Betamännchen - Stefan Bonner - E-Book
oder
Beschreibung

NOMINIERT FÜR DEN LOVELYBOOKS-LESERPREIS! Be|ta|männ|chen, das: orientierungsloser moderner Mann ohne festes Rollenbild (ugs. auch Vollidiot, Vollpfosten); vgl. in Abgrenzung: Alphamännchen, Alphaweibchen. Die Wahrheit über den modernen Mann ist erschütternd. Und urkomisch! Stefan Bonner und Anne Weiss, die Autoren von 'Generation Doof', erzählen von ihrem Leben als und mit Betamännchen. Ein Spaß für alle Männer auf der Suche nach der Männlichkeit. Und für die Frauen, die sich über sie wundern. Keine Frage, um die Männer ist es heute so schlecht bestellt wie nie. Ein Mann lebt kürzer als eine Frau, hat dafür aber eine deutlich höhere Chance auf eine Verhaltensstörung, Lernschwierigkeiten oder einen Platz auf der Sonderschule. Männer ruinieren Firmen, kommen ins Gefängnis, laufen Amok, werden rechtsradikal oder bringen sich um - Selbstmord ist bei ihnen die dritthäufigste Todesursache. "Sind die Männer noch zu retten?" fragen Anne Weiss und Stefan Bonner und erzählen ehrlich und erheiternd vom Dilemma des modernen Mannes: Anne ist mit ihrem Singleleben zufrieden. Doch plötzlich bekommen alle ihre Freunde Kinder und heiraten. Sie beschließt, nach dem Richtigen zu suchen, bevor es dafür zu spät ist. Leider hat sie nicht mit den Pannenmännern von heute gerechnet . . . Stefan hat nie gelernt, ein echter Mann zu sein. Aufgewachsen bei Mutter, Oma und Uroma, hatte er Ballettunterricht statt Fußballtraining und Puppen statt Bagger. Alles erst mal kein Problem. Aber jetzt wird er Vater. Und seine Freundin braucht dafür einen ganzen Kerl. "Das Ende des Mannes ist genau mein Thema. Ich bin Kriegsdienstverweigerer, bekennender Warmduscher und habe schon im Kindergarten nicht gerne um mich gehauen. Außerdem wird mich meine Frau wahrscheinlich um acht Jahre überleben. Es ist unerfreulich: Der Mann stirbt weg. Mit diesem Buch können Sie dabei sein." Dieter Nuhr "Männer sind eben doch oft nur Männlein. Glauben Sie nicht? Hier ist der Beweis!" Sonya Kraus Anne Weiss wurde 1974 in einem kleinen Ort bei Bremen geboren. Nach dem klassischen Taxifahrerstudium, Sprachen und Kulturwissenschaften, arbeitete sie als Lektorin bei einem großen Verlag und betreute neben Sachbüchern und Romanen auch Herrn Bonner. Mit ihm schrieb sie gemeinsam die Spiegel-Bestseller Generation Doof und Heilige Scheiße. Anne wurde erstmalig im Kindergarten mit Jungs konfrontiert. Seitdem wundert sie sich über sie. Stefan Bonner wuchs in einem Frauenhaushalt auf. Die Männerwelt mit ihren Eigenheiten ist ihm bis heute oft ein Rätsel. Deswegen ist er froh, dass er acht Stunden am Tag mit Anne verbringen darf, mit der er gemeinsam die Bastei Lübbe Academy leitet. Vorher hat er studiert, als Redakteur für Bizz und impulse gearbeitet und Romane übersetzt. Stefan lebt mit seiner Familie in der Heimatstadt von Heidi Klum. Aktuelle Tourtermine, Lesungen sowie das Blog "Betamännchen" finden Sie unter: www.bonnerweiss.de

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl:411


Inhalt

Cover

Über dieses Buch

Über die Autoren

Titel

Impressum

Widmung

Definition

Prolog – Sein Name ist Bonner, James Bonner

Erstes Kapitel – Hilfe, ich soll ein Mann sein

Zweites Kapitel – Hilfe, das soll ein Mann sein?

Drittes Kapitel – Von Männern und Schafen

Viertes Kapitel – Immer Ärger mit Benno

Fünftes Kapitel – Das Männerseminar

Sechstes Kapitel – Der Topfpinkler

Siebtes Kapitel – Stefan, c’est moi

Achtes Kapitel – Der Rammler

Neuntes Kapitel – Es muss immer Kaviar sein

Zehntes Kapitel – Schnittchen Schleicher

Elftes Kapitel – Guck mal, wer danebenhämmert

Zwölftes Kapitel – Breaking Ben

Dreizehntes Kapitel – Die Pralinensammlung

Vierzehntes Kapitel – Wen will ich, und wenn ja, wie viele?

Fünfzehntes Kapitel – Eine schwere Geburt

Sechzehntes Kapitel – Viel Wind um Windeln

Siebzehntes Kapitel – Der Kinderflüsterer

Achtzehntes Kapitel – Der Hyperventilator

Neunzehntes Kapitel – Der große Moment

Zwanzigstes Kapitel – Love me fender

Einundzwanzigstes Kapitel – Das Glück in der Westentasche

Zweiundzwanzigstes Kapitel – Doktor, Stefan krank

Dreiundzwanzigstes Kapitel – Das Haus am Ende der Straße

Vierundzwanzigstes Kapitel – Buddha bei die Fische

Fünfundzwanzigstes Kapitel – Unter Männern

Epilog – Ein Jahr später

Nachwort

Das Betamännchen-Experiment

Harte Fakten über weiche Kerle – Die traurige Gegenwart

Save the males – wir brauchen sie!

Ganz praktisch? Unsere Wunschliste

Weiterlesen

Danksagung

Über dieses Buch

Keine Frage, um die Männer ist es heute so schlecht bestellt wie nie. Ein Mann lebt kürzer als eine Frau, hat dafür aber eine deutlich höhere Chance auf eine Verhaltensstörung, Lernschwierigkeiten oder einen Platz auf der Sonderschule. Männer ruinieren Firmen, gehen ins Gefängnis, laufen Amok, werden rechtsradikal oder bringen sich um – Selbstmord ist bei ihnen die dritthäufigste Todesursache.

Sind die Männer noch zu retten?, fragen Stefan Bonner und Anne Weiss und erzählen ehrlich und erheiternd vom Dilemma des modernen Mannes:

Stefan hat nie gelernt, ein echter Mann zu sein: Aufgewachsen bei Mutter, Oma und Uroma, hatte er Ballettunterricht statt Fußballtraining und Puppen statt Bagger. Alles erst mal kein Problem. Aber jetzt wird er Vater. Und seine Freundin braucht dafür einen ganzen Kerl.

Anne ist mit ihrem Singleleben zufrieden. Doch plötzlich bekommen alle ihre Freunde Kinder und heiraten. Sie beschließt, nach dem Richtigen zu suchen, bevor es dafür zu spät ist. Leider hat sie nicht mit den Pannenmännern von heute gerechnet…

„Das Ende des Mannes ist genau mein Thema. Ich bin Kriegsdienstverweigerer, bekennender Warmduscher und habe schon im Kindergarten nicht gerne um mich gehauen. Außerdem wird mich meine Frau wahrscheinlich um acht Jahre überleben. Es ist unerfreulich: Der Mann stirbt weg. Mit diesem Buch können Sie dabei sein.“

DIETER NUHR

„Männer sind eben doch oft nur Männlein. Glauben Sie nicht? Hier ist der Beweis!“

SONYA KRAUS

Über die Autoren

Anne Weiss wurde 1974 in einem kleinen Ort bei Bremen geboren. Nach dem klassischen Taxifahrerstudium, Sprachen und Kulturwissenschaften, arbeitete sie als Lektorin bei einem großen Verlag und betreute neben Sachbüchern und Romanen auch Herrn Bonner. Anne wurde erstmalig im Kindergarten mit Jungs konfrontiert. Seitdem wundert sie sich über sie.

Stefan Bonner wuchs in einem Frauenhaushalt auf. Die Männerwelt mit ihren Eigenheiten ist ihm bis heute oft ein Rätsel. Deswegen ist er froh, dass er acht Stunden am Tag mit Anne verbringen darf, mit der er gemeinsam die Bastei Lübbe Academy leitet. Vorher hat er studiert, als Redakteur für Bizz und impulse gearbeitet und Romane übersetzt. Stefan lebt mit seiner Familie in der Heimatstadt von Heidi Klum.

Aktuelle Tourtermine, Lesungen sowie das Blog „Betamännchen“ finden Sie unter:

www.bonnerweiss.de

STEFAN BONNER/ANNE WEISS

BETAMÄNNCHEN

Sind die Männer noch zu retten?

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe

des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

1. Auflage: September 2014

Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte wurden Namen, Männer und Details verändert.

Originalausgabe

Copyright © 2014 by Bastei Lübbe AG, Köln

Textredaktion: Lisa Bitzer, Landau

Titelillustration: © iStock//Kyolshin und © Brent Hofacker/Shutterstock.com

Autorenfoto: Olivier Favre

Illustrationen: Jürgen Speh, Deckenpfronn

Umschlaggestaltung: Bettina Mayer, FAVORITBÜRO, München

E-Book-Produktion: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

ISBN 978-3-8387-5351-5

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Für alle Betamännchen

und die Frauen, die sie lieben

Be|ta|männ|chen, das:

orientierungsloser moderner Mann ohne festes Rollenbild;

vgl. in Abgrenzung: ↑ Alphamännchen, ↑ Alphaweibchen

PROLOGSEIN NAME IST BONNER, JAMES BONNER

»Manche Männer bemühen sich lebenslang, das Wesen einer Frau zu verstehen. Andere befassen sich mit weniger schwierigen Dingen, zum Beispiel der Relativitätstheorie.«

Albert Einstein

Es ist so weit. Nach der endlos scheinenden Warteschleife aus Praktikum, Volontariat und Assistenz im Heftromanbereich habe ich ihn endlich ergattert: den Traumjob, auf den ich schon so lange scharf bin. Heute ist mein erster Tag als Lektorin in einem Buchverlag.

Jetzt könnte das Leben richtig losgehen. Mein Schatz und ich könnten uns eine größere Wohnung suchen. Vielleicht sogar ein Häuschen im Grünen. Und wir könnten mit der Familienplanung beginnen. Wenn mir da im letzten Monat nicht ein unbedeutendes Detail einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte: mein Kerl.

Oliver und ich haben uns nämlich getrennt. Oder besser: Ich habe mich von ihm getrennt. Das war leider unvermeidbar.

Natürlich liebe ich Oli noch. So etwas lässt sich ja trotz allem nicht einfach abstellen. Immerhin waren wir fünf Jahre lang ein Paar. Ich habe all seine Geschenke und Liebesbeweise sorgsam in einer Kiste verstaut. Auch die Liebesbotschaften mit lustigen Tierzeichnungen, die er mir zu Beginn unserer Beziehung immer auf Post-its gekritzelt und in der Wohnung verteilt hat, damit ich sie finde, wenn ich morgens ins Bad gehe oder abends nach Hause komme. Solche Dinge wegzuwerfen käme mir vor, als würde ich mein Gehirn neu formatieren und die schönsten Erinnerungen freiwillig löschen. Oliver ist ja auch ein lieber Kerl. Und er ist einer der wenigen Männer, die wissen, welcher Liebesfilm aktuell im Kino läuft. Was daran liegt, dass er als Aushilfe an der Kinokasse jobbt. Ein Nebenjob, um seinen Beitrag zu den gröbsten Kosten zu leisten, denn Oli studiert leider immer noch. Und zwar seit vierzehn Jahren. Daran ist aber nur die Univerwaltung schuld. Sie hat in der Zwischenzeit überraschend die Prüfungsordnung verändert. Danach musste mein Freund noch mehr Scheine machen. Mein Traum von der Kleinfamilie rückte in immer weitere Ferne.

Olis Studienlethargie stellte unsere Liebe auf eine harte Probe: Urlaube waren nicht drin, es sei denn, ich legte das Geld dafür auf den Tisch. An eine größere Wohnung war nicht zu denken, er war mir selbst seinen Anteil der Miete für unseren Fünfundvierzig-Quadratmeter-Zweiraum-Käfig seit Monaten schuldig. Und dass er die Zeit, in der er kein Geld verdiente, lieber mit der PlayStation auf der Couch verbrachte, statt seinen Teil der Haushaltsarbeit zu übernehmen, war auch nicht gerade hilfreich.

Ich gönnte ihm das unbeschwerte Leben – zumindest am Anfang. Mit der Zeit kam ich mir aber vor wie ein Sherpa, der Oli auf dem Weg zum gemeinsamen Glück auf dem Rücken den Mount Everest hinaufschleppte. Würden wir jemals den Gipfel erreichen? Irgendwann hörte ich auf, daran zu glauben. Mit einem Mann wie Oli ein Kind zu bekommen, hätte bedeutet, für zwei Kinder zu sorgen, von denen eins bereits erwachsen war.

Nachdem Oli zum wiederholten Mal einen großen Schritt über den Wäschekorb machte, den ich als unmissverständliches Zeichen in den Flur gestellt hatte, setzte ich ihm die Pistole auf die Brust: Entweder er würde im nächsten Semester den letzten Schein machen und wir könnten unsere gemeinsame Zukunft mit Kindern, Haus und allem Pipapo endlich angehen – oder er wäre mich los. Ich flehte und schimpfte und weinte. Oli hielt die Füße still und den Hintern ins Sofa. Also zog ich die Konsequenzen und machte Schluss.

Dabei hatten wir gerade den Traumurlaub geplant, den ich schon immer machen wollte: von New York aus mit dem Auto die Ostküste entlang zum Tauchen nach Key Largo. Der ultimative Traum von Freiheit. Natürlich von meinem Ersparten.

Die Reise werde ich absagen. An Olis Seite hätte ich mich sicher gefühlt. Aber ohne Begleitung in diesem riesigen Land unterwegs sein und in irgendwelchen entlegenen Motels absteigen? Allein reisende Frauen werden da doch dauernd von Serienkillern ermordet.

Ohne Oli fühle ich mich furchtbar einsam. Wird das für den Rest meines Lebens so sein? Die Welt ist farblos und blass ohne jemanden, der einen liebt. Ich komme mir vor wie eine Legebatteriehenne, der man das Ei gestohlen hat. Und das Büro ist der Käfig, in dem ich fortan hocken muss. Ich habe zwar meinen Traumjob, doch selbst in dem bin ich erst mal: allein.

Der Schreibtisch, an dem ich sitze, ist viel zu groß für einen. Mir gegenüber müsste eigentlich noch jemand sitzen. Doch auf der breiten beigefarbenen Plastikplatte stehen bislang nur Monitor, Maus und Tastatur. Ein kleiner Ficus, den wohl mein Vorgänger zurückgelassen hat, trocknet auf einer Ecke des Fensterbretts vor sich hin. Plötzlich öffnet sich die Tür. Mein Chef, Herr Lindner, tritt ein – und mit ihm ein junger Mann, der mir vage bekannt vorkommt. Nur woher?

»Guten Morgen, Frau Weiss.« Herr Lindner nickt mir zu. »Darf ich Ihnen den Kollegen vorstellen? Stefan Bonner. Er ist schon länger bei uns, und ich habe mir gedacht, dass er Sie gut einarbeiten könnte. Sie werden sich das Büro mit ihm teilen.«

Jetzt fällt es mir ein. Ich habe Stefan beim Verlagsfest vor zwei Monaten gesehen. Als künftige Mitarbeiterin war ich da schon eingeladen. Er stand lässig mit einigen Prominenten neben der Rednertribüne und trank nicht Wein, wie alle anderen, sondern einen gepflegten Malt Whiskey. Und dann dieser Anzug! An den meisten Männern sieht so was aus wie ein ausgebeulter Kartoffelsack, und normalerweise bin ich nicht scharf auf die ganze Montur. Doch bei Stefan saß er wie angegossen, und in der Brusttasche steckte ein lässiges Einstecktuch, unter dem sich bestimmt ein durchtrainierter Brustmuskel verbarg. Gleich sagt er: Mein Name ist Bonner, James Bonner, dachte ich.

Tatsächlich erweckte Stefan damals den Eindruck, als würde er jeden Moment seinen großen Auftritt haben. Den hatte dann zwar der Verleger, als er das Büfett eröffnete, aber es dauert bestimmt nicht mehr lange, dann ist Stefan auch einer von denen da oben. Kurz gesagt: Was Erfolg angeht, ist er ganz sicher das Gegenteil von Oliver. Da kann sich die Frau an seiner Seite freuen.

Nur: Was sind das heute für Klamotten? Stefan trägt eine schwarzweiße Lederjacke mit rotem »No. 1«-Aufnäher und darunter ein grünes Shirt mit Applikation. Er sieht aus wie ein Clown! Wo ist der schnittige Anzug?

Egal, vielleicht wird doch noch alles gut, und ich muss nicht als einsame alte Schachtel enden. Viele große Liebesgeschichten beginnen bekanntlich am Arbeitsplatz.

Während ich schon überlege, in welchen Stadtteil wir ziehen und wie wir unsere Kinder nennen, treten die beiden Herren näher und Stefan stellt seine Tasche ab.

»Frau Weiss hat heute ihren ersten Tag als Lektorin«, erklärt unser Chef. »Ich wäre Ihnen dankbar, Herr Bonner, wenn Sie ihr alles zeigen, was sie wissen muss.« Er zwinkert mir zu. »Und Sie dürfen ihm ruhig auch alles zeigen, was er wissen muss.«

»Freut mich, dich kennenzulernen.« Stefan streckt mir die Hand entgegen. »Wir duzen uns doch, oder?«

Ich nicke. »Klar.«

»Dann wünsche ich Ihnen jetzt einen schönen ersten Arbeitstag bei uns«, sagt Herr Lindner in meine Richtung. »Wenn Sie etwas wissen wollen oder Herrn Bonner reklamieren möchten – Sie finden mich am Ende des Gangs.«

Nachdem die Tür hinter unserem Chef zugefallen ist, zieht Stefan endlich seine Lederjacke aus. Darunter kommt eine eher normalformatige Brust zum Vorschein. Und einen kleinen Bauchansatz hat er auch. Na ja, ein schöner Body wird auch überbewertet, es kommt doch auf die inneren Werte an.

Mein neuer Kollege beginnt, sich auf seiner Seite des Schreibtisches einzurichten. Er packt einen Block und Stifte aus, dann stellt er die gerahmte Fotografie einer hübschen jungen Frau neben die struppige Grünpflanze.

»Meine Freundin Maja.« Stefan hat meinen Blick offenbar bemerkt.

Oh. Ich nicke ihm zu. »Schön.«

Schade.

Stefan steht auf. »Wollen wir mal eine Runde drehen, damit du die anderen Kollegen kennenlernst?«

»Gerne.« Ich folge ihm.

Stefan führt mich herum und stellt mich vor. Er nimmt sich Zeit und erklärt mir alles. Wenn er in anderen Sachen auch so gut ist, kann ich ihn seiner Freundin dann vielleicht abwerben? Ich würde auch dafür sorgen, dass er sich in Zukunft besser anzieht.

Auf dem Weg zurück in das gemeinsame Büro zeigt er mir noch die Küche, die höchstens zwei Quadratmeter misst und sich gleich neben unserem Zimmer befindet.

»Magst du eine Tasse Tee?«, fragt Stefan. »Hab eine neue Sorte dabei.«

Komisch, nach dem Auftritt auf der Betriebsfeier hätte ich schwören können, der Typ hält Tee für gefärbtes Wasser.

»Klar, gerne«, sage ich.

Wir gehen in die Küche. Stefan schenkt mir Tee ein, und ich nippe vorsichtig daran. Er schmeckt nach frisch gemähter Wiese.

»Iiii-nteressant«, entfährt es mir.

»Matcha«, sagt Stefan. »Hat mir der Teeverkäufer in der Innenstadt empfohlen. Soll supergesund sein.« Er blickt nachdenklich in seine Tasse. »Na ja, an den Geschmack muss man sich gewöhnen.«

Der Mann von Welt trinkt grünen Gesundheitstee?

Plötzlich gibt es einen kleinen Tumult auf dem Gang, und wir stecken die Köpfe zur Tür der winzigen Küche heraus. Eine junge Frau mit Kinderwagen wird von anderen Kollegen umringt, alle stoßen Laute des Entzückens aus und äußern Glückwünsche.

»Das ist Miranda, auch Lektorin, aber gerade in Elternzeit«, stellt Stefan uns einander vor, nachdem wir uns dem Auflauf angeschlossen haben. »Und das ist Anne Weiss, die heute hier anfängt.« Er begrüßt die Kollegin mit einer Umarmung. »Na, bringst du uns deine Neuerscheinung?«

»Gerade herausgekommen.« Miranda reicht mir lächelnd die Hand. »Wollt ihr mal gucken?«

Sie schiebt vorsichtig das Verdeck des nagelneuen Kinderwagens zurück, damit wir den Inhalt begutachten können. Das Baby darin ballt die Hände zu Fäustchen und zeigt ein niedliches zahnloses Gähnen. Dann öffnet es die Augen und blickt noch etwas verschlafen in die Welt hinaus.

Stefan beugt sich über den Kinderwagen und beäugt das kleine Wesen skeptisch. »Was kann das denn?«

Miranda nimmt ihr Kind hoch und streckt es Stefan entgegen. »Hier, nimm sie doch mal.«

»Ähm, ich weiß nicht …«, meint der und weicht verlegen zurück. »Ist ein bisschen knittrig, oder? Und ich will nicht, dass sie mich anpinkelt.«

Miranda sieht ihn verständnislos an.

»Die ist aber süß«, sage ich, um die Situation zu retten.

Miranda scheint jedoch ein wenig eingeschnappt zu sein, denn ihr Lächeln hat sich vollständig aufgelöst. »Na, du solltest jedenfalls erst mal kein eigenes bekommen, Stefan.« Sie legt das Baby wieder in den Wagen. »Ich zeig mein knittriges Kind lieber den restlichen Kollegen.« Mit diesen Worten schiebt sie von dannen.

Ich blicke ihr hinterher. Miranda hat bestimmt so einen Mann, wie ich ihn mir wünsche. Einen, der verantwortungsvoll ist und in Elternzeit geht, wenn sie bald wieder anfängt zu arbeiten. Sie ist eine von denen, die alles haben, alles auf die Reihe bekommen und dabei immer aussehen wie aus dem Ei gepellt. Es ist doch wirklich zum Mäusemelken. Warum bekomme ich nur die Olis ab?

Stefan zuckt mit den Schultern. »Es war doch wirklich etwas unansehnlich«, sagt er mit gedämpfter Stimme, während wir zurück zu unserem Büro gehen. »Findest du nicht?«

»Nun ja«, sage ich trocken. »Am besten kommt sie wieder, wenn sie es entknittert hat.«

Wir grinsen uns an.

Seine Freundin kann ihn gern behalten. Besser, wir werden Freunde. Humor hat er jedenfalls. Und wenn ich an seine Jacke denke, dann braucht man den bei ihm auch als Frau. Ich hoffe allerdings, seine Freundin spekuliert in absehbarer Zeit nicht auf eine eigene Familie. Denn mit Stefan wird das bestimmt ein Kamikazeflug ins Familienglück.

Nur: Wenn sich selbst James Bonner auf den zweiten Blick als Stan Laurel entpuppt, wie soll ich dann jemals den Mann fürs Leben finden?

ERSTES KAPITELHILFE, ICH SOLL EIN MANN SEIN!

»Jungen bekommen nicht die nötige Männlichkeits-Software. Sie bleiben emotionale Kinder, die im Körper erwachsener Männer stecken […] Wächst ein Junge ohne enge Beziehungen zu erwachsenen Männern heran, fühlt er sich, wenn er selbst erwachsen ist, häufig ratlos. […] Und das wiederum hat katastrophale Folgen: Unsere Ehen gehen kaputt, unsere Kinder hassen uns, wir sterben an zu viel Stress, und ganz nebenbei zerstören wir auch noch die Erde!«

Steve Biddulph, Männer auf der Suche

Drei Jahre später

»Ich bekomme einen Penis!«, brüllt Marko durch den Hörer.

Es ist Montagmorgen, und ich habe frei. Als das Telefon klingelte, war ich gerade dabei, Eier für ein Omelett in die Pfanne zu hauen. Da passt ein Schniedel vergleichsweise schlecht hinein. Mir wäre auch neu, dass Marko bisher keinen gehabt hätte – im Gegenteil. Meines Wissens hat er seinem besten Stück sogar einen Namen gegeben: Samson. Marko erzählt gern und ausführlich über ihn und alles, was er mit Samson anstellt. Manchmal hat man glatt das Gefühl, Samson würde jeden Moment selbst anfangen zu sprechen.

Ich befürchte, dass Markos Anruf nur zwei Gründe haben kann: Samson beherrscht ein neues Kunststück, oder sein kleiner Freund hat sich eine schlimme Krankheit zugezogen.

»Einen Penis bekomme ich!«, wiederholt Marko.

»Wie schön. Dann hast du ja bald zwei.« Ich verschiebe das mit dem Omelett auf später, schnappe mir stattdessen einen Becher Kaffee, schlurfe damit ins Wohnzimmer und lasse mich auf die Couch sinken.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!