Verlag: Coppenrath Kategorie: Abenteuer, Thriller, Horror Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2014

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E-Book-Beschreibung Blind Walk - Patricia Schröder

Sieben Jugendliche ausgesetzt im Nirgendwo, gefangen in einem teuflischen Spiel, aus dem es kein Entkommen gibt. "Dieser ganze bescheuerte Event ist ein einziger riesengroßer Fehler gewesen. Wie es aussieht, wird wahrscheinlich niemand mehr lebend aus der Sache herauskommen." Als die 17-jährige Lida Donelly zusammen mit ihrem Freund Jesper an einem sogenannten "Blind Walk", einem Event aus dem Internet, teilnimmt, rechnet sie mit nicht mehr als ein bisschen Nervenkitzel. Zusammen mit fünf anderen Jugendlichen werden Lida und Jesper mit verbundenen Augen in der Wildnis ausgesetzt, ausgestattet mit einem Kompass und ein paar wenigen Gegenständen. Doch von Anfang an ist die Stimmung in der Gruppe hochexplosiv. Die Situation droht zu eskalieren, als die Jugendlichen nach kurzer Zeit die Leiche einer der Männer finden, die sie in den Wald gebracht haben. Lida beschleicht das unheimliche Gefühl, dass sie beobachtet werden. Schon bald wird dieser erste Verdacht zur bösen Gewissheit: Irgendjemand da draußen macht Jagd auf sie. Und der Jäger scheint es dabei vor allem auf sie, Lida, abgesehen zu haben.

Meinungen über das E-Book Blind Walk - Patricia Schröder

E-Book-Leseprobe Blind Walk - Patricia Schröder

ISBN: 978-3-649-62027-3 (eBook)

eBook © 2014 Coppenrath Verlag GmbH & Co. KG,

Hafenweg 30, 48155 Münster

Alle Rechte vorbehalten, auch auszugsweise

eBook-Produktion: book2look Publishing 2014

ISBN: 978-3-649-61749-5 (Buch)

Buch © 2014 Coppenrath Verlag GmbH & Co. KG,

Hafenweg 30, 48155 Münster

Text: Patricia Schröder

Umschlaggestaltung: Sandra Taufer, München, unter Verwendung

von Bildern von happykanppy/shutterstock.com und

Thampapon/shutterstock.com

Lektorat: Maren Jessen

www.coppenrath.de

»Es war nicht okay, dass ich meine Mutter angelogen habe. Und über Jesper und mein blindes Vertrauen zu ihm brauchen wir gar nicht erst zu reden.

Inzwischen weiß ich, dass ich nicht nur ihn vollkommen falsch eingeschätzt habe.

Dieser ganze bescheuerte Event ist ein einziger riesengroßer Fehler gewesen.

Wie es aussieht, wird wahrscheinlich niemand mehr lebend aus der Sache herauskommen.

Halte mich für verrückt, vielleicht bin ich es auch ... aber, Sten, obwohl ich all das inzwischen weiß, würde ich es jederzeit wieder so machen.«

Dienstag, 14. Januar, Stadtklinikum Süd

Es ist kurz nach elf, als er die Innere betritt. Visite. Der Flur ist wie ausgestorben, das Schwesternzimmer ebenfalls. Niemand wird ihn stören. Zielstrebig öffnet er die dritte Schublade von unten, nimmt den Schlüssel an sich und schließt den Medikamentenschrank auf.

Im selben Moment vibriert das Handy in seiner Kitteltasche. Verdammt! Dass die nicht mal fünf Minuten ohne ihn zurechtkommen!

Mit fahrigen Fingern zieht er es hervor, wirft einen Blick aufs Display, schüttelt den Kopf, zögert und drückt schließlich die Verbindungstaste. »Ja, bitte ...?« Er stutzt. »Was, du? Herrgott noch mal, hab ich dir nicht gesagt, dass du mich während meiner Dienstzeiten nicht mehr anrufen sollst?«

Mit der anderen Hand schiebt er die Medikamentenschachteln hin und her.

»Nein, es geht Rebecca nicht gut und es wird ihr auch nicht ... Wie bitte, was hast du? ... Ein Unfall? Und wo? ... Aha, aha ...«

Er findet, was er sucht, nimmt drei Ampullen heraus, stellt die alte Ordnung wieder her und schließt den Schrank.

»Also gut, ich veranlasse das. Ausnahmsweise.« Seine Stimme wird eindringlicher. »Aber beim nächsten Mal alarmierst du bitte den Notarzt. Hast du mich verstanden? Und zwar unverzüglich! Sonst sehe ich nämlich keine Chance mehr für Rebecca ...« Er schüttelt den Kopf. »Nein, nicht die geringste. Auch mir sind Grenzen gesetzt. Selbst du, der sich im Grunde alles leisten könnte ... Herrgott noch mal, du bist doch lange genug an diesem Klinikum gewesen, um zu wissen ...« Er bricht ab, lauscht. Legt den Kopf in den Nacken. Schließt die Augen. Stöhnt. »Nein, verdammt noch mal, es gibt keinen anderen Weg! ... Gut ... ja, ja, ja ... Ja, versprochen. Unter der Voraussetzung, dass du mich da raushältst. Sollte mein Name nämlich mit diesen ... ähm, Unfällen in Verbindung gebracht werden, wird niemand Rebecca helfen können. Hast du das kapiert? Ab sofort existiere ich nicht mehr für dich.«

Seine letzten Worte sind nur noch ein Zischen.

Er kappt die Verbindung, lässt das Handy zu Boden fallen und tritt zweimal kräftig mit der Kante seines Absatzes darauf.

Ein gutes halbes Jahr später

Donnerstag, 7. August, Glockenstraße 76

»Lida, du bringst mich noch in Teufels Küche.«

Aufgebracht läuft Jesper in seinem kleinen Flur auf und ab. Er bleibt stehen und schaut mich an. Ich lächele und er sieht wieder weg. Läuft weiter. Gestikuliert mit fliegenden Händen.

Ich mag es, wenn er so ist. Wenn seine dunklen Augen noch dunkler werden und sein Kieferknochen markant hervortritt.

Jesper ist zwanzig und ich bin siebzehn. Wir kennen uns seit einem halben Jahr. Meine Mutter weiß nichts von dieser Beziehung. Ich glaube, sie denkt noch immer, ich hätte mit Jungs nichts am Hut.

»Keiner von denen ist unter achtzehn«, sagt Jesper. »Und eine Woche ohne einander werden wir ja wohl überstehen.«

»Darum geht es doch gar nicht«, erwidere ich.

Er hält inne und mustert mich mit hochgezogenen Brauen. »Sondern?«

Jesper hat nicht nur wunderschöne Augen, sondern vor allem wunderschöne Brauen. Dicht und dunkel und leicht geschwungen.

Optisch sind wir das genaue Gegenteil voneinander. Jesper braunäugig und dunkelhaarig, ich blond und blauäugig. Aber ich finde, dass meine helle Haut und sein olivfarbener Teint ganz toll zusammenpassen.

»Sondern?«, wiederholt Jesper nachdrücklich.

»Nicht nur du hast Lust auf diesen Event, sondern ich auch«, gebe ich zurück. »Und ohne dich kann ich da nicht hin.«

Ich lehne ihm gegenüber im Türrahmen. Wir sehen uns an, und wie immer, wenn wir uns so ansehen, bekommen wir Lust aufeinander.

»Küss mich«, sage ich leise.

»Nein, Lida, wir müssen reden.«

»Du willst reden«, sage ich. »Ich will mit dir schlafen. Und zwar jetzt.«

Jespers Kiefermuskeln entspannen sich und ein Lächeln huscht über sein Gesicht. »Hör zu, Lida ... Die Geschichte ist nicht ganz ungefährlich. Ich müsste die Verantwortung für dich übernehmen.«

»Ja, das müsstest du ...«, sage ich ebenfalls lächelnd. »Ob du willst oder nicht.«

Wir machen einen Schritt aufeinander zu. Ich ziehe mir mein T-Shirt über den Kopf und zehn Sekunden später liegen wir im Zimmer nebenan auf dem Teppich.

Ich mag es, wenn Jesper sich aufregt, noch mehr aber mag ich es, wenn er mich küsst. Seine Zunge ist warm und sanft und seine Küsse sind tief und voller Zärtlichkeit.

»Du musst hierbleiben, Lida«, flüstert er, als wir selig erschöpft auseinanderrollen. »Bitte.«

Es ist ein Bitte, das wehtut, aber ich lasse mir nichts anmerken. Es muss einen Grund geben, warum er mich nicht dabeihaben will, einen, der nichts mit meinem Alter zu tun hat. Das Argument, von wegen das Ganze sei gefährlich, halte ich jedenfalls für vorgeschoben. Okay, dieser Event ist ein Abenteuer mit einem gewissen Nervenkitzel, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Jesper weiß, dass ich nicht zimperlich bin. Besagte Verantwortung müsste er – wenn überhaupt – also nur formell tragen.

»Es gibt leider keinen Ausweg«, sage ich.

Jesper stützt sich auf und angelt nach der Zigarettenschachtel, die auf dem Beistelltisch liegt.

»Wie meinst du das?«

»Ich habe meiner Mutter gesagt, dass ich mit Marlen und ein paar Mädels aus meiner alten Klasse zelten gehe, und Marlen hat ihren Eltern das Gleiche erzählt.«

Jesper pfriemelt mit den Lippen eine Zigarette aus der Packung und zündet sie an. »Aha, und?«, erwidert er und bläst den Rauch zur Zimmerdecke.

»In Wahrheit zeltet Marlen natürlich mit Leo«, sage ich, während ich mit den Fingern sein Schlüsselbein nachzeichne. »Und ich mit dir.«

»Nein, Lida.«

»Warum nicht?«

»Das habe ich dir doch eben erklärt.«

»Ich hab’s aber nicht verstanden.«

Jesper seufzt und zieht an seiner Zigarette.

Ich mag es nicht, wenn er raucht, aber ich nehme es hin. Für mich überwiegt das Besondere an Jesper. Außerdem hat schließlich jeder so seine Eigenarten. Meine ist, dass ich eine hartnäckige Nervensäge bin. Sagt Jesper. Marlen findet, dass ich mich gut durchsetzen kann. Und darum beneidet sie mich.

»Ich mag dich sehr, Lida«, sagt Jesper jetzt. Er beugt sich über mich und streicht mir eine meiner störrischen Locken aus der Stirn. »Aber diese eine Woche hätte ich gern für mich. Wieso verstehst du das nicht?«

»Wahrscheinlich, weil ich noch nicht volljährig bin«, entgegne ich. »Bei unter Achtzehnjährigen ist das Gehirn nämlich noch nicht vollständig ausgebildet.«

»Ich glaube, das ist es ohnehin erst ab fünfundzwanzig.«

»Klar, Doc«, sage ich und küsse ihn weich auf den Mund.

Jesper studiert Medizin. Im Herbst beginnt für ihn das dritte Semester. Später will er Internist oder Chirurg werden. Na, mal sehen, bisher hat er nämlich nur an Leichen herumgeschnippelt.

Jesper drückt die Zigarette aus und küsst mich zurück.

»Du schmeckst widerlich«, sage ich.

»Hmhm«, macht er, lässt seine Lippen über meine Wange wandern, saugt an meinem Ohrläppchen und meinem Hals, küsst meine Brüste und meinen Bauch und alles andere, sodass ich innerhalb von Sekunden von den Haarwurzeln bis zu den Zehennägeln in Flammen stehe.

»Und wer hat jetzt gewonnen?«, frage ich hinterher.

»Du«, sagt Jesper leise an meinem Ohr. »Wie immer.«

Samstag, 16. August, Besucherparkplatz am Rippetalstaudamm

Es regnet in Strömen. Der Boden ist matschig und in den Fahrspuren haben sich tiefe Pfützen gebildet.

»Willst du immer noch mit?«, fragt Jesper grinsend.

»Idiot«, sage ich und knuffe ihn in den Bauch.

Wir tragen Wanderschuhe und wasserdichte Outdoorklamotten. Unsere Rucksäcke enthalten neben dem Erlaubten nur das absolut Notwendige und auch sie sind durch eine spezielle Transporthülle vor Nässe geschützt.

»Die Nacht heute wird bestimmt ungemütlich«, prophezeit Jesper.

Ein Regentropfen perlt von seinem Kapuzenschirm herab und landet auf seiner Nasenspitze. Ich küsse ihn weg und sage: »Du weißt doch gar nicht, wohin sie uns bringen.« Jesper und ich sind die Ersten am Treffpunkt. Vielleicht werden die anderen aber auch woanders aufgesammelt. »Wenn wir zum Beispiel in Richtung Franken fahren, haben wir Glück. Die Wetterstation in Weiden hat einen sonnigen Tag angekündigt. Und eine sternenklare Nacht«, füge ich vielsagend hinzu.

»Weiden liegt in der Oberpfalz«, erwidert Jesper.

»Das ist doch das Gleiche.«

»Ist es nicht.«

»Okay. Und worin besteht der Unterschied?«

»Das musst du die Leute fragen, die dort leben«, sagt Jesper.

»Du meinst, mit denen ist es so ähnlich wie zwischen Kölnern und Düsseldorfern ... oder zwischen Schalke und Borussia?«

»Mhm.« Jesper nickt. »Oder Bayern München und dem Nürnberger FC.«

»Ach, der ist doch keine Gefahr für die«, sage ich lachend.

Jesper lacht ebenfalls.

Das Lustige ist, dass wir beide eigentlich keine Fußballfans sind und trotzdem über alles genau Bescheid wissen.

»Aber du bist eine Gefahr für mich«, sagt Jesper leise.

»Was?« Irritiert sehe ich ihn an. Ich bin nicht sicher, ob ich ihn richtig verstanden habe.

Er macht einen Schritt von mir weg. Seine Brauen schieben sich über der Nasenwurzel zusammen und seine Lippen werden schmal. Sein Gesichtsausdruck ist finster, beinahe beängstigend.

»Jetzt hör schon auf mit dem Scheiß«, sage ich und gehe wieder auf ihn zu.

Jesper kreuzt die Arme vor der Brust und wendet sich ab.

»Ich meine das ganz ernst, Lida. Du kennst mich doch überhaupt nicht richtig.«

»Jesper«, sage ich, »wir sind seit einem halben Jahr zusammen, und abgesehen davon, dass du rauchst, ist mir bisher noch nichts Gruseliges an dir aufgefallen.«

»Du triffst mich dreimal in der Woche.«

»Ja ... und?«

»Was ist mit den übrigen vier Tagen? Und den unzähligen Stunden, in denen wir uns nicht sehen?«

»Was soll denn da sein?«, entgegne ich und versuche es mit einem Scherz. »Vielleicht gehst du heimlich auf Schalke, feuerst Bengalos ab und prügelst dich mit dem Feind.«

»Ja, klar.« Jesper schüttelt den Kopf. Dann richtet er ruckartig seinen Blick auf mich und sagt ziemlich harsch: »Ich möchte nicht, dass du dich wie eine Klette an mich hängst, okay?«

Ich bin so baff, dass mir der Atem stockt, und einen Moment lang weiß ich nicht, wie ich reagieren soll. Keine Ahnung, was plötzlich mit Jesper los ist, so habe ich ihn jedenfalls noch nie erlebt. Eines aber ist mir klar: Wenn ich ihm hier und jetzt eine Szene mache, schickt er mich vielleicht tatsächlich wieder nach Hause.

»Ich bin nicht der Feind«, sage ich sanft. »Okay?«

Wieder schüttelt er den Kopf, diesmal wesentlich ungeduldiger. »Versprichst du es mir?«

»Wenn du mir erklärst, was genau du darunter verstehst«, erwidere ich zögernd.

Jesper ist mein erster richtiger Freund. Ich kann also nicht auf die gesammelte Erfahrung mehrerer Beziehungen zurückblicken, was bei ihm sehr wohl der Fall ist. Jesper hatte vor mir schon zwei längere Geschichten. Die letzte ist vor knapp anderthalb Jahren zu Ende gegangen. Er hat nicht viel über das Mädchen erzählt; ich weiß nur, dass sie sich von ihm getrennt hat und dass er ziemlich daran zu knabbern hatte. – Was für ihn spricht, finde ich. Zwischen ihr und mir gab es monatelang nur Flirts. Sagt Jesper. Ich sage One-Night-Stands. Aber das stört mich nicht. Im Gegenteil. Seine Erfahrung und seine Zärtlichkeit haben mir das erste Mal wirklich leicht gemacht. Ich liebe Jesper und ich mag den Sex mit ihm. Bin ich deswegen schon eine Klette?

»Wir sind das einzige Pärchen«, sagt er.

»Woher willst du das wissen?«

»Ich habe uns angemeldet ... schon vergessen?«

Natürlich nicht! Das Ganze lief über das Internet.

»Ich habe angegeben, dass du meine Cousine bist.«

Was? »Wieso?«

»Ich hatte den Eindruck, dass die es nicht gerne sehen, wenn Teilnehmer liiert sind.«

»So ’n Quatsch!« Ich tippe mir an die Stirn. »Mit welcher Begründung?«

Jesper zuckt mit den Schultern. »Wahrscheinlich wegen der Homogenität. Pärchen bringen nur Unruhe in eine Gruppe, in der jeder auf jeden angewiesen ist.«

»Pärchen können auch stabilisierend wirken«, halte ich dagegen.

Jesper nickt. »Ja, wenn sie selber keine Probleme haben.«

»Haben wir nicht«, sage ich.

Wieder dieser ernste, finstere Blick. »Bist du sicher?«

Tja, bis gerade eben war ich es noch.

Ich schaue zur Seite und beiße mir auf die Unterlippe. Wenn ich weiter insistiere, würde es wahrscheinlich nicht einmal eine Minute dauern, und wir hätten unseren ersten handfesten Streit.

Darauf habe ich keine Lust. Nicht ausgerechnet hier und jetzt und erst recht nicht so kurz vor einer Unternehmung, bei der Jesper mich eigentlich gar nicht dabeihaben will.

Ich drehe mich von ihm weg und sehe die Landstraße hinunter, die nach etwa dreihundert Metern in einer Kurve hinter einem Wald verschwindet. Rechts davon ziehen sich Getreidefelder und Pferdekoppeln einen Hang empor und dahinter hellt sich der Himmel auf.

D

Der dunkelblaue VW-Multivan nähert sich aus der anderen Richtung. Langsam und auf der linken Seite blinkend rollt er heran, lässt einen Pkw passieren, biegt in die Parkplatzzufahrt ein und stoppt.

»Sind sie das?«, frage ich.

Jesper antwortet nicht, sondern geht geradewegs auf den Bus zu. Die Beifahrertür wird geöffnet, ein circa vierzigjähriger athletischer Typ mit kurz gehaltenem Vollbart springt heraus und läuft ihm entgegen. Die beiden wechseln ein paar Worte, die ich auf die Entfernung nicht verstehen kann, dann wenden sie sich mir zu.

»Na, komm schon!«, ruft Jesper.

Plötzlich ist mir doch ein wenig mulmig zumute. Die Leute im Bus könnten Freaks sein, und dann diese merkwürdige Äußerung von Jesper eben, ich wäre eine Gefahr für ihn ... Ach, verdammt, wenn ich jetzt einen Rückzieher mache, werde ich mir das wahrscheinlich nie verzeihen. Entschlossen wische ich mein Unbehagen beiseite, straffe die Schultern und setze mich mit festen Schritten in Bewegung.

»Das ist Lida Donelly«, sagt Jesper. »Meine Cousine.«

Der Typ mit dem Vollbart nickt. Er hat schmale dunkle Augen und eine ungewöhnlich breite Unterlippe. Aus seinem Jackenkragen quillt ein dunkler Brustpelz hervor und auch seine Hände sind ungewöhnlich stark behaart.

»Wie alt bist du?« Seine Stimme klingt seltsam metallisch und passt überhaupt nicht zu ihm. Irgendwie so, als ob er einen künstlichen Kehlkopf hätte.

»Siebzehn«, sage ich.

»Also minderjährig.« Der Typ kneift die Augen zusammen und mustert mich forschend. »Dann brauchst du eine Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten.«

»Kein Problem«, sagt Jesper. »Ich übernehme die Verantwortung für sie. Das habe ich doch bereits bei der Anmeldung angegeben.«

»Hm.« Der Typ kräuselt seine breite Unterlippe. »Du bist zwanzig, richtig?«

»Jap.«

»Und das Mädchen ist wirklich deine Cousine?«, bohrt er weiter.

»Klar doch«, sagt Jesper. »Ihre Eltern sind beruflich im Ausland unterwegs. Deshalb wohnt sie zurzeit bei mir.«

Ich habe Mühe, mir meine Überraschung nicht anmerken zu lassen. Woher dieser plötzliche Sinneswandel? Beziehungsstress hin oder her, aber dieses Verhalten kann ich Jesper unmöglich durchgehen lassen. Sobald sich die Gelegenheit ergibt, werde ich mit ihm darüber reden müssen.

»Also gut«, sagt der Typ. »Mit euch ist die Gruppe vollzählig.«

»Wie viele sind wir denn überhaupt?«, erkundigt sich Jesper.

»Das erfahrt ihr am Ausgangspunkt«, entgegnet der Typ.

»Okay ... Und wie ist dein Name?«, fragt Jesper weiter.

»Der tut nichts zur Sache.«

»Mag sein. Ich wüsste ihn trotzdem gern.«

Der Typ brummt etwas Unverständliches. Schließlich sagt er: »Stucke.«

»Und der Vorname?«

»Stucke sollte genügen. Ich bin sowieso nur Begleiter. Alles, was für den Blind Walk relevant ist, bekommt ihr ...«

Jesper macht eine resignierte Geste. »Schon kapiert ... am Ausgangspunkt.«

Stucke grinst, richtig sympathisch macht ihn das jedoch nicht.

Ein merkwürdiger Typ, denke ich. Äußerst merkwürdig sogar. Erneut keimen Zweifel in mir auf, ob das alles hier wirklich mit rechten Dingen zugeht. Aussehen und Verhalten der Begleiter könnten allerdings auch zum Programm gehören, schließlich ist dieser Event so ziemlich das Gegenteil von einer Kaffeefahrt.

»Apropos blind«, sagt Stucke jetzt, zieht zwei schwarze Augenmasken aus seiner Jackentasche und lässt sie vor Jespers Gesicht hin und her pendeln. Mir fällt sofort die große goldene Angeberuhr an seinem Handgelenk ins Auge. »Würdest du das bitte deiner kleinen Cousine auf die Nase binden?«

Stucke lacht über seinen eigenen Witz.

»Was, jetzt schon?«, fragt Jesper verwundert.

»Wann sonst?«, erwidert Stucke. »Wenn wir im Wagen sind, kann ich nicht mehr kontrollieren, ob die Dinger auch richtig sitzen.«

»Findest du das nicht ein bisschen übertrieben?«, gibt Jesper zurück. »Wir würden uns doch nur selbst den Spaß verderben, wenn wir versuchten, die Strecke zu verfolgen.«

»Entweder ihr akzeptiert die Regeln oder ihr vergesst das Ganze«, brummt Stucke. »Keiner zwingt euch mitzufahren.«

Jesper zögert, und einen winzigen Moment lang wünsche ich mir tatsächlich, dass er sich dazu durchringt hierzubleiben, auch wenn dann die hundertachtzig Euro futsch wären, die wir jeder für dieses kleine Abenteuer hinlegen mussten. Aber Jesper wäre nicht Jesper, wenn er sich von ein paar dummen Sprüchen ins Bockshorn jagen ließe.

»Natürlich fahren wir mit«, sagt er, schnappt sich eine der beiden Augenmasken und legt sie mir um.

Es ist anders als Blindekuhspielen. Vollkommen anders. Damals brauchte ich nur den Kopf ein wenig in den Nacken zu legen und schon konnte ich unter dem Tuch hervorlinsen und die Beine und Füße meiner Mitspieler erkennen. Jetzt ist es so, als würde ich gegen eine schwarze Wand gucken, auf die das Flimmern meiner Netzhaut projiziert wird. Ich spüre Jespers Finger an meinem Hinterkopf und kurz darauf einen flüchtigen Luftzug in meinem Gesicht, dann fühle ich mich plötzlich losgelöst aus meiner Umgebung und empfinde nicht einmal mehr den Boden unter meinen Füßen als Sicherheit, sodass ich beinahe froh bin, als ich Stuckes harsche metallische Stimme wieder vernehme.

»Alles klar«, sagt er und umfasst meinen Oberarm. »Wir gehen jetzt zum Wagen rüber. Das sind ungefähr zwanzig Schritte.«

Er zieht mich mit sich, und ich stolpere, vollauf damit beschäftigt, nicht umzuknicken, neben ihm her.

»Stopp!«, ruft Stucke. Er wartet, bis ich mich ausbalanciert habe, und packt mich dann unter den Achseln. »So, und jetzt einsteigen. Die Sitzbank befindet sich gleich links von dir.«

Ich hebe den rechten Fuß an.

»Gut so«, sagt Stucke. »Kopf einziehen!«

Das muss er mir nicht sagen, es passiert ganz automatisch, und kaum habe ich meinen Fuß aufgesetzt, drückt er mich auch schon schwungvoll nach oben. Reflexartig strecke ich meine linke Hand aus, ertaste raues Polster und lasse mich darauffallen.

»Durchrutschen!«

Ich mache, was Stucke sagt, und rücke auf der Bank weiter, bis ich gegen einen anderen Körper stoße.

»Oh, hallo ... sorry«, stammele ich. »Ich bin Lida.«

»Es wird hier nicht gequatscht, klar?«, blafft Stucke mich an.

Ich zucke zusammen.

Neben mir ertönt ein Poltern und einen Atemzug später sinkt jemand an meine Seite. Kurz darauf fällt die Wagentür zu.

Ich greife nach rechts und ertaste den Stoff von Jespers Outdoorjacke. Er legt die Hand auf meine und ich verflechte meine Finger mit seinen.

Sie sind rau und fremd.

Erschrocken ziehe ich meine Hand weg.

»Jesper?«, keuche ich, aber niemand antwortet.

Panik schießt in mir hoch. Ich will mir die Augenmaske herunterreißen, doch die rauen Hände halten mich davon ab. Jemand schnallt mich an.

»Ganz ruhig, Mädchen«, sagt Stucke neben mir.

»Wo ist er?«, brülle ich los. »Wo ist Jesper?« Meine Stimme hallt schrill von den Blechwänden des Wagens wider.

Stucke lacht.

»Krieg dich mal wieder ein! Wie willst du denn die Woche da draußen überstehen, wenn du jetzt schon die Nerven verlierst!«

Der Motor springt an und der Kleinbus setzt sich in Bewegung. Ich höre das Knirschen des Schotters unter den Reifen, der Fahrer beschleunigt und ich werde in den Sitz gedrückt. Es geht in dieselbe Richtung zurück, aus der der Van gekommen ist.

Ich ziehe die Schultern ein und versuche, mich so klein wie möglich zu machen, denn ich mag weder Stucke noch den Fremden links von mir berühren.

D

Zunächst fahren wir eine ganze Weile in gleichförmiger Geschwindigkeit geradeaus. Ein einziges Mal nur bremst der Fahrer den Bus ab, lenkt ihn nach links und gibt dann sofort wieder Gas. Der Typ rechts hinter mir räuspert sich in regelmäßigen Abständen, ansonsten vernehme ich nur Atemgeräusche.

Die Luft im Wagen ist warm und feucht. Es riecht nach Imprägnierspray und Erde, dominiert von einer ziemlich ekligen Mischung aus Rasierwasser und Schweiß. Ich atme möglichst flach, damit sich dieses unangenehme Aroma nicht in meiner Nase festsetzen kann.

Ich schwitze und meine Ohren fangen an zu jucken, doch ich wage es nicht, den Reißverschluss meiner Jacke zu öffnen, und verfluche Jesper dafür, dass er mir die Kapuze nicht vom Kopf gezogen hat, bevor er mir die Augenmaske umband.

Nach einer gefühlten Ewigkeit verringert der Fahrer das Tempo. Plötzlich geht es nur noch stockend voran. Ein lautes Hupen unmittelbar neben mir lässt mich zusammenschrecken. Jemand außerhalb des Busses schreit etwas. Weitere gedämpfte Stimmen ertönen. Eine Ortschaft, durchzuckt es mich, und wieder einmal bin ich kurz davor, mir die Augenmaske zu entfernen. Der Anblick anderer Menschen würde mich beruhigen, vor allem aber könnte ich mich davon überzeugen, dass Jesper auch wirklich eingestiegen ist. Doch ich will nicht, dass Stucke mich noch einmal anfasst. Oder mich einfach an der nächsten Ecke raussetzt. Also reiße ich mich zusammen und bete, dass wir bald am Ziel sind.

Vom ständigen Stoppen und wieder Anfahren wird mir übel, aber nachdem wir zweimal rechts abgebogen sind, gibt der Fahrer Gas, und es geht endlich wieder zügig weiter.

Das laute gleichförmige Motorengeräusch lullt mich ein. Gähnend schließe ich unter der Binde die Augen und versuche, nicht mehr darüber nachzudenken, was ich mache, wenn sich herausstellt, dass Jesper auf dem Parkplatz am Rippetalstaudamm zurückgeblieben ist und ich mutterseelenallein mit einer Horde Psychos in der Pampa gelandet bin.

Samstag, 16. August, Stadtklinikum Süd

Das Aufschlaggeräusch ist immer da. In jeder Zelle meines Körpers.

Ich höre auch das Lachen. Neben mir. Hinter mir.

Und lautes Gegröle und das Gelalle von Jan.

Es hat mich genervt.

Aber das eigentliche Problem war nicht Jan, sondern die Kurve.

Ich sehe den Baum im Licht der Scheinwerfer, dahinter der stockschwarze Himmel. Der Baum rast auf mich zu.

Ich wünsche mir, dass es endlich aufhört.

Dass auch meine Mutter endlich zu reden aufhört.

Und mich nicht ständig anfasst.

Ich bin siebzehn. Fast volljährig.

Und ich möchte meine Ruhe.

Aber sie lassen mich nicht.

Manchmal denke ich, ich schlafe, aber das tue ich nicht.

Sie kommen, schicken meine Mutter weg, stellen sich um mich herum und reden.

Reden. Reden. Reden.

Ich verstehe nicht, was sie sagen. Ich weiß nur, dass es mit mir zu tun hat. Und dem Unfall.

Manchmal erscheint ein Engel mit großen blauen Augen. Beugt sich über mich und lächelt.

Immer wenn er da ist, verschwinden die Geräusche. Verblassen die Erinnerungen. Finde ich ein wenig Ruhe.

Ich möchte nicht, dass der Engel wieder weggeht. Also stehe ich auf und folge ihm.

Zu dem Mann hinter der Stellwand, der stumm vor sich hin starrt.

Zu der Frau, die leise stöhnt.

Aus dem Zimmer.

Den Gang entlang.

In ein anderes Zimmer.

Es ist kleiner. Übersichtlicher. Voller Schränke und Monitore und Anzeigegeräte.

Es gibt auch einen Tisch dort und zwei Stühle. Schreibkram. Und einen Kaffeeautomaten.

Der Engel trinkt keinen Kaffee, sondern Tee aus einer Thermoskanne, die er aus seiner Tasche holt.

Der Engel ist auch kein Er, sondern eine Sie.

Auf dem Namensschildchen am grünen Kittel steht Ramona Lenk. Ihre Augen sind wirklich sehr blau, so wie das Meer rund um Sardinien, wenn die Sonne allmählich in Richtung Horizont sinkt. Das blonde Haar reicht ihr bis knapp unters Kinn. Sie trägt es stufig geschnitten und hält es mit einer kleinen Silberspange aus der Stirn.

Ich schätze Ramona auf ungefähr fünfundzwanzig. Natürlich ist sie zu alt für mich, und ohnehin hat sie bestimmt einen Freund, so hübsch, wie sie ist.

Ich stehe hinter ihr und sehe ihr über die Schulter, schaue zu, wie sie an ihrem Tee nippt und irgendwelche Zahlen und Kürzel, die für mich wie Hieroglyphen aussehen, in eine Tabelle einträgt.

Leise seufzend legt sie die Tabelle in eine Patientenkarte, klappt diese zu und schiebt sie zur Seite. Links oben in der Ecke steht: Sten Milders 23.09.1996

Mein Name. Mein Geburtsdatum.

Im Gang ertönen Schritte und Ramona hebt den Kopf.

Ein Mann kommt herein. Ebenfalls in Grün. Auf seinem Schild steht G. Jakubeit. Er trägt einen Mundschutz, den er nun abnimmt. Seine Haare sind sehr kurz und seine Lippen geschwungen. Er streicht sich mit den Fingern über den Nasenrücken und die Augenbrauen.

»Wie geht es dem Jungen?«

Ramona zuckt mit den Schultern. »Seine Werte sind stabil, aber die OP-Naht heilt schlecht.«

Dr. Jakubeit nimmt meine Karte, klappt sie auf und begutachtet die Tabelle. »Okay«, sagt er schließlich, »ich werde mir das morgen noch einmal etwas genauer ansehen. Sicherheitshalber geben wir ein Antibiotikum.«

»Amoxicillin?«, fragt Ramona.

Jakubeit nickt. »500 Milligramm.«

»Jetzt gleich?«

Wieder ein Nicken. »Morgen bestimmen wir die genaue Dosis und verabreichen es dann über die Pumpe.«

»Gut.« Ramona nimmt ihm die Karte aus der Hand und trägt etwas ein. Sie erhebt sich und tritt so schnell zurück, dass ich nicht mehr ausweichen kann und wir einen Moment lang ineinanderstehen.

Für mich ist es ein gutes Gefühl, aber sie scheint verwirrt und plötzlich nicht mehr zu wissen, was sie tun wollte.

Langsam bewege ich mich aus ihrem Körper heraus.

Der Doc betrachtet sie stirnrunzelnd. »Ist Ihnen nicht gut?«

»Doch, doch.« Ramona winkt ab. Lächelt. »Mir war nur ein wenig schwindelig.«

Jakubeit lächelt ebenfalls. »Ja, diese Schichtwechsel machen mir auch immer zu schaffen.«

Ramona nickt. Sie öffnet den Medikamentenschrank, nimmt eine Ampulle aus einer Schachtel und zieht den Inhalt in einer Spritze auf.

Ich folge ihr auf den Gang hinaus, in das große Zimmer zurück bis zu meinem Bett.

Mein Gesicht ist bleich und reglos, die Augen sind nahezu geschlossen, um den Kopf trage ich einen Verband.

Eine Maschine beatmet meine Lunge. Sie macht ein seltsam pumpendes Geräusch, das mir komischerweise erst jetzt auffällt.

»Hallo, Sten«, sagt Ramona leise. »Ich bin’s noch mal. Wir sind ein wenig besorgt wegen deiner Naht und deshalb bekommst du jetzt etwas zur Prophylaxe.«

Sie öffnet den Venenkatheter an meinem rechten Handgelenk und spritzt das Antibiotikum hinein.

»Schlaf gut«, flüstert sie und streicht über meinen Arm. »Wenn du Glück hast, holen wir dich morgen ein wenig aus dem Koma, damit du nicht vergisst, dass es Tag und Nacht gibt.«

Leider ist dann deine Schicht zu Ende, und du wirst nicht mehr hier sein, denke ich, während mein Blick auf der feinen Falte in ihrem schmalen Nacken ruht.

Seitdem mit Katja Schluss ist, hat mich kein Mädchen mehr so sehr berührt.

Ramona richtet sich auf, wirft einen Blick auf die Monitore neben meinem Bett und huscht davon.

Ich gehe zum Fenster hinüber und schaue über die Stadt und den angrenzenden Wald. Der Himmel ist dunkelblau, über den Berggipfeln in der Ferne liegt noch ein Hauch Sonnenuntergangsrot. Hier und da funkeln ein paar Sterne.

Ich lehne mich in den Fenstersturz und werfe einen Blick auf mein Bett.

Ich verspüre nicht die geringste Lust, wieder in meinen Körper zurückzuschlüpfen.

Samstag, 16. August, Ausgangspunkt

Es ist Nacht, als man mir die Augenmaske abnimmt. Ich sitze noch immer in diesem verdammten Kleinbus auf demselben Sitz. Mir tun Hintern, Rücken und Füße weh. Mein Gaumen ist trocken und klebrig und meine Lippen spannen. Vor allem aber muss ich pinkeln.

»Na, komm hoch, Mädchen, aussteigen.«

Stucke zerrt an meinem Arm.

Ich erhebe mich, kann allerdings kaum stehen auf diesen Füßen, die während der unzähligen Stunden, die wir unterwegs waren, etliche Male eingeschlafen sind und sich mittlerweile nur noch durch Unförmigkeit und Schmerz definieren.

»Mach schon!«

Stucke versetzt mir einen Stoß und ich stolpere nach draußen, verliere das Gleichgewicht und falle auf Knie und Hände.

Der Boden ist rau und uneben, eine Mischung aus trockenharter Erde, borstigen Grasbüscheln und kieselgroßen Steinsplittern, die sich mir in die Haut bohren.

»Scheiße!«, fluche ich leise, schüttele die rechte Hand aus und bemühe mich, nicht allzu sehr herumzustöhnen.

Jemand packt mich an der Jacke und zieht mich zur Seite. Nur einen Augenblick später stolpert der Nächste aus dem Bus. Es muss der sein, der links neben mir gesessen hat: ein bulliger Typ mit halblangen dunkelblonden Haaren und Dreitagebart. Seine blauen Augen mustern mich neugierig.

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