Bibel für heute 2021 -  - E-Book

Bibel für heute 2021 E-Book

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Beschreibung

BIBEL FÜR HEUTE ist die Bibellese für alle, die die tägliche Routine durchbrechen wollen: Um sich intensiver mit einem Bibeltext zu beschäftigen. Um beim Bibel lesen Einblicke in Gottes Wirklichkeit zu gewinnen. Um sich für den Alltag mit biblischen Impulsen und Zitaten beschenken zu lassen. BIBEL FÜR HEUTE enthält viele Hintergrundinformationen, Einführungen in die biblischen Bücher ergänzen die täglichen Auslegungen. Für alle, die in ihrer persönlichen Andacht, in ihrer "Stillen Zeit", täglich die Bibel lesen (möchten), und nicht nur eine Andacht zu ausgewählten Bibelversen, sondern eine Erklärung des Bibeltextes suchen. Die Texte richten sich nach dem ökumenischen Bibelleseplan, der alle vier Jahre das Neue Testament und alle acht Jahre weite Teile des Altens Testaments erklärt. Über 50 Autorinnen und Autoren aus verschiedenen christlichen Kirchen und Gemeinden tragen zum interessanten und vielseitigen Charakter dieser täglichen Bibellese bei.

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Seitenzahl: 579

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Impressum

Herausgeber:

Matthias Büchle, Generalsekretär CVJM-Westbund e.V.

Dr. Michael Diener, Präses Evangelischer Gnadauer Gemeinschaftsverband e. V. Karsten Hüttmann, 1. Vorsitzender Christival e. V.

Hansjörg Kopp, Generalsekretär CVJM Deutschland e. V.

Cornelius Kuttler, Leiter des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg

Wieland Müller, 1. Vorsitzender Chrischona Gemeinschaftswerk Deutschland

Dr. Christoph Rösel, Generalsekretär Deutsche Bibelgesellschaft

Redaktion: Klaus Jürgen Diehl (NT-Texte), Uwe Bertelmann (AT-Texte)

Erstellung des Bibelleseplans: Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen, Ev. Werk für Diakonie und Entwicklung, Caroline-Michaelis-Str. 1, 10115 Berlin

Bibelzitate folgen, wenn nicht anders vermerkt, der Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Weitere verwendete Übersetzungen:

EÜ:Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016, Katholische Bibelanstalt Stuttgart.

ELB:Revidierte Elberfelder Bibel © 1985/1991/2008 SCM R. Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten.

GNB:Gute Nachricht Bibel, revidierte Fassung, durchgesehene Ausgabe, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

HfA:Hoffnung für alle®, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis.

NGÜ:Neue Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen, Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft.

Quellennachweis 18. Oktober:

Wir haben es uns gut hier eingerichtet; Text & Melodie: Manfred Siebald

© 1974 SCM Hänssler, Holzgerlingen

© 2020 Brunnen Verlag GmbH und CVJM Gesamtverband in Deutschland e. V.

Umschlagfoto: shutterstock

Umschlaggestaltung: Jonathan Maul

Satz: DTP Brunnen

ISBN Buch 978-3-7655-0641-3

ISBN E-Book 978-3-7655-7576-1

www.brunnen-verlag.de

Inhalt

Vorwort (Uwe Bertelmann)

Bibl. Einführungen (Friedhardt Gutsche)

Das Lukasevangelium

Der Kolosserbrief

Das Buch Daniel

Die Sprüche Salomos (Teil III: Kap. 25–31)

Die Apostelgeschichte des Lukas

Das zweite Buch der Könige

Die Bücher Esra und Nehemia

Der Brief an die Hebräer

Der erste und zweite Thessalonicherbrief

Der Prophet Sacharja

Der Prophet Maleachi

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 2021

Bibelstellen-Verzeichnis 2013–2021

Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser von Bibel für heute,

wenn man die Botschaft der Bibel in einem Satz zusammenfassen wollte, wie wäre es mit „Die große Geschichte des barmherzigen Gottes mit einer unbarmherzigen Menschheit“? Schon in den ersten Zeilen der Bibel kümmert sich Gott um Adam, Eva, Kain und Abel, nachdem diese ersten Menschen ihm das Vertrauen gekündigt hatten. Und er kümmert sich sogar noch um die Menschen im himmlischen Jerusalem, indem er einen Baum des Lebens wachsen lässt, der den Völkern Heilung bringt (Offb 22,2).

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ (Lk 6,36), so die diesjährige Jahreslosung. Barmherzigkeit – das ist Markenkern des christlichen Glaubens. Diakonie, soziales Engagement – schon im Mittelalter galt es, die sieben Werke der leiblichen Barmherzigkeit zu tun: Hungrige speisen, Fremde beherbergen, Kranke pflegen usw. Aber Jesus meint noch etwas viel Radikaleres. Unmittelbar vor diesem Satz steht der Abschnitt zur Feindesliebe: „… Wenn ihr euren Wohltätern wohltut, welchen Dank habt ihr davon? Das tun die Sünder auch“ (Lk 6,33). Es geht Jesus um die liebevolle Fürsorge für die, die uns ablehnen, bekämpfen und übel mitspielen. Vorbild: kein geringerer als Gott der Vater selbst.

Wenn Sie dieses Jahr „Bibel für heute“ lesen, wird es um diesen Gott gehen, der in 2Kön mit unglaublicher Geduld um das Herz des Volkes Israel und um dessen Könige wirbt. Der sich in Esra/Neh um die aus Babel Heimgekehrten kümmert und ihnen zu einem geistlichen Neuanfang verhilft. Und Lukas, der Arzt, wird in seinem Evangelium und der Apostelgeschichte besonders hervorheben, dass Gott ein Gott der Armen und Kranken ist.

Wir laden Sie herzlich ein, mit „Bibel für heute 2021“ in diesem Jahr dem barmherzigen Gott auf die Spur zu kommen.

Klaus Jürgen Diehl (Redaktion der Auslegungen des NT)

Uwe Bertelmann (Redaktion der Auslegungen des AT)

Neujahr, 1. Januar

Psalm 8

Davids Augen sind auf den Nachthimmel und die Schöpfung gerichtet. Hinter allem, was er erfassen kann, sieht er den Fingerabdruck seines Schöpfers. Sein staunendes Bekenntnis zu ihm wird zur Anbetung. Dieser Gott ist ihm nicht unbekannt. In seinem weltumspannenden Namen hat er sich offenbart (2Mose 3,13ff). Gottesfurcht und Gottesfreude sind in diesem Psalm ineinander verwoben.

Der hymnische Lobpreis der Majestät und Herrlichkeit Gottes rahmt den Psalm ein (V 2.10). Zwei Hauptgedanken folgen:

Die Macht Gottes wirkt in ohnmächtigen Menschen (V 3).

Gottes Schöpfung und der Mensch (V 4-9).

Nicht alle Menschen sehen hinter der Schöpfung den Schöpfer. Dieser Gott hat viele Feinde. Ihrem mächtigen Widerstand antwortet Gott nicht mit Macht, sondern mit Ohnmacht. So offenbart er seine Macht in der Ohnmacht von unmündigen Kindern und Säuglingen (V 3; vgl. Mt 21,15f). Harmloser Kindermund kann stolze Menschen beschämen.

Wie klein und unbedeutend ist der Mensch gegenüber der unfassbaren Größe des Weltalls (vgl. Jes 40,26). Nur im Blick auf den Schöpfer sieht sich der Mensch in seiner wahren Bedeutungslosigkeit. Andererseits hebt dieser große Gott in seiner Liebe den sündhaft niedrigen Menschen fast auf Augenhöhe mit sich selbst. Nur wenig fehlt bei seiner Erschaffung an Gottgleichheit. Er schenkt ihm göttliche Herrschaftshoheit über die gesamte Schöpfung. Diese Gabe Gottes wird für den Menschen zur Aufgabe. Würde und Lebenssinn kann der Mensch sich selbst nicht geben. Gerade wegen seiner Niedrigkeit empfängt er sie allein von seinem Schöpfer. So erfährt er seine Beziehung zu Gott als unbegreifliche Gnade.

Welche Gemeinsamkeiten und welche Unterschiede gibt es zwischen „Greenpeace“ oder z. B den „Naturfreunden“ und dem Psalm-Dichter David?

Das Lukasevangelium

Lukas erklärt zu Anfang, wie sein Evangelium entstanden ist. Er ist den Berichten über Jesus sorgfältig nachgegangen und hat dann alles gut geordnet, damit die Leser im Glauben gewiss und für ihr Leben und Zeugnis gestärkt werden (1,1-4). Bei seiner intensiven Nachforschung ist er auf vieles gestoßen, was in anderen Evangelien nicht erzählt wird. In diesem sogenannten Sondergut – etwa die Hälfte des ganzen Textes – erkennt man am klarsten das Christuszeugnis des Lukas.

1. Jesus – der Heiland aller. An Jesus wird die suchende und bergende Liebe Gottes, die keinen verloren gibt, besonders deutlich. „Euch ist heute der Heiland geboren“ (2,10f). „Alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen“ (3,6). Jesus wendet sich allen Gruppen des Volkes zu. Nur hier besucht Jesus Pharisäer (7,36; 11,37; 14,1). Oft ist er mit damals Verrufenen und Diskriminierten zusammen.

2. Jesus – Gottes Besuch bei den Menschen. Jesus ist für Lukas der Gast, durch den Gott bei uns Menschen einkehrt und uns so Heil und Versöhnung bringt (19,9). „Gott hat besucht und erlöst sein Volk“ (1,68.78; 7,16), um sie aus „Finsternis und Schatten des Todes … auf den Weg des Friedens“ zu führen (1,79f). Viele Texte zeigen, wie er an Verlorenen, Dirnen, Zöllnern, Frauen, Kindern, Hirten, Armen, dem Schächer am Kreuz wertschätzend handelt. An ihm wird ein leidenschaftlicher Gott sichtbar, der Verlorene sucht, Kranke heilt, Schwache stärkt (5,31f; 19,10).

3. Jesus – und die Würde der Frauen. Besondere Beachtung finden bei Lukas die Frauen. Jesus redet nicht über Gleichberechtigung oder gegen Diskriminierung von Frauen, – er handelt. Er nimmt sie in den Jüngerkreis auf (8,1-3), unterrichtet gegen alle Tradition Maria, Marthas Schwester, stellt sie den Jüngern gleich (10,38ff). Mehrfach werden ähnliche Geschichten von einem Mann und einer Frau erzählt, z. B. der Lobgesang der Maria und des Zacharias (1,46ff + 68ff), Simeon und Hanna (2,25-38), der bittende Freund (11,5-8) und die bittende Witwe (18,1-8), der Hirte mit dem verlorenen Schaf und die Frau mit dem verlorenen Groschen (15,3-10), Heilung am Sabbat: die gekrümmte Frau (13,10ff) und der wassersüchtige Mann (14,1-6).

4. Jesus – Hoffnung der Armen und Krise der Reichen. „Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen“ – so Maria im „Magnifikat“ (1,52f). „Er hat mich gesalbt … zu verkündigen das Evangelium den Armen“ – sagt Jesus in Nazareth (4,18). „Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer … Weh euch Reichen; denn ihr habt euren Trost schon gehabt“ (6,20-24). Nur Lukas erzählt die Gleichnisse vom reichen Kornbauern (12,16-21), vom armen Lazarus und reichen Mann (16,19-31). Nur er schildert, wie der reiche Zachäus durchs „Nadelöhr“ (18,25) kommt (vgl. 19,8), während ein anderer Reicher scheitert, weil er seinen Besitz nicht an Arme geben will (18,23).

5. Jesus – das Heil „heute“. Sechsmal heißt es an entscheidenden Stellen der Jesus-Geschichte „heute“: (1) Geburt Jesu: „Euch ist heute der Heiland geboren“ (2,11); (2) Antrittspredigt in Nazareth: „Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren“ (4,21); (3) nach einer Heilung: „Wir haben heute seltsame Dinge gesehen“ (5,26); (4) Besuch bei Zachäus: „Ich muss heute in deinem Haus einkehren“ (19,5) – und (5) „Heute ist diesem Hause Heil widerfahren“ (19,9); (6) am Kreuz: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (23,43). Das „heute“ von damals wird heute in der Predigt neu aktuell.

6. Jesus – die Feindesliebe in Person. Nach Lukas hat Jesus seinen Todeskampf in Gethsemane ausgetragen (22,44). Hier ringt er sich durch zu einem vollen Ja, stellvertretend für uns zu sterben. So ist er frei, am Kreuz für seine Feinde zu beten (23,34), und offen für die Bitte des Schächers (23,42). Jesus lebt Feindesliebe (6,27), er stirbt für seine Feinde und fleht für sie bei Gott um Gnade.

Samstag, 2. Januar

Lukas 3,1-6

Wer das Lukasevangelium bis hierher gelesen hat, dem ist die Frage der Leute bei der Geburt von Johannes vielleicht noch im Ohr: „Was wird aus diesem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm“ (Lk 1,66). Erwartung liegt in der Luft, als Johannes nun ca. 30 Jahre später an die Öffentlichkeit tritt.

Lukas ist ein gebildeter Wissenschaftler – als Arzt hatte er eine Art Grundstudium durchlaufen, das auch die Grundlagen historischer Wissenschaft beinhaltete. So beginnt er seinen Bericht mit einer Datierung, wie sie in der Antike üblich war: Das Regierungsjahr des aktuellen Herrschers wird genannt. Nach heutigem Stand der Wissenschaft ist damit das Jahr 27/28 n. Chr. gemeint. Mit seiner Aufzählung von Kaiser Tiberius, den Regionalherrschern und dem amtierenden Hohepriester geht Lukas dabei äußerst genau vor. Seine Leser sollen nachvollziehen können, wann und wo das Ganze stattgefunden hat, um seinem Anliegen gerecht zu werden: „auf dass du den sicheren Grund der Lehre erfährst“ (Lk 1,4).

Johannes‘ Wirken besteht konkret in der Bußpredigt, die mit dem Zeichen der Wassertaufe verbunden ist. Schon hier wird deutlich, dass das Reich Gottes zentral mit der „Vergebung der Sünden“ (V 3) zu tun hat.

Johannes wird als der Wegbereiter des Herrn beschrieben (V 4). Dafür sind gravierende Vorbereitungen nötig: Dass Berge und Täler eingeebnet werden sollen (V 5), ist ein Bild für das innere Aufräumen (Buße), das Johannes predigt. Der „Tag des Herrn“ wird auch mit Gericht verbunden sein; deshalb erhalten die Menschen vorher die Chance zur Umkehr.

Lesen Sie nach, was über den „Boten“ im AT angekündigt war: Neben Jes 40,3-5 spielt auch Mal 3,1.23-24 eine wichtige Rolle. Besonders die Hoffnung auf die Rückkehr Elias war zu Jesu Zeiten allgegenwärtig, vgl. z. B. Mt 17,10-13.

Sonntag, 3. Januar

Psalm 100

Der Psalm beginnt mit der Aufforderung, Gott zu loben. Nicht nur im Tempel während der Gottesdienste, sondern in der ganzen Welt soll das Lob Gottes hörbar sein (V 1).

Höchstwahrscheinlich wurde der Psalm im Festzug zum Dankopfer als Wechselgesang beim Einzug in den Tempel gesungen.

Die feiernde Menge wird ermahnt, nicht müde und widerwillig, sondern mit Freuden Gott durch ihre Opfer zu dienen. Voller Jubel sollen ihre Gebete ihnen aus dem Herzen und über ihre Lippen gehen. Gott ist da! Er hört, sieht und versteht sie (V 2).

Alle sollen Gott als den einzig wahren Gott erkennen.

Das Wort „erkennen“ bezeichnet neben dem intellektuellen Verstehen eine enge Lebens- und Liebesgemeinschaft (1Mose 4,1). Gottes Bund mit dem Volk ist damit einzigartig!

Gegenüber anderen Göttern ist dieser Gott konkurrenzlos. Das Volk hat Leben, Glauben und Hoffen nur von ihm.

Menschlicher Stolz und Eigenliebe vergehen in seiner Gegenwart. Alles, was der Mensch ist und hat, kommt allein von Gott. Er allein ist der Gute Hirte (V 3).

Durch die Tore zum Tempel sollen die Gläubigen nicht in stummer Beugung einziehen, auch nicht in lockerer Geschwätzigkeit, sondern mit Lobgesängen, die weit ins Land hinein erschallen.

Wie die Tore zu den Tempelplätzen sich öffnen, so öffnet Gott die Tore seines Herzens für sein Volk. Deshalb soll das Volk diesen Gott fröhlich im Tempel („seinen Vorhöfen“) feiern und aus dankbarem Herzen überschwänglich ihn allein loben (V 4).

Die Güte des HERRN ist ewig (V 5). Er ist verlässlich und hält seine Versprechen der Gnade und Treue (vgl. 2Mose 34,6f; Jes 54,10). Das ist Grund genug zum Lob Gottes und zu ausgelassener Freude.

Welche Formen der Anbetung praktizieren Sie? Wo finden Sie sich wieder zwischen heiliger Ehrfurcht und fröhlicher Feier?

Montag, 4. Januar

Lukas 3,7-14

Johannes fasst seine Hörer hart an: „Ihr Otterngezücht!“ (V 7). Die Axt am Baum (V 9) ist ein drastisches Bild, das aufrütteln soll. Es ist wichtig, sich Gott gegenüber nicht in falscher Sicherheit zu wiegen:

„Wer hat euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet?“ (V 7).

„Sagt euch nicht: Wir haben Abraham zum Vater!“ (V 8).

Im Judentum hatte sich ein religiöses System entwickelt, in dem Sünde und Unrecht oft unter dem Deckmantel äußerer Frömmigkeit munter gediehen. Johannes macht klar: Es geht um die Herzenseinstellung und nicht um eine weitere rituelle Waschung, mit der man sich Gottes Segen versichert. Für uns heißt das: Unsere Gewissheit vor Gott ruht auf Jesus und seinem stellvertretenden Tod am Kreuz, nicht auf einer selbst gezimmerten Frömmigkeit und einer verharmlosenden Rede vom „lieben Gott“, die keinen Zorn und kein Gericht Gottes mehr kennt.

Johannes predigt Gottes Willen: „Gute Frucht“ (V 9) sind konkrete Verhaltensweisen der Liebe und Güte. Die Armut im Land (V 11) war auch eine religiöse Herausforderung, die die Eliten jedoch kaltließ. Johannes stimmt darin ganz mit Jesus und seiner Verkündigung überein.

Johannes predigt keinen Sozialismus: Zöllner werden nicht pauschal verurteilt, sondern sollen sich im Rahmen ihres Berufes anständig verhalten und ihre Macht nicht dazu verwenden, den Menschen mehr Geld abzupressen (V 13), was damals häufig geschah.

Auch für die Soldaten gilt: Ihr Beruf ist nicht per se verwerflich. Aber sie sollen ihre Macht nicht missbrauchen, um unrechtmäßig Gewalt anzuwenden oder Besitz an sich zu bringen.

Sprechen Sie mit Gott über Ihren Tag und die vor Ihnen liegende Woche. Worauf lenkt er Ihr Augenmerk? Welche „gute Frucht“ möchte er in Ihrem Leben wirken?

Dienstag, 5. Januar

Lukas 3,15-20

Die meisten sind von Johannes begeistert. Endlich jemand, der mit Integrität und Autorität von Gott spricht! Ob er der Messias ist? (V 15). Die Frage zeigt, dass die Erwartung in der Luft liegt, dass Gott nun endlich den versprochenen Retter sendet. „Christus“ ist hier (noch) kein Beiname für Jesus, sondern einfach die griechische Übersetzung für den „Messias“ (d. h. „Gesalbten“).

Johannes sonnt sich nicht in der Ehre, sondern beeilt sich, den unendlichen Abstand zwischen sich und Gottes Gesalbtem klarzustellen: „Ich bin nicht wert, dass ich ihm die Riemen seiner Schuhe löse“ (V 16b):

Johannes tauft (nur) mit Wasser; der Messias „wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen“ (V 16c).

Die Taufe „mit dem Heiligen Geist“ meint die Bekehrung, in der ein Mensch sich Gott anvertraut und der Heilige Geist ihn erfüllt (Röm 5,5; Joh 14,16f; 1Kor 6,19).

Die Taufe „mit Feuer“ ist schwieriger zu verstehen. Im unmittelbaren Zusammenhang steht das Feuer für Gericht: Nachdem die Spreu vom Weizen getrennt ist, wird sie mit Feuer verbrannt (V 17; vgl. V 9). Andererseits taucht das Feuer an Pfingsten, der ersten großen „Taufe mit Heiligem Geist und Feuer“, in Form von Feuerzungen auf, die nicht zerstören, sondern neue Sprachen auf die Zungen legen und im wahrsten Sinne des Wortes die Empfänger des Heiligen Geistes „inspirieren“.

Woran machen Sie fest, dass Sie vom Heiligen Geist erfüllt sind?

Als unbequemer Mahner benennt Johannes auch schonungslos die skandalösen Familienverhältnisse im Hause Herodes. Da er damit die Herrscherwürde der Dynastie infrage stellt, greift Herodes Antipas wie sein Vater Herodes der Große (Mt 2,16-18) zur Gewalt und lässt Johannes einsperren und später töten (Mt 14,3-11). So wird Johannes auch im Leiden zum Vorläufer Jesu.

Mittwoch, 6. Januar

Lukas 3,21-38

Auch Jesus kommt zu Johannes an den Jordan und lässt sich von ihm taufen. In Mt 3,14-15 und Joh 1,29-31 wird genauer berichtet, wie sich die beiden begegnen. Beide unterstellen sich jeweils dem anderen: Jesus nimmt die Taufe von Johannes an und bestätigt ihn damit als Vorboten des Herrn, und Johannes unterstellt sich Jesus als seinem Herrn.

Auch der Himmel bestätigt Jesus: Er „tut sich auf“ und eine Stimme erschallt – damit sind die zwei Zeugen komplett, die für jüdisches Denken so wichtig sind. Die Stimme ist die des Vaters, der seinem Sohn zuspricht: „Du bist mein lieber Sohn …“ Damit ist Jesus als Gottes Sohn bestätigt – etwas, das nicht im Horizont der jüdischen Erwartungen an den Messias lag. Gott kommt in Jesus selbst auf die Erde!

Nach dem Bericht der Taufe fügt Lukas wieder etwas für die Historiker an. Auch die Geburt Jesu steht nicht im luftleeren Raum, sondern ist klar zu verorten. Sein Stammbaum unterstreicht dieses und birgt außerdem ein paar interessante Details:

„… wurde gehalten für einen Sohn Josefs“ (V 23). Gegenüber der Auffassung, Jesus sei der leibliche Sohn des Josef, wird damit die Jungfrauengeburt ernst genommen und unterstrichen.

Jesu rechtlicher Vater Josef stammt direkt von König David ab – wie es für den Messias erforderlich war, der als „Sohn Davids“ aus dem „Hause Davids“ kommen und es zu einem ewigen Hause machen sollte (vgl. 2Sam 7,11-13 u. a.).

Anders als bei Mt 1,1-17 geht dieser Stammbaum bis auf Adam zurück (V 38). Jesus steht nicht nur für das jüdische Volk, sondern für die ganze Welt.

„… Der war Gottes“ (V 38). Die Menschheit kommt von Gott. Ihr Retter Jesus wird sie zu ihrem Ursprung zurückführen.

Welcher der Hoheitstitel Jesu: Sohn Gottes, Messias, Heiland, Retter bzw. Menschensohn, bedeutet Ihnen am meisten?

Donnerstag, 7. Januar

Lukas 4,1-13

Was wird wohl passieren, nachdem Jesus nun in die Öffentlichkeit tritt? Als Erstes zieht er sich in die Wüste zurück. Was dort im Verborgenen geschieht, ist von größter Bedeutung: Jesus tritt dem Widersacher der Menschheit entgegen, wird von ihm „versucht“ und besteht die Prüfungen mit Bravour.

Jesus ist vom Heiligen Geist erfüllt, der ihn nun persönlich „umherführt“ (V 1). Die Wüste ist der Ort der Abgeschiedenheit und Kargheit. Hierhin war schon Johannes gegangen (Lk 1,80). Das Volk Israel hatte 40 Jahre in der Wüste zugebracht, nachdem sich der Auszug aus Ägypten wegen ihres Ungehorsams hinzog. Bevor sie am Ende das Gelobte Land betreten, hält Mose Rückschau auf ihren Weg und was Gott sie dadurch lehren wollte (5Mose 4ff). Auf diese Worte greift Jesus nun zurück. Man könnte sagen, dass er ihren Weg noch einmal nachgeht und die Prüfungen besteht, bei denen das Volk Israel damals versagt hat:

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ (vgl. V 4 mit 5Mose 8,3). Schon in der Wüste wollte Gott mit dem Manna zeigen, dass er ihr Versorger ist und sie sich nicht anders materiell absichern sollen. Nun hungert Jesus 40 Tage und widersteht der Versuchung, seine Macht für eigene Zwecke einzusetzen.

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen“ (vgl. V 8 mit 5Mose 6,13). Israel stand ständig in der Gefahr, sich durch die Anbetung anderer Götter zusätzlich „abzusichern“. Mit dem Angebot der vollen „Macht und Herrlichkeit“ treibt der Teufel es auf die Spitze. Aber Jesus lässt sich nicht darauf ein: Der Sohn Gottes betet niemanden an, erst recht nicht den Teufel persönlich, um etwas zu bekommen.

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen“ (vgl. V 12 mit 5Mose 6,16). Der Teufel zitiert sogar selbst die Schrift. Allerdings reißt er sie aus dem Zusammenhang und will Jesus dazu verführen, Gott herauszufordern. Doch auch diesmal bleibt er erfolglos.

Freitag, 8. Januar

Lukas 4,14-21

Nach dieser Prüfung geht es so richtig los: Jesus kehrt in seine Heimat Galiläa zurück und beginnt zu predigen. Die Menschen sind begeistert! (V 14f).

Jesus „kam in der Kraft des Geistes wieder“. Bestandene geistliche Prüfungen bewirken oft eine besondere geistliche Kraftzufuhr. Durchhalten lohnt sich!

Nur in seiner Heimatstadt Nazareth läuft es anders: Auch hier geht er am Sabbat in die Synagoge und wird gebeten, einen Abschnitt aus der Schrift vorzulesen und zu erklären. Da wagt er es, die messianische Verheißung aus Jesaja 61,1f auf sich zu beziehen: „Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren“ (V 21).

Der „Gesalbte“ (Messias) wird als jemand beschrieben, der zu den Armen und Ausgestoßenen geht, „zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und die Zerschlagenen zu entlassen in die Freiheit“ (V 18; vgl. auch Jes 42,7). An diesen wunderbaren Taten würde sich der Messias messen lassen müssen, sodass später auch dem Johannes im Gefängnis mit ähnlichen Worten versichert wird, dass er auf den Richtigen gesetzt hat (Lk 7,22).

Das ist das „Gnadenjahr des Herrn“ (V 19). Damit ist das „Jobeljahr“ gemeint; das 50. Jahr, in dem nach 3Mose 25,10-28 alle Verhältnisse auf „Reset“ gesetzt wurden und verarmte Einwohner ihr Land zurückbekommen. Seit dem Einzug ins Land waren jedem Stamm und jeder Sippe in Israel bestimmte Ländereien zugewiesen, die dauerhaft in ihrem Besitz sein sollten, um jeder Familie eine Existenzgrundlage zu sichern (vgl. z. B. 4Mose 36,1-9). Das Kommen des Messias wird hier also zentral mit der Wiederherstellung sozialer Gerechtigkeit verbunden.

In seiner Predigt lässt Jesus den Schluss des Jesaja-Zitats weg: „… und einen Tag der Rache unseres Gottes“ (V 19). Warum wohl?

Samstag, 9. Januar

Lukas 4,22-30

In Nazareth kommt es zum Eklat. Jedem ist klar, welchen Anspruch Jesus hier stellt, wenn er die Verheißung aus Jes 61,1f so auslegt: „Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt“ (V 21).

Man ist hier durchaus darüber informiert, was Jesus in Kapernaum schon für „große Dinge“ getan hat (V 23, vgl. seine dortigen Wundertaten ab V 31ff). Aber das Misstrauen ist groß. Als solche, die ihn von Kindheit an kennen, reiben sie sich daran, dass er etwas so Besonderes sein soll: „Ist das nicht Josefs Sohn?“ (V 22).

Jesus reagiert sofort und kommt ihnen zuvor: „Ihr werdet sagen: … Tu so auch hier in deiner Vaterstadt!“ (V 23). Wegen ihres Misstrauens weigert er sich, auch hier Wunder zu vollbringen. Er lässt sich nicht zwingen und muss sich auch nicht beweisen. Stattdessen erinnert er an Elia und Elisa, die auch nicht jedem Wunsch nachkamen, sondern nur bestimmten Menschen halfen (V 25-27, nachzulesen in 1Kön 17 und 2Kön 5). Und der Gipfel: Die beiden genannten Personen, denen die beiden Propheten halfen, waren auch noch Nichtisraeliten, wie Jesus ausdrücklich erwähnt!

Jesus agiert hier erstaunlich konfrontativ und spitzt von sich aus das Verhältnis zu den Bewohnern Nazareths zu. Warum tut er das und wann könnte dies sinnvoll sein?

Die Reaktion auf diese Ablehnung folgt auf dem Fuße: Die Gottesdienstbesucher werden zornig und wollen Jesus lynchen. Aber er bleibt souverän und kann sich ihrer Tötungsabsicht entziehen (V 28-30).

Ist Ihnen die Neigung vertraut, Jesus zu etwas nötigen zu wollen, oder sind Sie auf der anderen Seite vielleicht eher zu passiv und bitten ihn erst gar nicht? Wie reagieren Sie, wenn Bitten unerfüllt bleiben?

Sonntag, 10. Januar

Psalm 72

Dieser Königspsalm ist König Salomo gewidmet, dem Sohn und Nachfolger von König David. Gerade ein König braucht die Fürbitte seines Volkes und den Segen Gottes (V 15).

Im Orient erließ jeder König seine eigenen Gesetze. An diese waren alle im Volk gebunden.

In Israel dagegen galten allein die Gesetze Gottes. Der König hatte lediglich dafür zu sorgen, dass Gottes Gebote in seinem Reich durchgesetzt und eingehalten werden. Auch der König musste sich den Gesetzen Gottes unterwerfen. So hatte er in völliger Abhängigkeit von Gott für Recht und Gerechtigkeit im Volk zu sorgen. Die Maßstäbe für Gerechtigkeit empfing er allein aus Gottes Hand (V 1).

Der Psalm nennt folgende Kennzeichen der Gerechtigkeit Gottes:

Das Fundament ist das Recht der Elenden und die Hilfe für die Armen, die unter den gewalttätigen Rechtsbrechern zu leiden haben (V 4.12-14).

Ehrfurcht gegenüber Gott und dem König im Volk (V 15).

Die Tradition von Ehrfurcht vor dem König und seiner Gerechtigkeit benötigt Dauer und Verlässlichkeit von Geschlecht zu Geschlecht (V 5).

Die Qualifikation des Königs zur Durchsetzung von Gerechtigkeit liegt in seiner Demut, die ihn befähigt, Schwachen und Armen zu helfen (V 12-14).

Die Frucht der Gerechtigkeit ist das Aufblühen des Friedens unter den Menschen (V 6-7).

Selbst die Schöpfung atmet auf unter Gerechtigkeit und Frieden. Das Getreide und die Früchte auf den Feldern gedeihen und in den Städten wird das Gras wieder grün.

Die Perspektive der Gerechtigkeit Gottes ist Weltherrschaft, die erst durch den Messias aus dem Stamm Davids ganz verwirklicht werden wird (V 8-11.17).

Wann, wie oft und wie beten Sie für die Politiker (V 15; vgl. Röm 13,1-7)? Wie ist Ihre Haltung zu ihnen?

Montag, 11. Januar

Lukas 4,31-37

Nun erzählt Lukas, was in Kapernaum alles geschehen ist (vgl. V 23). Jesus zieht zu Beginn seiner Wirksamkeit nach Kapernaum (vgl. Mt 4,13), wo auch seine ersten Jünger leben (V 38), auch wenn er als Wanderrabbi unterwegs sein wird und „der Menschensohn nichts hat, wo er sein Haupt hinlege“ (Lk 9,58).

Auch hier findet seine Lehre im Synagogengottesdienst ein gewaltiges Echo (V 32). Seine Wahrheit und Vollmacht fordern die bösen Geister heraus. Interessanterweise ist es ausgerechnet ein Dämon, der ein klares Zeugnis über Jesus abgibt: „Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes!“ (V 34; ähnlich V 41 und Lk 8,28), während die normalen Zuhörer seine Messianität anzweifeln (V 23). Gefallene Engel kennen die Wahrheit, aber sie stehen unter der Macht Satans und säen Lüge. Die Wendung „Ich weiß, wer du bist“ ist übrigens auch aus antiken Zaubersprüchen bekannt – vielleicht ein plumper Versuch des Dämons, Jesus einzuschüchtern?

Die Art, wie Jesus dem Geist entgegentritt, ist für alle Beteiligten völlig neu: Statt sich in Bittgebeten und Beschwörungsritualen zu ergehen, gebietet Jesus in eigener Autorität, und mit einem kurzen, klaren Befehl wird der Dämon ausgetrieben (V 35).

Der Exorzismus löst bei den Zuschauern staunende Verwunderung aus: „Was ist das für ein Wort?“ (V 36) meint zugleich: „Wer ist dieser Mensch, dass sein Wort eine solche Vollmacht bzw. Wirkung hat?“ Eigentlich steht eine solche Autorität einem sterblichen Menschen nicht zu, sondern ist allein Gottes Souveränität vorbehalten.

Dass Menschen von Dämonen als einer fremden Macht beherrscht werden, wird heute oft so erklärt, dass sie unter einer bestimmten psychischen Erkrankung – etwa Hysterie oder Wahnvorstellungen – leiden. Es braucht daher keinen Exorzismus, sondern einen Psychiater. Wie sehen Sie das?

Dienstag, 12. Januar

Lukas 4,38-44

Eine zweite persönliche Episode aus Kapernaum wird gleich zu Anfang der Wirkungszeit Jesu berichtet: Jesus heilt die Schwiegermutter von Petrus, deren Überleben mit hohem Fieber akut gefährdet war.

Jesus ist für Simon (Petrus) bereits kein Unbekannter mehr. Nach Joh 1,35-42 lernt er ihn schon am Tag nach der Taufe Jesu durch Johannes kennen. Petrus ist bereits ein etablierter Mann mit eigener Familie und eigenem Fischereigeschäft, als er auf Jesus trifft. Man nimmt an, dass die meisten der Zwölf jünger waren und ihm daher die Führungsrolle zufiel.

V 40: Die Menschen warten bis zum Sonnenuntergang bis sie ihre Kranken bringen, weil dann der Sabbat beendet ist und man wieder Schweres tragen darf. Alle werden gesund – Jesus „gelingt“ die Heilung immer und so durchschlagend, dass die Schwiegermutter des Petrus – kaum ist sie geheilt – sogleich ihre Gäste bewirtet (V 39). Trotzdem heilt Jesus nicht immer und jeden, wie er zuvor in Nazareth klargestellt hat (V 25-27).

V 41: Lukas drückt sich präzise aus: Viele von ihnen werden gleichzeitig von einem Dämon frei. Als Arzt war ihm sehr bewusst, dass man Krankheit nicht einfach mit dem Wirken böser Mächte in eins setzen darf (wie man etwa im Mittelalter oft glaubte), sie aber durchaus mit okkulter Belastung einhergehen kann.

Wieder sind es die Dämonen, die am klarsten erkennen, wer Jesus wirklich ist: Der „Christus“ (= „Messias“) und der „Sohn Gottes“! (V 41). Auf diesen Anspruch hin wird Jesus später der Prozess gemacht (Joh 19,7: „Nach dem Gesetz muss er sterben, denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht.“).

V 42: Jesus weiß, wann er sich entziehen muss, weil er in der Stille die Verbindung mit seinem himmlischen Vater sucht.

Wo und wie haben Sie in Ihrem Leben Heilung (körperlich oder seelisch) durch Jesus erlebt?

Mittwoch, 13. Januar

Lukas 5,1-11

Lukas erzählt auf besondere Weise die Berufung von Petrus (vgl. die „Kurzform“ in Mt 4,18-22 und Mk 1,16-20).

Kapernaum liegt am See Genezareth; dort haben die Fischer ihre Boote. Jesus lässt sich von Simon (Petrus) ein Stück auf das Wasser hinausfahren, weil die Wasseroberfläche die Akustik verstärkt (vgl. etwa die Seebühne in Bregenz). So begegnet er nun auch Petrus zum ersten Mal unter vier Augen.

V 4-5: Die Anweisung von Jesus, am helllichten Tage noch einmal hinauszufahren, klingt nicht gerade fachgemäß, weil üblicherweise des Nachts gefischt wurde Aber das Vertrauen in die Macht Jesu ist offensichtlich so groß, dass Petrus sich als Experte etwas vom Laien sagen lässt und trotz Müdigkeit nach erfolgloser Nacht noch einmal mit dem Boot hinausfährt.

V 6f: Sein Vertrauen wird reich belohnt: Petrus macht den Fang seines Lebens!

V 8f: Nun bekommt Petrus es mit der Angst zu tun. Obwohl er schon einige Wunder von Jesus erlebt hat (vgl. Kap. 4), ist er zutiefst erschüttert. Dass ein Mensch nicht nur andere Menschen heilt, sondern auch die Naturgewalten lenken kann, zeigt ihm: Hier ist Gott selbst am Werk! Die Begegnung mit dem „Heiligen Gottes“ (Lk 4,34) konfrontiert ihn umgehend mit sich selbst. Im Licht des Heiligen kann das Unheilige nicht bestehen: „Geh weg von mir. Ich bin ein sündiger Mensch!“

V 10: Jesus demütigt Petrus nicht, sondern adelt ihn sogleich mit einem neuen Auftrag. Wer sich selbst auch mit all seinen Fehlern erkennt und mit leeren Händen vor Gott kommt, der bringt alles Nötige mit, damit Gott ihn gebrauchen kann. Jesus hat einen neuen Auftrag für ihn, doch er knüpft auch an dem an, was Petrus mitbringt, und verwandelt es: „Von nun an wirst du Menschen fangen.“

Gott beruft nicht die Tüchtigen, aber er macht die Berufenen tüchtig!

Donnerstag, 14. Januar

Lukas 5,12-16

Mit zwei Heilungsgeschichten, der Heilung eines Aussätzigen (5,12-16) und eines Gelähmten (5,17-26), setzt Lukas sein Evangelium fort.

Ein Aussätziger (griechisch: „lepros“) war aussichtslos krank, ausgeschlossen von jeder menschlichen Gemeinschaft. Denn bei Aussatz (Lepra) handelt es sich um eine ansteckende Krankheit, die damals meist zum Tod führte. Aussätzige mussten nach 3Mose 13,45f außerhalb des Ortes leben (vgl. Lk 17,12), in Sicherheitsabstand zu den anderen Menschen. Solch ein Aussätziger nähert sich gegen alle Verbote Jesus, fällt vor ihm nieder und bittet ihn um Heilung: „Herr, willst du, so kannst du mich reinigen“ (V 12). Aus seiner Bitte spricht tiefes Vertrauen zu Jesus: „Du kannst es.“ Er bekennt damit, dass Jesus von Gott die Macht hat, zu heilen. Aber er stellt seiner Bitte voraus: „Wenn du willst.“ Er weiß: Ich habe keinen Anspruch darauf, geheilt zu werden. Aber dein Wille, Jesus, soll geschehen.

Und Jesus lässt sich bitten. Er hat keine Berührungsängste, sondern Erbarmen mit dem Leprakranken. „Er streckte die Hand aus, rührte ihn an“ (V 13) und macht den Kranken augenblicklich gesund. Jesus ist stärker als die Krankheit!

Auf welche Art und Weise rührt Jesus uns heute an?

Danach verbietet Jesus dem Geheilten, die erfahrene Heilung hinauszuposaunen. Denn er will nicht wegen seiner Wundertaten umjubelt und verehrt werden, sondern mit seiner Botschaft vom Reich Gottes Glauben finden. Der Geheilte soll schweigen, sich vom Priester die Heilung bestätigen lassen und das dafür vorgeschriebene Opfer bringen (vgl. 3Mose 14,2ff). Die Nachricht vom Wundertäter Jesus verbreitet sich jedoch schnell. Scharenweise strömen die Leute zu ihm, sodass er sich in die Einsamkeit zurückziehen muss, um zu beten. Denn sein Auftrag ist es ja, die Menschen zum Glauben an ihn zu rufen.

Freitag, 15. Januar

Lukas 5,17-26

Heute begegnen wir Jesus, wie er die Leute in einem Haus in Kapernaum (Mk 2,1) den Willen Gottes lehrt (vgl. 4,15.31f). Aus ganz Israel sind Menschen zu ihm gekommen, auch Pharisäer und Gesetzeslehrer (V 17).

Ein paar Männer wollen ihren gelähmten Freund auf einer Matte zu Jesus bringen. Da aber im überfüllten Haus kein Durchkommen ist, steigen sie aufs Dach und lassen den Gelähmten in einer spektakulären „Dachdurchbruchaktion“ zu Jesus hinunter. Denn sie trauen es Jesus zu, dass er ihn heilen kann.

Ihr stellvertretender Glaube setzt Jesus in Bewegung. Aber anders als von den Leuten erwartet, die auf ein Heilungswunder spekulieren, spricht Jesus dem Gelähmten zuerst die Sündenvergebung zu: „Mensch, deine Sünden sind dir vergeben“ (V 20). Für Jesus hat die Vergebung der Sünden Priorität. Mit Gott im Reinen zu sein ist letztlich viel wichtiger als körperliche Unversehrtheit.

Doch den Schriftgelehrten geht Jesus entschieden zu weit. Für sie ist der Zuspruch der Sündenvergebung durch Jesus Gotteslästerung (V 21). Denn Sünden vergeben steht allein Gott zu. Wie kann Jesus sich anmaßen, an Gottes Stelle zu handeln? Doch Jesus durchschaut die Schriftexperten. Er lässt sie aber auf seine Frage, was leichter ist: Sündenvergebung oder Heilung, gar nicht erst antworten. Denn beides kann nur Gott schenken. Dass Gott ihm die Vollmacht dazu gegeben hat, sollen sie daran erkennen, dass nun auch das Wunder geschieht: Jesus schenkt dem Gelähmten die erhoffte Heilung und dazu das Heil. Vor Freude strahlend steht er auf, nimmt seine Matte und geht heim, nicht ohne Gott aus vollem Herzen zu loben.

Welche Glaubenserfahrungen führen Sie zum Lob Gottes?

Jesu machtvolle Tat sprengt alle menschlichen Vorstellungen. Kein Wunder, dass die Reaktion der Leute danach zwischen Furcht und Gotteslob schwankt.

Samstag, 16. Januar

Lukas 5,27-32

Die Geschichte von der Berufung des Levi zeigt Jesus in einer weiteren Auseinandersetzung mit den gesetzestreuen Pharisäern und Schriftgelehrten.

Jesus kommt an einer Zollstation vorbei. Zöllner waren Zollpächter, die mit den Römern zusammenarbeiteten und in deren Auftrag sie an einer Grenzstation Zölle einkassierten. Die vereinbarte Pacht mussten sie abführen, die zusätzlichen Einnahmen konnten sie als Verdienst in die eigene Tasche stecken. Bei der Bevölkerung waren sie wegen ihrer Geldgier und der Zusammenarbeit mit der verhassten Besatzungsmacht verachtet (vgl. Mt 11,19; 18,17) und standen mit Prostituierten auf einer Stufe (Mt 21,32).

Levi wird in Mt 9,9 Matthäus (hebr. „Mattaj“, d. h. „Gottes Gabe“) genannt und ist einer der zwölf Jünger Jesu (vgl. Mt 10,3). Unvermittelt spricht Jesus ihn an: „Folge mir nach!“ Levi steht spontan auf und folgt Jesus nach.

Anschließend sind Jesus und seine Jünger Gäste im Haus des Levi. Die Mahlgemeinschaft ist Ausdruck enger Gemeinschaft. Man „liegt“ beim Festmahl auf Polstern „zu Tisch“. Jetzt strömen beim Abschiedsfest des Levi seine bisherigen Zöllnerkollegen und andere offensichtliche Sünder herein. Doch das erregt Missfallen bei den frommen Pharisäern und Schriftgelehrten: Wie kann man nur mit solchen Unreinen und Sündern Gemeinschaft haben (vgl. Lk 7,39)?

Aber Jesus geht ganz anders mit Zöllnern und Sündern um. Er antwortet den Kritikern, dass dies seine von Gott gegebene Mission ist: Sünder zu sich zu rufen, ihnen Gottes Vergebung und Erbarmen zu schenken und sie von der Krankheit der Sünde (vgl. Jes 1,4f; Hes 34,4) zu heilen. Ob die frommen Pharisäer es wohl merken, dass auch sie als scheinbar Gerechte diese Vergebung nötig haben? Auch für sie ist Jesus da. Keinen schreibt er ab!

Wo sind die „Zöllner und Sünder“ heute zu finden?

Sonntag, 17. Januar

Psalm 40

Fast nüchtern beginnt David sein Gebet mit der Beschreibung seiner Rettung aus der Grube des Verderbens. Gott hat seine beharrlichen Gebete erhört. Damit begann für ihn ein neues Leben. Endlich hatte er festen Boden unter den Füßen und einen sicheren Weg in die Zukunft (V 3). So quoll aus seinem Herzen ein neues Loblied für diesen unvergleichlichen Gott (V 4-6).

Die Verse 7-9 lassen darauf schließen, dass David pflichtgemäß die Opferriten befolgt hatte. Nun aber hat er eine lebendige Beziehung zu Gott durch den Gehorsam seines Herzens. Dieser Gehorsam ist wie ein Aufbruch zu einem neuen Leben im Dienst für Gott (V 8f).

Die persönliche Erfahrung der Hilfe Gottes kann nicht privat im eigenen Herzen verschlossen bleiben, sondern drängt als persönliches Zeugnis in die Gemeinde (V 10f). Das geschieht zur Ehre Gottes und zur Stärkung des Glaubens der Gemeindeglieder.

Kann eine private Glaubenserfahrung in einem öffentlichen Zeugnis der Gemeinde in ihren z. T. sehr persönlichen Einzelheiten mitgeteilt werden? Wo liegen die Grenzen?

Eine enge Gemeinschaft mit Gott ist die Basis, um in zukünftigen Nöten nicht zu verzweifeln (V 12).

Im Rückblick stehen ihm viele Leiden und Nöte vor Augen. In seinem Herzen verzagt er beim Blick auf seine Sünden. Angesichts der großen Gnade Gottes sind sie ihm besonders bewusst und quälen ihn. Er ist hilflos. Eilig setzt er einen Notruf an Gott ab (V 13f). Er allein ist seine Rettung!

Am Schluss (V 15-18) stellt er diejenigen, die gottlos sind und ihm nach dem Leben trachten, denen gegenüber, die sich glücklich schätzen, den lebendigen Gott zu kennen.

Trotz seines inneren und äußeren Elends ist der Beter sich der Fürsorge Gottes gewiss. Nur deshalb wagt er, Gott zu bedrängen, ihn so schnell wie möglich aus seinen Nöten zu retten (V 18).

Montag, 18. Januar

Lukas 5,33-39

Jesu Jünger, und damit auch er selbst, stehen in der Kritik der Frommen (5,30). Während die Schüler der Pharisäer und die des Täufers Johannes intensiv die Gebets- und Fastenzeiten einhalten (vgl. 18,12), „essen und trinken“ die Jünger Jesu. Warum fasten sie eigentlich nicht? Fasten wurde, zusammen mit dem Gebet, verstanden als ein Zeichen der Buße und der ganzen Hingabe an Gott.

Aber Jesus stellt sich vor seine Jünger. Mit seinem Kommen in die Welt ist eine besondere Zeit angebrochen: die Heilszeit. Wo er ist, da ist Gott. Jesus unterstreicht das mit dem Bild von der Hochzeit, dem großen Freudenfest, das hier das endzeitliche Heil und das Kommen des Messias symbolisiert (vgl. Jes 61,10; Joh 3,29; Offb 19,7). Jesus ist „der Bräutigam“, und seine Jünger sind die „Hochzeitsgäste“. Jetzt ist die Zeit des Feierns und der Freude. Da fastet doch niemand!

Welche anderen Bibelstellen kennen Sie, wo Jesus das Bild der Hochzeit benützt?

Allerdings ist die Zeit der Freude begrenzt. Ganz nüchtern stellt Jesus fest: „Es wird aber die Zeit kommen, dass der Bräutigam von ihnen genommen ist“ (V 35). Indirekt nimmt Jesus hier schon sein Leiden, Sterben und seine Auferstehung in den Blick. Nach seiner Erhöhung zum Vater muss seine Gemeinde ohne seine sichtbare Gegenwart leben. Dann wird für seine oft angefochtenen und mutlosen Nachfolger wieder intensiv Zeit zum Fasten und zum Beten sein.

Die beiden Bildworte in V 36-39 nimmt Jesus aus dem Alltag seiner Zuhörer. Mit ihnen verdeutlicht er seinen Anspruch, dass mit ihm eine neue Zeit angebrochen ist. Mit Gott im Reinen zu sein ist kein Flickwerk, sondern wie das Geschenk eines neuen Kleides, wie neuer Wein in neuen Schläuchen. Das Evangelium von Gottes Erbarmen braucht neue Formen. Altes und Neues darf deshalb nicht vermischt werden.

Dienstag, 19. Januar

Lukas 6,1-5

Im Judentum hatte und hat der Sabbat eine sehr große Bedeutung. Lesen Sie dazu 2Mose 20,8-11; 5Mose 5,12-15; Jes 58,13f.

Die Sabbatheiligung wird schon in den Zehn Geboten ausführlich begründet. Die Pharisäer hielten das Sabbatgebot peinlich genau ein, dem im Lauf der Zeit noch zahllose Einzelbestimmungen hinzugefügt worden waren.

Jesus stand unter ständiger Beobachtung durch die Pharisäer. Ein neuer Konflikt entzündet sich daran, wie Jesus sich in der Sabbatfrage verhält. Beim Gang durch die Getreidefelder am Sabbat reißen seine Jünger Ähren ab und essen die Körner. Das war im AT grundsätzlich erlaubt (5Mose 23,26). Trotzdem protestieren die Pharisäer. In ihren Augen ist Ährenraufen am Sabbat eine Art von „Erntearbeit“ und damit vom Gesetz verboten.

In V 5 bezeichnet sich Jesus als „Menschensohn“, den endzeitlichen Herrscher, den Gott sendet und der die Welt richten wird. Jesus unterstreicht mit diesem messianischen Hoheitstitel seine Vollmacht, die ihm Gott gegeben hat (vgl. 5,24). Als Messias steht er über dem Gesetz und damit auch über dem Sabbatgebot. Denn der Sabbat ist für den Menschen da – nicht umgekehrt. Auch unser Sonntag soll ein Tag der Freiheit sein, Gott zu ehren und sein Wort zu hören – und ein Tag der Muße und Entspannung.

Mittwoch, 20. Januar

Lukas 6,6-11

Die Auseinandersetzung zwischen Jesus und den pharisäischen Schriftgelehrten um die Heiligung des Sabbats setzt sich im heutigen Bibelabschnitt fort. Jesus steht dabei wieder unter genauer Beobachtung seiner Gegner. Nach seiner Gewohnheit geht er am Sabbat zum Gottesdienst in eine Synagoge; dort lehrt er die Anwesenden (vgl. 4,16.31).

Was bedeutet Ihnen der sonntägliche Gottesdienstbesuch? Wovon machen Sie ihn abhängig? Uhrzeit, Prediger, Musik …? Und was erwarten Sie vom Gottesdienst?

In der Synagoge sieht er einen Mann mit einer „verdorrten Hand“ (= verkrüppelt, steif). Gespannt beobachten die Pharisäer und Schriftgelehrten, ob Jesus diesen Behinderten wohl am Sabbat heilen wird, obwohl für ihn ja keine akute Lebensgefahr besteht. Dann hätten sie einen Grund, Jesus wegen Übertretung des Sabbatgebotes anzuklagen.

Jesus kennt ihre Überlegungen. Trotzdem lässt er sich auf die Auseinandersetzung ein. Während er den Mann mit der verkrüppelten Hand in die Mitte stellt, fragt er seine Widersacher: „Ist’s erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun, Leben zu retten oder Leben zu verderben?“ (V 9). Für Jesus bedeutet das Gute, gleich jetzt, am Sabbat, die Hand des Mannes zu heilen. Die Rettung von Leben am Sabbat war den Juden vom Gesetz her ausdrücklich erlaubt. „Gottes Geschenk in Gestalt des Sabbats soll Leben fördern und nicht Leben hindern“ (Gerhard Maier).

Auf eine Antwort der Pharisäer wartet Jesus vergeblich. Dann heilt Jesus die verkrüppelte Hand, übrigens ohne den Mann nach seinem Glauben zu fragen. In seiner Vollmacht legt Jesus das Sabbatgebot weitherziger aus als seine Gegner. Die aber packt die Wut; und sie überlegen, was sie gegen Jesus unternehmen können. Matthäus und Markus berichten sogar von ihrem Plan, Jesus zu töten (Mt 12,14; Mk 3,6)!

Donnerstag, 21. Januar

Lukas 6,12-16

Das NT überliefert vier Apostellisten (Mt 10,1ff; Mk 3,13ff; Apg 1,13). Beim Vergleich fällt auf:

Die Reihenfolge bei der Aufzählung der Jünger unterscheidet sich leicht. Am Anfang stehen immer Petrus, Jakobus und Johannes. Sie gehören zum engeren Kreis.

Zuletzt wird Judas Iskariot genannt. Obwohl er Jesus verraten hat, ist sein Name nicht von der Liste gestrichen worden.

Anstelle von Judas, Sohn des Jakobus, wird bei Mt und Mk Thaddäus genannt. Möglicherweise ist es derselbe Jünger, da verschiedene Namen für eine Person nicht unüblich waren.

Bevor Jesus die Jünger erwählt, betet er. Er wählt mit dem Berg einen Ort der Abgeschiedenheit und mit der Nacht eine Zeit der Ruhe. Jesus sucht häufig die Verbindung zu seinem himmlischen Vater (Lk 5,16; 9,18.28; 11,1). Das Gebet gibt ihm Kraft, hilft ihm bei Entscheidungen und bildet die Grundlage für sein Reden und Handeln.

Überlegen Sie, zu welchen Zeiten und an welchem Ort Sie die nötige Ruhe zum Gebet haben! Lassen Sie sich von den Auswirkungen des Gebets bei Jesus zum Beten ermutigen.

Viele Männer und Frauen sind bereits mit Jesus unterwegs und gehören zu seinen Jüngern. Aus ihnen wählt Jesus zwölf aus. Die Anzahl ist ein Hinweis auf die Wiederherstellung der zwölf Stämme Israels. Sie bilden das Herzstück von Gottes erneuertem Volk, über das Jesus als Messias regiert. Die anderen Jünger erleben das nicht als Zurückweisung, sondern bleiben an Jesu Seite.

Jesus nennt die Zwölf Apostel (wörtlich: „Ausgesandte“). Ein Apostel wird losgeschickt, um eine Botschaft zu übermitteln oder einen Auftrag auszuführen. Er tritt im Namen des Sendenden auf. Mit der Erwählung kommt der Auftrag in den Blick: in Jesu Namen zu reden und zu handeln. Auch wenn wir nicht zu den Zwölf gehören, gilt uns dieser Auftrag ebenso.

Freitag, 22. Januar

Lukas 6,17-26

Nach dem Rückzug in die Einsamkeit tritt Jesus mit seinen zwölf Jüngern in die Öffentlichkeit. Am Fuße des Berges versammelt sich eine große Menschenmenge: Menschen, die bereits an ihn glauben, und Menschen aus der Ferne, die ihn hören und von ihrer Krankheit geheilt werden wollen. Die zahlreichen Heilungen Jesu sind ein Vorgeschmack und Zeichen auf das Reich Gottes, das mit Jesus angebrochen ist.

Nun konzentriert sich Jesus auf den Kreis seiner Jünger und gibt eine Art Regierungserklärung für das Reich Gottes ab: die sog. Feldrede. Die Gegenüberstellung von Segen und Fluch findet sich auch in 5Mose. Dort ist sie ein Teil des Bundes, der Vereinbarung von Gott mit dem Volk Israel. Jesus wendet sich an die Menschen, mit denen das erneuerte Israel gebildet wird.

Viermal stehen „glücklich zu Preisende“ jenen gegenüber, denen als Ausdruck göttlichen Gerichts das „Wehe“ gilt.

Armut und Hunger an sich sind keine Tugenden. Menschen, die darunter leiden, sind angewiesen auf Hilfe. Reichtum an sich ist keine Sünde, aber birgt die Gefahr, sich allein darauf zu verlassen. Wenn Menschen satt sind, meinen sie, im Leben bereits genug zu haben und verschließen sich für Gott. Wer sich seiner Bedürftigkeit bewusst ist und sich vor Gott öffnet, dem verspricht Jesus die Teilhabe an Gottes Reich. Dort wird es keinen Mangel mehr geben.

Jesus bereitet seine Jünger auf einen schweren Weg mit Leid, Hass und Ausgrenzung vor. Doch mit dem Ziel im Blick sollen sich die Jünger trotzdem freuen: In der himmlischen Wirklichkeit werden alle Wunden heil und Tränen von Gott selbst abgewischt (Offb 21,4).

Vergleichen Sie bitte einmal die Seligpreisungen aus der Feldrede (V 20-23) mit denen aus der Bergpredigt in Mt 5,3-12. Welche Unterschiede fallen Ihnen auf?

Samstag, 23. Januar

Lukas 6,27-35

Jesus spricht konkret diejenigen an, die ihm zuhören und auf ihn hören: seine Nachfolgerinnen und Nachfolger. Sie bilden den Kontrast zu den Adressaten der Wehe-Worte im vorigen Abschnitt. Es sind einfach formulierte kurze Sätze, die vermutlich zum Auswendiglernen gedacht sind.

Der Inhalt dieser Sätze steht im Gegensatz zu allem, was in menschlichem Verhalten üblich ist, z. B. „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ oder „Wie du mir, so ich dir“. Jesus spricht von einer unglaublichen Großzügigkeit, die ihren Ursprung in Gott selbst hat und die Jesus in seinem Leben selbst praktiziert hat – bis zum Äußersten (Lk 23,34).

Die erste Aufforderung „Liebt eure Feinde“ ist die Überschrift über das Folgende. Sie ist ein Alleinstellungsmerkmal des christlichen Glaubens, auch wenn andere Religionen im Konfliktfall vom Gewaltverzicht sprechen oder die sogenannte „Goldene Regel“ (Mt 7,12) kennen.

In sieben Beispielen buchstabiert Jesus durch, wie Feindesliebe konkret aussieht. Sie reagiert auf Hass, Beschimpfung oder gar Bedrohung mit guten Taten, mit Segen und Fürbitte. Sie geht weit über den Verzicht auf Gegenwehr und dem, was an sich als Recht gilt, hinaus: Die andere Backe soll auch dargeboten werden, das Untergewand zusätzlich hergegeben werden.

Ist das, was Jesus fordert, nicht total unrealistisch? Hinter Jesu Worten steht eine Herzenshaltung: Wir sollen großzügig leben, weil Gott großzügig ist. Wer sich bewusst wird, was einem selbst geschenkt ist, lebt anders. Jesus fordert uns auf, lieber auf das eigene Recht zu verzichten und Großzügigkeit walten zu lassen, als uns unter allen Umständen durchsetzen zu wollen. Denn nur so kann schließlich ein Feind gewonnen und Versöhnung mit ihm möglich werden.

Wenn wir im Alltag immer wieder an dem Gebot der Feindesliebe scheitern, tröstet uns die letzte Aussage, dass Gottes Güte selbst den „Undankbaren und Bösen“ gilt.

Sonntag, 24. Januar

Psalm 16

Die nicht eindeutig zu übersetzende Überschrift macht deutlich, dass die glaubende Beziehung zu Gott eine großartige Kostbarkeit darstellt. So ist das Gebet zu ihm wie ein goldenes Kleinod.

Der Psalm lässt sich in vier Strophen einteilen:

Das große Glück (V 1-3).

Der Ernst der Entscheidung (V 4-6).

Die kostbare Erfahrung (V 7-9).

Die strahlende Hoffnung (V 10-11).

Auf die Bitte um Bewahrung folgt gleich das Bekenntnis eines tiefen Vertrauens zur Geborgenheit bei Gott (V 1). Nur wer Gott vertraut, kann ihn um Hilfe bitten!

Die Zugehörigkeit und persönliche Beziehung zu Gott ist wie ein Erbe oder eine Adoption. Man kann es ablehnen oder annehmen.

David ist überaus glücklich, dass von Gott das Los auf ihn gefallen ist. Zu diesem Gott gehören zu dürfen, ist für ihn ein großartiges Erbteil (V 5-6).

Andere im Volk Gottes erkennen das nicht. Sie opfern auch anderen Göttern und verehren sie (V 4).

Gott gibt Wegweisung durch sein Wort. Er bestätigt unser Tun und ermahnt uns in unseren Herzen (V 7).

Wie einen geliebten Menschen hat David diesen großartigen Gott ständig vor Augen. So bekommt sein Glaube Festigkeit, Stärke und Fröhlichkeit (V 8-9).

Wie sich David die Bewahrung im Tod durch Gott vorgestellt hat, wird nicht gesagt. Vielleicht hatte er an eine Entrückung wie bei Henoch (1Mose 5,24) oder Elia (2Kön 2,1ff) gedacht. Aber er war sich gewiss, dass Gott für ihn ein neues Leben und vollkommene Freude haben wird (vgl. 1Petr 1,8). Hier wird das angedeutet, was Jesus durch seinen Sieg über den Tod mit seiner Auferweckung für alle Menschen vollbracht hat.

Welche Vorstellung haben Sie von der Bewahrung im und nach dem Tod?

Montag, 25. Januar

Lukas 6,36-42

V 36-38: Wir handeln oft im Leben nach der Devise: „Wie du mir, so ich dir!“ Jesus lehrt uns hier etwas anderes: „Wie Gott zu dir, so sei du zu deinem Nächsten!“ Weil Gott barmherzig zu dir ist, so begegne du auch andern mit Barmherzigkeit! Darum: Richtet nicht, verdammt nicht, sondern vergebt! Wenn wir uns daran orientieren, werden wir erleben, dass wir auf diese Weise selber reich beschenkt und ein erfülltes Leben haben werden.

Von „Segensströmen, die zu uns zurückfließen“, sprachen früher manche Prediger. Können Sie diese Aussage aus der eigenen Lebenserfahrung bestätigen?

V 39f: Wir gewinnen Klarheit und Orientierung nicht in uns selber, sonst bleiben wir blinde Blindenleiter: Wir sind als Jünger Jesu darauf angewiesen, dass unser Meister uns die Augen öffnet und uns die nötige Erkenntnis für unsern Weg und den unserer Nächsten schenkt. „Vollkommen sein“ meint hier nicht, dass wir in jeder Hinsicht ohne Fehl und Tadel sein sollen. Vielmehr geht es darum, dass wir unser Leben in größtmöglicher Abhängigkeit von Jesus führen und so unser Leben etwas von der Art und Weise unseres Herrn und Meisters Jesus widerspiegelt.

V 41f: Wir sehen oft die Fehler bzw. Schuld anderer vergrößert wie durch ein Fernglas, während wir bei eigenem Versagen das Fernglas umdrehen und so die eigene Schuld als unbedeutend wahrnehmen und sie kleinreden oder entschuldigen. Jesus rät uns, mit der „Holzverarbeitung“ im eigenen Auge anzufangen, statt mit detektivischem Eifer den Splitter im Auge unseres Bruders zu suchen. Wir sind oft viel zu schnell dabei, mit dem Finger auf andere zu zeigen, und nehmen dabei gar nicht wahr, dass im selben Moment mindestens drei Finger auf uns selbst zurückzeigen. Wer allzu sehr von sich und seinem Tun überzeugt ist, den mahnt Jesus hier zu ehrlicher Selbstkritik.

Dienstag, 26. Januar

Lukas 6,43-46

V 43-45: An einem Beispiel aus der Natur macht Jesus deutlich, dass wir in unserm Leben nur Gutes bewirken können, wenn die Herzenseinstellung stimmt. Wer von seiner Veranlagung her ein Egoist ist, der stets auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, wird kein Mitgefühl mit der Not anderer entwickeln und zu selbstloser Hilfe bereit sein. Trotzdem gibt es auch für solche Egoisten die Chance zu einer Herzensveränderung. So verheißt der Prophet den wegen ihres Ungehorsams ins Exil verbannten Juden: „Ich will ihnen ein anderes Herz geben … und will das steinerne Herz wegnehmen aus ihrem Leibe und ihnen ein fleischernes Herz geben“ (Hes 11,19). Überreich beschenkt mit der Liebe Gottes, die durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen ist (Röm 5,5b), können wir die empfangene Liebe Gottes in Wort und Tat an andere weitergeben. Denn wir sind als Christen nie die „Endverbraucher“ der Liebe Gottes, sondern so etwas wie ein Kanal, durch den sich die Liebe Gottes in dieser Welt verströmt.

V 46: Überraschend schließt Jesus in seiner Rede diesen Satz an, mit dem er fromme Lippenbekenntnisse, die folgenlos bleiben, aufs Korn nimmt. Er sieht die vielen Bewunderer in seinem Umfeld, die ihn zwar in den höchsten Tönen loben, aber nie auf den Gedanken kämen, ihr Leben an seiner Botschaft auszurichten und ihm zu gehorchen.

Überlegen Sie einmal, wie oft Sie im Alltag zu dem Entschluss kommen, Jesus beim Wort zu nehmen und ihr Verhalten zu ändern: „Eigentlich müsste ich jetzt …“, so denken Sie – und ändern nichts. Denn: „Es passt mir jetzt gerade nicht!“ Oder: „Ich muss erst dies und das erledigen. Dann will ich …“ So wird dann ein fälliger Gehorsamsschritt auf die lange Bank geschoben, die bekanntlich „des Teufels liebstes Möbelstück“ ist (Paul Deitenbeck).

Mittwoch, 27. Januar

Lukas 6,47-49

V 47f: Zum Abschluss seiner Rede geht Jesus der Frage nach: Welche Konsequenzen werden wohl die Hörer aus dem ziehen, was ich ihnen gesagt habe? Am Bild vom Hausbau macht Jesus deutlich, dass ein solides Fundament angesichts kommender Stürme und Erschütterungen entscheidend für die Stabilität eines Hauses ist. Im übertragenen Sinn will er damit sagen: Wer sein Leben auf dem Fundament seiner Worte, ja, auf ihm selbst (vgl. 1Kor 3,11) aufbaut, der hat damit auch in stürmischen Zeiten festen Halt und zielsichere Orientierung. Wie wesentlich diese Aussage gerade in der Gegenwart ist, zeigt sich daran, dass inzwischen viele der als stabil geltenden Fundamente unseres (Zusammen-)Lebens morsch und brüchig geworden sind: sittliche Maßstäbe, traditionelle Werte, überlieferte Konventionen, bürgerliche Moralvorstellungen etc. So fragen heute Menschen zunehmend: „Wenn alles wackelt: Auf welchem verlässlichen Fundament kann ich dann noch mein Leben aufbauen?“ In einer Zeit zunehmender Unsicherheiten, was dann noch gilt und Bestand hat, gewinnen die Botschaft Jesu und der Glaube an ihn eine neue Aktualität.

V 49: Wer am Ende aber an Jesus vorbeilebt, darf sich nicht wundern, wenn er schließlich ohne Halt und Ziel sein Leben in den Sand setzt. Manche Menschen haben sich eine „Schönwetter-Lebensphilosophie“ zurechtgelegt, in der man darauf setzt, dass das Leben lauter heitere Stunden für uns bereithält. Doch diese Einstellung zum Leben fällt spätestens dann wie ein Kartenhaus in sich zusammen, wenn unverhofft Krankheit und Leid wie dunkle Gewitterwolken am bisher strahlend blauen Horizont auftauchen.

Unsere pietistischen Väter und Mütter sangen früher „Immer fröhlich, immer fröhlich, alle Tage Sonnenschein“. Auch kein Beispiel für eine realistische Sicht auf das Leben – oder?

Donnerstag, 28. Januar

Lukas 7,1-10

Grenzüberschreitung ist angesagt – was für ein Glaube!

Der Hauptmann überschreitet Grenzen, die zu seiner Zeit als unüberwindbar galten, ohne deswegen zu provozieren: Er lässt Jesus durch „Älteste der Juden“ um Hilfe bitten, wohl wissend, dass er als Nichtjude und Vertreter der Besatzungsmacht selbst dazu keinerlei Recht hat. Dies gelingt nur, weil er selbst als andersgläubiger Besatzer als einer gilt, der „das Volk lieb hat“, ja sogar eine „Synagoge erbaut“ hat. Was für eine Haltung!

Er überwindet Grenzen, indem er Jesus in einem zweiten Schritt durch Freunde mitteilen lässt: „Ich traue Dir zu, dass du meinen Sohn heilen kannst.“ Er anerkennt seine eigene Begrenztheit, indem er sich selbst zugleich nicht für würdig hält, Jesus persönlich gegenüberzutreten – freilich nicht nach dem Motto: „Meine Demut ist mein ganzer Stolz!“

Was unterscheidet echte Demut von Unterwürfigkeit?

Was er von Jesus hörte, wird bei ihm zur Tat. Sein Glaube an Jesus, entstanden vom Hörensagen über ihn, wird höchst praktisch: Grenzen zwischen Besatzern und Besetzten werden ebenso überwindbar wie Vorurteile, wer gläubig oder ungläubig ist. Gräben werden überbrückt durch einfühlsames Vorgehen. Der Hauptmann wendet sich nicht selbst an Jesus, sondern lässt andere für sich sprechen. Er respektiert die Grenzen und überwindet sie zugleich – wie die kanaanäische Frau (Mt 15,21ff). Auch der Hauptmann gibt sich demütig mit den „Brosamen“ zufrieden, die „vom Tisch ihrer Herren fallen“.

Jesus bescheinigt ihm einen Glauben, der die Grenzen dessen überwindet, was für Menschen unmöglich und von ihnen nicht absehbar ist. Der Hauptmann glaubt: „Gott ist alles möglich!“

Ein vorbildlicher, großer Glaube ist ein Vertrauen, das nicht nur auf eigene Möglichkeiten setzt, aber mit Gottes unbegrenzten Möglichkeiten rechnet.

Freitag, 29. Januar

Lukas 7,11-17

Totgesagte leben länger – der Weckruf der Auferweckung!

Was für eine Ostergeschichte – weit vor der Auferstehung Jesu. Ein Zeichen, das es in sich hat. Jesus selbst hat Erbarmen mit der trauernden Witwe. Kein Wort von ihr wird überliefert, keine Bitte an Jesus, er möge ihr und ihrem toten Sohn helfen.

Jesus sieht! Und was er sieht, lässt ihn nicht kalt und ungerührt. Er lässt sich nicht bitten, sondern handelt – aus leidenschaftlicher, mitleidender Liebe. Er erweist sich in seinem Handeln als der „Herr“, ein Titel, der schon ein Licht auf die Macht des Auferstandenen wirft. So sehr der Witwe zum Weinen zumute ist, Jesus sieht schon darüber hinaus. Sein: „Weine nicht!“, kein Ausdruck von mangelndem Mitgefühl, sondern von Zuversicht, die weiter sieht, als das, was augenfällig abzusehen ist. Sein Wort: „Steh auf!“, wirkt Wunder wie bei der Schöpfung die Aussage: „Und Gott sprach.“

Der Aufgebahrte steht auf. Seine Auferstehung verschafft ihm den aufrechten Gang, auferweckt durch den Weckruf und im Angesicht des Herrn der Welt. Nicht von ungefähr die Geste Jesu: die Übergabe des Sohnes an die Mutter. Und nicht von ungefähr die Reaktion: die (Ehr-)Furcht vor der Größe Jesu, der sich als Herr über den Tod erwiesen hat.

„Prophet“ nennen sie ihn. Einer, der die Situation sieht, wie sie ist – mit Gottes Augen. Einer, der bereits sieht, was werden kann, und in Gottes Vollmacht spricht – ein wirksames Wort.

„Gott hat sein Volk besucht!“ (V 16), so das Lob Gottes in Ehrfurcht vor Jesu Handeln. In Jesus wird Gottes Sein und Handeln wirksam. Er sieht und fühlt mit uns. Seine eigene Auferweckung kann für uns der Weckruf sein, mit Gottes Liebe zu rechnen und seiner Macht zu vertrauen – auch in scheinbar auswegloser Lage. Dann rechnen wir mit Gottes (Geistes-)Gegenwart und seiner Zukunft, sein Kommen zu uns, und dies nicht nur als kurzfristige „Stippvisite“, sondern als dauerhafte Wohnung.

Samstag, 30. Januar

Lukas 7,18-23

Die Gewissheitsfrage: Wer ist dieser Jesus – der Erwartete?

„Wer bist du?“ Ohne diese Frage kommt keine Begegnung aus, auch wenn sie nicht immer gestellt wird. Noch gravierender wird die Frage, wenn man hohe Erwartungen an jemand knüpft. Wer mag schon gern enttäuscht werden?

Auch Johannes dem Täufer geht das so. Er hat sich als Wegbereiter eines Größeren und Bedeutenderen als sich selbst verstanden. Selber kann er seine Frage nicht an Jesus richten. Herodes hat ihn ins Gefängnis geworfen (Lk 3,20), weil Johannes sich erlaubt hat, ihn zu kritisieren.

„Bist du, der da kommen soll?“, so der erste Teil der Frage. Die Erwartungen waren geweckt. Schließlich soll endlich der von Gott versprochene Retter kommen. Aber ist Jesus auch der Erwartete oder „sollen wir auf einen anderen warten“?

Die Antwort Jesu ist einerseits deutlich: Die Aussagen über seine Heilung von blinden, lahmen, aussätzigen und tauben Menschen zeigen seine Zuwendung zu den Leidenden und Ausgestoßenen. Heilung von Beeinträchtigung und Krankheit war geschenktes neues Leben in umfassendem Sinn, zugespitzt in der Auferweckung vom Tod. Die Zuwendung zu den Armen war ebenso außergewöhnlich, schließlich gilt Wohlstand als Segen für ein gottgefälliges Leben. Die Anklänge an Worte aus dem Jesajabuch sind nicht zu überhören (z. B. Jes 61,1).

Doch die Antwort Jesu gibt auch Rätsel auf: „Selig ist, wer sich nicht ärgert an mir!“ Weshalb der Verweis darauf, dass Jesu Wirken auch als „Skandal“ gewertet werden kann?