Bittere Delikatessen - Horst Eckert - E-Book

Bittere Delikatessen E-Book

Horst Eckert

3,8

  • Herausgeber: GRAFIT
  • Kategorie: Krimi
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2012
Beschreibung

Mord in der Düsseldorfer Schickeria! Feinkostkönig Fabian wird niedergestochen; die Bluttat ist für die Medien ein gefundenes Fressen. Kommissar Engel gerät unter Druck - getrieben von Publicitysucht, gefordert vom Chef, angefeindet von Kollegen, angezogen von einer schönen Verdächtigen.

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Seitenzahl: 291

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© 1996 by GRAFIT Verlag GmbH

Chemnitzer Str. 31, D-44139 Dortmund

Internet: http://www.grafit.de

E-Mail: [email protected]

Alle Rechte vorbehalten.

Umschlagfoto: Carsten Laskowski, photocase.com

eISBN 978-3-89425-878-8

Horst Eckert

Der Autor

Horst Eckert, 1959 in Weiden/Oberpfalz geboren, lebt als hauptberuflicher Autor in Düsseldorf. Wie kaum ein Zweiter versteht er es, Spannung mit Tiefgang zu erzeugen, indem er Seelen in all ihren Schattierungen auslotet. Dabei erweist er sich zudem als schonungsloser Chronist unserer Zeit. Davon zeugen zahlreiche Auszeichnungen wie der ›Marlowe‹-Preis für Aufgeputscht, der ›Friedrich-Glauser‹-Preis für Die Zwillingsfalle und der ›Krimi-Blitz 2011‹ für Schwarzer Schwan. Eckerts Romane sind ins Tschechische, Französische und Niederländische übersetzt.

www.horsteckert.de

Kritik und Ansporn haben mir die Arbeit erleichtert. Vor allen anderen geht mein Dank an Kathie, Klaus, Stefan und Cornelia.

Sonntagabend

1.

Das Gratin war fertig. Durch die Scheibe des Backofens konnte er sehen, wie die Sahne auf den Kartoffelscheiben braune Blasen warf. Er reduzierte die Hitze und stellte einen Teller zum Vorwärmen in den Ofen. Dann wischte er sich die Finger an der Schürze ab, die sich über seinem mächtigen Bauch wölbte, und warf einen Blick in seinen Bocuse.

Alle Rebhuhnbrüstchen von jeder Seite leicht mit Salz und Pfeffer würzen. Auf der Hautseite zuerst in heißer Butter anbraten.

Er gab Butter in die Pfanne, nicht zu knapp, und schaltete das Schnellkochfeld auf mittlere Stärke. Während das Fett schmolz, schnitt er die fertig geputzten Steinpilze in dünne Scheiben. Dann befolgte er die Anweisung des Kochbuchs. Es zischte und begann sofort zu duften.

Seit Jahrzehnten lebte er vom Handel mit kulinarischen Genüssen. Mit einem Partyservice hatte es begonnen, eine Kette exklusiver Restaurants war daraus geworden. Und Kochen war sein Hobby. Kochen, Essen und Trinken. Auf die Kalorien zu achten, hatte er schon vor vielen Jahren aufgegeben. Jeden Sonntagabend bereitete er einen kleinen Festschmaus, ganz für sich allein.

Es war sein heiliges, privates Ritual, das am Vortag begann, wenn er in seinen Büchern blätterte. Ein ganzes Regal umfasste die Sammlung verschiedenster Rezepte, von der Hausmannskost vergangener Jahrhunderte bis zu neuesten Einfällen sterngekrönter Kochkunst. Seite für Seite wuchs seine Vorfreude. Das Wasser lief ihm im Mund zusammen, und wenn er sich auf eine bestimmte Menüzusammenstellung festlegte, richtete er sich ausschließlich nach der Willkür seiner Begierde, denn unabhängig von den Jahreszeiten bot der Markt am Karlsplatz alles frisch, wonach ihm gelüstete, von Kalbsbries und Gänsestopfleber bis zum wilden Spargel aus Italien oder Thailand. Und was es dort nicht gab, konnte er in seinem eigenen Feinkostgeschäft bekommen, geräuchertes Krokodilfleisch zum Beispiel oder Austern, am Morgen gefischt und vom eigenen Charterservice aus Irland eingeflogen.

Der Einkauf am Samstag war der erste Höhepunkt des Wochenendes. Den Nachmittag verbrachte er gewöhnlich mit Vorbereitungen in seiner Küche. Fonds mussten gekocht werden, Pasteten gebacken. Er nahm stets die Mengen, die die Rezepte für vier Personen vorsahen, denn er war ein guter Esser, und schon während der Zubereitung konnte er sich das Naschen nicht verkneifen. Er wusste, dass Völlerei als eine der sieben Todsünden galt. Sie würde ihm den Einzug in den Himmel verwehren, doch er fühlte sich bereits zu Hause im Paradies, wenn er ihr an jedem Wochenende hemmungslos frönte. Nur noch selten dachte er an längst vergangene Zeiten, als auch andere Todsünden sein Leben bestimmt hatten.

Den Sonntag begann er mit einem besonders ausgedehnten Frühstück, denn dies war das letzte Mahl vor dem abendlichen Festschmaus. Danach ging er spazieren, am Rhein oder durch den Wald oberhalb der Rennbahn, selbst bei schlechtem Wetter; solange, bis er Appetit verspürte, also selten länger als eine halbe Stunde. Der Nachmittag gehörte dann der Küche. Nur selten bemerkte er, dass er etwas einzukaufen vergessen hatte. In diesem Fall genügte ihm ein Anruf, jederzeit konnte er sich von einem seiner Angestellten nach Hause liefern lassen, was ihm fehlte. Er brauchte nur zu schnippen, und sie sprangen. Er hatte den Laden gut im Griff.

Heute war es der Wein gewesen. Zwar war sein Weinschrank stets gefüllt, doch kurzfristig hatte er sich für einen Tropfen entschieden, den er nicht zu Hause vorrätig hatte. Es hatte Vorteile, einen Partyservice zu betreiben. Man war flexibel.

Der dicke Mann goss sich etwas von dem Roten ein, der jetzt seit gut einer Stunde chambrierte, roch daran und ließ einen Schluck langsam über Zunge und Gaumen gleiten. Ein 82er Brunello, Il Poggione, wuchtig, majestätisch. Ein letzter Blick ins Kochbuch.

Dann wenden und fertig braten. Die Brüstchen sollen innen noch rosa sein.

Er tat wie geheißen. Brüstchen, das Wort gefiel ihm.

Es klingelte an der Tür. Verdammt! Gerade jetzt. Er riss sich die Schürze über den Kopf und walzte den Flur entlang. Schnaufend spähte er durch den Spion. Er erkannte den Rücken einer Person, die einen Trenchcoat trug. Seltsam, an diesem Sommerabend. Und er sah langes, blondes Haar. War das etwa ...? Sein Herz klopfte, als er die Tür öffnete.

»Du bist es? Was soll die alberne Verkleidung?«

Sein unerwarteter Gast trat wortlos ein. Im Hintergrund zischte es. Die Brüstchen!

»Warte eine Sekunde. Ich habe etwas auf dem Herd.« Keuchend trabte er zurück. »Bin gleich bei dir!«

Das Rebhuhn rasch vom Herd, fast hätte er die Weinflasche umgestoßen.

»So!«

Der Flur war leer. Er schloss die Wohnungstür, folgte dem Gast ins Wohnzimmer und blickte auf ein großes Küchenmesser, von der gleichen Sorte wie das, mit dem er gerade noch die Pilze geschnitten hatte. Bereits der erste Hieb durchtrennte seinen Kehlkopf und die Halsschlagader.

Der Puls presste eine Blutfontäne aus der klaffenden Wunde. Heinz Fabian fasste sich an den Hals. Überraschung, dann erst Angst.

DER ABGRUND.

Er versuchte zu schreien. Es wurde nicht mehr als ein Röcheln. Ein Schwall warmen Blutes rann über seine Finger auf die Brust hinunter. Ein hässlicher roter Fleck auf seinem Hemd, der rasch immer größer wurde. Fabian taumelte und brach zusammen.

DIE FINSTERNIS.

Die Fontänen aus dem Hals wurden mit jedem der letzten Pulsschläge kleiner.

Montag

2.

Morgenpost, 26. Juni, Lokales:

POLIZEIPRÄSIDENT FANSELOW BALD IN PENSION?

POSTENKARUSSELL IM PRÄSIDIUM DREHT SICH WEITER

Die Nachwehen der Affäre Bollmann halten an. Carlhanns Fanselow, der nach dem Tod Harald Bollmanns vor erst sechs Monaten als neuer Behördenchef vom Innenministerium zur Polizei versetzt worden war, scheint bereits über sein Ausscheiden nachzudenken. Wie aus informierten Kreisen bekannt wurde, will Fanselow bei den Landtagswahlen im nächsten Jahr für ein Mandat kandidieren und vorher in den Ruhestand gehen. Innenminister Lemke steht damit erneut vor dem Problem, die Führung des Polizeipräsidiums zu besetzen.

Als möglicher Nachfolger gilt unter anderen der Leiter der Kriminalpolizei, Kriminaloberrat Clemens Sonntag (56), nach Fanselow ranghöchster Polizeibeamter. Gegen ihn spricht der oft geäußerte Wunsch Lemkes, die Führungsspitzen im Lande verjüngen zu wollen.

Im Dezember letzten Jahres war Fanselows Vor-Vorgänger Hans-Werner Kurz aus gesundheitlichen Gründen vom Amt des Polizeichefs zurückgetreten. Dessen Nachfolger Harald Bollmann war nur sechs Tage im Amt. Bollmanns Tod und die damit verbundene Affäre hatten ein Postenkarussell in Bewegung gesetzt, das sich auch jetzt noch weiterdreht. Die Oppositionsparteien im Landtag warfen Innenminister Lemke vor, die Behörde als Karriereleiter für Freunde und Parteimitglieder zu missbrauchen. Statt endlich Ruhe in den Polizeiapparat zu bringen, gefährde er so die öffentliche Sicherheit. Ein Sprecher des Innenministers wies gestern die Vorwürfe als unbegründet zurück.

Blitz, 26. Juni, Innenteil, Rubrik »Watzmannhaus intim«

WATZMANNHAUS IN BLITZ UND DONNER

KOMPARSE FAST IN FLUTEN ERTRUNKEN

Von Alex Vogel. Während uns am Rhein das Hoch »Xaver« zu schaffen macht, krachen in den Bergen die Gewitter. Die gestrigen Dreharbeiten zu Europas größter TV-Serie fielen buchstäblich ins Wasser. Beim Versuch, sich vor einem plötzlichen Wolkenbruch ans Ufer zu retten, kenterte auf dem Hallstädter See ein Ruderboot mit fünf Komparsen. Ein Nichtschwimmer konnte im letzten Moment gerettet werden. Die für heute geplanten Außenaufnahmen bei Bad Goisern wurden um eine Woche verschoben. Chefregisseur Dietling gibt sich dennoch optimistisch: »Das Watzmannhaus liegt gut im Zeitplan.«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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