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Diplomarbeit aus dem Jahr 2011 im Fachbereich Pädagogik - Sonstiges, Note: 1,7, Universität Kassel (Institut für Berufsbildung), Sprache: Deutsch, Abstract: Belastung im Lehrerberuf, Fortbildung als ein Bestandteil der Lehrerprofessionalisierung - Eine Entlastungschance? - Bildungspolitische Relevanz der Themen: Die Potsdamer Studie ergab eine hohe Belastung der Lehrer. Die Studie stellte fest, dass die Belastung in keiner anderen Berufsgruppe höher ist. Aus den Ergebnissen ergibt sich, dass 29 % der Lehrer Burnout-gefährdet sind und mehr als die Hälfte aller Lehrer eine Überlastung verspüren (vgl.: Schaarschmidt 2005: 9, 42). Doch wo liegen die Gründe für die hohe Belastung im Lehrerberuf? Die Ursachensuche muss vielschichtig angelegt werden. Ein grundlegender Faktor der hohen Belastung liegt u.a. in der Neuausrichtung der Lehrerrolle und den damit verbundenen (neuen) Anforderungen an die Lehrer. Die Vielzahl der erwarteten Kompetenzen ist ein weiterer Faktor, der sich belastend auf die Lehrer auswirken kann. Die Gesellschaft sieht den Lehrer zunehmend als „zusätzlichen Erzieher“ der Kinder und Jugendlichen Umso schwieriger wird es, wenn die Bildungspolitik immer neue, vor allem strukturelle Aufgaben den Lehrern überträgt (z.B.: Schulentwicklungsprozesse). Der Umgang mit den auftretenden Belastungen wird, aktuell, überwiegend dem Lehrer überlassen. Extern organisierte Unterstützungsmöglichkeiten gibt es kaum. So gehört der Umgang mit Belastungen zu einer weiteren erwarteten Kompetenz der Lehrer. Lediglich im Rahmen von einigen Fortbildungen wird das Thema Be-lastung thematisiert. Hierbei handelt es sich um Fortbildungen, die direkt auf gesundheitliche Aspekte hinweisen, und um Supervision, bei der die Reflexion des Erlebten im Mittelpunkt steht. Die Lehrerfortbildung in Deutschland wurde in den letzten Jahren immer wieder neu strukturiert. Es wird zunehmend eine individuelle, nachfrageorientierte Fortbildung gefordert. Aktuell sind die Fortbildungsangebote vor allem auf den fachlichen und didaktischen Bereich konzentriert. Zielsetzung/ Problemstellung der Arbeit: Inwieweit kann der Einsatz von Fortbildungen zu einer Entlastung im Lehrerberuf führen? •Wie kommt es zu den auftretenden Belastungen (erwartete Kompetenzen/ Lehrerrolle)? •Welche Faktoren beeinflussen den Umgang mit Belastung (Lehrerpersön-lichkeit)? •Wie macht sich die Belastung bemerkbar? •Lehrerprofessionalität als Grundlage für Entlastungsstrategien •Fortbildung als eine mögliche Entlastungschance
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Veröffentlichungsjahr: 2011
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Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Themen Lehrerbelastung, Lehrerprofessionalisierung und Lehrerfortbildung. Der Titel meiner Arbeit lautet:
Belastungim Lehrerberuf,Fortbildung als ein Bestandteil
der Lehrerprofessionalisierung
- Eine Entlastungschance? -
Begründung des Themas
Die Auswahl der Hauptthemen „Belastung“ und „Fortbildung“ beruht zum einen auf persönlichen Gründen, die zunächst erläutert werden. Auf der anderen Seite gewinnen die Themenschwerpunkte durch die aktuelle Relevanz (hohe Belastung der Lehrer[1]) zunehmend an Bedeutung (aus bildungspolitischer Sicht), sodass die Themenauswahl der Arbeit aus zweierlei Perspektiven begründet werden kann.
Persönliche Gründe für die Themenauswahl
Während der erstmaligen Auseinandersetzung mit einem möglichen Arbeitstitel der Diplomarbeit reflektierte ich meine Erfahrungen aus dem Studium. Durch die persönliche Zielsetzung, Berufsschullehrer zu werden, entschied ich mich, meine Arbeit im Bereich der Pädagogik anzusiedeln. Das Thema „Belastung im Lehrerberuf“ ist der erste Baustein des Titels. Der Begriff „Belastung im Beruf“ wurde in mehreren Seminaren behandelt und weckte mein Interesse. Die Verbindung zum Lehrerberuf entstand anschließend während der schulpraktischen Studien I und II. In beiden Praktika sammelte ich erste Erfahrungen im Unterrichten und somit auch mit den unterschiedlichen Arten der Belastungen, die durch das Unterrichten selbst und die Vor- und Nachbereitung der Unterrichtsstunden auf mich einwirkten.
Das zweite Kernthema „Fortbildung“ hat seinen Ursprung in meinem Drittfach (Betriebliche Aus- und Weiterbildung). Während des Studiums im Bereich BAW konnte ich die Struktur von Fort-/Weiterbildung in verschiedenen Bereichen kennenlernen. Die Zielsetzung von Fort-/Weiterbildung ist berufsübergreifend recht ähnlich: Es wird eine Verbesserung der Ausgangssituation (z.B.: fachlich, Position im Betrieb) angestrebt. Meine berufspraktischen Studien II absolvierte ich bei der Coaching GmbH im Volkswagen AG Werk Kassel. Die Erstellung von Fortbildungsinhalten gehörte zu meinem Tätigkeitsfeld. Ein Großteil der Fortbildungsinhalte beschäftigte sich mit dem Thema Belastung am Arbeitsplatz (mögliche Entlastungsstrategien). Das zeigte mir, dass der Einsatz von Fortbildungen eine Möglichkeit ist, Belastungen entgegenzuwirken. Voraussetzung dafür ist, dass die Fortbildungsinhalte in der Praxis eingesetzt und realisiert werden können. Aus dieser Grundlage heraus entstand meine Idee, das Thema „Fortbildung als Entlastung“ in den Lehrerberuf zu übertragen und zu untersuchen.
Bildungspolitische Relevanz der Themen
Zusätzlich zu meinen persönlichen Gründen und Ideen hat das Thema „Lehrerbelastung“ eine aktuelle, bildungspolitische Relevanz. Die Potsdamer Studie, die im Jahr 2000 startete und in einem Zeitraum von drei Jahren über 16.000 Lehrer und ca. 2.500 Studierende und Referendare des Lehramtes befragte, ergab eine hohe Belastung der Lehrer. Die Studie stellte fest, dass die Belastung in keiner anderen Berufsgruppe höher ist. Aus den Ergebnissen ergibt sich, dass 29 % der Lehrer Burnout-gefährdet sind und mehr als die Hälfte aller Lehrer eine Überlastung verspüren (vgl.: Schaarschmidt 2005: 9, 42).
Doch wo liegen die Gründe für die hohe Belastung im Lehrerberuf?
Die Ursachensuche muss vielschichtig angelegt werden. Ein grundlegender Faktor der hohen Belastung liegt u.a. in der Neuausrichtung der Lehrerrolle und den damit verbundenen (neuen) Anforderungen an die Lehrer. Die Vielzahl der erwarteten Kompetenzen ist ein weiterer Faktor, der sich belastend auf die Lehrer auswirken kann. Die Gesellschaft sieht den Lehrer zunehmend als „zusätzlichen Erzieher“ der Kinder und Jugendlichen. Diese Lehrerrolle erfordert sehr viel Zeit und großes pädagogisches Wissen. Umso schwieriger wird es, wenn die Bildungspolitik immer neue, vor allem strukturelle Aufgaben den Lehrern überträgt (z.B.: Schulentwicklungsprozesse).
Der Umgang mit den auftretenden Belastungen wird, aktuell, überwiegend dem Lehrer überlassen. Extern organisierte Unterstützungsmöglichkeiten gibt es kaum. So gehört der Umgang mit Belastungen zu einer weiteren erwarteten Kompetenz der Lehrer. Lediglich im Rahmen von einigen Fortbildungen wird das Thema Belastung thematisiert. Hierbei handelt es sich um Fortbildungen, die direkt auf gesundheitliche Aspekte hinweisen, und um Supervision, bei der die Reflexion des Erlebten im Mittelpunkt steht.
Die Lehrerfortbildung in Deutschland wurde in den letzten Jahren immer wieder neu strukturiert. Es wird zunehmend eine individuelle, nachfrageorientierte Fortbildung gefordert. Aktuell sind die Fortbildungsangebote vor allem auf den fachlichen und didaktischen Bereich konzentriert.
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob genau an diesem Punkt angesetzt werden könnte, um eine Entlastungsstrategie mit Hilfe von Fortbildungen zu entwickeln?!
Zielsetzung/ Problemstellung der Arbeit
Aus dem Titel der Arbeit lässt sich eine Hauptproblemstellung ableiten: Inwieweit kann der Einsatz von Fortbildungen zu einer Entlastung im Lehrerberuf führen? Dieses Primärziel soll am Ende der Arbeit (V Schlusswort) diskutiert werden. Die Arbeit beinhaltet jedoch mehrere Zwischenziele, die sich in verschiedene Kernthemen/ Fragestellungen untergliedern.
Diese habe ich hier zusammengefasst:
Wie kommt es zu den auftretenden Belastungen (Einflussfaktoren: erwartete Kompetenzen/ Lehrerrolle)?
Welche Faktoren beeinflussen den Umgang mit Belastung (Lehrerpersönlichkeit)?
Wie macht sich die Belastung bemerkbar (theoretische Begriffsdefinitionen)?
Lehrerprofessionalität als Grundlage für Entlastungsstrategien
Fortbildung als eine mögliche Entlastungschance
Die Klärung der Kernthemen/Fragestellungen findet wissenschaftlich fundiert statt. Die erlangten Erkenntnisse werden danach verwendet, um in den folgenden Themenbereich einzuführen, sodass ein kausaler Zusammenhang der jeweiligen Punkte zu erkennen ist. Dadurch soll der Leser die Möglichkeit haben, die theoretischen Grundlagen zu verstehen und anschließend mit den Schlussfolgerungen in Verbindung zu setzen.
Die theoretische Auseinandersetzung mit den Kernthemen/Fragestellungen wird am Ende der Arbeit praxisorientiert untersucht, um festzustellen, ob die theoretischen Erkenntnisse realistisch (bezogen auf die Praxis) und nachvollziehbar sind. Als Praxisgegenstand dienen Lehrerinterviews. Insgesamt wurden sechs Lehrer von drei beruflichen Schulen aus Kassel interviewt. Mir war es wichtig, dass es sich bei den interviewten Personen um Lehrer von beruflichen Schulen handelt, da diese Schulform meinen zukünftigen Arbeitsplatz darstellen wird.
Durch die Ergebnisse der Interviews kann ich im Schlusswort sowohl die theoretischen Kenntnisse implementieren als auch die Praxiserfahrungen (der sechs Lehrer und meine subjektiven Wahrnehmungen während der Interviews) mit einfließen lassen.
Aufbau der Arbeit
Eine deduktive Vorgehensweise soll zur Klärung der beschriebenen Problemstellung und Zwischenziele führen. Um einen „Ist- Stand“ der Zwischenziele, bzw. des Themengebiets festzuhalten, wird am Ende des jeweiligen Kapitels ein Zwischenfazit formuliert (Ausgenommen sind hier Einleitung, Schlusswort. Im Praxisteil wird nach jeder Frage ein Zwischenfazit gezogen.). Im Fazit wird darüber hinaus das folgende Kapitel kurz vorgestellt.
Die Diplomarbeit ist in fünf Bereiche unterteilt (I – V). Nach der Einleitung (I) werden die theoretischen Grundlagen der Arbeit (II) in drei Kapiteln erläutert. Zunächst steht die Lehrerrolle im Mittelpunkt, deren Entwicklung mit den erwarteten Kompetenzen und Anforderungen an Lehrer in Verbindung gebracht wird. Der Einfluss der Lehrerpersönlichkeit auf die Lehrerrolle wird anschließend thematisiert, um den Übergang in das zweite Kapitel zu ermöglichen. Hier richtet sich der Fokus auf den Begriff „Belastung“, der zu Beginn definiert und dann in den Lehrerberuf übertragen wird.
Es folgt eine detaillierte Betrachtung der auftretenden Belastungen und möglichen Folgen im Lehrerberuf. Als Grundlage dient eine Studie (Potsdamer Studie), auf die im Laufe der Arbeit immer wieder Bezug genommen wird.
Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der Professionalität im Lehrerberuf. Es wird überprüft, ob es sich beim Lehrerberuf um eine Profession handelt. Des Weiteren werden Modelle beschrieben, die auf einen Zusammenhang von Lehrerprofessionalität und Lehrerbelastung hindeuten. Mögliche Entlastungsstrategien werden infolge dessen als eine Form der Professionalität beschrieben. Konkretisiert wird nun der Bereich der Fortbildung, um festzustellen, ob es sich hierbei um eine mögliche Entlastungsstrategie handeln könnte.
Der dritte Bereich der Arbeit befasst sich mit der Organisation und Evaluation der Lehrerfortbildung in Hessen (III). Es wird die Struktur der Lehrerfortbildung in Hessen auf Grundlage eines Interviews mit einem Mitarbeiter des Staatlichen Schulamtes für den Landkreis und die Stadt Kassel beschrieben. Es folgt die Betrachtung des Berichts „Die hessische Fortbildungslandschaft 2008/09 - Fortbildungsangebote in Hessen“, um die Fortbildungsschwerpunkte und die Ergebnisse der Erwerbstätigenbefragung darzustellen. Die unterschiedlichen Sichtweisen (aus der Literatur) der Lehrerfortbildung in Deutschland diskutiere ich zuletzt.
Auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse werden dann im vierten Teil der Arbeit (IV) Praxisbezüge hergestellt. Dies geschieht mit leitfadenorientierten Interviews, die sowohl in standardisierter als auch in nichtstandardisierter Form eingesetzt wurden (Näheres im Punkt 5.1.: 68). Nach der Beschreibung der Vorgehensweise in den Interviews folgt der Praxistransfer der Oberbegriffe „Belastung“ und „Fortbildung“ in Form der Inhaltsanalyse. Die Erkenntnisse werden im letzten Teil der Arbeit berücksichtigt - dem Schlusswort (V).
Schlussbemerkung
Ich bedanke mich bei allen Interviewteilnehmern für ihr Engagement. Darüber hinaus gilt der Dank allen Personen, die mich bei der Fertigstellung der Diplomarbeit geholfen haben.
Der Begriff „Rolle“ soll zunächst definiert werden und aufzeigen, welche unterschiedlichen Ansätze in der Wissenschaft existieren. Der Rollenbegriff wird anschließend auf den Lehrer übertragen und die Entwicklung der Lehrerrolle thematisiert. Die Anforderungen an den Lehrer werden nun in Verbindung mit den Rollenerwartungen gebracht und die erwarteten Kompetenzen von Lehrern aufgezeigt. Es folgt die Berücksichtigung der Lehrerpersönlichkeit im Zusammenhang mit den Rollenpositionen. Anschließend werden die unterschiedlichen Persönlichkeitstypen beschrieben und deren Einfluss auf die Bewältigung von Belastungen im Lehrerberuf aufgezeigt.
Der Rollenbegriff ist zunächst neutral, ohne schulischen Kontext zu betrachten. Zwei grundlegende Theorien beschreibt Bohnsack (1997) und stellt sie gegenüber. Es handelt sich um den traditionellen und den interaktionistischen-kommunikationstheoretischen Rollenbegriff.
Der traditionelle Rollenbegriff sieht die Rolle als „[…] das Bündel an Verhaltensweisen, das von einem Inhaber bestimmter Positionen und Funktionen von deren Bezugsgruppen erwartet wird“ (ebd.: 154). Der Status des Rollenträgers, z.B. eines Lehrers, ist Ursache für bestimmte Erwartungen der Bezugsgruppen. Damit sind soziale Gruppen gemeint, die in direktem Zusammenhang mit dem Rollenträger stehen. Die Erwartungen beinhalten u.a. die berufliche Qualifikation, das gesellschaftliche Ansehen und das Gehalt. Diese Erwartungen werden durch (gesellschaftliche) Normen gestützt und kontrolliert. Der Ansatz dieser Rollentheorie setzt eine soziale Ausprägung der Rollen voraus. Die Rollenposition dient so der gesellschaftlichen Ordnung und führt zu einer klaren Zuständigkeit. Die persönliche Identität jedes Einzelnen wird hierbei vernachlässigt (vgl.: ebd.: 154).
Demgegenüber steht der interaktionistische - kommunikationstheoretische
Rollenbegriff. Dieser Begriff ist eine Modifizierung der traditionellen, ursprünglichen Rollentheorie. Im Gegensatz zum traditionellen Rollenbegriff werden hier „Spielräume der Personen“ (ebd.: 154) berücksichtigt.
Die Person soll der erstrebten Rolle nachkommen, aber als PERSON Abstand nehmen können. Das Bewusstsein, dass es sich lediglich um eine Rolle handelt, führt zu einem besseren Umgang mit den beschriebenen Erwartungen (vgl.: Krappmann 1989: 1314 ff.), letztlich zu einem professionellen (vgl.: Punkt 3.: 41) Umgang mit der eigentlichen Rolle. Diese Theorie besagt, dass Rollenerwartungen keine festen Größen, sondern frei interpretierbar sind, abhängig vom Individuum. Auftretende Rollenkonflikte, die durch den Wandel der Gesellschaft entstehen können, werden genutzt, um die Rolle neu zu gestalten und weiterzuentwickeln. Es kommt so zu Rollenüberschneidungen (vgl.: ebd.: 1317). Im Hinblick auf die Lehrer wird eine gravierende Entwicklung der Lehrerrolle sichtbar. Das zeigt der folgende Punkt.
1.1.1. Die Entwicklung der Lehrerrolle
Die Differenzierung der beiden Ansätze (traditionell und interaktionistisch- kommunikationstheoretisch) lässt sich mit der Lehrerrolle in Beziehung bringen. Anknüpfend an die Rollentheorie beschreibt Bohnsack (1997) die Entwicklung der Lehrerolle. Es werden einige Parallelen sichtbar, inwieweit die Lehrerolle von der Wandlung des Rollenbegriffs beeinflusst wurde.
Die traditionelle Lehrrolle spiegelt sich in dem traditionellen Rollenbegriff wieder. Die Lehrertätigkeit nimmt eine Funktion in der Gesellschaft ein. Die Bezugsgruppen bilden Schüler, Eltern, Kollegen, Schulaufsicht, und öffentliche und private Institutionen. Von den Bezugsgruppen wird eine „ [...]Sicherung und Übermittlung des Kulturerbes, also eine gesellschaftsstabilisierende Funktion [...]“(ebd.: 155) erwartet. Ebenso soll der Lehrer Wissen, Werte, Normen und Verhaltensweisen der jeweiligen Gesellschaft lehren und fördern.
Die Kritik an der traditionellen Lehrerrolle wird mit der mangelnden Berücksichtigung des Individuums eröffnet. Die demokratische Lehrerrolle ist die Weiterentwicklung der traditionellen Lehrerrolle. In dem Zusammenhang fällt der Begriff „Selbstrolle“, der von Mollenhauer (1971) geprägt wurde. Dieser Begriff beschreibt die Biographie und die pädagogischen Erfahrungen des Lehrers.
Diese Berücksichtigung der Begriffe wird in der traditionellen Lehrerrolle vernachlässigt (vgl.: ebd.: 100). Es wird von einer „Sozialisation im Beruf“ gesprochen. Die Sozialisation im Beruf befasst sich mit der beruflichen Anpassung, aber nicht mit der „[...] Entwicklung der beruflichen Identität [...]“ (Gudjons 1993: 41).
Der Lehrer hat darüber hinaus eine aufklärende, kritische Funktion, die nur durch pädagogische Freiheit gewährleistet werden kann.
