Barfuß im Sonnenschein - Roxanne St. Claire - E-Book

Barfuß im Sonnenschein E-Book

Roxanne St. Claire

4,9
8,99 €

Beschreibung

Auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit gelangt Zoe Tamarin an die sonnenverwöhnte Küste der Barefoot Bay. Dort begegnet sie dem Mann wieder, der ihr vor Jahren das Herz gebrochen hat: Oliver Bradbury. Dieser will in Florida einen Neuanfang wagen, und schon nach kurzer Zeit erwachen die Flammen der Leidenschaft erneut zwischen ihm und Zoe. Doch kann er sie diesmal davon überzeugen, dass sie eine gemeinsame Zukunft haben?

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Seitenzahl: 549

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Inhalt

Titel

Zu diesem Buch

Widmung

Prolog

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Epilog

Danksagung

Die Autorin

Die Romane von Roxanne St. Claire bei LYX

Impressum

ROXANNE ST. CLAIRE

Barfuß im Sonnenschein

Roman

Ins Deutsche übertragen von

Sonja Häußler

Zu diesem Buch

Als Oliver Bradbury seine Arztpraxis an der sonnigen Küste der Barefoot Bay eröffnet, ist sich der alleinerziehende Vater sicher, dass ihm nun endlich der Neuanfang gelingen wird, nach dem er sich seit so vielen Jahren sehnt. Doch als er dort unverhofft auf Zoe Tamarin trifft, steht sein Gefühlsleben erneut Kopf. Vor neun Jahren verband ihn eine tiefe und intensive Liebe mit Zoe, bis sie eines Tages ohne ein Wort des Abschieds aus seinem Leben verschwand. Oliver kann noch immer nicht verstehen, warum Zoe damals jede Verbindung zu ihm abbrach und untertauchte, doch als sie ihn nun verzweifelt um Hilfe bittet, kann er nicht Nein sagen: Zoes Tante ist schwer an Krebs erkrankt, und Zoe vertraut keinem anderen Arzt außer Oliver. Er schwört sich, Zoe nicht noch einmal in sein Leben – und in sein Herz – zu lassen, doch je mehr er versucht, auf Abstand zu ihr zu bleiben, desto glühender flammt die vertraute Leidenschaft zwischen ihnen wieder auf. Oliver will liebend gern glauben, dass ihre zweite Chance endlich gekommen ist. Doch er spürt deutlich, dass Zoe nach wie vor Geheimnisse vor ihm hat. Und er ist sich nicht sicher, ob ihre Liebe noch mehr davon verkraften kann …

Für Barbie Furtado, meine Erstleserin,

meine Cybertochter, meinen größten Zoe-Fan –

dieses Buch ist für dich.

Prolog

Zoe griff zum Rücksitz und zog ein ausgeblichenes schwarzes Bandana aus ihrer Handtasche; dann ließ sie es wie die Peitsche eines Löwenbändigers vor Olivers Gesicht schnalzen.

»Zeit, die Augen zu verbinden«, verkündete sie. Ihre Augen glitzerten wie Tau auf frisch gemähtem Gras.

Er schluckte. »Dann werde ich aber nichts sehen können.«

»Was du nicht sagst.« Sie boxte ihm zum Spaß gegen den Arm und verweilte an seinem Muskel, den er einzig und allein für sie anspannte. »Wissen Sie, Dr. Oliver Bradbury, für einen Mensa-IQ-summa-cum-laude-Oberarzt des Mount Mercy Hospitals, der schon mit sechzehn zum College zugelassen wurde …«, sie stieß ihn an, »… sind Sie nicht gerade das schärfste Skalpell auf dem Sterilisationstablett. Umdrehen und zubinden, so lauten meine Regeln.«

»Als hätte es je eine Regel gegeben, auf die du nicht in den höchsten Tönen pfeifen würdest.«

Das brachte sie zum Lachen. »Wir steigen nicht aus und gehen an diesen Bäumen vorbei, ehe ich nicht hundertprozentig sicher bin, dass du blind bist.«

»Das bin ich.« Er beugte sich näher zu ihrem Mund. »Ich bin absolut geblendet von dir.«

»Süß.« Sie entsprach seinem Wunsch, aber der Kuss war flüchtig. »Lass mich das jetzt zubinden.«

»Du glaubst, ich mache Witze?« Er warf ihr einen letzten Blick zu und fügte sich dann ihrem Befehl. »Du hast mein Leben ruiniert, Zoe.«

»Och, vielen Dank auch.«

»Alles war geordnet und einfach und geradlinig und …«

»Langweilig.«

»Höllisch«, stimmte er zu. »Und jetzt lasse ich zu, dass du mir die Augen verbindest und mich im Morgengrauen in den Wald führst, um … um Gott weiß was zu tun, aber ich glaube, es wird mir gefallen.«

Sie war mucksmäuschenstill, während sie das Bandana verknotete.

»Es wird mir doch gefallen, oder?«

Noch mehr Schweigen.

»Zoe?« Er zog beide Silben ihres Namens in die Länge, seine Stimme hob sich auf dem langen E zu einer spielerischen Frage.

Während sie den Stoff zurechtzupfte, strichen ihre Finger zärtlich über sein Gesicht, berührten die Schatten, die die Vierundzwanzig-Stunden-Schicht hinterlassen hatten. »Es wird dir gefallen, wenn du bereit bist, deinen Ängsten ins Auge zu sehen.«

Er wandte sich zu ihr um, und obwohl er sie nicht sehen konnte, stellte er sich ihr Lächeln vor, das er jetzt schon seit einem Monat bewunderte und erforschte, die vereinzelten Sommersprossen auf der leichten Himmelsfahrtsnase und diese seidigen, honigfarbenen Locken, die über ihre Wangen strichen und nur darauf warteten, in seinen Fingern gedreht zu werden. Gott, er liebte sie, auch wenn er sie nicht sehen konnte. Und das, gestand er sich selbst, war das Einzige, was ihm Angst einjagte.

»Ich habe vor gar nichts Angst«, log er und kehrte den Macho heraus. Jedenfalls vor nichts, was in diesen Wäldern lauern könnte.

»Vor überhaupt nichts?«

Ein Bild, das so alt und dunkel war, dass er sich kaum an Einzelheiten erinnern konnte, flackerte durch sein Gehirn, aber er löschte es augenblicklich. »Meine einzige Angst besteht darin, dich zu verlieren«, sagte er zu ihr, was absolut der Wahrheit entsprach.

»Ach, du machst heute also einen auf Shakespeare. Und du lügst. Du hast Höhenangst, und ich weiß es.«

Er mochte keine Höhen, aber … Angst? »Was veranlasst dich zu dieser Annahme?«

»Ähem – unser erstes Date? Das Skydeck auf dem Sears Tower? Deine Ausreden, nicht nach da oben fahren zu wollen, waren mehr als fadenscheinig.«

»Das waren keine Ausreden. Ich wollte dich nach Hause in mein Bett kriegen.«

»Mmm.« Sie beugte sich so nahe zu ihm, dass er die Wärme ihrer Lippen spürte, bevor sie seine berührten. »Das hat ja wohl geklappt.«

Er überbrückte den Abstand zwischen ihnen und küsste sie. »Könnte wieder klappen. Lass uns von hier abhauen, wenn du ein paar Ängsten ins Auge sehen willst. Ich werde dir solche Angst einjagen, dass es dir die Klamotten vom Leib reißt.«

Sie lachte. »Das können wir später machen, aber zuerst …« Sie verstummte.

»Aber zuerst was? Zuerst müssen wir deine neuesten Verrücktheiten überleben?«

»Ja, so könnte man das sagen.«

Er versuchte sich vorzustellen, was in der ländlichen Gegend außerhalb Chicagos lebensbedrohlich sein konnte. »Willst du mich auf einen Baum klettern lassen oder so?«

»Ähm … oder so.«

»Was für eine Art von ›oder so‹?«

»Ich will dir etwas sagen.«

Etwas machte einen kleinen Freudensprung in seiner Brust und veranlasste ihn, das Bandana auf einer Seite ein wenig zu lüften, sodass er mit einem Auge hervorspähen konnte. »Au ja!«

Sie zog die Augenbinde wieder über seine Augen. »Du weißt nicht, was ich dir sagen will.«

Oh doch, das wusste er. Drei kleine Worte, die er bereits gesagt hatte und die sie nicht bereit gewesen war zu erwidern.

»Ich werde dir etwas … sehr Wichtiges, sehr Geheimes und sehr …«, sie zögerte einen Augenblick und er hörte, wie sie bebend einatmete, »… etwas sehr Aufschlussreiches über mich erzählen.«

Dieses Mal brachte ihn ihre vage Antwort zum Grinsen. »Wird aber auch mal Zeit.«

»Ich hoffe, du wirst immer noch so lächeln, nachdem ich es dir gesagt habe.«

Natürlich würde er das. Sie liebte ihn. Er wäre der glücklichste Mann auf Erden. Vielleicht würde er ihr gleich an Ort und Stelle einen Heiratsantrag machen. Wen kümmerte es schon, wenn sie sich erst seit einem Monat kannten? Zum ersten Mal in seinem Leben folgte er nicht dem von ihm erwarteten Kurs, und nichts hatte sich je besser angefühlt.

»Sag es einfach, Zoe. Bewege deine Lippen und sag Ich …« Er küsste sie auf den Mund. »Liebe.« Er knabberte an ihrer Unterlippe. »Dich.« Er saugte sanft daran und gab ein kleines schmatzendes Geräusch von sich. »Jetzt du.« Komm schon, Zoe.

»Oder du lässt einfach das Vorgeplänkel weg.« Sie saugte ebenfalls an seinen Lippen, sehr viel geräuschvoller und mit mehr Genuss; dann schob sie ihn zur Tür. »Los.«

Er ließ sich von ihr durch den Wald führen, über einen Pfad, den er am unteren Rand seiner Augenbinde erkennen konnte, aber er spielte das Spiel mit und schummelte nicht. Etwa zehn Minuten lang überquerten sie Hand in Hand ein grasbewachsenes Feld. Bei jedem Schritt atmete er den Duft von Kiefer und Geißblatt ein und dachte darüber nach, was er zu ihr sagen würde, wenn sie ihm endlich ihre Liebe gestand.

Zoe, willst du mich heiraten? Nein, zu direkt.

Zoe, mach mich zum glücklichsten Mann der Welt und heirate mich. Sie wird johlen über dieses Klischee.

Seit dem Moment, als ich dich zum ersten Mal gesehen habe, wusste ich, dass es unvermeid…

»Halt.« Sie brachte sie beide zum Stehen. In der Ferne hörte er Stimmen, einen Ruf, der wie eine Mischung aus Angst und Freude klang. Wo waren sie?

Sie drückte sich an seine Brust und stellte sich auf Zehenspitzen, um seine Lippen mit ihren zu erreichen. »Wirst du das für mich tun?«

Was tun? Es spielte keine Rolle. Wenn das ihr Test war, dann würde er ihn bestehen. »Liebling, ich würde für dich durchs Feuer gehen, und das weißt du.«

»Dann sollte das hier ein Kinderspiel sein. Oliver Bradbury, du bist kurz davor, deine Ängste zu überwinden.« Sie zog ihm die Augenbinde ab. »Und ich werde mich den meinen stellen.«

Gelb. Das Einzige, was er sehen konnte, war eine riesige, gummiartige, blendende Masse Gelb, die wie ein Meer aus Sonnenblumen auf dem Boden ausgebreitet war; er brauchte volle fünf Sekunden, um das alles zu verarbeiten. »Keine Chance, verdammt.«

»Nun, das ist genau die richtige Einstellung.« Sie schnappte sich seine Hand und zog ihn näher.

»Ein Heißluftballon, Zoe? Bist du wahnsinnig? Ich steige auf gar keinen Fall in dieses Ding ein.« Nicht in einer Million Jahre.

Sie umrundete den Korb, stellte sich auf Zehenspitzen und schaute hinein. »Oh, die Crew hat alles so gemacht, wie ich es mir gewünscht habe. Wir brauchen ihn nur aufzublasen und nach oben zu bringen.« Sie winkte ein paar Leuten zu, die sich um einen anderen Ballon versammelt hatten; dieser war bereits von einem riesigen Ventilator, der davorstand, teilweise aufgeblasen worden. »Steig ein, dann stelle ich dir die Boden-Crew vor.«

»Die Boden-Crew? Wie wäre es mit dem Piloten?« Als er ihr selbstzufriedenes Lächeln sah, schloss er die Augen. Nein. Oh, Gott, nein.

»Ich bringe dich nach oben«, sagte sie und bestätigte damit seine Befürchtung.

»Tatsächlich.« Er warf dem schlaffen Ballon und dem winzigen Korb einen zweifelnden Blick zu; der Korb war kaum groß genug für zwei Leute, ganz zu schweigen von genug zusätzlichen Kanistern, damit das, was immer man brauchte, um dieses Ding in der Luft zu halten, nicht ausging.

»Willst du meine Lizenz sehen? Ich habe sie letzte Woche erworben.«

Letzte Woche?

Ihr Lachen flog mit dem Wind davon, so wie sie es auch gleich tun würden. Außer, dass sie das nicht tun würden.

»Willst du einen Vortrag darüber hören, wie es funktioniert?«, fragte sie. »Würdest du dich dann besser fühlen? Diese Sandsäcke sind …«

»Ich frage mich, ob es nicht vielleicht Regen gibt.« Er trat zurück und schaute zu einem Morgenhimmel hinauf, der keinerlei Regen verhieß, der als praktische Ausrede hätte herhalten können. Ein bunt gestreifter Ballon stieg auf und befand sich bereits auf fast dreihundert Metern Höhe. Oh, zum Teufel damit. »Das kommt nicht infrage, Zoe.«

Sie legte ihren Kopf schief und blickte zu ihm auf. »Und vor dreißig Sekunden wolltest du noch für mich durchs Feuer gehen.«

»Das würde ich auch immer noch. Am Boden.«

Für einen langen, stillen, scheinbar endlosen Moment blickten sie sich an.

»Wie kommt es, dass du eine menschliche Brust aufschneiden, das Herz herausnehmen und eine verdammte Arterie auswechseln kannst, als wärst du ein Automechaniker, aber nicht in einem Ballon aufsteigen kannst, der so brillant konstruiert ist, dass er sicher fliegt?«

Er atmete langsam ein. »Erstens habe ich das nur während meines Einsatzes in der Kardiologie gemacht, zweitens habe ich bei einer Operation die Kontrolle.« Er hielt beide Hände hoch. »Ich operiere mit diesen hier.«

»Nun, und ich operiere damit.«

»Nein, Zoe, das hier wird vom Wind angetrieben – und vom Zufall.«

Sie trat näher, schlang ihm die Arme um die Taille und schenkte ihm ein unwiderstehliches Lächeln. »In gewisser Weise wie ich, was?«

Er ließ seine Hand in ihr Haar gleiten und hielt sie fest. »Du bist zwar auch erhebend, aber nicht so flüchtig. Das ist ein Unterschied.«

Sie wich zurück, ihr Blick war ungewöhnlich ernst und vielleicht auch ein wenig ängstlich. Wovor sollte sie Angst haben? »Ich möchte dir etwas sagen, Oliver, und dazu möchte ich dort oben sein« – sie deutete zum Himmel.

»Du kannst es mir gleich hier sagen, gleich jetzt. Nicht sechshundert Meter weit oben.«

»Neunhundert.«

Mist.

»Ich muss sicher sein, dass du nicht wegläufst.«

Fast hätte er sich verschluckt. »Weglaufen? Ich würde dich nie verlassen. Ich hänge an dir. Ich habe mein Leben für dich geändert, hast du das etwa schon vergessen?«

Sie zuckte mit den Schultern. »Ja, du hast gleich am folgenden Tag, nachdem wir uns kennengelernt haben, mit deiner Freundin Schluss gemacht. Aber« – sie zeigte mit dem Finger auf ihn – »du hast selbst gesagt, dass du sie eigentlich gar nicht liebst.«

War das ein Test, ob er Zoe liebte oder nicht? Denn wenn es so war, würde Oliver nicht durchfallen. Aber verdammt, er wollte diese Ballonfahrt nicht machen. »Das ist doch verrückt.«

»Ich bin verrückt«, versicherte sie ihm mit einem geradezu absurden Stolz. »Ich bin eine Verrückte, die gern abhebt und völlig ungebunden ist. Und genau das möchte ich sein, wenn ich dir … etwas sage.«

Dieses Etwas musste er unbedingt hören.

Er sah sie forschend an, und es widerstrebte ihm, dass er bereits merkte, wie er einknickte. Wie machte sie das? Zu ihr konnte er einfach nicht Nein sagen. Ein Kuss, eine Berührung, ein Lachen, ein Mal, und schon war es um ihn geschehen. »Gott, ich liebe dich.«

»Ist das ein Ja?« Ihr Griff wurde fester. »Bitte, sag Ja.«

»Ich weiß, was du da gerade tust.«

Sie legte den Kopf schief, und wieder verdunkelte dieser ernste Blick ihre Augen. »Eigentlich glaube ich nicht, dass du das weißt.«

»Du testest mich. Und du weißt verdammt gut, dass ich noch nie schlechter als mit einer Eins in einem Test abgeschnitten habe.«

»Ich teste nicht dich, Oliver. Ich teste mich.« Sie legte ihm den Finger auf die Lippen und sah ihm in die Augen. »Und ich möchte das auf meinem Terrain tun.«

»Das sich zufälligerweise neunhundert Meter über dem Erdboden befindet.«

»Denk dir doch dabei, dass du damit neunhundert Meter näher an der Sonne bist. Bitte!«

Das reichte, um ihn vollends über die Kante zu schubsen, über die er ohnehin getaumelt wäre.

Er gab den Kampf auf, als ein paar Typen – die alle so jung und unerfahren wie Zoe aussahen – herüberkamen, um sie zu begrüßen. Während der nächsten halben Stunde war Zoe ganz in ihrem Element – und Oliver wollte noch immer die Augen vor der Wirklichkeit verschließen.

Der Ventilator blies den riesigen Nylonballon zu der Höhe eines vierstöckigen Hauses auf, bis sie sich daneben total winzig vorkamen. Als er groß genug war, befestigten sie Brenner daran, die wirklich gebrechlich aussahen und genug Hitze ausstrahlten, dass das ganze Ding ein wenig tanzte – so wie Zoe in ihren Riemchensandalen und ihrem gerüschten Rock, der ihr dabei um die Fußknöchel schwang.

»Los geht’s!« Sie ergriff seine Hand und sie stiegen in den Korb. Sie klatschte ein paar aus ihrer Crew ab und dann ging die Choreografie aus Brennern und Sandsäcken sowie Winken und »Viel-Glück«-Rufen weiter. Glück würden sie hoffentlich nicht brauchen, dachte er.

Und dann fuhren sie los, der Boden glitt immer weiter von ihnen weg, die Gondel – wie sie den Korb nannte – schwang wie ein Pendel hin und her, dass einem das Herz stehen bleiben konnte, und die Luft wurde von Sekunde zu Sekunde dünner.

Vielleicht lag das aber auch nur daran, dass Oliver Mühe hatte zu atmen.

Er klammerte sich am Korbrand fest und weigerte sich, nach unten zu blicken. Stattdessen schaute er zu, wie Zoe die Feineinstellung der Brenner vornahm und mit dem Wind tanzte, während er tat, als würde er aufmerksam zusehen und nicht im Geiste seinen letzten Willen und sein Testament aufsetzen.

»Hör mal«, flüsterte sie, während sie an einem Ventil drehte. »Hör dir das an.«

Stille. Absolute, totale Stille.

»Schön«, musste er zugeben; er entspannte sich ein wenig, als eine leichte Brise sie über einen Golfplatz auf einen See zu trug. Die Wohnsiedlungen der Chicagoer Vororte gingen etwa fünfhundert Meter unter ihnen in ein Patchwork aus Farmflächen im ländlichen Illinois über.

Wortlos schlossen Zoe und Oliver einander in die Arme, als wäre dies so natürlich wie atmen.

»Alles okay?«, fragte sie.

Er nickte und senkte sein Gesicht zu einem Kuss. »Kommt jetzt der Teil, in dem wir den Champagner dort trinken?«, fragte er und machte eine Kopfbewegung zu der Flasche hin, die eines der Crewmitglieder in letzter Minute hereingeworfen hatte.

»Oh, die ist nicht für uns«, sagte sie zu ihm. »Das ist nur für den Fall, dass wir auf jemandes Eigentum landen. Unter Ballonfahrern ist es Usus, den Leuten dann Champagner anzubieten, um ihnen dafür zu danken, dass man dort landen durfte.«

»Mit anderen Worten – du hast keine Ahnung, wo wir landen werden.«

»So läuft das immer in meinem Leben, mein Schatz.« Sie holte ganz tief Luft und schloss die Augen. »Bist du bereit?«

»Für alles. Solange ich nicht springen muss.«

»Nun, das wirst du vielleicht wollen, wenn ich es dir sage.«

Er sah sie forschend an und nahm sich Zeit, die feinen Wangenknochen und die zarte Haut zu betrachten, den steilen Bogen ihrer Oberlippe, die flaschengrünen Augen, die ein wenig schräg standen und funkelten, wenn sie lächelte. Aber es war nicht Zoes äußerliche Schönheit, die sein Herz ergriffen und sein Leben erobert hatte. Es war ihr Esprit, ihr Lachen, ihre Bereitschaft, in jeder Situation alles zu geben.

»Nichts, was du mir sagen könntest, könnte in mir den Wunsch erwecken zu springen«, sagte er.

»Also gut.« Ihre Brust hob und senkte sich mit jedem angestrengten Atemzug. Sie löste sich aus seinen Armen und suchte an dem geflochtenen Rand des Korbes Halt, während ihre Silhouette sich vor der aufgehenden Sonne abhob. »Ich heiße eigentlich gar nicht Zoe Tamarin.«

Er dachte eine Nanosekunde lang darüber nach. »Okay, wie dann?«

»Bridget.«

Bridget? »Der Name gefällt mir, aber Zoe passt sehr viel besser zu dir. Er klingt viel lebendiger und ungestümer als Bridget.«

»Zoe heißt so viel wie neues Leben«, sagte sie leise; ihre Worte klangen fast, als hätte sie sie auswendig gelernt oder als würde sie jemanden zitieren.

»Hast du deshalb den Namen geändert?«

Ihre Fingerknöchel auf dem Korbrand wurden weiß. »Ich habe ihn nicht geändert. Pasha war es.«

Ihre Tante war noch verrückter als Zoe, so viel war mal sicher. »Sag mir jetzt nicht: Ein Schmetterling ist auf ihrer Teetasse gelandet und hat mit den Flügeln einen neuen Namen gemorst?«

Sie lachte nicht. Stattdessen biss sie sich auf die Unterlippe und schlug die Augen nieder. »Ich war als Kind in einer Pflegefamilie in Texas.«

»Echt?« Er versuchte zu begreifen. Warum hätte sie so etwas Wichtiges vor ihm geheim halten sollen? »Das hast du mir nie erzählt.«

»Weil ich es nie jemandem erzähle.«

Das Handy an seiner Gürtelschlaufe, das er verpflichtet war, bei sich zu haben, klingelte und irritierte sie beide.

»Oops, ich habe vergessen, dir zu sagen, dass du es hier oben abschalten solltest«, sagte sie. »FCC-Bestimmungen.«

Er warf einen Blick auf sein Handy. »Es ist kein Anruf, nur eine dieser SMS-Nachrichten, die uns das Krankenhaus schickt, anstatt uns über Pager zu benachrichtigen.«

»Hast du heute Bereitschaftsdienst?«

»Nein, aber es gibt da einen Patienten, der gestern mit einer neuen Behandlung angefangen hat, und ich habe die Krankenschwester, die ihn in ihrer Schicht übernommen hat, darum gebeten, mir eine Nachricht über seinen Zustand zu schicken.«

Sie nickte zum Handy hin, als es wieder klingelte. »Dann schaust du wohl besser mal nach.«

»Merk dir, wo du stehen geblieben bist.« Er zog das neue, vom Krankenhaus bereitgestellte Handy heraus und klappte es auf.

Müssen reden. Sehr wichtig!

Er blickte auf die Nachricht, dann auf die Nummer, die er sofort erkannte. Natürlich hatte Adele Zugang zu den Telefonnummern aller Ärzte. Und nutzte das aus, um ihm nachzustellen. So schnell würde sie ihn wohl noch nicht loslassen, was? Seit vier Wochen stellte sie ihm nun schon nach, obwohl er so behutsam wie möglich mit ihr Schluss gemacht und aufgehört hatte, ihre Anrufe anzunehmen.

Er schüttelte den Kopf. »Nicht so wichtig.« Er konzentrierte sich auf Zoe und dieses Gespräch, weil alles, was die Frau sagte, die er liebte, weit wichtiger war als Nachrichten von der, die er nicht liebte. »Warum warst du in einer Pflegefamilie, wenn du deine Tante Pasha hattest?«

»Sie ist nicht meine Tante.«

»Großtante«, korrigierte er sich.

»Auch das nicht. Sie war meine Nachbarin.«

Jetzt runzelte er die Stirn. »Und sie hat dich adoptiert?«

»Sie hat mich … aufgenommen.« Sie nagte an ihrer Lippe und zwang sich, ihn anzusehen, auch wenn er merkte, dass ihr das nicht leichtfiel. »Sie hat mich gerettet. Ich steckte in Schwierigkeiten, als ich zehn war, ich …« Sie suchte nach einem Wort und schüttelte dann frustriert den Kopf. »Schwierigkeiten eben. Und ich musste verschwinden. Da hat mich Pasha, die Nachbarin, genommen und …«

»Moment.« Er verstand das nicht. »Die Nachbarin hat dich genommen? Wie?«

»Sie ist mit mir durchgebrannt. Ich brauchte Hilfe und sie …« Zoe griff nach seinem Arm. »Pasha hat mir das Leben gerettet, Oliver. Sie hat mich bei sich behalten und unsere Namen geändert. Wir sind andauernd umgezogen, sie hat uns falsche Ausweise machen lassen, damit wir zurechtkamen, und wir blieben für uns und hielten den Ball flach.« Die Worte sprudelten nur so aus ihr heraus, eines schwerer zu glauben als das andere. »Wenn man es genau nehmen möchte, kann man wohl sagen, dass sie mich gekidnappt hat.«

Der Korb wurde von einem Windstoß geschüttelt und der Ballon sackte mindestens anderthalb Meter abrupt ab, während sich Olivers Magen anfühlte, als würde er weitere sechzig Meter in die Tiefe stürzen.

Zoe fuhr herum, um das Ventil zu justieren.

»Sie hat dich gekidnappt?« Wie sollte so etwas überhaupt möglich sein? »Und niemand hat sie je gefasst?«

»Noch nicht.«

Das Telefon, das er noch immer in der Hand hielt, klingelte erneut. Während Zoe die Ventile betätigte und der Ballon hüpfte, las Oliver die nächste Nachricht.

Ich meine es ernst, Oliver! Das ist ein NOTFALL!

Er starrte die Worte an, sah sie aber nicht wirklich; alles in ihm wartete darauf, dass Zoe zu Ende erzählte, sein Gehirn versuchte, diese neue Information mit dem, was er über sie wusste, in Einklang zu bringen – und scheiterte. Sie war gekidnappt worden?

»Deshalb ziehen wir so oft um«, sagte sie, als sie sich ihm endlich wieder mit vom Wind geröteten Wangen zuwandte. Oder schämte sie sich und war deshalb rot geworden? Was Unsinn war, denn sie hatte ja nichts falsch gemacht.

Außer dass sie bei diesem Wahnsinn mitgemacht hatte und mit ihrer verrückten Nachbarin/Tante durch ein Leben gehüpft war, das ungefähr so wenig Stabilität wie dieser Ballon hatte.

»Zoe, du musst dieses Problem lösen. Das ist jetzt, wie viel? Vierzehn Jahre her?«

»Für Kidnapping gibt es keine Verjährung«, sagte sie; aus ihrer Stimme klang die volle Autorität desjenigen, der seine Hausaufgaben gemacht hatte. »Sie kann immer noch ins Gefängnis kommen.«

»Was ist mit dir?«

»Mit mir? Ich habe nichts getan, aber ich muss sie beschützen.«

»Was du tun musst, ist … das in Ordnung zu bringen.« Wie konnte sie das nicht einsehen?

»Oliver, hast du nicht gehört? Sie kann ins Gefängnis kommen. Da gibt es nichts in Ordnung zu bringen.«

Natürlich gab es das. »Was ist mit deinem Leben und deiner Zukunft?« Sah sie das denn nicht? Er griff nach ihr, um seinen Standpunkt zu unterstreichen, er sah die einzelnen Schritte schon klar vor sich, auch wenn er noch keinen Überblick über das Problem hatte. »Zoe, du nimmmst dir einen guten Anwalt und handelst einen Deal aus, vielleicht müsst ihr eine Strafe zahlen oder …«

»Nein!«

Ihre Heftigkeit schockierte ihn. »Was hast du denn vor, willst du dich dein ganzes Leben lang verstecken?«

Für einen langen, schweigsamen Moment stand sie ungewöhnlich reglos da. Während die Sekunden verstrichen, füllten sich ihre Augen mit Tränen. »Ich weiß nicht, aber ich werde nichts tun, was ein Risiko für sie darstellt. Ich werde nichts Offizielles unternehmen.«

Wieder klingelte das Handy. »Verdammt«, murmelte er. »Lass es mich ausschalten.« Er klappte es auf, um die entsprechende Taste zu finden, aber die Worte auf dem Display sprangen ihm förmlich entgegen.

OLIVER, ICH BIN SCHWANGER!

Krachend schlug er das Handy zu und Zoe zuckte zusammen.

»Du bist böse«, sagte sie.

»Nicht auf dich.«

Adele war schwanger? Im Ernst? Er konnte nicht mal klar genug denken, um nachzurechnen, aber das brauchte er auch nicht. Sie hatten sich vor vier Wochen getrennt. Es konnte gut sein, dass Adele schwanger war.

Genauso gut konnte es aber auch sein, dass sie log.

Zoe wich zurück, ihre Augen standen bereits voller Tränen. »Ich wusste, dass ich es dir nicht sagen sollte. Ich habe es nie jemandem erzählt, und jetzt weiß ich auch, warum.«

»Nein, nein, Zoe. Das ist nicht …« Sein Denkvermögen fühlte sich an, als hätte es einen Kurzschluss erlitten. »Eins nach dem anderen«, sagte er mehr zu sich selbst als zu ihr. »Wir nehmen uns einen Rechtsanwalt und sorgen dafür, dass sie freigesprochen wird.«

Ihr Kiefer klappte herunter. »So leicht ist das nicht, Oliver.«

»Du kannst so nicht leben, Zoe. Du musst zu den Behörden gehen und …«

»Bist du übergeschnappt?«

»Bist du es?«, schoss er zurück.

Einen kurzen Augenblick erstarrte sie und stierte ihn an. Dann wandte sie sich wieder den Ventilen zu. »Ich bringe uns nach unten.«

»Gut«, sagte er; er holte das Handy hervor, um nachzuschauen, ob er Adeles Nachricht richtig gelesen hatte. Was würde er tun, wenn sie wirklich schwanger war? Er würde sie nicht im Stich lassen, aber er würde sie ganz bestimmt nicht hei…

»Mist«, murmelte sie und drehte grunzend an einem Knopf.

»Was? Gibt es ein Problem?«

Sie fuhr zu ihm herum, der Ballon sank ein wenig zu schnell. »Ja, Oliver. Es gibt ein Problem.«

»Legen wir eine Bruchlandung hin?«

»Das haben wir gerade schon gemacht«, sagte sie.

»Zoe, komm schon. Denk doch mal richtig nach. Wenn Pasha …«

»Nein«, sagte sie scharf. »Denk doch selbst mal richtig nach. Hast du irgendeine Ahnung, was es mich gekostet hat, dir das zu erzählen? Irgendeine Ahnung, wie sorgsam ich dieses Geheimnis hüte? Ich habe es nicht mal meinen besten Freundinnen, meinen Zimmergenossinnen am College erzählt. Ich habe es niemals irgendjemandem erzählt, nur dir.«

»Das weiß ich zu schätzen, aber …«

»Kein aber!« Jetzt flossen die Tränen, jede einzelne davon war wie ein kleiner Schlag in die Magengrube für ihn.

»Zoe, was hattest du denn erwartet, was ich dazu sagen würde?«

»Ich dachte, du würdest es verstehen. Ich dachte, du würdest dich hinstellen und sagen, dass du mich trotzdem liebst, trotz meiner Vergangenheit. Ich dachte wirklich, du wärst der eine Mensch, dem ich vertrauen könnte.«

»Glaubtest du, ich würde sagen ›Oh, alles klar, kein großes Ding – wir werden den Rest unseres Lebens auf der Flucht verbringen, das ist schon okay?‹« Er hasste sich dafür, dass er seine Wut auf Adele an Zoe ausließ, aber wie konnte er ein Baby im Stich lassen? Das würde er natürlich nicht, er würde …

»Ich weiß nicht, was ich geglaubt habe. Es war verrückt zu glauben, ich könnte jemals irgendwo … bleiben.«

Er griff nach ihr, doch sie riss sich los.

»Zoe, du kannst bleiben. Du kannst tun, was immer du willst. Aber du musst dieses Problem lösen.« Und er auch.

»Klar.« Sie nickte und wischte sich über die Augen. »Es tut mir leid.«

»Was deine Tante getan hat, als du noch ein Kind warst? Wie kann dir das leidtun?«

»Das tut mir auch nicht leid. Sie hat mich gerettet, Oliver. Ich hätte diese Situation nicht lebend überstanden, und das wusste sie. Sie griff ein und riskierte alles für mich. Sie hat ihr Leben für mich aufgegeben.«

Er verstand nicht, wie es in Ordnung sein konnte, dass sie Zoe hatte verschwinden lassen und sie gezwungen hatte, wie ein Fähnchen im Wind zu leben, aber das war jetzt nicht der richtige Augenblick, um darüber zu streiten. Sein eigenes Leben fiel gerade schneller in sich zusammen, als dieser Ballon auf den Boden zuraste. »Was tut dir dann leid?«

Zoe steuerte den Ballon, das Haar wehte ihr ins Gesicht. »Dass ich es dir gesagt habe. Dass ich ehrlich gewesen bin. Dass ich mich in dich … dass ich mit dir geschlafen habe.«

»Du wolltest sagen, dass du dich in mich verliebt hast, nicht wahr?« Wieder klingelte das Handy und er machte sich nicht einmal die Mühe, auf die Nachricht zu schauen. »Nicht wahr, Zoe?«

Sie wischte sich die Haare aus dem Gesicht und machte etwas mit den Ventilen, wodurch der Korb absackte und ein wenig schwankte.

»Ooops!« Sie lachte leichthin; es war dieses Lachen, das wie ein Windspiel klang und das er so liebte. Außer dass es dieses Mal nicht ganz so melodisch klang wie sonst. Irgendetwas fehlte.

Und dann zog sie mir nichts, dir nichts die Schutzmauern wieder hoch. Es hatte vier Wochen gedauert, bis er sie Stein für Stein abgebaut hatte, und jetzt war sie wieder die spaßige, Witze reißende, sorglose Zoe, die alle auf Distanz hielt. Fuck. Noch schlechter hätte er es kaum machen können.

»Wir bringen dich mal besser nach Hause, damit du dich um denjenigen kümmern kannst, der dich so verzweifelt versucht zu erreichen, Doktor.«

Das war die falsche Zeit, der falsche Ort. Er würde das später regeln. Zuerst würde er sich um Adele kümmern, danach um Zoe. »In ein paar Wochen habe ich das alles in Ordnung gebracht.«

Sie warf ihm einen finsteren Blick zu. »Dann ist das, was du tust, richtig?«

Richtig. »Ich fahre mal besser … ins Krankenhaus.« Oder zu Adele nach Hause. »Und dann reden wir, Zoe.«

»Jetzt gibt es eigentlich nichts mehr zu bereden.«

Und ob es noch etwas zu bereden gab! »Zoe, du musst das Problem logisch angehen. Du musst das Richtige tun, auch wenn …« Er blickte auf sein Handy, seine Brust fühlte sich auf einmal leer und kalt an. »Das Richtige ist nicht immer einfach.«

Sie nickte und schwieg, während sie die Landung vorbereitete. »Ich rufe die Boden-Crew an, wenn wir gelandet sind, dann werden wir abgeholt«, sagte sie; all die Freude und die Lebendigkeit, die sie in den Himmel getragen hatte, war aus ihrer inzwischen ausdruckslosen Stimme verschwunden.

Er schob seine Gewissensbisse von sich. Ein Problem nach dem anderen.

»Unterhalten wir uns später?«, fragte er wieder.

»Oh, natürlich. Wir werden uns unterhalten. Bis dahin werde ich mit meiner Tante plaudern und ihr erzählen, was wir deiner Meinung nach tun sollen. Danach können wir uns unterhalten so viel wir wollen.«

Ihre Stimme hatte einen seltsamen Unterton, fast als würde sie ihn necken. Aber damit konnte er sich jetzt nicht näher befassen. Nicht wenn sein Handy vor schlechten Nachrichten geradezu überquoll. »Versprochen?«, fragte er wieder.

Doch sie antwortete nicht, sie war zu sehr mit den Instrumenten des Ballons beschäftigt.

»Halt dich fest«, sagte sie schließlich. »Wir setzen gleich auf. Mach dich auf eine Bruchlandung gefasst.« Sie zwinkerte ihn an. »War nur ein Scherz.« Sie setzten mit einem soliden, dumpfen Geräusch auf, das ausreichte, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen, und sie beide gegeneinander taumeln ließ; er hielt sie so fest, wie er nur konnte.

»Versprichst du mir, dass wir später darüber reden?«, drängte er.

Sie kreuzte die Finger hinter dem Rücken. »Versprochen.«

Weniger als zwölf Stunden später stand er vor einem verlassenen Haus im Süden Chicagos, jede Spur, die verriet, dass Zoe und Pasha Tamarin es je gemietet hatten, war so gut es ging beseitigt. Sie hatte ihr Versprechen gebrochen – und ihm das Herz. Und er hatte keine Ahnung, wie das je wieder gut werden sollte.

1

Neun Jahre später

Lauf, Zoe, lauf.

Pfeif drauf, schoss Zoe zurück, als die Stimme in ihrem Kopf erklang. Weglaufen stand dieses Mal nicht zur Debatte.

Es wäre so viel einfacher.

Und weiß Gott, sie machte es sich gern einfach. Und nichts war so einfach, wie kopflos davonzustürmen, wenn es unübersichtlich wurde.

Nun, die Dinge waren schon weit über unübersichtlich hinaus und steuerten geradewegs auf absolut bescheuert zu. Oder überaus clever. Das hing davon ab, wie er reagierte.

Zoe ließ ihren Blick über den breiten Boulevard schweifen, der eine Schneise durch den exklusiven Geschäftsbezirk von Naples bildete, und musterte das zweistöckige Gebäude im spanischen Hazienda-Stil, das sie vor etwa sechs Monaten bei ihrem letzten Besuch in Florida entdeckt hatte. Zwischen ihr und ihrem Ziel flimmerte die Hitze wie glühende Kohlen auf der Straße.

Ich würde für dich durchs Feuer gehen.

Die Erinnerung tat weh und ihre Finger verweilten auf dem Zündschlüssel, der im Zündschloss steckte. Dreh ihn einfach um und verschwinde von hier.

Dieser Gedanke lastete so schwer auf ihr wie die Sommersonne in dieser Stadt am Meer, die auf ihr gemietetes Allradfahrzeug herunterbrannte und sie auf den glühend heißen Ledersitzen zum Schmelzen brachte.

Nein! Sie. Würde. Nicht. Weglaufen. Dieses Mal nicht.

Zoe war damit aufgewachsen, auf die »Zeichen des Universums« zu achten, und gestern Abend hatte ihr das Universum einen ganzen Gartenzaun über den Schädel gezogen.

Während all ihre besten Freundinnen die Geburt eines Kindes gefeiert hatten, das so dramatisch während der großen Eröffnungsfeier des Casa Blanca Resort & Spa auf die Welt gekommen war, war Zoe Teil eines ganz anderen Dramas.

Anders als alle anderen im Raum hatte Zoe den Arzt erkannt, der zu dem Notfall hinzugezogen worden war, um Lacey und Clay Walkers Baby zu entbinden. Für sie war er nicht einfach nur irgendein Gast auf dieser Feier gewesen.

Ruhig und souverän war Oliver Bradbury in die Rolle des Lebensretters und Geburtshelfers geschlüpft, völlig unberührt von dem Chaos um ihn herum – bis er Zoe erblickt hatte, die in diesem Moment wahrscheinlich ausgesehen hatte wie eine Irre mit aufgesperrtem Mund. Aber hatten seine dunklen Augen nicht aufgeleuchtet? Hatte er sich nicht fast bei dem Befehl an die anderen, den Raum zu verlassen, verhaspelt?

Vielleicht hatte sie sich das auch nur eingebildet. Wie dem auch sei – sie hatte seinem Befehl gehorcht und war draußen schwankend durch den Flur gestürzt. Als die Sanitäter dann Mutter, Kind und den stolzen Papa ins Krankenhaus brachten, war der Arzt schon verschwunden. Von der Bahre aus, auf der sie ihr kleines Bündel hielt, hatte Lacey ihn einen »Engel« genannt und wollte wissen, wie er hieß.

Zoe war natürlich mucksmäuschenstill geblieben und hatte niemandem gestanden, dass sie weit mehr als nur seinen Namen kannte. Früher hatte sie sein Herz gekannt.

Sie hatte daraufhin die ganze Nacht nicht geschlafen. Sie konnte nicht aufhören, über ihn nachzudenken, und darüber, was er für sie tun konnte. Es war wirklich ein Zeichen des Universums, wie ihre Großtante Pasha jetzt sagen würde.

Alles, was Zoe zu tun hatte, war, ihren Stolz hinunterzuschlucken und zu betteln. Vielleicht hatte sie ja ein Angebot für ihn, dem er nicht widerstehen konnte.

Außer dass zu den wenigen Dingen, die Zoe über Dr. Oliver Bradbury wusste, die Tatsache gehörte, dass er seit neun Jahren verheiratet war. Was bedeutete, dass er im Grunde von ihrem letzten Date geradewegs zu seiner Exfreundin zurückgekehrt sein musste. Wer wollte ihm das verübeln, nachdem er das über Zoe und Pasha erfahren hatte? Welche Frau war anziehender: die Tochter des Klinikleiters, die blaues Blut mitbrachte und die Verheißung auf eine Zukunft in Reichtum, oder das Mädchen, das gekidnappt worden war, im Verborgenen gelebt hatte und nie lange genug an einem Ort geblieben war, um eine Bindung zu riskieren?

Aber du hast ihn verlassen, Zoe, bevor du je herausgefunden hast, welche Frau anziehender war. Du bist davongelaufen. So wie immer.

Weil er Pasha verpfiffen hätte!

Der kleine Krieg der Stimmen in ihrem Kopf erinnerte sie wieder daran, weshalb sie hier war und weshalb Oliver Bradbury der einzige Mensch war, der ihr jetzt helfen konnte, so sehr sie ihn auch hasste.

Sie riss den Schlüssel aus dem Zündschloss und sprang aus dem großen Jeep Rubicon. Als ihre Füße das Pflaster berührten, drang die Hitze sofort durch ihre Sandalen, deren Sohlen dünn wie Oblaten waren. Sie straffte die Schultern, heftete ihren Blick auf die kohlrabenschwarze Glastür und überquerte verkehrswidrig die Straße, um ihr Ziel zu erreichen.

Würde er oder würde er nicht …

Er musste. Er war der Typ, der stets das Richtige tat. Das Logische. So viel konnte sich in den letzten neun Jahren ja wohl nicht daran geändert haben.

An der Tür atmete sie flach ein und fuhr mit den Fingern über die eleganten Goldbuchstaben, die Auskunft darüber gaben, was sich in diesem bescheidenen Gebäude befand, das zwischen einer Kunstgalerie und einem Frozen-Yogurt-Laden im stinkvornehmen Medizinerviertel einer der reichsten Städte der Welt lag.

Dr. Oliver Bradbury

Onkologe

Nun war genau da dieses eine hässliche Wort, eines das …

Beide Flügel der Tür schwangen von innen her auf und Zoe war gezwungen, auszuweichen, um nicht von der Glasscheibe getroffen zu werden. Eine Frau kam heraus, sie blieb stehen, um in die Sonne zu blinzeln und eine riesige Tasche aufzureißen, die über und über mit den Initialen eines Modedesigners bedeckt war. Sie zog eine Sonnenbrille heraus, auf der seitlich dieselben Initialen zu sehen waren.

Doch bevor sie sie aufsetzte, sah Zoe ihr Gesicht. Es war ein Gesicht, das sie am Abend zuvor gesehen hatte, zwischen den anderen Gästen auf der großen Eröffnungsfeier: Olivers Frau.

Der Brille folgte ein Handy, das unter seidiges schwarzes Haar geschoben wurde, das ihre Schultern streifte. »Gott sei Dank«, sagte sie; ihre Stimme triefte vor Sarkasmus, klang jedoch trotzdem erstaunlich sexy. »Endlich bin ich frei, Liebling. Was ich jetzt unbedingt brauche, sind ein Martini und eine Massage.«

Zoe schnaubte. »Wer braucht das nicht?«

Die Frau wandte sich zu Zoe um, ihre Augen waren hinter der Sonnenbrille verborgen, ihr Blick war dennoch durchdringend. Durch die kräftigen Wangenknochen wirkte das kantige Gesicht hohl, die Aura des Reichtums und ihre herablassende Haltung hafteten an ihr wie ein Spritzer Chanel No. 5.

Zoe kannte das Gesicht bereits; sie hatte Adele zusammen mit Oliver aus der Lobby des Casa Blanca kommen sehen, nachdem das Baby geboren war. Und schon davor hatte sie Adele Townshend Bradbury gesehen, dank einer Suchmaschine und ein paar Gläsern Wein, die sie getrunken hatte, als sie sich in Selbstmitleid gesuhlt hatte. Die Tatsache, dass Olivers Frau ohne die Vorzüge von Photoshop nicht ganz so perfekt aussah, tröstete Zoe ein wenig. Auch wenn sie der Perfektion verdammt nahekam.

Zoe bedachte sie mit einem schmallippigen Lächeln, weil sie wusste, dass Adele sie am Abend vorher gar nicht bemerkt und bestimmt keine Ahnung hatte, wer sie war. »Entschuldigen Sie«, sagte Zoe und griff nach der Türklinke.

»Natürlich.« Adele trat beiseite und klemmte das Handy an das andere Ohr. »Nein«, sagte sie in das Telefon, während Zoe in das Gebäude ging. »Das war niemand. Ich höre dir zu.«

Niemand? Die Tür fiel zu und schloss Gott sei Dank die Sonne und die Stimme der Frau aus, die den einzigen Mann geheiratet hatte, den Zoe je … Nein, das war keine Liebe. Aber woher sollte Zoe das auch wissen? Sie hatte ganz bestimmt keine Maßstäbe, wenn es darum ging, was Liebe war beziehungsweise nicht war. Aber zwischen ihnen war etwas gewesen, und sie würde sich zunutze machen, was immer notwendig wäre, um zu bekommen, was sie brauchte.

Drinnen legte sich kühle Luft auf Zoe, während sie die schneeweißen Wände und den eisigen Marmorfußboden auf sich wirken ließ. Hier sah es ganz anders aus als in sämtlichen Arztpraxen, die sie bisher gesehen hatte. Keine unordentlich herumliegenden Zeitschriften auf einem billigen Couchtisch bei Dr. Bradbury. Und auch keine unpersönliche Glasscheibe, die sich öffnete und schloss wie ein Beichtstuhl. Keine abgewetzten Lederstühle, geschmacklose Kunst oder Nullachtfünfzehn-Videopräsentationen.

Nichts, nur altes Geld und elegante Raffinesse.

Also hatte wohl Mrs Bradbury die Praxis ausgestattet.

»Kann ich Ihnen helfen?« Die Frage kam von einer aparten Rothaarigen mit einem winzigen Headset im Ohr, die an einem Glastisch saß, der abgesehen von einem eleganten Tablet und einem futuristisch aussehenden Telefon leer war. Ihr Lächeln passte zu ihrer Umgebung – es war kalt und unpersönlich, genau wie ihre arktisch blauen Augen.

»Ich bin hier …« Zoes Stimme brach. Großartig. Jetzt klang sie auch noch wie ein Teenager im Stimmbruch. Sie räusperte sich. »Ich würde gern zu Dr. Bradbury.«

Die Rothaarige runzelte fast unmerklich die Stirn. »Wann haben Sie denn Ihren Termin?«

»Er wird mich empfangen.« Vor allem jetzt, wo seine Frau gerade weggegangen ist.

»Es tut mir leid.« Die Frau legte den Kopf schräg, eine einstudierte Mischung aus Mitleid und Macht breitete sich auf ihrem Gesicht aus. »Sie müssen einen Termin abmachen, und dafür brauchen Sie eine Überweisung. Und um ganz ehrlich zu sein, kann Dr. Bradbury gerade keine neuen Patienten mehr aufnehmen. Wir können Ihnen die Adressen von …«

»Er wird mich empfangen«, sagte Zoe und nickte zum Telefon hin. »Probieren Sie es aus. Ich heiße Zoe. Ohne y, nur Z-o-e.«

»Ich weiß, wie man es schreibt.«

»Wissen Sie auch, wie man eine Nummer wählt?«

Die junge Frau hob die Hand. »Wenn Sie keinen Termin haben, wird er Sie nicht empfangen. Es gibt absolut keine Ausnahmen von dieser Regel.«

»Ich bin die Ausnahme. Zoe Tamarin.«

Die Frau rührte sich nicht, sondern bereitete sich mit eisblauem Blick auf den Showdown vor. »Hätten Sie gern die Liste der Ärzte, die ich gerade erwähnt habe?«

»Nur wenn einer davon Oliver ist.« Als die Frau sie überrascht ansah, fügte Zoe hinzu: »Ich bin eine persönliche Bekannte.«

Die Frau musterte das dünne Tanktop, das an Zoes verschwitzter Haut klebte. Das weiße Baumwollshirt, das so neckisch gewirkt hatte, als sie es bei Old Navy ausgesucht hatte, fühlte sich plötzlich wie ein billiger Fetzen an im Vergleich zu der Seide und den Perlen der Dame an der Rezeption.

Die Rothaarige lächelte freudlos, schüttelte den Kopf und stand auf; sie war auf ihren Zehn-Zentimeter-Absätzen locker einen Meter achtzig groß. »Es tut mir sehr leid, dass Sie in dieser Situation sind, aber Sie müssen jetzt gehen.«

»Diese Situation?« Sie kannte Zoes Situation nicht mal, verdammt. »Bitte rufen Sie seinen Assistenten an oder wen auch immer, und sagen Sie ihm, dass Zoe Tamarin ihn sehen möchte.«

Die Frau kniff die Augen zusammen, fasste aber an ihr Headset. »Beth?«

Zoe seufzte leise vor Erleichterung. Sobald Oliver …

»Wir brauchen Sicherheitspersonal in der Lobby.«

Zoe hustete krächzend. »Wie bitte?«

Die andere Frau ignorierte sie vollkommen. »Sofort«, sagte sie ins Leere. Dann, zu Zoe gewandt: »Wir haben hier oft verzweifelte Leute, die zu Dr. Bradbury wollen, und …«

»Nun, zu denen gehöre ich nicht.« Was glatt gelogen war, aber sie trat trotzdem vor. »Geben Sie ihm einfach meinen verdammten Namen.«

»Ich fürchte, das geht nicht.« Sie blickte auf ihr Tablet hinunter, als würde dort gerade etwas viel Wichtigeres zu sehen sein.

Zoe fasste die einzige Tür hinten im Raum ins Auge, eine nahezu unsichtbare Platte aus poliertem Rosenholz, die geradezu mit der Wand verschmolz. Aber da war diese schmale silberne Klinke, und vielleicht war ja nicht abgeschlossen. Was zum Teufel hatte sie schon zu verlieren? Mit einem kurzen Blick auf den Rotschopf, der sie jetzt demonstrativ ignorierte, machte Zoe einen Satz in Richtung Tür.

»Hey!«, schrie die Frau, doch Zoe drückte die Klinke herunter und schob die Tür auf.

Da erwischte sie der Rotschopf und packte sie am Arm, um sie zurück in die Lobby zu zerren. »Sie werden das Gebäude jetzt verlassen, Ma’am. Und. Zwar. Sofort.«

Zoe wehrte sich gegen den Zugriff und riss ihren Körper mit der ganzen Kraft, die sie aufbringen konnte, von ihr weg; plötzlich ließ die Frau los und Zoe taumelte auf das Behandlungszimmer zu und stolperte über die Schwelle; die Haare fielen ihr über das Gesicht, als ihre Knie auf dem Boden aufschlugen.

»Was zum Teufel ist hier draußen los?«

Oliver. Sie sah nicht auf, sondern schloss die Augen und ließ seine Stimme in sie eindringen und sie berühren.

»Zoe?«

»Sie kennen sie, Dr. Bradbury?«

»Ja, stell dir mal vor«, murmelte Zoe und war nur wenig beschwichtigt durch das leichte Entsetzen in der Stimme der Rothaarigen. Schließlich hob sie den Kopf und sah ihn an.

Doch der Anblick dieser bodenlosen Espresso-Augen hätte sie fast erneut umgehauen.

»Gütiger Gott«, sagte er, während er sich auf ein Knie fallen ließ und die Hand ausstreckte. »Was machst du … hier, steh auf.« Seine Hand umhüllte die ihre, diese starke, maskuline, geschickte Hand, die heilte und Zoe mit einer einzigen Berührung der Finger heiß machte. »Was machst du …«

Sie zog eine Augenbraue nach oben, während sie sich zu ihrer vollen Größe aufrichtete, was knapp unter eins fünfundsechzig war, also nicht ganz so beeindruckend wie ihre Widersacherin und nur auf Brusthöhe mit Oliver. Aber, ach, was für eine Brust. Bedeckt von einem astronomisch teuren weißen Hemd, das so weich und kostbar war, dass sie sich vorstellte, es wäre handgewebt und eigens auf diese unglaublichen Schultern zugeschnitten.

»Offenbar ist es einfacher, ohne Termin ins Oval Office zu kommen.«

Er lächelte beinahe, und Funken aus poliertem Gold tanzten in seinen Augen. »Du brauchst keinen Termin, um mich zu sehen.«

Am liebsten hätte Zoe der Rezeptionistin ein »Hast du gehört, du Schlampe?« zugeworfen, doch Oliver hielt noch immer ihre Hand; er zog sie ein wenig zu sich, und sie wurde ganz benommen von diesem sauberen, gepflegten, frischen Duft nach Tüchtigkeit – und Oliver. »Du willst mich doch sehen?«

Dieses winzige bisschen Unsicherheit hätte sie fast zum Dahinschmelzen gebracht.

»Ja.«

Ja. Ja. Gott, wie sie sich damals danach gesehnt hatte, dieses Wort zu ihm zu sagen.

Stattdessen hatte sie andere Worte gesagt, und die hatten ihr Schicksal auf ganz andere Weise besiegelt.

Doch jemand hatte »Ja« zu ihm gesagt. Jemand mit dunklen Haaren und Designertaschen und dem Geruch nach Reichtum – und Familie. Einer großen, mächtigen, vorzeigbaren, echten Familie. Die eine Sache, die Zoe ihm niemals bieten konnte.

Verdammt sei Google mit seinen endlosen Eintragungen, die mehr Informationen enthalten als für beschwipste Exfreundinnen verfügbar sein sollten.

Sie reckte das Kinn und sein Gesichtsausdruck flackerte, schwankte irgendwo zwischen Belustigung und Erstaunen hin und her, während er sie musterte.

»Komm in mein Büro«, befahl er – die Worte eines Mannes, der die hohe Kunst der Subtilität nicht beherrschte. Das hatte sie am Abend zuvor an ihm bemerkt, als er den Raum mit einem einzigen gebellten Befehl leer gefegt hatte. Autorität machte sich gut auf diesen breiten Schultern.

»Möchtest du einen Kaffee? Wasser?«, fragte er, bereit, seiner Sprechstundenhilfe entsprechende Anweisungen zu erteilen.

»Nachdem was ich durchgemacht habe, um hier reinzukommen? Einen doppelten Wodka, ohne Eis.«

Er nickte der Rezeptionistin nur zu. »Mr Carlson ist in Zimmer zwei. Sagen Sie Beth, sie soll ihm ausrichten, dass es noch ein paar Minuten dauern wird.«

Zoe blendete Rotschopf mit einem falschen Lächeln. »Vielen herzlichen Dank für Ihre Hilfe. Attila, nicht wahr?«

Die andere Frau blickte Oliver an, der sich auf die Lippe biss. »Komm, Zoe. Hier entlang.«

Er führte sie durch einen gedämpften Flur und blieb einen Schritt hinter ihr, als sie schweigend um eine Ecke bogen. Ihre Sandalen gaben auf dem plüschigen Teppich kein Geräusch von sich, doch ihr Herz klopfte so laut gegen ihre Rippen, dass es nur so durch die Flure von Dr. Bradburys super-feudaler, mega-exklusiver Praxis hallte, in der man nur einen Termin bekam, wenn man von Gott höchstpersönlich eine Überweisung hatte.

Sein Büro war natürlich riesig, es wurde von einer Fensterfront erhellt und wirkte sehr viel wärmer als der Rezeptionsbereich. Zoe roch Kirschbaum, Leder und diesen Hauch von Erfolg. Es roch nach Mann in diesem Raum, einem starken, vermögenden Mann, der noch immer so verdammt heiß war, dass es wehtat.

Es kribbelte ihr förmlich in den Füßen, als sie sich vorstellte, sie würde an ihm vorbei zur Tür hinausstürzen, obwohl sie so heftig dafür gekämpft hatte, durch eben diese Tür hereinzukommen. Tut mir leid! War alles nur ein Missverständnis!

Doch sie rührte sich nicht, ein Beweis dafür, wie sehr sie zumindest einen Menschen auf dieser Welt liebte. Sie hatte ihm den Rücken zugewandt und atmete ein letztes Mal tief durch, um ihren Schlachtplan noch mal durchzugehen.

Der eigentlich gar nicht existierte, weil sie Barefoot Bay heute Morgen aus einer Laune heraus völlig planlos verlassen hatte. Also, was jetzt? Sollte sie betteln? Forderungen stellen? Feilschen? Was auch immer, sie musste stark und unnachgiebig sein. Sie würde ein Nein nicht als Antwort gelten lassen. Sie würde nicht …

»Dreh dich um.«

Dahinschmelzen.

Oh, nein. Sich in seine Arme zu werfen wäre weitaus schlimmer, als so schnell sie konnte – und hoffentlich mit mehr Würde als bei ihrem Eintreten – zur Tür hinauszurennen. Denn wenn sie erst mal diese Arme um sich spürte, war alles möglich.

Langsam drehte sie sich um und blickte in das Gesicht eines Mannes, der sie ansah, als hätte er seit Tagen nichts gegessen und sie selbst wäre ein menschlicher Windbeutel mit Sahne.

Während er seinen Blick Zentimeter für Zentimeter über sie schweifen ließ, unternahm sie ihre eigene visuelle Erholungsreise und ließ ihren Blick auf den Dingen verweilen, die sie so viele, viele Nächte wach gehalten hatten. Es war nicht sein klassisch schönes Gesicht mit all den markanten Zügen, auch nicht seine kräftigen Schultern oder sein seidig schwarzes Haar. Zoe war nicht schwach geworden, weil er »der Mann mit den Zähnen« war, wie ihre Tante Pasha einmal sein Filmstar-Lächeln beschrieben hatte, auch nicht seine auffällige Nase, die auf römische oder griechische Vorfahren hinwies, womöglich sogar auf Julius Cäsar höchstpersönlich.

Nein, Zoe liebte die unerwarteten Überraschungen an Oliver. Schwarze Wimpern, dicht wie Flaschenbürsten, die seitlich abstanden, wenn er über etwas lachte, was sie gesagt hatte. Der Muskel an seinem Hals, der sich bewegte und anspannte, wenn er sich vorbeugte, um sie zu küssen. Der tiefe Tenor seiner Stimme, wenn er ihr ins Ohr flüsterte, der melodische Klang, wenn er ihren Namen sagte, die Art und Weise, wie er die Augen vor einem Kuss schloss, als würde er gleich einen herrlichen französischen Wein probieren.

Jetzt waren seine Augen jedoch geöffnet und sahen sie eindringlich an. »Wie geht es dem Baby?«

Einen Moment lang hatte sie keinen blassen Schimmer, wovon er redete. Das war so eine Sache an Oliver. Er brachte Zoe dazu, ihre Gedankengänge, ihre Geheimhaltungsschwüre, ihren gesunden Menschenverstand zu vergessen. Er brachte sie dazu, von Dingen zu träumen, die nicht sein konnten, und sich an Dinge zu erinnern, die sie besser vergessen hätte.

Dinge, die so unbeschreiblich gut waren. Wie damals, als sie es auf dem Küchenboden seiner Wohnung getrieben hatten. Und die Zeit, als er …

»Ich gehe davon aus, dass es Mutter und Kind hervorragend geht?«

Oh, das Baby. Das, das er gestern Abend entbunden hatte. »Es geht ihm hervorragend. Wirklich, ja. Du warst so schnell weg, und Lacey wollte sich eigentlich noch bei dir bedanken.«

»Bist du deshalb hergekommen?« Ein Anflug von Enttäuschung verdunkelte seinen Blick und war bereits verschwunden, noch bevor sie ihn richtig gesehen hatte.

Oder du könntest das als Ausrede aufgreifen und losrennen, Zoe. Ganz schnell, ganz weit weg laufen.

Verdammt, warum musste der einzige Mensch, der ihr Geheimnis kannte, ein Arzt sein, der sich der Rettung von Menschenleben verschrieben hatte und es ihr absolut unmöglich machte, wegzulaufen, sich zu verstecken, so zu tun, als wäre alles in Ordnung?

Weil nicht alles in Ordnung war und weil er die Antwort auf das Problem war, das sie in den allermeisten Nächten wach und in einem unterschwelligen Panikzustand hielt.

»Bist du deshalb hergekommen?«, fragte er wieder. »Als das einköpfige Dankeskomitee der jungen Familie?«

Er versuchte, höflich zu sein oder sogar nett, und das gab ihr ein wenig Hoffnung. Vielleicht reichte ihre gemeinsame Vergangenheit ja aus, um das zu bekommen, weshalb sie hergekommen war. Vielleicht musste sie ja gar keinen Pakt mit dem Teufel schließen – auch wenn sie bereit dazu gewesen wäre. Im Moment würde sie alles tun.

»Das war wirklich keine große Sache«, sagte er, nachdem ein paar Sekunden zu viel verstrichen waren. »Ich habe in meiner Laufbahn schon etliche Notfallentbindungen durchgeführt.« Dann trat er einen Schritt näher, senkte fast unmerklich den Kopf und sah sie forschend an. »Zoe?«

»Oliver, du bist einer von zwei Menschen auf der Welt, die die Wahrheit über mich wissen.«

Jetzt war er an der Reihe, stumm zu blinzeln.

»Und du hast einmal zu mir gesagt, dass du alles für mich tun würdest.«

Er erwiderte immer noch nichts.

»Weißt du noch, dass du das gesagt hast, Oliver?«

»Natürlich.« Er verschränkte die Arme – eine klassische Machtpose. »Was willst du, Zoe?«

Sie holte langsam und gleichmäßig Luft. »Meine Großtante Pasha ist krank. Sehr, sehr krank. Du weißt, dass sie … Sie kann keine großen Sprünge machen in Bezug auf das Gesundheitssystem, weil sie …« Eine Kidnapperin ist. »Weil sie es nicht kann.«

Er starrte sie an.

»Ich will, dass du sie behandelst. Und es niemals jemandem erzählst.«

Seine Augen wurden schmal, als diese Forderung richtig bei ihm ankam. »Du bittest mich darum, etwas …«

»Etwas Illegales zu tun, ja. Ich weiß, dass du ein großer, bedeutender, erfolgreicher Arzt bist, der keine rechtlichen Risiken eingehen sollte, weil das möglicherweise seiner boomenden Praxis schaden würde, aber das ist mir egal, Oliver, denn …«

»Stopp.« Mit einem Schritt stand er vor ihr; er legte ihr die Hand auf die Schulter, versengte damit ihre nackte Haut, war ihr bereits zu nah.

»Wirst du es tun?«, fragte sie.

Er war so nah, dass sie seine Wärme und den Duft nach frischer Luft und Wäldern wahrnehmen konnte, der sie daran erinnerte, wie sie sich das letzte Mal geküsst hatten.

Mach schon, küsse ihn.

Er neigte den Kopf ein klein wenig und kam dabei nicht mehr als einen Millimeter näher, als wäre die Stimme in ihrem Kopf so laut, dass er sie hören konnte. »Wie könnte ich das tun?«

»In aller Stille«, sagte sie rasch. »Heimlich. Unter dem Tisch, ohne es zu verbuchen, verborgen vor den neugierigen Blicken deines hexenartigen Personals.« Sie hob ihr Kinn und verfluchte sich dafür, dass er mitbekam, wie sie zitterte. Hoffentlich glaubte er, es läge daran, dass sie seine Hilfe brauchte, und nicht daran, dass jede Zelle ihres Körpers küss mich, küss mich, küss mich schrie.

Mann, das könnte eine schlechte Idee gewesen sein. Aber sie machte energisch weiter. »So könntest du es machen«, schloss sie. »Und das wirst du auch. Weil du …« Mich einst geliebt hast. »Weil du stets das Richtige tust.«

»Ich kann nicht …«

»Du kannst.«

»Ich kann dir nicht so nah sein und nicht …

»Ich glaube, für diese Dinge hast du eine Frau«, sagte sie und entwand sich seinem Griff. »Ich brauche einen Arzt, und du bist zufälligerweise in der Gegend, in der richtigen Art von Praxis und praktischerweise der einzige Arzt, der sich einverstanden erklären wird, meine Tante zu behandeln, ohne sie den Behörden zu melden.«

Er sah sie forschend und mit undurchdringlichem Gesichtsausdruck an. Aber das hielt sie nicht davon ab, es zu versuchen. Und ihn anzustarren.

»Damit würde ich meine Praxis aufs Spiel setzen«, sagte er schließlich.

»Und ansonsten würdest du ihr Leben aufs Spiel setzen. Bedeutet dir das denn gar nichts mehr? Du hast dich früher um Menschen gekümmert, die sonst gestorben wären, Oliver.«

Er zuckte so leicht zusammen, dass sie es fast nicht gemerkt hätte. »Das tue ich immer noch.«

»Dann hilf mir!« Sie stieß ihm frustriert gegen die Brust. Er packte sie am Handgelenk und hielt sie fest.

»Ich werde tun, was ich kann«, sagte er.

»Was heißt das?« Sie schüttelte seine Finger ab; er trat zurück und schob seine Hände in die Hosentaschen, als wollte er sich selbst in Ketten legen.

Sein Blick wanderte an ihr hinunter, glühend, so wie seine Hände sich anfühlen würden, und sandte kleine Schauer über ihre Haut. »Es bedeutet, dass ich innerhalb eines gewissen Rahmens tun werde, was ich kann.«

»Innerhalb eines gewissen Rahmens? So viel zum Thema Hippokratischer Eid.«

Er ließ seinen Blick noch tiefer wandern, an ihrer Brust verweilen, und der Bernstein in seinen Augen verwandelte sich in Ebenholz, während er zusah, wie sich ihre Brust hob und senkte.

»Ganz zu schweigen von deinem Ehegelübde.«

Er schüttelte kaum merklich den Kopf. »Das ist gebrochen.«

»Nun, schön für dich, Sahneschnitte. Aber ich brauche einen Arzt, keinen Quickie.«

Er zog ganz leicht eine Augenbraue nach oben. »Das mit uns war nie ein Quickie, Zoe.«

Sie kniff die Augen zusammen. »Du bist verheiratet.«

»Ich bin geschieden. Seit letzter Woche endgültig.«

»Du warst gestern mit ihr auf der Eröffnungsfeier.«

Er zuckte mit den Schultern. »Ich habe ihr nur einen Gefallen getan. Sie ist von irgendeiner lokalen Größe eingeladen worden, die in letzter Minute abgesagt hat, und wollte nicht allein hingehen.«

Oh. Oh. »Aber ich habe sie gerade draußen gesehen.«

»Sie hat …« Er wich ein wenig zurück und senkte kurz den Blick. »Etwas vorbeigebracht.«

Eine seltsame weiße Hitze spülte über Zoe hinweg, zusammen mit dem unbestimmten und Furcht einflößenden Gefühl, dass sich das Blatt gerade gewendet hatte. Oliver war nicht verheiratet. Was bedeutete, sie könnte … nein, das würde sie nicht. Niemals. Nie, nie, niemals.

Außer dass … Was genau war Zoe Pashas Leben wert? Alles. Alles, sogar das.

Sie biss sich auf die Lippen und trat einen Schritt näher. »Ich brauche Hilfe, Oliver. Und ich kann sie sonst nirgendwo kriegen. Ich werde tun, was immer du willst.«

»Was willst du damit andeuten, Zoe?«

»Soll ich es buchstabieren? Drei einfache Buchstaben: S-e…«

Er hob die Hand, um ihr Einhalt zu gebieten, dann holte er tief und langsam Luft und warf wieder einen langen, hungrigen Blick über ihren Körper. Jedes Haar in ihrem Nacken stellte sich wie elektrisiert auf. Als er ihre Brüste ansah, stellten sich ihre Brustwarzen unter dem dünnen Stoff auf. Als er auf ihre Hüften starrte, wurde es zwischen ihren Beinen heiß und schmerzhaft.

Wenn er bei ihren Knien anlangte, würden die beiden Mistkerle glatt vergessen, was ihre Aufgabe war, und sie würde auf dem Fußboden landen, genau wie in jener Nacht in der Küche. Aber so weit kam er nicht.

»Nein.« Er ging um seinen Schreibtisch herum und setzte sich auf seinen übergroßen Stuhl. »Warum erzählst du mir nicht erst mal, was mit ihr los ist.«

Himmel, Arsch und Zwirn. Da brachte man ihm ein menschliches Opfer dar und dieser Hurensohn erteilte ihr einfach eine Abfuhr.

2

Die Zurückweisung schmerzte. Oliver merkte es daran, dass Zoe die Schultern sinken ließ und dagegen ankämpfte, dass ihr Mund vor Überraschung aufklappte. Und daran, dass sie gekränkt zusammenzuckte, wodurch ihre smaragdgrünen Augen eher jadegrün wurden.

Sie war immer noch hübsch – Gott, sie war umwerfend –, aber als er ihr Angebot ablehnte, verschwand das Leuchten aus ihrem Gesicht.

Er hatte sie verletzt. Gut. Dann waren sie auf dem besten Weg, irgendwann quitt zu sein. Wenn sie auf dem leeren Fußboden eines verlassenen Hauses säße und wie eine verdammte Dreijährige weinte, dann würden sie vielleicht in die Nähe von quitt kommen.

»Was sind ihre Symptome, Zoe?«, fragte er und zog einen Block heraus, um seine Hände zu beschäftigen, in denen es juckte. Damit er nicht mehr daran dachte, wie viel lieber er sich jetzt vorbeugen und seine Finger in dieses Durcheinander aus karamellfarbenen Locken schlingen würde, die auf eine drollige Art seidig und frech waren, die sich irgendwie nie änderte.

Sie nahm ihre ganze Coolheit zusammen, ließ sich auf die Kante eines Besucherstuhls fallen und zeigte auf den Block. »Keine Notizen. Das ist privat. Völlig inoffiziell. Du darfst keine Akte über sie anlegen.

Er legte den Kopf schief. »Du magst vielleicht das Schlimmste über mich denken, aber ich nehme es mit meiner ärztlichen Schweigepflicht sehr genau. Sag mir, wo das Problem liegt.«

»Dann kann sie also deine Patientin sein?«

»Sag mir, wo das Problem liegt.«

Mit einem leisen Seufzen machte sie es sich auf dem Stuhl bequem; sie zog die Beine unter sich, sodass der fließende Rock wie eine Lotusblüte über ihre Beine fiel und ihre Füße verbarg.

»Erstens denke ich nicht das Schlimmste über dich, okay? Mit uns hat es schlimm geendet, ich weiß, aber …«

»Schlimm?« Er feuerte das Wort förmlich auf sie ab, sodass sie zusammenzuckte. »Du nennst dieses Ende schlimm?«

Sie starrte zurück. »Ja, es war schlimm.«

»War es schlimm für dich, Zoe?« Er musste jetzt wirklich aufhören. Sie brauchte nicht zu wissen, was er all die Jahre danach durchgemacht hatte.

»Schlimm genug«, sagte sie viel zu lässig für seinen Geschmack.

War es das wirklich gewesen? Hatte sie solche Sehnsucht gehabt wie er? Hatte sie sich gefragt, was zum Teufel mit ihm geschehen war? Hatte sie Zeitungen durchforstet, Postmitarbeiter bestochen und jeden Heißluftballonstartplatz im Staat Illinois aufgesucht?

»Es war ziemlich schlimm für mich«, gab er zu; die Worte fühlten sich wie Steine in seinem Mund an.

»Das habe ich gemerkt«, sagte sie trocken. »So schlimm, dass du fünf Wochen später verheiratet warst.«

Das hätte er kommen sehen sollen. »Deshalb waren meine ersten Worte ›es tut mir leid‹, als wir uns vor ein paar Jahren in der Lobby des Ritz begegnet sind. Erinnerst du dich daran?«

»Ich erinnere mich.«

»Du hast Kondome gekauft«, rief er ihr ins Gedächtnis, eine Tatsache, die ihm noch tagelang gegen den Strich gegangen war.

»Für eine Freundin. Können wir jetzt über meine Tante sprechen?«