Verlag: Feelings Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

Bittersüße Leidenschaft E-Book

Kajsa Arnold  

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E-Book-Beschreibung Bittersüße Leidenschaft - Kajsa Arnold

Sie wollte ihre Probleme hinter sich lassen und neu anfangen. Es sollte einfach werden. Doch mit den Gefühlen, die Bad Boy Mitch in ihr auslöst, hat Summer nicht gerechnet. Der Auftakt zur neuen leidenschaftlichen New-Adult-Reihe von Bestseller-Autorin Kajsa Arnold. Summer verlässt ihre Heimat London, um ihr trostloses Leben und vor allem ihren Vater hinter sich zu lassen. Sie zieht ans andere Ende der Welt zu ihrer Tante, die in Australien lebt. Hier, in ihrer neuen Heimat, scheint ihr das Leben zunächst leicht zu fallen. Sie legt ihre Schüchternheit ab und findet entgegen ihrer Befürchtungen schnell Anschluss. Einzig Mitch, der gutaussehende Sohn von Keith, dem Freund ihrer Tante, vergällt ihr den Neuanfang. Nicht nur scheint Summer ihm ein Dorn im Auge zu sein. Ärgerlicherweise setzt Summers Herz auch noch jedesmal einen Moment aus, sobald sie ihm begegnet. Und ihre Wege kreuzen sich oft, denn sie besuchen dieselbe Schule – und sind zu allem Überfluss auch noch Tanzpartner. Summers Gefühle stehen in dieser schwierigen Zeit Kopf. War die Flucht nach Australien ein Fehler? »Bittersüße Leidenschaft« von Kajsa Arnold ist ein eBook von feelings*emotional eBooks. Mehr von uns ausgewählte romantische, prickelnde, herzbeglückende eBooks findest Du auf unserer Facebook-Seite. Genieße jede Woche eine neue Liebesgeschichte - wir freuen uns auf Dich!

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E-Book-Leseprobe Bittersüße Leidenschaft - Kajsa Arnold

Kajsa Arnold

Bittersüße Leidenschaft

Tears of Summer – Trilogie Teil 1

Knaur e-books

Über dieses Buch

Summer verlässt ihre Heimat London, um ihr trostloses Leben und vor allem ihren Vater hinter sich zu lassen. Sie zieht ans andere Ende der Welt zu ihrer Tante, die in Australien lebt. Hier, in ihrer neuen Heimat, scheint ihr das Leben zunächst leichtzufallen. Sie legt ihre Schüchternheit ab und findet entgegen ihren Befürchtungen schnell Anschluss.

Einzig Mitch, der gut aussehende Sohn von Keith, der Freund ihrer Tante, vergällt ihr den Neuanfang. Nicht nur scheint Summer ihm ein Dorn im Auge zu sein. Ärgerlicherweise setzt Summers Herz auch noch jedes Mal einen Moment aus, sobald sie ihm begegnet. Und ihre Wege kreuzen sich oft, denn sie besuchen dieselbe Schule – und sind zu allem Überfluss auch noch Tanzpartner. Summers Gefühle stehen in dieser schwierigen Zeit kopf. War die Flucht nach Australien ein Fehler?

Inhaltsübersicht

1. Kapitel2. Kapitel3. Kapitel4. Kapitel5. Kapitel6. Kapitel7. Kapitel8. Kapitel9. Kapitel10. Kapitel11. Kapitel12. Kapitel13. Kapitel14. Kapitel15. Kapitel16. Kapitel17. Kapitel18. Kapitel19. Kapitel20. Kapitel21. Kapitel22. Kapitel23. Kapitel24. Kapitel25. Kapitel26. Kapitel27. Kapitel28. Kapitel29. Kapitel30. Kapitel31. Kapitel32. Kapitel33. Kapitel34. Kapitel35. Kapitel36. Kapitel37. Kapitel38. Kapitel
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1

Summer

Für jemanden, der noch nie in seinem Leben geflogen ist, habe ich mich bisher ganz gut angestellt, versuche ich mir vor dem Landeanflug selbst Mut zuzusprechen. Und ehrlich gesagt, waren die zwanzig Stunden im Flieger wirklich ein Klacks gegen achtzehn Jahre allein mit meinem Vater. Im Flugzeug war es wesentlich gemütlicher, als es unsere schäbige Wohnung je gewesen ist.

Ich schaue aus dem Fenster, die Maschine dreht noch eine Runde, neigt sich gefährlich dem Boden entgegen. Ich klammere mich ängstlich an meinen Sitz und zähle stumm bis zehn. Nicht durchdrehen, ich habe schon Schlimmeres überstanden. Diese Maschinen landen doch andauernd auf irgendwelchen Flughäfen, oder etwa nicht? Ist in der letzten Zeit ein Flugzeug über Perth abgestürzt? Ich hoffe nicht. Der Boden kommt immer näher, und ich sollte die Augen schließen. Doch ich schaffe es nicht, wegzuschauen. Es ruckelt gewaltig, und bevor ich in Panik geraten kann, ertönt schon die Stimme der Stewardess, die die Passagiere bittet, noch angeschnallt zu bleiben.

Ich löse meine Finger, die ich um die Armlehne gekrallt habe. Mein Nebenmann sieht mich komisch an. Vermutlich hat er gemerkt, was ich für eine Angst hatte. Klasse gemacht. Wie üblich.

Wir werden angewiesen, auf unseren Plätzen zu bleiben, bis das Flugzeug die endgültige Parkposition erreicht hat. Nach endlosen fünf Minuten steht die Maschine endlich, und das erlösende Pling ertönt, das uns gestattet, die Gurte zu lösen.

 

Es dauert eine geschlagene Stunde, bis ich meinen Koffer vom Band ziehen kann und durch die Passkontrolle schreite. Erst jetzt habe ich das Gefühl, australischen Boden zu betreten. Welcome down under.

Jane hat versprochen, mich abzuholen, und ich halte Ausschau nach einer hübschen Blondine. Aber weit und breit ist nichts von ihr zu sehen. Um mich herum fallen sich Menschen in die Arme, begrüßen einander – nur ich stehe ein wenig verloren in der riesigen Halle. Vielleicht verspätet sie sich?

»Hey, bist du Aria?«

Ein großer schlaksiger Typ, mit blondem Haar, das ein wenig struppig aussieht, blickt auf mich herunter und grinst breit.

»Ja«, sage ich zaghaft und nicke.

»Okay, hi, ich bin Riley. Deine Tante schickt mich. Ich soll dich abholen, Jane wurde leider aufgehalten.«

Ich nicke erneut und beiße mir auf die Unterlippe.

»Du bist doch Aria Summerfield aus London, oder etwa nicht?« Er blickt mich skeptisch an und verschränkt die Arme vor der Brust.

Innerlich stöhne ich auf, denn ich mag meinen Namen nicht besonders. Mein Vater hat ihn ausgesucht und gegen den Willen meiner Mutter eintragen lassen. Sie hat mich immer nur Summer genannt. Sie sagte immer, ich hätte den Sommer in ihr Leben gebracht.

»Ja, das bin ich. Nur … alle nennen mich Summer, nicht Aria«, erkläre ich und hebe mein Gepäck auf.

»Gut, dann eben Summer. Man hört an deiner Aussprache, dass du aus London kommst.« Er grinst mich frech an. »Lass mal, ich nehme deine Koffer schon.« Er will danach greifen, aber ich bin schneller.

»Hab sie schon.«

»Die sind doch viel zu schwer für dich.« Er blickt auf meine alten Koffer, die noch nicht mal Rollen besitzen.

»Sieht nur so aus. Ich bin stark«, sage ich und gehe ein paar Schritte. Dann bleibe ich stehen und drehe mich um, denn er ist mir nicht gefolgt.

»Jane hat mich vorgewarnt, dass du nur schwer zu überzeugen bist. Aber sie hat mich wirklich geschickt. Ich habe nicht vor, deine Koffer zu stehlen.« Er grinst wieder und sieht irgendwie süß dabei aus. »Na, komm schon.« Er nimmt mir einen der Koffer und die schwere Reisetasche ab, und wir laufen gemeinsam zum Ausgang.

»Dir wird es hier gefallen. Perth ist cool. Ich bin übrigens Riley. Riley Tatham.« Er reicht mir die Hand, während wir in seinen Wagen klettern. Es ist ein Jeep und außerdem mächtig hoch, daher hilft er mir beim Einsteigen.

»Summer«, sage ich, als er neben mir auf den Fahrersitz klettert, »aber das weißt du ja schon.«

»Klar, Summer. Das merk ich mir. Schnall dich an, dann geht es los.«

Zwanzig Minuten dauert die Fahrt vom Flughafen zum Institut für zeitgenössische Kunst, in dem meine Tante arbeitet. Es ist eine Art kulturelles Zentrum für Kunstinteressierte. Jane hat mir geschrieben, dass es ein Museum, eine Bibliothek und eine Aula mit Bühne für Theater- und Tanzaufführungen beherbergt. Ich bin total gespannt, denn Tante Jane hat mir erzählt, dass sie mir hier einen Job verschaffen kann.

»Arbeitest du hier?«, frage ich Riley und mustere ihn auffällig. Er trägt eine beige Chinohose mit Bügelfalte und ein hellblaues Poloshirt. Dabei macht er nicht den Eindruck, als wäre er der Bügelfaltentyp.

»Ja, ich bin Hilfskraft. Mädchen für alles, sozusagen. Jane, also deine Tante, kümmert sich um die Aushilfen. Es macht eine Menge Spaß, im Institut zu arbeiten.«

»Wie ist meine Tante denn so?«, frage ich neugierig.

»Oh, Jane ist klasse. Wirklich. Sie ist so ungezwungen, voller Ideen. Wir mögen sie alle. Sag nicht, dass du sie gar nicht kennst!«

»Wie viele Aushilfen gibt es so?«, will ich wissen, ohne auf seine Frage einzugehen. Er blickt mich immer wieder an, obwohl es mir lieber wäre, er würde mehr auf die Straße achten.

»Das ist unterschiedlich. Wir sind eine Gruppe von vier bis sieben Aushilfen, je nachdem, was gerade so ansteht. Jane hat erwähnt, dass du auch im Institut arbeiten wirst?«

Ich nicke. »Ja, Jane will mir einen Job besorgen. Von irgendetwas muss ich ja leben.«

»Na ja, reich wirst du allerdings nicht dabei.«

»Das habe ich auch nicht vor. Es gibt im Leben Wichtigeres als Geld, findest du nicht auch?«

Riley überlegt einen Augenblick. »Kommt darauf an. Wenn man genug Knete hat, ist es nicht wichtig. Aber wenn man jeden Penny dreimal umdrehen muss, wird sie zur wichtigsten Sache auf der Welt. Gehörst du zu den Menschen, die es in Säcken horten? Oder hast du Daddys schwarze Kreditkarte im Gepäck?«

Ich lache laut auf. Wenn ich an Dad denke, ist eine Kreditkarte wirklich das Letzte, was ich sehe. Vermutlich würde er damit im Pub eine Gratisrunde nach der anderen ausgeben.

»Tut mir leid, mit einer Kreditkarte kann ich nicht dienen. Nur Bares ist Wahres«, erwidere ich, ohne zu viel zu verraten.

Ich schaue mir die karge Landschaft genau an, die an dem Seitenfenster geradezu vorbeifliegt. Perth ist völlig anders, als ich es mir vorgestellt habe. Vor allem ist es gewöhnungsbedürftig nach London. Diese Weite, der endlose Himmel. Leichtes Heimweh macht sich in meiner Brust breit. Doch man muss ab und an neue Wege gehen. Ich muss mich zusammenreißen. Jetzt nur nicht in Tränen ausbrechen!

Immer wieder spüre ich Rileys Blicke auf mir, aber die Vegetation nimmt mich so in Anspruch, dass ich meinen Blick kaum davon abwenden kann. Häuser kommen in Sicht, und wir parken nach einiger Zeit vor einem roten Backsteingebäude. Ein kleiner Turm ragt hoch auf. Die Fenster sind weiß abgesetzt, und irgendwie macht das Anwesen auf mich den Eindruck, als handele es sich um ein Bahnhofsgebäude.

»Das ist das Institut?«, frage ich überrascht.

»Ja, klar.« Riley schaut mich fragend an. »Was hast du denn gedacht?«

»Ich habe ein neumodisches Gebäude erwartet, mit viel Chrom, so was in der Art.«

»Hier tickt alles etwas anders. Das wirst du mit der Zeit auch noch lernen«, sagt Riley und hält mir die Tür auf, damit ich aussteige. »Du kannst dein Gepäck im Wagen lassen. Er gehört Jane.«

»Okay«, sage ich zögerlich. Mein Gepäck einfach so, ohne Aufsicht zurückzulassen, fällt mir schwer.

»Du brauchst keine Angst zu haben. Der Parkplatz gehört zum Institut, hier parken nur die Angestellten, er wird bewacht.« Sein Blick wandert zu dem kleinen weißen Häuschen, vor dem zwei Männer in hellbraunen Uniformen stehen.

 

Wir betreten eine riesige Halle. Ich lege den Kopf in den Nacken, schaue hinauf. Im ersten Stock ist eine Galerie, die wir über eine Treppe erreichen. Auch hier ist alles offen gestaltet. Die weißen Wände vermitteln Weite, und die dunklen Böden sehen sehr gepflegt aus.

An einem langen Schreibtisch sitzt ein junger Mann, der uns freundlich anlächelt. »Hi, Riley. Da ist ja unser Gast. Willst du uns nicht vorstellen?«

»Dürfen wir erst mal ankommen? Also, Summer. Das ist Quentin. Er arbeitet hier schon eine ganze Weile. Wenn du etwas brauchst, sag ihm Bescheid, er kann alles besorgen – alles, was nicht illegal ist«, scherzt Riley.

»Hey, du unterschätzt mich«, sagt Quentin und grinst breit. Er steht auf und reicht mir die Hand. »Hi, Summer. Ich dachte, du heißt Aria.« Quentin ist ein schlanker, großer Mann von schätzungsweise Mitte dreißig. Er hat braunes, lockiges Haar und freundliche bernsteinfarbene Augen, die mich eingehend mustern.

Ich grinse leicht verlegen. »Ja, eigentlich schon. Aber meine Freunde nennen mich Summer, wegen meines Nachnamens.«

»Na, dann hoffe ich, dass ich zu deinen Freunden gehören werde. Jane ist noch in einer Besprechung. Vielleicht willst du dich in der Galerie etwas umsehen?«

»Das wird nicht nötig sein, Quentin, wir sind gerade fertig.« Die Stimme kommt von einer Tür hinter dem Schreibtisch. Dort steht sie. Jane Harris – meine Tante. Sie ist gerade mal acht Jahre älter als ich und sieht meiner Mutter erstaunlich ähnlich.

»Hi, Tante Jane«, erwidere ich leise, weil mich dieses plötzliche Zusammentreffen etwas überfordert.

»Ach, die Tante kannst du dir schenken. Das hört sich an, als wäre ich steinalt.« Sie kommt lachend auf mich zu und zieht mich in ihre Arme.

Auf einmal durchströmt mich ein warmes Gefühl. Es ist komisch, denn Tante Jane, Verzeihung, nur Jane, kenne ich lediglich von Bildern, die sie mir via E-Mail geschickt hat. Doch es fühlt sich vertraut an, als hätte ich sie schon immer gekannt. Als hätten wir uns erst heute Morgen verabschiedet. Ich habe das Gefühl, endlich nach Hause zu kommen.

»Mädchen, was bist du nur für eine Schönheit? Du siehst deiner Mutter so ähnlich, ich kann es nicht fassen, dass ich dich endlich in den Armen halten kann«, flüstert sie mir leise ins Ohr und schnieft. Aus ihrem Augenwinkel löst sich eine Träne. Ich schlucke heftig, denn Sentimentalitäten bin ich nicht gewohnt. In meinem Leben gab es seit Moms Tod vor über sechs Jahren keinen Platz dafür. Jane schaut mich liebevoll an, streichelt mir übers Haar und drückt mich dann wieder an sich. Ich spähe über ihre Schulter und schenke Riley und Quentin ein flüchtiges Lächeln. Doch dieses Lächeln stirbt einen schnellen Tod, als ich einen Blick auf den Typen werfe, der mit verschränkten Armen hinter den beiden an der Wand lehnt. Er wirft mir einen spöttischen Blick zu, als wäre ich ein kleines Kind. Jetzt verdreht er sogar die Augen und formt aus seinem Kaugummi eine große Blase, die er laut platzen lässt. Was für ein Blödmann.

»Mitch, Kaugummi raus!«, ruft Jane. Sie macht sich von mir los und dreht sich zu ihm um.

»Aria, Quentin und Riley kennst du ja schon. Das ist Mitch, er ist ebenfalls eine neue Aushilfe, so wie du. Vermutlich wäre es das Beste, wenn ihr für die erste Zeit zusammenarbeitet.«

Nein, echt jetzt? Mit diesem Kerl, der einen anblickt, als wäre man ein Insekt, das unter seinem Schuh klebt? Bitte, tu mir das nicht an, flehe ich stumm und schließe für eine Sekunde die Augen, aber als ich sie wieder öffne, ist er leider nicht verschwunden, und sein Blick ruht intensiv auf mir.

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2

Mitch

Sie ist ein kleines Mäuschen. Ein neues Opfer, ich kann es riechen. Sehe es förmlich vor mir, wie sie schreiend das Land verlässt, wenn ich erst einmal mit ihr fertig bin. Aber so weit sind wir noch lange nicht. Vorher werde ich sie noch ordentlich durchvögeln, und ihr gepflegtes Haar durcheinanderbringen, sodass man ihr sofort ansieht, wie sie ihre Zeit verbracht hat. Nämlich unter mir. Sie wird eine neue Kerbe an meinem Bettpfosten sein. Eine englische Kerbe. Die Erste aus dem Vereinigten Königreich.

Als ich mir Janes Gesicht vorstelle, wenn sie erfährt, dass ich ihrer feinen Nichte die Unschuld gestohlen habe, muss ich unwillkürlich grinsen. Das hat sie davon, dass sie mit meinem Dad ins Bett gestiegen ist.

Ich blicke auf und schaue ihr geradewegs in die Augen. Diese Farbe … sie sind braun … nein, grün … oder? Ist ja auch egal, welche Augenfarbe sie hat, sie ist und bleibt eine graue Maus. Ihre brünetten langen Haare hat sie zu einem Pferdeschwanz gebunden, was sie irre jung aussehen lässt. Wie alt mag sie wohl sein? Sie sieht aus wie fünfzehn, doch ich weiß, dass sie ein Stipendium bekommen hat, also muss sie bereits über achtzehn sein. Ist mir ohnehin scheißegal, wie alt sie ist, zum Ficken kann man nie zu alt oder zu jung sein.

Ich blase meine Wangen auf und lasse eine weitere Blase platzen.

»Mitch, nimm jetzt den Kaugummi raus!«

Jane kann so eine alte Zicke sein. Wie ich das hasse. Schon allein, weil diese Summer ihre Nichte ist, wird sie leiden. Oh ja, und wie sie leiden wird.

»Mitch, das ist Aria, meine Nichte aus London. Wie dein Vater und ich dir bereits gesagt haben, wird sie bei uns wohnen, also versuch erst gar nicht, einen Aufstand zu machen.« Sie besitzt sogar noch die Frechheit, bei diesem Satz zu lächeln. Meine Faust will in ihr Gesicht, doch ich kann ja schlecht eine Frau schlagen – erst recht nicht vor Zeugen. Also ziehe ich meine Augenbrauen in die Höhe und schaue sie spöttisch an. »Wenn es sein muss«, gebe ich mürrisch zurück.

»Hallo Mitch, aber bitte, nennt mich Summer«, sagt diese kleine Gazelle und blickt mich mit ihren Augen, deren Farbe ich immer noch nicht richtig bestimmen kann, neugierig an.

»Hi! Willkommen in der Tretmühle von Jane Harris«, murmele ich leise und schüttele die ausgestreckte Hand. Hey, was ist das denn für ein Händedruck? Fest und stark, wie ein Kerl. Sie blickt zu mir auf, und mit einem Mal verändert sich die Farbe ihrer Augen. Sie sind eindeutig grün und funkeln mich wissend an.

»Vielen Dank«, erwidert sie und lässt meine Hand los.

Verdammt, was sollte das jetzt? Sie verhöhnt mich. Hat sie mich durchschaut? Kann sie Gedanken lesen?

»Mitch, was hältst du davon, wenn du Ar… äh … Summer mit den Gebäuden vertraut machst?«

»Das kann ich doch übernehmen«, mischt sich der Spinner ein. Riley ist einer von diesen Musterknaben, mit Bügelfalte in der Hose und gegelten Haaren. Schwiegersohn-Material. Wie ich den Wichser hasse.

»Nein, ich mach das schon.« Der soll mir nur nicht dazwischenfunken, dann setzt es was.

»Für dich habe ich eine andere Aufgabe, Riley. Komm mit. Summer, Mitch wird dir erst mal alles zeigen, ich brauche hier noch eine Stunde, dann fahren wir nach Hause, damit du dich ein bisschen einrichten kannst.«

»Okay«, sagt sie leise und nickt. Dabei wippt dieser Pferdeschwanz, und ich habe gute Lust, an ihren Haaren zu ziehen. Wie es sich wohl anfühlt? Leichte Locken kringeln sich an ihren kleinen Ohren. Sie hat echt beschissen schönes Haar.

»Komm«, sage ich und gehe mit ihr in den hinteren Bereich, wo die Büros und die Toiletten liegen.

»Du musst das nicht tun, wenn du keine Lust dazu hast«, sagt sie leise, als wir außer Hörweite der anderen sind.

»Hast du eine Ahnung«, knurre ich. »Hier sind die Büros der Angestellten. Das hinter der rechten Tür gehört Jane, das daneben teilen sich die Aushilfen. Hier sind die Toiletten.«

Sie schaut mich mit großen Augen an. Soll ich ihr vielleicht noch erklären, was man auf einem Klo macht? Bei dem Gedanken muss ich lachen.

»Was ist so lustig?«, fragt sie geradeheraus.

»Du. Du bist so lustig. Du schaust mich an, als hättet ihr in London keine Klos.«

»Sehr witzig. Darf ich mal?«, fragt sie. Sie drückt sich an mir vorbei in die Damentoilette und schlägt mir die Tür vor der Nase zu. Na, da hat es wohl jemand nötig. Ich öffne die Tür und betrete den Raum. Der Waschraum ist leer. Es sind kaum noch Angestellte im Haus. Es ist ja schon nach sechs – Feierabend. Die Tür zu dem Raum der Kabinen geht auf, und sie kommt heraus. Sie geht zu einem Waschtisch, lässt das Wasser laufen und wäscht sich in aller Ruhe die Hände.

»Hast du dich nicht in der Tür geirrt?«, fragt sie und schaut mich über den Spiegel hinweg an.

»Nein, ich benutze immer die Damentoilette.«

»Aha«, sagt sie mit hochgezogener Augenbraue.

Ich rücke näher, stelle mich dicht hinter sie und raune: »Hier kann man eine Menge Pussys finden, da bin ich genau richtig.« Ich grinse anzüglich und blicke über den Spiegel in ihre Augen. Jetzt sind sie wieder grünbraun. Und sanft.

Obwohl sie zwischen mir und dem Waschtisch eingekeilt ist, dreht sie sich zu mir um und schaut mich misstrauisch an. »Ich weiß genau, wer du bist.«

Grinsend schaue ich auf Summer hinunter, denn sie ist einen ganzen Kopf kleiner als ich. »So, wer bin ich denn?«

»Du bist einer dieser Bad Boys, die vor nichts und niemandem Respekt haben. Aber mir kannst du keine Angst einjagen. Ich bin schon mit ganz anderen Typen fertiggeworden«, zischt sie mir zu.

Ich versenke meine Hände in die Vordertasche meiner Jeans, damit ich nicht in Versuchung gerate, sie zu berühren. »Da bin ich aber gespannt. Denn bisher hat das noch niemand geschafft.«

Kühl blickt sie mich an. »Lass mich besser in Ruhe. Ich stehe nicht auf Typen, die sich für die Größten halten.«

»Da besteht keine Gefahr. Ich stehe nicht auf kleine unscheinbare Mäuschen, die glauben, sie wären immer noch fünfzehn Jahre alt.«

Für einen Moment schaut sie verdutzt, dann grinst sie. »Dein Typ ist eher jemand, der sich durch alle Betten schläft.«

»In meinem wirst du sicherlich nicht landen«, antworte ich geringschätzig.

Sie schnauft leise. »Wo kein Bedarf, da keine Nachfrage. Was bin ich für ein Glückspilz«, sagt sie verächtlich, stupst mit ihrem Zeigefinger gegen meine Brust und stolziert aus dem Raum. Sie trägt schwarze Doc Martens, und die Absätze quietschen laut. Verdammt, eigentlich bin ich derjenige, der sie stehen lassen sollte. Und eigentlich sollte ich ihre Finger nicht auf meiner Haut spüren. Schließlich hat sie nur mein Hemd berührt.

Ich laufe ihr nach, denn sie ist einfach weitergegangen. Sie ist im großen Saal.

»Hier finden die Aufführungen statt«, erkläre ich und sehe ihr dabei zu, wie sie mit den Fingern über das Holz der Stühle fährt.

»Wow! Die Bühne ist echt riesig.« Ihre Augen werden ganz groß.

»Wo wirst du zur Schule gehen? Gehst du noch zur Highschool?«, will ich wissen und lasse mich auf einem der Klappstühle nieder. Sie sind gepolstert. Ich rutsche tiefer und lege die Füße schräg auf die Vorderreihe.

»Letztes Jahr Senior High. Ich werde auf die Balcatta gehen. Kennst du sie?«

»Gute Schule«, sage ich beiläufig und stehe auf. »Los, komm jetzt. Wir müssen nach Hause, ich hab noch etwas vor.«

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3

Summer

Keine Ahnung, was in dem Typen vor sich geht. Einerseits ist er freundlich, dann lässt er wieder den arroganten Arsch heraushängen. Er sieht verdammt gut aus, und das weiß er auch. Obwohl es warm ist, trägt er jetzt eine Strickmütze, die sein struppiges schwarzes Haar verdeckt. Er hat wahnsinnig blaue Augen, die so intensiv blicken können, dass ich mich irgendwie nackt fühle.

»Wir wohnen in Scarborough, The Esplanade heißt die Straße, falls du dich mal verläufst. Es ist eine schöne Wohngegend«, erklärt mir Jane, während sie den Wagen durch den dichten Straßenverkehr hinaus aus der Stadt lenkt.

Ich sitze im hinteren Teil des Wagens, weil Mitch darauf bestanden hat, vorne zu sitzen – auch wenn Jane es gerne anders gehabt hätte. Aber ich habe nachgegeben und bin einfach hinten eingestiegen. Mir ist es vollkommen egal, wo ich sitze. Bisher bin ich nur Tube gefahren, Dad hatte seinen Führerschein wegen Alkohol am Steuer verloren und das Auto verkauft. Ich habe zwar einen Führerschein gemacht, aber keine Fahrpraxis. Es ist auch nicht mein Ding.

»Du kannst Summer morgen mit zur Schule nehmen.« Jane blickt mich über den Rückspiegel an und lächelt, während Mitch nur leise etwas knurrt.

»Ja, das habe ich mit deinem Vater besprochen. Keith ist Mitchs Vater«, erklärt sie mir.

»Gehst du etwa auch auf die Balcatta?«, frage ich überrascht und erhalte natürlich keine Antwort. Wäre ja auch zu schön gewesen.

»Ja, Mitch besucht ebenfalls die Abschlussklasse«, antwortet Jane für ihn.

Jetzt bin ich verwirrt. Er sieht schon so alt aus. »Was, wirklich? Ich dachte, er wäre schon auf dem College«, sage ich perplex.

»Hallo! Ich bin hier und kann euch hören! Danke, dass ihr über mich sprecht, als wäre ich gar nicht vorhanden«, murrt er beleidigt.

»Ich meine ja nur«, erwidere ich kleinlaut.

»Mitch hatte ein paar Probleme.« Mehr sagt Jane nicht dazu, und auch ich wage es nicht, das Thema zu vertiefen. Nicht, dass er noch austickt.

Es breitet sich Schweigen im Wagen aus, und ich blicke wieder neugierig aus dem Fenster. Nach einer Viertelstunde parken wir vor einem zweistöckigen Haus. Es ist sandfarben. Wir steigen aus, und ich rieche Salz. Es duftet nach Meer. Nicht dieser ölige Gestank, den ich vom Hafengelände der Themse kenne, sondern nach richtigem Meer. Klares blaues Wasser breitet sich zu meiner Rechten aus. Nur ein kleiner Weg trennt mich vom Strand. Wow! Der Ausblick auf das Meer ist kein Vergleich zu dem Blick aus dem Fenster einer heruntergekommenen Zweizimmerwohnung in London.

»Ihr wohnt direkt am Meer?« Ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

»Sieht so aus, Summerbreeze. Du bist echt eine Schnellmerkerin.«

Ich werfe Mitch einen vernichtenden Blick zu. Er weiß gar nicht zu schätzen, was er hat. Er ist wirklich so ein Blödmann, meine erste Einschätzung war wohl richtig. Fast bin ich gewillt ihm die Zunge rauszustrecken, entscheide mich aber dann doch dagegen, das wäre zu kindisch.

»Mitch, lass deine blöden Sprüche und hilf Summer lieber mit dem Gepäck.«

Ich sehe, wie er die Augen verdreht, aber dann doch den Kofferraum öffnet. Er fasst mein Gepäck an, als könnte er sich mit etwas infizieren. Schnell greife ich an ihm vorbei und nehme die schwere Reisetasche in die Hand, damit er nicht alles alleine schleppen muss. Dabei streift meine Schulter seinen Oberarm. Sofort zucke ich zurück. Mitch grinst mich wissend an, sagt aber nichts, nimmt nur die Koffer und geht Richtung Haus.

»Komm, Summer, lass uns ins Haus gehen, ich will dir dein Zimmer zeigen und Keith vorstellen, er ist schon zu Hause.« Jane geht voran.

Ich blicke zu dem schönen Haus, und erst jetzt geht mir auf, dass Jane und dieser Keith zusammenwohnen und ich somit auch mit Mitch in einem Haus leben werde. Keine Ahnung, warum mir erst jetzt dieser Gedanke durch den Kopf geht. Meine Laune sinkt innerhalb einer Sekunde auf den Nullpunkt.

»Mitch, zeig bitte Summer ihr neues Zimmer, ich suche Keith«, bittet Jane, und Mitch nickt mürrisch.

Ich laufe ihm einfach hinterher, weil ich nicht weiß, wohin ich muss. Im Obergeschoss betritt er das letzte Zimmer am Ende des Gangs.

»Du hast das schönste Zimmer, mit Blick auf den Ozean«, erklärt er und zieht die dunklen Vorhänge auf. Im Raum ist es angenehm kühl. Das Zimmer ist in einem hellen Pfirsichrot gestrichen, die Möbel sind weiß. Der Raum ist nicht groß, aber er gehört mir allein.

»Das Bad liegt genau gegenüber.« Mitch zeigt zum Flur hinaus. »Du musst es dir mit mir teilen. Meine Wohnung hat keine Dusche, nur ein Klo.«

»Deine Wohnung?«, frage ich verwirrt.

»Ich wohne über der Garage.« Er zeigt zum Fenster hinaus. Auf der linken Seite sehe ich einen Aufbau über der Garage, ein Fenster zeigt genau in meine Richtung.

»Aha«, gebe ich knapp von mir.

»Summer! Mitch! Kommt ihr zum Abendessen?«, ruft Jane, und Mitch verdreht die Augen.

»Sie ist so eine Nervensäge. Sie führt sich auf, als wäre sie meine Mutter, ist sie aber nicht«, brummt er und macht sich auf den Weg.

»Ich wäre froh, wenn ich eine Mutter hätte«, entfährt es mir, und ich bereue es im nächsten Moment.

Mitch bleibt an der Tür stehen, wirft mir einen Blick zu, sagt aber nichts, sondern setzt seinen Weg fort. Ich hingegen gehe ins Bad und wasche mir die Hände. Es gibt eine gläserne Duschkabine, eine Toilette und zwei Waschbecken. An einem steht Rasierzeug und Deo, also stelle ich meine Kulturtasche an das Becken, das der Tür am nächsten ist. Na, das kann ja heiter werden.

*

»Hallo Aria. Ich bin Keith. Schön, dich kennenzulernen.« Keiths breiter Akzent gefällt mir. Er hat die gleichen schwarzen Haare und blauen Augen wie sein Sohn, nur blicken seine Augen freundlich und sind nicht ständig auf der Hut vor was auch immer.

»Summer, bitte. Aria nennt mich niemand. Ich freue mich, hier zu sein, und danke, dass ich hier wohnen darf.« Ich versuche, meiner Stimme einen festen Klang zu geben, doch es gelingt mir nicht wirklich.

»Kein Thema. Du gehörst doch zur Familie«, erklärt Keith und zeigt auf einen Stuhl am Tisch. »Nimm doch Platz, ich habe gekocht. Ich hoffe, du magst Pasta.«

Jane kommt mit einer großen Schüssel Spaghetti aus der Küche. Die rote Soße duftet verführerisch.

»Keith ist bei uns der Koch, es ist sein großes Hobby, und ich bin so dankbar, dass er mir das abnimmt. Meistens komme ich erst spät aus dem Institut«, erklärt Jane und setzt sich neben mich.

Mitch sitzt mir gegenüber und hat In-Ears in den Ohren.

»Hey Sohn, wo sind deine Manieren?«, fragt Keith und zieht ihm die Dinger heraus. Dann beginnt er, das Essen zu verteilen. Eine große Portion landet auf meinem Teller, und ich bedanke mich artig.

»Als die guten Manieren verteilt wurden, hast du wohl zwei Mal ›hier‹ gerufen«, murmelt Mitch, und Keith blickt ihn strafend an.

»Klar, willst du welche abhaben? Ich habe mehr als genug«, erkläre ich und lächele ihn an. Innerlich balle ich meine Faust und treffe sein Kinn.

»Also wirklich, Mitch! Was ist denn los mit dir?«, fragt Keith, als wäre er völlig ahnungslos, was für ein Typ sein Sohn in Wahrheit ist. »Lasst es euch schmecken«, sagt er und setzt sich.

Nach dem ersten Bissen bin ich dankbar, dass ich hier gelandet bin. Verhungern werde ich auf jeden Fall nicht. »Mhm, das schmeckt ausgezeichnet«, lobe ich das Essen.

»Das sagt sie jetzt nur, damit ihr sie nicht gleich wieder vor die Tür setzt.«

»Mitchell! Es reicht jetzt!«, brüllt Keith, und Mitch wirft erschrocken die Gabel auf den Tisch. Dann springt er auf und geht zur Tür.

»Du setzt dich wieder«, verlangt Keith.

»Ich habe keinen Hunger«, ruft Mitch. Er ist schon aus der Tür und knallt sie hinter sich zu.

Na klasse! Ich hoffe, er ist nicht nur meinetwegen so angepisst.

»Mitchell kommt mit Veränderungen nur schwer klar«, sagt Jane.

»Dann sollte ich vielleicht doch lieber woanders wohnen«, biete ich an.

»Auf keinen Fall! Das kommt gar nicht infrage. Er ist keine zwölf mehr, auch wenn er sich so benimmt«, sagt Keith. »Das Leben besteht aus Veränderungen, und er sollte sich langsam daran gewöhnen.«

Das ist vermutlich leichter gesagt als getan.

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4

Mitch

Ich frage mich, was sie noch alles einsacken will. Erst mein Zimmer, jetzt fährt Keith total auf sie ab. Na klasse. Vielleicht sollte ich an ihrer Stelle nach London gehen. Eine Nachricht geht auf meinem Handy ein. Sie stammt von meinem Freund Cooper.

Habe gehört, du hast eine Schwester bekommen? Wie sieht sie aus?

Ha, ha! Sehr witzig. Soll ich jetzt lachen?

Sie ist nicht meine Schwester und hässlich dazu!

Keine Ahnung, woher er das schon wieder hat. Vermutlich konnte Riley mal wieder nicht seine Klappe halten.

Ich will Beweise!

Er wird keine Ruhe geben. Der Gedanke daran, dass Cooper Gefallen an Summer finden könnte, stört mich. Ich will nicht, dass sie mir auch noch meine Freunde wegnimmt. Ein Klopfen an der Tür weckt meine Aufmerksamkeit.

Ich stehe vom Bett auf und öffne. Natürlich ist es Summer.

»Ich habe hier dein Essen. Ich habe es noch mal warm gemacht.« Sie hält mir den Teller entgegen.

»Ich hab keinen Hunger.« Wie der Teufel es will, knurrt in diesem Moment mein Magen laut.

Sie lächelt und betritt einfach meine Bude. »Hey, ich habe dich nicht hereingebeten.«

»Nicht? Ich habe so etwas gehört«, sagt sie und hält mir eine Gabel entgegen.

Verdammt. Ich nehme ihr Teller und Gabel aus der Hand und lasse mich am Kopfende des Bettes nieder.

»Darf ich?«, fragt sie, und als ich nicke, setzt sie sich an das untere Bettende. »Sag mal, habe ich dich aus deinem Zimmer vertrieben?«, will sie plötzlich wissen.

»Wie kommst du darauf?«

»Ich habe ein T-Shirt gefunden, das vermutlich dir gehört. Schwarz mit dem Logo der Balcatta drauf. Es lag in einer Schublade.«

Wer ist sie? Sherlock Holmes?

»Kann sein, dass es meins ist.«

»Also habe ich dich verdrängt. Bist du deshalb so widerlich zu mir? Oder ist das deine üblich charmante Art?«

Sie sieht mich an und streicht sich eine Haarsträhne hinter ihr Ohr.

»Du hast mich nicht verdrängt. Ich wollte schon immer hier über der Garage wohnen«, gebe ich zu und stopfe die Nudeln in mich hinein.

»Ich danke dir jedenfalls. Du hättest mal mein Zimmer in London sehen sollen, dann würdest du ganz gewiss nicht schmollen.«

»Ich schmolle nicht, und es ist mir egal, wie du in England gelebt hast und warum du hier bist. Tatsache ist, dass du hier bist und störst.«

Ich drücke ihr den leeren Teller in die Hand. »Danke fürs Essen, da ist die Tür.« Ich schiebe sie praktisch hinaus. Da fällt mir Cooper ein. »Warte.« Schnell zücke ich mein Handy. »Bitte lächeln.« Ich schieße ein Selfie von uns.

»Was soll das?«, fragt sie.

»Falls du mit meinem T-Shirt abhaust«, sage ich und schließe die Tür.