Beschreibung

Auf der Suche nach seinem Herzen wird Mikael durch einen Zauber aus dem Palast verbannt. Er trifft auf Yanis, Melvin und Willem. Gemeinsam suchen sie Unterschlupf bei einer alten Freundin Mikaels, deren Arbeit für den König der Rebellen sie in Schwierigkeiten gebracht hat. In der Zwischenzeit kämpft Alex mit den seltsamen Nebenwirkungen durch Ivans Zauber und beginnt, an seinem Verstand zu zweifeln. Während er mit Moose Tyros' persönliche Sachen sichern will, stoßen die beiden Wächter auf noch mehr Geheimnisse … Lass dich verzaubern und tauche ein in eine Welt von Gut und Böse! Lesereihenfolge für die Serie: Staffel 1 Black Heart 01 | Ein Märchen von Gut und Böse Black Heart 02 | Das Lachen der Toten Black Heart 03 | Ein Traum aus Sternenstaub Black Heart 04 | Der Palast der Träume Black Heart 05 | Das Flüstern der Vergangenheit Black Heart 06 | Die Kunst zu sterben Black Heart 07 | Der Schritt ins Dunkle Black Heart 08 | Tötet das Biest (Finale der 1. Staffel) Staffel 2 Black Heart 09 | Die Stille der Zeit Black Heart 10 | Der Kampf der Rebellen Black Heart 11 | Die Magie der Herzen

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Beliebtheit


Table of Contents

Widmung

Der Kampf der Rebellen

Was bisher geschah

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Vorschau

Personenverzeichnis

Über die Autorin

Schon vorbei?

Impressum

 

 

Für alle Frauen, die gerne und laut fluchen.

 

 

Mögen deine Entscheidungen deine Hoffnungen widerspiegeln, nicht deine Ängste.

 

 

Black Heart

Der Kampf der Rebellen

KIM LEOPOLD

STAFFEL 2 // EPISODE 2

 

 

Was bisher geschah

 

 

1448 - In dem aztekischen Mechtatitlan beobachtet die junge Hexe Ichtaca eine Opferung, die sie an die ihrer Mutter erinnert. Ihr bester Freund und Krieger Nanauatzin nimmt an dem Ritual teil - einige Zeit später ermahnt er sie, ihre Magie nicht öffentlich zu nutzen, um sich somit nicht in Gefahr zu bringen.

2018 - Nach dem Angriff der Hexenjäger auf den Palast der Träume sind die Ratsmitglieder und Lehrer immer noch mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Ivan übernimmt eine führende Rolle, doch der Fluch, der ihn während des Angriff getroffen hat, schreitet immer weiter fort.

Azalea und die anderen kümmern sich um den neuen Gestaltwandler Melvin, bis dieser seine Wandlungen unter Kontrolle hat. In der Zwischenzeit bahnt sich zwischen Yanis, Melvin und ihr etwas Romantisches an.

Emma flickt den verletzten Willem zusammen und stellt ihn zur Rede. Dabei findet sie heraus, dass er sich nicht an die gemeinsame Zeit erinnern kann. Sie schmieden Pläne für die Zukunft, doch dann wird Emma entführt.

Kapitel 1

 

Mechtatitlan, 1448

Ichtaca

 

Ich hülle mich enger in mein Tuch und versuche, mich nicht von der Dunkelheit um mich herum beeindrucken zu lassen. Am Tag ist der Weg zum Fluss nicht so schaurig, es ist die Nacht, die alles anders wirken lässt. Das Meer klingt bedrohlich, während ich hier stehe und fröstelnd warte.

Ich wünschte, wir könnten uns tagsüber treffen und über die Dinge reden, für die wir in diesen frühen Morgenstunden allerdings auch kaum Zeit haben. Aber wir sind nicht mehr die Kinder, die wir einmal waren. Jetzt sind wir erwachsen und eine so enge Bindung, wie sie uns verbindet, würde für zu viel Gespräch im Dorf sorgen.

»Taca?«

Erleichtert drehe ich mich um und sehe, wie sich eine große Gestalt aus den Schatten löst und auf mich zukommt. Der Sand knirscht unter seinen Fußsohlen, doch ansonsten bewegt er sich beinahe lautlos.

»Ich dachte schon, du kommst nicht«, klage ich Nanauatzin mein Leid. In den anderen Nächten war er meistens vor mir da. Die Gewissheit, dass er bereits an unserem geheimen Ort sein würde, hat meine Ängste verjagt. Heute auf ihn warten zu müssen, hat einen bitteren Nachgeschmack auf meiner Zunge hinterlassen – und doch würde ich immer wieder hier stehen und auf ihn warten.

»Ich würde dich niemals stehen lassen.« Er nimmt mich in den Arm und vergräbt seine Nase in meinem Haar. Ich schlinge meine Arme um seinen starken Körper und atme seinen wohligen Duft ein. »Bei den Göttern, du wirst mir so sehr fehlen.«

Mein Herz macht einen Hüpfer, weil es so selten ist, dass wir uns diese Dinge wirklich sagen können. Umso bedeutsamer ist dieser Moment für mich.

»Du mir auch«, wispere ich und lasse meine Hand an seine Wange gleiten. Die feinen Härchen kratzen an meiner Haut, aber ich liebe dieses Gefühl. Es ist der Beweis dafür, dass unser Leuchten doch noch zusammengefunden hat, obwohl ich schon fast nicht mehr daran geglaubt habe. »Ich wünschte, du könntest bleiben.«

Meine Lippen finden seine und ersticken die Widerworte, die er gefunden hätte. Die Verpflichtungen, die Angst vor dem, was vor ihm liegt. Eine Schlacht wie keine andere. Ein Kampf, der nicht seiner ist und den er dennoch zu kämpfen bereit ist, um die zu schützen, die er liebt. Es ist nur ein voller Mondmonat, den er fort sein wird, doch er fehlt mir jetzt schon.

Unsere Momente fehlen mir. Aber das tun sie sowieso immer. Sie sind viel zu kostbar und selten, als dass ich davon je genug kriegen würde. Seit er mich vor ein paar Monden das erste Mal geküsst hat, würde ich ihn am liebsten nie wieder gehen lassen.

Er zieht mich dichter an sich heran und vertieft den Kuss. Meine Knie werden weich, als sich unsere Zungen berühren und einen aufregenden Tanz miteinander vollführen. Ich fühle mich nicht länger wie das Mädchen, das für ihren besten Freund schwärmt, sondern wie die Frau, zu der er immer wieder zurückkehren wird.

Atemlos löst Nanauatzin sich von mir und lehnt seine Stirn an meine. Sein Atem ist süß und liebkost meine Lippen. »Mein Herz gehört dir, Ichtaca. Für alle Monde.«

Seine Worte lösen ein Kribbeln in meinem Bauch aus, das sich bis in meine Beine zieht. Meine Knie werden weich, mein Mund ganz trocken.

Es sind die Worte, die wir benutzen, wenn wir Ehen schließen. Die Worte, die Menschenleben für immer verbinden.

Dass er sie in Liebe zu mir sagt …

»Ich werde für alle Monde darauf achtgeben«, erwidere ich das Versprechen mit Tränen in den Augen. Ich weiß nicht, ob es ohne Gäste überhaupt zählt. Ob wir nun ein richtiges Paar sind oder bloß Liebende, die für immer der Dunkelheit gehören werden. Was es auch ist, es ist das Beste, was mir je passiert ist. »Mein Herz gehört dir, Nanauatzin. Für alle Monde.«

»Und auch ich werde für alle Monde darauf achtgeben.«

 

 

Ich wache beim lauten Geräusch von Vaters Husten auf. Am liebsten würde ich mir die Hände auf die Ohren pressen, so sehr tut es mir weh, wie heftig er husten muss. Es wird immer schlimmer. Besonders nachts, wenn die Kälte ins Gemäuer kriecht, weil das Feuer zur Glut verkommen ist.

Gähnend stehe ich auf, schlüpfe in meine Stiefel und lege mir mein Tuch um die Schultern, bevor ich zum Kamin gehe und Feuerholz nachlege. Ich kann mich schon nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal durchgeschlafen habe.

»Ichtaca«, krächzt Vater zwischen zwei Hustenanfällen. Ich setze mich neben ihn auf das Bett, um nach seiner Hand zu greifen. Sie fühlt sich in meiner ganz kalt und klamm an. Mein Herz wird schwer.

»Ich bin hier.«

Um ihn herum riecht die Luft muffig, nach Krankheit, nach Abschied. Der Geruch macht mir Angst. Ich bin doch noch nicht bereit, ihn zu verlieren.

Ich strecke eine Hand aus, um sie an seine Stirn zu legen. »Vater …«

Er glüht. Seine glasigen Augen blinzeln mich müde an, bevor er sie einfach schließt. Panik ergreift mich, und ich treffe endlich die Entscheidung, die ich so lange hinausgezögert habe. Ich lasse mein Licht aufleuchten. Lasse es frei und konzentriere mich darauf, es in seinen Körper gleiten zu lassen, um die Dunkelheit zu vertreiben. In ihm sind so viele Schatten. So viele dunkle Flecken, die mein Licht vertreiben muss, dass es eine ganze Weile dauert, bis sein Atem ruhiger wird. Weniger rasselnd.

Ich spüre, wie es ihm von Augenblick zu Augenblick besser geht. Wie die Krankheit von ihm abfällt.

Er greift nach meinen Händen. Ich öffne die Augen und lächle ihn an. Meine Hände zittern, weil mich seine Heilung so viel Kraft gekostet hat. Ich wünschte, Mutter wäre noch hier, um mir zu zeigen, wie ich es besser machen kann. Wie ich schneller wieder zu Kräften kommen kann. »Geht es dir besser?«

»Taca, das hättest du nicht machen sollen«, wispert er rau. Seine Stimme ist nur noch eine Erinnerung an die Krankheit, die ihn die letzten Tage begleitet hat. »Du weißt, dass sie reden werden. Ich will dich nicht verlieren.«

»Das wirst du nicht«, verspreche ich ihm, aber seine Worte jagen mir einen Schauder über den Rücken. Genauso ist es Mutter auch ergangen. Sie hat ihr Licht benutzt, um zu helfen … und ein paar Tage später war sie fort. Ihrer Familie beraubt und zum Dienst im Tempel berufen. »Wir verraten es niemandem. Und jetzt schlaf noch etwas. Du musst dich erholen.«

Ich warte noch eine Weile, bis seine Atemzüge ruhiger werden und ich merke, dass er wieder eingeschlafen ist. Erst dann stehe ich auf und taumle zu unseren Vorräten, um mir etwas von dem Brot zu genehmigen, das ich am Vortag gebacken habe.

Alles hat seinen Preis.

 

 

Ein paar Tage später schrubbe ich gerade unsere Feuerstelle, als jemand an die Tür klopft. Verwundert stehe ich auf, streiche mir die schmutzigen Hände an der Schürze ab und öffne die Tür.

»Nanauatzin?« Freude füllt mein Herz, als ich ihn vor mir stehen sehe. So früh hätte ich nicht mit ihm gerechnet. »Du bist schon wieder zurück?«

Er nickt, aber irgendwas an seinem Blick lässt mich stocken. Im nächsten Moment tritt jemand neben ihn. Es ist ein anderer Krieger, ein Mann in einer höheren Position als Nanauatzin. Sein Gesicht ist grimmig, die Mundwinkel abschätzig nach unten gezogen.

»Was hast du getan?«, scheinen Nanauatzins Lippen zu formen. Verwirrt schüttle ich den Kopf. Ich weiß nicht, wovon er redet. Wieso sehen sie mich an, als hätte ich einen Menschen getötet?

»Es hat sich herumgesprochen, dass du eine Zauberin bist«, erklärt der andere Mann. Ein Schauder läuft über meinen Rücken. »Der Priester möchte, dass du in seinen Dienst trittst.«

»Was? Nein!«, widerspreche ich und will instinktiv die Tür zuschlagen. Ein Fehler, wie sich gleich herausstellt, denn das bringt den Mann dazu, sich mit seinem Gewicht gegen die Holztür zu drücken und Gewalt anzuwenden, weil er denkt, ich würde mich wehren. Ehe ich mich versehe, hat er mir die Hände auf den Rücken gedreht.

»Was soll das?«, fauche ich und versuche mich loszureißen, doch sein Griff ist eisern. »Nanauatzin, tu doch etwas.«

Dieser hebt hilflos die Schultern. Ich kann den Kampf in seinen Augen sehen, aber er bleibt regungslos. »Ich kann nicht. Mir sind die Hände gebunden.«

»Aber …« Ich atme schwer aus, denn mir wird bewusst, was das zu bedeuten hat. Vater hat recht behalten. Die Leute haben geredet, weil sie gesehen haben, dass es ihm wie durch ein Wunder so schnell wieder besser ging. Und was wäre da naheliegender, als dass ich ihm geholfen habe, so wie es vor einigen Jahren auch meine Mutter getan hat?

Es liegt in meinem Blut.

Meinem Blut, das irgendwann geopfert werden wird.

So wie das meiner Mutter.

»Lass mich los«, schreie ich den Mann an, der mich aus unserem Haus zerrt, um mich zum Tempel zu bringen. Wenn ich erst da bin, gibt es keinen Ausweg mehr. Dann werden sie mich zwingen, Dinge zu tun, die ich nicht tun will. »Ich habe nichts getan. Ich schwöre es!«

»Ich befolge bloß meine Anweisungen«, presst er mühsam hervor, während er mich weiterschiebt. Ein paar Leute bleiben stehen und beobachten das Spektakel, das wir ihnen bieten.

»Taca, hör auf.« Nanauatzins Stimme klingt so unendlich traurig. Er hat längst aufgegeben. »Du musst mit uns kommen. Du hast keine andere Wahl.«

Ich starre ihn wütend an. In seinen dunklen Augen funkelt der Kummer, aber ich kann nicht verstehen, wieso er hier ist. Wieso ausgerechnet er mich abholt, um mich in den sicheren Tod zu begleiten.

»Warum?«, frage ich ihn tonlos, während ich mit den Tränen kämpfe. »Warum verrätst du mich?«

Kapitel 2

 

Österreich, 2018

Alex

 

»Was ist los?« Ein ungutes Gefühl breitet sich in meinem Bauch aus, während ich darauf warte, dass sich die Fahrstuhltüren öffnen.

Moose tritt ein Stück zur Seite und zieht seine Karte noch einmal durch das Lesegerät. Statt wie sonst grün aufzublinken, leuchtet die LED-Lampe rot.

Dreimal.

»Die Tür ist gesperrt.«

»Wie jetzt, gesperrt?« Daniel schiebt sich an Jakob und Tarek vorbei und zückt seine eigene Karte. »Probier die mal.«

»Das wird nichts bringen«, murmelt Moose, nimmt die Karte aber trotzdem entgegen, um es damit zu versuchen. Die Lampe bleibt rot. »Irgendwas stimmt da nicht. Sieht aus, als hätte Lotta die Tür blockiert.«

Ich atme schwer aus. Wenn Lotta die Tür blockiert, bedeutet das dann … sind wir zu spät? Waren die Hexenjäger schneller als wir?

»Ich nehm den Weg über die Klamm.« Ich schultere meinen Rucksack und drehe mich um.

»Warte.«, hält Moose mich zurück. »Ich kann den Fahrstuhl hacken. Das geht schneller, als den Berg hochzusteigen.«

Schon holt er sein Tablet aus dem Rucksack und lässt seine Finger über den Bildschirm fliegen. Die anderen sehen sich unsicher um. Ich selbst tigere in der Tiefgarage auf und ab. Mittlerweile bin ich mir sicher, dass das Verriegeln der Tür nichts Gutes zu bedeuten hat.

Louisa ist da oben.

Ivan.

All die anderen Menschen, die ich zu meiner Familie zähle.

Ich will bei ihnen sein. Seite an Seite mit ihnen kämpfen, wenn es nötig ist.

»Wir sollten uns auf das Schlimmste gefasst machen«, höre ich Daniel wie durch einen Schleier.

»Das Schlimmste?« Jakob schnaubt auf. »Was kann noch schlimmer sein als das, was in Marokko gelaufen ist?«

Er hat immer noch nicht überwunden, dass Tyros tot ist. Genauso wenig wie der Rest von uns.

»Aber Daniel hat recht.« Ich bleibe stehen und blicke die anderen ernst an. »Rüstet euch aus, während Moose sich um das Schloss kümmert. Unser Gepäck können wir später holen.«

Ich gehe zurück zum Auto, und werfe meinen Rucksack auf den Rücksitz, bevor ich den Kofferraum öffne und die Abdeckung hochklappe, die unsere beträchtliche Waffensammlung vor den Augen Neugieriger schützen soll.

Schnell statte ich mich mit einem Schwertgurt für die zwei Krummschwerter aus, mit denen ich zuletzt so viel trainiert habe. Meinen Gürtel tausche ich gegen einen weiteren Holster, in dem ich Handfeuerwaffen und Dolche verstaue.

Und dann bleibt mir nichts anderes übrig, als zu warten, während Moose seine ganz eigene Magie benutzt, um den Fahrstuhl zu entsperren. Am liebsten würde ich wirklich gerne außen rumlaufen. Den Weg durch die Klamm nehmen, jede zweite Stufe der alten Holztreppe zwischen den Felswänden überspringen, bis ich schwer atmend oben ankomme – aber er hat recht. Die Zeit, die er zum Hacken der Tür braucht, ist nicht mal annähernd mit der zu vergleichen, die die Strecke über die Klamm benötigen würde.

»Ich hab’s«, ruft Moose nach wenigen Minuten. Kurz darauf gleiten die Fahrstuhltüren auseinander. Wir eilen hinein, halten den Atem an, bis wir oben ankommen und uns das Chaos überwältigt.

Schweratmend schlage ich die Augen auf. Mein Herz rast, meine Gedanken kommen nicht zur Ruhe. Auf meiner Zunge liegt ein ekliger Geschmack, der die Übelkeit in mir aufsteigen lässt. Gerade rechtzeitig kann ich mich auf die Seite rollen und würge. Ich ächze, ringe nach Luft, bis sich alles in mir zusammenzieht, wieder und wieder, und ich doch keine Erleichterung empfinde.

Schließlich breche ich kraftlos zusammen. Erst jetzt spüre ich die salzige Nässe auf meinen Wangen, fühle den Verlust, als wäre ich wieder der kleine Junge, der seine Eltern verloren hat.

Nur sind es dieses Mal so viele Menschen mehr.

Freya.

Tyros.

Silas.

Louisa.

Gott, Louisa. Mein Herz zieht sich erneut zusammen, doch je mehr ich an sie denke, umso leichter kommt es mir plötzlich vor. Unsere gemeinsame Zeit scheint eine Ewigkeit her zu sein. Ihr Lachen bloß noch eine entfernte Erinnerung.

Und das macht mich erst richtig fertig. Wieso leide ich nicht? Wieso fehlt sie mir nicht so sehr, dass ich nicht mehr atmen kann? Hat sie mir so wenig bedeutet?

Nein. Ich schüttle den Kopf. Wir kannten uns zwar noch nicht lange, aber das, was zwischen uns war, war echt.

Nicht so wie dieses wattige Gefühl, das ich gerade empfinde. Irgendwas stimmt nicht. Es ist, als wäre meine Welt aus den Fugen geraten. Als hätte man Schaumstoff zwischen die Ritzen gespritzt, der Dinge fernhalten soll.

Ich hab dir einen Teil der Last genommen. Vor meinem inneren Auge flackert die Erinnerung auf. Ein Klopfen an meine Tür, Ivans blasses Gesicht. Seine Tränen. Sein familiärer Duft in meiner Nase, während seine Arme mich halten. Mir Halt geben.

Er hat seine Magie auf mich angewandt.

Deshalb fühle ich mich so verwirrt. Deshalb ist da kein stechender Schmerz, kein Unglaube, keine Sinnlosigkeit. Er hat mir meine Trauer genommen.

Meine Liebe.

Was hat er sich bloß dabei gedacht? Einfach so mit meinen Gefühlen zu spielen? In meinen Kopf einzudringen und mir vorzuschreiben, wie ich mich zu fühlen habe?

Wütend setze ich mich auf und greife nach meinem Handy. Als ich den Flugmodus ausschalte und sich mein Handy mit dem WLAN verbindet, blinkt eine neue Nachricht auf.

 

Ivan: Geht’s dir besser?

 

Ich tippe so heftig auf das Display ein, dass ich befürchte, es könnte jeden Moment kaputtgehen.