Blutspuren im Teufelsmoor - Barni Newman - E-Book

Blutspuren im Teufelsmoor E-Book

Barni Newman

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Beschreibung

Ein ROMAN über die Wiederansiedlung der Wölfe in Niedersachsen. Es werden die aktuelle Situation sowie tatsächliche Vorfälle benutzt um in die Geschichte einzutauchen. Die Wölfe haben sich so schnell ausgebreitet, das ihnen die Nahrungsgrundlage ausgeht. Sie müssen sich umorientieren und gehen in den Siedlungen der Menschen auf die Jagd nach Vieh. Die beiden Hauptakteure Barni und Reini haben die Situation schon früh erkannt, sich bewaffnet und den Kampf gegen die Wölfe im Teufelsmoor aufgenommen. Ein weiterer Hauptakteur ist eine Wölfin aus Munster. Die Beschreibung der Ansiedlung aus der Sicht der Wölfin wirft ein weiteres ungewohntes Licht auf die Situation.

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Seitenzahl: 107

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Blutspuren im Teufelsmoor
Ein Roman von
Barni Newman
Datum: 30/11/2014
IMPRESSUM
Text, Cover & Illustrationen
Copyright: © 2014 Barni Newman
Verlag: epubli GmbH, Berlin, www.epubli.de
ISBN 978-3-7375-2452-0
HINWEIS: Die Handlung und alle handelnden Personen in diesem Buch sind vom Autor frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder realen Personen wären rein zufällig.
Schon bald werden sie wieder zu hören sein, “Die Kinder der Nacht”, wie sie heulen bei Vollmond. Erst nur ganz leise aus der Ferne, aber schon bald, sehr bald auch wieder vor Deiner Tür.

Rückblick

Seit Ende des neunzehnten Jahrhunderts gilt der Wolf in Deutschland als ausgerottet. Das gehassteste Tier in Europa.
Das Märchen “Rotkäppchen” und Erzählungen wie “Peter und der Wolf” kannte früher ein jedes Kind. Einst dienten sie dazu so früh wie möglich die Angst zu lehren, und den Instinkt zum überleben in die Menschen zu implementieren. Schon das kleinste Anzeichen der Anwesenheit von Wölfen, ein Schatten, ein Knurren, ein Kratzen musste zum auslösen einer Überlebensstrategie führen. Das bloße ziellose Flüchten würde ein tödliches Ende nehmen, denn der Wolf ist ein Hetzjäger, und seine Beute am Ende völlig entkräftet und wehrlos. Einen Baum erklimmen und in der Höhe ausharren bis zum nächsten Tag konnte das eigene Leben schon retten.
Noch gut 50 Jahre nach dieser Zeit wurden die Geschichten erzählt, obwohl kein einziger Wolf mehr gesichtet wurde.
Die Ausrottung gelang damals aber nicht mit der herkömmlichen Jagt mit Waffen, Treibjagden oder Fallen. Nein, dies konnte die Bestände seinerzeit kaum gefährden. Dies gelang erst mit dem Einsatz der heimtückischsten aller erfundenen Waffen des Menschen, dem Gift Strychnin. Damit präparierte Kadaver wurden auf die bekannten Wechsel gelegt und die Aas fressenden Räuber im großen Stiel getötet.
Den letzten getöteten Wölfen einer Region wurde hier und da ein Denkmal gesetzt. Ein Gedenkstein als Mahnmal - eine Nachricht aus der Vergangenheit ... in Stein gemeißelt ...
Der letzte Wolf in Westfalen
Die Nachkriegsentbehrungen der Wiederaufbauzeit ließen so manche Saga entstehen. Wilderei war auf dem Lande überlebenswichtig, und die Entwaffnung des Volkes trug nicht grade dazu bei. So kam es in Lichtenmoor zu einer Reihe ungeklärter Fälle und schnell stürzte sich die Presse darauf und sponn die Geschichte vom Würger die weite Kreise zog. Treibjagden und Großwildjäger gaben sich ein Stelldichein und letztlich wurde ein Wolf zur strecke gebracht, dessen Kadaver auf mysteriöse Weise verschwand und später unbrauchbar wieder auftauchte.
Bis 1956 wanderten noch mindestens vier weitere einsame Wolfsrüden ins Land zwischen Weser und Aller ein. Sie wurden vergleichsweise unbeachtet zur Strecke gebracht.
Die Zeiten haben sich geändert. Die D-Mark floriert, die Bürger der jungen Bundesrepublik widmen sich hingebungsvoll dem großen Fressen, Fleisch gibt es wieder in Fülle. Und ein "Würger" wird nicht mehr gebraucht.
Der letzte Wolf bei Laußnitz

Buch I

Kapitel 1 Begegnungen

Und dann in den Neunzigern des neunzehnten Jahrhunderts kippte die Stimmung. Die nächsten Generationen, aufgewachsen im Wohlstand und Friede, ohne Leid. Sie kannten keinen Hunger und Wildtiere meist nur aus dem Streichelzoo. Sie hatte keine Ahnung von der gnadenlosen, den Tot bringenden, Gefahr. Und es kam wie es kommen musste.
Einige wenige verblendete Menschen erhoben die Bestie von einst in den Status einer geschützten verharmlosten Kreatur, gleich einem Murmeltier. Niemals würde von ihr eine Gefahr ausgehen, im Gegenteil, der Mensch war schon immer das Böse.
Doch die Natur kennt keine Gnade. Und so kam klammheimlich die Bestie zurück und weilt nun wieder unter uns, gehasst ... vergessen ... und doch beschützt und unerkannt verfolgt sie ihre eigenen Ziele...

1.1 Die Rückkehr

Seit dem Jahre 2000 wurden wieder vereinzelt Wölfe (Canis Lupus) in Deutschland gesichtet, zunächst nur in der Lausitz, aber bald schon im ganzen Land. Was für Umweltschützer eine gute Nachricht ist, treibt Jäger und Bauern auf die Barrikaden. Naturschützer behaupten in ganz Deutschland wäre Platz für 450 Rudel, das heißt, das tausende Wölfe hier leben könnten. Das dies extrem unrealistisch ist, mit Hinblick auf die Akzeptanz in der Bevölkerung, ist selbst ihnen bewusst. Die Wolfsbeauftragte Frau Habbe geht sogar soweit zu behaupten “es gehe keine Gefahr von den Tieren aus, sie würden sich normalerweise Häusern nicht nähern”.
Der Truppenübungsplatz am Rande der Lüneburger Heide bei Munster ist ein idealer Lebensraum für allerlei Wildtiere. Nieder-, Schwarz-, Reh-, Damm- und Rotwild geben sich hier ein permanentes Stelldichein. Ihre Ausbreitung kann von den ansässigen Jägern kaum im Zaum gehalten werden, sodass die niedergelassenen Landwirte immer wieder erhebliche Ernteschäden hinnehmen müssen. Die riesigen Wald- und Freiflächen sowie die dünne Besiedlung durch den Menschen ermöglichten diesen Artenreichtum und bilden auch die Grundlage für die Ansiedlung von Wölfen. Seit 2011 werden sie hier vereinzelt gesichtet. Das erste Paar konnte hier 2012 nachweislich drei Junge aufziehen, 2013 waren es hier bereits sieben Welpen.
Ein weiteres Wolfsrudel, mit mindestens vier Welpen in 2013, hatte sich auf dem Truppenübungsplatz Bergen angesiedelt. Die ähnlichen Bedingungen wie bei Munster sind bestechend für eine Erstansiedlung.
Im Wendland konnte sich ein weiteres Wolfsrudel ansiedeln. Nachdem im Frühjahr 2013 zunächst nur zwei Wölfe gesichtet wurden, erbrachten Fotos den Nachweis von sechs Welpen.
Auch hier nur dünne Besiedlung. Man könnte meinen der Wolf meidet den Menschen, doch weit gefehlt.

1.2 Lausitz

Der Freund seines Sohnes spitzte immer die Ohren wenn der Forstwirt in der Lausitz erzählte. Bei einem gemeinsamen Grillabend erfuhr er vom Nachwuchs im Wolfsrudel. Mit Begeisterung und Stolz erzählte der alte Jäger freizügig von seiner Entdeckung, der Neuzugänge in seinem Revier und wo diese ungefähr zu finden sind. Mit einer Fotofalle hatte er sie erwischt. Er erzählte auch das der Wolf denselben Schutzstatus wie der Elefant und Panda geniest und es etwas ganz besonderes sei, diese seltenen Tiere im eigenen Revier zu haben. Nicht ahnend das der Freund seines Sohnes etwas ganz anderes im Schilde führte. Er war der Sohn des Schafzüchters und heuchelte schon seit Wochen Interesse an den Geschichten des alten Jägers und bekam an diesem Abend schließlich den entscheidenden Hinweis.
Mit Schrotflinten bewaffnet machten er und seine zwei Brüder sich auf zum Bau der Wölfe. Sie hatten den Abend gut vorbereitet. Ihr Vater saß mit dem alten Jäger im Wirtshaus und trank. Sie diskutierten über den Staatlichen Ausgleich für gerissene Schafe. Die jungen Männer näherten sich dem Wald in dem der Bau des Rudels sei. Es war schon nach 20:00 Uhr als sie den Jeep in der Nähe parkten. Die alten Wölfe waren bereits auf der Jagt und etliche Kilometer entfernt. Der frische Nachwuchs wurde von drei Jungtieren versorgt, welche den nahenden Jeep sofort als direkte Bedrohung einstuften. Jeder der Jungwölfe schnappte sich ein oder zwei Welpen und gemeinsam ergriffen sie die Flucht. Ein Ausweichquartier nur ein bis zwei Kilometer entfernt war ihr Ziel. Doch eines der Welpen, das schwächste kam nicht mit. Zu groß war die Aufregung über die nächtliche Störung.
Ein paar Tage später gab es eine Nachricht in der Tageszeitung über den Fund eines getöteten Welpen, mitte Dezember in der Lausitz. Unbekannte hatten das Tier mit Schrot geschossen und den Kadaver auf einer Wiese liegengelassen. Tierschützer setzten 10.000,- Euro Belohnung zur Ergreifung der Täter aus.

1.3 Kolkhagen

Der Bürgermeister der Gemeinde Barnstedt (Landkreis Lüneburg) kann seinen Augen kaum glauben. Schon oft hat er angefressene Tierkadaver am Straßenrand gesehen. Doch dieser Fund bei dem kleinen Dorf Kolkhagen ist anders.
“Da war nichts mehr dran an dem Wildschwein, alles akribisch abgenagt”.
Anwohner haben sofort den Wolf in Verdacht. Denn immer wieder wurde das Raubtier nahe der Gemeinde gesichtet. Beunruhigend ist dieser Vorfall besonders deswegen, das der Schauplatz sich nur 350 Meter von dem Ort Kolkhagen entfernt befindet. Immer häufiger werden Wölfe auch in bebauten Gegenden gesichtet.
“Der Wolf hat keine Angst vor Siedlungen” bestätigt ein Wolfsberater. “Es geht ihm nur um seine Kinderaufzucht und um die Suche nach Futter”.
Der Wolf hat keine natürlichen Feinde, steht unter Naturschutz und hat somit hierzulande keine Dezimierung zu befürchten.
Und sie kommen immer näher ...

1.4 Celle

Ein Waldstück in der Nähe von Celle. In der Abenddämmerung bezieht ein Jäger auf seinem Hochstand Stellung. Der fast volle Mond steigt auf, aber es ist kaum was los, nur ein paar Hasen. Nach ca. zwei Stunden entdeckt er ein Reh das am Waldrand äst. Er hat eine Abschussfreigabe für mehrere Stück Rehwild. Nach wenigen Minuten hat der Jäger freie Sicht. Er blickt zum Mond, der in Kürze hinter den Wolken verschwinden wird. Er richtet sein Gewehr aus, schießt und trifft.
Kurze Zeit später schließt er die Fenster vom Hochstand und steigt mit dem entladenen Gewehr auf dem Rücken herab. Auf dem Weg zum Reh bricht er traditionell einen Zweigspitze von einer Tanne ab. Als der Jäger das Reh inspizieren möchte, bemerkt er etwas hinter sich. Er dreht sich um, wenige Meter entfernt steht ein Wolf im Schein seiner Taschenlampe. Auch er hat es auf das Reh abgesehen. Der Wolf zeigt keine Furcht. Der Jäger geht auf Nummer sicher, verlässt rückwärts den Ort, und überlässt das Reh dem Wolf. Er geht noch 30 Meter rückwärts und leuchtet hinter sich auf den Boden. Dann dreht er sich um und geht mit langen bestimmten Schritten zügig zu seinem Auto. Er schließt die Tür hinter sich und atmet durch.
“Was war denn das, so etwas gibt es doch gar nicht”. Er sieht sich im Spiegel selber in die Augen, und bemerkt das sein Gesicht aschfahl scheint obwohl sein Puls auf 180 ist. Er atmet mehrmals tief durch, bevor er beschließt am nächsten Tag zurückzukommen, und die Reste des Rehs zu untersuchen. Er startet das Auto und fährt langsam den Wirtschaftsweg in Richtung Hauptstraße. “Das glaubt mir doch wieder keiner”

1.5 Vollersode

Es ist Nacht, der Mond spendet nur wenig fahles Licht. Der Nebel zieht vom Moorgewässer über die Weiden, das Gras ist nass und kühlt. Aus der Ferne ertönt das tuten eines Zuges, sonst ist es still. Ich laufe, laufe immer weiter durch die Nacht, der Mond weist mir den Weg. So haben es die Alten immer beschrieben, laufe, laufe so lange du kannst. Ich bin schon lange außerhalb der sicheren Zone, habe die Sandhügel hinter mir gelassen und laufe schon die zweite Nacht, ich bin Fähe eine Tochter aus Munster. Ich hatte die Gängeleien der Brüder und Schwestern nicht mehr ertragen, ich musste da weg. Habe nur noch auf den hellen Mond gewartet und seit dem laufe ich, laufe in Richtung des frühen Mondes. Die Alten sagten laufe mindestens drei Nächte ohne Rast, dann suche ein sicheres Dickicht, und beobachte die Umgebung. Entdeckst du die Zeichen, laufe weiter denn sonst bist du des Todes. Jage nicht wie du es gelernt hast, dafür ist keine Zeit, friss was du findest, es ist genug für alle da.
Der Morgen dämmert, ich laufe, eine Lichtung, ich rieche sie, ich habe Hunger. Das hohe Gras am Waldrand gibt mir Deckung, ich rieche sie, ein Reh gebar ein Kitz. Der Geruch leitet mich direkt ins Ziel, es ist genug für alle da. Die Mutter flüchtet, das Kitz schreit, es ist zu spät. Ein Biss und es verstummt. Ich fresse das warme Fleisch so schnell ich kann. Im Rudel fraß man nie allein, man musste seinen Anteil verteidigen. Es lehrte uns die Umsicht und so sehe ich auch jetzt was mich umgibt. Ich stehe auf einer Lichtung im hohen Gras, man kann nur ein paar Meter weit sehen, die Reh-Mutter läuft noch immer in Richtung Moor. Ich bin Fähe, die Tochter von Munster auf dem Weg in die Freiheit. Noch einen Bissen und ich laufe in den nahen Wald.
Hier gibt es wieder Hügel, Tannen und Sand wie dort wo ich aufgewachsen bin. Dort gab es Sand, viel Sand und im Sommer ein Blütenmeer. Ich durchquerte die flache moorige Ebene in zwei Nächten, und hier auf der anderen Seite will ich schlafen, verborgen im trockenen Sand unter Tannen und Brombeerdornen, und morgen Nacht werde ich die Gegend erkunden.
Ein großes Gehöft bei Vollersode, Landwirtschaft wird schon lange nicht mehr betrieben. Drinnen brennen Kerzen, ein Fernseher läuft, Nachrichten aus der Region. Ein ortsansässiger Jäger beobachtete einen Wolf. Ein gerissenes Rehkitz wurde gefunden. Die DNA Analyse des Speichels bewies das es sich wirklich um einen Wolf handelt, eine Wölfin aus Munster. Die Nachkommen des Rudels seien auf der Suche nach neuen Revieren berichtet stolz die Wolfsbeauftragte Britta Habbe mit einem strahlenden Gesicht, eine junge Frau Anfang Dreißig. Das Tier stelle keine große Gefahr da, denn es werde sich normalerweise Häusern nicht nähern.
“Nicht nähern!” Reini spring auf, sieht Ute an, “definiere mal Nähe!”. Er geht in den Keller, kramt im Stahlschrank, 50, 100, 150. Zurück im Wohnzimmer “Ich fahre morgen zur Genossenschaft, habe nur noch Patronen für 150 Schuss”. Dann schweigen.
Beide wissen das Rehkitz wurde keine 200 Meter von ihrem Gehöft entfernt gefunden. Reini klingen plötzlich die Worte seines Opas wieder in den Ohren.