und deutete mit seiner dicken Pfote zu dem Baum, unter dem er wohnte.

»Ja, das weiß ich.« Biene nickte. »Aber ich meine: Wie bist du hier im Wald gelandet? Bist du schon immer hier gewesen? Und bin ich schon immer hier gewesen?« Bär stand neben dem Stein. »Tja, bin ich schon immer hier gewesen?«, fragte er sich. »Und bist du schon immer hier gewesen? Rück mal ein bisschen.«

Bär setzte sich neben Biene.

Der Reiher stand nun am Teichrand, auf einem Bein. Er sah aus wie eine Steinfigur, so still stand er da.

»Ich habe immer hier im Wald gewohnt, glaube ich«, sagte Bär.

Biene nickte. »Ich habe auch immer hier im Wald gewohnt, glaube ich. Aber davor … was davor war, weiß ich nicht genau.«