Beste Freunde - Heinrich P. Schmitz - E-Book

Beste Freunde E-Book

Heinrich P. Schmitz

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Beschreibung

Mina und Vanessa bekommen von ihren Eltern Zeugnisgeld und wollen mit der Bahn nach Kiel fahren um einige Kleinigkeiten zu kaufen. Sie können aber nicht mit der Bahn fahren, weil jemand ein großes Stück Signalkabel gestohlen hat. Auf dem Rückweg sehen sie durch Zufall einen Mann namens Julian Köhler, der in seinem Garten mit einem dicken Kabel hantiert. Dadurch wird ihr kriminalistisches Interesse geweckt. Schnell stellt sich heraus, dass der Mann nichts mit dem Diebstahl zu tun hat. Gleichzeitig macht sich ein Jugendlicher aus dem Ort verdächtig. Ein Gespräch zwischen dem Jugendlichen und zwei Motoradfahrern bringt die beiden Mädchen auf die Spur eines Verbrecher-Trios. Bei ihrer Detektivarbeit geraten die Kinder in einige gefährliche Situationen. Ihr Hund Picur gibt Ihnen aber eine gewisse Sicherheit und hilft ihnen in brenzligen Situationen. Als die Kinder genügend Beweise gesammelt haben, wenden sie sich an die Polizei. Dieser gelingt die Verhaftung der Diebe aufgrund der Informationen, die sie durch die Mädchen bekommen haben.

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Seitenzahl: 176

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Beste Freunde

Das Bahnkabel

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Personen:

Kapitel 1: Beste Freunde

Kapitel 2: Der Einkauf

Kapitel 3: Die Observation

Kapitel 4: Der Zufall hilft

Kapitel 5: Erste Zweifel

Kapitel 6: Ein neuer Verdacht

Kapitel 7: Bei Julian

Kapitel 8: Neuer Mut

Kapitel 9: Die Scheune im Wald

Kapitel 10: Der Beweis

Kapitel 11: Das Handy

Kapitel 12: Auf der Wache

Kapitel 13: Kommissar Beck

Kapitel 14: Der Einsatz

Impressum neobooks

Personen:

Vanessa Leon                   Die ältere der beiden Freundinnen

Miamina Fiori                   Ist nur zwei Wochen Jünger als Vanessa, sie wird kurz Mina genannt

Picur                               Ein Leonberger, der treue Hund der Beiden. Den Namen spricht man Pizur aus.

Marcel Leon                     Vanessas Vater

Alexandra Leon                Vanessas Mutter

Mia Fiori                          Minas Mutter

Franko Fiori                     Minas Vater

Luca                               Ein Jugendlicher aus Willow einem Vorort von Kiel,

Daniel                             ist Lucas Bruder, er geht in die gleiche Schule wie Mina und Vanessa

Julian Köhler                   Ein Elektriker und Nachbar von Mina und Vanessa

Hauptwachtmeister          Ein Polizist in WillowKlaus Struve                     

Kapitel 1: Beste Freunde

Mina war auf dem Weg zu Ihrer besten Freundin Vanessa. Die beiden Mädchen wohnten in einem kleinen Ort namens Willow nahe bei Kiel. Minas Eltern hatten ein Einfamilienhaus in der Lindener Straße. Vanessa wohnt nur zwei Straßen weiter. Auch Vanessas Eltern haben ein kleines Haus mit einem Garten, das dem von Minas Eltern gleicht.

Die beiden Freundinnen kannten sich schon von ihrer Geburt an. Mina war genau zwei Wochen jünger als ihre Freundin Vanessa.

Die Eltern der beiden Kinder waren schon lange vor der Geburt der beiden Mädchen befreundet. Ihre Väter waren zusammen in Willow in die Schule gegangen. Alex, Vanessas Mutter und Minas Mutter, Mia, trafen sich mehrmals in der Woche. Sie gingen gemeinsam zum Sport oder zum Einkaufen und manchmal tranken sie auch nur Kaffee zusammen und redeten über alles Mögliche. Es war eine richtig gute Freundschaft.

Irgendwann, vor zwölf Jahren, saßen die beiden Frauen beim Kaffee zusammen und redeten über alle möglichen Sachen, aber diesmal war es anders als sonst. Beide Frauen wirkten irgendwie mit ihren Gedanken abwesend.

Dann sagte Alex: „ich muss dir etwas sagen!“

„Ich dir auch.“ Erwiderte Mia.

„Ok, dann schieß los“ sagte Alex.

„Nein, du zuerst. Du hast dich zuerst gemeldet.“

„Also gut!“, begann Alex: „Ich denke, wenn man so gut befreundet ist wie wir beiden, dann sollte man wichtige Ereignisse zuerst dem Anderen anvertrauen, oder nicht?“

Minas Mutter verstand nicht sofort, dass Alex sich selber meinte, deshalb war sie etwas irritiert, und sagte: „Ja, schon, aber was meinst du?“.

„Eine Schwangerschaft zum Beispiel, die verändert das Leben einer Familie grundlegend.“ Jetzt war Minas Mutter erst recht erstaunt. Alex konnte doch noch gar nicht wissen, dass sie schwanger war. Oder hatte sie sich so verhalten, dass Alex es ihr anmerken konnte. „Ja – aber. Woher weißt du das?“

„Na die Mittel solltest du aber kennen, die können für dich auch noch wichtig werden.“ Mia wirkte jetzt noch verwirrter „Sicher kenne ich die Mittel, aber ich habe doch noch mit niemandem darüber gesprochen.“

„Worüber hast du nicht gesprochen?“ Jetzt war Alex etwas irritiert. Das Gespräch nahm irgendwie einen merkwürdigen Verlauf, nicht so wie sie es sich vorgestellt hatte.

„Na über die Schwangerschaft.“, antwortete Mia.

„Über welche Schwangerschaft?“ fragte Alex jetzt.

„Über meine, oder warum bist du hier?“.

„Du bist schwanger?“, sagte Alex lang gedehnt. „Seit wann?“.

„Ich weiß es seit gestern, und wie bist du darauf gekommen?“.

„Ich bin überhaupt nicht darauf gekommen, dass du schwanger sein köntest.“ sagte Alex „ich wollte dir eigentlich mitteilen, dass ich schwanger bin.“

So erfuhren die beiden Frauen, dass sie gleichzeitig schwanger waren. Beide bekamen Mädchen. Vanessa erblickte als Erste das Licht der Welt. Mina ließ sich ein paar Tage mehr Zeit. Mina heißt eigentlich Miamina, aber sie hasst diesen Namen. Ihr Vater heißt Franco Fiori. Er hat Italienische Wurzeln. Sein Großvater war vor Jahren nach Deutschland gekommen. Seit dem lebt die Familie hier in Deutschland. Franko kann kaum ein Wort italienisch sprechen. Er ist jetzt Deutscher sagt er immer.

Auch Vanessas Eltern haben einen außergewöhnlichen Nachnamen. Auch bei Ihnen kommt der französische klingende Name vom Vater. Aber niemand weiß noch, wie sie nach Deutschland gekommen sind. Vanessas Eltern heißen Alexandra (kurz Alex) und Marcel Leon. Beide Familien leben schon seit Generationen hier in der Nähe von Kiel.

   Es sind nur ein paar hundert Meter vom Haus der Fioris zu Vanessas Elternhaus. Mina geht die Strecke in 4 Minuten. Da lohnt es sich meistens nicht, das Fahrrad aus dem Keller zu holen. Da ist man schneller zu Fuß. Besonders wenn es mit Picur, ihrem großen Hund, auf Tour geht. Das ist oft sehr anstrengend. Picur ist nicht nur außergewöhnlich groß, sondern auch bärenstark. Picur ist ein riesiger Leonberger, mit einem so dicken Fell, dass man zuerst durch zehn Zentimeter Haare muss, bevor man an den Hund kommt. Aber er ist auch so sanft und liebevoll, dass sich eigentlich niemand vor ihm fürchten sollte. Aber durch seine Größe und sein wuchtiges Fell sieht es aus, als käme ein grauer Löwe mit spitzer Schnauze auf einen zu.

Picur verdankt den beiden Mädchen sein Leben. Die Beiden fanden den Hund, als er noch ganz klein war. Er hatte einen gebrochenen Vorderlauf, und war fast verhungert, als die Mädchen ihn fanden. Sie brachten den Hund zu einem Tierarzt und die Rechnung des Tierarztes zu ihren Eltern. Daher war auch der Start für Picur nicht besonders gut.

Der Tierarzt war es, der Picur seinen Namen gegeben hat. Er kam aus Ungarn und nannte den Hund immer Picur als er ihn behandelte. Die Mädchen merkten sich den Namen und dachten wohl, dass er zu diesem Hund passt. Franko hat einmal nachgeforscht, was der Name bedeutet. Picur kommt aus dem Ungarischen und bedeutet so viel wie „Winzling“. Pici (das wird „pizi“ ausgesprochen) bedeutet klein oder wenig und Picur ist noch weniger als wenig. Daher passt der Name dann doch nicht so ganz zu einem solch großen Hund. Aber zum Glück kennt niemand die Bedeutung des Wortes.

Keiner der Familienoberhäupter wollte ein Haustier haben und schon gar keinen Hund. Hunde machen viel Arbeit, viel Schmutz, und man muss bei jedem Wetter mit ihnen raus - bei jedem Wetter! Aber wer kennt nicht die Überzeugungskraft eines Mädchens, das bei seinen Eltern etwas erreichen möchte. Und hier waren gleich zwei Mädchen am Werke, die versuchten ihre Eltern umzustimmen. Zunächst wurde natürlich immer der schwächere Teil der Familie überzeugt. Also wurde jedes Mal, wenn einer der Väter von der Arbeit nach Hause kam, auf ihn eingeredet. Trotzdem dauerte es mehrere Tage, bis zuerst die Väter und dann auch die Mütter weich wurden und den Kindern erlaubten, den Hund zu behalten.

So kam es, dass ein Hund bei zwei Familien lebte. Picur schadete das nicht, Alex sagte einmal, dass Picur von beiden Familien seine Klugheit bekommen hat. Und Picur ist auch ein sehr intelligentes Tier. Er ist kein wilder Kläffer und obwohl er keine besondere Erziehung bekommen hatte, ist er ein sehr folgsames Tier. Oft wundern sich die Leute, dass ein zwölfjähriges Mädchen mit einem Hund spazieren geht, dessen Schulterhöhe fast der des Kindes gleicht. Picur selber wusste vielleicht sogar, dass er den Beiden sein Leben verdankte, denn er zeigte eine sehr große Zuneigung zu den Beiden. So richtig glücklich ist er nur, wenn die beiden Mädchen mit ihm zusammen sind.

Das Erlebnis mit Picur machte die Mädchen zu wirklich besten Freundinnen.

Picur erkennt beide Mädchen blind. Er erkennt sie am Gang, an der Art wie sie die Treppe hoch gehen, oder an ihren Stimmen. Oft ist es so, dass er den Kopf hebt oder aufspringt und die Mädchen mit einem lauten „Wuff“ begrüßt und das schon bevor sie klingeln.

So war es auch heute. Picur lag in Vanessas Zimmer, das zur Straße hin lag. Als Mina am Fenster vorbei ging, hob Picur seinen Kopf und ließ das kurze „Wuff“ ertönen. Gleichzeitig lief er aufgeregt zur Wohnungstüre und wedelte kräftig mit seiner Rute. Vanessa rief ins Wohnzimmer: „Ich mache auf!“ und ging zur Haustüre, dann klingelte es.

Mina kam herein. Wie immer begrüßten die Beiden sich herzlich. Die Begrüßung mit Picur dauerte meist etwas länger. Wenn einer der Beiden kam, konnte man den Hund nur schwer beruhigen. So groß war seine Freude. Die Kinder hatten keine Hausaufgaben aufbekommen, denn sie hatten die Zeugnisse bekommen und die Sommerferien hatten begonnen. Daher nahmen sie Picurs Leine und verabschiedeten sich von Vanessas Eltern.

„Wo geht ihr hin?“ fragte Vanessas Vater. Er wollte immer wissen, wo die Kinder hin gingen. Nicht um ihnen nachzuspionieren, sondern für den Fall, dass etwas passierte, mit dem man nicht gerechnet hatte. Dann wusste er, wo er die Beiden suchen konnte. Sorgen machte er sich nicht, solange Picur bei ihnen war. Sein Aussehen schreckte so manchen ab. Eine Leine brauchte Picur eigentlich auch nicht. Er blieb immer in der Nähe der beiden Mädchen. Auch wenn einmal ein Hund auf der andern Straßenseite fürchterlich anfing zu kläffen, blieb Picur ganz ruhig und sah sich den anderen Hund an. Wie oft haben die Mädchen gelacht, wenn so ein kläffender Hund sein Herrchen über die Straße zerrte, und der Besitzer versuchte den Hund zurückzuhalten und laut schrie: „Fuß – Fuß! Bleibst du hier du blöder Hund!“

„Wir gehen mit Picur zum Waldspielplatz und lassen ihn dort ein wenig toben. In 2 bis 3 Stunden sind wir wieder hier. Spätestens aber um sechs Uhr“, sagte Vanessa. „Isst du heute bei uns mit zu Abend, Mina?“, fragte Vanessas Mutter.

„Ja, gerne, dann kann ich etwas länger hier bleiben. Meine Eltern wissen, dass ich hier bin.“ „Aber ihr geht doch jetzt weg, hast du ihnen das gesagt?“, fragte Alex.

„Ja, sicher, meine Eltern wissen doch, dass Picur reichlich Bewegung braucht. Falls sie mich suchen, rufen sie hier an. Dann könnt ihr ihnen sagen, wo wir hin gegangen sind.“, sagte Mina.

Also ging es los. Der Waldspielplatz ist etwa drei Kilometer von dem Wohnort der Beiden weg, also ein schöner kleiner Spaziergang für den Hund. Der Spielplatz ist ein beliebter Treffpunkt für junge Leute und auch für Ältere. Der Spielplatz war aufgebaut wie eine Landschaft. Im Zentrum waren zwei große Hügel und auf jedem ein Turm. Zwischen den beiden Türmen war eine Seilbrücke gespannt, die bei den Kindern sehr beliebt war. Der Sandkasten war wie ein Fluss zwischen den beiden Hügeln eingebettet. Die Turn- und Spielgeräte waren wie eine Burg aufgebaut. Brücken, Tunnel und Stege verbanden die einzelnen Geräte. Von dem linken Hügel konnte man in einer langen Röhrenrutsche herunterrutschen. Vom rechten Hügel führte eine lange Seilbahn herab, die wirklich Abenteuer bot, denn sie war nicht nur sehr lang, sondern auch sehr schnell.

Aber das Schönste war die Hundewiese, auf der man die Hunde auslaufen lassen konnte. Die Wiese war so groß, dass die Hunde sich aus dem Weg gehen konnten, wenn sie sich nicht mochten. Deshalb kam es selten zu Raufereien zwischen den Tieren. Es machte richtig Spaß, den verschiedenen Rassen beim Toben zuzusehen. Und auch Picur wusste schon wo es hinging, als die Drei die Richtung zum Wald einschlugen.

„Manchmal glaube ich, dass Hunde Lachen können.“, sagte Mina zu Vanessa. „Immer wenn wir hier lang gehen, meine ich, ein breites Grinsen auf Picurs Gesicht zu sehen.“

„Wie? Du siehst sein Gesicht?“ foppte Vanessa. „Ich sehe nur Haare. Aber ich bin mir auch sicher, er weiß wo es hingeht und sicherlich freut er sich.“

Heute war das Thema der Mädchen das Zeugnis. Beide hatten ein gutes Zeugnis bekommen. Zuerst waren die Noten das Thema. Wer war in dem Fach der Bessere und wer in dem Anderen. Der freundschaftliche Wettstreit zwischen den Beiden war ganz gesund, denn sie spornten sich dadurch gegenseitig zu bessern Leistungen an. Aber bald waren nicht mehr die Leistungen das Gesprächsthema.

„Mein Vater hat mir 50 € für mein Zeugnis gegeben. Mit dem, was ich mir erspart habe, habe ich über 100 €. Ich möchte mir davon neue Schuhe kaufen.“, sagte Vanessa.

„Meine Eltern überlegen noch, was sie mir geben sollen. Ich glaube, ich werde mit ihnen darüber reden. Geld ist das Beste für mich. Da kann ich mir holen, was ich möchte“ sagte Mina.

Vanessa war begeistert: „Dann können wir zusammen shoppen gehen. Wann hast du Lust?“

„Zum Shoppen? Eigentlich immer! Was hältst du davon, wenn wir gleich morgen nach Kiel fahren. Es ist doch Wochenende und wir haben noch nichts vor. Ich habe auch Erspartes, und ein paar Kleinigkeiten kann ich auch gebrauchen.“.

„Super Idee! Wir sprechen das gleich mit unseren Eltern ab. Vielleicht kannst du bei uns übernachten.“

Mina nahm Ihr Handy zur Hand, tippte eine Zahlenkombination und hob das Telefon ans Ohr. „Eigentlich doch eine gute Erfindung diese Dinger“, sagte sie zu Vanessa und dann: „Hallo Paps, Vanessa möchte morgen in die Stadt, Schuhe kaufen. Darf ich mit?“.

Nach einer kurzen Pause, in der Mina ihrem Vater zuhörte, sagte sie:

„Paps wir sind schon Zwölf! Wann dürfen wir denn das erste Mal alleine in die Stadt?“ - wieder eine Sprechpause. -

„Nein, gib mir nicht Mutti. Ich muss noch was mit dir besprechen. Es geht um mein Zeugnis.“ - Pause –

„Ich weiß, dass es gut ist, es ist nur so, Vanessa hat 50 € von ihren Eltern bekommen.“ - Pause –

„Nein, nein, das dürft ihr doch entscheiden. Oh, Klasse Papi, du bist super. Also darf ich mit? Bittöööh! Sonst ist Vanessa ganz alleine in der großen Stadt. Möchtest du das zulassen?“

- wieder eine kurze Pause –

„ Nein! Das ist keine Erpressung. Es ist nur—ich möchte so gerne mit fahren. Ich bin auch deine allerliebste Tochter.“ - Eine kurze Pause-

Mina hüpfte einmal kurz hoch und stieß einen kleinen Freudenschrei aus, aber nicht so laut, dass Ihr Vater es hören konnte. Vanessa aber konnte es sehen und auch hören. Sie sagte dieses kurze „Ja!“ mit den zwei Ausrufezeichen. Dann hörte sie Mina sagen:

„Sag du es bitte Mutti“ - und wieder eine Pause –

„Nein ich überlasse dir nicht die unangenehmen Dinge. Du kannst das nur besser erklären. Ich hab dich lieb.“ - Eine Unterbrechung - und dann:

„Da ist noch was, darf ich heute bei Vanessa übernachten? Wir wollen Morgen schon ganz früh losfahren. Da bietet sich das doch an, oder nicht?“

Nach einer Pause sagte sie: „Ja, das war alles. – Oder warte, einer müsste mit Picur raus. Nein, mehr kommt nicht.“ Nach einem langen, gedehnten „ääh-“ fragte Mina noch vorsichtig: „An wie viel dachtest du?“, und nach einer Pause:

„Nein, für das Zeugnis meinte ich.“ Nach wieder einer Pause, in der Mina zuhörte, sagte sie:

„Danke Papi! Ihr seid die besten Eltern der Welt.“, und damit legte Mina auf.

Die beiden Mädchen sahen sich an, dann zogen sie die geballte Faust zurück und sagten gleichzeitig das fröhliche „Ja!“ mit den zwei Ausrufezeichen, das Jugendliche nach so einem erfolgreichen Gespräch sagen.

Auf dem weiteren Weg zum Spielplatz gab es nur noch ein Thema: Was ziehst du an? Ich werde dieses anziehen. Wo gehen wir hin? Ich brauche dies. Du musst dir jenes unbedingt kaufen. Wann fahren wir los? Um Acht oder besser um Neun, da können wir länger schlafen. Mädchen eben, die in ihrer Begeisterung aufgehen. Erst auf dem Spielplatz, als sie noch andere Freunde trafen, kamen andere Gespräche auf.

Picur konnte mehr als zwei Stunden mit andern Hunden auf der Wiese tollen. Dann kam er zu den Mädchen und legte sich hin. Hechelnd ließ er seine Zunge locker seitlich aus der Schnauze hängen und sah Vanessa an.

„Ja, du siehst cool aus, so wie du guckst.“, sagte sie, „Schaffst du es noch nach Hause?“

„Wuff“ kam die Antwort.

„Das soll wohl ja heißen. Also gehen wir los, wir wollten um sechs zu Hause sein. Wenn du noch deine Sachen holen möchtest, dann müssen wir losgehen. Es ist schon nach fünf Uhr.“, sagte sie noch zu Mina.

Picur hatte auch bei Minas Eltern einen Schlafplatz. Als die Kinder bei den Fioris ankamen, wurden die Eltern gleich von Picur begrüßt. Dabei ging Picur zuerst zu Franco, holte sich seine Streicheleinheit ab. Dann ging er zu Mia und ließ sich auch dort streicheln. Dabei war Picur nicht aufdringlich. Er zeigte seine Freude, aber er sprang nicht an den Leuten hoch oder drängte sich auf. Er genoss es einfach, wenn man ihn beachtete. Tat man das nicht, dann ging er hin und stieß einem den Arm an und stellte sich in Position. Beachtete man das nicht, bekam man einen weiteren Stoß. Das ging dann so lange, bis Picur seine Streicheleinheiten bekam. Dann gab er Ruhe. Das war es auch, was Franco so an Picur liebte.

Auch die Kinder begrüßten die Erwachsenen: „Hallo Paps, hallo Mam!“. Das war Minas übliche Begrüßung, wenn man sich am Tag schon mal gesehen hatte. „Hallo Mia, Hi Franco, wie geht es euch?“.

Es gab immer die Zeit, ein paar nette Worte zu wechseln. So verwendete man einige Minuten, in denen Mia ihre Sachen für die Übernachtung packte, um einige Neuigkeiten auszutauschen. Für Franko war die Fahrt in die Stadt kein Thema mehr. Er hatte sie erlaubt, und damit war alles gesagt. Mia war schnell fertig. Sie benötigte nur ihre Kleidung für die Fahrt. Als sie mit einer kleinen Tasche aus Ihrem Zimmer kam, hielt sie auffällig Ihr Portemonnaie in der Hand. Das fiel Franco gleich auf. Aber er ignorierte es zunächst.

„Wann wollt Ihr wieder zurück sein?“, fragte er.

„Gegen drei Uhr. Wir kommen mit dem 14 Uhr 30 Zug aus Kiel und vom Bahnhof aus gehen wir zu Fuß. Wir kommen maximal eine Stunde später, weil wir noch mit Picur rauswollen.“

„Dann wünsche ich euch viel Spaß morgen, und gebt nicht so viel Geld aus.“ Dann griff er nach seiner Geldbörse und gab Mina ihr Zeugnisgeld.

„Danke Paps und bis Morgen.“, sagte Mina. „Bis morgen Mama, ich hab euch lieb.“ Aus der Küche kam die Antwort: „Viel Spaß und bis morgen.“

Kapitel 2: Der Einkauf

Am anderen Morgen standen die Kinder früh auf. Ihr Zug sollte schon um neun Uhr losfahren. Nach dem Frühstück wurde noch die Morgentoilette erledigt, und dann zogen sie sich an. Zwanzig Minuten vor neun Uhr gingen die Mädchen zum Bahnhof, auf ihre erste Einkaufstur ohne ihre Eltern. Der Weg zum Bahnhof war nicht weit. Schon nach fünf Minuten hatten sie den Bahnhof erreicht und die Karten am Automaten gezogen. „Wir sind viel zu früh losgegangen.“, bemerkte Vanessa. „Was machen wir jetzt noch? Wir stehen uns doch nur die Beine in den Bauch.“

Auch Mina sah auf ihre Uhr, und man konnte Ihre Ungeduld erkennen: „Es sind doch nur noch zehn Minuten, das halten wir aus.“

Zehn Minuten können sehr lange dauern, wenn man ungeduldig auf etwas wartet. Aber so lange mussten die Mädchen nicht warten. Schon nach wenigen Minuten kamen die ersten Informationen durch den Bahnhoflautsprecher. Die krächzende Stimme bat zunächst um die Aufmerksamkeit der Reisenden, um dann weiter zu sagen: „Wegen unvorhersehbarer Arbeiten an den Gleisanlagen fallen am heutigen Morgen alle Personenzüge in Richtung Kiel aus. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis 13:00 Uhr. Wir bitten sie, auf die Busverbindung nach Kiel auszuweichen. Die Bahnfahrkarten haben auch in den Bussen Gültigkeit. Die Bahn entschuldigt sich für die Unannehmlichkeiten.“

Mina war die etwas Ungeduldigere der Beiden, und sie lies Ihrem Unmut freien Lauf. „Mann, warum haben die das nicht schon zehn Minuten früher gesagt? Dann hätten wir noch den Bus um neun Uhr erreicht. Jetzt müssen wir bis halb Zehn warten, und der Bus braucht noch mal eine halbe Stunde. Dann sind wir erst um zehn Uhr in Kiel.“

„Na komm!“, sagte Vanessa. „Ändern können wir das sowieso nicht, und in zehn Minuten sind wir an der Bushaltestelle.“

„Ich will das doch gar nicht ändern.“, schimpfte Mina. „Aber was für Arbeiten gibt es, die man nicht voraussehen kann. Mir fällt da nicht viel ein.“

„Schimpf nicht, Mina. Wir haben doch Zeit genug, und sogar mehr als das. Lass uns losgehen.“

Es hatten sich schon einige Leute auf den Weg zur Bushaltestelle gemacht. Zum Bus musste man auf die andere Seite des Bahnhofes gehen. Man konnte die Bushaltestelle vom Bahnsteig aus sehen. Früher konnte man über die Gleise laufen und dann noch über ein Stück verwilderter Wiesen. Jetzt hatte man einen Zaun errichtet, weil es zu gefährlich ist, über die Gleise zu laufen. Deshalb mussten die Kinder fast einen halben Kilometer zum Bahnübergang laufen und dann auf die andere Seite der Gleise und wieder zurück.