Black Heart - Band 15: Der Fluch des Vergessens - Kim Leopold - E-Book
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Black Heart - Band 15: Der Fluch des Vergessens E-Book

Kim Leopold

4,5

Beschreibung

Nach allem, was Farrah mitgemacht hat, um Mikael seinen größten Wunsch zu erfüllen, benötigt sie dringend eine Pause – doch die Mauern des Palastes halten eine unangenehme Überraschung für sie bereit. Sowohl sie als auch Emma haben mit aufkeimenden Erinnerungen zu kämpfen. Währenddessen reisen Hayet und Mikael in die Traumwelt, in der die Lösung seines Fluches auf ihn warten soll. Dort angekommen machen sie eine unerwartete Entdeckung ... Lass dich verzaubern und tauche ein in eine Welt von Gut und Böse! Lesereihenfolge für die Serie: Staffel 1 Black Heart 01 | Ein Märchen von Gut und Böse Black Heart 02 | Das Lachen der Toten Black Heart 03 | Ein Traum aus Sternenstaub Black Heart 04 | Der Palast der Träume Black Heart 05 | Das Flüstern der Vergangenheit Black Heart 06 | Die Kunst zu sterben Black Heart 07 | Der Schritt ins Dunkle Black Heart 08 | Tötet das Biest (Finale der 1. Staffel) Staffel 2 Black Heart 09 | Die Stille der Zeit Black Heart 10 | Der Kampf der Rebellen Black Heart 11 | Die Magie der Herzen Black Heart 12 | Die Macht des Handels Black Heart 13 | Der Weg des Schicksals Black Heart 14 | Der Kuss der Liebenden

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Beliebtheit




Table of Contents

Widmung

Der Fluch des Vergessens

Was bisher geschah

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Vorschau

Personenverzeichnis

Über die Autorin

Schon vorbei?

Impressum

 

 

 

Für den inneren Schweinehund, weil er sich in die Schublade hat sperren lassen.

 

 

Wunder beginnen immer dann, wenn wir unseren Träumen mehr Energie geben als unseren Ängsten.

Black Heart

Der Fluch des Vergessens

KIM LEOPOLD

STAFFEL 2 // EPISODE 7

 

 

Was bisher geschah

 

 

1448 – Nachdem Nanauatzin einen Handel mit der Hexe Meztli eingegangen ist, um seine große Liebe Ichtaca vor einer Opferung an die Götter zu bewahren, bringt Meztli sie nach Norwegen. Dort bauen sie sich ein neues Leben abseits des Dorfes auf und trainieren Ichtacas magische Fähigkeiten. Ichtaca verzeiht ihm und sie lernen einander erneut lieben, bis er ihr gesteht, was der Preis für Ichtacas Freiheit war: Das Erstgeborene. Ichtaca erklärt ihm, dass sie befürchtet, schwanger zu sein …

 

2018 – Am Palast der Träume hat sich endlich eine Lösung für Mikaels fehlendes Herz ergeben. Farrah hat bei der Wahrsagerin Adele einen Rat für Mikael eingeholt und dafür ihre Gefühle für ihn aufgegeben. Er bittet sie um ein Abendessen und versucht, sie zu küssen, doch sie lässt ihn abblitzen.

 

Hayet findet heraus, dass sie eine Schwester haben soll: Emma. Sie stellt ihre eigenen Nachforschungen an und konfrontiert Emma mit ihrem neu erlangten Wissen. Diese streitet es nicht ab, sondern warnt Hayet vor der gemeinsamen Mutter. Während sie noch versucht, mehr über ihre Mutter herauszufinden, ergibt sich mit Moose eine Möglichkeit mehr über Black Hearts zu erfahren. Durch ein Bibliotheksbuch über Traummagie machen sie Max Kaminski ausfindig, einen weiteren Black Heart am Palast der Träume. Er erklärt ihnen, wie Black Heart Magie funktioniert. Außerdem bietet Hayet ihre Hilfe für Mikaels Ritual an.

 

Zeitgleich muss Alex vor den kleinen Rat treten, um ihnen zu erzählen, wie sein Bruder in einen todesähnlichen Zustand verfallen konnte. Es läuft gut für ihn, bis der kleine Rat den Tresor öffnet und an Tyros‘ Tagebuch kommt, in dem steht, dass Alex sich mit der Schülerin Louisa eingelassen hat.

 

Die Trauerfeier findet am Abend statt und dient als Ablenkung für das Ritual zur Rückgewinnung von Mikaels Herz. Nach den Feierlichkeiten trifft Emma auf Adele, welche sie schon überall gesucht hat. Es kommt zum Streit zwischen Mutter und Tochter, welche eigentlich den Namen Thea trägt.

Prolog

 

Ichtaca

Norwegen, 1448

 

Mit dem Sommer wächst der Bauch, und mit ihm meine Angst vor dem, was geschieht, wenn unser Kind das Licht der Welt erblickt. Es sind nicht nur die typischen Fragen, die man sich als werdende Mutter stellt, nein, meine größte Angst gilt Meztli und dem Zeitpunkt, an dem sie kommen wird, um ihren Preis einzufordern.

»Vielleicht hat sie es vergessen«, murmelt mir Nanauatzin an den Abenden zu, an denen die Verzweiflung mich um den Verstand bringt. »Es ist schon eine halbe Ewigkeit her. Sie hat sicher noch andere Handel geschlossen, die ihr wichtiger sind.«

Doch ich kann ihm ansehen, dass er nicht einmal selbst daran glaubt. Auch er hat Angst vor dem Tag, an dem das Kind, das wir bereits jetzt so sehr lieben, aus unserem Leben verschwinden wird.

Erst haben wir noch versucht, es zu ignorieren. So zu tun, als wäre es gar nicht da. Als wäre ich bloß krank und der ganz Spuk bald vorbei, doch dann – eines Abends, als wir nebeneinander auf der Wiese lagen – hat es sich zum ersten Mal bewegt. So deutlich, dass ich es nicht mehr leugnen konnte: das ist unser Kind!

»Wir könnten ihn verstecken«, schlägt mir Nanauatzin an anderen Abenden vor. Mittlerweile geht er fest davon aus, dass ich einen Sohn gebären werde. Mein Gefühl ist ein anderes, aber das verrate ich ihm nicht. Es macht sowieso keinen Unterschied, wenn Meztli kommt und uns unser Kind wegnimmt. »Vielleicht nimmt ihn einer der Dorfbewohner und zieht ihn auf wie sein eigenes Kind. Dann könnten wir ihn zumindest immer sehen.«

»Glaubst du wirklich, dass sich eine Magica durch so etwas hereinlegen lässt?«, frage ich dann zweifelnd. »Sie ist so mächtig, dass sie uns an einen anderen Ort auf dieser Welt gebracht hat. Sie würde es sofort durchschauen.«

So geschieht es, dass die Monde vergehen und die Geburt unseres ersten Kindes immer näher rückt, doch wir immer weniger Ahnung haben, wie wir es vor der Magica beschützen sollen. Manchmal spinnen wir herum und stellen uns vor, wie es wäre, wenn unser Kind bei uns aufwachsen würde … doch diese Gedanken werden so schnell von Tränen abgelöst, dass wir sie irgendwann einstellen, weil sie zu sehr schmerzen.

Ich wünschte, es gäbe eine Lösung. Ich würde alles dafür geben, um mein Kind in Sicherheit zu wissen. Doch ich bezweifle, dass sich Meztli auf einen weiteren Handel einlassen würde.

 

 

Ich erwache zum Knistern des Feuers und fühle mich irgendwie anders. Ruhiger. Bereiter.

Eine Weile liege ich einfach da und lausche den Atemzügen Nanauatzins in meinem Nacken, bis mir klar wird, was mich geweckt hat.

Mein Bauch wird immer wieder hart. Die leichten Schmerzen ziehen sogar bis in den Rücken.

Ich schiebe meine Hand unter die Decke und lege sie auf meine nackte Haut. »Schhh«, mache ich, um mein Kind zu beruhigen. »Ich bin bei dir.«

Doch als das Feuer beinahe runter gebrannt ist, sind die Schmerzen nicht besser geworden. Im Gegenteil, sie kommen nun häufiger und nehmen mir die Luft zum Atmen – still liegen kann ich schon eine Weile nicht mehr. Irgendwann wird Nanauatzin davon wach, dass ich so laut schnaufen muss.

»Was … ist alles in Ordnung?«, fragt er müde. Seine langen Haare sind so zerzaust, dass ich sie ihm am liebsten aus dem Gesicht streichen würde, doch es fällt mir schwer, mich zu ihm hinunter zu beugen.

»Ich glaube, unser Kind macht sich auf den Weg.« Meine Antwort lässt ihn schlagartig hellwach werden. Er springt auf und stolpert aus den Fellen, auf der Suche nach seiner Kleidung.

Ich muss lachen, und er sieht mich an, als würde etwas mit mir nicht stimmen.

»Hast du keine Schmerzen?«

»Doch.« Ich lache wieder, bevor mich die nächste Welle überrumpelt und ich mich am Tisch festhalten muss, um sie zu veratmen. Mit dem Becken kreise ich dabei sanft. Das hilft mir am besten, um mit den Schmerzen umzugehen. Ich schließe die Augen und lasse mich ganz hineinfallen. Was bleibt mir auch anderes übrig, kommen wird unser Kind so oder so – und umso entspannter ich bin, desto leichter mache ich es ihm.

Die Welle ebbt ab, so dass ich wieder normal atmen kann. Ich lasse den Tisch los und drehe mich zu Nanauatzin, der mich mit großen Augen ansieht. »Die Schmerzen kommen und gehen«, erkläre ich ihm. »Es ist halb so schlimm.«

»Kann ich irgendetwas tun?«

»Feuerholz nachlegen.« Ich deute auf das niedergebrannte Feuer. »Und im Dorf Bescheid sagen, damit Thea herkommt. Sie wollte helfen, wenn es so weit ist. Es ist nicht die erste Geburt, die sie begleitet.«

Ich bin überrascht, wie schnell er reagiert, obwohl er morgens derjenige ist, der ein paar Augenblicke Zeit zum Wachwerden braucht. Heute benötigt er diese nicht. Vielleicht, weil ich ihn in Angst und Schrecken versetzt habe?

Es dauert keine zwei Wellen, da macht er sich auf den Weg ins Dorf, um Thea zu holen. Ich blicke ihm durchs Fenster hinterher, bis er nicht mehr zu sehen ist, und widme mich dann wieder meinem Kind.

»Du machst das toll«, flüstere ich und streichle über den Bauch, der nun so lange mein treuer Begleiter gewesen ist. Es wird komisch sein, mein Kind nicht mehr in mir zu fühlen. »Und du wirst ein großartiges Leben haben – egal, was geschieht. Das spüre ich ganz tief in meinem Herzen.«

Nanauatzin und Thea kehren bald darauf zurück. Sie untersucht mich und verspricht mir, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis unser Kind das Licht der Welt erblicken wird. Deshalb bittet sie Nanauatzin, am nahegelegenen Bach Wasser zu holen und es am Feuer zu erwärmen.

Ich glaube, er ist dankbar für die Aufgabe, denn in seinen Augen kann ich sehen, wie sehr ihn die Situation überfordert. Als er weg ist, kann ich mich noch besser auf die Wellen einlassen, die nun in immer kürzeren Abständen kommen.

Thea streicht mir die Haare aus der Stirn und drückt ihre Hand auf meinen unteren Rücken, wann immer ich den Gegendruck gebrauchen kann. Sie redet mir gut zu, wenn ich vergesse zu atmen und lobt mich, wenn ich eine weitere Welle überstanden habe.

Ich bekomme nur noch am Rande mit, wie Nanauatzin zurückkehrt und das Wasser aufsetzt, bevor Thea ihn bittet, die Hütte zu verlassen. Sie kennt mich so gut, dass sie genau weiß, was ich nun brauche.

Ich weiß nicht, wie viel Zeit verstreicht, bis ich ihn schließlich spüre. Diesen Druck nach unten, von dem alle Frauen im Dorf immer geredet haben, wann immer sie von ihren Geburten erzählten. Die Schmerzen werden erträglicher, aber ich habe das dringende Gefühl, mich hinhocken zu wollen, um Ballast loszuwerden. Thea lacht, als ich ihr davon erzähle, und hilft mir aus dem Kleid.

»Dein Kind kommt jetzt sehr bald, Ichtaca«, erklärt sie mir. »Du darfst jetzt mitdrücken.«

Ich hocke mich an die Wand, um wenigstens etwas Stabilität in meine zittrigen Beine zu bekommen, und warte auf die nächste Welle, um mitzudrücken. Doch das fühlt sich merkwürdig an, und ich zögere etwas. Thea scheint mir die Unsicherheit anzusehen.

»In die Richtung.« Sie nickt und lächelt mir bestärkend zu. »Das ist genau richtig so.«

Unter ihrer Anleitung dauert es nicht lange, da spüre ich ein so heftiges Brennen, dass ich laut aufjapsen muss – doch im nächsten Moment ist es vorbei. Thea fängt mein Kind auf, und ich rutsche zu Boden, so überrollt von dem Schock, ein Kind auf die Welt gebracht zu haben, dass meine Beine mir den Dienst versagen.

»Sie ist wunderschön.« Thea legt mir das Kind auf die Brust. Es ist warm und feucht und bewegt den Kopf mit geschlossenen Augen hin und her, als wäre es auf der Suche nach etwas.

»Oh, bei den Göttern«, wispere ich erstaunt. Mehr bringe ich nicht zustande. Etwas so Schönes habe ich noch nie in meinem Leben gesehen. Heiße Tränen steigen mir in die Augen, als ich das Wunder in meinen Armen dabei betrachte, wie es allmählich in dieser Welt ankommt. Es öffnet den Mund und lässt einen leisen Schrei hinaus. Theas Wort dringen zu mir durch. »Sie?«

»Ja, sieh nur. Es ist ein Mädchen.« Sie schiebt meine Tochter so, dass ich den Beweis dafür sehen kann, bevor sie uns in eine warme Decke einhüllt. »Ich hole Nanauatzin rein, ja?«

Kurze Zeit später hockt sich Nanauatzin neben mich, um das kleine Wesen zu betrachten, das soeben im Sturm mein Herz erobert hat. Sein ganzes Sein beginnt zu leuchten, als er ins Gesicht seiner Tochter blickt. Als hätte sie gespürt, dass er da ist, öffnet sie die Augen und blinzelt ihn müde an. Er stößt ein kurzes Gebet aus und streckt die Hand aus, um mit einem Finger die runden Wangen nachzufahren. »Das ist unsere Tochter«, murmelt er fasziniert. In seinen Augen sammeln sich Freudentränen. »Wir haben eine Tochter bekommen.«

Ich lache leise auf und drücke meine Lippen an die Stirn des Kindes. »Wir sollten sie Thea nennen, findest du nicht?«

Nanauatzin schaut auf, blickt zu der Frau, die mich in den letzten Stunden so gut versorgt hat, und stimmt mir zu. Theas Wangen färben sich rosa, und sie lächelt, bevor sie sich wieder dem Badewasser widmet, um unsere kleine Tochter bald sauber zu machen.

»Thea ist der perfekte Name für ein so wunderschönes Kind«, erwidert Nanauatzin und nimmt uns in seine Arme.

Ich nicke, überglücklich, denn für einen winzigen Moment habe ich vergessen, welches Schicksal unsere Tochter ereilen wird.

 

 

Thea ist ein Goldschatz. Sie schläft viel, und wenn sie wach ist, lässt sie sich von uns durch die Gegend tragen und füttern. Abends kuschle ich mich mit ihr ins Bett, während Nanauatzin uns eine Geschichte erzählt, und lausche ihren immer ruhiger werdenden Atemzügen. Irgendwann lösen sich ihre kleinen Händchen von meinen Fingern, und ich weiß, dass sie von guten Dingen träumt.

Dann drückt Nanauatzin jedem von uns einen Kuss auf die Stirn und kuschelt sich an mich. Es sind die stillen Minuten kurz vor dem Einschlafen, in denen wir beten, dass Meztli uns vergessen hat.

Dass sie uns unser Wunder lässt, weil sie weiß, wie sehr wir es lieben.

Und tatsächlich, mit jedem Tag, der vergeht, wiegen wir uns mehr in Sicherheit. Thea wächst und gedeiht und beginnt schon bald, die ersten richtigen Laute von sich zu geben. Wir zeigen ihr den Schnee und das Feuer und nehmen sie mit zu den heißen Quellen im Breen, als sie ein paar Mondzyklen alt ist. Sie liebt das Wasser genauso sehr wie ich, doch noch mehr liebt sie ihren Vater, der mit ihr die größten Späße veranstaltet.

Im Sommer lernt sie ihre ersten Worte, im Herbst die ersten Schritte, und als der Winter vor der Tür steht und sich ihr erstes Lebensjahr dem Ende zuneigt, haben Nanauatzin und ich vergessen, uns jeden Tag Sorgen wegen Meztli zu machen.

Jeder Tag ist ein Geschenk, so auch der heutige, an dem ich ein paar Frauen aus dem Dorf eingeladen habe, um Theas Sonnenjahr mit uns zu feiern. Während ich die letzten Vorbereitungen treffe und den Eintopf abschmecke, sitzt Nanauatzin mit Thea auf dem Boden. Er hat ihr ein paar Holzklötze geschnitzt, die er nun munter aufeinanderstapelt, damit sie sie wieder umwerfen kann. Wann immer sie in alle Richtungen purzeln, lacht sie glockenhell auf. Es ist ihr liebstes Spiel.

Ich würde den beiden gerne eine Weile dabei zu sehen, doch da klopft es an die Tür.

»Das müssen die ersten Gäste sein«, sage ich freudig. Nanauatzin blickt auf, stupst Thea auf die Nase und räumt das Holzspielzeug weg. Ich hebe Thea vom Boden hoch, um mit ihr gemeinsam die Gäste zu begrüßen. Sie klammert sich an mich und vergräbt ihr Gesicht an meinem Hals. Irgendwie ist sie in den letzten Wochen schüchtern geworden.

Ich öffne die Tür, bereit, die anderen aus dem Dorf in Empfang zu nehmen, doch die Begrüßung bleibt mir im Hals stecken. »Meztli«, keuche ich auf und will die Tür sofort wieder zu schlagen, aber da hat sie bereits ihre Hand ausgestreckt und hält mich auf.

»Hallo Ichtaca.«

Kapitel 1

 

Österreich, 2018

Farrah

 

Das Blut pulsiert in meinen Ohren, und ich fühle mich so entkräftet wie nie zuvor. Wenn Willem mich nicht stützen würde, wäre ich auf dem Weg in das angrenzende Wohnzimmer womöglich bereits zusammengebrochen.

»Heiliger Kuhmist.« Ich lasse mich stöhnend auf die Couch fallen und atme schwer ein und aus, während ich mir Mühe gebe, nicht in Panik zu geraten, weil ich mal wieder ohne Magie bin. Es ist alles okay. Sie kommt zurück. Ich brauche sie gerade nicht.

»Möchtest du etwas essen?«, fragt mich Willem. Er ist bleich im Gesicht – und nicht zum ersten Mal überlege ich, ob er mehr über Mikaels Abenteuer weiß als ich oder ob er sich über andere Dinge den Kopf zerbricht, von denen ich keine Ahnung habe.