Benno Benoni - Georg Löschau - E-Book

Benno Benoni E-Book

Georg Löschau

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3,99 €

Beschreibung

Jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt Benno Benoni ist kein Mäuserich wie jeder andere: Statt es sich in seinem ruhigen Nest gemütlich zu machen, kribbeln seine Füße, wenn er von all den Abenteuern träumt, die anderswo auf ihn warten könnten. Als Benno beschließt, sie zu suchen, ahnt er nicht, welche Wunder und Gefahren ihn in der großen, weiten Welt erwarten … Liebevoll, einfühlsam und auf charmante Weise lebensklug: Eine Geschichte für kleine und große Kinder Jetzt als eBook: „Benno Benoni“ von Georg Löschau. Wer liest, hat mehr vom Leben: jumpbooks – der eBook-Verlag für junge Leser.

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Seitenzahl: 255

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Über dieses Buch:

Benno Benoni ist kein Mäuserich wie jeder andere: Statt es sich in seinem ruhigen Nest gemütlich zu machen, kribbeln seine Füße, wenn er von all den Abenteuern träumt, die anderswo auf ihn warten könnten. Als Benno beschließt, sie zu suchen, ahnt er nicht, welche Wunder und Gefahren ihn in der großen, weiten Welt erwarten …

Liebevoll, einfühlsam und auf charmante Weise lebensklug: Eine Geschichte für kleine und große Kinder

Über den Autor

Georg Löschau ist das Pseudonym von Dr. Franz Domaschke, geboren 1969 in Zittau. Er studierte Philosophie und Theologie in München, promovierte und unterrichtet heute an einer Schule Ethik. Dr. Franz Domaschke war Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes, wurde für seine Arbeiten mehrfach ausgezeichnet und veröffentlichte neben zahlreichen Aufsätzen zu Themen der Philosophie und Theologie bereits Monographien über Ludwig Wittgenstein und Friedrich Theodor Althoff. Benno Benoni ist sein erster Roman.

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eBook-Neuausgabe April 2016

Copyright © der Originalausgabe 2012 dotbooks GmbH, München

Copyright © 2016 jumpbooks. jumpbooks ist ein Imprint der dotbooks GmbH.

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Nicola Bernhardt Feines Grafikdesign, München

Titelbildabbildung: © julien tromeur – Fotolia.com

E-Book-Herstellung: Open Publishing GmbH

ISBN 978-3-96053-062-6

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Georg Löschau

Benno Benoni

Eine Geschichte aus der Mäuseperspektive

jumpbooks

N 51° 14’ 12’’

E 14° 12’ 21’’

Mäusenbroich

Benno Benoni, eine Maus wie du und ich, beschloss eines Morgens, sich auf den Weg zu machen und jenseits der Grenzen von Mäusenbroich sein Glück zu suchen. Dies war sehr ungewöhnlich. Denn seit Generationen hatten die Vorfahren von Benno Benoni in Mäusenbroich recht zufrieden ihre Jahre verbracht. Vor allem hatten sie nie Hunger leiden müssen. Wenn eine Maus aber etwas unter Glück versteht, dann ist es, immer volle Backen und nie einen leeren Magen zu haben. Darum kann es auch nicht erstaunen, dass Mäuse sich den Himmel wie einen riesigen Käse vorstellen, in dem auch noch viele andere Köstlichkeiten wie Getreide, vor allem aber frisch geräucherter Speck und Schinken eingeschlossen sind. Mäusenbroich kam schon ziemlich nah an diesen Traum vom Mäusehimmel heran. Es lag inmitten einer großen Scheune, in die ein fleißiger Bauer mit Namen Mühdichsehr mit viel Mühe und wenig Lohn Jahr für Jahr seine Ernte einbrachte. Auf dem Dachboden der Scheune wurden Stroh und Heu für die Kühe und Schweine gelagert. Wo es aber Kühe gibt, dort gibt es auch Milch und Käse. Da aber der Bauer Mühdichsehr noch von altem Schrot und Korn war und ihm nichts ferner lag, als Vegetarier zu werden, wurde auf seinem Hof auch ab und an geschlachtet. Das Schlachten selbst war verständlicherweise für die Bewohner von Mäusenbroich nicht so attraktiv und brachte eher unangenehme Gedanken hervor. Aber immer wenn ein Platz im Stall auf diese Weise wieder leer geworden war, drangen wenig später herrliche Düfte aus der Räucherkammer in die empfindlichen Näschen der Bewohner von Mäusenbroich, und alle freuten sich schon auf die sich bald bietenden Gelegenheiten, der Bauernfamilie Mühdichsehr ein Stück ihrer Gesundheit zu erhalten, indem man ihnen den Speck nicht ganz allein zum Verzehr überließ und sie derart davor bewahrte, zu dick zu werden. Natürlich sahen die Mühdichsehrs das anders. Allerdings war es sinnlos, mit dem Bauern darüber zu sprechen, das hatten die Bewohner von Mäusenbroich im Lauf all der Jahre gelernt. Dennoch waren die Mäusenbroicher mit ihm nicht unzufrieden, zumal er an Schnurr, seinem alten, von Narben im Gesicht übersäten Kater hing, der schon träge geworden war und dessen einst scharfe Sinne bereits nachzulassen begannen. Alle wussten, dass andere, nämlich schwerere Zeiten anbrächen, wenn Schnurr eines Tages ein drahtiger und flinker Kater nachfolgen würde, der doppelt so schnell sein und dreimal so gut sehen würde. Aber solange Schnurr noch der offizielle Hofkater war, mussten die Mäusenbroicher nicht sonderlich beunruhigt sein. Unter der halbstarken Jugend von Mäusenbroich hatte es sich sogar eingebürgert, als Mutprobe aus dem Milchnapf des Katers Schnurr zu kosten, der gleich neben seinem Ruhekissen stand. Es wurde sogar erzählt, die tollkühne Maus Fortunatus Maximus habe zur selben Zeit aus dem Napf getrunken, als Schnurr gerade den täglichen Mittagsschlaf auf seinem Kissen hielt und Fortunatus Maximus ihn direkt an den Barthaaren hätte ziehen können. Niemand hatte sich so nah an den Kater Schnurr herangewagt wie Fortunatus Maximus. Leider unterlag Fortunatus Maximus später einem folgenreichen Irrtum, als er bei einer Erkundungstour auf den Feldern Speedy, des Nachbarn Kater, für Schnurr hielt und so ein trauriges Ende fand. Schnurr und Speedy waren einander auch zum Verwechseln ähnlich! Solange man sich aber auf dem Hof des Bauern Mühdichsehr aufhielt, zu dem Speedy keinen Zutritt hatte, konnte einem als Maus eigentlich nichts Besseres passieren, als in Mäusenbroich geboren zu sein.

»Geboren zu sein – das schon!«, sprach Benno Benoni leise zu sich. »Aber für immer hier zu wohnen? Wie kann man wissen, dass es nichts Besseres gibt, wenn man nichts anderes kennt?« Seit Wochen schon hing Benno Benoni solchen und ähnlichen Gedanken nach. Die meisten anderen Bewohner von Mäusenbroich hielten Benno Benoni darum für einen Tagträumer und fürchteten, dass er eines Tages wieder seinen Gedanken nachhängen und geradewegs dem Kater Schnurr vor die Barthaare geraten würde. Dann hätte in den Wettbüros von Mäusenbroich – wenn es solche gegeben hätte – selbst beim trägen Kater Schnurr niemand mehr auf Benno Benoni setzen wollen. Niemand außer Biggi Batsch.

Biggi Batsch war die beste Freundin von Benno Benoni. Äußerst schön war sie anzusehen mit ihrem samtglänzenden Fell, den niedlichen kleinen Ohren, ihren blendend weißen und geraden Mäusezähnchen und den zierlichen Beinchen, die dennoch enorm flink und ausdauernd sein konnten. Aber nicht wegen ihrer Schönheit hatte Benno Benoni sich um die Freundschaft von Biggi bemüht. Vor allem war Biggi Batsch ein sehr kluges und neugieriges Mäusefräulein. Da Benno Benoni mindestens ebenso gut denken wie sehen konnte, hatte er auch immer nach einer Freundin gesucht, die nicht nur gut anzusehen war, sondern mit der man auch reden konnte. Biggi Batsch war es genauso gegangen. Da sich nun in Mäusenbroich früher oder später alle Bewohner einmal über den Weg laufen mussten, liefen sich eines Tages auch Biggi Batsch und Benno Benoni über den Weg – genauer gesagt, liefen sie sich auf dem großen Balken am Scheunentor über den Weg. Schon bei diesem ersten Kennenlernen hatten sie gar nicht bemerkt, wie schnell die Zeit beim Plaudern vergangen war und dass sie all das, was sie sich sonst noch für den Tag vorgenommen hatten, einfach vergessen hatten. In jener Nacht träumten sie auch voneinander und nahmen sich am Morgen vor, unbedingt einander wiederzusehen.

Es dauerte auch nicht lange, bis dies geschah – nicht zuletzt deshalb, weil in jenen Tagen beide auffallend viel unterwegs waren und auf die Frage, wo sie denn hinliefen und was sie zu tun hätten, keine rechte Antwort wussten oder jedenfalls keine Antwort, die sie irgendjemand anderem erzählt hätten. So dauerte es auch nicht lang, bis sie sich im Stroh fanden. Zuerst war da nur ein Rascheln zu hören, dann zunächst ein leises Piepsen von Biggi, darauf schließlich ein lautes und fröhliches von Benno. Nicht dass Benno mutiger als Biggi gewesen wäre. Wahrscheinlich war sogar das Gegenteil der Fall. Aber nachdem er bereits das unverkennbare Biggi-Piepsen gehört hatte, merkte er nicht einmal, dass er vor Freude ganz laut piepste. Nun fanden die beiden sich sehr schnell in dem großen Strohhaufen und machten es sich gemütlich, indem sie ein paar Strohhalme zu einem bequemen Lager herrichteten, auf das sie sich legen konnten. Dort lagen sie nun gemeinsam, schauten in den Sternenhimmel, den man durch ein Loch des Scheunendaches sehen konnte, und redeten und tuschelten und flüsterten, wie es nur zwei kleine Plaudertaschen können. Wenn nicht der Mond und die Sterne am Himmel weitergezogen wären, hätten die beiden gar nicht bemerkt, dass die Zeit schneller verflog, als es ihnen lieb sein konnte. Miteinander konnten sie über alles sprechen – so gut wie mit niemandem sonst in ihrem bisherigen Leben. So mochten sie sich schließlich wegen all dem, was der andere wusste und konnte – noch mehr aber wegen all dem, was der andere noch wissen und können wollte. Und beide wollten noch viel lernen und erkunden, mehr als in einem kurzen Mäuseleben eigentlich möglich war.

Einmal waren sie sogar bei einem ihrer köstlichen Plauderstündchen von Bamsi belauscht worden, einer Klatsch-und- Tratsch-Maus, die niemand für voll nahm, der aber merkwürdigerweise alle zuhörten. Seitdem galten Biggi und Benno als Tagträumer. Aber auch schlimmere Wörter ließen sich einige Bewohner von Mäusenbroich für die beiden einfallen. Dabei war es ja gar nicht so, dass die beiden sich im Leben nicht zurechtfanden. Sie wussten sich immer genügend zum Futtern zu besorgen, erkundeten immer wieder neue Wege und Regionen, die für alle Mäusenbroicher von Nutzen waren, und brachten auch den alten, den ganz jungen sowie den kranken Mäusen immer wieder ein paar Köstlichkeiten von ihren Streifzügen in die bäuerliche Speisekammer mit. Mit einem Wort: Sie waren zwei Mäuse, die mit allen vier Pfoten im Leben standen – wie man unter Mäusen zu sagen pflegt. Sie verfügten über einen gesunden Mäuseverstand und wussten genau, wie es in Mäusenbroich und Umgebung zuging und an welche Regeln man sich hier zu halten hatte und wann man es nicht so genau damit nehmen musste.

Im Gegensatz zu den allermeisten Einwohnern von Mäusenbroich hatten die beiden aber neben einem solchen gesunden Sinn für das wirkliche Leben auch noch einen äußerst starken Sinn fürs Mögliche in allen seinen Formen. Ihre Phantasie und ihre Neugier waren schier unendlich, auf alle Fälle gingen sie weit über das für Mäuse gewöhnliche Maß hinaus. Dass das Süße auch bitter schmecken könnte sowie das Schwere auch leicht sein, dass die Mäuse die Katzen jagen könnten, der Bauer mit seiner Familie in der Scheune wohnen und Mäusenbroich im warmen Bauernhaus liegen könnte oder dass man eines Tages eine riesige, vor allem aber leckere dreistöckige Sahnetorte in der Scheune finden könnte, waren Gedanken, die sie sich nur zu gern machten. Kaum war ein solcher Gedanke von einem der beiden geboren und dem anderen erzählt, bekam er Junge, die in wenigen Augenblicken so groß wurden, dass sie – eh man sich’s versah – gleich selbst wieder neue Gedanken auf die Welt brachten. Wen kann es da verwundern, dass Benno Benoni eines Tages das Fernweh befiel und seine kleinen Füße zu kribbeln anfingen, wenn er an die große weite Welt jenseits von Mäusenbroich dachte und daran, was es da womöglich alles zu sehen geben könnte.

Zuerst hatte er seinen Plan, Mäusenbroich zu verlassen, mit Biggi Batsch besprochen. Sofort war sie Feuer und Flamme gewesen und hatte Benno Benoni mit der berühmten Maus Kolumbina verglichen, die unter Kolumbus auf der Santa Maria als erste europäische Maus Amerika entdeckt hatte. Die beiden hielten es sogar für wahrscheinlich, dass Kolumbina ein paar Minuten vor Kolumbus das damals unbekannte Land betreten hatte, weil sie kurz entschlossen losgeschwommen war, noch bevor der große Seefahrer die Schaluppe für die Landung zu Wasser gebracht hatte. Wie hätte sie auch erwarten können, dass Kolumbus ihr einen Platz in seinem Boot anbieten würde, da er nicht einmal wusste, dass sie die ganze Zeit auf der Santa Maria an Bord gewesen war? Den Beweis dafür findet man übrigens ganz leicht in Kolumbus’ Logbuch, denn dort wird Kolumbina mit keinem Wort erwähnt.

An einem großen Vorbild mangelte es Benno Benoni also nicht. Aber dennoch war es natürlich ein großes Risiko, das er einzugehen beabsichtigte. Denn seit den Tagen von Kolumbina hatte sich die Welt gewaltig verändert. Auch war man sich nicht ganz sicher, ob die Geschichte von Kolumbina sich wirklich so ereignet hatte, wie sie immer erzählt wurde. Vor dem Hintergrund der Idylle von Mäusenbroich, wo das Leben mehr Schnitzel als Kartoffelsuppe war, konnte man umso weniger verstehen, warum um alles in der Welt jemand auf so eine verrückte Idee wie Fernweh kam. Hier die behütete und gefahrlose Welt von Mäusenbroich und jenseits des Hofes eine Welt, über die man nicht viel oder fast gar nichts mehr wusste. Je besser es den letzten Generationen in Mäusenbroich nämlich ergangen war, desto weniger Mäuse waren auch nur eine Zeitlang in die Ferne geschweift. Wozu auch? Wie es Mäusen erging, die sich zu weit aus Mäusenbroich herauswagten, wusste man ja noch von Fortunatus Maximus. Im Grunde bestand die Welt der Mäusenbroicher nur aus ihrer Stadt und dem Hof des Bauern Mühdichsehr, in dessen Scheune sich Mäusenbroich befand. Das war aber für Benno Benoni zu wenig, viel zu wenig. Sosehr er auch an Biggi Batsch hing und deswegen seinen Plan bislang immer wieder verschoben hatte, er musste über den Hof hinaus und die Welt erkunden, selbst wenn er nach seiner Rückkehr dieselbe Meinung haben sollte wie die meisten Mäusenbroicher: dass es nämlich nirgendwo so schön sei wie im fast perfekten Mäusenbroich. Aber das würde dann zumindest seine eigene Meinung sein, für die er seine eigenen guten Gründe würde liefern können.

Immerhin konnte Benno Benoni, während er seine Reise immer wieder hinauszögerte, sich gründlich überlegen, was er mitnehmen wollte. Da Mäuse ja auf allen vier Pfoten laufen, wäre natürlich ein Koffer oder eine Tasche, die man tragen müsste, äußerst unpraktisch. Das ist auch der Grund, weswegen sich diese für Menschen nützlichen Reisehilfen bis zum heutigen Tag bei Mäusen nicht durchsetzen konnten. Auch Rucksäcke erwiesen sich als äußerst unpraktisch. Zum einen würden sie so einem Mäuschen ständig über den Kopf rutschen, zum anderen könnten sie überaus hinderlich werden, sobald eine Maus auf der Flucht vor einer Katze blitzschnell in ein winziges Loch schlüpfen muss. Die Maus wäre eine leichte Katzenbeute nur wegen ihres Rucksacks! Gott sei Dank braucht eine Maus keine Fahrkarten für Zug, Schiff oder Bus. Ein günstiger Augenblick, in dem man sich unbemerkt an Bord schleicht, reicht vollkommen aus. Auch das Aussteigen funktioniert in gleicher Weise. Wer hätte auch schon einen Schaffner gesehen, der unter allen Bänken und Tischen, in jedem Winkel und auf allen Schiffs- und Wagendächern nachsieht, ob sich nicht doch vielleicht ein Mäuschen mit an Bord geschlichen hat. Kein Schaffner tut so etwas, weshalb jede Maus natürlich davon ausgeht, dass sie von alters her bei Schaffnern als blinde Passagiere geduldet, ja sogar willkommen sind. Auch mit Ausweispapieren kann eine Maus nicht viel anfangen, und wem sollte sie auch so etwas zeigen? Als Maus reist man ganz unbeschwert: Man läuft in eine Richtung, immer weiter, kehrt einfach nicht um, geht noch ein paar Schritte weiter, und schon ist man auf einer Reise. Sosehr also Benno Benoni auch grübelte: Ihm fiel einfach nichts ein, was er auf seine Tour mitnehmen könnte außer zwei Paar gut trainierte Mäusefüßchen. Aber die hatte er ja ohnehin immer dabei.

So kam Benno Benoni irgendwann zu dem Schluss, einfach am nächsten Morgen seine Reise zu beginnen. Da er aber keine Vorstellung davon hatte, in welche Himmelsrichtung zu laufen das Klügste war, beschloss er, auf Biggis Blick beim Abschied zu achten. Würde sie beim Abschied ihren Kopf leicht nach links wenden, dann würde er seine Reise linker Hand antreten, und rechts natürlich ebenso. Sollte sie ihr schönes Mäusehaupt aber nach unten senken, so würde er kehrtmachen und in genau die entgegengesetzte Richtung laufen. Höbe sie ihren Kopf, so würde er einfach geradeaus laufen. Biggi hatte selbstverständlich keine Ahnung, dass sie für Benno zur Schicksalsgöttin werden würde und alle folgenden Abenteuer genau genommen bei ihr den Anfang nahmen. Aber Benno mochte den Gedanken, auf diese Weise mit Biggi Batsch verbunden zu sein, was immer ihm auch geschehen sollte.

Abschied

Bamsi musste wohl eines der letzten Gespräche zwischen Biggi und Benno belauscht haben. Denn offensichtlich schien die ganze Mäusesiedlung bereits zu wissen, dass Benno für längere Zeit das Weite suchen und Mäusenbroich verlassen wollte. Den meisten Bewohnern von Mäusenbroich war das allerdings ziemlich egal. Und wer es nicht gleich wieder vergessen hatte, freute sich sogar. Schließlich blieb mehr für alle übrig, wenn ein tüchtiger Kostgänger von Scheune und Vorratskammer wegfiel. In Mäusenbroich hatte zwar noch nie eine Maus hungern müssen, aber da die allermeisten Mäuse nun einmal ängstliche Tiere sind, war ihnen jeder Mitesser lieb, der anderenorts sein Auskommen suchte. Außerdem waren die meisten Mäusenbroicher auch nicht sonderlich erstaunt, als sie von dem in ihren Augen wahnwitzigen und völlig verrückten Plan hörten, hielten sie doch Benno Benoni ohnehin für einen Tagträumer. Offensichtlich war also niemand so richtig traurig über Bennos Entschluss – mit Ausnahme von Biggi Batsch natürlich. Vor lauter Abschiedsschmerz wollte sie sich mit Benno vor seiner Abreise überhaupt nicht mehr treffen, damit er sie nicht weinen sehe und ihr kleines Mäuseherzchen nicht vor Kummer zerbreche. Ohnehin fing ihr Herz immer schon zu rasen an, sobald sie Benno sah. Fünfhundert Mal pocht das Herz der Maus in einer Minute. Aber wenn Biggi Benno sah, dann gab es noch hundert anstrengende Schläge extra. Wer konnte sicher sagen, ob ihr Herz einen solchen Abschied unbeschadet überstehen würde? Dass Benno dann nicht hätte wissen können, in welche Richtung er seine Reise beginnen sollte, wäre noch sein geringstes Problem gewesen. Sicherlich hätte er die ersten Tage seiner Reise nicht einmal sehen können, wohin er lief, weil seine Augen ständig mit Tränen benetzt gewesen wären. Und wer schon einmal so richtig weinen musste, weiß, dass durch Tränen sehen auf eine verschwommene und traurige Welt sehen heißt, für die zu interessieren sich nicht lohnt. Wahrscheinlich wäre Benno überhaupt nicht auf Reisen gegangen und die Geschichte wäre schon zu Ende gewesen, bevor sie überhaupt so richtig angefangen hätte. Aber Benno war ihr wichtiger als ihr Herz, und so kam Biggi Batsch dann schließlich doch, um sich von Benno zu verabschieden.

Aber bevor Benno sich mit Biggi an ihrem gemeinsamen Lieblingsplatz im Stroh traf, lief er leider noch Akademus in die Arme. Akademus war nur bei wenigen beliebt, weil er als ein rechter Schlauberger und Besserwisser galt. Darum hatte er von Biggi Batsch und Benno Benoni auch den Spitznamen Schlausimausi erhalten.

Es hatte immer schon zu den phantasiereichen Beschäftigungen der beiden gehört, sich für die Mäuse von Mäusenbroich andere, bessere Namen einfallen zu lassen. Stundenlang hatten sie alle möglichen lustigen Namen für ihre Mitbewohner gesucht, die die jeweiligen Eigenschaften des Körperbaus, der Sprache, des Charakters und was sonst eben so eine Maus zu einer unverwechselbaren Maus macht, sprechend zum Ausdruck brachten. Sie hatten ohnehin nicht verstehen können, warum man den Mäusen nicht gleich den Namen gab, der auch etwas über sie auszusagen vermochte. Es wäre doch viel besser, wenn schon der Name etwas über seinen Besitzer offenbaren würde. Wenn man etwa hörte, die Maus Dünnspeck habe einen neuen Weg gefunden, wie man in die Vorratskammer der Mühdichsehrs gelangen könne, dann wäre es doch hilfreich, nicht von Dünnspeck, sondern von Dickmaus zu reden. So hätte auch jeder, der Dünnspeck nicht kannte, sofort einiges über den neuen Weg zur Vorratskammer vom Bauern Mühdichsehr erfahren. Denn die Maus Dünnspeck war ungefähr so dick wie drei Mäuse zusammengenommen. Wenn man dann hörte, dass Dünnspeck, die eigentlich Dickmaus heißen sollte, einen neuen Weg in die Vorratskammer gefunden hatte, dann legte das nahe, dass dieser Weg von allen leicht benutzt werden konnte. Denn wo Dünnspeck durchpasste, passten die anderen Mäuse sowieso durch. Wahrscheinlich konnten sie sogar auf dem neuen Weg zu dritt nebeneinander in die Kammer marschieren.

Nun stand also Benno Benoni vor Akademus, der eigentlich Schlausimausi heißen sollte, weil er so ein nerviger Schlauberger war. Benno musste jetzt sehr aufpassen, dass ihm nicht aus Versehen der mit Biggi Batsch erdachte Spitzname über die Lippen rutschte, wenn er mit Akademus sprach. Akademus war nämlich nicht nur ein blutleerer Besserwisser, sondern hatte auch noch eine äußerst anmaßende und selbstgefällige Art, sein Gegenüber zu belehren. Da es außer seiner Einbildung keinen erkennbaren Grund gab, warum Akademus so von oben herab mit anderen sprach, konnte ihn natürlich niemand ernst nehmen. Sagen wollte ihm das aber natürlich auch keiner, da er ja außer seiner Einbildung nichts anderes hatte. Und wer hätte ihm schon das Letzte nehmen wollen? Außerdem wäre es mit Sicherheit auch zwecklos gewesen. Denn bei solchen Leuten hilft alles Reden nicht. Er war einfach ein unbelehrbarer Schlauberger.

»Ich»– allein schon die Betonung und Dehnung dieses Wortes zeigte die hohe Meinung an, die Akademus von sich selbst hatte – »Ich hätte nicht gedacht, dass du so klug bist, vor deiner Reise mich aufzusuchen und um Rat zu bitten.«

Benno Benoni wollte schon höflich antworten, dass er keineswegs Akademus aufzusuchen vorhatte und dieses Treffen ihm leider vom Zufall diktiert worden sei. Aber dazu kam er nicht. Denn ohne auch nur den Gedanken an eine möglicherweise erfolgende Antwort auf seine Eröffnung zu fassen, fuhr Akademus fort:

»Aber wenn du mich schon bittest, so will ich dir aus meinem reichen Schatz von Erfahrungen und Wissen reichlich und umsonst so einiges mit auf den Weg geben. Doch zunächst jedoch darf ich dir gratulieren, dass du unter allen Mäusen in Mäusenbroich mich als deinen Instruktor erwählt hast, um dir das nötige Rüstzeug für deine Vorhaben zu verschaffen. Eine wirklich kluge Wahl! Vielleicht sogar die beste in deinem bisherigen Leben. Ich kann nur hoffen, dass du auch weißt, warum deine Wahl so ausgezeichnet ist: weil es einfach keinen Besseren als mich gibt, wie ich leider mit großem Bedauern seit Jahren jedes Mal aufs Neue feststellen muss. Du kannst mir glauben: Es ist einsam in den hohen Sphären, in denen zu leben mich meine eminente Intelligenz und Bildung emporgehoben haben.«

Benno verschlug es zuerst die Sprache, und dann klappte seine Kinnlade nach unten. Weder hatte er Akademus um etwas gebeten, noch wollte er irgendetwas von seinen angeblichen Erfahrungen mit auf den Weg bekommen, von denen ohnehin jeder in Mäusenbroich wusste, dass er sie auch nur vom Hörensagen gewonnen und keineswegs durch eigene Abenteuer und Reisen erlangt hatte. Wie immer redete dieser Zungenheld und Sprücheschmied jetzt schon eine ganze Weile, ohne auch nur irgendetwas Brauchbares gesagt zu haben. Seine Reden rochen nach dem ranzigen Öl alter Studierlampen und schmeckten nicht nach dem Tau frischer Wiesen. Seinen Worten hörte man an, dass sie nicht um die tausend Einwände wussten, mit denen sie aufs widersprüchlichste verbunden waren. Seine Sätze waren wie eine inflationäre Währung, die ihren Wert verloren hatte. Zwar hielt er sich selbst für klug und sogar weise. Doch wirklich klug und weise ist man in Wahrheit immer nur für andere. Kein Wunder, dass die meisten Opfer von Akademus’ weihevollen Reden harthörig wurden. Benno wäre dem sich anschließenden Monolog mit einer gewissen Belustigung gefolgt, wenn er nicht ständig an die bevorstehende Begegnung mit Biggi Batsch hätte denken müssen, die ihm so viel bedeutete. Er achtete deshalb nur darauf, dass ihm die vermeintlich guten Ratschläge Akademus’ nicht die Laune verdarben, und hielt weiterhin den Mund. Nichts zu sagen, dafür hatte er auch gute Gründe. Denn zum einen war Akademus noch nie auf die Fragen seiner Gesprächspartner eingegangen, und zum anderen konnte Benno Benoni so in aller Ruhe darüber nachdenken, was er Biggi zum Abschied sagen wollte. Selbstverständlich wusste Benno, dass es unhöflich war, seinem Gesprächspartner nicht zuzuhören. Aber andererseits war er natürlich auch nicht ganz freiwillig in diese Unterhaltung geraten, die eigentlich keine war, da ja nur Akademus redete. »Wenn es Augenlider gibt, warum gibt es eigentlich dann keine Ohrenlider?«, schoss es Benno durch den Kopf, während er sich auf das Gespräch mit Biggi zu konzentrieren suchte und nur ab und an ein paar Wortfetzen von Akademus in sein Ohr drangen.«... die Maus an sich ist ein ...«, hatte er gerade die näselnde Stimme von Akademus sagen hören. Benno dachte bei sich: »Ach, wann hört der endlich auf! Nur, wenn ich ihn jetzt unterbreche, dann fängt er womöglich von vorn an, und dann dauert es noch länger! Also doch lieber ein interessiertes Gesicht machen und an etwas anderes denken. Dann geht diese Prozedur schon vorüber, und Akademus kann überall herumerzählen, dass er mir noch ein paar außerordentlich nützliche Ratschläge gegeben hat. Das wird seine sehr gute Meinung von sich selbst noch weiter ansteigen lassen. Oh, wenn ich doch nur Ohrenlider hätte!« Dann hörte er wieder einen kleinen Fetzen von Akademus’ Rede:«... seitdem es überhaupt Mäuse gibt ...« Jetzt war Akademus offensichtlich bei dem Teil der Weltgeschichte angelangt, in dem Mäuse eine Rolle zu spielen anfingen. Das ist bekanntlich sehr früh. Darum stellte sich Benno schon darauf ein, irgendwann einmal die Namen Alexander und Hannibal zu hören, der Elefanten wegen, die man mit Mäusen hätte besiegen können, wenn die Perser und Römer sich nicht zu fein gewesen wären, ein paar Mäuse in ihren Schlachten einzusetzen, am besten mit leichter Panzerung. Dass so eine Maus einen Elefanten besiegen kann, hatte Benno immer wieder in Mäusenbroich gehört. Allerdings hatte er noch nie eine Maus getroffen, die es tatsächlich einmal mit einem Elefanten aufgenommen hätte. Irgendwie hatte der Bauer Mühdichsehr, in dessen Scheune Mäusenbroich lag, auch kein Interesse an der Elefantenzucht. Um einen Elefanten zu besiegen, so wurde erzählt, muss man ihn nur anknabbern oder in seinen Rüssel kriechen. Ganz einig war man sich da in der Überlieferung nicht. Aber dass Elefanten Mäuse fürchten, darin waren sich alle einig. Schließlich verlieh diese Vorstellung den Mäusen ein gewisses Gefühl der Macht, und nur zu gern hätte man diese Geschichte auch dem Kater Schnurr erzählt, damit er in Zukunft mit etwas mehr Respekt auf die Mäuse sehen würde. Aber vermutlich hätte Kater Schnurr dies nur für einen schlechten Witz und sich seinen fetten Bauch vor Lachen gehalten. Da Benno ein guter Schauspieler war, fiel es ihm nicht schwer, bei Akademus den Eindruck zu erwecken, als hinge er an seinen Lippen, während seine Gedanken doch die ganze Zeit bei Biggi Batsch waren. Nur ab und an drangen immer wieder Splitter der Rede von Akademus in sein Ohr, die ihm zeigten, wie weit die Schlaubergermaus, die wahrscheinlich nicht einmal Speck von Schinken unterscheiden konnte, gerade in ihrer Rede gekommen war. Er musste Schlausimausis Erwähnungen von Alexander und Hannibal wohl überhört haben, denn plötzlich vernahm er:«... wenn nicht Napoleon in der Nacht vor der Völkerschlacht bei Leipzig durch das Rascheln eines unserer Artgenossen geweckt worden und darum den ganzen Tag so müde gewesen wäre ...« Oh! Akademus war also schon im Jahre 1813 angelangt. Akademus musste wohl noch etwas vorhaben, wenn er heute in solchem Schweinsgalopp die weltgeschichtliche Bedeutung der Maus durcheilte. Benno sollte das natürlich recht sein, und er würde gewiss nicht nachfragen, ob die Belagerung Wiens 1683 nicht auch noch einer längeren Erwähnung wert gewesen wäre. Immerhin wurde bei der Belagerung ziemlich viel gegraben und gebuddelt. Wäre doch merkwürdig, wenn sich da nicht auch ein paar Mäuschen in den Schützengräben vor der Stadt und den Minen unter den Befestigungsanlagen herumgetrieben und die Geschicke der Menschheit entscheidend gelenkt hätten. Aber natürlich wollte Benno Schlausimausi nicht auf den Gedanken bringen, seinen Vortrag noch auszuweiten. Vielleicht hatte Akademus diese historischen Details auch alle bereits genannt und Benno hatte sie einfach überhört, weil er in Gedanken bei Biggi war. »Eingedenk all dieser Lehren, die du von mir zu hören die Ehre hattest, bist du nun in der Lage, erfolgreich in der Welt dein Glück zu machen!«, schloss Akademus. Benno war erstaunt, dass die Rede von Akademus schon vorüber sein sollte. »Das ging ja heute recht flott!«, dachte er. Natürlich wusste Benno, dass die Ansprache von Akademus ihm nicht würde helfen können, selbst wenn er zugehört hätte. Was Akademus erzählte, war eine Art von Wissen, das keinerlei Berührungspunkte zum wirklichen Leben hatte. Deswegen konnte es auch nie jemand widerlegen. Es gab einfach keine Brücke zwischen dem Leben einer Maus und den Wahrheiten, die Akademus verbreitete. Das machte beide Seiten auch voreinander sicher. Wer kann schon sagen, welchen Wert eine Wahrheit hat, nach der man nicht leben kann. Akademus hatte also sein Werk getan, das so gar nicht von der Mäusenbroichschen Welt war. Benno hatte sich als klug genug erwiesen, auf Akademus und seine Weisheiten wie auf ein anderes Ufer zu schauen, an das man nicht ohne Verlust gelangen kann, weil es weder Brücken noch Fähren gibt, und an das hinüberzuschwimmen zugleich bedeutete, die Gewissheit schenkende Verbindung zwischen den eigenen Gedanken und ihren Entsprechungen im eigenen Leben zu zerstören. Die über wahr und falsch entscheidende Verbindung zwischen dem Reich der Gedanken und seinem echten Leben wäre verlorengegangen. Zwar hätte man an diesem anderen Ufer leicht alle möglichen intellektuellen Kunststückchen vollführen können. Aber sie hätten doch alle keinen Wert mehr besessen. Man kann zwar an viele Wahrheiten glauben, aber leben kann man immer nur nach einer.

Benno stand jetzt jedoch nicht der Sinn danach, über solche Fragen nachzudenken. Flink verabschiedete er sich von Akademus, verneigte sich sogar leicht vor ihm, wie es dieser sicherlich auch erwartet hatte, murmelte piepsend noch etwas von«... außerordentliches Niveau ...« und«...tief beeindruckt und beglückt ...« und war, husch, schon um die Ecke geflitzt, bevor Akademus nur die geringste Gelegenheit bekommen würde, diese nur leicht hingepiepsten Brocken aufzunehmen, um sich in einer salbungsvollen Selbstwürdigung zu ergehen, die sich natürlich ganz unter dem Mantel demutsvoller Bescheidenheit  drapieren würde. Benno hatte jetzt andere Sorgen und Freuden. Biggi zu treffen war unter den Freuden natürlich die größte. Dass dies aber für längere Zeit das letzte Mal sein würde, machte ihn traurig und sein Herz schwer.

Biggi wartete schon an dem vereinbarten Platz.

»Entschuldige bitte, dass ich zu spät komme!«, piepste Benno kaum hörbar. »Hast du schon lange warten müssen? Leider ist mir Schlausimausi mit seinen unbrauchbaren Ratschlägen noch über den Weg gelaufen. Ich habe mich beeilt, sosehr ich konnte!«, und schaute dabei mit traurigen Augen auf Biggi.

»Du musst dich nicht entschuldigen. Du bist keineswegs zu spät! Ich bin auch gerade erst gekommen«, sagte Biggi, obwohl Benno natürlich zu spät gekommen war und Biggi schon den halben Tag an der vereinbarten Stelle im Stroh gewartet hatte, um Benno ja nicht zu verpassen.

»Vielleicht sollte ich doch erst morgen losziehen!«, sagte Benno mit einem leisen Seufzen in der Stimme, das sich beim Gedanken an die bevorstehende Trennung in seinen Satz mischte.

»Würde das denn etwas ändern? Hast du deine Reise nicht schon zu oft verschoben?«

»Natürlich würde es etwas ändern: Ich könnte dich morgen wiedersehen!«, antwortete Benno mit einer Stimme, die schon verriet, dass dieser Gedanke ihm Freude bereitete.

»Natürlich wäre das schön, und nichts würde ich mir mehr wünschen als das!«, entgegnete Biggi mit schon von Tränen feuchten Augen.

Benno wusste, dass sie beide gleich über den bevorstehenden Abschied zu schluchzen anfingen, wenn das Gespräch nicht rasch eine Wendung nähme.

»Andererseits bin ich natürlich auch einen Tag eher zurück, wenn ich heute schon gehe. So gesehen wäre es mir am liebsten, ich wäre schon vor langer Zeit gegangen und dies wäre unser Wiedersehen nach meiner Reise. Aber wir können jetzt unmöglich Wiedersehen feiern, wenn ich noch nicht einmal weg war«, versuchte Benno dem Gespräch eine scherzhafte Wendung zu geben.